April 2012

In der wundervollen Doku CORMAN'S WORLD steht Produzent Roger Corman am Set von DINOSHARK und erklärt die dem Film zugrundeliegende Philosophie: "We feel the monster should kill somebody fairly early, and then at regular intervals through the picture." Mir gefällt das: Ich mag es, wenn ein Filmemacher so ein B-Movie nicht unnötig verkompliziert. "The first kill should be quite shocking", fährt Corman dann fort, "the other kills can be a little bit less shocking as we build up. And then, of course, the climax: everything goes, blood all over the screen". Jaja, der mittlerweile 86-jährige Filmemacher versteht etwas von cineastischen Erfolgsformeln.

Natürlich ist der DINOSHARK - wie auch der Großteil der anderen zwölfundsiebzigtausend Corman-Produktionen - eine veritable Billigsause, die sich mit kleinem Budget an einen großen Erfolgsfilm anhängt. Der Dinohai hält sich, wie es ja jeder anständige Haifischfutter-Rip-Off-Streifen machen muß, streng an Spielbergs DER WEISSE HAI. Corman hatte schon 1979 in diesem Territorium geangelt, als er den jungen Regisseur Joe Dante auf den ironisch-schwarzhumorigen PIRANHA ansetzte. Für den DINOSHARK ist leider kein solches Naturtalent am Werk, aber immerhin hat Regisseur Kevin O'Neill zuvor an den Effekten für das PIRANHA-Remake gearbeitet.

PREY heißt dieser australische Horrorfilm ganz unschuldig, und mitunter wird er auch als THE OUTBACK und DREAMTIME'S OVER gehandelt - alles zusammengemixt gibt den schönen "deutschen" Titel PREY - OUTBACK OVERKILL, und wenn ich aufregenden Krempel herzuschenken hätte, dann könnte ich damit ein Gewinnspiel machen und fragen, was genau denn ein "Outback Overkill" ist. Zuviel Outback?

Nach kurzer Vorgeschichte (die wir jetzt einfach mal geflissentlich ignorieren, weil sie ohnehin erst später Sinn ergibt ... oder zumindest vortäuscht, das zu tun) lernen wir in flotten Schnitten und pseudo-stylischer Musikvideo-Inszenierung unsere Protagonisten kennen, die einen Wochenend-Urlaub im Outback planen. Jede Figur bedient brav einen Stereotypen, und nicht mal der ist irgendwie für das Prozedere relevant: Da ist der Yuppie Gus (Alphatier), die Krankenschwester Kate (vernünftig), die Anwältin Ling (exotisch), die Esoterikerin Annika (naiv & blond), der Haudegen Jason (draufgängerisch) und der schwule Matt (tuckig). Jeder davon kriegt einen Satz und eine Viertelszene zur Einführung, bevor die unsympathischen Vollpfosten dann ins Outback fahren. Jedes Sequel von FREITAG DER 13. mutet dagegen wie ein Woody-Allen-Charakterdrama an.

Im folgenden Gastbeitrag kümmert sich Dr. Wily (vom Nachbarsblog Fabulous Yellow Roman Candles) um das hier schon vor kurzem besprochene Saurierspektakel 100 MILLION BC. Danke an Christoph für den folgenden Bericht!



Der Film heißt 100 MILLION BC. Der Laie und Käufer wird sich nun denken: "Ja, das ist, weil der Film wohl in dieser Zeit spielt." Tut er aber nicht. Er spielt in zwei Zeiten!

Jetzt ist man schon richtig gespannt, oder?

Denn nach dieser Information denkt sich der nun schon etwas gebildetere Laie und Käufer: "Ja, dann werden sie wohl eine Zeitreise machen ins Jahr 100 Millionen vor Christus." Auch falsch. Also fast. Sie zeitreisen wohl aus der Gegenwart zu den Sauriern, aber diese Saurier sind – und das ist jetzt wichtig, denn es wird etliche Male genau erwähnt – 70 Millionen Jahre alt. Die Zeit aus dem Titel kommt also im Film nicht vor.

Nun wird der zum Experten auf dem Filmmarkt gereifte Laie und Käufer erkennen: "Ja, die haben eine Billigvariante zu Emmerichs 10.000 BC gedreht und wollen mitcashen." Stimmt auch nur zur Hälfte. Nämlich zu der mit dem Geld. 100 MILLION BC kommt inhaltlich nämlich eher als miselsüchtiges LOST-WORLD-Rip-Off daher.


Ergo gehen Menschen im Saurierland verloren. Eine Rettungsmission wird geschickt, um sie in unsere Welt zurückzuholen. Am Ende landet ein Riesensaurier in der großen Stadt und ißt Menschen. Auffälligerweise macht er hier relativ wenig kaputt. Was eventuell am deutlich reduzierten Budget der Macher liegen könnte.

Aber ihr wollt doch alle etwas über die Zeitreise hören, oder? Also. Da ist ein Team von geheimen Elitesoldaten, die machen zu Beginn des Films einen Flashmob (also, nicht ganz zu Beginn, denn da fällt eine Bergsteigerin rund drei Zentimeter in die Tiefe und entdeckt Höhlenmalereien, aber eigentlich ist das nicht so wichtig. Das habe ich nur der Vollständigkeit halber erwähnt an dieser Stelle. Das ist jetzt ein bißchen so, wie sich diesen Film anzusehen, denn da hat man auch beständig das Gefühl, es wird durch Unwichtigkeiten versucht, die Laufzeit auf Spielfilmlänge zu strecken. Ich habe hier zwar keinen Spielfilm, sondern einen Text, und der soll ja auch ... naja. Egal. Ihr wißt, was ich meine).


Also, das Team macht einen Flashmob. Sie treffen sich um Punkt 1:59 in verschiedenen Autos auf einer Straße an einem Gehsteig, parken hintereinander und sehen zusammen und doch unabhängig voneinander und vor allem geheim auf ihre Uhren. Dann, um Punkt 2:00, steigen sie alle geheim aus und gehen unauffällig und geheim gemeinsam in ein Gebäude, wo sie sich am Gang aufstellen, um von ihrem uniformierten Vorgesetzten wieder weggeschickt zu werden. Wahrscheinlich ging es bei dem Flashmob darum, geheim und trotzdem pünktlich zu sein.

Geschickt werden sie zu Professor Frank Irgendwie – und jetzt kommen wir zur Zeitreise – der sich bei seinem Optiker schnellstenst die Brillenfassung nachstellen lassen sollte. Dieser Professor Frank hat ein Zeitreiseportal erfunden und da vor ungefähr 60 Jahren seinen Bruder und andere random scientists zu Testzwecken durchgeschickt. "Um auf Nummer sicher zu gehen", wie er uns erklärt, hat er sie ins Jahr des Herrn 70 Millionen vor Christus geschickt (Moment ... sind die Jahre vor Christi Geburt überhaupt schon Jahre des Herrn?).


Hier zeigt sich, daß Professor Frank mit der Historie der Zeitreisen ausgezeichnet vertraut ist. Seit den Arbeiten von Doc Brown, die sich bekanntlich in der jüngeren Vergangenheit abgespielt haben, wissen wir ja, dass es furchtbaren Raum-Zeit-Kontinuums-Paradoxa erzeugen kann, wenn man seinen eigenen Großvater trifft oder gar – Gott behüte – umbringt. Sowas passiert unsereins ja regelmäßig. Doch seit Homer Simpsons berühmter Reise in die Saurierzeit ist bekannt, daß es kaum Probleme gibt, wenn man sich 70 Millionen BC auf eine Blume setzt. Dann kann es höchstens sein, daß es Doughnuts statt Wasser regnet, aber sonst schon nichts.

Daher – wer klug ist, baut vor, und sicher ist ohnehin sicher – ab ins Jahr 70 Millionen BC mitsamt der pünktlichsten Eliteeinheit der Filmgeschichte (es zeigt sich übrigens anhand einer mit nur einem kleinen Schreibtisch möblierten alten, versifften Fabrikshalle, in der das Zeitportal steht, daß Zeitreisen offenbar nicht nur geheim, sondern auch sehr schlecht budgetiert sind).


So. Jetzt aber sind wir in der Vergangenheit. Die sieht aus wie der Laubwald am Hügel hinterm Haus, in dem die Kinder mal wieder ihre bunten Sandspielzeuge haben liegen lassen. So taumelt die Spezialeinheit durchs Ed-Wood-Land; der eine scheint die ganze Zeit an Regenbogen zu denken, die anderen ballern hochmotivert und inkompetent in der Botanik herum, und Professor Frank wirkt ohnehin immer, als wäre er gerade hastig in den 6. Stock gelaufen und müßte mal kurz verschnaufen (Sollte sich jetzt herausstellen, daß der Schauspieler Michael Gross tatsächlich ein Lungenleiden hat, entschuldige ich mich. Auch interessant an dieser Stelle: Michael Gross hat in der Serie FAMILIENBANDE lange Zeit den Vater von Michael J. Fox gespielt - was uns wieder zu Zeitreisen bringt).

Im Laufe der Zeit wird die wahrscheinlich schlechteste Eliteeinheit der Welt immer mehr dezimiert, trifft aber dafür auf die verschwundenen random scientists inklusive Professor Franks Bruder, die alle hier seit 6 Jahren ein Auskommen finden und immer noch gut aussehen. Professor Franks Bruders Frau lächelt immer so fröhlich, daß man meinen könnte, so schön wie 70 Millionen BC kann's im Himmel gar nicht sein.


So, das geht jetzt eh weiter so dahin. Irgendwann hat aber alles ein Ende, meistens dann, wenn es am schönsten ist, und es heißt: Zurück in die Gegenwart. Man begibt sich zum Portaldurchgangspunkt, doch dabei wird höchst unachtsam Big Red aufgestöbert. Das ist ein großer roter Saurier. Beim Portal angekommen – das mit Hilfe eines Geräts geöffnet wrid, das so aussieht wie diese elektrischen Gartenlampen aus dem Baumarkt, die man in die Erde stecken kann. Kennt ihr die? Diese Elektrofackeln – jedenfalls, sie gehen durchs Portal und im nächsten Anfall von grober Unachtsamkeit – man möchte fast von Fahrlässigkeit sprechen – schlüpft ihnen der Riesensaurier auch noch mit durch. Doch zuvor ereignet sich ein veritables Drama: Professor Frank muß zurückbleiben, denn eine Person muß das Protal bedienen oder schließen oder so. Oje. Aber seid unbesorgt, sie kommen alle wieder: Professor Frank, Big Red, der uniformierte Vorgesetzte und auch der einsame Schreibtisch.
WERBEPAUSE.
Hat ihnen diese Rezension gefallen? Dann werden sie sich sicher auch für diese Texte begeistern können!

MONSTER – Mistys spannende Betrachtung eines Filmjuwels aus der Asylum-Schatzkiste. Hier.
100 MILLION BC – Christian Genzels detaillierte Auseinandersetzung mit dem Filmphänomen. Hier.
MONSTER – Wieder seziert Christian Genzel in gewohnt präziser Art einen Film bis auf die Knochen. Hier.

WERBEPAUSE ENDE.

Und zack. Alle wieder in der Fabrikshalle, random Urzeit-scientists, die Überreste der Elitetruppe, der Schreibtisch und Big Red. Der uniformierte Vorgesetzte schlägt vor, den Saurier erstmal in der Fabrikshalle zu belassen, doch Big Red will wohl das Hollywood-Sign sehen und marschiert durch die Tür. So geht ihnen der Saurier erstmal verloren. Das passiert ihnen dann noch ein paar mal, bis am Ende alles ...

Nein. Das dürft ihr euch selbst ansehen. Freut euch auf Panzer, Hubschrauber, Explosionen, kurze Röcke und schlechte Entscheidungen. Und wer aufgepasst hat, wird immer noch der Rückkehr von Professor Frank entgegenfiebern. Es ist zu unglaublich, um es zu beschreiben, und zu hirnrissig, um es zu glauben.

Schauen Sie sich das an, meine Herrschaften!





100 Million BC (USA 2008)
Alternativtitel: 100.000.000 BC
Regie: "Louie Myman" (= Griff Furst)
Buch: Paul Bales
Darsteller: Michael Gross, Christopher Atkins, Greg Evigan, Marie Westbrook, Wendy Carter
FSK: 16

------------------
4 8 15 16 23 42
Der Intergalactic Ape-Man vom Nachbarblog Intergalaktische Filmreisen hat mir ein Stöckchen zugeworfen - mit nicht ganz einfachen Fragen. Werfen wir uns gleich mal rein ins Vergnügen, diese zu beantworten:

Warum ist Film nie Wirklichkeit?

"Film is life with the boring parts cut out". Sagt man so. Aber ich glaube ja, daß Film auch immer überzeichnet, zuspitzt, ausdehnt, romantisiert und plastischer macht. Und das paradoxerweise im Versuch, irgendwie an die Intensität bestimmter (wirklicher) Gefühle heranzukommen. Gewissermaßen reicht Film nicht an die Wirklichkeit heran und ist doch oft "wirklicher".

Natürlich ist für mich Film auch nie Wirklichkeit, weil ich selber Filmschaffender bin und daher - egal, wie versunken ich in eine Filmwelt bin - stets den ganzen "Illusionsapparat" dahinter sehe.

Wie würde sich das Leben verändern, wenn Personen ein eigenes Thema hätten und jede Situation durch einen passenden Score unterstrichen würde?

Es wäre vor allem mal sehr laut. Da jeder in seinem Leben die Hauptfigur ist und eigene Probleme, Wünsche, Hoffnungen und Geschehnisse hat, würden sich überall Dutzende von verschiedenen Scores überlagern und zur Kakophonie werden.

Je nach Komponist dieses Scores würden die Leute aber auch freundlicherweise informiert werden, was jetzt gerade passiert. Ominöses Brummen könnte da eine Menge Leben retten!

Wie sehr muß man sich mit schlechten Filmen beschäftigen, um die Qualität der guten Filme schätzen und relativieren zu können und welchen Effekt hat dies auf die Kanonisierung?

Naja, müssen ... müssen muß man ja zunächst mal gar nichts. Jeder darf das schauen, was ihm Spaß macht. Von daher mag ich die Unterteilung in "gute" und "schlechte" Filme auch gar nicht, weil mir gerne mal das, was als "schlecht" gilt, mehr Vergnügen bereitet - zugegebenermaßen oft auf anderer Ebene - als das, was ich für "gut" zu halten habe. Das hängt ja auch immer damit zusammen, was ich zu einem gegebenen Zeitpunkt von einem Film "bekommen" will. Ein "schlechter" Film kann immens interessant sein. Oder "schlecht" nur in einem Sinne und brillant gemacht in einem anderen. "Movies are so rarely great art, that if we cannot appreciate great trash, we have very little reason to be interested in them", sagte die Filmkritikerin Pauline Kael (was ich ja auch als Motto über meine Sparte "Stranger than Cinema" geschrieben habe) - und meinte damit vermutlich trotzdem nicht Filme wie GALACTIC GIGOLO - GEMÜSE AUS DEM ALL.

Kubrick sah sich ja gerne "schlechte" Filme an, weil er aus ihnen mehr gelernt hat als aus den "guten". Den Effekt kenne ich auch, weil ich sehe, was mir mißfällt - bestimmte Wendungen, bestimmte Inszenierungen - und daraus herausschäle, was ich selber (hoffentlich) besser machen würde.

Kanonisierungen halte ich generell für problematisch, weil da gerne Meinungen vererbt werden, welche Werke als "meisterlich" gelten und dabei immer weniger Raum für einen unvorbelasteten Blick bleibt (wobei ich den meistens derart kanonisierten Werken ihre Brillanz gar nicht abstreiten will). Außerdem mag ich die Reduktion auf bestimmte einzelne Werke eigentlich nicht. Aber ja, mir ist schon klar, daß in einer Auswahl immer viele "verdiente" Werke beiseite fallen. Es wäre natürlich lustig, wenn in einem Kanon auch komplett schiefgegangene Gurken wie GIGLI zu finden wären - aber nein, man muß den nicht gesehen haben, um dagegen ein richtig brillantes Meisterwerk schätzen zu können. Von daher: Wenn es ein solcher Kanon erlaubt, problematische Filme wie HEAVEN'S GATE neu ansehen und wertschätzen zu können, dann ja - aber mit TROLL 2 und anderem Käse braucht so eine "Übersicht" nicht angefüttert zu werden.

Welches Filmzitat würde auf deinem Grabstein stehen?

Lustig wären natürlich die Pythons mit der KOKOSNUSS: "Es geht mir schon viel besser ... ich möchte spazierengehen!"

Aber attraktiver wäre dann doch beispielsweise der in LISBON STORY zitierte Fernando Pessoa: "In broad daylight, even the sounds shine."

Es ist 19:00 Uhr. Du befindest dich in einer Pizzeria. Bei dir sind Sybil Danning in ihrem Werwolfskostüm aus HOWLING II, Heinz Erhardt und Mutter Theresa. In deinem Jutebeutel befinden sich eine Flasche Whiskey, eine Salatgurke, eine Rolle Ducktape, eine Clownsnase, ein ausgestopftes Rebhuhn, zwei Bibeln, ein Füllfederhalter und ein getragenes Kondom. In deiner Hand hältst du eine Kamera, denn du wurdest eingesperrt, um einen Film zu drehen, welcher den Sultan belustigen soll. Was passiert in dem Werk, welches du ihm am nächsten Morgen vorführst und womit hast du dies erreicht?

Puh. Mutter Theresa fungiert als Allround-Crewersatz, und aus der Güte ihres Herzens heraus wird sie sicherlich keine Gage haben wollen. Den ganzen Krempel schmeiße ich weg. Nach einem Vorfilm, in dem Sybil Danning das Kostüm ablegt, kommt dann ein Live-Video von Heinz Erhardt, der sein Comedy-Programm abspult. Was sonst würde man wohl zur Belustigung brauchen?
------------------
4 8 15 16 23 42

Ich gebe es zu: Ich mag Filme, in denen sich harte Kerle den Schädel weichkloppen. Nun sind die schönen Filme der Herren Norris, Dudikoff, Lundgren & Co. ja nur das kleine Einmaleins der toughen Actiongrütze - der wahre Freund muskelbepackter Stoiker und neonfarbener Ballereien pflügt in der Videothek freilich etwas tiefer und fördert unbekanntere Helden zutage. Wie wäre es zum Beispiel mit David Bradley, Olivier Gruner oder Don "The Dragon" Wilson? Oder, wie im vorliegenden Fall, mit Billy Blanks, dem großen schwarzen Mann, der das Tae-Bo-Training erfunden und in KARATE TIGER 5 als böser Khan eindrucksvoll mit den Zähnen geknirscht hat?

EXPECT NO MERCY heißt der vorliegende Streifen, und abgesehen von Gnade gibt es vielleicht noch ein paar andere Sachen, die man eher nicht erwarten sollte - darunter eine komplexe Handlung, schauspielerische Leistungen, Produktionsaufwand oder große Sinnhaftigkeit. Aber ich verstehe das schon: EXPECT NO GOOD MOVIE würde sich als Verkaufstitel wahrscheinlich nicht so gut machen.


Dabei ist der Streifen sogar ein recht kurzweiliges Vergnügen - wenn man sich für große Jungs begeistern kann, die sich gegenseitig eins auf die Omme hauen. Und zwischendurch auch mal ein wenig schießen und Auto fahren. Worum geht's nun eigentlich? Ah ja: Der sinistre Herr Warbeck leitet mitsamt seiner Fönmatte ein Trainingsstudio namens "Virtual Arts Academy", wo Kampfsport nicht nur am lebenden Objekt, sondern auch in einer Virtual-Reality-Umgebung gelehrt wird. Heimlich allerdings läßt er sich und seine Jungs aber auch für Attentate anheuern, und weil er das mit viel Hingabe macht, drängt sich mir der Verdacht auf, daß Mord lukrativer ist als flimmerndes Cybertraining in knallbunten Farben. Jedenfalls wird FBI-Agent Billy Blanks undercover in die Einrichtung geschickt, um sich dort mit einem weiteren Undercover-Agenten zu verbünden und den ganzen Spaß zu stoppen.

Gut, dann reden wir doch mal über den ganzen Computerkram, während die da beschäftigt sind, sich und das Trainingscenter zu demolieren. Weil in den Neunzigern ja "Virtual Reality" und "Cyberspace" als große Schlagworte durch die Medien geisterten, griffen natürlich auch motivierte Filmemacher den Gedanken auf und gaben uns Cyberwelten vom RASENMÄHER-MANN hin zu JOHNNY MNEMONIC. Die Virtual-Reality-Sequenzen in EXPECT NO MERCY zeigen Kämpfe vor schlichten Computergrafiken - man stelle sich mal die Hintergründe von Spielen wie WAY OF THE EXPLODING FIST oder INTERNATIONAL KARATE vor, nur nicht so schön, und lasse die in augenfressenden Farben vor sich hinflimmern - und legen, weil es sich ja um futuristischen Kram und so handelt, noch viel Leuchteffekt über die Darsteller. Fast noch schöner ist die einleitende Lektion der beiden Trainer, die als schwebende Köpfe vor einer mit sanftem Welleneffekt präsentierter Berglandschaft salbungsvolle Worte sprechen. Und vergessen wir mal nicht die Computergrafiken von Warbecks Satellitenüberwachung während der Anschläge, wo die Kamera durch blockige 3D-Modelle fliegt, die schon 10 Jahre vorher gar nicht so aufregend gewesen wären!


Macht natürlich gar nichts, weil Billy ja zum Kämpfen gekommen ist und nicht zum Spielen. Vor Ankunft im Trainingscenter macht er aus einem unerfindlichen Grund den Reißverschluß seiner Jacke so weit auf, daß sein blanker Oberkörper darunter schon fast herausfällt, und setzt sich in einem Anfall weiterer Coolness noch das Baseballkäppi verkehrtherum auf. Derart getarnt hält ihn natürlich niemand für einen FBI-Agenten, selbst wenn er unter seinem richtigen Namen eincheckt - zumindest solange, bis er dann halt zusammen mit dem anderen Undercovermann und der Ausbilderin Vicki Warbecks Computerfiles durchsucht und da alle Hinweise auf das große Attentatsbusiness findet. Und neben dem Kampf gegen Warbecks wallendes Wunderhaar und die ganzen Knallchargen muß auch noch ein FBI-Kronzeuge vor den sinistren Burschen beschützt werden.

Vicki zeigt sich dabei natürlich als hochgradig störend - sie mag vielleicht eine Ausbilderin sein, aber versteckt sich beim großen Kampf trotzdem unter dem Wagen und wird dann von Warbecks Henchmen gefangengenommen und außen am Trainingscenter als Köder hingehängt, ohne auch nur einen einzigen bösen Buben erledigen zu können. Billy Blanks ist da schon effektiver und tritt und schlägt und kickboxt und schießt sich seinen Weg durch ein paar Dutzend Untereumel hindurch - darunter auch ein brutaler Böser, der von Billys echtem Bruder Michael Blanks gespielt wird - bis er dann Warbeck höchstselbst von der Verwerflichkeit seines Tuns überzeugen darf. Der andere Undercovermann wird von Jalal Merhi gespielt, der auch produziert hat und deswegen hier nicht minder viele ihn belästigende Burschen beseitigen darf. Merhi kann nicht so gut schauspielern wie Billy Blanks (räusper), aber dafür verkündet er in seiner eigens erstellten IMDB-Biographie, daß er "recognized worldwide as a premiere action-film producer" sei. Wer möchte, darf per Kommentarfunktion widersprechen - aber fairerweise natürlich erst, nachdem er alle Merhi-Weltklasse-Produktionen hinreichend rezipiert hat.

Am vergnüglichsten an der ganzen Sause ist aber natürlich der Deutsche Wolf Larsen, der als Endboss Warbeck hier die Augen aufreißt, dramatisch herumfuchtelt, und jede seiner Zeilen mit soviel Wucht und Lautstärke betont, als würde er sich bei Shakespeare im Park wähnen. Naja - im Virtual-Reality-Park halt, mit der kompletten Ersatzbank in allen Rollen. Hey, das wäre doch vielleicht ein schöner Alternativtitel: EXPECT NO SHAKESPEARE IN THE PARK?






  
Expect No Mercy (USA 1995)
Alternativtitel: Expect No Mercy - Gnadenlos
Regie: Zale Dalen
Drehbuch: J. Stephen Maunder
Musik: Varouje
Darsteller: Billy Blanks, Jalal Merhi, Wolf Larson, Laurie Holden, Anthony De Longis, Michael Blanks

Hinweis: Die ungeschnittene DVD-Fassung hat keine FSK-Freigabe und ist in Deutschland indiziert. Sie kann über den obigen OFDB-Link bezogen werden.

------------------
4 8 15 16 23 42

Quizfrage: Welchen populären US-Blockbuster plagiiert die Asylum-Produktion 100 MILLION BC schamlos und schwungvoll? Antwort: Richtig, Steven Spielbergs THE LOST WORLD, den zweiten Teil seines JURASSIC PARKs. Nunja, der Name bot sich einfach nur so an, weil Emmerichs Frühzeitspektakel halt etwas frischer im Bewußtsein des Kinogängers sitzt als Spielbergs Sauriersause - das muß man schon verstehen. Kommen wir zur zweiten Quizfrage: In welche Zeitepoche reisen die Helden des Films 100 MILLION BC zurück? Antwort: Richtig, 60 bis 70 Millionen Jahre vor Christus. Vermutlich ist der Wechselkurs dran schuld, daß da ein paar Jährchen fehlen.

Der Film beginnt (nach kurzer Kletterexpedition) mit der Zusammenstellung eines Expertenteams aus Söldnern und anderen Haudegen, die zu einem geheimen Meeting zusammengerufen werden. Unauffällig, aber zu martialischem Getrommle sitzen alle in ihren jeweiligen Autos und starren auf ihre Zeitanzeige - 01:59 - und nach ausgiebigem Uhrenvergleich (irgendwie muß man ja auf Spielfilmlänge kommen) marschieren alle um Punkt 2 Uhr in den Stützpunkt, um sich dort aufzustellen und von einem unter völliger Mißachtung der Mundbewegungen synchronisierten Oberstwaldmeister gesagt zu bekommen, daß sie sich in einer Stunde in der Halle einfinden sollen. Coole Sache, Parker!

Für die Uneingeweihten hier flott die Handlung der vorigen beiden TRANSFORMERS-Filme: Gute und böse Roboter schlagen im ewigen Kampf die halbe Erde zu Schrott. Die Handlung des dritten Teils knüpft direkt an die Vorgänger an: Sie sind noch nicht fertig damit!

Halten wir an dieser Stelle noch einmal den grundlegenden Ansatz fest, nach der man die TRANSFORMERS-Reihe einordnen sollte: Wenn ein Film auf einem Kinderspielzeug basiert - und zwar einem, wo sich Roboter in Autos und Flugzeuge und andere Transportvehikel verwandeln - dann hat die Filmversion das intrinsische Recht, hauptsächlich Kindsköpfe jeglichen Alters anzusprechen und auch von einem ebensolchen inszeniert zu werden. Und nein, Michael Bay ist kein Kind im Sinne von Steven Spielberg, der sich den staunend-neugierigen Blick bewahrt hat - er ist der ungezogene Fratz, der umso mehr Spaß hat, je lauter und wüster es zugeht, der alles ohne Maß haben will, und der am meisten Spaß mit seinen Spielsachen hat, wenn er sie mit dicken China-Böllern in die Luft jagen kann.


Yeah, MONSTER! Das ist der Film, für den Charlize Theron einen Oscar gewonnen hat, weil ihre Darstellung eines Krakentiers sehr glaubwürdig war und sie dann ganz unhollywoodtypisch Tokyo niedergewalzt ... hmm, wartet mal. Ich glaube, das war's nicht ganz.

Also nochmal von vorn: MONSTER (dieser hier) stammt aus der Produktionsschmiede Asylum und ist als CLOVERFIELD-Rip-Off in den Staaten ganz brav drei Tage vor Kinostart des Vorbilds in die Videothek gekommen. Bei uns ist er auch unter dem Titel EARTHQUAKE IN TOKYO erschienen. Und ja, er übernimmt den CLOVERFIELD-Stil mit der wackligen, subjektiven Handkamera eins zu eins - freilich unter Verzicht auf Nebensächlichkeiten wie Geld, Dramaturgie, Spannung, Stringenz oder Talent. Es geht ja auch nicht immer alles in einem einzigen Film, nicht wahr.

Es ist nicht so, als ob CLASH OF THE TITANS, das Remake des Fantasyfilms von 1981, einen besonders guten Ruf hätte: Ganz im Gegenteil, er wird gemeinhin als "Enttäuschung" wahrgenommen. Warum? Viel Rabatz, wenig Handlung, viele dicke Effekte, wenig eleganter Dialog. Nun ja - diese Attribute fassen den Film durchaus adäquat zusammen, aber dennoch hat er als stimmungsvolle Fantasy-Action seine Reize, die vielleicht nicht in einer wohlfeilen Story, aber in spannend inszenierten Kämpfen gegen erstklassig zum Leben erweckte Kreaturen liegen. Ergo verspricht uns der Trailer zur Fortsetzung WRATH OF THE TITANIC--, äh, TITANS primär mal mehr davon: Mehr Monster, mehr Kampf, mehr Mehr. Nichts dagegen einzuwenden.
 
Nachdem ich die letzte Plattenbörse Ende 2011 sowie diverse Zwischen-Flohmarktfunde hier nicht weiter ausgebreitet habe, soll die Plattenbörse vom letzten Samstag aber doch Erwähnung finden. Diesmal habe ich nicht gar so viele Schallplatten mitgenommen wie sonst - was einerseits einem etwas geringeren Budget geschuldet ist, andererseits aber auch damit zu tun hat, daß ich mich auf ein paar Platten konzentrieren wollte und die dann etwas teurer waren. Wie gehabt könnt ihr auf die Bilder klicken, um bei Amazon mehr Infos über die Alben zu kriegen - und egal, was ihr dann dort kauft: Ein kleiner Betrag davon geht an mich, was wiederum mich und diesen Blog hier unterstützt. Danke!


Richard Tee: Strokin' (1979). Richard Tee war ein vielbeschäftigter Sessionpianist und -keyboarder, der hauptsächlich im Jazz- und Funk-Bereich beschäftigt war. STROKIN' war sein erstes Soloalbum, das mit Top-Sessionkollegen wie Eric Gale, Ralph MacDonald und Steve Gadd unter der Aufsicht von Bob James für dessen Label Tappan Zee eingespielt wurde. Und was für ein lässiges Album das geworden ist! Funkiger Jazz, entspannte Grooves, ein bißchen R&B, feine Soli von Michael Brecker und Tom Scott, und eine Coverversion von "Take the 'A' Train", die enorm Dampf hat. Exzellent!


Commodores: United (1986). Zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere war Lionel Richie schon längst nicht mehr Mitglied der Commodores, und die Band hatte ihr Label Motown verlassen und war bei Mercury untergekommen. 1985 hatten die Jungs immerhin noch einen Hit mit der großartigen Single "Nightshift". Dieses Album hier trägt den etwas irreführenden Titel UNITED - immerhin war nicht nur Richie nicht mehr dabei; auch sonst hatten sich schon einige Mitglieder verabschiedet und von der Originalbesetzung waren nur noch drei übriggeblieben. Und von denen steuern zwei nur einen einzigen Song bei; auf den anderen Stücken sind sie nicht zu hören - der Großteil der Tracks wurde von Sessionmusikern wie Paul Jackson Jr., Paulinho Da Costa und anderen Mietmusikern eingespielt. Das Resultat ist gar nicht übel - "Going to the Bank" z.B. hat einen funky 80's-Groove (und war die letzte Single der Band, die in den Charts landete - obwohl die Gruppe noch bis 1993 neue Stücke aufnahm) - aber es hat nicht viel eigene Identität jenseits der Stimmen von Walter Orange und J.D. Nicholas.


Rasa: Creation (1981). Die haben mir nicht wirklich etwas gesagt - abgesehen davon, daß ich ein anderes Album (UNIVERSAL FORUM) der Band hier herumstehen habe, ohne es jemals gehört oder mich informiert zu haben, was es damit auf sich hat. Also: Bei Rasa handelt es sich um eine Band, die in einer schwedischen Hare-Krishna-Kommune entstanden ist, und zwar rund um den Musiker Visnupada - einem hohen Tier aus der Krishna-Bewegung, das eigentlich Robert Campagnola heißt und aus Amerika stammt. Die Gruppe spielt eine ziemlich interessante, relaxte Rock-Mischung mit Prog-Elementen, Blues, indischen Anleihen und Synth-Spuren - und dazu dann Gesang mit spirituellen Texten oder gleich ein Hare-Hare-Chor. Schräg, aber schwer interessant!


Real Life: Flame (1985). Das zweite Album der australischen New-Romantics-Band Real Life, die 1983 einen Hitsong namens "Send Me an Angel" hatten. Ich hab' das Album noch nicht gehört, aber es gilt als sehr guter Nachfolger ihres Erstlings HEARTLAND, der leider nicht mehr denselben Erfolg verbuchen konnte, aber einige Sie-hätten-Hits-werden-sollen-Singles vorweisen kann. Übrigens: Die CD gibt es derzeit gebraucht im Amazon Marketplace für heiße €99,90!


The Crusaders: Royal Jam (1982). Ich mag den relaxten Jazz-Funk der Crusaders, und Anfang der Achtziger war die Band zwar schon nur noch zu dritt - Pianist Joe Sample, Saxophonist Wilton Felder und Drummer Stix Hooper; die restlichen Musiker sind Sessionleute (darunter David T. Walker) - aber der Qualität der Musik tat es wenig Abbruch. ROYAL JAM ist ein Doppel-Live-Album, wo die Band - wie das Cover schon zeigt - mit Philharmonieorchester und Bluesmann B.B. King zusammen in der Royal Festival Hall in London auftritt. Ja, sie spielen ihren Hit "Street Life".


Wilton Felder: We All Have a Star (1978). Ein Soloalbum des Crusaders-Saxophonisten - produziert und arrangiert von Mtume & Reggie Lucas, die sich Mitte der Siebziger in Miles Davis' fantastischer Band kennenlernten und dann als Funk/R&B/Pop-Songwriting- und -Produktionsteam erfolgreich wurden. WE ALL HAVE A STAR ist recht angenehmer Pop-Jazz - und sowas läuft ja manchmal Gefahr, zu seicht und glattgebügelt zu klingen, aber dann kommt wieder so ein Groove wie auf "The Cycles of Time" und alles ist gut.


Klaus Schulze - Mirage (1977). Ich habe lange kein Album mehr vom deutschen Elektronikpionier Klaus Schulze gekauft - aber das hier hat mich jetzt schon sehr angelacht. Schulze beschreibt die Musik hier auf der Plattenhülle als "Eine elektronische Winterlandschaft", und entsprechend kühl und ruhig klingen die beiden plattenseitenlangen Tracks. Was nicht heißt, daß nichts passiert - ganz im Gegenteil. Das sind zwei spannende, bildstarke Klangskulpturen, die Schulze hier formt - ein Leckerbissen für jeden Freund kosmischer Klänge.


WarGames - Original Motion Picture Soundtrack (1983). Ja, WARGAMES ist einer meiner Lieblingsfilme. Und deswegen muß natürlich auch der Soundtrack her. Der ist von Arthur B. Rubinstein, der für John Badham dann auch DAS FLIEGENDE AUGE vertont hat - und hier wie dort passen die harten Synthklänge perfekt zur Stimmung des Films. Diesen Score gibt's übrigens auch in einer erweiterten CD-Fassung - aber natürlich braucht man zu einem Film von 1983 auch den Originalrelease des Soundtracks. Klar, oder?


Dragnet - Music from the Motion Picture Soundtrack (1987). Ich geb's ja zu: Ich habe diese Komödie mit Dan Aykroyd und Tom Hanks (die bei uns nicht DRAGNET, sondern SCHLAPPE BULLEN BEISSEN NICHT heißt) nie gesehen. Schande. Aber dafür habe ich jetzt den Soundtrack, auf dem nicht nur Patti LaBelle, Art of Noise und New Edition zu hören sind, sondern auch ein Track von Aykroyd und Hanks selbst (zusammen mit Glenn Hughes und Pat Thrall) - sowie, auf der B-Seite der LP, Teile des Scores von Ira Newborn. Und der Film wird jetzt dann auch bald angeschafft, versprochen!


Jean-Michel Jarre: Magnetic Fields (1981). "Alte-Leute-Musik", hat mal ein Bekannter von mir über die Musik von Jarre gesagt. Nunja, Jarres Elektronik mag nicht ganz so kosmisch und kantig sein wie die von Tangerine Dream und Klaus Schulze - aber interessant und spannend ist sie allemal, und in ihrem eigenen Bereich nicht minder Pionierarbeit. Oder so: Mir gefällt's.

------------------
4 8 15 16 23 42