2012

Der Betrüger und Kleinganove Eddie Dash muß im Zuge seiner Bewährungsstrafe Sozialarbeit leisten: Er soll auf den pathologischen Lügner George aufpassen, der nach drei Jahren in einem Sanatorium nun wieder ins normale Leben zurückkehren will. Dann wird George aber mit dem Millionär Abe Fielding verwechselt, was Eddie schamlos ausnützt, um an etwas Geld zu kommen - bis sich dann herausstellt, daß rund um Fielding ein viel aufwendigerer Betrug gestrickt werden soll ...

DAS ANDERE ICH (im Original: ANOTHER YOU) ist aus mehrerlei Gründen ein Film, der traurig stimmt - obwohl er als Komödie konzipiert ist. Der Streifen ist die vierte Zusammenarbeit der Komiker Gene Wilder und Richard Pryor, und es sollte ihre letzte bleiben - Pryor war schon zu sehr von Multipler Sklerose gezeichnet, Wilder zog sich aus dem Kino ins Fernsehen und danach komplett aus dem Showgeschäft zurück, und das Vermächtnis dieser beiden beliebten Darsteller mag alles sein, aber ein gelungener Film ist es wahrlich nicht.

Gene Wilder und Richard Pryor waren zusammen schon 1976 in TRANS-AMERIKA-EXPRESS und 1980 in ZWEI WAHNSINNIG STARKE TYPEN sehr erfolgreich als ungleiches Komik-Duo aufgetreten - und eigentlich hätte ihre Zusammenarbeit auch bald fortgesetzt werden sollen. Dann aber setzte sich Pryor im Kokainrausch selber in Brand und brauchte einige Zeit zur Genesung; Gene Wilder drehte in der Zwischenzeit DER GEISTERFLIEGER HANKY PANKY, bei dem die angeblich für Pryor vorgesehene Rolle stattdessen auf die Komikerin Gilda Radner umgemünzt wurde. Erst 1989 kamen Pryor und Wilder wieder zusammen - und zwar für die Actionkomödie DIE GLÜCKSJÄGER, in der ein Tauber (Wilder) und ein Blinder (Pryor) in einen Mordfall geraten und trotz ihrer Handicaps auf der Flucht vor der Polizei versuchen müssen, den Fall selber aufzuklären.

Der deutsche Titel ist so eine schöne Vorlage, daß ich dem Einleitungssatz nicht widerstehen kann: Regisseur McG bringt einen neuen Film in die Kinos - DAS GIBT ÄRGER. Ach, dabei gehöre ich gar nicht zu jenen Filmfreunden, die McG leidenschaftlich verachten - ich mochte ja beide Teile von CHARLIE'S ANGELS sehr gern, und man sah, daß der Mann mit dem knappen Namen sich da ganz zu Hause fühlte: Stylischer Look, absurde Action, unbelastet von Tiefgang oder Wirklichkeitsanspruch, ein popkulturelles Spaßbad. Aber dann der vierte Teil der TERMINATOR-Reihe: Mit diesem Dezibelspektakel zeigte McG sehr deutlich, daß er es optisch krachen lassen kann, aber wenig Gespür für Inhalte hat.

Nun kommt er uns also mit DAS GIBT ÄRGER - im Original THIS MEANS WAR - und läßt zunächst Hoffnung aufkeimen, daß er sich wieder auf das konzentriert, was er kann. Die Story jedenfalls ist purer High-Concept-Schaum: Zwei befreundete CIA-Agenten verlieben sich unabhängig voneinander in dieselbe Frau - und kämpfen solange um die Aufmerksamkeit der etwas unentschlossenen jungen Dame, bis darunter ihre Freundschaft zerfällt. Und damit dabei nicht nur eine seichte Romantic Comedy herauskommt, werden die beiden noch von einem deutschen Terroristen gejagt, dessen Bruder sie bei einem Einsatz in Hong Kong getötet haben - will heißen: Es gibt nebenher auch noch seichte Action.

Über dieses fast vergessene Buch bin ich nur zufällig gestolpert: Malcolm-Jamal Warner - besser bekannt als Theo aus der COSBY SHOW - wendet sich in THEO AND ME: GROWING UP OKAY an seine Fans und nimmt deren Briefe als Ausgangspunkt für Gedanken und Ratschläge zu den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Als treuer Cosby-Fan (alle acht Staffeln stehen bei mir im Regal) war ich natürlich neugierig - auch wenn ich altersmäßig wohl nicht mehr ganz zur Zielgruppe des Buches gehöre.

Nachdem im ersten Band der KING'S-QUEST-Romanreihe Prinz Alexander das Land retten durfte und im zweiten Teil König Graham selber ins Abenteuer zog, obliegt es im abschließenden dritten Buch Prinzessin Rosella, Daventry vor erneutem Unheil zu bewahren. In der Computerspiel-Serie war Rosella zum ersten Mal in KING'S QUEST IV aktiv (und später nochmal in KING'S QUEST VII); die Handlung dieses Spin-Off-Romans ist zeitlich allerdings noch vor KING'S QUEST III und sieben Jahre nach den Geschehnissen im zweiten Buch KÖNIGREICH IN GEFAHR angesiedelt.

Daventry ist in Gefahr! Zugegeben: Das ist dieses Königreich aus der Fantasywelt von KING'S QUEST ja irgendwie immer. Aber diesmal droht dem Land tatsächlich ein perfides Schicksal: Weil die Fee Ahi'aorina, Königin des Alten Waldes und Bringerin des Frühlings, vom bösartigen Kobold Kuzgu im Auftrag des Riesen Lord Dunstan entführt wurde, bricht ausgerechnet zum Frühlingsanfang ein unnachgiebiger Winter über Daventry ein. Das Reich droht im ewigen Schneechaos zu versinken - aber da wird König Graham in den Alten Wald gerufen und mit der Aufgabe betraut, Ahi'aorina zu retten und damit die natürliche Balance der Jahreszeiten wiederherzustellen ...

Große Skepsis machte sich im Vorfeld breit: Schon der Gedanke, Tolkiens Büchlein DER KLEINE HOBBIT - eher ein Kinderbuch als ein Fantasy-Epos - als überlangen Zweiteiler zu verfilmen, wirkte eher wie ein Versuch, die Kuh ein bißchen länger als nötig zu melken. Dann kam die Nachricht: Regisseur Peter Jackson weitet seinen HOBBIT auf drei Filme aus und macht ihn damit zur kompletten Prequel-Trilogie zu seinem LORD OF THE RINGS - aber wenn die Kinoversion eines 300 Seiten dünnen Romans ebenso viel Zeit in Anspruch nimmt wie die des viermal so umfangreichen Hauptwerks, dann kann man doch gar nicht anders, als einen bis ins Unendliche gedehnten Anlauf zu erwarten, aus Mittelerde noch einmal richtig viel Geld herauszuholen. Aber während der ersten drei Stunden dieser Ring-Vorgeschichte darf man sich hinsichtlich dieser Sorgen angenehm enttäuschen lassen: DER HOBBIT: EINE UNERWARTETE REISE ist ein wunderschönes Fantasy-Abenteuer, das die Welt von Mittelerde auf das Charmanteste zum Leben erweckt. (Ich habe den Film übrigens nicht in der angepriesenen 3D-Version mit 48 Frames per second gesehen, sondern ganz traditionell in 2D mit 24 Frames - also so anachronistisch, daß nurmehr der Klavierspieler neben der Leinwand gefehlt hat.)

Erzählerisch besteht hier eigentlich gar kein Grund für ein neunstündiges Epos: DER HOBBIT spielt 60 Jahre vor LORD OF THE RINGS und erzählt die Geschichte von Bilbo Baggins (dem Adoptivvater von Frodo, dem Helden der Original-Trilogie), der zusammen mit einer Gruppe von dreizehn Zwergen und dem Zauberer Gandalf ins Abenteuer aufbricht, um gegen den Drachen Smaug zu kämpfen. Unterwegs warten große Gefahren, furchterregende Monster und andere Begegnungen auf die Truppe - allem voran eine Konfrontation mit dem Ork Azog, der dem Zwergenanführer Thorin Eichenschild einst im Kampf unterlag und seitdem auf Rache sinnt ...

Eigentlich haben diese beiden Menschen nichts gemeinsam: Der alternde Schauspieler (Morgan Freeman), der nach vier Jahren Pause über ein neues Projekt nachdenkt und zu Recherchezwecken in einem Supermarkt im Latino-Viertel von Los Angeles die Leute beobachtet, und die junge Kassiererin (Paz Vega), die an der Schnellabfertigungskasse arbeitet und sich fragt, ob das Leben nicht vielleicht mehr zu bieten hat. 10 ITEMS OR LESS führt diese beiden Figuren zusammen und läßt sie einen gemeinsamen Tag verbringen, an dem sie sich unerwarteterweise gegenseitig ein wenig Lebenshilfe geben können.

Es ist ein bewußt kleiner Film, der auch ganz absichtlich keine großkalibrigen Probleme auffährt und kaum Plot entwickelt: Es geht rein um die Begegnung dieser zwei Leute, und wie sie in ihren Gesprächen jeweils etwas beim Anderen auslösen. Von daher ist auch die Prämisse, unter der die Beiden Zeit miteinander verbringen, recht simpel aufgezogen: Er wird vom Produktionsassistenten beim Supermarkt abgesetzt, aber nicht wieder abgeholt, und weil er sich an seine eigene Telefonnummer nicht erinnern kann (die wurde nämlich letzte Woche aus Gründen der Privatsphäre geändert), bittet er sie um eine Fahrgelegenheit - und dabei kommt er drauf, daß sie später am Tag noch ein Vorstellungsgespräch für einen Sekretärinnenposten hat, für den er sie - quasi als Schauspielcoach - vorbereiten will.
Nach zwei Jahren mit dem roten Vorhang wird es einmal wieder Zeit, den Look des Dachbodens etwas aufzufrischen. Ich finde das neue Design freundlicher und leichter für das Auge. Ein paar Sachen funktionieren noch nicht hundertprozentig so, wie ich das gerne hätte - aber ein Blog bleibt ja auch immer ein Work-in-progress. Wie gefällt euch die neue Optik?

Eine weitere Neuigkeit gibt es noch: Oben rechts findet sich ab sofort ein dezenter kleiner Flattr-Button. Wer hier gerne vorbeischaut und Spaß an meinen Texten hat, kann per Flattr die Website mit ein paar zugesteckten Groschen unterstützen. Vielen Dank - und weiterhin viel Vergnügen beim Stöbern auf dem Dachboden!

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Ganz frisch ist die Nachricht nicht, aber ich habe erst am Wochenende zufällig davon erfahren: Der deutsche Elektronik-Musiker Pete Namlook ist am 8. November 2012 im Alter von nur 51 Jahren gestorben. Nähere Details scheinen aber auch jetzt noch nicht bekanntgegeben worden zu sein.

Was kann ich sagen - ich bin schockiert über die Nachricht. Nicht nur, weil ich ein großer Fan von Namlooks Musik bin. Und nicht nur, weil 51 nun wirklich kein Alter ist. Sondern auch, weil Pete immer in höchster Produktivität und mit Begeisterung neue Musik generiert hat, neue Musiker gefördert hat und generell stets in die Zukunft zu blicken schien - nicht umsonst haben die meisten seiner Aufnahme einen sehr futuristischen Charakter, so als wäre die Zukunft das größte und spannendste Abenteuer, auf das wir uns einlassen können. Namlook schien sich immer auf diese Zukunft zu freuen.

Da steh' ich nun, ich armer Tor - und schlaf so tief wie nie zuvor. Zugegeben, ich stand gar nicht beim Schlafen, aber gefühlt hätte 2012 ZOMBIE APOCALYPSE auch ohne gemütliche Couch einen starken Dornröschen-Effekt ausgeübt. Und dann soll man auch noch sinnvolle Worte finden zu dieser schnodderigen Asylum-Produktion, die übrigens mit ein paar Millionen Dollar Budget als bislang teuerster Film aus der Trash-Schmiede gehandelt wird und mit Ving Rhames und Taryn Manning beinahe prominent besetzt ist. Wohlan, lasset uns die Schnarchnummer flott abfrühstücken:

Letzten Samstag war wieder einmal Plattenbörse in Salzburg, und natürlich habe ich mit scharfem Blick die Kisten nach Schätzen durchwühlt. 13 Platten und eine CD konnte ich erbeuten - nicht gar so viele wie bei manch anderen Gelegenheiten, aber ich wollte eine gesunde Mischung aus billigen Horchen-wir-doch-mal-rein-Alben und etwas teureren Stücken für die Sammlung (gewisse Platten landen eben nie in der Billigkiste).

Wenn ihr bei den folgenden Beschreibungen auf den Albumtitel klickt, gelangt ihr wie gehabt zu Amazon, wo ihr die entsprechenden CDs vorfindet (bzw. teilweise auch die LPs oder eine CD-Kollektion mit dem entsprechenden Album). Wenn ihr da etwas bestellt (egal was!), geht ein kleiner Teil des Kaufbetrags an Wilsons Dachboden - und natürlich freue ich mich über derartige Unterstützung ungemein! Wohlan, hier sind die ergatterten Platten:

"It's almost time, kids. The clock is ticking!" Vor zwei Tagen ist endlich die Flexidisc von HALLOWEEN III: SEASON OF THE WITCH eingetrudelt. Ein schönes Sammlerstück vom Liebhaber-Label Death Waltz, über das ich schon neulich berichtet habe (hier). Von der Flexidisc wurden nur 300 Stück hergestellt; ich habe die vorletzte ergattern können!

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Nach dem jüngsten Ausflug in die Hohlbeinsche Welt aus immerwiederkehrenden Geschichten, Figuren und Satzkonstruktionen über das reichlich mißratene Buch STURM war es doch einmal an der Zeit, nochmal in das Frühwerk des erfolgreichen Fantasy-Autors einzutauchen - in eine Zeit, in der er noch nicht im Wochentakt neue Epen auf den Markt warf, und in eins von den Büchern, mit denen er seinerzeit seinen Ruf als einer der besten Phantastik-Autoren Deutschlands begründete. Zum Beispiel das 1983 erschienene ENWOR 1 - DER WANDERNDE WALD, mit dem sich Hohlbein - ebenso wie mit seinem im selben Jahr erschienenen MÄRCHENMOND - als phantasievoller Geschichtenerzähler mit flotter, spannender Schreibe empfahl.

Ich selber habe ENWOR 1 im Januar 1991 zum ersten Mal gelesen - damals war ich knapp 13 und ganz tief in meiner Fantasy-Begeisterung. Und ja, Hohlbein zählte zu meinen Lieblingsautoren, und ich verschlang die meisten seiner Bücher mit angehaltenem Atem - nicht nur die (damals) zehnteilige ENWOR-Reihe, sondern auch GARTH UND TORIAN, DAS HERZ DES WALDES, CHARITY, und viele andere mehr. Wie würde das Buch wohl 21 Jahre später wirken? War ich nur so begeistert, weil ich noch jung und mein literarisches Gespür unterentwickelt war? Lassen sich die heutigen Kritikpunkte an Hohlbein auch auf seine frühen Werke anwenden - will heißen: Hat er schon immer so geschrieben, und ich habe es nur nicht gemerkt? - oder waren die Bücher, durch die er bekannt wurde, doch von anderer Qualität als die heutigen Fließbandvariationen?

"Fantasy und Action - Troll ist wieder da!" tönt es vom Cover der Verleihkassette. Wie jetzt? War TROLL 2 etwa nicht genug? Wir erinnern uns: TROLL 2 hatte rein gar nichts mit dem ersten TROLL zu tun und war so herzerweichend dämlich, daß er sich über die Jahre zum Kulterlebnis gemausert hat. In alter Tradition der Verkaufstaktik hat dementsprechend auch TROLL - TEIL 3 überhaupt nichts mit Teil 1 oder 2 zu tun - der Fantasy-Streifen, der auch als TROLL - DAS SCHWERT DER MACHT unters Volk kam, wurde nur vom Verleih per Titel und Synchro in diese biestige Reihe gequetscht, die sich ja partout weigert, überhaupt eine zu sein. Allerdings - und diese Tatsache alleine macht das vorliegende Exponat gewissermaßen zum Must-See - stammt TROLL - TEIL 3 von derselben Produktionsfirma wie TROLL 2 und recycelt dementsprechend kurzerhand das fantastische Troll-Kostüm aus dem vorhergehenden Film. Ohne vorweggreifen zu wollen: Es wirkt hier exakt so überzeugend wie schon im "Vorgänger".

Aber genug der angeblichen TROLL-Verwandschaft: Eigentlich ist TROLL - TEIL 3 nämlich der vierte Teil der ATOR-Reihe, jener schönen CONAN-Ripoff-Serie, mit der Joe D'Amato unter dem Pseudonym "David Hills" die Herzen aller Fantasyfreunde Purzelbäume hat schlagen lassen - nach derart zusammengeflicktem Trash kann man sich nämlich getrost zur Ruhe setzen. Der gute Joe sah diesen Film hier übrigens als erst dritten ATOR-Film an - der eigentlich dritte Teil, IRON WARRIOR, stammte nämlich von Alfonso Brescia, und Berichten zufolge war D'Amato über die eingeschlagene Richtung der Serie nicht glücklich. Nun, wenigstens konnte er mit QUEST FOR THE MIGHTY SWORD (wie TROLL - TEIL 3 im Original heißt) zeigen, wie er sich so ein Fantasy-Sequel wirklich vorgestellt hat: Preiswert.

Wenn man sich irgendwann einmal als Ziel gesetzt hat, alle Tierhorrorstreifen auf Gottes Erden zu sichten und mit kritischen Worten zu bedenken, darf man das Vorhaben nicht einfach wegen widriger Umstände ad acta legen - zum Beispiel angesichts der Tatsache, daß es fünfhundert Trillarden solcher Filme gibt, die zu neunundneunzigkommaperiodeneun Prozent hundsmiserable Wegwerfware sind. Halten wir also tapfer Kurs und knöpfen uns - sozusagen mit zufälligem Griff in die rotierende Trommel - den nächstbesten Viecherfilm vor, der sich anbietet: FANGS zum Beispiel, der bei uns mit dem schnuckeligen neudeutschen Titel BAT ATTACK versehen wurde. Macht ja auch Sinn: Der Deutsche glaubt beim Originaltitel womöglich noch, daß es um Hundedressur geht.

Die titelgebenden Fledermäuse sehen wir gleich zu Beginn in einem Labor. Da stapfen zwei Studentinnen durch den Raum, die eher nach Publizistikstudium als nach Biologielehrgang aussehen, und die mit den schwarzen Haaren erklärt der mit den blonden Haaren den Ultraschall: Hoher Ton, Mensch nix hören. Da gibt es einen schönen Schalter, und wenn der auf grün steht, dann schlummern die Tiere beruhigt vor sich hin - aber sobald man auf rot schaltet, werden die lieben Fledermäuse hungrig und wollen etwas futtern. Die Schwarzhaarige erklärt noch, daß der Ton im grünen Bereich so wirkt, als würden die Tiere eine N'Sync-CD hören - da sollte man sich eigentlich nicht wundern, wenn alle durchdrehen und schon bald jemand weint.

Über einen Hinweis in einem Forum bin ich auf dieses spannende Label gekommen: Death Waltz Recording Company, ein britisches Kleinlabel, das sich auf Vinyl-Reissues von Horrorfilmsoundtracks spezialisiert hat. Da die Burschen gleich ein paar John-Carpenter-Soundtracks im Angebot haben, war der Weg zum Warenkorb für mich nicht weit - trotz nicht ganz so schlanker Preise.

Was für ein Horror: CROCODILE, beziehungsweise Die dämlichsten Studenten der Welt gegen Schnappi, das Pappmaschéekrokodil aus dem Sumpf. Produziert von Nu Image, die sich seit den frühen Neunzigern mit herzhaftem Videothekenramsch wie CYBORG COP II, PROJECT SHADOWCHASER III und OPERATION DELTA FORCE 4 profiliert haben und nach all dem Krawall Lust auf ganz üblen Tierhorrorschlonz bekamen. Für das vorliegende Krokomobil konnten sie sich als Dompteur und Dirigenten den einstmals großen Tobe Hooper an Land ziehen, der hier zeigt, daß der Weg nach unten sehr tief führen kann.

Wahrscheinlich ist es gar nicht so sehr Hoopers Schuld, daß das hier wütende Reptil gar so ermüdend schlonzig geraten ist - zumindest will man das irgendwie glauben, wenn der Regisseur von TEXAS CHAINSAW MASSACRE hinter der Kamera steht und dann so ein fader Schmumpf dabei herauskommt. Da ziehen also acht Studenten mitsamt Hund in den Semesterferien durch die Sümpfe Floridas, um sich vollaufen zu lassen, und die versammelte Truppe ist einfach so brachial blöd und minderbemittelt, daß man schon nach fünfzehn Minuten bettelt, sie mögen doch bitte jetzt gleich allesamt vom Krokodil erlöst werden.

Der Teaser zu meinem nächsten Film BROT UND SPIELE ist endlich fertig und online! Wer noch nicht davon gehört hat: BROT UND SPIELE wird eine Komödie mit Thomas Limpinsel und Götz Otto - über längst erwachsene Kindsköpfe und die Computerspiele vergangener Tage. Im Teaser gibt's auch einen Gastauftritt von Power-Play-Veteran Heinrich Lenhardt! Der Dreh ist für 2013 anvisiert; weitere Infos gibt's auf Facebook und demnächst auch auf einer eigenen Website.

10 PRINT"LIKEN & WEITERSAGEN"
20 GOTO 10

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Es gibt wenig Dinge im Leben, die lustiger sind als die Marx Brothers. Es ist sensationell, wie frisch und modern der Humor der Brüder auch heute immer noch anmutet - einerseits kann man sehen, wie und wo die Truppe spätere Komikergenerationen beeinflußt hat, aber andererseits zieht ein anarchischer Witz mit unglaublichem Tempo und fantastischem Einfallsreichtum durch ihre Filme, der mitunter Streifen, die fünfzig Jahre später entstanden sind, alt aussehen läßt. Die Marx Brothers haben ihren Ursprung im Vaudeville-Theater, weshalb auch vor allem ihre frühen Filme teilweise wie abgefilmte Bühnenstücke aussehen, und weshalb sie auch stets in ihrer comic persona auftreten, bei der sich nur der Name der gespielten Figur ändert: Groucho läßt als aufgeblasener Schelm einen Wasserfall aus Wortwitzen und verschrobenen Beleidigungen auf sein Umfeld herabprasseln, Chico treibt als schlicht gestricktes italienisches Schlitzohr Mitmenschen in den Wahnsinn, und Harpo läuft als stummer Clown durch die Sets, der sich nur mit Gestik, Mimik und Geräuschen (wie einem Pfiff oder einer Hupe) verständigt und wie ein überdrehtes Kind alles zerlegt und jeden ärgert, wie es ihm gerade in den Sinn kommt.

Der momentan im britischen Exil weilende Don Arrigone meldet sich mit dem folgenden Gastbeitrag bei uns, in dem er die Christopher-Lambert-Version von BEOWULF mit kritischen Worten bedenkt. Ich persönlich fand ja diese Steampunk-angehauchte Monster-Movie-Version des Stoffes durchaus unterhaltsam – aber mich fragt ja keiner. Wohlan, werter Don, berichte uns von der vordersten Filmfront!



Beowulf hat sich in den letzten Jahren zur beliebten Vorlage für Filme entwickelt. Aus Marketinggründen eine nachvollziehbare Entscheidung – das wichtigste angelsächsische Gedicht ist bestimmt nach wie vor ein guter Werbeträger. Filmtechnisch werden dann aber weder kulturelle Anspielungen, noch die poetische, von Stabreimen geprägte Sprache, sondern lediglich das Handlungsgrundgerüst umgesetzt. Damit meine ich konkret, daß es in den Filmen einen Mann namens Beowulf gibt, der zuerst ein Monster namens Grendel verhaut und dann dessen Mutter. Graham Bakers BEOWULF von 1999, mit Christopher Lambert in der Hauptrolle, stellt keine Ausnahme dar.
Man kann einfach nie genug Musik haben.
Und wieder einmal wühle ich mich durch das Archiv und packe diverse Texte älteren Datums auf den Dachboden. Die folgenden (englischsprachigen) Reviews habe ich für den All-Music Guide geschrieben - manche davon stammen aus dem Jahr 2008, ein paar sind aber tatsächlich noch aus den Jahren 1998/99 und gehen daher schon bald als historische Quelle durch:
Weitere Musikreviews (deutsche und englische) lassen sich in der Rubrik Frequenzrauschen finden.

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Im zweiten Teil unserer Reihe "Filmnews von vorgestern" knöpfen wir uns die Meldungen aus dem Heft Splatting Image #45 vor, das im März 2001 erschien - und wieder (mit dem wissenden Blick von heute) einige hochinteressante Hinweise auf Filme gibt, die entweder gar nicht oder letztlich ganz anders als geplant das Licht der Welt erblickten. Tauchen wir also mit folgenden Nachrichten in die alternative Filmwirklichkeit ein:
"Wieder fett im Geschäft ist auf einmal der gute alte George A. Romero. Sein neuer Film THE ASSASSINATION handelt von der Ermordung des Diktators der Dominikanischen Republik Rafael Trujillo im Jahr 1961. Die illustre Besetzung: Ed Harris, James Coburn, Anthony Quinn und kein geringerer als Ricky Martin."
Sehr schade - ganz so "fett im Geschäft" war Romero dann doch nicht: THE ASSASSINATION blieb nämlich unverfilmt. Angesichts der Besetzung wäre das sicherlich eine interessante Angelegenheit gewesen, und man würde es Romero vergönnen, einmal aus dem Horrorgenre ausbrechen zu dürfen. Hätte er mal doch den Film mit dem Titel THE ASSASSINATION OF THE LIVING DEAD versehen, dann wäre da sicherlich etwas draus geworden: Romeros nächstes Projekt war nämlich der 4. Teil seiner Zombie-Reihe, LAND OF THE DEAD (2005).

Heute sehen wir uns ein Spiel an, das nur den Wenigsten bekannt sein dürfte und von einem Programmierer stammt, dessen Name nur Hardcore-C64-Fans geläufig sein wird: MR. POSTMAN von Ronald Mayer. Na, klingelt's? Nicht so tragisch, falls nicht: Der Österreicher Ronald Mayer belieferte mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit Mitte der Achtziger die einschlägigen Listingzeitschriften für die Heimcomputersysteme - Magazine, in denen die kompletten Programme abgedruckt waren und abgetippt werden konnten (mit dem Phänomen der Listingzeitschrift werden wir uns in einem gesonderten Eintrag nochmal ausführlicher auseinandersetzen). MR. POSTMAN war ein sechsseitiges Programm, das Mayer für die Computronic September/Oktober 1986 schrieb - eine Ausgabe, an deren mitgenommenem Zustand man heute sehen kann, welch integralen Bestandteil meiner Kindheit sie seinerzeit gebildet hat.

Wenn die Billig-Produktionsstätte Asylum schon mal in Österreich einfällt, dann ist uns das natürlich auch einen Bericht wert. Weil Hollywood sich 2012 mit gleich zwei Schneewittchen-Streifen am gegenwärtigen Fantasy-Boom beteiligt hat - Tarsam Singhs MIRROR, MIRROR mit Julia Roberts sowie Rupert Sanders' SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN mit Kristen Stewart - wollte die Mockbusterschmiede natürlich nicht ins Hintertreffen geraten und reiste nach Niederösterreich, um dort die schöne Gegend für eine weitere Version des Märchens auszunutzen: GRIMM'S SNOW WHITE, der schon mit der blonden Eliza Bennett in der Titelrolle zeigt, daß man sich streng an der Vorlage orientiert hat - "Haare schwarz wie wasserstoffgebleichtes Ebenholz", hieß es dort ja schon.

Nach dem finanziellen und kritischen Desaster HEAVEN'S GATE - ein fast vierstündiger, melancholischer Spätwestern, der von den Kritikern verrissen wurde und durch seine explodierenden Kosten das Studio United Artists in den Ruin trieb - bekam das einstige Regiewunder Michael Cimino keinen rechten Fuß mehr auf den Boden. Vergessen war der unglaubliche Erfolg seines kontroversen Vietnamdramas DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN, der ihm die komplette künstlerische Freiheit für HEAVEN'S GATE gab - nach diversen gescheiterten Projekten, die entweder gar nicht oder dann doch unter Leitung anderer Regisseure realisiert wurden (darunter DER PATE VON GREENWICH VILLAGE und FOOTLOOSE), schaffte es Cimino mit dem harten Thriller IM JAHR DES DRACHEN und dem Mafiaepos DER SIZILIANER nicht, sich zu rehabilitieren. Natürlich half es nicht, daß seine Filmwelt mit so starker persönlicher Handschrift gezeichnet war, daß er in den Achtzigern zwangsläufig mit der uniformen Blockbustermentalität der Produzenten aneinandergeraten mußte - und dazu kommt erschwerend hinzu, daß seine Filme interessant und eigen waren, aber gerne auch sperrig und keinesfalls makellos: Für jeden brillanten Einfall in der Inszenierung kam gerne auch eine Fehlentscheidung hinzu, weshalb seine Filme stets viel zu bieten haben und gleichzeitig viel Reibungsfläche geben.

Nachdem ihm DER SIZILIANER vom Studio zurechtgeschnitten wurde und erneut viel Häme seitens der Kritiker bescherte, widmete sich Cimino seinem wohl kommerziellsten Projekt: Einem Remake des William-Wyler-Thrillers AN EINEM TAG WIE JEDER ANDERE von 1955, in dem der entflohene Sträfling Humphrey Bogart in einem Wohnhaus Unterschlupf sucht und dafür die dort wohnende Familie als Geiseln nimmt. Alleine das Konzept steht schon im komplett rechten Winkel zu Ciminos üblicher Blickrichtung: Daß da einer, der sonst weite Räume und offene Landschaften mit künstlerischer Ambition und epischer Erzählweise zeigt, ein klaustrophobisches Kammerspiel anpackt, läßt einen schon im Vorfeld stutzen.

Werfen wir einen weiteren Blick auf Joe D'Amatos wundersame Welt: THE LABYRINTH OF LOVE, im Original IL LABIRINTO DEI SENSI, ist einer von fünf Streifen, die der fleißige Herr in den Philippinen drehte, um sie als chinesische Produktionen zu verkaufen (siehe auch: THE HOUSE OF PLEASURE). In England wurde der Film dann kurzerhand in die lose Reihe um ELF TAGE, ELF NÄCHTE eingereiht und als 11 DAYS, 11 NIGHTS PART 6: THE LABYRINTH OF LOVE veröffentlicht - einmal mehr hat da der Name des Regisseurs gereicht, um ein Geflecht aus sehr losen Beziehungen als Quasi-Fortsetzung zu präsentieren. Man darf direkt froh sein, daß D'Amatos NACKT UNTER KANNIBALEN nicht auch noch als Sequel von SHAKKA - BESTIE DER TIEFE zweitverwertet wurde.

Im folgenden Gastbeitrag berichtet Dr. Wily von MIDNIGHT MOVIE, dem Romandebüt von Regisseur Tobe Hooper.



Ein sehr heiteres Buch mit dem überzeugendsten Klappentext der Welt. Ich zitiere:

" ... denken fällt schwer ... muss Fleissch.
... SFleisch . ... kaan ddddka adsfkjökl a ...."
Tagebucheintrag eines Unbekannten

Tobe Hooper kannte man bisher als Filmregisseur, und in dieser seiner Stammprofession hat er sich mit zwei Werken ins große Buch der Filmgeschichte eingeschrieben - zum einen mit THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, einem der einflußreichsten und intensivsten Horrorfilme aller Zeiten, und zum anderen mit POLTERGEIST, wenn auch aus für ihn unangenehmen Gründen. Er bleibt in seinem ersten Roman seinem angestammten Genre treu und erzählt hier eine Horrorkomödie rund um eine Zombieinvasion, in der er sogar selbst einer der Hauptprotagonisten ist. So wie Hooper in seinen Filmen nie besonders behutsame und subtile Geschichten erzählt hat, leert er auch hier literweise Blut, Innereien und vor allem bunt gefärbte Körpersäfte aus.

Geschrieben ist das Ganze eigentlich wie ein Dokumentarfilm. Die einzelnen Figuren erzählen (einfach mit vorgestelltem Namen, als wäre es ein Interview) in der Ich-Perspektive ihre Geschichte in kurzen Passagen, aus denen sich der Plot ergibt. Ergänzt durch zwischendrin eingestreute Blogeinträge, Tagebuchseiten, Twittermeldungen, Zeitungsartikel, Webberichte, Krankenakten und Polizeiprotokolle ist MIDNIGHT MOVIE eine sehr kurzweilige Angelegenheit.

Daß Tobe Hooper als Antiheld der Geschichte in bester Indiana-Jones-Manier eigentlich gar keine Lust auf das ganze Theater hat und sich nur widerwillig aufrappelt, um gegen die Untoten anzutreten, tut sein Übriges. Dazu der lapidare Tonfall und der schwarze Humor und fertig ist der Spaß. Er präsentiert sich mittels seiner fiktionalen Figur als sehr selbstironisch und uneitel, und die Grenzen zwischen dem echten Tobe Hooper und dem Buchcharakter verschwimmen vor allem dann wunderbar, wenn er erst über Hollywood und große Studios schimpft und ein paar Seiten weiter nackt gegen Zombies kämpft.

Schön finde ich auch, daß MIDNIGHT MOVIE nicht wie ein auf Roman umgebautes Drehbuch wirkt. Wie schon erwähnt, verwendet Hooper ja viele verschiedene Formen des geschriebenen Wortes, um die Geschichte zu erzählen. Im Anhang erwähnt er zwar, daß er das Buch für sehr filmisch hält (was sicher stimmt), aber es sind gerade die Passagen, die in einem Film so nicht funktionieren würden - nämlich wenn über den fast gesamten Mittelteil die Gesellschaft langsam auseinanderfällt und die Charaktere darüber berichten, was sie sich denken und wie sie sich fühlen, während sie sich langsam in Zombies verwandeln - die mir am besten gefallen haben.

MIDNIGHT MOVIE ist ein nie ernster und mit sichtlichem Spaß geschriebener Schabernack für Fans von Zombies, Horror sowie Zombiehorror - und natürlich Film und Kino. Denn daß es darum natürlich auch stark geht, sollte, wenn Tobe Hooper einen Roman schreibt, niemanden großartig überraschen.


Mehr Tobe Hooper auf Wilsons Dachboden:
BLUTGERICHT IN TEXAS: Ein morbides Horror-Meisterwerk
FIRE SYNDROME: Hoopers hysterische Welt
CROCODILE: Beschränkte Studenten gegen Schnappi, das Krokodil
DJINN - DES TEUFELS BRUT: Horror in und aus den Emiraten

In der neuen Rubrik "Filmnews von vorgestern" knöpfen wir uns eine etwas merkwürdige Angelegenheit vor: Wir widmen wir uns den Neuigkeiten aus vergangenen Tagen, die aus heutiger Sicht aus diversen Gründen überholt sind. Warum? Was ist der Reiz an Neuigkeiten, die weder neu noch faktisch korrekt sind? Nun, da gibt es mehrerlei Gründe: Erstens öffnen uns diese Nachrichten den Blick in eine alternative Filmrealität - eine, wo existierende Filme von anderen Regisseuren gemacht wurden, mit anderen Darstellern, oder wo diese Projekt überhaupt im Entstehen waren, bevor sie von der Realität eingeholt wurden und aus den unterschiedlichsten Gründen zerfallen sind. Zweitens ist es aber auch interessant, wie die Neuigkeiten der Vergangenheit zeigen können, wie sich die Welt weitergedreht hat - sei es, weil Personen damals einfach einen ganz anderen Status hatten als heute, oder sei es, weil Wertigkeiten und Wichtigkeiten einfach damals ganz anders eingeschätzt wurden als sonst. Und drittens: Weil es Spaß macht, in alten Heften zu blättern und Schlagzeilen zu lesen, von denen wir jetzt wissen, daß sie teilweise komplett danebenlagen. Also: Gehen wir's an!

Und weiter geht's mit unserer ursprünglich gar nicht geplanten D'Amato-Retrospektive: 1987 drehte Joe in New Orleans diesen ganz offenbar von Alan Parkers grandiosem ANGEL HEART inspirierten Film, der vom Vorbild die Schlagwörter "Voodoo" und "Erotik" übernimmt und deren Verhältnis ganz einfach umkehrt. Sprich: Viel Softsex, eine Prise Voodoothriller. Im Original heißt der Film POMERIGGIO CALDO, was im Englischen auch zunächst ganz proper mit HOT AFTERNOON übersetzt und bei uns als AFTERNOON - STUNDEN DER LEIDENSCHAFT verkauft wurde - bis dann ein findiger Verleiher auf die Idee kam, den Streifen doch lieber als dritten Teil der Reihe ELF TAGE, ELF NÄCHTE zu verkaufen! Zur Erinnerung und Entwirrung: Der 9½-WOCHEN-Verschnitt ELF TAGE, ELF NÄCHTE kam 1986 heraus, 1988 kam die Quasi-Fortsetzung TOP MODEL (also schon ein Jahr nach dem Dreh dieses Films), und 1990 folgte mit DAS TESTAMENT DER BEGIERDE ein dritter Teil der Sarah-Asproon-Geschichte, der aber als offizieller zweiter Teil verkauft wurde. Man darf sich jetzt wohl aussuchen, ob sich der Titel ELF TAGE, ELF NÄCHTE - TEIL 3: AFTERNOON als Fortsetzung des TOP MODELs versteht oder als Weiterführung des besagten TESTAMENTs.

Und natürlich hat die Geschichte von AFTERNOON weder mit dem einen noch mit dem anderen Film etwas zu tun. Hier reist der Journalist Courtney (Allen Cort, SHAKKA - BESTIE DER TIEFE) zusammen mit seiner Frau Connie (der spätere Italo-Pornostar Valentine Demy, auch zu sehen in D'Amatos DANCING IS MY LIFE) nach New Orleans, weil Courtney dort für einen Artikel Nachforschungen über den mysteriösen Tod des Ehemanns der Autorin Nora Highway (Carey Salley, Model und Ex-Freundin von Emilio Estevez) anzustellen. Connie gerät aber unter den Einfluß des rätselhaften Budro Richelet (Robert LaBrosse, FORBIDDEN AFFAIRS), der sie vergewaltigt und dann so hörig macht, daß sie von Courtney nichts mehr wissen will. Der bandelt nach kurzer Verzweiflungsphase dafür mit Nora an, die ihm irgendwann eröffent, daß Richelet wohl Sektenführer ist und Connie geopfert werden soll ...

Es gibt wohl kein Genre, bei dem das Verhältnis zwischen starken Filmen auf der einen Seite und überflüssigen auf der anderen so schief liegt wie beim Haifischhorror. Schuld daran ist quasi Steven Spielberg mit seinem fantastischen JAWS (DER WEISSE HAI) von 1975, dem bis zum heutigen Tag ein Nachahmer nach dem anderen folgt - und allesamt sind sie eigentlich völlig redundant, weil einfach immer nur das filmische Vorbild einmal wieder abgefrühstückt wird, mal besser, meistens schlechter. (Ein paar einsame Ausnahme schwimmen freilich durch die cineastischen Gewässer - wobei es noch zur Diskussion steht, ob Renny Harlins DEEP BLUE SEA wirklich als "gut" bezeichnet werden darf.)

Der gute Joe D'Amato ließ einfach nichts anbrennen: Nach dem sensationellen Überraschungserfolg der Hong-Kong-Erotikkomödie SEX UND ZEN (1991, Regie: Michael Mak) reiste er 1993 höchstselbst nach Asien, um dort gleich fünf (!) Streifen zu drehen, die aus der Kombination "Exotik + Erotik" Kapital schlagen sollten. Neben I RACCONTI DELLA CAMERA ROSSA, CHINESE KAMASUTRA, CHINA AND SEX und THE LABYRINTH OF LOVE entstand in dieser Reihe auch der vorliegende THE HOUSE OF PLEASURE - der in England kurzerhand als ELEVEN DAYS, ELEVEN NIGHTS PART 7 verkauft wurde! Wie so oft ist alleine der staatsgrenzensprengende Background heiter genug, um das Interesse zu wecken: Da fährt ein italienischer Regisseur zusammen mit einem russischen Model in die Philippinen, um dort mit einem amerikanischen Darsteller einen vermeintlich chinesischen Film zu drehen. Aber schön: Immerhin ist Softsex-Erotik ja eine Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird.

Einmal mehr ist es an der Zeit, hinsichtlich eines Filmtitels ein hübsches Verwirrspiel zu lösen. KILLING BIRDS heißt dieser von Joe D'Amatos Filmirage produzierte Horrorstreifen auf Englisch, was dem italienischen Originaltitel UCCELLI ASSASSINI entspricht. Manchmal heißt er auch RAPTORS. Wer jetzt glaubt, daß er hier um angreifende Vögel geht, täuscht sich aber: Abgesehen von ominös kreisenden Vogelschwärmen und einer Sequenz, wo ein Adler einer Figur die Augen aushackt, hat der Film mit dem im Titel implizierten Tierhorrorgenre nichts zu tun - was man auch an dem amerikanischen Alternativtitel sehen kann: ZOMBIE 5: KILLING BIRDS.

Moment, wo waren denn ZOMBIE 1-4? Ganz einfach: George Romeros DAWN OF THE DEAD (eigentlich Teil 2 seiner NACHT DER LEBENDEN TOTEN) wurde in Italien als ZOMBI veröffentlicht; die im Fahrwasser dieses Erfolgsfilms entstandene Untotensause von Lucio Fulci hieß dann frecherweise einfach ZOMBI 2. Ein paar Jahre später kam noch eine Pseudo-Fortsetzung von Fulci: ZOMBI 3. Und weil der eh schon nichts mit den vorigen Filmen zu tun hatte, wurde Claudio Fragassos Horrorfilm AFTER DEATH dann in den Staaten als ZOMBIE 4: AFTER DEATH veröffentlicht - obwohl es dort ja eigentlich nie eine ganze ZOMBIE-Reihe gab! Macht gar nichts: KILLING BIRDS, ein Jahr vor AFTER DEATH entstanden, wurde kurzerhand noch als ZOMBIE 5: KILLING BIRDS hinterhergeschippt.

Was für ein brillanter Titel: ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER. Darin steckt natürlich schon die komplette Story dieser höchst vergnüglichen Historienverfälschung, die mit der Geschichte spielt wie ein kleines Kind mit Bauklötzen - ganz unbekümmert wird hier der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten mitsamt seiner Biographie zu einem Bekämpfer der Untoten, der die Sklaverei hauptsächlich deswegen abgeschafft hat, weil die Südstaaten-Vampire die Schwarzen als Futterreservoir gefangenhielten. Der charmant spielerische Umgang mit tatsächlichen Ereignissen, die durch den Popkulturwolf gedreht werden, als wären unsere historischen Aufzeichnungen nur Anregungen für spannendere Geschichten, stellt sich augenzwinkernd unverschämt in eine Reihe mit  revisionistischen Werken wie TRANSFORMERS 3 (wo Kennedy die Mondlandung organisierte, um in Besitz außerirdischer Technologie zu kommen), BUCKAROO BANZAI (wo Orson Welles' Hörspiel zum KRIEG DER WELTEN sich als tatsächlicher Nachrichtenreport entpuppte) oder I.Q. (wo ein schelmischer Albert Einstein mit seinen Philosophenkumpels seine Nichte verkuppeln will).

Wenn D'Amato zweimal klingelt: Es scheint ein bißchen nachlässig vom guten alten Aristide Massaccesi bzw. "Joe D'Amato" zu sein, daß er sich erst 1990 an ein Ripoff des Erotikdramas THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE wagte, in dem Jack Nicholson und Jessica Lange immerhin schon 1981 nicht nur die Gemüter erhitzten. Ganz fernab vom Zeitgeist war Onkel Joe aber dann doch nicht: FORBIDDEN AFFAIRS, wie der vorliegende Film auf "Deutsch" heißt (im Original: IL FIORE DELLA PASSIONE, auf Englisch: PASSION'S FLOWER oder einfach PASSION), erinnert nämlich auch an Dennis Hoppers wunderbare Pulp-Story THE HOT SPOT, die 1990 erschien und mit Don Johnson, Virginia Madsen und Jennifer Connelly eine ähnliche Geschichte um Lug, Untreue und Mord erzählte.

In D'Amatos Quickie-Version kommt der ehemalige Sträfling Jeff zurück in seine kleine Heimatstadt, um seinen Bruder Gordon aufzusuchen. Vorher gönnt er sich aber ein kleines Stelldichein mit einer blonden Sexbombe, die ihn nach dem Austausch ein paar vielsagender Blicke an einer Tankstelle aufgabelt - die beiden fahren in den Wald, kommen flugs zur Sache, aber weil Jeff für ihren Geschmack viel zu schnell fertig ist, schenkt sie ihm nur einen bösen Blick und braust wortlos mit dem Auto davon. Unter allen Lesern, die erahnen können, wer sich nur wenig später als fesches Trophäenweib des lieben Bruders Gordon entpuppt, verlosen wir einen Screenshot von Playmate Kristine Rose.

Was für ein schnuckeliger deutscher Titel: DAS TESTAMENT DER BEGIERDE. Das klingt nach pikantem Schmuddelroman, nach wunderbar halbseidenem Groschenheft - und genau so fühlt sich dieser Film auch an. Ein bißchen Sex und eine Menge schmutziges Familiendrama - und mittendrin die Autorin Sarah Asproon, die nach ELF TAGE, ELF NÄCHTE (1986) und TOP MODEL (1988) von Regisseur Joe D'Amato ein drittes Mal auf erotisch angehauchte, ähem, Recherche geschickt wird.

Wobei sich die Frage stellt, ob DAS TESTAMENT DER BEGIERDE tatsächlich als dritter Teil der Sarah-Asproon-Reihe verstanden werden darf. Auch wenn TOP MODEL recht deutlich als Fortführung des 9½-WOCHEN-Ripoffs ELF TAGE, ELF NÄCHTE konzipiert war, wird doch dieser Film hier als UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI 2 verkauft - also als zweiter Teil der Reihe. Nun wird aber die gute Sarah Asproon hier nicht mehr von Jessica Moore gespielt, sondern von Playmate Kristine Rose - und Laura Gemser taucht wieder als Sarahs Verlegerin auf, heißt aber diesmal nicht Dorothy Tipton (wie noch in ELF TAGE und TOP MODEL), sondern Jackie Forrest. Um die Verwirrung zu komplettieren, wurde der Film in England als 4. Teil vermarktet (WEB OF DESIRE: ELEVEN DAYS, ELEVEN NIGHTS 4), während ein anderer D'Amato-Film (AFTERNOON - STUNDEN DER LEIDENSCHAFT) als Part 3 herhalten mußte.

Hier wird sie schon kompliziert, die Reihe um Joe D'Amatos Erotikdrama ELF TAGE, ELF NÄCHTE: Ist der 1988 erschienene TOP MODEL eine Fortsetzung oder ein Spin-Off, wie es manche Filmseiten einordnen? Also: TOP MODEL erzählt weitere Abenteuer der Autorin Sarah Asproon, die sich hier einmal mehr im Zuge von Recherchen gerne und oft ihrer Kleidung entledigt - und Sarah wird erneut von der umwerfenden Jessica Moore gespielt, wie schon in ELF TAGE, ELF NÄCHTE. Entsprechend wurde der Film auch vielfach als Sequel vermarktet: ELF TAGE, ELF NÄCHTE, TEIL 2. Problematisch nur, daß ein 1990 erschienener Film von D'Amato, der sich erneut um die Figur Sarah Asproon dreht, in Italien als UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI 2 lief, also ebenso als zweiter Teil (bei uns hieß er DAS TESTAMENT DER BEGIERDE) - nur spielt dort nicht mehr Jessica Moore, sondern Kristine Rose die Hauptrolle! Und dann gibt es da noch den eigentlich schon vor TOP MODEL erschienenen Film AFTERNOON - STUNDEN DER LEIDENSCHAFT bzw. POMERIGGIO CALDO (1987), der aber dann als UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI 3 verkauft wurde, während dem oben erwähnten Film von 1990 eine Vier an den Titel geklebt wurde. (In England wurde dann auch noch weitere Filme von D'Amato ungeachtet ihres Entstehungsjahres als Teil 5, 6 und 7 veröffentlicht.)

Atmen wir mal tief durch und sagen ganz einfach: TOP MODEL ist Teil 1½ in der Sarah-Asproon-Serie. Immerhin ist hier auch wieder ihre Verlegerin an Bord, die nach Sarahs Buch "Meine 100 Liebhaber" auf einen weiteren Knüller hofft. Für einen neuen Enthüllungsschinken hat sie also mal eben eine gut gehende Model- und Eskortagentur gegründet, in der Sarah unter dem Decknamen "Gloria" arbeitet und intensive Recherchen zu ... ja, zu was eigentlich betreibt? Möglicherweise zum Thema Prostitution, steht sie doch nicht nur zigfach nackt Modell für diverse Kunden, sondern kann auch für flotte Nummern bestellt werden - und das ohne vorher die Männer zu irgendwelchen Events eskortieren zu müssen!

Eine Beziehung mit Ablaufdatum, in der dem ungewöhnlichen Sex gefrönt wird - welcher Film aus dem Jahr 1986 fällt einem dazu ein? Ein Schelm, wer grad an 9½ WOCHEN denkt - heute geht es nämlich um ELF TAGE, ELF NÄCHTE von Joe D'Amato bzw. Aristide Massaccesi, der sich von erstgenannterem Film inspirieren ließ, sein eigenes kleines Erotikdrama unters Volk zu bringen. Und das höchst erfolgreich: UNDICI GIORNI, UNDICI NOTTI, wie der Film im italienischen Original hieß, zog diverse Fortsetzungen und Pseudofortsetzungen nach sich und erwies sich als eine der kassenträchtigsten von D'Amatos Produktionen aus den Achtzigern.

Es ist freilich sehr treffend, daß im obigen Absatz beim Wort "Erotikdrama" ersterer Wortteil groß- und zweiterer nur kleingeschrieben wird: Die erstere Hälfte überwiegt eben. Dabei ist D'Amatos schwachbrüstige Handlung eigentlich wundervoller Sexkapismus: Der recht brave Michael (Joshua McDonald) wird auf der New Yorker Fähre von der feschen Sarah (Jessica Moore) verführt - ein paar tiefe Blicke, kurz um die Ecke gelockt, und schon zeigt sie ihm, daß sie unter dem Mantel rein gar nichts anhat. Es ist der Beginn einer recht stürmischen Affäre, die Michael in eine Krise stürzt - wo er doch in 12 Tagen heiraten sollte! Somit bleiben dem Paar elf Tage und elf Nächte, in denen Sarah den biederen Michael immer wieder aus der sexuellen Reserve lockt und mit ihm ihre Spielchen spielt - und das macht sie, weil sie für das letzte Kapitel ihres Buches "Meine 100 Liebhaber" Michael als völlig Unbekannten auserkoren hat. Nach ein paar Tagen kommt aber Michaels Verlobte Helen (Mary Sellers) darauf, daß Michael ein Verhältnis hat ...

Heute gibt's mal wieder ein Gewinnspiel auf Wilsons Dachboden: Wir verlosen in Zusammenarbeit mit PartnersHub und Warner Bros. eine BluRay des jüngsten Tim-Burton-Films DARK SHADOWS! Bislang kenne ich selbst nur den Trailer des Films, kann also noch nichts zu den Qualitäten sagen - aber mit Burton hinter und Johnny Depp vor der Kamera darf man davon ausgehen, daß das Ergebnis seinen Reiz haben wird. (Wer sich optimal auf das Spektakel vorbereiten will, bestellt sich flugs noch aus den Staaten das 131-DVD-Set der alten Fernsehserie für $431,99 und sieht sich die 1225 Episoden mitsamt Bonusmaterial an, bevor er sich an die Kinoversion macht.)

Wir erinnern uns: 1986 fuhr Rutger Hauer per Anhalter durch den fiesen kleinen Thriller THE HITCHER und empfahl sich damit als einer der verstörendsten Psychopathen der Filmgeschichte. Weil der Film recht erfolgreich war, trat Joe D'Amato mit seiner Firma Filmirage auf den Plan und dachte sich: Autostopp plus Psychoterror, das reicht doch schon für eine schwungvolle Fortsetzung. So entstand 1989 der von Umberto Lenzi inszenierte Film PAURA DEL BUIO, der in den Staaten als HITCHER IN THE DARK und bei uns als RETURN OF THE HITCHER verkauft wurde (und natürlich nicht zu verwechseln ist mit HITCHER RETURNS, der tatsächlichen HITCHER-Fortsetzung aus dem Jahr 2002). Abgesehen davon, daß da mal jemand per Anhalter reist, hat der ebenso wie Lenzis NIGHTMARE BEACH in Florida gedrehte Film natürlich rein gar nichts mit dem Vorbild zu tun.

Genaugenommen ist es nicht mal wie in THE HITCHER der Anhalter, der hier als Landstraßenpsycho die armen Autofahrer belästigt: RETURN OF THE HITCHER dreht sich um einen mit einem Wohnmobil herumreisenden jungen Mann namens Mark (Joe Balogh), der ganz schwere Mutterkomplexe hat und deswegen Anhalterinnen aufgabelt, die er dann fachgerecht erst absticht und hernach im Alligatorensumpf versenkt. Dann gerät er aber an die hübsche Daniela (Josie Bissett, später in MELROSE PLACE zu sehen), die ihn gewaltig an seine Frau Mama erinnert - weshalb er sie gefangenhält und bei sich behalten will. Damit ist aber weder Daniela noch deren Freund Kevin (Jason Saucier, CONTAMINATION .7) einverstanden - letzterer macht sich nämlich auf die Suche nach ihr und dem ominösen Wohnmobil ...

Pseudo-Sequel-Alarm! Dieser eher obskure italienische Horrorfilm trägt im Deutschen den Titel HORROR HOUSE 2 (bzw. alternativ geschrieben HORROR HOUSE II), obwohl man zunächst mal überlegen muß, ob einem schon mal HORROR HOUSE 1 untergekommen wäre. Ah ja: Der dritte Teil von Sean Cunninghams Geisterhausreihe HOUSE hieß bei uns HORROR HOUSE - HOUSE III, und freilich hat unser heutiger Film rein gar nichts damit zu tun. Im Italienischen hieß er nämlich LA CASA 5 und wäre somit sozusagen der fünfte Teil von Sam Raimis EVIL DEAD (der in Italien LA CASA hieß) - aber nein, eigentlich ist's nur ein weiterer Spukhüttenzauber von Produzent Joe D'Amato, der schon die Filme GHOSTHOUSE und WITCHERY gewinnbringend als Möchtegernfortsetzungen (LA CASA 3 und LA CASA 4) vermarkten konnte. Wie auch die "Vorgänger" ist dieses Horrorhaus aber ein rein eigenständiger Film.

Wobei "eigenständig" im italienischen Genrekino ja ein recht dehnbarer Begriff ist, schielen die Bewohner des Stiefellandes doch gerne mal Richtung Amerika und brühen deren Kinosüppchen nochmal in Sparversionen auf, um ein paar schnelle Lire zu machen. Auch HORROR HOUSE 2 orientiert sich an bekannten Vorbildern: Da zieht eine Familie in ein altes Haus in Louisiana ein, in dem es gewaltig spukt - offenbar wurde das Haus auf einem Gelände gebaut, auf dem früher eine Hexenverbrennung stattgefunden hat. Neben den üblichen paranormalen Manifestationen trifft es vor allem den circa zehnjährigen Jungen der Familie, Martin, der plötzlich von einem Dämon besessen ist. Zum Glück ist der Herr Papa Priester - und der erhält Unterstützung von Pater George, einem Kollegen, der nach der Begegnung mit einer dämonischen Kindermörderin in der Todeszelle vom Glauben abgefallen ist und sich mittlerweile dem Alkohol zugewandt hat ...

Nachdem er einige Jahre lang als Musikjournalist und Co-Autor verschiedener Autobiographien gearbeitet hatte (darunter die von Mötley Crüe, Marilyn Manson und Jenna Jameson) brachte Neil Strauss 2005 sein erstes komplett eigenes Buch heraus - ein Soloalbum, sozusagen: THE GAME, die Geschichte der Pick-Up-Community, in der sich hoffnungsfrohe Aufreißer darüber austauschen, wie man besser Frauen ansprechen, kennenlernen und verführen kann. Das Buch war ein absoluter Bestseller, wobei das wirklich Spannende an der Erzählung nicht die zahllosen Tips waren, wie und wo man sich dem anderen Geschlecht nähern sollte, sondern der psychologische Hintergrund über menschliche Kommunikation und - zu einem gewissen Grad - Manipulation.

Eigentlich endete THE GAME damit, daß Neil eine Frau fürs Leben fand, die sämtliche seiner Anmachroutinen durchschaute - und daß er die Erkenntnis gewann, daß das "Game" der stetig wachsenden Community zwar beibringt, wie man schnell Beziehungen aufbaut, aber überhaupt nichts taugt, wenn es darum geht, Beziehungen zu führen. Der Fluch des Erfolges will es aber wohl, daß sich Neil weiterhin auf dem Gebiet betätigt - weshalb zwei Jahre nach THE GAME ein Begleitbuch mit dem Titel RULES OF THE GAME erschien, in dem Strauss dem geneigten Leser Tips gibt, wie man innerhalb von 30 Tagen an ein Date kommt. "Master the art of attraction in 30 days": Jawohl, hier fungiert Neil als Verführungsguru, der seine Geheimnisse mit den hilfesuchenden Männern der Welt teilt.

Das nächste Spukhaus, bitte! WITCHCRAFT - DAS BÖSE LEBT heißt dieser schöne Italo-Horror aus dem Jahr 1988, den man nicht etwa mit dem Film HEXENBRUT - WITCHCRAFT verwechseln sollte, der fast zeitgleich veröffentlicht wurde (und mittlerweile sage und schreibe 12 Fortsetzungen nach sich gezogen hat). Der vorliegende Streifen heißt nämlich im Original LA CASA 4 (und manchmal auch GHOSTHOUSE 2), weil er als Quasi-Fortsetzung zu GHOSTHOUSE (Original: LA CASA 3) gedacht ist, der wiederum als italienisches Pseudo-Sequel zu Sam Raimis EVIL-DEAD-Filmen (in Italien: LA CASA) ins Rennen geschickt wurde. Alles klar, ja? Nicht? Macht gar nichts: Dieser WITCHCRAFT hier ist wie alle anderen Filme dieser "Reihe" komplett eigenständig.

Die Besetzung jedenfalls läßt aufhorchen: Die Hauptrollen spielen Teufelskind Linda Blair und Bademeister David Hasselhoff - wobei The Hoff seinerzeit ja noch gar nicht am Strand aktiv war, sondern mit sprechendem Auto für die Foundation für Recht und Verfassung arbeitete. Auch Davids damalige Ehefrau Catherine Hickland ist in einer Nebenrolle zu sehen (wundervolle Trivia-Anmerkung: Hickland heiratete 1992 einen Mann namens Michael Knight). Und ebenso dabei: "Sünderin" Hildegard Knef, die damals in den Staaten lebte und fast komplett abgeschrieben war.

Die ehrlichsten Worte des Films werden gleich zu Beginn gesprochen. Und wie man da quasi schon im Vorfeld zustimmen möchte: "Schluß mit der Musik! Hast du mich verstanden? Ein für allemal: Schluß mit der Musik!" Der, der da so herumpoltert, ist Siegfried Schürenberg, der in gefühlt allen Edgar-Wallace-Filmen den Sir John gespielt hat und nicht nur deshalb schon im kollektiven Unterbewußtsein als absolute Autoritätsfigur wahrgenommen wird. Ein ernstes Gesicht trägt er zu diesen Worten, und eine dicke schwarze Brille noch dazu. Aber wie so oft: Es hört mal wieder keiner auf die klugen Worte der älteren Generation.

Schürenbergs Figur ist Unterrichtsminister, und er führt gerade seinem Sprößling Hansi Kraus seine Mißbilligung des unsäglichen Krawalls aus, den der Sohnemann mit seinen Hippie-Freunden so von sich gibt, statt sich auf's Abitur vorzubereiten. Und wenn ich "Krawall" sage, meine ich natürlich schillerndste Schlager, die sozusagen frisch vom warmen Vinyl butterweich in die Gehörgänge des seligen Zusehers tropfen. Oh ja: In MUSIK, MUSIK - DA WACKELT DIE PENNE wird, wie der Titel ja auch sachte ankündigt, dufte musiziert und fröhlich gesungen, und das im Rahmen eines Paukerfilms, wie sie Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger ja hauptsächlich durch DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK so kassenträchtig die Leinwände beglückten.

Gruseln mit Umberto: GHOSTHOUSE nennt sich der kleine italienische B-Horrorstreifen, den wir uns heute ansehen, und inszeniert wurde er von Umberto Lenzi unter dem Pseudonym "Humphrey Humbert" - damit die Sache auch schön amerikanisch wirkt. Gedreht wurde die Spukhausgeschichte nämlich in und um Boston, Massachusetts - und das sogar mit demselben Haus, das schon in Lucio Fulcis Splattersause DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER seinen Bewohnern wenig Glück brachte! Tja, wer ins Haus von Dr. Freudstein tapst, braucht sich eben über übernatürliche Erscheinungen nicht zu wundern.

Wenn man nachfragt, gibt ja nie jemand zu, die Namen von Pornostars zu kennen - ebenso wie ja auch kaum jemand zugibt, sich deren Filme anzusehen. Soweit es also möglich ist, kann man Jenna Jameson als allgemein bekannten Star der Branche bezeichnen: Sie gehört zu den beliebtesten Darstellerinnen im Geschäft (auch wenn sie sich mittlerweile sozusagen zur Ruhe gesetzt hat), leitet mit Club Jenna eine eigene millionenschwere Produktionsfirma, hat zahlreiche Preise gewonnen und auch schon mehrere Schritte in den Mainstream unternommen (z.B. mit dem Horrorfilm EVIL BREED). Ihre Laufbahn hat sie 2004 in der Autobiographie HOW TO MAKE LOVE LIKE A PORN STAR - A CAUTIONARY TALE niedergeschrieben, bei der ihr Rolling-Stone-Autor Neil Strauss (der auch die Bücher von Marilyn Manson und Mötley Crüe betreute) unter die Arme und potentiell andere Körperteile gegriffen hat.

Es ist ja nun nicht so, daß es im Genzel HQ zu wenig Filme gäbe. Und doch schaffen es gerngesehene Gäste wie Don Arrigone immer wieder, obskuren Schmumpf mitzubringen, von dem ich bislang noch nicht einmal etwas gehört habe. Für einen schon etwas länger zurückliegenden Filmabend, bei dem auch Arrigones Kontaktmann nach Norddeutschland, ein gewisser Casi, anwesend war, brachte der gute Don einen billigen Science-Fiction-Ausflug namens OBLIVION 2: BACKLASH mit - den wir uns in knallhart anarchischer Manier angesehen haben, ohne OBLIVION 1 überhaupt zu kennen! Don Arrigone darf berichten:



Science-Fiction meets Western. Taufrisch war die Idee 1996 nicht mehr: Gerade Ende der 80er hatten diverse Zeichentrickfilme die Formel bereits erprobt – man erinnere sich nur an SABER RIDER AND THE STAR SHERIFFS oder die GALAXY RANGERS. Diese Serien haben es in das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation geschafft und bringen noch heute (Männer-)Augen zum Leuchten; man kann sie fast in einem Atemzug mit HE-MAN oder TRANSFORMERS nennen. OBLIVION 2, der auf demselben Genremix basiert, kennen allerdings wenige.

Hier haben wir einen Film, dessen Hintergrundgeschichte interessanter ist als das Endergebnis - das einen höllisch schlechten Ruf genießt und wie so oft eigentlich gar nicht so schlimm ist, aber auch keinesfalls als rundum gelungen bezeichnet werden kann. 1983 drehte Paramount den Film BEST DEFENSE, eine satirische Komödie rund um die amerikanische Rüstungsindustrie. Die Vorzeichen standen gut: Das Drehbuch stammte von Willard Huyck und Gloria Katz, die unter anderem AMERICAN GRAFFITI geschrieben hatten. Huyck führte Regie, Katz produzierte. Und in der Hauptrolle spielte Dudley Moore, der dank der Komödien ARTHUR - KEIN KIND VON TRAURIGKEIT und 10 - DIE TRAUMFRAU zu Amerikas beliebtesten Komikern zählte. Ein reizvolles Projekt, oder?

Die Testvorführungen des Films riefen eine bodenlos schleche Resonanz hervor, weswegen das Studio sich daran machte, den Film aufzupeppen. Eine Nebenhandlung wurde geschrieben und mit Eddie Murphy als "strategic guest star" (O-Ton der Werbung!) prominent besetzt - Murphy war damals dank der Fernsehshow SATURDAY NIGHT LIVE und der Komödienhits NUR 48 STUNDEN und DIE GLÜCKSRITTER eine ganz heiße Nummer. Diese neuen Szenen wurden in den fertigen Film hineingeschnitten, aber nachdem Murphy nie auf den restlichen Charaktere trifft, rettete die neue Fassung auch nichts mehr: ANGRIFF IST DIE BESTE VERTEIDIGUNG (wie BEST DEFENSE bei uns hieß) ging wie ein Stein im Wasser unter.

Feuern wir das Urteil gleich zu Beginn ab: Besser als erwartet. Die Erwartungshaltung an einen Low-Budget-Horrorfilm ist ja weiß Gott nicht hoch - man ist ja schon positiv überrascht, wenn in so einem Film mal keine Freundesgruppe in den Wald fährt! Aber selbst unter der Prämisse, daß der Großteil aller schnell produzierten Horrorsausen einmal mehr eine hinlänglich bekannte Geschichte wiederkäuen wird, entpuppen sich viel zu viele dieser vermeintlichen Gruselstreifen einfach als völlig müde, reizlose Angelegenheiten. Bei solcher Konkurrenz sticht ein Film natürlich schon mit einer Handvoll positiver Aspekte aus der Menge heraus - wie THE BACK LOT MURDERS, dessen altvertrauter Slasher-Plot wenigstens mit Witz und einigen cleveren Einfällen erzählt wird.

Die Geschichte dreht sich dabei um eine Rockband, die gerade einen Plattendeal erhalten hat, weil ihr Sänger mit der Tochter eines Plattenfirmenbosses ausgeht. Bei den Dreharbeiten zu ihrem ersten Musikvideo auf dem Studiogelände (das "back lot") werden die Jungs, ihre Groupies sowie die Crew nach und nach von einem maskierten Killer dahingemeuchelt - könnte es sich um den zuvor gefeuerten Bassisten Bobby handeln, der sich noch vor dem Vorspann als aggressiver Choleriker entpuppt hat?

Hier haben wir mal eine knackige kleine Genreperle, die auf Wiederentdeckung wartet: KILLER'S GOLD heißt der schöne Gangsterstreifen, der vom italienischen Regisseur Sergio Garrone Ende der Siebziger in Spanien gedreht wurde. Garrone machte sich in den Sechzigern mit harten Western wie DJANGO UND DIE BANDE DER BLUTHUNDE einen Namen und steckt als Autor unter anderem hinter dem feinen Prä-Giallo BLONDE KÖDER FÜR DEN MÖRDER, aber es dauerte nicht lange, bis sich seine Filmographie ins extreme Exploitation-Eck bewegte: Neben einer derben Sause mit dem entzückenden Titel ICH, DIE NONNE UND DIE SCHWEINEHUNDE kümmerte er sich um diverse Frauengefängnisfilme, darunter die hier schon besprochene Nazi-Nummer SS CAMP 5: WOMEN'S HELL. Der Action-Krimi KILLER'S GOLD ist ein weniger bekannter Titel seiner Laufbahn und wurde leider bislang nie auf DVD veröffentlicht.

Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger fuhren die Filmteams der Lisa-Film-Produktion gerne in exotische Urlaubsparadiese, um dort nackte Frauen abzufilmen - ganz im Gegensatz natürlich zu heute, wo die Teams in exotische Urlaubsparadiese reisen, um nackten Blödsinn abzufilmen. Die Grenzen sind natürlich fließend. Für DIE INSEL DER TAUSEND FREUDEN ging's 1978 nach Mauritius, wo die vielbeschäftigten Starlets Olivia Pascal und Bea Fiedler diesmal nicht durch eine Disco-Erotikkomödie oder einen Jodelfilm hüpften, sondern sich einem waschechten Sex-and-Crime-Drama widmen durften.

Es passiert nämlich allerlei Garstiges auf Mauritius: Ein Mr. Howard (Arthur Brauss, der hier unter dem Namen "William Levine" mitspielt) entführt mit Hilfe seines Lakaien Ming (Otto W. Retzer, diesmal mit recht großer Rolle) die jungen einheimischen Damen, um sie per Schiff zum nächsten Sklavenmarkt zu bringen. Darauf stößt die junge Privatdetektivin Peggy (immer wieder ansehnlich: Olivia Pascal), obwohl sie eigentlich von der reichen Lady Henriette (Lili Muráti, die immerhin DOKTOR SCHIWAGO auf der Vita stehen hat) angeheuert wurde, ein Auge auf den Ehemann ihrer Nichte Julia (auch hübsch: Bea Fiedler) zu werfen: Michel (Philippe Garnier) macht nämlich jede Menge Spielschulden. Was Lady Henriette nicht weiß: Michel hat ein Verhältnis mit Julias bester Freundin Sylvia (die schnuckelige Elisa Servier, die hier unter dem Namen "Marine Mervil" auftritt und später in David Hamiltons ZÄRTLICHE COUSINEN zu sehen war), und beide planen das Ableben der lieben Tante, um an deren Erbschaft heranzukommen.