2013
 
Nehmen wir mal an, wir wollten eine Doku über eine Band machen - was brauchen wir dazu? Die Musik der Band, sehr gut. Die Band selber, auch nicht schlecht. Leute, die etwas mit der Band zu tun haben, fantastisch. Und möglichst viel Bildmaterial von der Band, alles klar. Und wenn uns das alles nicht zur Verfügung steht? Dann filmen wir einfach trotzdem drauf los und machen eine Doku wie STAIND: TAINTED, die uns lehrt, daß wir eigentlich unnötig kompliziert an die Sache herangegangen wären - man kann nämlich auch anderweitig 50 Minuten füllen.

"A real man of action", sagt Arnold Schwarzenegger über Hal Needham - einst Hollywoods bestbezahlter Stuntman, der nach eigenen Angaben in seiner Karriere 56 Knochenbrüche überstanden hat. Meine Kindheit prägte Needham aber mit einem Film, den er selbst inszenierte: Er konnte 1977 vom Stuntkoordinator zum Regisseur aufsteigen und drehte das Burt-Reynolds-Vehikel EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR (im Original: SMOKEY AND THE BANDIT), dessen enormer Erfolg ihm eine zweite Karriere hinter der Kamera bescherte. Das SCHLITZOHR war geradezu maßgeschneidert für Achtjährige aller Altersstufen: Flotte Sprüche am laufenden Band, rasante Action mit schnellen Autos, aufregende Stunts, ein lässiger Schelm als Held, eine cholerische Comicfigur als Bösewicht und eine augenzwinkernd anarchische Grundhaltung. Es ist eben nichts schöner, als zusammen mit einem sympathischen Schlitzohr der aufgeblasenen Obrigkeit ein Schnippchen zu schlagen - und dabei unbekümmert ein paar Fahrzeuge und die Landschaft zu demolieren.

Der schönste Moment von FAST & FURIOUS 5 steckt im Abspann. Da wird mit fast rührender Besorgnis darauf hingewiesen, daß alle Autostunts des Films von Profis in kontrollierter Umgebung gemacht wurden, und daß diese Stunts gefährlich seien und man sie deswegen bitteschön nicht zuhause nachmachen soll. Auch wenn sich der berüchtigte Genzelsche Dickschädel intuitiv gegen solch autoritäre Unterlassungsgesuche sträubt, gebe ich dann doch klein bei und verzichte darauf, nächste Woche mit einem Auto aus einem fahrenden Zug zu springen und dann damit über eine Klippe zu rasen. Unsere Helden im Film machen das übrigens, um ihre Haut zu retten - man könnte ihnen kaum einen besseren Plan vorschlagen! - während der Zugführer sich brav in die jüngste Reihe dienstbeflissener Oberschaffner einreiht, die nicht einmal zerstörte Waggons oder Explosionen am Zug dazu bringen können, ihre Lok zu verlangsamen oder gar zu stoppen (siehe auch: SKYFALL und SHERLOCK HOLMES 2).

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Halloween 2013 ist zwar schon vorbei, aber Horror hat ja zum Glück Ganzjahressaison. Der deutsche Streaming-Anbieter Watchever will mit seiner Aktion "Wir können auch böse" auf ein gewachsenes Angebot in den Genres Horror, Mystery und Thriller hinweisen (und nebenher darf man darüber sinnieren, ob das Hamburger-Hafen-Setting des dazugehörigen Werbevideos nicht vielleicht auch gleich für ein ganz ungruseliges Paket an Hans-Albers-Filmen zweitverwertet werden könnte). Im Angebot sehe ich feine Klassiker wie Kubricks THE SHINING und Cronenbergs THE DEAD ZONE, dazu natürlich diverse aktuellere Filme (z.B. SCREAM 4) und auch vielgelobte Serien wie THE WALKING DEAD. Watchever bietet ein monatliches Abo für 8,99 Euro an, das man auch vorab für 30 Tage kostenlos testen kann.

"Menschkeit": Dieser jiddische Begriff - eine Abwandlung des Wortes "Menschlichkeit" - taucht immer wieder in dem Politdrama CITY HALL auf. "Menschkeit" hat etwas mit Ehre zu tun, mit Charakterstärke - der "Mensch" im Jiddischen ist mit all den positiven Attributen versehen, nach denen wir streben (Spuren dieser Bedeutung zeigen sich in der geläufigen Negation "Unmensch"). Kurz gesagt: Wer "das Richtige" tut, zeigt "Menschkeit". Bürgermeister John Pappas definiert den Begriff im Film auf interessante Art und Weise: "The space between a handshake".

"Make it your own", empfahl Regisseur John Carpenter dem Musiker und Filmemacher Rob Zombie, als der ihm erzählte, daß er sich an ein Remake von Carpenters Horrorklassiker HALLOWEEN wagen würde. Ein guter Ratschlag, nicht nur im Hinblick auf das Resultat von Gus Van Sants Experiment, den Hitchcock-Streifen PSYCHO so originalgetreu wie möglich zu verfilmen: Schließlich war Carpenters Geschichte ja schon perfekt erzählt (und mit diversen Fortsetzungen bedacht worden), und die sinnhafteste Neuerzählung würde aus den Elementen des Originals eine eigene Story mit anderer Erzählstimme zusammensetzen - sprich: HALLOWEEN von Rob Zombie, nicht HALLOWEEN von jemand anderem.

Das weiße Haus ist reif für eine Renovierung: Gleich zwei Kinofilme haben sich dieses Jahr mit Vehemenz an die Arbeit gemacht, den geschichtsträchtigen Regierungssitz der Vereinigten Staaten zu demolieren. Es ist mittlerweile gar kein Ausnahmefall mehr, daß zeitnah zwei Blockbuster dasselbe Thema beackern - sei es ein Asteroideneinschlag auf der Erde (ARMAGEDDON vs. DEEP IMPACT), ein Vulkanausbruch (VOLCANO vs. DANTE'S PEAK), die Schneewittchengeschichte (SPIEGLEIN SPIEGLEIN vs. SNOW WHITE & THE HUNTSMAN), oder nun eben die Terroristenattacke auf die Präsidentenbude. Zugegeben: Antoine Fuqua mag mit seinem OLYMPUS HAS FALLEN unserem liebsten Krawallkind Roland Emmerich bzw. dessen WHITE HOUSE DOWN um ein paar Monate zuvorgekommen sein, aber eigentlich treten beide mit der Geschichte in die Fußstapfen der Serie 24, in deren siebter Staffel schon 2009 böse Buben dieselbe Hütte besetzten. Die bekamen es dann mit Spezialagent Jack Bauer zu tun, und als informierter Zuseher rechnete man jede Sekunde damit, daß Jack für die amerikanische Sicherheit den Verteidigungsminister foltern und das Oval Office sprengen würde.

In meinem Text zu Stanley Kubricks Horrorfilm THE SHINING habe ich angemerkt, daß der Film wie ein Puzzle funktioniert, das auf verschiedene Weisen zusammengesetzt werden kann - und biete dazu selber eine Bedeutung an, die ich jenseits der gezeigten Geistergeschichte wahrnehme: Ich sehe unter der Story um einen Winterhausmeister, der in einem über Monate hinweg eingeschneiten Hotel wahnsinnig wird und seine Familie umzubringen droht, eine Reflexion von familiärer Gewalt und Kontrollphantasien. Das ist keine wirklich gewagte Deutung - der Film bietet genug Elemente an, die diese Themen widerspiegeln. Und doch reihe ich mich mit exakt dieser letzten Behauptung in die Gruppe von SHINING-Exegetikern ein, die Kubricks Werk in Rodney Aschers Filmessay ROOM 237 mit höchst eigenwilligen Beobachtungen und Auslegungen bedenken und dafür Unmengen an Hinweisen aufdecken.

Es ist interessant, wie sich das Bild des Zombies in all den Jahren gewandelt hat. In George Romeros Endzeitphantasien sind die Untoten noch im wahrsten Sinne des Wortes eigentlich tote Wesen, die in die Welt der Lebenden zurückkehren - nicht umsonst beginnt NIGHT OF THE LIVING DEAD auf einem Friedhof. Auch in den meisten anderen Filmen der von Romero losgetretenen Zombiewelle - darunter z.B. Lucio Fulcis WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, Amando de Ossorios DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN oder Jorge Graus DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN - ist der Untote sehr deutlich ein aus dem Totenreich wiederkehrendes Wesen: In zahlreichen Szenen dieser Filme sehen wir die Leichen, die sich aus ihren Gräbern und Särgen erheben - es ist die menschliche Urangst vor dem Tod selbst, die hier angesprochen wird, beziehungsweise die Unausweichlichkeit des Sterbens.

Halb als Scherz stelle ich manchmal zur Debatte, daß es in Stanley Kubricks Horrorklassiker THE SHINING eigentlich um eine Schreibblockade geht. Es ist nicht völlig abwegig: In der psychologischen Terrorstory um einen Mann, der zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Jungen über die Wintermonate ein verlassenes, eingeschneites Hotel bis zur Wiedereröffnung betreut und dabei dem Wahnsinn anheim fällt, brennen sich Dutzende von Szenen und Bildern in das Gedächtnis des Zusehers - darunter auch der absurde, subtil grauenhafte Moment, in dem die Ehefrau das Manuskript durchblättert und dabei feststellen muß, daß der Roman, an dem der Mann schon seit Wochen arbeitet, über hunderte von Seiten hinweg aus der zigfachen Wiederholung eines einziges Satzes besteht: "All work and no play makes Jack a dull boy" (in der deutschen Fassung: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen"). Es sickert einem erst nach ein paar Augenblicken, wie es um den Geisteszustand dieses Mannes beschaffen sein muß - von dessen Kreativität wir schon geahnt haben, daß sie ähnlich leblos und leer ist wie die gigantische Halle, in der er täglich tippt.

Auch wenn uns Hollywood derzeit mit Remakes zuschüttet, daß es einer kreativen Bankrotterklärung gleichkommt - das Konzept, Geschichten nochmal zu erzählen, ist an und für sich nichts Ungewöhnliches oder Ungehöriges. Schon Jahrhunderte, bevor es den Film gab, wurden Heldengeschichten und Folklore weitererzählt und umgesponnen; nur ein Beispiel dafür wäre die Artus-Sage, die in unzählbaren Varianten wiedergegeben und festgehalten wurde und selbst heute noch neue Erzählweisen findet. Aber auch im strengeren Rahmen des Mediums "Film" betrachtet muß das Remake-Konzept nicht generell etwas Verwerfliches sein: Mitunter erlaubt es die Neuerzählung, eine Geschichte in einen neuen gesellschaftlichen Kontext zu stellen, ihr neue Betrachtungsweisen abzugewinnen oder sie an eine andere Kultur anzupassen.

Man könnte behaupten, daß der zu 99,9% im All spielende Streifen GRAVITY eigentlich gar kein Science-Fiction-Film ist. Vielmehr ist er die Geschichte eines Menschen, der eine schreckliche Katastrophe überlebt und dann, als er sich eigentlich schon aufgegeben hat, wieder die Kraft findet, weiterzukämpfen. Daß es sich bei der Katastrophe um die Zerstörung einer Forschungsstation im Weltraum handelt, ist gewissermaßen Nebensache - GRAVITY ist eine Allegorie über das Leben an sich, über die Hoffnung entgegen jeder Wahrscheinlichkeit.

In meinem Text über Peter Medaks großartigen Geisterhorror DAS GRAUEN habe ich unter anderem darüber gesprochen, wie Medak zusammen mit seinem Kameramann John Coquillon stets eine gewisse Präsenz im von der Hauptfigur bewohnten Haus suggeriert und dabei die tatsächlichen übernatürlichen Erscheinungen ganz gering hält, aber dafür umso effektiver gestaltet. Schauen wir uns doch mal eine Szene im Detail an - und zwar die im Text erwähnte Sequenz mit dem plötzlichen Auftauchen des Spielballs, der der verstorbenen Tochter unseres Protagonisten gehörte.

Der Schulabschluß mitsamt ausufernder Feier gehört zu den Ritualen des Erwachsenwerdens - wobei die Festivitäten ja eher als Maßnahme verstanden werden dürfen, den Reifeprozeß noch ein wenig aufzuschieben. Somit gehört die Abschlußparty auch zu den beständigsten Topoi des Teeniefilms, weil man da ganz nach Interesse entweder etwas über einschneidende Veränderungen im Leben erzählen oder jede Menge betrunkene Jugendliche zeigen kann, die allerlei Unfug treiben - manche Filme schaffen sogar beides. Der reichlich obskure Streifen GRAD NIGHT aus dem Jahr 1980 konzentriert sich auf den Unfug: Die Schule ist aus, Bob trennt sich von seiner Freundin Jenny, Bobs Kumpel Tim verschafft ihm Trost bei einer Prostituierten, und der mit beiden befreundete Gary steht dazu gerne ungelenk im Bild herum. Der übliche Teeniealltag eben. Weil das nicht für Spielfilmlänge reicht, gibt es noch diverse andere Figuren, die sich hauptsächlich dadurch auszeichnen, nicht Tim, Bob oder Gary zu sein.

Nachdem wir uns vor ein paar Tagen die aktuellste Verfilmung von F. Scott Fitzgeralds meisterlichem Drama DER GROSSE GATSBY angesehen haben, macht es Sinn, sich auch eine frühere Version anzusehen. Das 1925 veröffentlichte Buch wurde schon 1926 zum ersten Mal verfilmt, aber diese Stummfilmversion ist (bis auf einen einminütigen Trailer) verschollen. Der zweite Anlauf stammt aus dem Jahr 1949 - Elliott Nugent inszenierte das Schwarz-Weiß-Drama mit Gangsterfilmstar Alan Ladd als Gatsby, Betty Field als Daisy Buchanan und Macdonald Carey als Nick Carraway. In einer Nebenrolle ist Shelley Winters als Myrtle Wilson zu sehen.

Ich habe mal in einem Spukhaus gewohnt. Nein, eigentlich war es kein richtiges Spukhaus - nur ein altes, dezent unheimliches Haus, das einem beständig das Gefühl gab, daß es eine Geschichte dahinter gäbe. Aber schon die Geräusche, die das Anwesen von sich gab - wie das alte Häuser nun einmal so tun - haben die Phantasie gehörig auf Touren gebracht: Ständig hat irgendwo etwas geknackt, und im unbewohnten zweiten Stock hat gerne mal eine Tür von alleine geknirscht. Die Treppe hat gerne dumpfe Geräusche von sich gegeben - und wenn man die Stufen der Reihe nach hört, knarz-knarz-knarz, als würde jemand hinaufgehen, dann rächen sich sämtliche Gruselfilme, die man in zu jungen Jahren gesehen hat. Manchmal hörte man es auf dem Gang flattern - dann hatte sich wieder eine Fledermaus vom Dachboden her nach unten verirrt.

F. Scott Fitzgeralds 1925 veröffentlichter Roman THE GREAT GATSBY ist nicht umsonst ein Klassiker der amerikanischen Literatur: Das Buch fängt in bemerkenswerter sprachlicher Eleganz eine Ära ein, in der umso ausgelassener gefeiert wurde, je schlechter es den Menschen ging. Es zeichnet ein düsteres Bild des amerikanischen Traums - die Titelfigur, der Millionär Jay Gatsby, hat sich von Armut zu Reichtum hochgearbeitet, aber es stellt sich heraus, daß er dabei eigentlich nur eine Rolle spielt und sein Geld zwielichtigen Geschäften zu verdanken hat. Und im Kern ist THE GREAT GATSBY die tragische Geschichte eines einsamen Menschen, der mit all seinem Besitz tausende von Menschen um sich versammeln kann und doch ganz und gar alleine bleibt.

Regisseur Baz Luhrmann sieht das wohl anders: Für ihn ist THE GREAT GATSBY eine der ergreifendsten Liebestragödien aller Zeiten. Es kann nicht behauptet werden, daß diese Lesart nichts mit der Geschichte zu tun hätte - die Handlung des Romans dreht sich größtenteils darum, daß der immens reiche Gatsby über Jahre hinweg prunkvolle Feste organisiert, weil er hofft, daß seine verlorengegangene Liebe Daisy Buchanan auf einer dieser Feiern auftaucht. Daisy lebt sogar ganz in der Nähe - aber hat vor vielen Jahren, nachdem Gatsby in den Krieg ziehen mußte, jemand anderen geheiratet. Die Dreiecksbeziehung ist also durchaus ein substantieller Teil der Geschichte - aber gleichzeitig auch die oberflächlichste Ebene, und Luhrmann schaut in seiner seichten Interpretation kaum unter die offensichtlichen Gegebenheiten.

Im ersten Close-Up zu Tobe Hoopers TEXAS CHAIN SAW MASSACRE haben wir uns die Sequenz angesehen, in der Leatherface den im Rollstuhl sitzenden Franklin angreift. Heute will ich mir noch eine andere Szene vorknöpfen, die wahrscheinlich zu den intensivsten des Films gehört - und daher auch zu denen, an die man sich lange erinnert. Auch hier zeigt die genaue Betrachtung der einzelnen Einstellungen, daß der Film weitaus mehr suggeriert als zeigt - was letztlich umso effektiver ist.
 

Nachdem ich vor einigen Tagen über Tobe Hoopers BLUTGERICHT IN TEXAS (im Original: THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE) geschrieben und über die Balance zwischen Sehen und Erahnen geredet habe, die die Phantasie des Zusehers so weit anregt, daß man glaubt, grausame Bilder serviert bekommen zu haben, will ich mal eine Sequenz genauer unter die Lupe nehmen. Es handelt sich dabei um den Mord an dem Rollstuhlfahrer Franklin, der kurz nach Minute 50:00 geschieht. Die Szene zeigt, wie einfach, aber durchdacht Regisseur Tobe Hooper und sein Kameramann Daniel Pearl hier gleichzeitig etwas zeigen und verbergen.
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Nach nur knapp 8½ Jahren - ja, so lange existiert Wilsons Dachboden schon - habe ich es endlich geschafft, einen Infotext über die Seite online zu stellen. Zugegebenermaßen habe ich aber nicht die gesamte Zeit daran gearbeitet ... Wer endlich mal wissen will, worum es hier geht (oder jetzt erst als Gast zum Dachboden hinzustößt), findet hier die knallharten Fakten: Über Wilsons Dachboden.

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Von allen großen Horrorklassikern ist dieser hier wahrscheinlich der nihilistischste: In Tobe Hoopers THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE begleitet uns der Tod von der ersten Einstellung an. Um viel mehr geht es nicht: In der bizarren Schlachthauswelt, die hier gezeichnet wird, gibt es primär nur wahnsinnige Täter und beinahe anonyme Opfer. Der Grundriß der Geschichte ist selbst unter Abzug der Tatsache, daß er dekadenlang als Blaupause für jeden zweiten modernen Horrorfilm dienen durfte, eine gänzlich banale Angelegenheit: Fünf Freunde fahren ins Grüne und fallen einer nach dem anderen einer verrückten, mörderischen Familie in die Hände. Aber was Regisseur Tobe Hooper aus dieser Minimalprämisse macht, hat selbst nach fast 40 Jahren immer noch das Potential, sich tief in die Vorstellungskraft des Zusehers einzugraben.

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Man könnte ja glauben, daß mit HD-Fernsehern und BluRay das Ende der Fahnenstange erreicht ist, was die optische Qualität von Filmen angeht. Aber natürlich hätte man sich denken können, daß da nach oben hin noch jede Menge Luft ist - und vielleicht werden wir dem, was wir heute als BluRay-Standard genießen, in fünfzehn Jahren ähnlich skeptisch gegenüberstehen, wie wir es heute bei den ganz alten DVDs tun, die für die damalige Zeit fantastische Bildqualität boten und uns heute mit kantigen Pixeln und verschwommenen Konturen abschrecken.

Sony jedenfalls stellt momentan eine Palette an 4K-Fernsehern vor, die die vierfache Auflösung eines üblichen HD-Schirms versprechen. Das ist eine immense Menge an zusätzlicher Bildinformation - die momentan noch gar nicht richtig genutzt werden kann: Selbst die jüngsten "4K Mastered"-BluRays diverser Filme aus dem Sony-Katalog (darunter mit GHOSTBUSTERS und TAXI DRIVER auch zwei veritable Klassiker) können aufgrund des Platzmangels keine vollwertige 4K-Auflösung bieten. Ich bin gespannt, wie die tatsächlichen 4K-Versionen, die wahrscheinlich nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen werden, dann aussehen. Vielleicht gibt es ja denselben Effekt, als ich damals als BluRay-Skeptiker bei einem Freund Carpenters THE THING in HD vorgeführt bekam und schon nach ein paar Momenten wußte, daß ich dringend aufrüsten muß - man wird sehen.

Ganz unabhängig von der Frage, ob man zwangsläufig jetzt sofort viel Geld investieren muß, stehe ich dem Trend, Filme möglichst immer besser aussehen zu lassen, positiv gegenüber: Als Filmliebhaber will ich jeden Streifen in seiner bestmöglichen Version sehen. Ich gebe zu: Ich habe lange Zeit auf einem Winz-Fernseher geschaut und dann auf kleinem Computerschirm - und ich behaupte nach wie vor, daß ein packender Film auch in "klein" ebenso packend ist. Aber in groß und scharf entfaltet so ein Film dann doch nochmal eine ganz andere Wirkung - die Details entwickeln eine andere Lebendigkeit, die Gesichter der Schauspieler vermitteln selbst kleinste Regungen umso eindringlicher. (Schade, daß in der Musik keine ähnliche Haltung existiert: Dort geben wir uns mit immer flacheren und spannungsloseren Abmischungen zufrieden, anstatt auch diese Kunstform in bestmöglichem Glanz erstrahlen zu lassen.)

Wer also fünf- bis achttausend Euro herumliegen hat oder einfach neugierig ist, kann sich die 4K-Fernseher ja mal auf der Sony-Website anschauen ...

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Der Körpertausch gehört seit geraumer Zeit zum Erzählrepertoire des Kinos - kein Wunder, erlaubt es uns doch außer der Literatur sonst kein Medium so sehr, in die Haut anderer Menschen zu schlüpfen. Deswegen werden im Film Identitäten nicht nur metaphorisch getauscht - zum Beispiel im Sinne der Verwechslungsgeschichte - sondern auch gerne mal tatsächlich: Da findet sich ein Junge im Körper eines Erwachsenen wieder (BIG), Elternteil und Kind tauschen ihren Körper (ICH BIN DU oder FREAKY FRIDAY) und eine junge Frau wird zum alten Mann (BODY SWITCH). Der Perspektivenwechsel erlaubt es uns, etwas über Empathie zu erfahren, soziale Rollen zu untersuchen oder die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit auszuloten. Im Falle von Peter Bogdanovichs ICH BIN DU, UND DU BIST ICH lernen wir hauptsächlich etwas über Zeitverschwendung.

Ein neuer Film von Paul Verhoeven? Schon gekauft! Sekunde aber: TRICKED (bzw. STEEKSPEL im niederländischen Original) ist kein absolut vollwertiger Spielfilm und schon gar kein neues Epos des Mannes, der in Holland provokante Werke wie TÜRKISCHE FRÜCHTE und BLACK BOOK drehte und dazwischen in Hollywood subversives Popcornkino wie ROBOCOP, STARSHIP TROOPERS und BASIC INSTINCT ablieferte. TRICKED ist gewissermaßen ein Experimentalfilm, dessen Experiment in der Entstehung liegt - und im knapp einstündigen Ergebnis wahlweise als langer Kurzfilm oder als sehr kurzer Spielfilm betrachtet werden kann.
Zu meinem geplanten zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE (Teaser: hier) sind jetzt zwei kurze Interview-Clips online, in denen die Darsteller über das Projekt reden. Beide Interviews wurden während des Teaserdrehs gefilmt.

Hier reden die beiden Hauptdarsteller Thomas Limpinsel und Götz Otto - nicht in jeder Sekunde hundertprozentig ernst - über ihre Rollen, die Retrogaming-Thematik des Films, ihre eigenen Computererfahrungen und darüber, wie sie zum Projekt gekommen sind.


Hier spricht Spieleveteran Heinrich Lenhardt (Power Play, PC Player) über seine Rolle im Teaser und darüber, was ihn an dem Projekt reizt.

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Was erwartet man als erfahrener Horrorfreund, wenn ein Film CTHULHU MANSION heißt und man vom Vorspann informiert wird, der Film sei "inspired by the writings of H.P. Lovecraft"? Eine durchaus korrekte Antwort wäre natürlich "nicht viel", die passendere lautet allerdings so: Nichts, was auch nur im Entferntesten etwas mit Lovecraft zu tun hat.

In der Tat wäre Poe die trefflichere Hausnummer für diesen spanisch-englischen Gruselfilm, der im Original adäquat LA MANSIÓN DE LOS CTHULHU heißt und von Juan Piquer Simón inszeniert wurde, der uns schon mit billigem Unterseehorror (SIRENE I), billigem Slasherspaß (PIECES - STUNDEN DES WAHNSINNS) und billigen Science-Fiction-Begegnungen (DIE AUSSERIRDISCHEN BESUCHER) beglückt hat. Zum guten alten Edgar Allan ließen sich hier weitaus mehr Bezüge herstellen als zu Herrn Lovecraft: Ein altes Spukhaus, eine mysteriöse schwarze Katze, eine Hauptfigur mit buchstäblich im Keller weggesperrtem Schuldgefühl - es mag Zufall sein, weil es sich um so allgegenwärtige und traditionsreiche Horrormotive handelt, aber wenn schon literarischer Bezug suggeriert wird und jenseits des Namens "Cthulhu" keiner vorhanden ist, puzzelt das Gehirn ja fast von alleine die sich anbietenden Querverbindungen zusammen.

Der kürzlich hier wiedergespielte C64-Jump'n'Run-Klassiker BRUCE LEE von 1984 ist trotz seines im Computerspielbereich mittlerweile biblischen Alters von 29 Jahren immer noch ein vergnügliches und durchaus beliebtes Spiel - und so erschien vor kurzem ein inoffizielles Fan-Sequel, das zwar unter Windows läuft, aber in Präsentation und Gameplay direkt an das Original anknüpft. Genaugenommen geht der Retrofaktor hier so weit, daß man anfangs einstellen kann, ob man Grafik und Sound à la C64 genießen will oder doch lieber eine der CPC-Version nachempfundene Fassung spielen mag.

Mit dem Namen könnte man jeder Veröffentlichung sofortige Relevanz verschaffen: BRUCE LEE. Der frühzeitig verstorbene Kampfsportler ist wohl der bekannteste Martial-Arts-Künstler der Welt; mit seiner immensen Körperbeherrschung, einer Handvoll Filme und einer Prise Lebensphilosophie erreichte Lee einen Legendenstatus, der anderen kultisch verehrten Ikonen wie James Dean, Jim Morrison oder Jimi Hendrix entspricht. Ich selber kenne Bruce Lee aber primär nicht durch seine Filme, sondern durch das vorliegende C64-Spiel von 1984. Das immens unterhaltsame Jump'n'Run-Abenteuer sorgte - gekoppelt mit der Ehrfurcht, mit der mein selber Kampfsport betreibender Freund Torsten mir damals von Lees Status berichtete - dafür, daß ich schon als Kind diesem Namen eine besondere Bedeutung zumaß.

Das mußte ja so kommen: Nachdem das Steve-Martin-Remake von IM DUTZEND BILLIGER 2003 mächtig Kohle eingespielt hatte und sogleich eine Fortsetzung auf den Grill geworfen wurde, dachte sich die Konkurrenz, daß sie am Großfamilienreibach doch ein wenig teilhaben konnten. Flugs wurde eine alte Komödie mit Henry Fonda und Lucille Ball entstaubt und mit Dennis Quaid und Rene Russo neuverwertet. Mit insgesamt 18 Kindern kann DEINE, MEINE & UNSERE somit quasi als IM DUTZEND BILLIGER 1½ gesehen werden - mit dem dezenten Unterschied, daß die Steve-Martin-Filme um einiges charmanter über die Leinwand flimmern.


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Schon letztes Jahr füllte Tele5 seine Wochenend-Abende gerne mit wonnigem Trash - vorzugsweise mit herzhaften Monster- und Tierhorrorstreifen, von denen auch ich einige begutachten durfte (z.B. CROCODILE oder BAT ATTACK). Die Programmschiene scheint Erfolg zu haben - weshalb der Fernsehsender ab dem 26. Juli eine Reihe unter dem Banner "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" bringt, die von Oliver Kalkofe und Peter Rütten präsentiert und kommentiert wird.

Ein wehmütiges Auge darf diese Sendereihe aber bei den Filmliebhabern durchaus hervorrufen, und das aus zweierlei Gründen. Einerseits stimmt einen die Filmauswahl nachdenklich: Schon für den Einstieg wird mit Fred Olen Rays SUPERSHARK ein Schnodderfilm gewählt, der freilich kompletter C-Quark ist - aber ohnehin nicht wirklich ernst gemeint. Später folgen zum Beispiel DIE RACHE DER KILLERFISCHE von Antonio Margheriti und das Endzeit-Spektakel CHERRY 2000 mit der jungen Melanie Griffith - kein preisverdächtiges Kino, aber an und für sich recht liebevoll gestaltete Genre-Stücke, die sich den Themenstempel keinesfalls verdient haben. Mit ORCS ist sogar ein sympathischer Billig-Streifen drin, der prinzipiell als Parodie auf die teuren HERR-DER-RINGE-Spektakel angelegt ist. Immerhin: Mit dem Italo-Fantasy-Spektakel DER THRON DES FEUERS (mit der wunderbaren Sabrina Siani) liegt man in Qualitätsfragen nicht ganz daneben. Ich gebe zu, daß ich mich auf letzteren Streifen am meisten freue, nachdem das gute alte VHS-Band mittlerweile eher den Titel DER THRON DER FINSTERNIS tragen sollte ...

Der andere Grund für eine gewisse Skepsis: Oliver Kalkofe ist ein witziger und schlauer Zeitgenosse - aber die Präsentation läßt auf einen recht derben Humor schließen. Und das wiederum ist eigentlich etwas, was ich schade finde - natürlich ist der Banner "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" primär Marketingschachzug, um Interesse an dieser etwas anderen Programmgestaltung hervorzurufen, aber dennoch entgeht einem so manch wunderbares Filmerlebnis, wenn man nur mit dem Finger auf den vermeintlichen Quark zeigt und darüber spottet. Schließlich sind Filme nicht einfach "gut" oder "schlecht", und so mancher von der Masse als "Trash" eingestufte Film hat weitaus mehr Ambition zu bieten, als ihm zugestanden wird.

Immerhin: Die plakative Aufmachung läßt dennoch darauf schließen, daß Interesse an Kino abseits der teuren Blockbuster besteht - und sei es nur, weil man mal über abgefahrene Absurditäten wie KNOCHENBRECHER IM WILDEN WESTEN schmunzeln möchte.

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Von 1987 bis 1996 gehörten die amourösen Abenteuer des Möchtegern-Aufreißers Larry Laffer zu den beliebtesten Adventures der Softwareschmiede Sierra: Die witzigen Geschichten, die den Antihelden von einer Peinlichkeit zur nächsten Bredouille stolpern ließen, machten aus Larry eine Kultfigur, die es bis ins Feuilleton schaffte. Sechs Teile schrieb Designer Al Lowe rund um seinen LEISURE SUIT LARRY (wobei die Nummerierung Part 4 übersprang und gleich mit #5 weitermachte); eine Fortsetzung mit dem Namen LUST IN SPACE wurde 1999 gecancelt. Unter neuer Firmenaufsicht und ohne Lowe durfte der Serienname nurmehr für zwei sensationell schlimme Spielchen herhalten (MAGNA CUM LAUDE und BOX OFFICE BUST) - bis sich 2012 Larrys Vater aus dem Ruhestand zurückmeldete und per Crowdfunding Geld für ein Remake des allerersten Teils sammelte: LEISURE SUIT LARRY RELOADED.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht - aber wenn mir ein Achtziger-Jahre-Actionfilm unterkommt, der den Alternativtitel COMMANDO MENGELE trägt, vom Italiener Andrea Bianchi inszeniert wurde (MALABIMBA, DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES), von Jess Franco mitgeschrieben wurde und von der französischen Z-Movie-Schmiede Eurociné (z.B. Jess Francos OASE DER ZOMBIES) auf die Beine gestellt wurde, dann muß ich diesen Streifen gewissermaßen sofortigstens sehen. Und nachdem ich so ein Entnazifizierungsspektakel mit höchster Aufmerksamkeit begutachtet habe, muß ich freilich auch flugs darüber berichten - immerhin gilt es hier nicht nur, effektiver Faschismusbekämpfung beizuwohnen, sondern auch, glorreichstes Weltspartagskino gleichgesinnten Cinephilen ans Herz zu legen.

Sie haben gewissermaßen nachhaltig die Gräber dieser Welt geöffnet: Der Amerikaner George Romero zuerst mit seinem Schwarzweißklassiker DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN von 1968 und dann zehn Jahre später nochmal mit dem perfiden Blutbad ZOMBIE - beide so einflußreich, daß kein folgender Film um sie herumkam - und in Romeros Fahrwasser 1979 der Italiener Lucio Fulci, dessen WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (in Italien ganz unbekümmert als Sequel zum Romero-Streifen verkauft) dafür sorgte, daß aus der italienischen Horrorproduktion eine ganze Industrie wurde. Plötzlich wankten die Untoten mit bemerkenswerter Vehemenz regelmäßig über die Leinwand: Umberto Lenzi schickte seine flinken Viecher in GROSSANGRIFF DER ZOMBIES zum Angriff, Bruno Mattei zeigte uns die HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN, Marino Girolami mischte ZOMBIES UNTER KANNIBALEN, Fulci selbst legte mit DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES und EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL nach, und der gute alte Joe D'Amato verquickte, wie könnte es anders sein, Zombieterror mit Sexeinlagen: IN DER GEWALT DER ZOMBIES. Und freilich wäre dieser Widergänger-Zyklus ohne den vorliegenden Film unvollständig: DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES von Andrea Bianchi.

(Inhalt "sponsored by Warner Bros")

Der Blockbustersommer geht weiter: Nach Snyders MAN OF STEEL steht uns in Kürze das Kampfspektakel PACIFIC RIM von Guillermo Del Toro ins Haus. Es sieht im Trailer nach einer gewaltig großen Skala aus, auf der Del Toro hier erzählt; üblicherweise wäre ich bei so opulenter Blechschaden-Vorschau eher skeptisch, was den Inhalt des Films angeht, aber da hat sich Del Toro mit seinen bisherigen Filmen wie HELLBOY und PAN'S LABYRINTH einen gewaltig guten Namen gemacht: Nicht nur, daß seine Effektspektakel vor liebevoller Kreativität nur so strotzen - sie vergessen auch dabei die menschliche, emotionale Komponente nicht. Seien wir also gespannt auf diesen Alien-gegen-Roboter-Irrwitz, der zumindest den TRANSFORMERS-Destruktionsentzug bis zum nächsten Sommer beruhigen dürfte ...

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Kartographieren wir einmal mehr das höchst verwirrende Land der Pseudofortsetzungen: Der hier besprochene GHOSTHOUSE 4 ist nämlich, das weiß ja ein jeder, keine Fortsetzung von GHOSTHOUSE 1-3, sondern ein Sequel zu rein gar nichts. Ein Noquel sozusagen. So gesehen paßt der Streifen natürlich in die Reihe, die nur im deutschen Sprachraum überhaupt eine ist, aber irritierenderweise gleich drei Filme vom selben italienischen Regisseur umfaßt: Der erste GHOSTHOUSE von Umberto Lenzi wurde ursprünglich als LA CASA 3 vermarktet, also als Sequel zu TANZ DER TEUFEL und dessen Fortsetzung (die im Italienischen die Titel LA CASA bzw. LA CASA 2 trugen), hatte aber natürlich rein gar nichts damit zu tun. GHOSTHOUSE 2 - DAS UNGEHEUER LEBT stammte eigentlich von Lamberto Bava und wurde auch als DEMONS III herausgebracht, stammt aber eigentlich aus einer Reihe von TV-Gruselfilmen, die Bava 1987 bzw. 1988 inszenierte. GHOSTHOUSE 3 - HAUS DER VERLORENEN SEELEN war dagegen wieder von Lenzi und gehört wie auch der vorliegende GHOSTHOUSE 4 zu einem Quartett von eigenständigen Fernsehhorrorfilmen, die sich um Spukhäuser drehen (die anderen beiden wurden von Lucio Fulci gedreht). Und somit gehört GHOSTHOUSE 4 ja dann doch irgendwie so ein bißchen zum vorigen Film. Also doch kein Noquel? Vielleicht ein Anthologiequel?

Egal. Immerhin rückt der Titel den Streifen noch eher in die richtige Richtung als der deutsche Alternativtitel, unter dem er ebenfalls erschienen ist: TOTENTANZ DER HEXEN II - wo doch jedes Kind weiß, daß der erste TOTENTANZ DER HEXEN eigentlich ein 1983 von Ulli Lommel inszenierter amerikanischer Schocker war! Aber lassen wir das mal mit den ganzen Namen, dem Schall und dem Rauch: Widmen wir uns doch ganz unverflugs dem vorliegenden Gruselhäuschen, in das uns Umberto hier locken möchte.

Der Weltraum, unendliche Weiten ... und ein nicht gar so unendliches Budget, weshalb es vom vielen All dann doch wieder nur ein paar düstere Korridore und einige Felsen im Sand zu sehen gibt. Und natürlich ein gar widerwärtiges Monster, das unglückselige Astronauten verspeist. Und wir sehen, was Ridley Scott bei seinem ALIEN in der ganzen Eile komplett vergessen hat: Möpse. Und wer sich von Monstern und Möpsen nicht gar so magisch angezogen fühlt wie ich, läßt sich vielleicht von dieser prägnanten Hintergrundinformation aus der IMDB auf die Couch locken:

This project was originally envisioned as an outer space version of LAWRENCE OF ARABIA by Allan Holzman. Roger Corman told him that the budget would be far too high, so Holzman eventually decided he wanted to do an ALIEN ripoff. Corman agreed to that.

Da kann man Regisseur Allan Holzman eine gewisse Flexibilität also nicht abstreiten! Holzman, der zuvor für Produzent Corman als Cutter für Epen wie CANDY STRIPE NURSES und SADOR - HERRSCHER IM WELTRAUM gearbeitet hatte, gab mit MUTANT - DAS GRAUEN IM ALL seinen Einstand als Filmemacher - obwohl er sich ein Jahr zuvor schon um einige zusätzliche Szenen des Phillipino-Kloppers NACKTE FÄUSTE - DIE TÖDLICHE KARATELADY kümmern durfte.

(Inhalt "sponsored by Warner Bros. Pictures").

Seit einiger Zeit schon wird der neue Superman-Streifen MAN OF STEEL angekündigt, und auch wenn meine Superhelden-Begeisterung nach genau abgezählten 575647653 Filmen etwas ermüdet ist, wird dieser neue Stahlmann ganz sicher mit hellwachem Auge begutachtet. Drei Gründe, warum ich auf MAN OF STEEL gespannt bin:

1) Ich finde Zack Snyder, nicht zuletzt dank SUCKER PUNCH, einen visuell sehr interessanten Regisseur. Keine Ahnung, was er uns inhaltlich erzählen will (immerhin weckt eine Interviewaussage, in der er fragt, wie die Werte von einem Dreißiger-Jahre-Helden wie Superman in die Jetztzeit passen, ein gewisses Interesse), aber rein stilistisch wird das Ganze wohl eine lohnenswerte Angelegenheit.

2) Christopher Nolan hat nicht nur produziert, sondern auch an der Geschichte selbst mitgeschrieben. Nachdem Nolan schon aus der Batman-Story spannende Fragen und differenzierte Charakterzeichnungen herausgeholt hat, könnte seine Präsenz auch dem ansonsten als Figur ja etwas faden Clark Kent mit etwas Tiefgang auf die Sprünge helfen.

3) Kevin Costner spielt mit.

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Schaffen wir es, über das Schwarzenegger-Vehikel THE LAST STAND zu sprechen, ohne es zum "Comeback" zu deklarieren? Ach, plagen wir uns doch nicht unnötig ab: Nachdem Arnold acht Jahre lang in Kalifornien den Gouverneur gespielt hatte, konnte er sich nach Ende der Amtsperiode wieder anderen Rollen zuwenden; sein Mitwirken in THE EXPENDABLES 2 war dabei noch eine quasi dem Gastauftritt in Teil 1 geschuldete Ensemblearbeit, aber mit THE LAST STAND tritt der mittlerweile 65-jährige ehemalige Bodybuilder wieder alleine ins Rampenlicht - immerhin zehn Jahre nach seiner letzten Hauptrolle (TERMINATOR 3).

Mittlerweile ist es fast willkürlich, ob ein Bruce-Willis-Actionkracher den Titel STIRB LANGSAM tragen darf oder nicht - wenn Bruce sich bei der großflächigen Zerstörung von Gebäuden, Autos, Hubschraubern, Flugzeugen, Flughäfen, Straßen und sonstiger Urbanität mit dem Namen "John McClane" anreden lassen kann, wird der Spaß halt als DIE-HARD-Sequel etikettiert. Dabei hat die Reihe schon lange nichts mehr mit dem Originalfilm von 1988 zu tun, in der Willis als widerwilliger Held stets die letzten Reserven aktivieren mußte, um sein Ableben doch noch ein wenig aufzuschieben - ganz im Gegensatz zum unverwundbaren Übermenschen, zu dem er im Lauf der Jahre mutierte. Nachdem McClane im (außerhalb des Serienkontextes sehr vergnüglichen) vierten Teil mal eben einen fliegenden Helikopter mit einem mittels einer Rampe in die Luft geschossenen Autos vom Himmel holte und später mit schierer Willenskraft einen Dreißigtonner davon abhielt, von der Straße zu kippen, schickt man die personifizierte Destruktion diesmal nach Moskau, wo er sich aufopfernd um die amerikanische Außenpolitik kümmern darf. Viel bleibt von Rußland nicht über, was hinterher noch aufmucken könnte.

Das ist kunstvolles Klappern: Ohne das brillant unverschämte Marktgeschrei von Produzent Allan Shackleton würde dieser billigst produzierte Streifen heute nicht einmal mehr mich hinter dem Ofen hervorlocken. Stattdessen wurde SNUFF (nur in Deutschland wurde daraus ein BIG SNUFF, von Verleiher Alois Brummer als "vom FBI verboten und in allen Staaten der USA gejagt" angepriesen) zu einem legendären Grindhouse-Schocker, der Verbote, Gerichtsverhandlungen und Demonstrationen nach sich zog - und damit natürlich zu einer langlebigen Gelddruckmaschine wurde.

Ach je, was für ein armseliges kleines Filmchen. MASSACRE (der nur bei uns den bestimmten Artikel im Titel hat, also THE MASSACRE) ist ein italienischer Billigslasher aus dem Jahr 1989, dessen Alleinstellungsmerkmal der Name Lucio Fulci ist: Der Horrormeister brauchte nämlich Ende der Achtziger Geld und ließ sich überreden, einige Filme unter seinem Namen zu "präsentieren" - darunter Gianni Martuccis hier schon besprochene Schlaftablette THE RED MONKS (wo Fulci seinen Namen später vergeblich zurückziehen wollte), Enzo Milionis Horrorfilm FUGA DALLA MORTE, Leandro Lucchettis Splatterwerk SNAKE HOUSE und natürlich dieses mickrige Massaker. Regie führte Andrea Bianchi, zu dessen wohl bekanntesten Filmen seine narrativ schlicht gehaltene, aber höchst unterhaltsame Etrusker-Zombiesause DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES sowie der Giallo DER UNBEKANNTE KILLER (mit dem schönen englischen Titel STRIP NUDE FOR YOUR KILLER) gehören.

Es hilft, wenn man sich mit der Materie auskennt, über die man einen Film macht. So auch im Falle des berüchtigten Splatterstreifens MAN-EATER, dessen Regisseur Joe D'Amato nachweislich etwas von Innereien versteht: Immerhin hat der gute Mann nicht nur die Kannibalismus-Sause NACKT UNTER KANNIBALEN inszeniert, sondern auch schon in dem lieblichen Streifen SADO - STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF die herzerwärmende Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der seine verstorbene Freundin ausweidet und in ausgestopfter Form zu sich ins Bett legt. MAN-EATER (im Original ANTHROPOPHAGUS, manchmal auch ANTROPOPHAGUS oder ANTHROPOPHAGOUS geschrieben) gibt schon gleich mit dem Poster die geschmackliche Marschrichtung vor: Da futtert ein nicht ganz gesund aussehender Herr sich selbst auf. Es überrascht also kaum, daß der Streifen in England auf der Liste der gefürchteten "Video Nasties" landete und in Deutschland flugs beschlagnahmt wurde. Viel erstaunlicher ist folgende Feststellung: Hinter dem semi-legendären Gedärmehappening verbirgt sich ein durchaus atmosphärischer Horrorstreifen.

Kannibalismus lag in den späten Siebzigern voll im Trend - zumindest filmisch gesehen. So ist es auch kein Wunder, daß der geschäftstüchtige Onkel Joe D'Amato - bürgerlich Aristide Massaccesi - gleich mehrfach auf der Menschenfresser-Manie mitschwamm: Schon 1977, also im selben Jahr von Ruggero Deodatos erlesen erfolgreichem Anthropophagie-Epos ULTIMO MONDO CANNIBALE, kreuzte er in NACKT UNTER KANNIBALEN die exotische Erotik der BLACK-EMANUELLE-Reihe mit dem blutigen Hunger nach Innereien, der plötzlich über das italienische Kino hereinbrach. Nur ein Jahr später stand Joe schon mit dem nächsten Reißer parat - auch wenn der Kannibalismus-Gehalt von PAPAYA - DIE LIEBESGÖTTIN DER CANNIBALEN dem Softsex-Element diesmal weit untergeordnet bleibt.

WIR VERSCHENKEN CDs!

Heute ist Record Store Day! Besucht einen Plattenladen, kauft Vinyl und legt zuhause ein paar gute alte Schallplatten auf. Weil aber die CD mittlerweile mehr ausstirbt als die Platte, wollen Betty's Apartment (Christoph Schwarz) und Ghost Light Productions (ich) diesen Tag für Musikliebhaber mit einer CD-Verlosung feiern: Wir verschenken 30 Exemplare des Betty's-Apartment-Livealbums von 2007 (inkl. dem SCHLAFLOS-Song "Never Getting Anywhere") und 15 Exemplare meines SCHLAFLOS-Soundtracks (mit vielen weiteren Betty's-Apartment-Songs).


Schickt einfach an eMail an wilsonsdachboden@ghostlightproductions.de. Die ersten 15 Einsender kriegen beide CDs, unter den übrigen Teilnehmern verlosen wir dann noch die restlichen 15 Betty's-Apartment-Alben. Passend zum Record Store Day ist heute um Mitternacht auch schon der Einsendeschluß! Ihr könnt auch gerne euren Freunden von der Aktion erzählen und diese Nachricht sharen & weiterreichen.

Wir wünschen einen fantastischen Record Store Day!

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DER NEW YORK RIPPER gilt als vielleicht härtester Film in der Filmographie eines Regisseurs, der mit Blut und Grausamkeiten selten gespart hat: Nachdem Lucio Fulci mit seinem Zombieterror ZOMBIE Erfolg fand und in der Todes-Trilogie EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL, DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES und DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER seine expliziten Verwesungsphantasien mit beinahe poetisch-surrealen Handlungen verknüpfte, verlagerte der Italiener seinen Fokus für LO SQUARTATORE DI NEW YORK (so der RIPPER-Originaltitel) in die reale Welt. Hier zieht ein Frauenmörder umher, der seine Opfer bestialisch zurichtet - und in altbewährter Fulci-Manier sehen wir dabei stets länger zu, als wir eigentlich wollen. Entsprechend intensiv war auch stets der Kampf mit der Zensur: In Deutschland wurde der Film beschlagnahmt, in England mitsamt Polizeieskorte (!) aus dem Land geschafft, und in vielen anderen Ländern waren nur gekürzte Fassungen zu sehen. Selbst die britische DVD- und BluRay-Auflage aus dem Jahr 2011 - also immerhin 29 Jahre nach Erscheinen des Films! - bleibt zensiert.

Die Ankündigung eines schmucken Remakes des Plattform-Klassikers FLASHBACK gemahnt an ein schon vor langer Zeit geäußertes Vorhaben: Endlich einmal den Vorgänger ANOTHER WORLD zu spielen, der 1991 zunächst für den Amiga und den Atari ST, dann auch für DOS-Rechner und später für zig Konsolen veröffentlicht wurde - und gemeinhin dank seiner Präsentation zu den großen Klassikern des Jump'n'Run-Genres zählt und daher auch heute noch viele begeisterte Freunde hat. Nehmen wir es gleich vorweg: Ich kann mich nach dem Durchspielen nicht dazuzählen.

Will ich das wirklich sehen? Das ist wohl die zentrale Frage, der man sich angesichts dieses schon jetzt berüchtigten Terrorfilmchens stellen muß. In THE HUMAN CENTIPEDE näht ein verrückter Wissenschaftler seine Opfer so zu einem menschlichen "Tausendfüßler" aneinander, daß der Mund des einen jeweils am Verdauungstrakt der vorderen Person hängt. Also: Will ich diesen Film sehen, der allerseits als exzellent gemachter und damit umso abstoßenderer Ekeltrip gehandelt wird?

Mein Kurzfilm SCHLAFLOS aus dem Jahr 2006 ist ab sofort online! In der Geschichte über die Liebe, das Leben und die Musik spielen Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Der Soundtrack stammt von Christoph Schwarz (Betty's Apartment). Also, nehmt euch 38 Minuten und 10 Sekunden Zeit und begebt euch auf eine Reise durch die Nacht.

Um die Trennung von seiner Freundin Sylvia zu verkraften, beschließt Ben (Maximilian Simonischek), drastische Maßnahmen zu ergreifen: Er wird anfangen zu rauchen. Er wird sich in sein Auto setzen und ziellos in die Nacht fahren. Und er wird nie wieder schlafen. Bei einem Zwischenstopp in einem Fast-Food-Lokal aber drohen Bens Pläne zu scheitern: Peter (Stefan Murr), ein umherziehender Musiker, will per Anhalter nach Salzburg, um dort in einem Lokal spielen zu können. Peters Offenheit und Lebensfreude stellen Bens Verdrängungsmechanismen schon bald auf eine harte Probe ...

Schlaflos (2006) from Christian Genzel on Vimeo.

Wenn euch der Film gefällt, freue ich mich über Kommentare, Shares und ganz altmodisches Weitererzählen an Freunde - und vielleicht eine kleine Spende im "Tip Jar" ("Sparschwein") von Vimeo!

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Irgendwie ist Judd Apatow ein Phänomen: Er ist ein Filmemacher, dem ich theoretisch positiv gegenüberstehe - und der es aber mit jedem neuen Film schafft, sich wieder einen Schritt unbeliebter zu machen. Ich schätze Apatow hauptsächlich wegen seines sehr herzigen Regiedebüts JUNGFRAU (40), MÄNNLICH, SUCHT ..., aber auch als Produzent wunderbarer Komödien wie CABLE GUY, ANCHORMAN, THE TV SET oder BRAUTALARM. Aber mit jedem neuen selber inszenierten Film blättert Apatows Lack: Der an sich sympathische BEIM ERSTEN MAL litt an einer gewaltigen Schlagseite, die nur den männlichen Protagonisten wirklich ausfleischte und die weibliche Hauptfigur primär als zickigen, freudlosen Krisenherd nutzte; danach folgte WIE DAS LEBEN SO SPIELT, dessen an sich interessante Grundgedanken von einer monumentalen Überlänge erdrückt wurden. Jetzt folgt IMMER ÄRGER MIT 40 - ein unerquickliches Beziehungsporträt, das länger dauert als die meisten Beziehungen.

Ein mondän ausgestattetes Büro eines Filmproduzenten, irgendwo in Hollywood. Der Produzent sitzt hinter einem eindrucksvollen Designerschreibtisch. Davor ist im Halbkreis sein Stab zur Besprechung aufgereiht.

PRODUZENT: Ich habe heute morgen in das DVD-Regal meiner Tochter gesehen und festgestellt, daß wir schon seit 2009 kein Sequel zu GIRLS UNITED mehr produziert haben. Warum?

TREND-CONSULTANT: Die Kids von heute finden Cheerleading halt einen Megafail. 2011, ja, da war das noch kraß, aber heute doch nicht mehr.

REGISSEUR: Es gab doch letztes Jahr eine sehr erfolgreiche Musical-Version davon, oder nicht?

TREND-CONSULTANT: Sag ich ja.

PRODUZENT: Musical, das ist eine andere Abteilung, wir machen hier Filme. Also: Was können wir tun?