Juni 2012

Das Gesetz der Fortsetzung gilt nicht nur in Hollywood: Auch im Computerbereich folgt einem erfolgreichen Spiel gerne flott eine Fortsetzung. Nichts dagegen einzuwenden, solange die Geschichten stimmen: Gerade im Adventure-Bereich bietet es sich ja an, die erschaffenen Welten weiter auszubauen und die Helden auf neue Abenteuer zu schicken, die die bisherigen Erzählfäden weiterspinnen. Der Erfolg von Sierras Adventure-Game KING'S QUEST stellte sicher, daß nur ein Jahr später ein Sequel publiziert wurde, in dem wir uns einmal mehr mit Sir Graham (dank der Geschehnisse in KQ1 zum König avanciert) auf die Reise begeben. Es sei gleich zu Beginn verraten: KING'S QUEST II: ROMANCING THE THRONE übernimmt die Stärken des Vorgängers ebenso wie größtenteils die Schwächen.

Nachdem Graham am Ende vom ersten Teil den Thron von König Edward erbte, ist wieder Friede und Wohlstand ins Land Daventry eingekehrt. Somit hat König Graham also nun ausreichend Zeit, sich um eine Königin zu bemühen - um dann auch langfristig gesehen die Frage der Thronnachfolge klären zu können. Er lädt Frauen von nah und fern zu sich ins Schloß, aber keine von ihnen entzückt sein Herz - bis er im magischen Spiegel (eines der Artefakte, die wir im Vorgänger wiederbeschafft haben) die schöne Valanice sieht, die von der Hexe Hagatha gefangengehalten wird. Graham entflammt sogleich für die ihm gezeigte Maid und macht sich auf ins ferne Land Kolyma, um seine zukünftige Königin zu retten.

König Artus, Excalibur, Camelot, Merlin - ich liebe diesen gesamten Mythenkreis. Nebst zahllosen Geschichten, Filmen und Büchern rund um den sagenhaften Gründer der Tafelrunde gibt es auch jede Menge Dokumentation, die sich mit dem geschichtlichen Background dieser so tausendfach wandelbaren Sagenwelt beschäftigen - auch wenn, wie jeder Forscher gleich zu Beginn zugeben muß, der faktisch belegbare Teil sehr gering ist: Es ist ungewiß, welche historische Figur Vorlage für Artus war (oder ob es überhaupt eine gab), und es dürfte gar kein Camelot gegeben haben - und da fangen die Probleme für den Historiker ja gerade erst an.

Die Doku KÖNIG ARTHUR - AUF DEN SPUREN DER LEGENDE zeichnet in drei Dreiviertelstunden-Episoden den Wissensstand um Artus, Camelot und Merlin nach und präsentiert dabei diverse Theorien und Informationen, die sich großteils auf die jüngeren Thesen stützen, nach denen der echte Artus ein sarmatischer Reitergeneral war und Camelot sein mobiles Hauptquartier (auch Antoine Fuquas Film KING ARTHUR von 2004 greift diese Theorie auf). Es wird aber auch diskutiert, in welchen Geschichten Artus wie auftauchte, aus welchen Kulturkreisen diese Erzählungen stammten und wie diese miteinander verwoben wurden. Also: Hochinteressanter Stoff.

Diverse Kickstarter-Projekte der vergangenen Wochen und Monate lassen das Softwarehaus Sierra wieder auferstehen: Al Lowe reanimiert seinen Möchtegern-Aufreißer Larry Laffer für ein Remake von LEISURE SUIT LARRY (hier), Jane Jensen, die Designerin der GABRIEL-KNIGHT-Reihe, plant ein neues Adventure (hier), und die Two Guys from Andromeda knüpfen mit dem SPACEVENTURE an ihre legendäre SPACE-QUEST-Reihe an (hier). Daß Adventure-Fans da nicht nur die Augen feucht werden und gerne wiederholt der Spendenbeutel gefüllt wird, zeugt von der nachhaltigen Popularität von Sierra, die in den Achtzigern und Neunzigern neben den genannten Reihen auch diverse andere Adventure-Serien veröffentlichten, die (trotz gerne geäußerter Kritik seitens der Fachpresse) mit ihrer schönen Präsentation und den spannenden Geschichten viele Freunde fanden. Die Firma wurde dann 1996 verkauft, Firmenchef Ken Williams ging in den vorzeitigen Ruhestand und die beliebten Reihen lagen brach. Daß jetzt per Crowdfunding diese alten Spiele mitsamt ihren Designern reaktiviert werden - so gut es eben geht, nachdem nicht alle Rechte verfügbar sind - ist nicht nur für mich alten Sierra-Fan ein Traum, der wahr wird. Das Kickstarter-Fieber ist Anlaß genug, sich einmal wieder den klassischen Sierra-Games zu widmen.