Juni 2011

Ich liebe Unterwasserfilme. Ich liebe Filme mit wabbrigen Gummialiens. Und ich liebe spannende, clever inszenierte kleine B-Filme. Sagen wir mal so: SIRENE I erfüllt zwei von drei Voraussetzungen.

Der Film, der bei uns auch U1 - TAUCHFAHRT DES TODES heißt und im Original entweder THE RIFT oder ENDLESS DESCENT genannt wird, war Teil der großen Welle (man beachte den subtilen Wortwitz!) an Unterwasserfilmen, die Ende der Achtziger über den Filmmarkt hereinbrach. Neben Camerons großem Vorbild THE ABYSS gab es 1989 Sean S. Cunninghams DEEP STAR SIX, LEVIATHAN von George P. Cosmatos und den Corman-produzierten LORDS OF THE DEEP. Ein Jahr später schwamm noch dieser schöne Film hinterher, eine spanisch-amerikanische Koproduktion, dirigiert von Juan Piquer Simón.


Kinder, heute schauen wir mal etwas ganz Originelles - einen Slasher aus den frühen Achtzigern. Oh ja! Es ist eine der beruhigenden Gewißheiten im Leben, daß es, egal wieviele Slasher man schon gesehen hat, immer noch Dutzende geben wird, die man noch nicht kennt. Dieser hier ist eine spanisch-puerto-ricanische Koproduktion aus dem Jahre 1982 und wurde von Juan Piquer Simón mit größtenteils englischsprachigen Schauspielern inszeniert - und auf dem Poster (große Kettensäge plus zusammengeflickte Frau) prangt der schöne Satz "It's exactly what you think it is!". Nun ja ... braucht ihr mich dann eigentlich noch, um was drüber zu sagen? Nicht? Dann erzähle ich trotzdem ein wenig davon.

Der Terror fängt hier schon in der Kindheit an: Wir sehen einen kleinen Jungen, der eifrig ein Puzzle zusammensetzt. Die Mutter kommt ins Zimmer und sieht das Motiv des Puzzles: ein nacktes Pin-Up-Girl. Erbost über derartige Frivolität scheuert sie dem Jungen eine, nimmt ihm das Puzzle weg und macht sich schäumend daran, das Zimmer nach etwaiger Pornographie zu durchsuchen. Wir wissen zwar nicht, wer dem Kind das schöne Puzzle geschenkt hat, können aber trotzdem ganz im Sinne des aufklärerischen Schulmädchenreports konstatieren: Diese Mutter handelt falsch.


The fact that singer Freddy Sahin-Scholl's album CARPE DIEM hit the stores exactly two days after he won Das Supertalent (Germany's version of Britain's Got Talent) -- show finale on Saturday, CD in stores on Monday -- is only surprising to those who neither know about the mechanisms behind TV programs (of course, a musician is much more commercially viable than a woman who crushes melons with her gigantic breasts and all the other odd "talents" presented in the show) nor are aware of the fact that CARPE DIEM is simply a major-label re-release of an album Freddy Sahin-Scholl recorded in 1999 under the name "Galileo" and which had already been reissued in 2003 (by Edel). The only difference to the previous versions is the substitution of the title track against a "Version 2010" re-recording, and the addition of the Zucchero-penned song "My Love."

Am Wochenende war wieder einmal Plattenbörse in Salzburg, und natürlich habe ich die Stände gesichtet und bin mit einem (diesmal etwas kleineren) Stoß Neuanschaffungen nach Hause gekommen. Viel Schönes und Spannendes dabei, und der coolste Fund gleich zu Beginn:

(Wie immer leitet ein Klick auf die Bilder euch zu Amazon, wo ihr die Alben kaufen könnt. Ein kleiner Betrag von allem, was ihr bei Amazon bestellt, fließt dann in diese Website. Vielen Dank für die Unterstützung!)


The Hot Spot - Original Motion Picture Soundtrack (1990). Es ist ein absoluter Traum, den knurrigen Bluesmann John Lee Hooker zusammen mit Miles Davis spielen zu hören. Dahinter die Slidegitarre von Roy Rogers und ein paar Blueslicks von Taj Mahal, plus eine lässig groovende Rhythmussektion. Ich liebe den dazugehörigen Film von Dennis Hopper, ein wundervoller moderner Film Noir in staubig-getragenem Tempo - mit einem Don Johnson, der nie besser war, und Jennifer Connolly und Virginia Madsen. Der Score besteht weniger aus Songs als aus improvisiert wirkenden Skizzen - komponiert von Jack Nitzsche, der die Musik zusammen mit Michael Hoenig produzierte - aber erstens war ja auch Miles' Score für FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT eher skizzenhaft gestrickt, und zweitens geht es hier nicht um Lieder, sondern um ein Feeling, um eine Stimmung. Ein Album für die Dauerrotation.


Ich geb's ja zu: Ich freue mich diebisch auf den dritten TRANSFORMERS-Kinofilm. Natürlich ist es ganz einfach, die Krawallfilmchen zu belächeln, und natürlich waren beide Vorgänger ungefähr eine Stunde zu lang, aber anstatt den dünnen intellektuellen Anspruch zu monieren, erfreue ich mich halt am kreativen Spaß der Reihe, der mit nimmermüder Energie gigantisches Spielzeug aufeinanderhetzt. (Hier meine Kurznotizen zu Teil 2.) Kurz vor Kinostart steht zur Einstimmung auch schon das Album mit den Songs im Laden, und wo es sonst mit kleinen Sternchen notiert steht, welche Tracks eigentlich gar nicht aus dem Film sind, wird hier großzügig auf dem Backcover ein genereller Hinweis ausgesprochen: "A number of tracks may not be contained in the film". Jaja, Kinder: Sucht mal!


Huch, was für ein garstiger kleiner Film. FRAUENGEFÄNGNIS ist die erste Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Schundproduzenten Erwin C. Dietrich und dem spanischen Erotomanen Jess Franco, und der Inhalt läßt sich nüchtern aus dem Titel deduzieren: Auf der einen Seite sind die Frauen, und zu der anderen Seite kommen wir später. Der 1975 veröffentlichte Streifen war nicht Francos erster Frauengefängnis-Streifen (das wäre DER HEISSE TOD von 1969), aber die Zusammenarbeit mit Dietrich scheint ihn inspiriert zu haben, noch ein paar ordentliche Schippen Schmutz nachzulegen: der Film ist Exploitation ohne Wenn und Aber.

Die Geschichte (diesen Begriff verwenden wir nur, weil sich kein adäquates Wort für die mäandernde Plotlosigkeit des Prozederes aufdrängt) von FRAUENGEFÄNGNIS spielt an eben jenem Ort, den der Titel erahnen läßt, und der befindet sich unter der eisernen Fuchtel einer sadistischen Wärterin, die sich ein Monokel ins Auge geklemmt hat und so grausam ist, daß sie stets ohne Hosen herumläuft. Gleich zu Beginn sehen wir, wie eine Gefangene in Einzelhaft erniedrigt wird: Die ist nackt mit einem Halsband an die Wand gekettet und versucht, an eine Schüssel mit Nudeln heranzukommen, während ein Wärter mit breitem Kopf ihr mit dem Stock auf die Finger klopft. Wahrscheinlich war die Rehabilitationsforschung 1975 noch nicht allzu ausgereift.


Three years have passed since Wir sind Helden's third album, 2007's SOUNDSO -- an extended hiatus the bandmembers used to start families, recharge their creative batteries, and take a break from their omnipresence in the media. When Wir sind Helden finally went back to the studio to record a follow-up, they slightly changed their approach so that they wouldn't be stuck with the same kind of predictability and routine that plagued SOUNDSO: they hired a new producer, Ian Davenport, and decided to record the songs live in the studio, using more varied instrumentation for texture -- banjo, accordion, percussion -- but aiming for a more acoustic overall sound than before. The resulting album, BRING MICH NACH HAUSE (Bring Me Home), proves that both the break and the more relaxed approach to the production were an excellent idea: while the group's rock & roll impulse is long gone, the record feels much more alive than its predecessor, and the songs don't suffer from the sort of pressure Wir sind Helden put themselves under before. Still, the record is very much a continuation of the band's sound: there may be fewer keyboards than before and the focus of the lyrics may have moved completely into personal territory, but the difference between BRING MICH NACH HAUSE and SOUNDSO is more noticeable in feel than in sound -- it's still the same band with its mainstream pop/rock style and singer Judith Holofernes' deliberately naïve voice.


Lena's second album, GOOD NEWS, was released not even a year after her first, and just as MY CASSETTE PLAYER was rushed into stores to capitalize on her victorious 2010 Song Contest performance, her sophomore effort was put together just as quickly to coincide with a TV event about the selection of the song she would perform at the 2011 Song Contest to defend her crown. Given the time pressure, the new album's most surprising characteristic is how relaxed it feels -- especially Lena herself, who sounds comfortable and assured, without any indication that she's trying to prove something. Her charm manages to carry an album of pop songs that are as fluffy as pop songs have any right to be: her down-to-earth persona and her unaffected singing -- a refreshing break from the showmanship of technically proficient, but personality-free voices that are so common in the charts -- make GOOD NEWS an enjoyable and likable listen.


The opening track of ZUM GLÜCK IN DIE ZUKUNFT, Marteria's second album (or his fourth, if you count the two Marsimoto excursions), is simultaneously a perfect introduction to the record and a somewhat misleading one: "Endboss" is a catchy song with an infectious electro beat, a rapped autobiography that cleverly compares Marteria's life (or anybody's, for that matter) to a video game where you complete levels of varying difficulty and use up your extra lives as you make mistakes. But while it's representative of the whole album in terms of production quality and sense of humor, it sets up unrealistic expectations, since none of the other tracks are as joyfully poppy or as instantly accessible.


15 Jahre ist es mittlerweile her, daß der erste SCREAM den Slasher wiederbelebte - auf eine clevere Weise, die keine der Produktionen im Fahrwasser wirklich nachahmen konnte. Gemerkt hat sich jeder, daß in SCREAM erstmals Figuren in einem Horrorfilm auch schon Horrorfilme gesehen haben und ergo darüber reden und diskutieren, welche Situationen aus einschlägigen Streifen bekannt sind - aber keiner der Nachzügler hat es geschafft, mit den von den Charakteren durchgekauten Klischées und Eckpfeilern des Genres so intelligent zu spielen wie Regisseur Wes Craven und sein Autor Kevin Williamson, und dabei gleichzeitig einen so nervenzerrenden, spannenden Film mit emotional glaubwürdigen Figuren abzuliefern. Der Kniff am Spiel mit den Konventionen war im Erstling, daß man einfach nicht mehr wußte, was passieren würde und wie, weil die angesprochenen Situationen gleichermaßen bedient wie gebrochen wurden - und gleichzeitig war alles real und ernst genug gehalten, um eben nicht zur Parodie zu werden.

Die Fortsetzungen - SCREAM 2 ein Jahr später, SCREAM 3 dann im Jahr 2000 - taten wohl das, was gemacht werden mußte für solche Weiterführungen: Sie waren mehr auf sich selbst und ihre Eigenschaft als Sequel bezogen, zwinkerten dem Zuseher also noch mehr zu mit Kommentaren zu kassenträchtigen Fortsetzungen und den dazugehörigen Regeln. Der Terror wurde stark zurückgenommen, dafür spielten die Filme lustvoll mit immer absurderen Film-im-Film-Ideen (z.B. eine Sequenz in Teil 3, wo der Mörder den Figuren Drehbuchseiten zufaxt) und zeichneten die Backstory der Hauptfigur dabei aber immer noch ernsthaft genug, daß deren Geschichte die Filme verankerte und nicht zur völligen Komödie werden ließ.

Thomas Nash, den wir kürzlich wegen seiner neuen Single "One Night Stand" interviewt haben (hier), präsentiert am 12. Juni 2011 in Wien beim "Two Moods"-Festival einen neuen Kurzfilm mit dem Titel DON RUDOLFO. Eine witzige Komödie über den vermutlich unverschämtesten Anmach-Versuch in der Geschichte der Doppel-Dates - Thomas spielt die Hauptrolle, hat das Drehbuch beigesteuert und auch der Song "One Night Stand" ist eingebaut. Regisseur ist Chris Dohr. Auf dem Soundtrack sind übrigens auch Kalliopi zu hören, die schon zu meinen Filmen SCHLAFLOS und DIE MUSE Musik beigesteuert haben.

Ein kurzer Beitrag des Magazins Wiener me.lounge über DON RUDOLFO:



Am 12.6.2011 um 18:30h im Wiener Topkino. Website des Kurzfilms: hier.

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