Januar 2012

Erinnert sich noch jemand an die Firma Ocean? Die haben in der glorreichen Heimcomputerzeit mit sicherem Geschäftssinn zahlreiche Filmlizenzen aufgekauft und dazu dann Computerspiele auf den Markt gebracht - die sich nicht unbedingt immer wegen ihrer Qualität verkauften, sondern weil sie als Merchandising funktionierten. Die meisten Ocean-Games waren gewöhnliche Action- und Geschicklichkeitsspiele, die auf die Filmfiguren hingetrimmt wurden, und mitunter auch Sammlungen von Mini-Games, die dann verschiedene Situationen aus dem Film ins Gedächtnis riefen. RAMBO, ROBOCOP, LETHAL WEAPON und HIGHLANDER: Ocean war wegweisend darin, wie man aus einer Filmmarke auch spieltechnisch Kapital schlagen kann.

Im Zuge der 1989 grassierenden Batmania - da kam Tim Burtons BATMAN mit Michael Keaton und "Joker" Jack Nicholson auf die Leinwände und spielte mit seinem stilvollen Design im Handumdrehen ein mittelgroßes Vermögen ein - war es also quasi Ehrensache, daß Ocean wieder zuschlagen würde. Wobei die Firma schon 1986 mit dem isometrischen Action-Adventure BATMAN (für den CPC, den MSX und den Spectrum) und 1988 mit dem Seitenscroller BATMAN: THE CAPED CRUSADER (diesmal auch für C64, Amiga und ST) Spiele mit dem maskierten Rächer vorgelegt hatte, die sich aber an keine bestimmte Vorlage außer an das Bat-Universum selbst halten mußten. Für das eher mißverständlich betitelte BATMAN: THE MOVIE (müßte es nicht BATMAN: THE GAME lauten?) mußte die Firma also nun den entsprechenden Kinofilm begutachten und daraus Spielsituationen extrahieren. Das Ergebnis sind quasi vier Einzel-Spiele auf fünf Levels, in denen man Burtons Story von der Entstehung des Jokers bis zu seiner Vernichtung nachspielt.


Nach Jahren der Ruhepause erscheint ein neuer Film von Horrorlegende John Carpenter auf der Kinoleinwand: THE WARD. In der in den Sechzigern angesiedelten Spukgeschichte wird eine Brandstifterin in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, wo sie von einem umhergehenden Geist heimgesucht wird. Auch die anderen Insasinnen haben offenbar schon Begegnungen mit der Erscheinung gehabt, aber das Personal will davon natürlich nichts wissen ... Nach der Sichtung des Films diskutieren Genzels zwei Persönlichkeiten - der Filmliebhaber (Genzel privat) und der Kritiker (Genzel kritisch) - über den Streifen, bevor sie vom Personal wieder aufs Zimmer gebracht werden.

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Genzel (privat): Ein neuer Film von John Carpenter! Ich bin immer noch ganz aufgekratzt!

Genzel (kritisch): Ich auch. Carpenter ist ja nun wirklich ein Regisseur, auf den wir uns beide einigen können. Er bedeutet dir und mir etwas.

Genzel (privat): Aber hallo. Carpenter war der erste Regisseur, den ich bewußt als Regisseur wahrgenommen habe. Natürlich war schon vorher schon klar, daß da jemand den Film leitet: Spielberg, Hitchcock, natürlich. Aber als ich damals - ca. 1994 muß das gewesen sein - diese Reihe mit HALLOWEEN, ASSAULT ON PRECINCT 13, THE FOG und DIE KLAPPERSCHLANGE gesehen habe, hab' ich zum ersten Mal verstanden, was für eine starke Handschrift ein Filmemacher haben kann. Die Tatsache, daß er neben Regie und Buch auch noch komponiert hat, hat ihn natürlich nur noch interessanter gemacht. Und nach all diesen vier dichten, spannenden, aufregenden Meisterwerken habe ich mich dann daran gemacht, all seine anderen Filme aufzuspüren und anzusehen. Letzteres immer und immer wieder.

William Shatner umarmt die Weltkugel und lächelt dabei zufrieden. Mit seinen 80 Jahren, die man ihm nicht ansieht, scheint der einstige Raumschiffkapitän rühriger zu sein als je zuvor: Er spielt, er schreibt, er dreht, er moderiert, musiziert, sammelt im Vorbeigehen Preise und Anerkennungen ein, und er schreckt nie vor neuen Unterfangen zurück. So bleibt man jung. Und weil nach den beiden Bänden STAR TREK MEMORIES (1993) und STAR TREK MOVIE MEMORIES (1994) sowie seiner Autobiographie UP TILL NOW (2008) eigentlich wenig Bedarf besteht, sein Leben und seinen Werdegang erneut detailliert nachzuzeichnen, ist Shatners neues Buch ganz einfach eine lose Anekdotensammlung, in der ein älterer Herr mit buntem Leben erzählt, was ihm gerade so in den Sinn kommt.

Der Titel SHATNER RULES ist natürlich mehrdeutig: Oh ja, Shatner ist klasse - he rules! - und er regiert die Welt, die er da so schelmisch umklammert. "It's Shatner's world. We just live in it", heißt es ganz vorne und ganz hinten im Buch. Aber aufgezogen ist die lockere Erzählform an humoristischen Regeln, die uns helfen sollen, Shatners Welt zu verstehen und wie er sein zu können. Shatner's Rules, sozusagen. Und die reichen von hilfreichen Hinweisen ("Take some stuff off your résumé") zu Lernerfahrungen ("Don't punch Lee Van Cleef!") hin zu Tips im Umgang mit dem hohen Alter ("Just smile. You're lucky you made it").