Selbst der schundfilmgestählte Don Arrigone kann sich nicht jeden Tag doofe Hexenfilme wie LAST SCREAM oder WITCH ACADEMY ansehen - weswegen unser Korrespondent von der Trashfront in seinem heutigen Gastbeitrag mal einen doofen Schlangenfilm bespricht: BOA VS. MONTY PYTHON-- ach nein, es ist leider doch nur BOA VS. PYTHON. Sprich, Don, welches Juwel hast du da für uns ausgegraben?



Im Titel von BOA VS PYTHON verstecken sich zwei zentrale Ideen – und keine davon war 2004 noch irgendwie neu: Filme mit Riesenschlangen waren spätestens seit ANACONDA (1997) beliebt, und Kämpfe zwischen Monstern haben dank Godzilla auch schon jahrzehntelange Tradition (z.B. MOTHRA VS. GODZILLA von 1964). Meine Erwartungen an den Film waren dementsprechend niedrig – und, um es gleich vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.


Der Film beginnt mit einem Wrestlingmatch, wobei die beiden Opponenten "Boa" und "Python" heißen – ob uns Regisseur David Flores damit irgendetwas sagen will? Egal, denn eigentlich dient die Szene nur zur Einführung des Bösewichts, dem schmierigen Schönling und Millionär Broddick. Dieser hat, wie wir erfahren, eine Großwildjagd mit einem besonders exquisiten Opfer geplant: einer Jagdbeute, so groß, daß sie in einem LKW geliefert werden muß. Man könnte nun natürlich endlos darüber spekulieren, was das geheimnisvolle Monster in einem Film mit Riesenschlangen auf dem DVD-Cover sein könnte, aber schon Sekunden später stellt sich heraus, daß das Ungetüm zur Familie der Alethinophidia gehört. Und ich dachte schon, es wäre ein Sasquatch.

Nun, die Schlange entkommt und beginnt, wie es sich für Reptilien in Horrorfilmen gehört, wahllos Leute aufzufressen. Unter den ersten Opfern findet sich, wie sollte es auch anders sein, ein knutschendes Teeniepärchen – wobei der typische Ablauf hier sogar ein wenig variiert wird: Der Knabe wird nämlich gefressen, als er gerade versucht, seine Freundin oral zu beglücken, und als diese sich beschwert, setzt die Schlange den Cunnilingus kurzerhand fort. Man lasse sich den letzten Satz bitte auf der Zunge zergehen.


Das rätselhafte Verschwinden junger Teenager ruft die Regierung auf den Plan, hier vertreten durch Agent Sharpe. Kaum, daß er herausgefunden hat, was für ein Monstrum hinter den Morden steckt, entwirft er auch schon einen abenteuerlichen Plan: Die hübsche Meeresbiologin Monica soll eine andere Riesenschlange mit ihrem für Delphine entworfenen GPS ausstatten, um damit das ursprüngliche Ungetüm ausfindig zu machen. Klingt bescheuert, ist aber so. Da die letzte Riesenschlange der USA bei einem Geheimeinsatz in Rußland verloren ging, leiht man sich kurzerhand Boa Betty vom Ophiologen Dr. Emmett aus.

Währenddessen war aber auch Broddick nicht untätig und hat ein Sammelsurium an Klischees herbeigekarrt, um die Python zu jagen. Da gibt es den Texaner "Tex", ein Vater-Sohn-Gespann aus den Südstaaten, einen Großwildjäger und einen Scharfschützen mit dem Motto "One Shot. One Kill". Dazu gesellt sich noch Broddicks Freundin Eve, die wohl hofft, die Schlange würde mit sich reden lassen: Die 9mm, die sie dabei hat, wird ihr auf jeden Fall nicht helfen. Im obligatorischen Hero Walk kann der Zuschauer noch einmal in Zeitlupe bewundern, wie lächerlich das versammelte Ensemble eigentlich ist.


Der Rest des Films verläuft nun exakt so, wie man es sich vorstellt: Rund ein Dutzend Leute schleichen durch enge, schlecht beleuchtete Tunnel, eine Person nach der anderen wird entweder von der Python oder der Boa verspeist, und Monica verliebt sich in Dr. Emmett – sie weiß offenbar, was man über Ophiologen sagt. Nennenswerte Höhepunkte sind eigentlich nur der Sex zwischen schlecht animierten Riesenschlangen – ja, Boa und Python paaren sich tatsächlich – und der Endkampf. Daß Beischlaf nicht vor tödlichen Auseinandersetzungen schützt, deckt sich leider mit meiner persönlichen Erfahrung.

Eigentlich müßte es inzwischen Computerprogramme geben, die selbstständig Filme wie BOA VS PYTHON produzieren können, denn mehr als eine Abfolge ausgelutschter Klischees stellt der Film nicht dar. Ob die Regieanweisungen von einem Menschen oder aus dem Lautsprecher kommen, hätte für die Schauspieler, an denen Hopfen und Malz verloren ist, wohl auch keinen Unterschied mehr gemacht. Und so stellt sich abschließend nur die Frage, wo ich jetzt ein Programm herkriege, um solche Filme genauso generisch zu rezensieren – mehr Aufwand hat solche Fließbandarbeit eigentlich nicht verdient.




Boa vs. Python - Duell der Killerschlangen (USA/Bulgarien 2004)
Originaltitel: Boa vs. Python
Regie: David Flores
Buch: Chase Parker, Sam Wells
Darsteller: David Hwelett, Jaime Bergman, Kirk B.R. Woller, Adamo Palladino, Angel Boris Reed, Marianne Stanicheva, Griff Furst

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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2 comments so far,Add yours

  1. Er hat mit allem recht. Und doch: ich fand den Film amüsant! Mir ist halt nicht zu helfen. :)

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  2. Ich kenne das, manchmal kann man solchem Unfug einfach nicht widerstehen ;-)

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