November 2012

Nach dem jüngsten Ausflug in die Hohlbeinsche Welt aus immerwiederkehrenden Geschichten, Figuren und Satzkonstruktionen über das reichlich mißratene Buch STURM war es doch einmal an der Zeit, nochmal in das Frühwerk des erfolgreichen Fantasy-Autors einzutauchen - in eine Zeit, in der er noch nicht im Wochentakt neue Epen auf den Markt warf, und in eins von den Büchern, mit denen er seinerzeit seinen Ruf als einer der besten Phantastik-Autoren Deutschlands begründete. Zum Beispiel das 1983 erschienene ENWOR 1 - DER WANDERNDE WALD, mit dem sich Hohlbein - ebenso wie mit seinem im selben Jahr erschienenen MÄRCHENMOND - als phantasievoller Geschichtenerzähler mit flotter, spannender Schreibe empfahl.

Ich selber habe ENWOR 1 im Januar 1991 zum ersten Mal gelesen - damals war ich knapp 13 und ganz tief in meiner Fantasy-Begeisterung. Und ja, Hohlbein zählte zu meinen Lieblingsautoren, und ich verschlang die meisten seiner Bücher mit angehaltenem Atem - nicht nur die (damals) zehnteilige ENWOR-Reihe, sondern auch GARTH UND TORIAN, DAS HERZ DES WALDES, CHARITY, und viele andere mehr. Wie würde das Buch wohl 21 Jahre später wirken? War ich nur so begeistert, weil ich noch jung und mein literarisches Gespür unterentwickelt war? Lassen sich die heutigen Kritikpunkte an Hohlbein auch auf seine frühen Werke anwenden - will heißen: Hat er schon immer so geschrieben, und ich habe es nur nicht gemerkt? - oder waren die Bücher, durch die er bekannt wurde, doch von anderer Qualität als die heutigen Fließbandvariationen?

"Fantasy und Action - Troll ist wieder da!" tönt es vom Cover der Verleihkassette. Wie jetzt? War TROLL 2 etwa nicht genug? Wir erinnern uns: TROLL 2 hatte rein gar nichts mit dem ersten TROLL zu tun und war so herzerweichend dämlich, daß er sich über die Jahre zum Kulterlebnis gemausert hat. In alter Tradition der Verkaufstaktik hat dementsprechend auch TROLL - TEIL 3 überhaupt nichts mit Teil 1 oder 2 zu tun - der Fantasy-Streifen, der auch als TROLL - DAS SCHWERT DER MACHT unters Volk kam, wurde nur vom Verleih per Titel und Synchro in diese biestige Reihe gequetscht, die sich ja partout weigert, überhaupt eine zu sein. Allerdings - und diese Tatsache alleine macht das vorliegende Exponat gewissermaßen zum Must-See - stammt TROLL - TEIL 3 von derselben Produktionsfirma wie TROLL 2 und recycelt dementsprechend kurzerhand das fantastische Troll-Kostüm aus dem vorhergehenden Film. Ohne vorweggreifen zu wollen: Es wirkt hier exakt so überzeugend wie schon im "Vorgänger".

Aber genug der angeblichen TROLL-Verwandschaft: Eigentlich ist TROLL - TEIL 3 nämlich der vierte Teil der ATOR-Reihe, jener schönen CONAN-Ripoff-Serie, mit der Joe D'Amato unter dem Pseudonym "David Hills" die Herzen aller Fantasyfreunde Purzelbäume hat schlagen lassen - nach derart zusammengeflicktem Trash kann man sich nämlich getrost zur Ruhe setzen. Der gute Joe sah diesen Film hier übrigens als erst dritten ATOR-Film an - der eigentlich dritte Teil, IRON WARRIOR, stammte nämlich von Alfonso Brescia, und Berichten zufolge war D'Amato über die eingeschlagene Richtung der Serie nicht glücklich. Nun, wenigstens konnte er mit QUEST FOR THE MIGHTY SWORD (wie TROLL - TEIL 3 im Original heißt) zeigen, wie er sich so ein Fantasy-Sequel wirklich vorgestellt hat: Preiswert.

Wenn man sich irgendwann einmal als Ziel gesetzt hat, alle Tierhorrorstreifen auf Gottes Erden zu sichten und mit kritischen Worten zu bedenken, darf man das Vorhaben nicht einfach wegen widriger Umstände ad acta legen - zum Beispiel angesichts der Tatsache, daß es fünfhundert Trillarden solcher Filme gibt, die zu neunundneunzigkommaperiodeneun Prozent hundsmiserable Wegwerfware sind. Halten wir also tapfer Kurs und knöpfen uns - sozusagen mit zufälligem Griff in die rotierende Trommel - den nächstbesten Viecherfilm vor, der sich anbietet: FANGS zum Beispiel, der bei uns mit dem schnuckeligen neudeutschen Titel BAT ATTACK versehen wurde. Macht ja auch Sinn: Der Deutsche glaubt beim Originaltitel womöglich noch, daß es um Hundedressur geht.

Die titelgebenden Fledermäuse sehen wir gleich zu Beginn in einem Labor. Da stapfen zwei Studentinnen durch den Raum, die eher nach Publizistikstudium als nach Biologielehrgang aussehen, und die mit den schwarzen Haaren erklärt der mit den blonden Haaren den Ultraschall: Hoher Ton, Mensch nix hören. Da gibt es einen schönen Schalter, und wenn der auf grün steht, dann schlummern die Tiere beruhigt vor sich hin - aber sobald man auf rot schaltet, werden die lieben Fledermäuse hungrig und wollen etwas futtern. Die Schwarzhaarige erklärt noch, daß der Ton im grünen Bereich so wirkt, als würden die Tiere eine N'Sync-CD hören - da sollte man sich eigentlich nicht wundern, wenn alle durchdrehen und schon bald jemand weint.

Über einen Hinweis in einem Forum bin ich auf dieses spannende Label gekommen: Death Waltz Recording Company, ein britisches Kleinlabel, das sich auf Vinyl-Reissues von Horrorfilmsoundtracks spezialisiert hat. Da die Burschen gleich ein paar John-Carpenter-Soundtracks im Angebot haben, war der Weg zum Warenkorb für mich nicht weit - trotz nicht ganz so schlanker Preise.

Was für ein Horror: CROCODILE, beziehungsweise Die dämlichsten Studenten der Welt gegen Schnappi, das Pappmaschéekrokodil aus dem Sumpf. Produziert von Nu Image, die sich seit den frühen Neunzigern mit herzhaftem Videothekenramsch wie CYBORG COP II, PROJECT SHADOWCHASER III und OPERATION DELTA FORCE 4 profiliert haben und nach all dem Krawall Lust auf ganz üblen Tierhorrorschlonz bekamen. Für das vorliegende Krokomobil konnten sie sich als Dompteur und Dirigenten den einstmals großen Tobe Hooper an Land ziehen, der hier zeigt, daß der Weg nach unten sehr tief führen kann.

Wahrscheinlich ist es gar nicht so sehr Hoopers Schuld, daß das hier wütende Reptil gar so ermüdend schlonzig geraten ist - zumindest will man das irgendwie glauben, wenn der Regisseur von TEXAS CHAINSAW MASSACRE hinter der Kamera steht und dann so ein fader Schmumpf dabei herauskommt. Da ziehen also acht Studenten mitsamt Hund in den Semesterferien durch die Sümpfe Floridas, um sich vollaufen zu lassen, und die versammelte Truppe ist einfach so brachial blöd und minderbemittelt, daß man schon nach fünfzehn Minuten bettelt, sie mögen doch bitte jetzt gleich allesamt vom Krokodil erlöst werden.

Der Teaser zu meinem nächsten Film BROT UND SPIELE ist endlich fertig und online! Wer noch nicht davon gehört hat: BROT UND SPIELE wird eine Komödie mit Thomas Limpinsel und Götz Otto - über längst erwachsene Kindsköpfe und die Computerspiele vergangener Tage. Im Teaser gibt's auch einen Gastauftritt von Power-Play-Veteran Heinrich Lenhardt! Der Dreh ist für 2013 anvisiert; weitere Infos gibt's auf Facebook und demnächst auch auf einer eigenen Website.

10 PRINT"LIKEN & WEITERSAGEN"
20 GOTO 10

------------------
4 8 15 16 23 42

Es gibt wenig Dinge im Leben, die lustiger sind als die Marx Brothers. Es ist sensationell, wie frisch und modern der Humor der Brüder auch heute immer noch anmutet - einerseits kann man sehen, wie und wo die Truppe spätere Komikergenerationen beeinflußt hat, aber andererseits zieht ein anarchischer Witz mit unglaublichem Tempo und fantastischem Einfallsreichtum durch ihre Filme, der mitunter Streifen, die fünfzig Jahre später entstanden sind, alt aussehen läßt. Die Marx Brothers haben ihren Ursprung im Vaudeville-Theater, weshalb auch vor allem ihre frühen Filme teilweise wie abgefilmte Bühnenstücke aussehen, und weshalb sie auch stets in ihrer comic persona auftreten, bei der sich nur der Name der gespielten Figur ändert: Groucho läßt als aufgeblasener Schelm einen Wasserfall aus Wortwitzen und verschrobenen Beleidigungen auf sein Umfeld herabprasseln, Chico treibt als schlicht gestricktes italienisches Schlitzohr Mitmenschen in den Wahnsinn, und Harpo läuft als stummer Clown durch die Sets, der sich nur mit Gestik, Mimik und Geräuschen (wie einem Pfiff oder einer Hupe) verständigt und wie ein überdrehtes Kind alles zerlegt und jeden ärgert, wie es ihm gerade in den Sinn kommt.

Der momentan im britischen Exil weilende Don Arrigone meldet sich mit dem folgenden Gastbeitrag bei uns, in dem er die Christopher-Lambert-Version von BEOWULF mit kritischen Worten bedenkt. Ich persönlich fand ja diese Steampunk-angehauchte Monster-Movie-Version des Stoffes durchaus unterhaltsam – aber mich fragt ja keiner. Wohlan, werter Don, berichte uns von der vordersten Filmfront!



Beowulf hat sich in den letzten Jahren zur beliebten Vorlage für Filme entwickelt. Aus Marketinggründen eine nachvollziehbare Entscheidung – das wichtigste angelsächsische Gedicht ist bestimmt nach wie vor ein guter Werbeträger. Filmtechnisch werden dann aber weder kulturelle Anspielungen, noch die poetische, von Stabreimen geprägte Sprache, sondern lediglich das Handlungsgrundgerüst umgesetzt. Damit meine ich konkret, daß es in den Filmen einen Mann namens Beowulf gibt, der zuerst ein Monster namens Grendel verhaut und dann dessen Mutter. Graham Bakers BEOWULF von 1999, mit Christopher Lambert in der Hauptrolle, stellt keine Ausnahme dar.
Man kann einfach nie genug Musik haben.
Und wieder einmal wühle ich mich durch das Archiv und packe diverse Texte älteren Datums auf den Dachboden. Die folgenden (englischsprachigen) Reviews habe ich für den All-Music Guide geschrieben - manche davon stammen aus dem Jahr 2008, ein paar sind aber tatsächlich noch aus den Jahren 1998/99 und gehen daher schon bald als historische Quelle durch:
Weitere Musikreviews (deutsche und englische) lassen sich in der Rubrik Frequenzrauschen finden.

------------------
4 8 15 16 23 42

Im zweiten Teil unserer Reihe "Filmnews von vorgestern" knöpfen wir uns die Meldungen aus dem Heft Splatting Image #45 vor, das im März 2001 erschien - und wieder (mit dem wissenden Blick von heute) einige hochinteressante Hinweise auf Filme gibt, die entweder gar nicht oder letztlich ganz anders als geplant das Licht der Welt erblickten. Tauchen wir also mit folgenden Nachrichten in die alternative Filmwirklichkeit ein:
"Wieder fett im Geschäft ist auf einmal der gute alte George A. Romero. Sein neuer Film THE ASSASSINATION handelt von der Ermordung des Diktators der Dominikanischen Republik Rafael Trujillo im Jahr 1961. Die illustre Besetzung: Ed Harris, James Coburn, Anthony Quinn und kein geringerer als Ricky Martin."
Sehr schade - ganz so "fett im Geschäft" war Romero dann doch nicht: THE ASSASSINATION blieb nämlich unverfilmt. Angesichts der Besetzung wäre das sicherlich eine interessante Angelegenheit gewesen, und man würde es Romero vergönnen, einmal aus dem Horrorgenre ausbrechen zu dürfen. Hätte er mal doch den Film mit dem Titel THE ASSASSINATION OF THE LIVING DEAD versehen, dann wäre da sicherlich etwas draus geworden: Romeros nächstes Projekt war nämlich der 4. Teil seiner Zombie-Reihe, LAND OF THE DEAD (2005).

Heute sehen wir uns ein Spiel an, das nur den Wenigsten bekannt sein dürfte und von einem Programmierer stammt, dessen Name nur Hardcore-C64-Fans geläufig sein wird: MR. POSTMAN von Ronald Mayer. Na, klingelt's? Nicht so tragisch, falls nicht: Der Österreicher Ronald Mayer belieferte mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit Mitte der Achtziger die einschlägigen Listingzeitschriften für die Heimcomputersysteme - Magazine, in denen die kompletten Programme abgedruckt waren und abgetippt werden konnten (mit dem Phänomen der Listingzeitschrift werden wir uns in einem gesonderten Eintrag nochmal ausführlicher auseinandersetzen). MR. POSTMAN war ein sechsseitiges Programm, das Mayer für die Computronic September/Oktober 1986 schrieb - eine Ausgabe, an deren mitgenommenem Zustand man heute sehen kann, welch integralen Bestandteil meiner Kindheit sie seinerzeit gebildet hat.