September 2012

Nachdem er einige Jahre lang als Musikjournalist und Co-Autor verschiedener Autobiographien gearbeitet hatte (darunter die von Mötley Crüe, Marilyn Manson und Jenna Jameson) brachte Neil Strauss 2005 sein erstes komplett eigenes Buch heraus - ein Soloalbum, sozusagen: THE GAME, die Geschichte der Pick-Up-Community, in der sich hoffnungsfrohe Aufreißer darüber austauschen, wie man besser Frauen ansprechen, kennenlernen und verführen kann. Das Buch war ein absoluter Bestseller, wobei das wirklich Spannende an der Erzählung nicht die zahllosen Tips waren, wie und wo man sich dem anderen Geschlecht nähern sollte, sondern der psychologische Hintergrund über menschliche Kommunikation und - zu einem gewissen Grad - Manipulation.

Eigentlich endete THE GAME damit, daß Neil eine Frau fürs Leben fand, die sämtliche seiner Anmachroutinen durchschaute - und daß er die Erkenntnis gewann, daß das "Game" der stetig wachsenden Community zwar beibringt, wie man schnell Beziehungen aufbaut, aber überhaupt nichts taugt, wenn es darum geht, Beziehungen zu führen. Der Fluch des Erfolges will es aber wohl, daß sich Neil weiterhin auf dem Gebiet betätigt - weshalb zwei Jahre nach THE GAME ein Begleitbuch mit dem Titel RULES OF THE GAME erschien, in dem Strauss dem geneigten Leser Tips gibt, wie man innerhalb von 30 Tagen an ein Date kommt. "Master the art of attraction in 30 days": Jawohl, hier fungiert Neil als Verführungsguru, der seine Geheimnisse mit den hilfesuchenden Männern der Welt teilt.

Das nächste Spukhaus, bitte! WITCHCRAFT - DAS BÖSE LEBT heißt dieser schöne Italo-Horror aus dem Jahr 1988, den man nicht etwa mit dem Film HEXENBRUT - WITCHCRAFT verwechseln sollte, der fast zeitgleich veröffentlicht wurde (und mittlerweile sage und schreibe 12 Fortsetzungen nach sich gezogen hat). Der vorliegende Streifen heißt nämlich im Original LA CASA 4 (und manchmal auch GHOSTHOUSE 2), weil er als Quasi-Fortsetzung zu GHOSTHOUSE (Original: LA CASA 3) gedacht ist, der wiederum als italienisches Pseudo-Sequel zu Sam Raimis EVIL-DEAD-Filmen (in Italien: LA CASA) ins Rennen geschickt wurde. Alles klar, ja? Nicht? Macht gar nichts: Dieser WITCHCRAFT hier ist wie alle anderen Filme dieser "Reihe" komplett eigenständig.

Die Besetzung jedenfalls läßt aufhorchen: Die Hauptrollen spielen Teufelskind Linda Blair und Bademeister David Hasselhoff - wobei The Hoff seinerzeit ja noch gar nicht am Strand aktiv war, sondern mit sprechendem Auto für die Foundation für Recht und Verfassung arbeitete. Auch Davids damalige Ehefrau Catherine Hickland ist in einer Nebenrolle zu sehen (wundervolle Trivia-Anmerkung: Hickland heiratete 1992 einen Mann namens Michael Knight). Und ebenso dabei: "Sünderin" Hildegard Knef, die damals in den Staaten lebte und fast komplett abgeschrieben war.

Die ehrlichsten Worte des Films werden gleich zu Beginn gesprochen. Und wie man da quasi schon im Vorfeld zustimmen möchte: "Schluß mit der Musik! Hast du mich verstanden? Ein für allemal: Schluß mit der Musik!" Der, der da so herumpoltert, ist Siegfried Schürenberg, der in gefühlt allen Edgar-Wallace-Filmen den Sir John gespielt hat und nicht nur deshalb schon im kollektiven Unterbewußtsein als absolute Autoritätsfigur wahrgenommen wird. Ein ernstes Gesicht trägt er zu diesen Worten, und eine dicke schwarze Brille noch dazu. Aber wie so oft: Es hört mal wieder keiner auf die klugen Worte der älteren Generation.

Schürenbergs Figur ist Unterrichtsminister, und er führt gerade seinem Sprößling Hansi Kraus seine Mißbilligung des unsäglichen Krawalls aus, den der Sohnemann mit seinen Hippie-Freunden so von sich gibt, statt sich auf's Abitur vorzubereiten. Und wenn ich "Krawall" sage, meine ich natürlich schillerndste Schlager, die sozusagen frisch vom warmen Vinyl butterweich in die Gehörgänge des seligen Zusehers tropfen. Oh ja: In MUSIK, MUSIK - DA WACKELT DIE PENNE wird, wie der Titel ja auch sachte ankündigt, dufte musiziert und fröhlich gesungen, und das im Rahmen eines Paukerfilms, wie sie Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger ja hauptsächlich durch DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK so kassenträchtig die Leinwände beglückten.

Gruseln mit Umberto: GHOSTHOUSE nennt sich der kleine italienische B-Horrorstreifen, den wir uns heute ansehen, und inszeniert wurde er von Umberto Lenzi unter dem Pseudonym "Humphrey Humbert" - damit die Sache auch schön amerikanisch wirkt. Gedreht wurde die Spukhausgeschichte nämlich in und um Boston, Massachusetts - und das sogar mit demselben Haus, das schon in Lucio Fulcis Splattersause DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER seinen Bewohnern wenig Glück brachte! Tja, wer ins Haus von Dr. Freudstein tapst, braucht sich eben über übernatürliche Erscheinungen nicht zu wundern.

Wenn man nachfragt, gibt ja nie jemand zu, die Namen von Pornostars zu kennen - ebenso wie ja auch kaum jemand zugibt, sich deren Filme anzusehen. Soweit es also möglich ist, kann man Jenna Jameson als allgemein bekannten Star der Branche bezeichnen: Sie gehört zu den beliebtesten Darstellerinnen im Geschäft (auch wenn sie sich mittlerweile sozusagen zur Ruhe gesetzt hat), leitet mit Club Jenna eine eigene millionenschwere Produktionsfirma, hat zahlreiche Preise gewonnen und auch schon mehrere Schritte in den Mainstream unternommen (z.B. mit dem Horrorfilm EVIL BREED). Ihre Laufbahn hat sie 2004 in der Autobiographie HOW TO MAKE LOVE LIKE A PORN STAR - A CAUTIONARY TALE niedergeschrieben, bei der ihr Rolling-Stone-Autor Neil Strauss (der auch die Bücher von Marilyn Manson und Mötley Crüe betreute) unter die Arme und potentiell andere Körperteile gegriffen hat.

Es ist ja nun nicht so, daß es im Genzel HQ zu wenig Filme gäbe. Und doch schaffen es gerngesehene Gäste wie Don Arrigone immer wieder, obskuren Schmumpf mitzubringen, von dem ich bislang noch nicht einmal etwas gehört habe. Für einen schon etwas länger zurückliegenden Filmabend, bei dem auch Arrigones Kontaktmann nach Norddeutschland, ein gewisser Casi, anwesend war, brachte der gute Don einen billigen Science-Fiction-Ausflug namens OBLIVION 2: BACKLASH mit - den wir uns in knallhart anarchischer Manier angesehen haben, ohne OBLIVION 1 überhaupt zu kennen! Don Arrigone darf berichten:



Science-Fiction meets Western. Taufrisch war die Idee 1996 nicht mehr: Gerade Ende der 80er hatten diverse Zeichentrickfilme die Formel bereits erprobt – man erinnere sich nur an SABER RIDER AND THE STAR SHERIFFS oder die GALAXY RANGERS. Diese Serien haben es in das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation geschafft und bringen noch heute (Männer-)Augen zum Leuchten; man kann sie fast in einem Atemzug mit HE-MAN oder TRANSFORMERS nennen. OBLIVION 2, der auf demselben Genremix basiert, kennen allerdings wenige.

Hier haben wir einen Film, dessen Hintergrundgeschichte interessanter ist als das Endergebnis - das einen höllisch schlechten Ruf genießt und wie so oft eigentlich gar nicht so schlimm ist, aber auch keinesfalls als rundum gelungen bezeichnet werden kann. 1983 drehte Paramount den Film BEST DEFENSE, eine satirische Komödie rund um die amerikanische Rüstungsindustrie. Die Vorzeichen standen gut: Das Drehbuch stammte von Willard Huyck und Gloria Katz, die unter anderem AMERICAN GRAFFITI geschrieben hatten. Huyck führte Regie, Katz produzierte. Und in der Hauptrolle spielte Dudley Moore, der dank der Komödien ARTHUR - KEIN KIND VON TRAURIGKEIT und 10 - DIE TRAUMFRAU zu Amerikas beliebtesten Komikern zählte. Ein reizvolles Projekt, oder?

Die Testvorführungen des Films riefen eine bodenlos schleche Resonanz hervor, weswegen das Studio sich daran machte, den Film aufzupeppen. Eine Nebenhandlung wurde geschrieben und mit Eddie Murphy als "strategic guest star" (O-Ton der Werbung!) prominent besetzt - Murphy war damals dank der Fernsehshow SATURDAY NIGHT LIVE und der Komödienhits NUR 48 STUNDEN und DIE GLÜCKSRITTER eine ganz heiße Nummer. Diese neuen Szenen wurden in den fertigen Film hineingeschnitten, aber nachdem Murphy nie auf den restlichen Charaktere trifft, rettete die neue Fassung auch nichts mehr: ANGRIFF IST DIE BESTE VERTEIDIGUNG (wie BEST DEFENSE bei uns hieß) ging wie ein Stein im Wasser unter.

Feuern wir das Urteil gleich zu Beginn ab: Besser als erwartet. Die Erwartungshaltung an einen Low-Budget-Horrorfilm ist ja weiß Gott nicht hoch - man ist ja schon positiv überrascht, wenn in so einem Film mal keine Freundesgruppe in den Wald fährt! Aber selbst unter der Prämisse, daß der Großteil aller schnell produzierten Horrorsausen einmal mehr eine hinlänglich bekannte Geschichte wiederkäuen wird, entpuppen sich viel zu viele dieser vermeintlichen Gruselstreifen einfach als völlig müde, reizlose Angelegenheiten. Bei solcher Konkurrenz sticht ein Film natürlich schon mit einer Handvoll positiver Aspekte aus der Menge heraus - wie THE BACK LOT MURDERS, dessen altvertrauter Slasher-Plot wenigstens mit Witz und einigen cleveren Einfällen erzählt wird.

Die Geschichte dreht sich dabei um eine Rockband, die gerade einen Plattendeal erhalten hat, weil ihr Sänger mit der Tochter eines Plattenfirmenbosses ausgeht. Bei den Dreharbeiten zu ihrem ersten Musikvideo auf dem Studiogelände (das "back lot") werden die Jungs, ihre Groupies sowie die Crew nach und nach von einem maskierten Killer dahingemeuchelt - könnte es sich um den zuvor gefeuerten Bassisten Bobby handeln, der sich noch vor dem Vorspann als aggressiver Choleriker entpuppt hat?

Hier haben wir mal eine knackige kleine Genreperle, die auf Wiederentdeckung wartet: KILLER'S GOLD heißt der schöne Gangsterstreifen, der vom italienischen Regisseur Sergio Garrone Ende der Siebziger in Spanien gedreht wurde. Garrone machte sich in den Sechzigern mit harten Western wie DJANGO UND DIE BANDE DER BLUTHUNDE einen Namen und steckt als Autor unter anderem hinter dem feinen Prä-Giallo BLONDE KÖDER FÜR DEN MÖRDER, aber es dauerte nicht lange, bis sich seine Filmographie ins extreme Exploitation-Eck bewegte: Neben einer derben Sause mit dem entzückenden Titel ICH, DIE NONNE UND DIE SCHWEINEHUNDE kümmerte er sich um diverse Frauengefängnisfilme, darunter die hier schon besprochene Nazi-Nummer SS CAMP 5: WOMEN'S HELL. Der Action-Krimi KILLER'S GOLD ist ein weniger bekannter Titel seiner Laufbahn und wurde leider bislang nie auf DVD veröffentlicht.

Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger fuhren die Filmteams der Lisa-Film-Produktion gerne in exotische Urlaubsparadiese, um dort nackte Frauen abzufilmen - ganz im Gegensatz natürlich zu heute, wo die Teams in exotische Urlaubsparadiese reisen, um nackten Blödsinn abzufilmen. Die Grenzen sind natürlich fließend. Für DIE INSEL DER TAUSEND FREUDEN ging's 1978 nach Mauritius, wo die vielbeschäftigten Starlets Olivia Pascal und Bea Fiedler diesmal nicht durch eine Disco-Erotikkomödie oder einen Jodelfilm hüpften, sondern sich einem waschechten Sex-and-Crime-Drama widmen durften.

Es passiert nämlich allerlei Garstiges auf Mauritius: Ein Mr. Howard (Arthur Brauss, der hier unter dem Namen "William Levine" mitspielt) entführt mit Hilfe seines Lakaien Ming (Otto W. Retzer, diesmal mit recht großer Rolle) die jungen einheimischen Damen, um sie per Schiff zum nächsten Sklavenmarkt zu bringen. Darauf stößt die junge Privatdetektivin Peggy (immer wieder ansehnlich: Olivia Pascal), obwohl sie eigentlich von der reichen Lady Henriette (Lili Muráti, die immerhin DOKTOR SCHIWAGO auf der Vita stehen hat) angeheuert wurde, ein Auge auf den Ehemann ihrer Nichte Julia (auch hübsch: Bea Fiedler) zu werfen: Michel (Philippe Garnier) macht nämlich jede Menge Spielschulden. Was Lady Henriette nicht weiß: Michel hat ein Verhältnis mit Julias bester Freundin Sylvia (die schnuckelige Elisa Servier, die hier unter dem Namen "Marine Mervil" auftritt und später in David Hamiltons ZÄRTLICHE COUSINEN zu sehen war), und beide planen das Ableben der lieben Tante, um an deren Erbschaft heranzukommen.

Erst kürzlich habe ich einmal wieder den Troma-Streifen ATOMIC HERO gesehen, der mittlerweile eher unter dem Originaltitel THE TOXIC AVENGER bekannt ist und den ich Mitte der Neunziger als (reichlich gekürztes, wie sich herausstellte) VHS-Tape erwarb. Und doch: Wie aufregend war es, die Welt von Troma zu entdecken - diese bizarre, geschmacklose, schräge Welt von Lloyd Kaufman und seinen Leuten. In diesen Filmen schien alles möglich zu sein, und auch wenn viel Billigschund dabei war, war doch immer das Potential eines ganz neuen Filmerlebnisses gegeben. ATOMIC HERO war nicht so grenzwertig wie CLASS OF NUKE 'EM HIGH PART II: SUBHUMANOID MELTDOWN, durch den ich Troma überhaupt erst entdeckt hatte (weil er 1994, warum auch immer, auf Kabel1 ausgestrahlt wurde!) - aber dennoch war mir mit der merkwürdigen Superhelden-Geschichte zwischen Ekel, Albernheit und Herz doch klar, daß ich im Begriff war, Troma-Fan zu werden. Die neuerliche Sichtung - ungefähr 15 Jahre, nachdem ich den Film zum letzten Mal gesehen habe! - hat Erinnerungen gebracht und andere Aspekte des Films in ein wesentlich nüchterneres Licht gerückt. Im folgenden Gastbeitrag berichtet Don Arrigone, der den Film zuvor nicht kannte, mit etwas distanzierterem Blick über den Kultfilm.



Mitte der Achtziger konnte das von Lloyd Kaufman und Michael Herz gegründete Studio Troma bereits auf einige Erfolge zurückblicken: Mit dem Sexploitationfilmchen SQUEEZE PLAY beispielsweise hatten sie ordentlich Kohle gescheffelt, ebenso wie mit den ähnlich gearteten Streifen WAITRESS!, STUCK ON YOU und THE FIRST TURN-ON! 1984 wurden die bisherigen Leistungen aber allesamt von der Horrorkomödie THE TOXIC AVENGER übertroffen. Er war finanziell äußerst erfolgreich und zog etliche Produktionen nach sich, unter anderem drei Fortsetzungen, eine Cartoon-Serie und ein Musical. Derzeit ist ein Remake geplant. Und außerdem sah man zum ersten Mal die spätere Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei auf der großen Leinwand – wenn auch nur für Sekunden. Grund genug, sich den Streifen einmal näher anzusehen.

Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger wurde in Deutschland die Völkerverständigung groß geschrieben: Insbesondere in Bayern nahm man sich nämlich zigfach armer, umherirrender Damen aus Schweden an, die quer durch Europa reisten und dabei Kleidung für eine kulturelle Barriere hielten. So auch in HURRA - DIE SCHWEDINNEN SIND DA aus der nimmermüden Lisa-Film-Produktion, die aus der barbusigen Einwanderung gleich eine ganze (unzusammenhängende) Reihe strickten: DREI SCHWEDINNEN IN OBERBAYERN ein Jahr zuvor, DREI SCHWEDINNEN AUF DER REEPERBAHN ein Jahr danach, DREI SCHWEDINNEN AUF WILSONS DACHBODEN -- ach halt, der blieb verschollen.

Inszeniert hat den heiteren Lederhosen-Schwank Franz Josef Gottlieb, der sich mit der bayrischen Kultur schon dank seines Films AUF DER ALM DA GIBT'S KOA SÜND von 1974 bestens auskannte. (Der unerschrockene Gottlieb überwachte auch die hier vor kurzem begutachteten Streifen POPCORN UND HIMBEEREIS sowie SYLVIA IM REICH DER WOLLUST und begab sich später für die Lisa-Film in DAS SCHLOSS AM WÖRTHERSEE.) Der Mann wußte eben, wie's in den Alpengebieten so zugeht: Haarige Burschen in der Lederhosen granteln umher und steigen den entzückenden jungen Fräuleins nach, die sich gerne von den Vergnügungen des Stallausmistens ablenken lassen. Mit Bergpanorama und Blasmusik wurde da in einer ganzen Latte an Filmen-- Moment, laßt mich die Wortwahl überdenken ... in einer ganzen Serie von Filmen ein eigenbrödlerisches Volk beinahe dokumentarisch porträtiert.

Im folgenden Gastbeitrag berichtet der unerschütterliche Don Arrigone über den Horror-Streifen EVIL BREED, den er leichtsinnigerweise erstanden und ins Genzel HQ gebracht hat. Wohlan, Don!



Meine Reise hatte ja ganz harmlos und unschuldig begonnen: ein bißchen billige Sci-Fi und alte Eastern, eigentlich alles ganz lustig. Aber irgendwann wollte ich mehr, wagte mich weiter vor in die Niederungen des Films: postapokalyptischer Amazonen-Müll, deutscher Billig-Splatter, italienischer Zombie-Schund aus den Achtzigern. Selbst damit war aber meine Neugier nicht befriedigt, immer tiefer stieg ich hinab durch die Höllen des Trash. Mit HEART BEAT wähnte ich mich schließlich im letzten, innersten Kreis. Und genau dort, nur ein paar Meter weiter, wartete auch EVIL BREED – THE LEGEND OF SAMHAIN auf mich, bereit, mir ganz neue Facetten des Grauens zu zeigen.

Dabei klang das Konzept gar nicht mal soo schlecht, zumindest aus Perspektive eines Mannes: Einige Hardcore-Darstellerinnen, z.B. Jenna Jameson und Chasey Lane, und jede Menge Gewalt. Was kann man da groß falsch machen? Nun, verdammt viel, wie sich zeigen sollte. Aber alles der Reihe nach.
Ein Teil meiner Musiksammlung. Ja, ich brauche mehr Platz.

Auf dem Dachboden sind mittlerweile auch diverse Reviews zu finden, die ich im Laufe der Jahre für den All-Music Guide geschrieben habe. Manche dieser (englischsprachigen) Texte waren schon seit einiger Zeit im Archiv des Dachbodens versteckt, viele andere sind in den letzten Tagen neu dazugekommen - aber allesamt waren sie bislang nicht in der Übersichtsseite Frequenzrauschen - Texte zu Musik zu finden.

Hier eine Auflistung der ab sofort ordentlich archivierten All-Music-Texte, deren Entstehungszeitraum von 2000 bis 2011 reicht (jeder Text ist unter dem Datum einsortiert, an dem er geschrieben oder veröffentlicht wurde). Pop, Jazz, NuMetal, Elektronik, HipHop ... mit diesen Reviews werden eine Menge Sparten abgedeckt. Viel Spaß beim Stöbern! Weitere (auch deutschsprachige) Kritiken sind ebenfalls in der oben verlinkten Übersicht zu finden.
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Nanu, da deckt sich doch der Titel des Reviews nicht ganz mit dem auf dem Poster gezeigten Filmnamen? Also: Der Film mit dem Titel FREUDE AM FLIEGEN wurde auch unter dem etwas anregenderen Namen SYLVIA IM REICH DER WOLLUST veröffentlicht - mitunter auch in der alternativen Schreibweise SILVIA IM REICH DER WOLLUST. Wir verwenden hier aber offiziell den ursprünglichen Titel, weil der Streifen quasi als Verfilmung der Erotikschwarte ANGST VORM FLIEGEN von Erica Jong anzusehen ist - und damit niemand glaubt, wir würden uns hier schlimmen Schweinskram ansehen! Gell. Aber keine Angst: Der Film ist in Wahrheit nur einer der vielen, vielen Soft-Erotik-Komödien aus dem Hause Lisa-Film - nur daß diesmal enttäuschenderweise weder Herbert Fux noch Otto W. Retzer mitspielen.

Aber reden wir nicht über verpaßte Chancen, reden wir lieber über die Handlung des Films. Da geht nämlich das Buch "Freude am Fliegen" herum, eine Art Emanzipationsschmöker, durch den unsere Hauptfigur Sylvia ihrer sexuellen Befreiung näherkommt. Sylvia ist nämlich mit dem öden Kurt zusammen, der lieber mit Bierflasche und Zigarette vorm Fernseher sitzt und Fußball schaut, als sich seiner feschen Freundin zu widmen - und das, obwohl es sich dabei um das von Lisa-Chef Karl Spiehs entdeckte Fotomodell Corinne Cartier (eigentlich Corinne Brodbeck) handelt, die nicht nur jede Minute höchst ansehnlich im Bild herumsteht, sondern das im Falle von Kurt auch noch in High Heels, Strapsen und irgendwas Durchsichtigem macht. "Oh, ganz in Schwarz - ist was mit deiner Mutter?", fragt der, bevor ihm dämmert, was sie will. "Ach so. Die Sportschau ist gleich zuende. Leg dich schon mal flach". Wir sehen: In dieser Beziehung ist latent die Luft raus.

Herzlich willkommen zu COLA, CANDY, CHOCOLATE, einer weiteren schönen Klamotte aus dem schier unerschöpflichen Fundus der Lisa-Film. Schon der Vorspann spricht für den einschlägig gebildeten Filmfreund ganze Bände: Nicht nur, daß uns neben der wunderschönen Olivia Pascal in der Hauptrolle auch die Mitwirkung der nicht minder vorzeigbaren Ursula Buchfellner versprochen wird (die 1977 mit einem Playboy-Shooting für Aufsehen sorgte, weil sich herausstellte, daß sie damals erst 16 war). Nicht nur, daß der Kenner auch Castmitglied "Christine Gianna" als Dolly Dollar identifizieren kann, das Busenwunder mit dem Kindchengesicht. Nicht nur, daß uns "als Gäste" das heutzutage eher obskure holländische Girl-Trio Luv mit dem Song "Trojan Horse" (Platin in Holland und Nummer 1 in 14 Ländern!) sowie die gänzlich unbekannte Mania mit dem Stück "Heaven's Child" angepriesen werden (diese ganzen hübschen Mädels mit ihren Disco-Nummern haben ihre Gastauftritte übrigens schon kurz nach dem Vorspann absolviert und tauchen im richtigen Film nicht mehr auf). Ja, und nicht nur, daß als Regisseur "Siggi Götz", also Sigi Rothemund, fungiert, der dem deutschen Kino ja schon mit Filmen wie SUMMER NIGHT FEVER und GEH, ZIEH DEIN DIRNDL AUS heitere Impulse gegeben hat (und nur wenig später den PIRATENSENDER POWERPLAY mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger betreuen sollte). Im Vorspann wird nämlich auch folgender Auftritt angekündigt: "Herbert Fux und sein Schimpanse Mickey".

Sommer! Sonne! Strand! Parties! Frauen! Musik! Gute Laune! Ja, SUMMER NIGHT FEVER bietet fast alles davon - sieht man mal von der Laune ab, die man schon selbst mitbringen muß. Aber wenn kulturfilmerfahrene Darstellerinnen wie Olivia Pascal, Bea Fiedler und Betty Vergès 98 Minuten lang demonstrieren, warum man sie lieber am Badestrand als bei der Schachweltmeisterschaft sieht, dann kann man schon mal ein Hühnerauge zudrücken: Eine schwungvolle Handlung würde bei so vielen unbekleideten Damen ja irgendwie stören.

Es passiert also folgendes in SUMMER NIGHT FEVER: Die Teenager Peter und Freddy machen sich auf die Reise nach Ibiza. Freddy hat das Auto, Peter auf Ibiza dann die Wohngelegenheit. Der Trip ist als große Aufreißaktion geplant: Peter hat einen derartigen Verschleiß an, räusper, willigen Weibern, daß er bei dem Zentimeterband, wo er für jede Eroberung ein Stück abreißt, schon bald bei der Zahl 100 angekommen ist. Freddy dagegen kann erst zwei Schäferstündchen verbuchen - und man möchte ihm fast den Tip geben, etwas gegen den Drei-Mark-fuffzig-Haarschnitt und das Brillenungetüm mitten vor den Augen zu unternehmen, oder aber sich einfach zu bemühen, nicht permanent ein Gesicht zu machen, als wäre ihm gerade der Atari in den Biomüll gefallen.