Oktober 2012

Wenn die Billig-Produktionsstätte Asylum schon mal in Österreich einfällt, dann ist uns das natürlich auch einen Bericht wert. Weil Hollywood sich 2012 mit gleich zwei Schneewittchen-Streifen am gegenwärtigen Fantasy-Boom beteiligt hat - Tarsam Singhs MIRROR, MIRROR mit Julia Roberts sowie Rupert Sanders' SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN mit Kristen Stewart - wollte die Mockbusterschmiede natürlich nicht ins Hintertreffen geraten und reiste nach Niederösterreich, um dort die schöne Gegend für eine weitere Version des Märchens auszunutzen: GRIMM'S SNOW WHITE, der schon mit der blonden Eliza Bennett in der Titelrolle zeigt, daß man sich streng an der Vorlage orientiert hat - "Haare schwarz wie wasserstoffgebleichtes Ebenholz", hieß es dort ja schon.

Nach dem finanziellen und kritischen Desaster HEAVEN'S GATE - ein fast vierstündiger, melancholischer Spätwestern, der von den Kritikern verrissen wurde und durch seine explodierenden Kosten das Studio United Artists in den Ruin trieb - bekam das einstige Regiewunder Michael Cimino keinen rechten Fuß mehr auf den Boden. Vergessen war der unglaubliche Erfolg seines kontroversen Vietnamdramas DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN, der ihm die komplette künstlerische Freiheit für HEAVEN'S GATE gab - nach diversen gescheiterten Projekten, die entweder gar nicht oder dann doch unter Leitung anderer Regisseure realisiert wurden (darunter DER PATE VON GREENWICH VILLAGE und FOOTLOOSE), schaffte es Cimino mit dem harten Thriller IM JAHR DES DRACHEN und dem Mafiaepos DER SIZILIANER nicht, sich zu rehabilitieren. Natürlich half es nicht, daß seine Filmwelt mit so starker persönlicher Handschrift gezeichnet war, daß er in den Achtzigern zwangsläufig mit der uniformen Blockbustermentalität der Produzenten aneinandergeraten mußte - und dazu kommt erschwerend hinzu, daß seine Filme interessant und eigen waren, aber gerne auch sperrig und keinesfalls makellos: Für jeden brillanten Einfall in der Inszenierung kam gerne auch eine Fehlentscheidung hinzu, weshalb seine Filme stets viel zu bieten haben und gleichzeitig viel Reibungsfläche geben.

Nachdem ihm DER SIZILIANER vom Studio zurechtgeschnitten wurde und erneut viel Häme seitens der Kritiker bescherte, widmete sich Cimino seinem wohl kommerziellsten Projekt: Einem Remake des William-Wyler-Thrillers AN EINEM TAG WIE JEDER ANDERE von 1955, in dem der entflohene Sträfling Humphrey Bogart in einem Wohnhaus Unterschlupf sucht und dafür die dort wohnende Familie als Geiseln nimmt. Alleine das Konzept steht schon im komplett rechten Winkel zu Ciminos üblicher Blickrichtung: Daß da einer, der sonst weite Räume und offene Landschaften mit künstlerischer Ambition und epischer Erzählweise zeigt, ein klaustrophobisches Kammerspiel anpackt, läßt einen schon im Vorfeld stutzen.

Werfen wir einen weiteren Blick auf Joe D'Amatos wundersame Welt: THE LABYRINTH OF LOVE, im Original IL LABIRINTO DEI SENSI, ist einer von fünf Streifen, die der fleißige Herr in den Philippinen drehte, um sie als chinesische Produktionen zu verkaufen (siehe auch: THE HOUSE OF PLEASURE). In England wurde der Film dann kurzerhand in die lose Reihe um ELF TAGE, ELF NÄCHTE eingereiht und als 11 DAYS, 11 NIGHTS PART 6: THE LABYRINTH OF LOVE veröffentlicht - einmal mehr hat da der Name des Regisseurs gereicht, um ein Geflecht aus sehr losen Beziehungen als Quasi-Fortsetzung zu präsentieren. Man darf direkt froh sein, daß D'Amatos NACKT UNTER KANNIBALEN nicht auch noch als Sequel von SHAKKA - BESTIE DER TIEFE zweitverwertet wurde.

Im folgenden Gastbeitrag berichtet Dr. Wily von MIDNIGHT MOVIE, dem Romandebüt von Regisseur Tobe Hooper.



Ein sehr heiteres Buch mit dem überzeugendsten Klappentext der Welt. Ich zitiere:

" ... denken fällt schwer ... muss Fleissch.
... SFleisch . ... kaan ddddka adsfkjökl a ...."
Tagebucheintrag eines Unbekannten

Tobe Hooper kannte man bisher als Filmregisseur, und in dieser seiner Stammprofession hat er sich mit zwei Werken ins große Buch der Filmgeschichte eingeschrieben - zum einen mit THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, einem der einflußreichsten und intensivsten Horrorfilme aller Zeiten, und zum anderen mit POLTERGEIST, wenn auch aus für ihn unangenehmen Gründen. Er bleibt in seinem ersten Roman seinem angestammten Genre treu und erzählt hier eine Horrorkomödie rund um eine Zombieinvasion, in der er sogar selbst einer der Hauptprotagonisten ist. So wie Hooper in seinen Filmen nie besonders behutsame und subtile Geschichten erzählt hat, leert er auch hier literweise Blut, Innereien und vor allem bunt gefärbte Körpersäfte aus.

Geschrieben ist das Ganze eigentlich wie ein Dokumentarfilm. Die einzelnen Figuren erzählen (einfach mit vorgestelltem Namen, als wäre es ein Interview) in der Ich-Perspektive ihre Geschichte in kurzen Passagen, aus denen sich der Plot ergibt. Ergänzt durch zwischendrin eingestreute Blogeinträge, Tagebuchseiten, Twittermeldungen, Zeitungsartikel, Webberichte, Krankenakten und Polizeiprotokolle ist MIDNIGHT MOVIE eine sehr kurzweilige Angelegenheit.

Daß Tobe Hooper als Antiheld der Geschichte in bester Indiana-Jones-Manier eigentlich gar keine Lust auf das ganze Theater hat und sich nur widerwillig aufrappelt, um gegen die Untoten anzutreten, tut sein Übriges. Dazu der lapidare Tonfall und der schwarze Humor und fertig ist der Spaß. Er präsentiert sich mittels seiner fiktionalen Figur als sehr selbstironisch und uneitel, und die Grenzen zwischen dem echten Tobe Hooper und dem Buchcharakter verschwimmen vor allem dann wunderbar, wenn er erst über Hollywood und große Studios schimpft und ein paar Seiten weiter nackt gegen Zombies kämpft.

Schön finde ich auch, daß MIDNIGHT MOVIE nicht wie ein auf Roman umgebautes Drehbuch wirkt. Wie schon erwähnt, verwendet Hooper ja viele verschiedene Formen des geschriebenen Wortes, um die Geschichte zu erzählen. Im Anhang erwähnt er zwar, daß er das Buch für sehr filmisch hält (was sicher stimmt), aber es sind gerade die Passagen, die in einem Film so nicht funktionieren würden - nämlich wenn über den fast gesamten Mittelteil die Gesellschaft langsam auseinanderfällt und die Charaktere darüber berichten, was sie sich denken und wie sie sich fühlen, während sie sich langsam in Zombies verwandeln - die mir am besten gefallen haben.

MIDNIGHT MOVIE ist ein nie ernster und mit sichtlichem Spaß geschriebener Schabernack für Fans von Zombies, Horror sowie Zombiehorror - und natürlich Film und Kino. Denn daß es darum natürlich auch stark geht, sollte, wenn Tobe Hooper einen Roman schreibt, niemanden großartig überraschen.


Mehr Tobe Hooper auf Wilsons Dachboden:
BLUTGERICHT IN TEXAS: Ein morbides Horror-Meisterwerk
FIRE SYNDROME: Hoopers hysterische Welt
CROCODILE: Beschränkte Studenten gegen Schnappi, das Krokodil
DJINN - DES TEUFELS BRUT: Horror in und aus den Emiraten

In der neuen Rubrik "Filmnews von vorgestern" knöpfen wir uns eine etwas merkwürdige Angelegenheit vor: Wir widmen wir uns den Neuigkeiten aus vergangenen Tagen, die aus heutiger Sicht aus diversen Gründen überholt sind. Warum? Was ist der Reiz an Neuigkeiten, die weder neu noch faktisch korrekt sind? Nun, da gibt es mehrerlei Gründe: Erstens öffnen uns diese Nachrichten den Blick in eine alternative Filmrealität - eine, wo existierende Filme von anderen Regisseuren gemacht wurden, mit anderen Darstellern, oder wo diese Projekt überhaupt im Entstehen waren, bevor sie von der Realität eingeholt wurden und aus den unterschiedlichsten Gründen zerfallen sind. Zweitens ist es aber auch interessant, wie die Neuigkeiten der Vergangenheit zeigen können, wie sich die Welt weitergedreht hat - sei es, weil Personen damals einfach einen ganz anderen Status hatten als heute, oder sei es, weil Wertigkeiten und Wichtigkeiten einfach damals ganz anders eingeschätzt wurden als sonst. Und drittens: Weil es Spaß macht, in alten Heften zu blättern und Schlagzeilen zu lesen, von denen wir jetzt wissen, daß sie teilweise komplett danebenlagen. Also: Gehen wir's an!

Und weiter geht's mit unserer ursprünglich gar nicht geplanten D'Amato-Retrospektive: 1987 drehte Joe in New Orleans diesen ganz offenbar von Alan Parkers grandiosem ANGEL HEART inspirierten Film, der vom Vorbild die Schlagwörter "Voodoo" und "Erotik" übernimmt und deren Verhältnis ganz einfach umkehrt. Sprich: Viel Softsex, eine Prise Voodoothriller. Im Original heißt der Film POMERIGGIO CALDO, was im Englischen auch zunächst ganz proper mit HOT AFTERNOON übersetzt und bei uns als AFTERNOON - STUNDEN DER LEIDENSCHAFT verkauft wurde - bis dann ein findiger Verleiher auf die Idee kam, den Streifen doch lieber als dritten Teil der Reihe ELF TAGE, ELF NÄCHTE zu verkaufen! Zur Erinnerung und Entwirrung: Der 9½-WOCHEN-Verschnitt ELF TAGE, ELF NÄCHTE kam 1986 heraus, 1988 kam die Quasi-Fortsetzung TOP MODEL (also schon ein Jahr nach dem Dreh dieses Films), und 1990 folgte mit DAS TESTAMENT DER BEGIERDE ein dritter Teil der Sarah-Asproon-Geschichte, der aber als offizieller zweiter Teil verkauft wurde. Man darf sich jetzt wohl aussuchen, ob sich der Titel ELF TAGE, ELF NÄCHTE - TEIL 3: AFTERNOON als Fortsetzung des TOP MODELs versteht oder als Weiterführung des besagten TESTAMENTs.

Und natürlich hat die Geschichte von AFTERNOON weder mit dem einen noch mit dem anderen Film etwas zu tun. Hier reist der Journalist Courtney (Allen Cort, SHAKKA - BESTIE DER TIEFE) zusammen mit seiner Frau Connie (der spätere Italo-Pornostar Valentine Demy, auch zu sehen in D'Amatos DANCING IS MY LIFE) nach New Orleans, weil Courtney dort für einen Artikel Nachforschungen über den mysteriösen Tod des Ehemanns der Autorin Nora Highway (Carey Salley, Model und Ex-Freundin von Emilio Estevez) anzustellen. Connie gerät aber unter den Einfluß des rätselhaften Budro Richelet (Robert LaBrosse, FORBIDDEN AFFAIRS), der sie vergewaltigt und dann so hörig macht, daß sie von Courtney nichts mehr wissen will. Der bandelt nach kurzer Verzweiflungsphase dafür mit Nora an, die ihm irgendwann eröffent, daß Richelet wohl Sektenführer ist und Connie geopfert werden soll ...

Es gibt wohl kein Genre, bei dem das Verhältnis zwischen starken Filmen auf der einen Seite und überflüssigen auf der anderen so schief liegt wie beim Haifischhorror. Schuld daran ist quasi Steven Spielberg mit seinem fantastischen JAWS (DER WEISSE HAI) von 1975, dem bis zum heutigen Tag ein Nachahmer nach dem anderen folgt - und allesamt sind sie eigentlich völlig redundant, weil einfach immer nur das filmische Vorbild einmal wieder abgefrühstückt wird, mal besser, meistens schlechter. (Ein paar einsame Ausnahme schwimmen freilich durch die cineastischen Gewässer - wobei es noch zur Diskussion steht, ob Renny Harlins DEEP BLUE SEA wirklich als "gut" bezeichnet werden darf.)

Der gute Joe D'Amato ließ einfach nichts anbrennen: Nach dem sensationellen Überraschungserfolg der Hong-Kong-Erotikkomödie SEX UND ZEN (1991, Regie: Michael Mak) reiste er 1993 höchstselbst nach Asien, um dort gleich fünf (!) Streifen zu drehen, die aus der Kombination "Exotik + Erotik" Kapital schlagen sollten. Neben I RACCONTI DELLA CAMERA ROSSA, CHINESE KAMASUTRA, CHINA AND SEX und THE LABYRINTH OF LOVE entstand in dieser Reihe auch der vorliegende THE HOUSE OF PLEASURE - der in England kurzerhand als ELEVEN DAYS, ELEVEN NIGHTS PART 7 verkauft wurde! Wie so oft ist alleine der staatsgrenzensprengende Background heiter genug, um das Interesse zu wecken: Da fährt ein italienischer Regisseur zusammen mit einem russischen Model in die Philippinen, um dort mit einem amerikanischen Darsteller einen vermeintlich chinesischen Film zu drehen. Aber schön: Immerhin ist Softsex-Erotik ja eine Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird.

Einmal mehr ist es an der Zeit, hinsichtlich eines Filmtitels ein hübsches Verwirrspiel zu lösen. KILLING BIRDS heißt dieser von Joe D'Amatos Filmirage produzierte Horrorstreifen auf Englisch, was dem italienischen Originaltitel UCCELLI ASSASSINI entspricht. Manchmal heißt er auch RAPTORS. Wer jetzt glaubt, daß er hier um angreifende Vögel geht, täuscht sich aber: Abgesehen von ominös kreisenden Vogelschwärmen und einer Sequenz, wo ein Adler einer Figur die Augen aushackt, hat der Film mit dem im Titel implizierten Tierhorrorgenre nichts zu tun - was man auch an dem amerikanischen Alternativtitel sehen kann: ZOMBIE 5: KILLING BIRDS.

Moment, wo waren denn ZOMBIE 1-4? Ganz einfach: George Romeros DAWN OF THE DEAD (eigentlich Teil 2 seiner NACHT DER LEBENDEN TOTEN) wurde in Italien als ZOMBI veröffentlicht; die im Fahrwasser dieses Erfolgsfilms entstandene Untotensause von Lucio Fulci hieß dann frecherweise einfach ZOMBI 2. Ein paar Jahre später kam noch eine Pseudo-Fortsetzung von Fulci: ZOMBI 3. Und weil der eh schon nichts mit den vorigen Filmen zu tun hatte, wurde Claudio Fragassos Horrorfilm AFTER DEATH dann in den Staaten als ZOMBIE 4: AFTER DEATH veröffentlicht - obwohl es dort ja eigentlich nie eine ganze ZOMBIE-Reihe gab! Macht gar nichts: KILLING BIRDS, ein Jahr vor AFTER DEATH entstanden, wurde kurzerhand noch als ZOMBIE 5: KILLING BIRDS hinterhergeschippt.

Was für ein brillanter Titel: ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER. Darin steckt natürlich schon die komplette Story dieser höchst vergnüglichen Historienverfälschung, die mit der Geschichte spielt wie ein kleines Kind mit Bauklötzen - ganz unbekümmert wird hier der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten mitsamt seiner Biographie zu einem Bekämpfer der Untoten, der die Sklaverei hauptsächlich deswegen abgeschafft hat, weil die Südstaaten-Vampire die Schwarzen als Futterreservoir gefangenhielten. Der charmant spielerische Umgang mit tatsächlichen Ereignissen, die durch den Popkulturwolf gedreht werden, als wären unsere historischen Aufzeichnungen nur Anregungen für spannendere Geschichten, stellt sich augenzwinkernd unverschämt in eine Reihe mit  revisionistischen Werken wie TRANSFORMERS 3 (wo Kennedy die Mondlandung organisierte, um in Besitz außerirdischer Technologie zu kommen), BUCKAROO BANZAI (wo Orson Welles' Hörspiel zum KRIEG DER WELTEN sich als tatsächlicher Nachrichtenreport entpuppte) oder I.Q. (wo ein schelmischer Albert Einstein mit seinen Philosophenkumpels seine Nichte verkuppeln will).

Wenn D'Amato zweimal klingelt: Es scheint ein bißchen nachlässig vom guten alten Aristide Massaccesi bzw. "Joe D'Amato" zu sein, daß er sich erst 1990 an ein Ripoff des Erotikdramas THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE wagte, in dem Jack Nicholson und Jessica Lange immerhin schon 1981 nicht nur die Gemüter erhitzten. Ganz fernab vom Zeitgeist war Onkel Joe aber dann doch nicht: FORBIDDEN AFFAIRS, wie der vorliegende Film auf "Deutsch" heißt (im Original: IL FIORE DELLA PASSIONE, auf Englisch: PASSION'S FLOWER oder einfach PASSION), erinnert nämlich auch an Dennis Hoppers wunderbare Pulp-Story THE HOT SPOT, die 1990 erschien und mit Don Johnson, Virginia Madsen und Jennifer Connelly eine ähnliche Geschichte um Lug, Untreue und Mord erzählte.

In D'Amatos Quickie-Version kommt der ehemalige Sträfling Jeff zurück in seine kleine Heimatstadt, um seinen Bruder Gordon aufzusuchen. Vorher gönnt er sich aber ein kleines Stelldichein mit einer blonden Sexbombe, die ihn nach dem Austausch ein paar vielsagender Blicke an einer Tankstelle aufgabelt - die beiden fahren in den Wald, kommen flugs zur Sache, aber weil Jeff für ihren Geschmack viel zu schnell fertig ist, schenkt sie ihm nur einen bösen Blick und braust wortlos mit dem Auto davon. Unter allen Lesern, die erahnen können, wer sich nur wenig später als fesches Trophäenweib des lieben Bruders Gordon entpuppt, verlosen wir einen Screenshot von Playmate Kristine Rose.

Was für ein schnuckeliger deutscher Titel: DAS TESTAMENT DER BEGIERDE. Das klingt nach pikantem Schmuddelroman, nach wunderbar halbseidenem Groschenheft - und genau so fühlt sich dieser Film auch an. Ein bißchen Sex und eine Menge schmutziges Familiendrama - und mittendrin die Autorin Sarah Asproon, die nach ELF TAGE, ELF NÄCHTE (1986) und TOP MODEL (1988) von Regisseur Joe D'Amato ein drittes Mal auf erotisch angehauchte, ähem, Recherche geschickt wird.

Wobei sich die Frage stellt, ob DAS TESTAMENT DER BEGIERDE tatsächlich als dritter Teil der Sarah-Asproon-Reihe verstanden werden darf. Auch wenn TOP MODEL recht deutlich als Fortführung des 9½-WOCHEN-Ripoffs ELF TAGE, ELF NÄCHTE konzipiert war, wird doch dieser Film hier als UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI 2 verkauft - also als zweiter Teil der Reihe. Nun wird aber die gute Sarah Asproon hier nicht mehr von Jessica Moore gespielt, sondern von Playmate Kristine Rose - und Laura Gemser taucht wieder als Sarahs Verlegerin auf, heißt aber diesmal nicht Dorothy Tipton (wie noch in ELF TAGE und TOP MODEL), sondern Jackie Forrest. Um die Verwirrung zu komplettieren, wurde der Film in England als 4. Teil vermarktet (WEB OF DESIRE: ELEVEN DAYS, ELEVEN NIGHTS 4), während ein anderer D'Amato-Film (AFTERNOON - STUNDEN DER LEIDENSCHAFT) als Part 3 herhalten mußte.

Hier wird sie schon kompliziert, die Reihe um Joe D'Amatos Erotikdrama ELF TAGE, ELF NÄCHTE: Ist der 1988 erschienene TOP MODEL eine Fortsetzung oder ein Spin-Off, wie es manche Filmseiten einordnen? Also: TOP MODEL erzählt weitere Abenteuer der Autorin Sarah Asproon, die sich hier einmal mehr im Zuge von Recherchen gerne und oft ihrer Kleidung entledigt - und Sarah wird erneut von der umwerfenden Jessica Moore gespielt, wie schon in ELF TAGE, ELF NÄCHTE. Entsprechend wurde der Film auch vielfach als Sequel vermarktet: ELF TAGE, ELF NÄCHTE, TEIL 2. Problematisch nur, daß ein 1990 erschienener Film von D'Amato, der sich erneut um die Figur Sarah Asproon dreht, in Italien als UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI 2 lief, also ebenso als zweiter Teil (bei uns hieß er DAS TESTAMENT DER BEGIERDE) - nur spielt dort nicht mehr Jessica Moore, sondern Kristine Rose die Hauptrolle! Und dann gibt es da noch den eigentlich schon vor TOP MODEL erschienenen Film AFTERNOON - STUNDEN DER LEIDENSCHAFT bzw. POMERIGGIO CALDO (1987), der aber dann als UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI 3 verkauft wurde, während dem oben erwähnten Film von 1990 eine Vier an den Titel geklebt wurde. (In England wurde dann auch noch weitere Filme von D'Amato ungeachtet ihres Entstehungsjahres als Teil 5, 6 und 7 veröffentlicht.)

Atmen wir mal tief durch und sagen ganz einfach: TOP MODEL ist Teil 1½ in der Sarah-Asproon-Serie. Immerhin ist hier auch wieder ihre Verlegerin an Bord, die nach Sarahs Buch "Meine 100 Liebhaber" auf einen weiteren Knüller hofft. Für einen neuen Enthüllungsschinken hat sie also mal eben eine gut gehende Model- und Eskortagentur gegründet, in der Sarah unter dem Decknamen "Gloria" arbeitet und intensive Recherchen zu ... ja, zu was eigentlich betreibt? Möglicherweise zum Thema Prostitution, steht sie doch nicht nur zigfach nackt Modell für diverse Kunden, sondern kann auch für flotte Nummern bestellt werden - und das ohne vorher die Männer zu irgendwelchen Events eskortieren zu müssen!

Eine Beziehung mit Ablaufdatum, in der dem ungewöhnlichen Sex gefrönt wird - welcher Film aus dem Jahr 1986 fällt einem dazu ein? Ein Schelm, wer grad an 9½ WOCHEN denkt - heute geht es nämlich um ELF TAGE, ELF NÄCHTE von Joe D'Amato bzw. Aristide Massaccesi, der sich von erstgenannterem Film inspirieren ließ, sein eigenes kleines Erotikdrama unters Volk zu bringen. Und das höchst erfolgreich: UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI, wie der Film im italienischen Original hieß, zog diverse Fortsetzungen und Pseudofortsetzungen nach sich und erwies sich als eine der kassenträchtigsten von D'Amatos Produktionen aus den Achtzigern.

Es ist freilich sehr treffend, daß im obigen Absatz beim Wort "Erotikdrama" ersterer Wortteil groß- und zweiterer nur kleingeschrieben wird: Die erstere Hälfte überwiegt eben. Dabei ist D'Amatos schwachbrüstige Handlung eigentlich wundervoller Sexkapismus: Der recht brave Michael (Joshua McDonald) wird auf der New Yorker Fähre von der feschen Sarah (Jessica Moore) verführt - ein paar tiefe Blicke, kurz um die Ecke gelockt, und schon zeigt sie ihm, daß sie unter dem Mantel rein gar nichts anhat. Es ist der Beginn einer recht stürmischen Affäre, die Michael in eine Krise stürzt - wo er doch in 12 Tagen heiraten sollte! Somit bleiben dem Paar elf Tage und elf Nächte, in denen Sarah den biederen Michael immer wieder aus der sexuellen Reserve lockt und mit ihm ihre Spielchen spielt - und das macht sie, weil sie für das letzte Kapitel ihres Buches "Meine 100 Liebhaber" Michael als völlig Unbekannten auserkoren hat. Nach ein paar Tagen kommt aber Michaels Verlobte Helen (Mary Sellers) darauf, daß Michael ein Verhältnis hat ...

Heute gibt's mal wieder ein Gewinnspiel auf Wilsons Dachboden: Wir verlosen in Zusammenarbeit mit PartnersHub und Warner Bros. eine BluRay des jüngsten Tim-Burton-Films DARK SHADOWS! Bislang kenne ich selbst nur den Trailer des Films, kann also noch nichts zu den Qualitäten sagen - aber mit Burton hinter und Johnny Depp vor der Kamera darf man davon ausgehen, daß das Ergebnis seinen Reiz haben wird. (Wer sich optimal auf das Spektakel vorbereiten will, bestellt sich flugs noch aus den Staaten das 131-DVD-Set der alten Fernsehserie für $431,99 und sieht sich die 1225 Episoden mitsamt Bonusmaterial an, bevor er sich an die Kinoversion macht.)

Wir erinnern uns: 1986 fuhr Rutger Hauer per Anhalter durch den fiesen kleinen Thriller THE HITCHER und empfahl sich damit als einer der verstörendsten Psychopathen der Filmgeschichte. Weil der Film recht erfolgreich war, trat Joe D'Amato mit seiner Firma Filmirage auf den Plan und dachte sich: Autostopp plus Psychoterror, das reicht doch schon für eine schwungvolle Fortsetzung. So entstand 1989 der von Umberto Lenzi inszenierte Film PAURA DEL BUIO, der in den Staaten als HITCHER IN THE DARK und bei uns als RETURN OF THE HITCHER verkauft wurde (und natürlich nicht zu verwechseln ist mit HITCHER RETURNS, der tatsächlichen HITCHER-Fortsetzung aus dem Jahr 2002). Abgesehen davon, daß da mal jemand per Anhalter reist, hat der ebenso wie Lenzis NIGHTMARE BEACH in Florida gedrehte Film natürlich rein gar nichts mit dem Vorbild zu tun.

Genaugenommen ist es nicht mal wie in THE HITCHER der Anhalter, der hier als Landstraßenpsycho die armen Autofahrer belästigt: RETURN OF THE HITCHER dreht sich um einen mit einem Wohnmobil herumreisenden jungen Mann namens Mark (Joe Balogh), der ganz schwere Mutterkomplexe hat und deswegen Anhalterinnen aufgabelt, die er dann fachgerecht erst absticht und hernach im Alligatorensumpf versenkt. Dann gerät er aber an die hübsche Daniela (Josie Bissett, später in MELROSE PLACE zu sehen), die ihn gewaltig an seine Frau Mama erinnert - weshalb er sie gefangenhält und bei sich behalten will. Damit ist aber weder Daniela noch deren Freund Kevin (Jason Saucier, CONTAMINATION .7) einverstanden - letzterer macht sich nämlich auf die Suche nach ihr und dem ominösen Wohnmobil ...

Pseudo-Sequel-Alarm! Dieser eher obskure italienische Horrorfilm trägt im Deutschen den Titel HORROR HOUSE 2 (bzw. alternativ geschrieben HORROR HOUSE II), obwohl man zunächst mal überlegen muß, ob einem schon mal HORROR HOUSE 1 untergekommen wäre. Ah ja: Der dritte Teil von Sean Cunninghams Geisterhausreihe HOUSE hieß bei uns HORROR HOUSE - HOUSE III, und freilich hat unser heutiger Film rein gar nichts damit zu tun. Im Italienischen hieß er nämlich LA CASA 5 und wäre somit sozusagen der fünfte Teil von Sam Raimis EVIL DEAD (der in Italien LA CASA hieß) - aber nein, eigentlich ist's nur ein weiterer Spukhüttenzauber von Produzent Joe D'Amato, der schon die Filme GHOSTHOUSE und WITCHERY gewinnbringend als Möchtegernfortsetzungen (LA CASA 3 und LA CASA 4) vermarkten konnte. Wie auch die "Vorgänger" ist dieses Horrorhaus aber ein rein eigenständiger Film.

Wobei "eigenständig" im italienischen Genrekino ja ein recht dehnbarer Begriff ist, schielen die Bewohner des Stiefellandes doch gerne mal Richtung Amerika und brühen deren Kinosüppchen nochmal in Sparversionen auf, um ein paar schnelle Lire zu machen. Auch HORROR HOUSE 2 orientiert sich an bekannten Vorbildern: Da zieht eine Familie in ein altes Haus in Louisiana ein, in dem es gewaltig spukt - offenbar wurde das Haus auf einem Gelände gebaut, auf dem früher eine Hexenverbrennung stattgefunden hat. Neben den üblichen paranormalen Manifestationen trifft es vor allem den circa zehnjährigen Jungen der Familie, Martin, der plötzlich von einem Dämon besessen ist. Zum Glück ist der Herr Papa Priester - und der erhält Unterstützung von Pater George, einem Kollegen, der nach der Begegnung mit einer dämonischen Kindermörderin in der Todeszelle vom Glauben abgefallen ist und sich mittlerweile dem Alkohol zugewandt hat ...