Dezember 2011

Ach, wären die Achtziger doch nie vorübergegangen. Da knallt ein erfolgreicher Fantasyfilm ins Kino, und schon haben B-Movie-Produzenten rund um die Welt über Jahre hinweg damit zu tun, simpel gestrickte Abenteuerfilme ins Leben zu rufen, in denen Muskelmänner, leichtbekleidete Frauen und billigst maskierte Kreaturen den sagenumwobenen Gegenstand X finden und damit den unliebsamen Zauberer Y besiegen müssen. Viel Wald, ein bißchen Wiese, drei mal Plastikschwerter aufeinandergekloppt und eine Prise Feuer und Rauch obendrein - so läßt sich eine ganze Dutzendschaft von Fantasyquickies zusammenfassen, die großteils aus Italien stammten, aber vielfach auch aus Amerika oder - wie im Fall von AMAZONS, zu Deutsch IM REICH DER AMAZONEN - aus Argentinien.

"Ein Machwerk, das nur dralle Oberweiten und erbärmlichste Action zeigt", schreibt die Website von Cinema, und sicherlich bin ich nicht der einzige, der bei diesen Worten den Film sofort sehen möchte - vor allem, wenn er von denselben Menschen stammt, die schon hinter BARBARIAN QUEEN, WIZARDS OF THE LOST KINGDOM, DER KRIEGER UND DIE HEXE und DEATHSTALKER steckten, die allesamt mit exakt denselben Worten bedacht werden könnten und trotzdem, wie so vieles aus der Produktionsstätte von Roger Corman (der diese Streifen aufgekauft und vertrieben hat), höchst unterhaltsame Schnellschüsse waren, deren Sparproduktionen einen nicht zu unterschätzenden Trash-Charme versprühen. Meine Güte, die Kurzgeschichten von Robert E. Howard waren ja auch nur Pulp.

"Au weh zwick", sagt ein guter Freund von mir gerne in tiefstem Niederbayrisch, wenn sich das Unglück schon abzeichnet. Die Worte scheinen mir auch die treffendendsten zu dem vorliegenden - das nächste Wort können wir nur unter Aufwendung allergrößter Großzügigkeit verwenden: - Spielfilm zu sein, der da GAUDI IN DER LEDERHOSE heißt, obwohl von Gaudi wirklich nicht im Entferntesten die Rede sein kann. Der 1977 veröffentlichte Sparschweinfilm wurde von Jürgen Enz gedreht, den wir schon im Zuge des Peter-Steiner-Sexklamauks DIE NEUEN ABENTEUER DES SANITÄTSGEFREITEN NEUMANN kennenlernen durften, und dessen Filmographie sich durch die Bank in einschlägigem Terrain bewegt.

Dabei fängt ja alles noch ganz harmlos an. Der Knecht Karl wird in die Großstadt geschickt, um den Onkel Fritz vom Bahnhof abzuholen. Kaum in München angekommen, flaniert Karl auch schon in einen Sexshop, wo er die zahlreichen ausgelegten Magazine mit den Worten "Do legst di nieder" kommentiert. Die Verkäuferinnen des Ladens machen Karl auch gleich Avancen, aber daß die forschere der beiden auch gleich ihre Oberweite zur Begutachtung auspackt, scheint den Mann vom Land dann doch eher zu verstören, weshalb er flotten Fußes die Flucht ergreift. Leider ist nicht ersichtlich, wie dieser spannende Laden heißt, aber Suchfreudigen sei als Hinweis verraten, daß er sich in der Nähe vom Odeonsplatz befinden muß, der anfangs in einem Establishing Shot gezeigt wird. Man könnte natürlich Pech haben und auch heute noch dieselben beiden Damen dort antreffen.