2011

Ach, wären die Achtziger doch nie vorübergegangen. Da knallt ein erfolgreicher Fantasyfilm ins Kino, und schon haben B-Movie-Produzenten rund um die Welt über Jahre hinweg damit zu tun, simpel gestrickte Abenteuerfilme ins Leben zu rufen, in denen Muskelmänner, leichtbekleidete Frauen und billigst maskierte Kreaturen den sagenumwobenen Gegenstand X finden und damit den unliebsamen Zauberer Y besiegen müssen. Viel Wald, ein bißchen Wiese, drei mal Plastikschwerter aufeinandergekloppt und eine Prise Feuer und Rauch obendrein - so läßt sich eine ganze Dutzendschaft von Fantasyquickies zusammenfassen, die großteils aus Italien stammten, aber vielfach auch aus Amerika oder - wie im Fall von AMAZONS, zu Deutsch IM REICH DER AMAZONEN - aus Argentinien.

"Ein Machwerk, das nur dralle Oberweiten und erbärmlichste Action zeigt", schreibt die Website von Cinema, und sicherlich bin ich nicht der einzige, der bei diesen Worten den Film sofort sehen möchte - vor allem, wenn er von denselben Menschen stammt, die schon hinter BARBARIAN QUEEN, WIZARDS OF THE LOST KINGDOM, DER KRIEGER UND DIE HEXE und DEATHSTALKER steckten, die allesamt mit exakt denselben Worten bedacht werden könnten und trotzdem, wie so vieles aus der Produktionsstätte von Roger Corman (der diese Streifen aufgekauft und vertrieben hat), höchst unterhaltsame Schnellschüsse waren, deren Sparproduktionen einen nicht zu unterschätzenden Trash-Charme versprühen. Meine Güte, die Kurzgeschichten von Robert E. Howard waren ja auch nur Pulp.

"Au weh zwick", sagt ein guter Freund von mir gerne in tiefstem Niederbayrisch, wenn sich das Unglück schon abzeichnet. Die Worte scheinen mir auch die treffendendsten zu dem vorliegenden - das nächste Wort können wir nur unter Aufwendung allergrößter Großzügigkeit verwenden: - Spielfilm zu sein, der da GAUDI IN DER LEDERHOSE heißt, obwohl von Gaudi wirklich nicht im Entferntesten die Rede sein kann. Der 1977 veröffentlichte Sparschweinfilm wurde von Jürgen Enz gedreht, den wir schon im Zuge des Peter-Steiner-Sexklamauks DIE NEUEN ABENTEUER DES SANITÄTSGEFREITEN NEUMANN kennenlernen durften, und dessen Filmographie sich durch die Bank in einschlägigem Terrain bewegt.

Dabei fängt ja alles noch ganz harmlos an. Der Knecht Karl wird in die Großstadt geschickt, um den Onkel Fritz vom Bahnhof abzuholen. Kaum in München angekommen, flaniert Karl auch schon in einen Sexshop, wo er die zahlreichen ausgelegten Magazine mit den Worten "Do legst di nieder" kommentiert. Die Verkäuferinnen des Ladens machen Karl auch gleich Avancen, aber daß die forschere der beiden auch gleich ihre Oberweite zur Begutachtung auspackt, scheint den Mann vom Land dann doch eher zu verstören, weshalb er flotten Fußes die Flucht ergreift. Leider ist nicht ersichtlich, wie dieser spannende Laden heißt, aber Suchfreudigen sei als Hinweis verraten, daß er sich in der Nähe vom Odeonsplatz befinden muß, der anfangs in einem Establishing Shot gezeigt wird. Man könnte natürlich Pech haben und auch heute noch dieselben beiden Damen dort antreffen.

Eine Gruppe von langjährigen Freunden, ihre Beziehungsprobleme und die Beobachtungen darüber, wie sich Freundschaften über die Jahre verändern: Es klingt nach einer etwas wehleidigen Buchversion des Films DER GROSSE FRUST, dessen Grundprämisse - eine Reihe von Charakteren in ihren Dreißigern erinnert sich an die guten alten Zeiten und gleicht die damaligen Vorstellungen mit der heutigen Realität ab - ja immer wieder gerne erzählt wird, für jede Generation, für jede mögliche neue Figurenkonstellation. Aber Mike Gayles achter Roman aus dem Jahr 2008 fühlt sich ganz anders an als die im Damals eingefrorenen Krisenmenschen von Kasdans Geschichte - er erzählt mit viel Witz und souveräner Konstruktion eine bittersüße Ensemblegeschichte über die mit der Liebe verbundenen Hoffnungen und Enttäuschungen.



Eddie Morra ist ein Verlierer. Er zieht im abgehalfterten Grunge-Look durch die Bars und erzählt den Leuten von seinem Roman, an dem gerade arbeitet - nur daß sein Konzept dafür pure Schwafelei ist und er dank Faulheit und träger Disziplin noch nicht ein einziges Wort dafür zu Papier, beziehungsweise zu Monitor, gebracht hat. Und dann gibt ihm auch noch seine Freundin den Laufpaß, und auf die Frage nach dem Warum kann er von ihr nur einen gleichzeitig vorwurfsvollen wie mitleidigen Blick ernten. Der Mann ist ein sinkendes Schiff.

"Mental telepathy, mostly", schrieb man seinerzeit über Kenneth Angers Skandalsammlung HOLLYWOOD BABYLON - beziehungsweise über die Recherchemethoden des Avantgardefilmers, der in dem zuerst 1965 veröffentlichten Buch heitere Geschichten über Morde, Sexorgien, Vaterschaftsklagen und andere pikante Geschehnisse rund um Hollywood-Stars und -Starlets niederschrieb und dazu noch mit schmackhaften Photos garnierte - wie zum Beispiel einem Bild des Jayne-Mansfield-Unfalls. Wen störte es schon, daß zahlreiche Details und Geschichten nachweislich Phantasiegespinste waren? Die Welt der Stars und Sternchen ist der hohe Adel der heutigen Zeit, und ebenso, wie wir sie bewundern und beneiden, haben wir doch gerne ein diebisches Vergnügen daran, sie mit Schmutz und Skandalen vom Thron zu stoßen - vermutlich nur, um zu zeigen, daß sie ja doch eigentlich Menschen wie du und ich sind. Obwohl es für das menschliche Tratschbedürfnis ja gar nicht so viel Unterschied macht, ob Charlie Chaplin eine Affäre hat oder der Herr Müller von nebenan.

Gar so lippenleckend wirft sich der englische Journalist Robert Sellers nicht an sein Thema heran, aber ein gewisser Regenbogenpresse-Geist ist seinem Buch HOLLYWOOD HELLRAISERS: THE WILD LIVES AND FAST TIMES OF MARLON BRANDO, DENNIS HOPPER, WARREN BEATTY AND JACK NICHOLSON nicht abzusprechen. Das Werk versteht sich sozusagen als Fortführung von Sellers' HELLRAISERS, das die Eskapaden der vier britischen Schauspieler Oliver Reed, Peter O'Toole, Richard Harris und Richard Burton nachzeichnete - und es ist ganz klar, daß man als Leser ja eine gewisse Erwartungshaltung hat, wenn man das wilde Leben von solch legendären Wüstlingen versprochen kriegt: Man will Sex, Alkohol, Drogen, filmischen Rock'n'Roll und die nie endende Party. Man könnte nicht behaupten, daß Mötley Crüe ihre Autobiographie mit irgendeinem anderen Versprechen an den Mann gebracht hätten.


Allein das Plakat ist brillant: Da wird die laut lachende Nena vom bekleidet in der Badewanne liegenden Neue-Deutsche-Welle-Posterboy Markus naßgespritzt, und der Schuß Erotik, der durch das nasse Shirt entsteht, ist in seinem Ausmaß den winzigst klein gedruckten Songtiteln ebenbürtig, die unter den majestätisch thronenden Namen der Stars die letzten zwei unwissenden Kinogänger darüber aufklären sollen, woher man diese beiden quietschfidelen Nachnamenlosen eigentlich kennen könnte. Und dann natürlich der Filmtitel: Ebenso sinnfrei wie das Motiv selbst, aber nicht nur dank der Verwendung des Titels von Markus' größtem Hit "Ich will Spaß" eine perfekte Evozierung des Geists der Neuen Deutschen Welle, wo Reim und Laune ja gerne vor Inhalt und Grüblerei gewichtet waren. Höchste Zeit, diesem deutschen Kinoknüller hier die Ehre zu erweisen.


Ich glaube, ich habe ein neues Lieblingswesen. Es heißt Trumpy, ist ungefähr einen Meter groß, und sieht aus wie eine Mischung aus ALF und Ameisenbär. Trumpy kann das Gesicht nicht bewegen und leider auch nicht blinzeln, aber dafür kann er Erdnüsse und Milch mit dem Rüssel einsaugen. Er macht Geräusche wie ein resigniert-melancholischer Chewbacca, und er kann Gegenstände durchs Zimmer tanzen lassen.

Aber mal langsam. Trumpy ist der heimliche Star des Films DIE AUSSERIRDISCHEN BESUCHER von Juan Piquer Simón, von dem wir hier schon vor kurzem das Kettensägenhappening PIECES und das Unterwasserepos SIRENE I begutachten durften. LOS NUEVOS EXTRATERRESTRES, wie diese französisch-spanische Co-Produktion im Original heißt, wurde 1983 veröffentlicht, und ursprünglich schwebte Simón eine Story über den Angriff eines bösen Außerirdischen vor - bis dann 1982 ein Hollywood-Film mit einem niedlichen Außerirdischen (hmm - war es DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT? Oder doch DER ZORN DES KHAN?) an den Kinokassen abräumte und die Produzenten anregte, das Alien auch hier knuffig und lieb zu gestalten und einen kleinen Jungen zur Geschichte hinzuzuschreiben, der sich mit dem Außerirdischen anfreundet. Simón war über die Änderungen nicht erfreut, und wenn der Regisseur & Autor von SIRENE I schon mal unzufrieden ist, dann will das etwas heißen.


Zur ersten Single des Soloalbums von Wayne Static gibt es jetzt auch ein Musikvideo: "Assassins of Youth". Das Album PIGHAMMER erscheint am 4.10.11, ist aber bei uns offenbar erstmal nur als Import erhältlich. Unterhaltsames Video, netter Track - und wenn der Rest der CD auch so klingt, dann geht es eh als neues Static-X-Album durch.


Und nochmal Kittie, deren neues Album I'VE FAILED YOU mittlerweile im Laden steht - jetzt gibt's nämlich auch zur Single "We are the Lamb" ein nettes Video, das den Mädels sicherlich Spaß bereitet hat (auch wenn ich sagen muß, daß Zombies mittlerweile genauso inflationär verbraucht sind wie Vampire). Nice!


Mit dem Erfolg der James-Bond-Reihe tauchten Mitte der Sechziger plötzlich eine ganze Reihe von kleineren Agentenfilmen auf, die von Ian Flemings Held mehr als deutlich inspiriert waren. Auch wenn viele der Produktionen italienischer Herkunft waren - wo man ja mit dem Aufgreifen erfolgreicher US-Trends über viele Jahrzehnte hinweg selten zimperlich war - waren die meisten dieser Filme doch europäische Ko-Produktionen mit Ländern wie Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich und sogar Jugoslawien.


David Finchers THE SOCIAL NETWORK war einer der besten Filme des letzten Jahres. Die dazugehörige BluRay ist nicht minder spannend und bietet in seinem Bonusmaterial viel Substanz. Und vergessen wir mal nicht den fantastischen Score von Trent Reznor und Atticus Ross, von dem ich jetzt fünf Exemplare verlosen kann.


Vor kurzem habe ich schon auf das erste Video zum neuen Kittie-Album hingewiesen - hier - und jetzt gibt's das gesamte Album vorab zu hören. I'VE FAILED YOU heißt das Werk, es wird schön drauf geschrubbt, und Morgan Lander klingt immer noch so wunderbar furienhaft. Kommt am 2. September - hier komplett durchhören und dann gleich hier vorbestellen.



Das grüne Sofa bleibt seit gestern leer: Loriot, 1923 unter dem Namen Vicco von Bülow geboren, ist gestern im Alter von 87 Jahren an Altersschwäche gestorben. Er hinterläßt uns eine üppige Menge an herzhaften Lachern und wissenden Schmunzlern, an verschmitzten Absurditäten und belustigter Alltagsbeobachtung - all das, was ihm schon lange einen Status als intelligenter, feinsinniger Komiker sicherte und viele seiner Sketche in das kollektive Gedächtnis Deutschlands eingravierte. Das zu harte Frühstücksei, das einen Ehemann in die Raserei treibt, gehört in den Olymp jener Dialogfolgen, die seit Jahrzehnten immer noch mit ihrem unnachgiebig logisch aufgebauten Witz begeistern und als veritable Humorschule dienen - und es ist nur ein Kleinod unter vielen, die von Bülow auf dem Höhepunkt seines Schaffens so mühelos aus dem Ärmel zu schütteln schien. Loriot als den besten, witzigsten oder klügsten Komiker Deutschlands zu bezeichnen, geht völlig an seiner Einzigartigkeit vorbei: Loriot ist Loriot, ein Genre, in dem es außer ihm schlichtweg niemand anderen gab.




Am 2. September gibt's ein neues Kittie-Album - ihr mittlerweile sechstes - und deswegen hat sich auch ein neues Video im Internetz eingefunden: "Empires (Part 2)". Guter Song, kratziger Hals, starke Energie. Am besten gleich das Album vorbestellen.


Und die Jungs brennen immer noch unnachgiebig alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Bei AOLMusic läßt sich Chimairas komplettes neues Album THE AGE OF HELL anhören, bei den Amazonen läßt sich das am 26. August erscheinende Werk auch flugs vorbestellen.

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Heute vor zwei Wochen fand ein neuerlicher Flohmarkt hier in Salzburg statt, der zwar eigentlich dezidiert für Bücher ausgeschrieben war, aber trotzdem inmitten Bergen von Rebhoff-, Heintje- und Weihnachten-zum-Davonlaufen-Platten einige schöne Fundstücke in Sachen Musik bereithielt. Es zeigt sich wieder einmal: Hartnäckiges Stöbern lohnt sich. Folgende LPs konnte ich mit nach Hause nehmen:

(Wie üblich führt ein Klick auf die Cover zu Amazon. Wenn ihr dort etwas kauft - ganz egal, was - dann kriege ich einen kleinen Betrag von Amazon. Vielen Dank, daß ihr damit diese Website fortlaufend unterstützt!)


David McWilliams: Don't Do It for Love (1978). Der gute Mann hat mir zunächst einmal gar nichts gesagt, und ich habe ihn aufgrund des Aussehens und der Aufmachung in der Country-Ecke gewähnt. Werch ein Illtum! McWilliams ist ein irischer Folksänger und Songwriter, dessen größter Hit 1967 "Days of Pearly Spencer" war - das ich natürlich kenne, zumal es mit seinem markanten Streicherriff ja auch schon zigfach gecovert wurde, unter anderem von Soft-Cell-Sänger Marc Almond. Später hatte McWilliams keine wirklich großen Erfolge mehr, und aufgrund eines schlechten Vertrages hat er auch nie Tantiemen für "Pearly Spencer" gesehen - aber trotzdem hat er bis zu seinem Tode Anfang 2002 immer wieder Alben veröffentlicht. Dieses Exemplar hier, das so alt ist wie ich (ich habe ein Faible für Platten mit Baujahr 1978!), bietet hörenswerten Folk-Rock - zum Beispiel den Titelsong, aber auch andere Tracks wie "Lady Midnight" und "Farewell to Harlem".


"Schreiben Sie etwas darüber, Genzel!" Die mich hier anblökende Stimme gehört nicht etwa einer unnachgiebigen Chefredaktion, sondern alleine meinem Gewissen, das so streng ist, daß es mich sogar siezt. Dieses Gewissen meldet sich schon vor Start des Films - eigentlich immer, will es doch sicherstellen, daß hier neue Texte entstehen und die verschollenen Perlen der Filmgeschichte per Kommentar konserviert werden - und später natürlich umso lautstärker, als der Film dann läuft und zu jeder Sekunde verdeutlicht, daß mein Gemüt offenbar so schlicht ist, daß ich mir 77 niveaufreie Minuten lang nackte bis halbnackte Frauen am Strand anschauen kann und trotzdem nicht das Gefühl bekomme, ich sollte mir jetzt stattdessen eine Truffaut-Retrospektive ansehen. Und das, obwohl Handlung und Witz in diesem französisch-deutschen Film mit dem schönen Titel HOT DOGS AUF IBIZA noch sparsamer budgetiert wurden als die Kostümabteilung.

Die überraschend große Vorfreude auf das neue Staind-Album geht weiter (vgl. hier und hier): Auf GuitarWorld.com präsentiert die Band einen weiteren neuen Song mit dem Titel "Paper Wings".

Feiner Track und noch ein Zeichen dafür, daß die Band den Biß von früher wiedergefunden hat. Hier auch noch ein kurzes Interview mit Gitarrist Mike Mushok.

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Ein Knüller! Ein Knüller! Man kann es gar nicht anders beschreiben, was unser Favorit Bruno Mattei uns hier unter dem Titel EMANUELLE FUGA DALL'INFERNO auftischt - bei uns LAURA II - REVOLTE IM FRAUENZUCHTHAUS, obwohl der Film eigentlich keine Fortsetzung von LAURA - EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE ist, aber praktischerweise vom selben Team offenbar zeitgleich mit denselben Schauspielern (aber in anderen Rollen) gedreht wurde. In der IMDB wird der Film gar als siebter und letzter Teil der ohnehin nur durch Hauptdarstellerin Laura Gemser zusammenhängenden BLACK-EMANUELLE-Reihe gelistet, aber so begegnungsfreudig wie in den anderen Filmen ist die gute Laura hier auch nicht mehr: Sie sitzt im Gefängnis, weil ihre Nachforschungen gegen einen finsteren Bezirksanwalt bezüglich Drogenschieberei auf wenig Gegenliebe stieß.


Cold haben lange Pause gemacht - eigentlich hatte sich die Band nach dem schwerfälligen 2005er-Album A DIFFERENT KIND OF PAIN aufgelöst und Sänger Scooter Ward hatte ein neues Projekt namens The Killer and the Star gestartet. Ein paar Reunion-Konzerte 2009 haben jetzt doch in ein neues Cold-Album gemündet, und entgegen damaligen Verlautbarungen will die Band auch weiter touren & aufnehmen - wobei die beiden Gitarristen der ursprünglichen Besetzung, Kelly Hayes und Terry Balsamo, ja schon 2005 nicht mehr dabei waren und auch hier wieder durch neue Leute ersetzt werden.


Ich liebe Unterwasserfilme. Ich liebe Filme mit wabbrigen Gummialiens. Und ich liebe spannende, clever inszenierte kleine B-Filme. Sagen wir mal so: SIRENE I erfüllt zwei von drei Voraussetzungen.

Der Film, der bei uns auch U1 - TAUCHFAHRT DES TODES heißt und im Original entweder THE RIFT oder ENDLESS DESCENT genannt wird, war Teil der großen Welle (man beachte den subtilen Wortwitz!) an Unterwasserfilmen, die Ende der Achtziger über den Filmmarkt hereinbrach. Neben Camerons großem Vorbild THE ABYSS gab es 1989 Sean S. Cunninghams DEEP STAR SIX, LEVIATHAN von George P. Cosmatos und den Corman-produzierten LORDS OF THE DEEP. Ein Jahr später schwamm noch dieser schöne Film hinterher, eine spanisch-amerikanische Koproduktion, dirigiert von Juan Piquer Simón.


Kinder, heute schauen wir mal etwas ganz Originelles - einen Slasher aus den frühen Achtzigern. Oh ja! Es ist eine der beruhigenden Gewißheiten im Leben, daß es, egal wieviele Slasher man schon gesehen hat, immer noch Dutzende geben wird, die man noch nicht kennt. Dieser hier ist eine spanisch-puerto-ricanische Koproduktion aus dem Jahre 1982 und wurde von Juan Piquer Simón mit größtenteils englischsprachigen Schauspielern inszeniert - und auf dem Poster (große Kettensäge plus zusammengeflickte Frau) prangt der schöne Satz "It's exactly what you think it is!". Nun ja ... braucht ihr mich dann eigentlich noch, um was drüber zu sagen? Nicht? Dann erzähle ich trotzdem ein wenig davon.

Der Terror fängt hier schon in der Kindheit an: Wir sehen einen kleinen Jungen, der eifrig ein Puzzle zusammensetzt. Die Mutter kommt ins Zimmer und sieht das Motiv des Puzzles: ein nacktes Pin-Up-Girl. Erbost über derartige Frivolität scheuert sie dem Jungen eine, nimmt ihm das Puzzle weg und macht sich schäumend daran, das Zimmer nach etwaiger Pornographie zu durchsuchen. Wir wissen zwar nicht, wer dem Kind das schöne Puzzle geschenkt hat, können aber trotzdem ganz im Sinne des aufklärerischen Schulmädchenreports konstatieren: Diese Mutter handelt falsch.


The fact that singer Freddy Sahin-Scholl's album CARPE DIEM hit the stores exactly two days after he won Das Supertalent (Germany's version of Britain's Got Talent) -- show finale on Saturday, CD in stores on Monday -- is only surprising to those who neither know about the mechanisms behind TV programs (of course, a musician is much more commercially viable than a woman who crushes melons with her gigantic breasts and all the other odd "talents" presented in the show) nor are aware of the fact that CARPE DIEM is simply a major-label re-release of an album Freddy Sahin-Scholl recorded in 1999 under the name "Galileo" and which had already been reissued in 2003 (by Edel). The only difference to the previous versions is the substitution of the title track against a "Version 2010" re-recording, and the addition of the Zucchero-penned song "My Love."

Am Wochenende war wieder einmal Plattenbörse in Salzburg, und natürlich habe ich die Stände gesichtet und bin mit einem (diesmal etwas kleineren) Stoß Neuanschaffungen nach Hause gekommen. Viel Schönes und Spannendes dabei, und der coolste Fund gleich zu Beginn:

(Wie immer leitet ein Klick auf die Bilder euch zu Amazon, wo ihr die Alben kaufen könnt. Ein kleiner Betrag von allem, was ihr bei Amazon bestellt, fließt dann in diese Website. Vielen Dank für die Unterstützung!)


The Hot Spot - Original Motion Picture Soundtrack (1990). Es ist ein absoluter Traum, den knurrigen Bluesmann John Lee Hooker zusammen mit Miles Davis spielen zu hören. Dahinter die Slidegitarre von Roy Rogers und ein paar Blueslicks von Taj Mahal, plus eine lässig groovende Rhythmussektion. Ich liebe den dazugehörigen Film von Dennis Hopper, ein wundervoller moderner Film Noir in staubig-getragenem Tempo - mit einem Don Johnson, der nie besser war, und Jennifer Connolly und Virginia Madsen. Der Score besteht weniger aus Songs als aus improvisiert wirkenden Skizzen - komponiert von Jack Nitzsche, der die Musik zusammen mit Michael Hoenig produzierte - aber erstens war ja auch Miles' Score für FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT eher skizzenhaft gestrickt, und zweitens geht es hier nicht um Lieder, sondern um ein Feeling, um eine Stimmung. Ein Album für die Dauerrotation.


Ich geb's ja zu: Ich freue mich diebisch auf den dritten TRANSFORMERS-Kinofilm. Natürlich ist es ganz einfach, die Krawallfilmchen zu belächeln, und natürlich waren beide Vorgänger ungefähr eine Stunde zu lang, aber anstatt den dünnen intellektuellen Anspruch zu monieren, erfreue ich mich halt am kreativen Spaß der Reihe, der mit nimmermüder Energie gigantisches Spielzeug aufeinanderhetzt. (Hier meine Kurznotizen zu Teil 2.) Kurz vor Kinostart steht zur Einstimmung auch schon das Album mit den Songs im Laden, und wo es sonst mit kleinen Sternchen notiert steht, welche Tracks eigentlich gar nicht aus dem Film sind, wird hier großzügig auf dem Backcover ein genereller Hinweis ausgesprochen: "A number of tracks may not be contained in the film". Jaja, Kinder: Sucht mal!


Huch, was für ein garstiger kleiner Film. FRAUENGEFÄNGNIS ist die erste Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Schundproduzenten Erwin C. Dietrich und dem spanischen Erotomanen Jess Franco, und der Inhalt läßt sich nüchtern aus dem Titel deduzieren: Auf der einen Seite sind die Frauen, und zu der anderen Seite kommen wir später. Der 1975 veröffentlichte Streifen war nicht Francos erster Frauengefängnis-Streifen (das wäre DER HEISSE TOD von 1969), aber die Zusammenarbeit mit Dietrich scheint ihn inspiriert zu haben, noch ein paar ordentliche Schippen Schmutz nachzulegen: der Film ist Exploitation ohne Wenn und Aber.

Die Geschichte (diesen Begriff verwenden wir nur, weil sich kein adäquates Wort für die mäandernde Plotlosigkeit des Prozederes aufdrängt) von FRAUENGEFÄNGNIS spielt an eben jenem Ort, den der Titel erahnen läßt, und der befindet sich unter der eisernen Fuchtel einer sadistischen Wärterin, die sich ein Monokel ins Auge geklemmt hat und so grausam ist, daß sie stets ohne Hosen herumläuft. Gleich zu Beginn sehen wir, wie eine Gefangene in Einzelhaft erniedrigt wird: Die ist nackt mit einem Halsband an die Wand gekettet und versucht, an eine Schüssel mit Nudeln heranzukommen, während ein Wärter mit breitem Kopf ihr mit dem Stock auf die Finger klopft. Wahrscheinlich war die Rehabilitationsforschung 1975 noch nicht allzu ausgereift.


Three years have passed since Wir sind Helden's third album, 2007's SOUNDSO -- an extended hiatus the bandmembers used to start families, recharge their creative batteries, and take a break from their omnipresence in the media. When Wir sind Helden finally went back to the studio to record a follow-up, they slightly changed their approach so that they wouldn't be stuck with the same kind of predictability and routine that plagued SOUNDSO: they hired a new producer, Ian Davenport, and decided to record the songs live in the studio, using more varied instrumentation for texture -- banjo, accordion, percussion -- but aiming for a more acoustic overall sound than before. The resulting album, BRING MICH NACH HAUSE (Bring Me Home), proves that both the break and the more relaxed approach to the production were an excellent idea: while the group's rock & roll impulse is long gone, the record feels much more alive than its predecessor, and the songs don't suffer from the sort of pressure Wir sind Helden put themselves under before. Still, the record is very much a continuation of the band's sound: there may be fewer keyboards than before and the focus of the lyrics may have moved completely into personal territory, but the difference between BRING MICH NACH HAUSE and SOUNDSO is more noticeable in feel than in sound -- it's still the same band with its mainstream pop/rock style and singer Judith Holofernes' deliberately naïve voice.


Lena's second album, GOOD NEWS, was released not even a year after her first, and just as MY CASSETTE PLAYER was rushed into stores to capitalize on her victorious 2010 Song Contest performance, her sophomore effort was put together just as quickly to coincide with a TV event about the selection of the song she would perform at the 2011 Song Contest to defend her crown. Given the time pressure, the new album's most surprising characteristic is how relaxed it feels -- especially Lena herself, who sounds comfortable and assured, without any indication that she's trying to prove something. Her charm manages to carry an album of pop songs that are as fluffy as pop songs have any right to be: her down-to-earth persona and her unaffected singing -- a refreshing break from the showmanship of technically proficient, but personality-free voices that are so common in the charts -- make GOOD NEWS an enjoyable and likable listen.


The opening track of ZUM GLÜCK IN DIE ZUKUNFT, Marteria's second album (or his fourth, if you count the two Marsimoto excursions), is simultaneously a perfect introduction to the record and a somewhat misleading one: "Endboss" is a catchy song with an infectious electro beat, a rapped autobiography that cleverly compares Marteria's life (or anybody's, for that matter) to a video game where you complete levels of varying difficulty and use up your extra lives as you make mistakes. But while it's representative of the whole album in terms of production quality and sense of humor, it sets up unrealistic expectations, since none of the other tracks are as joyfully poppy or as instantly accessible.


15 Jahre ist es mittlerweile her, daß der erste SCREAM den Slasher wiederbelebte - auf eine clevere Weise, die keine der Produktionen im Fahrwasser wirklich nachahmen konnte. Gemerkt hat sich jeder, daß in SCREAM erstmals Figuren in einem Horrorfilm auch schon Horrorfilme gesehen haben und ergo darüber reden und diskutieren, welche Situationen aus einschlägigen Streifen bekannt sind - aber keiner der Nachzügler hat es geschafft, mit den von den Charakteren durchgekauten Klischées und Eckpfeilern des Genres so intelligent zu spielen wie Regisseur Wes Craven und sein Autor Kevin Williamson, und dabei gleichzeitig einen so nervenzerrenden, spannenden Film mit emotional glaubwürdigen Figuren abzuliefern. Der Kniff am Spiel mit den Konventionen war im Erstling, daß man einfach nicht mehr wußte, was passieren würde und wie, weil die angesprochenen Situationen gleichermaßen bedient wie gebrochen wurden - und gleichzeitig war alles real und ernst genug gehalten, um eben nicht zur Parodie zu werden.

Die Fortsetzungen - SCREAM 2 ein Jahr später, SCREAM 3 dann im Jahr 2000 - taten wohl das, was gemacht werden mußte für solche Weiterführungen: Sie waren mehr auf sich selbst und ihre Eigenschaft als Sequel bezogen, zwinkerten dem Zuseher also noch mehr zu mit Kommentaren zu kassenträchtigen Fortsetzungen und den dazugehörigen Regeln. Der Terror wurde stark zurückgenommen, dafür spielten die Filme lustvoll mit immer absurderen Film-im-Film-Ideen (z.B. eine Sequenz in Teil 3, wo der Mörder den Figuren Drehbuchseiten zufaxt) und zeichneten die Backstory der Hauptfigur dabei aber immer noch ernsthaft genug, daß deren Geschichte die Filme verankerte und nicht zur völligen Komödie werden ließ.

Thomas Nash, den wir kürzlich wegen seiner neuen Single "One Night Stand" interviewt haben (hier), präsentiert am 12. Juni 2011 in Wien beim "Two Moods"-Festival einen neuen Kurzfilm mit dem Titel DON RUDOLFO. Eine witzige Komödie über den vermutlich unverschämtesten Anmach-Versuch in der Geschichte der Doppel-Dates - Thomas spielt die Hauptrolle, hat das Drehbuch beigesteuert und auch der Song "One Night Stand" ist eingebaut. Regisseur ist Chris Dohr. Auf dem Soundtrack sind übrigens auch Kalliopi zu hören, die schon zu meinen Filmen SCHLAFLOS und DIE MUSE Musik beigesteuert haben.

Ein kurzer Beitrag des Magazins Wiener me.lounge über DON RUDOLFO:



Am 12.6.2011 um 18:30h im Wiener Topkino. Website des Kurzfilms: hier.

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Letztes Wochenende warteten zwei große Pakete auf mich, die randvoll mit Schallplatten und einigen CDs gepackt waren: Es war mal wieder Zeit, einige Billigfunde abzugreifen und dabei das eine oder andere Schmuckstück für die Sammlung zu sichern.

(Wie gehabt führt ein Klick auf die Albumcovers zu Amazon, und wenn ihr da was kauft, unterstützt ihr diesen Blog. Danke dafür!)

Das hier sind die Platten, die im Paket enthalten waren:


The Cars: Heartbeat City (1984). Seit ich auf der letzten Plattenbörse das unglaublich lässige Album PANORAMA von den Cars gekauft habe, bin ich schwer begeistert von den Jungs (die vor kurzem eine Reunion-CD veröffentlicht haben, die angeblich die alten Werke gelungen fortsetzt!) rund um Ric Ocasek. HEARTBEAT CITY war ein Mega-Seller und hat ihren Hit "Drive" sowie das minder bekannte "You Might Think". Aber nicht minder cool ist beispielsweise der harte Groove von "Stranger Eyes". Exzellentes Album!


The Cars: Door to Door (1987). Das sechste und letzte Album der Cars, bis zum erwähnten Reunion-Album 2011. Noch nicht gehört - es soll nicht mehr ganz so aufregend sein, aber "You Are the Girl" war noch ein (US-)Hit und klingt sofort eingängig.


Üblicherweise zeigt sich eine ordentliche Spur Patriotismus, wenn es deutsche Filmschaffende nach Hollywood schaffen. Wolfgang Petersen beispielsweise, der trotz jahrelanger US-Blockbuster immer noch unser Wolle bleibt. Auch Roland Emmerich, dessen Filme wir zwar gerne für ihre schlichten Handlungen belächeln, aber den wir trotzdem immer noch liebevoll den Spielberg aus Sindelfingen nennen - es sei ihm der Erfolg ja gegönnt. Meine Gute, selbst Jürgen Prochnow wird für seine internationale Karriere von uns immer noch gerne mal bewundert, auch wenn die größtenteils darin besteht, in finsteren B-Movies ebenso dreinzuschauen.

Umso bemerkenswerter die Reaktion auf Florian Henckel von Donnersmarcks Zug nach L.A., den er infolge der Oscar-Auszeichnung seines Erstlings DAS LEBEN DER ANDEREN antreten durfte: Für seinen zweiten Film, ein $100-Mio.-Starvehikel namens THE TOURIST, durfte Florian nichts außer einer Flutwelle an Häme einstecken. Man spürt förmlich den Wunsch der Leute, den Großkotz mit der festgeschraubten Goldstatue in der Hand wieder auf den Boden zurückzuholen - da sieht man durchaus, wieviel Wohlwollen der gute Mann flugs vernichtet hat mit seinen Geschichten über den Bildungsauftrag des Adels und seine Verwandschaft zu Goethe, und natürlich auch mit seiner Antwort auf Spielbergs augenzwinkernde Oscargratulation: "You'll never get over this", hat ihm der bärtige Starregisseur da schelmisch gesagt, und Florian erläutert nun, daß Spielberg wohl viel mehr Wert auf Preise lege als er selbst. Oh ja, der adlige Herr nimmt sich selbst sehr ernst und wichtig.


Die französische Band Space wurde 1977 gegründet und wird einem schönen Subgenre zugerechnet, das in den späten Siebzigern dank generellem Interesse an Science Fiction (Nachwirkungen der Mondlandung 1969!) und besonderer Begeisterung über George Lucas' Sternenepos für kurze Zeit aufblühen konnte: Space Disco. Tanzbarer Kosmos sozusagen - Weltraum, Roboter, Raumschiffe, fremde Planeten, das ganze Paket.

Space war das Kind von Didier Marouani, der unter dem Pseudonym "Ecama" für die Kompositionen der Band zuständig war. Zusammen mit Roland Romanelli und Yannick Top (ex-Magma) nahm er das Album MAGIC FLY auf, das auch gleich mit dem Titeltrack ihren größten Hit beinhaltete: "Magic Fly" landete in Deutschland auf Platz #1 und verbrachte 32 Wochen in den Charts; auch in anderen Ländern war die instrumentale Single sehr beliebt. Ein pulsierender Disco-Beat, flirrende und kosmische Synthflächen darüber, ein futuristischer Touch, und eine simple Keyboard-Ohrwurm-Melodie, die gleichzeitig naives Staunen und leicht verlorene Melancholie über alles legt - "Magic Fly" ist ein wundervoller Flug durchs All, der gerne in Endlosschleife laufen könnte. Auch in den anderen Stücken wird der Kosmos besichtigt: "Ballad for Space Lovers", "Tango in Space".


KARATE KID (2010). Im Vorfeld hat ja alles irgendwie immer nur skeptischer gemacht: Wer braucht ein Remake des wunderbar gelungenen KARATE KID von 1984? Warum wird der Protagonist vom Teenager zum mehrere Jahre jüngeren Kind umgeschrieben? Warum muß der immer etwas zu alberne Jackie Chan den liebgewonnenen Mr. Miyagi (bzw. hier: Mr. Han) spielen? Und was wird Regisseur Harald Zwart beisteuern, der davor DER ROSAROTE PANTHER 2 inszenierte? Man kann weiß Gott nicht behaupten, daß man wirklich gespannt auf das Ergebnis gewesen wäre.

Filmkritiker Roger Ebert hat unlängst eine Rede bei der TED-Konferenz gehalten - eine Organisation, die als Plattform für die Präsentation von Ideen eintritt. Vor einigen Jahren hatte Ebert diverse Operationen infolge einer Krebserkrankung, die ihm seinen Kiefer gekostet haben und somit die Fähigkeit, zu sprechen. Die Rede hält Ebert mit Hilfe einer Computerstimme, seiner Frau Chaz und zwei weiteren Kollegen:





Die meisten Details über Eberts Erkrankung und seine Suche nach einer computerisierten Stimme dürften regelmäßigen Lesern seiner Website bekannt sein. Und dennoch macht einem die Rede seine Situation erst richtig klar und eröffnet eine tatsächliche Perspektive, wie uns die Technologie und das Internet tatsächlich eine Stimme geben. Und wie Ebert mit seiner Lage umgeht und was er darüber sagt - das ist der Triumph des menschlichen Geistes. Sehr berührend auch, den Umgang zwischen ihm und seiner Frau zu sehen - vor allem gegen Schluß, wo sie kurz mit den Tränen kämpfen muß.

Eberts Stimme ist und bleibt hörbar in allen seinen Texten zu Filmen und der Welt drumherum, egal, wie sehr man mit einzelnen Urteilen nicht einverstanden sein mag - er bleibt ein einzigartiger, unverkennbarer Autor, der es immer wieder schafft, neue Perspektiven zu eröffnen.

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Korn bieten momentan ein neues mp3 zum Download auf ihrer Website an: Get Up. Der Track stammt von einer EP, die circa Mai erscheinen soll, und ist eine Zusammenarbeit mit Skrillex, dem Electronik-Project des ehemaligen From-First-to-Last-Frontmanns Sonny Moore.

Und was für ein Track! Die Gitarren donnern, die Synths flimmern und pulsieren aufgeregt, der Oszillator sägt durch alles durch, und nach einer schön melodiösen Bridge schreit Jonathan Davis im harten Refrain nur. Das dürfte eine wirklich spannende EP werden - und besonders freut mich, daß Korn nach ihrem (durchaus feinen) Rückzug in ihre Vergangenheit auf REMEMBER WHO YOU ARE wieder nach neuen Gegenden und Texturen suchen.

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Ich liebe die alte PLANET-DER-AFFEN-Filmreihe. Das Original ist ein veritabler Science-Fiction-Klassiker, aber auch die Fortsetzungen haben es geschafft, gesellschaftskritische Ideen neu und spannend zu verpacken. Ich mag sogar den fünften Teil, KAMPF UM DEN PLANET DER AFFEN, der eigentlich überflüssig ist, aber mit einer der schönsten Rechtfertigungen eines Bösewichts in der Filmgeschichte aufwarten kann (als er darauf hingewiesen wird, daß er mit seinen Aktionen einen langjährigen Frieden bricht, knurrt er nur: "Ja, der war ja auch so schrecklich langweilig").

Vermutlich, weil ich die Originale so sehr mag, habe ich mir Tim Burtons Remake von 2001 nie angesehen, und ich sperre mich eigentlich nicht großartig dagegen, aber es zieht mich auch wenig zu dem Film hin. Jetzt greift ein neuer Film den Stoff auf: RISE OF THE PLANET OF THE APES, eine Art Origin-Geschichte, die sich freilich mit dem schönen Zeitschleifen-Background von FLUCHT VOM PLANET DER AFFEN beißt (wo erläutert wird, daß die Affen auf unserem Planeten aus der Zukunft kommen, in der die Affen auf unserem Planeten leben) - aber trotzdem nach spannendem SciFi-Kino mit Genforschungsstory aussieht:



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Der Shot mit dem Affen, der den Schlafenden im Bett beobachtet, ist creepy. Und ebenso die letzte Einstellung mit der Großaufnahme des Affen mit dem so menschlichen Blick.

Neben James Franco und Andy Serkis spielen übrigens Brian Cox, John Lithgow und David Hewlett! Regie geführt hat ein Engländer namens Rupert Wyatt, den ich nicht kenne und der gerade einmal 5½ Jahre älter ist als ich ...

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"It’s a wonderful way to spend your life", hat Sidney Lumet auf die Frage geantwortet, warum er Filme mache. Dasselbe kann man wohl antworten auf die Frage, warum man sich seine Filme ansehen muß.

Heute ist Lumet im Alter von 86 Jahren an einer Lymphknotenerkankung gestorben. Er hinterläßt über 40 Filme, darunter schwergewichtige Klassiker wie DIE 12 GESCHWORENEN (1957) - eines der spannendsten Kammerspiele der Filmgeschichte - DOG DAY AFTERNOON (1975) - mit Al Pacino in dem wohl tragisch fehlgeplantesten Banküberfall überhaupt - und NETWORK (1976) - Lumets bekanntester Film und ein bissig-zynisches Porträt darüber, wie das Fernsehen kaltblütig den Nervenzusammenbruch eines Moderators in klingelnden Profit ummünzt. Das Erstaunlichste an NETWORK ist vielleicht, daß der Film sich nach 35 Jahren immer noch aktuell anfühlt.


Der brave Agent Jonathan Rhys Meyers geleitet die Naturgewalt John Travolta auf der Jagd nach Rauschgifthändlern und Terroristen durch Paris. So einfach ist das, und wenn Travolta mit Glatze und fiesem Bart durch den Film walzt, mit zynischen Sprüchen und gnadenloser Gewalt Menschenleben im Sekundentakt auspustet und der Film uns das Prozedere als Buddy Movie präsentiert, dann kann man wohl kaum anders, als von einer "guilty pleasure" zu sprechen. Natürlich ist FROM PARIS WITH LOVE brutal, kalt, proletenhaft und in seiner Gewalt so reaktionär wie seinerzeit die gröbsten Krawallfilme von Chuck Norris und Konsorten - die bösen Jungs, allesamt Ausländerpack und zur Sicherheit der Welt lieber gleich erschossen als sichergestellt, erhalten hier noch nicht einmal die Güte, irgendwie als Figuren vorgestellt zu werden, bevor sie dem Aufräumkommando Travolta als Kanonenfutter dienen dürfen. Aber meine Güte, Film ist keine Realität, und ein Actionspektakel wie FROM PARIS WITH LOVE gibt nicht mal vor, eine solche überhaupt abzubilden - wozu also moralische Anfälle kriegen? Dafür produziert der Trip zuviel Adrenalin, dafür macht Travolta, der sich ja schon immer in den fiesen und widerlichen Rollen am wohligsten ausbreitete, in seiner lässigen Brutaloshow einfach zu viel Spaß. Und hey, er darf sogar einen "Royale with cheese" verzehren und dabei lächeln.

Der momentane Guns n'Roses-Gitarrist D.J. Ashba hat sich schon letzten November über ein neues Album geäußert: "We're talking about that right now. We've been throwing around a bunch of ideas and it should be good, man. We've got a lot of good stuff on the plate coming out. It won't take as long, I promise." (Quelle: hier.) Keinen Streß, Jungs! Selbst wenn das Album 2023 herauskommt, wäre das immer noch schneller als beim letzten.

Bootsy Collins veröffentlicht am 29. April ein neues Album mit dem Titel THA FUNK CAPITAL OF THE WORLD. Gäste auf dem Album: Ice Cube, Snoop Dogg, Chuck D, George Clinton, Buckethead, Bobby Womack, Sheila E., Samuel L. Jackson (!), und und und, und irgendwie hat's selbst Jimi Hendrix geschafft, als Gast gefeatured zu werden. Einen ersten Track ("Don't Take My Funk", mit Womack und Bootsys Bruder Catfish Collins) kann man bei Rolling Stone streamen: hier. Klingt gut!

Am 12. April kommt das fünfte Album von 3 Doors Down heraus: TIME OF MY LIFE. Die erste Single ("When You're Young") kann man schon hier hören. "It's not as mainstream as our last record. I felt like we kind of let some folks down with that effort. This record is about making some artistic strides and creating a record we can stand behind. I poured myself into the process. Howard Benson pushes you to be better than you think you are," spricht Frontmann Brad Arnold laut Wikipedia über das Album. Geht das nur mir so, oder klingen 3 Doors Down, wenn sie weniger Mainstream machen, exakt genauso wie sonst auch? Aber vielleicht ist ja der Rest des (sicher wieder soliden) Albums unter der Führung des Zwölftonproduzenten Benson (der schon die musikalische Avantgarde von Daughtry bis Papa Roach betreute) schwer unkommerziell. Hihi.

Kaum legt sich die Verblüffung, daß Sunna wieder existieren und ein (sehr feines) zweites Album aufgenommen haben, wird schon ein drittes für die nahe Zukunft angekündigt: AFTER THE 3RD PIN heißt es, und die Jungs haben sogar schon Cover und Tracklist bekanntgegeben (hier) ... nur her damit!

Das dritte Album von She Wants Revenge, VALLEYHEART, ist für ca. Mai angekündigt. Die erste Single mit Video gibt's schon auf YouTube zu sehen (siehe unten) - Justin klingt irgendwie plötzlich sehr nach U2, muß ich sagen. Kein schlechter Song, aber irgendwie ... hmm ... muß ich erstmal sortieren, daß das gar nicht nach den vorigen zwei Alben klingt.





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Yesss! Die vor kurzem in Amerika veröffentlichte 3-Disc-BluRay-Fassung von APOCALYPSE NOW erscheint am 9. Juni nun endlich auch bei uns. In den Staaten war Coppolas brillianter Trip ja schon seit langem viel luxuriöser aufbereitet als bei uns - dort gab es beide Fassungen (die Kinofassung und die sehr interessante Redux-Fassung, die aber den Erzählrhythmus teils empfindlich stört) mitsamt Audiokommentaren und anderem Behind-the-Scenes-Material; bei uns war die Originalfassung schon lang vergriffen und die Redux-Fassung hatte als einziges Feature das sogenannte "alternative Ende". Die BluRay-Fassung wartet nun nicht nur mit exzellentem Transfer und tonnenweise Bonusmaterial auf, sondern auch mit George Hickenloopers spielfilmlanger Doku HEARTS OF DARKNESS - will heißen: Wer bei der Ankündigung dieser BluRay-Box nicht aufgeregt aus dem Sessel springt, mag einfach kein Kino. So einfach ist das.

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Am 18. März erscheint John Boormans EXCALIBUR auf BluRay - und diese wunderbare Erzählung der Arthus-Sage ist so bildgewaltig und schwelgerisch inszeniert, daß ich glaube, daß die BluRay den Film zu einem völlig neuen Erlebnis machen wird. Leider ist's wieder nur der 140-Minuten-Cut des Films (angeblich war Boormans ursprüngliche und nie veröffentlichte Fassung drei Stunden lang), aber vielleicht haben wir ja Glück und es wird wenigstens sein Audiokommentar der amerikanischen DVD-Fassung übernommen. Und wenn nicht, wird die BluRay trotzdem gekauft: Definitiv einer meiner Lieblingsfilme.

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Es gibt so Filme, von denen glaubt man irgendwann gar nicht mehr, daß sie noch auf DVD erscheinen - und auch wenn DVD eigentlich schon gar nicht mehr zeitgemäß ist und ein BluRay-Release dieses Film noch fantastischer wäre, ist es doch wunderbar, daß endlich EIN ZUG FÜR ZWEI HALUNKEN bei uns erhältlich ist. Robert Aldrichs exzellentes Actiondrama von 1973 spielt zur Zeit der Depression und dreht sich um den sadistischen Zugführer Shack (Ernest Borgnine), der die schwarz auf seinem Zug mitfahrenden Hobos bis aufs Blut bekämpft und dann vom herumziehenden Lee Marvin herausgefordert wird. Das Zeitkolorit und die wunderbare Landschaft setzen ein grandioses Flair, und Marvins und Borgnines Kampf über die gesamte Filmlänge hinweg bleibt ein spannendes und erbittertes Westernduell. Der deutsche Titel deutet ein wenig an, daß der Film vielleicht albern wäre - aber die Bud-Spencer-Assoziation ist ganz falsch: Das hier ist ein uramerikanischer Kampf bis aufs Blut. (Im Original heißt der Film EMPEROR OF THE NORTH bzw. EMPEROR OF THE NORTH POLE.) Die DVD von Kochmedia wartet unglaublicherweise sogar mit dem Audiokommentar eines Filmhistorikers, einem 7-minütigen Making-of-Clip sowie einem 28-seitigen Booklet auf! Und wunderbar restauriert ist der Film offenbar auch. Also: sofort bestellen und die liebevolle Veröffentlichung honorieren!

Hier gleich noch ein paar Poster und Bilder aus dem Film:







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Zum Glück muß unsereins nicht schon um acht ins Bett, weshalb dieser Film gestern als zweiter Teil der großen Peter-Alexander-Nacht auf BR3 aufmerksam studiert werden konnte (nach DIE ABENTEUER DES GRAFEN BOBBY, vor IM WEISSEN RÖSSL). UND SOWAS MUSS UM 8 INS BETT kam 1965 ins Kino, präsentierte sich in altmodischem (und wohl billigerem) Schwarz-Weiß und führt den guten Peter durch ein Schulspektakel, das als Aufwärmrunde für die spätere Reihe DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK verstanden werden darf. Alles unter inszenatorischer Aufsicht von Werner Jacobs, der zuvor schon diverse Alexander-Filme und andere Schlagerlustspiele, zum Beispiel mit Freddy Quinn, drehte und später das Kinopublikum mit Heintje, "Lausbubengeschichten", Heinz-Erhardt-Streifen und natürlich den erwähnten Paukerfilmen ... was wäre hier das richtige Wort? ah ja: ... verzauberte.


Einmal mehr kann ich meinen Lebenslauf um einen großen Verdienst erweitern: Vor kurzem habe ich die Bruderschaft der Träumer zerschlagen und somit den Drogenhandel auf Lamarge unterbunden.

SPIRIT OF ADVENTURE erschien 1991 und erhielt damals hauptsächlich deswegen Aufmerksamkeit, weil es eines der wenigen Rollenspiele war, das von einer deutschen Firma programmiert wurde - Attic, die zuvor die Horror-Adventure/RPG-Mischung LORDS OF DOOM gemacht hatten und später mit diversen Spielen rund um DAS SCHWARZE AUGE auftraten. SPIRIT OF ADVENTURE war in Look und Spielprinzip eindeutig (wie viele der damaligen Rollenspiele) vom großen Referenzprogramm THE BARD'S TALE beeinflußt - und natürlich so mörderschwer, daß ich damals nur kapitulieren konnte.

Ein kurzes Interview mit Betty's Apartment, Mitte letzten Jahres von "We Are Salzburg" gefilmt. Betty's Apartment, die übrigens schöne Musik über mein Label Ghost Light veröffentlicht haben, werden in sozusagen absehbarer Bälde mit einem neuen Album die Phlogistonen zum Erschallen bringen!




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Shatner bastelt an einem neuen Album: alle Infos und Spekulationen sind hier zu lesen.

Bootsy Collins?!? Zakk Wylde?!? Peter Frampton?!? Brian May?!? "Bohemian Rhapsody", die Byrds, "Iron Man"?!? Es liest sich wie ein total überzogener Scherz, der da durchs Netz geistert, und gerade weil die Nachricht so unglaublich ist und Shatner genug Witz für so eine Verrücktheit hat, hoffe ich, daß es wahr ist und wir bald mehr Musik von dem selbstironischsten Altstar hören werden. Mann, kratzt mich die Nachricht auf!

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Schon wieder ist einer der Großen gestorben. Am Sonntag starb Komponist John Barry im Alter von 77 Jahren an einem Herzanfall.

Barry hat die Musik für 11 der James-Bond-Filme geschrieben - das Bond-Thema selbst stammt zwar von Monty Norman, wurde aber von Barry arrangiert (und lieferte gerne Streitbasis, weil Barry mitunter auch ein Teil der Komposition zugeschrieben wird). Seine Bond-Scores sind quasi eine Liste der ganzen klassischen Bond-Filme: GOLDFINGER, FROM RUSSIA WITH LOVE, THUNDERBALL, YOU ONLY LIVE TWICE, und so weiter. Das Bemerkenswerte daran ist, wie eigenständig dabei jeder dieser Soundtracks geworden ist: Barry hat für jeden Film eigene herausragende Themen und Stimmungen produziert, so daß jede seiner Musiken auch eindeutig einem der Filme zugeordnet werden kann - bei welcher anderen Filmreihe haben die einzelnen Scores jeweils so viel individuellen Charakter?


John Carpenters jüngster Spielfilm THE WARD nähert sich der Kinoleinwand. Es ist Carpenters erster Film seit dem SF-Horror GHOSTS OF MARS von 2001 (den bekanntlich keiner mochte ... außer mir) und den beiden TV-Episoden von MASTERS OF HORROR von 2005/06. Bislang ist der Film nur auf Festivals gelaufen, die IMDB listet jetzt einen Starttermin für England: 21. Jänner 2011. Bleibt zu hoffen, daß er auch die deutschen Kinos erreicht!

Das Poster ist schwer belanglos (vielleicht folgt diesem flott zusammengestoppelten Exemplar ja noch ein spannenderes), aber dafür gibt's jetzt auch einen recht schicken Trailer zu sehen:



Hier geht's zur offiziellen Seite des Films - wo es einige Behind-the-Scenes-Clips zu sehen gibt (und die mit einem sehr schönen Nebeneffekt aufwarten kann).

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Bruno Mattei war das, was man wohl am treffendsten mit dem Begriff "Stümper" umschreibt. Der frühere Cutter hat als Regisseur und Autor mit Schwung so ziemlich alles gedreht, was gerade gefragt war und sich leicht von weitaus hochwertigeren Vorbildern abkupfern ließ: Ob Zombiefilm oder Frauengefängnisdrama, ob Actionreißer oder Mondoschocker, der gute Bruno ließ wenig anbrennen und lieferte meist mit kleinsten Budgets wundersame Heuler ab - holprig inszeniert und zusammengestöpselt, gerne mal aus amerikanischen Vorbildern komplette Dialoge und Handlungsstränge zusammengeklaut, oder dann auch mal schmissig mit Archivmaterial aus ganz anderen Filmen ausstaffiert. In seinen letzten Jahren wurde Mattei zusammen mit Produzent Gianni Paolucci plötzlich nochmal sehr aktiv: Rund um die Welt drehte er mit Winzbudgets und Digitalkamera noch eine Reihe von billiger Genreware, die quasi das italienische Exploitationkino nochmal Revue passieren ließen: Zombies, Folter, Sex, Kannibalen und Frauengefängnisse. Was für ein Vermächtnis.

ISLAND OF THE LIVING DEAD ist Matteis vorletzter Film, und es ist freilich eher ungeschickt gemacht, daß auf dem Cover ein modriger Zombie die Zähne fletscht und darunter "Regisseur Bruno Mattei" steht, als wär's ein Promifoto aus der Bunten. In dem auf den Phillippinen gedrehten Untotenspektakel strandet eine Bootsbesatzung auf einer ominösen Insel, wo vor 400 Jahren unter spanischen Soldaten die Zombieseuche um sich griff. Die Crew rettet sich vor den wiederauferstandenen Conquistadoren in eine Festungsruine, wo aber ebenso mysteriöse Dinge vor sich gehen ...


Nun war Bruno ja schon seit jeher noch mehr um eigene Ideen verlegen als seine Filmkollegen - Matteis CONTAMINATOR beispielsweise weckt nicht nur vage Erinnerungen an Camerons ALIENS - und so überrascht es auch auf der ISLAND OF THE LIVING DEAD kaum, daß diverse Szenen und Abläufe fast 1:1 aus dem Film GHOST SHIP abgeschrieben wurden. Gleich zu Beginn die Sequenz, als die Bergungscrew mit ihrem Schiff plötzlich auf die Insel stößt, ist exakt so gelöst wie der Moment, wo in GHOST SHIP das Geisterschiff gefunden wird. Später sehen wir beispielsweise die Sequenz wieder, wo der Kapitän in einem stillen Kämmerlein ein Gläschen Hochprozentigen mit einem Geist hebt (in GHOST SHIP war es der Kapitän des Geisterschiffes, hier ist es der frühere Anführer der Conquistadoren), und ebenso die Szene, wo das schwarze Crewmitglied von einem erscheinenden Geist musikalisch verführt und dann umgebracht wird (weil es in der Festung keine Fahrstuhlschächte gibt wie auf dem Geisterschiff, wird hier preiswerterweise einfach nur das Messer gezückt). Obwohl es hier eigentlich um Zombies geht und nicht um Geister, wird der Unterschied einfach mal nicht so genau genommen, und somit spukt es eben einfach noch ein bißchen im Zombiefort. Wenn man nicht jede Geisterszene schon mal gesehen hätte, wäre es eine fast reizvolle Idee.

Aber zum Glück klaut Mattei nicht nur bei GHOST SHIP. An einer Stelle packt ein Zombie eine Frau und zerrt sie in Richtung Türrahmen, wo sich ihr Auge dann einem großen Holzsplitter nähert. Aber vielleicht ist es nur Zufall, daß die Sequenz so sehr an Lucio Fulcis ZOMBIE erinnert - wo doch nur in letzterem Film Auge und Splitter sich tatsächlich begegnen! Noch früh im Film läßt Mattei auch zwei Leute über den Conquistadoren-Friedhof wandern, und während sich die Frau gruselt, ruft der Mann: "They're coming to get you!" - woraufhin auch brav der erste Zombie auftaucht. (Wenn man wohlwollend ist, kann man den Romero-Moment natürlich auch als intertextuelle Referenz verstehen.) Und an einer Stelle übernimmt Mattei sogar eine Szene aus seinem eigenen Zombiefilm HELL OF THE LIVING DEAD (wo auch schon ein forscher Mensch den Zombies gefährlich nahegekommen ist und sie mit hingehaltenem Arm ärgern will). Von sich selbst zu klauen nennt man "Stil", heißt es ja, und wenn Brunos Stil das hemmungslose Abfrühstücken filmischer Vorbilder beinhaltet, dann kann man getrost sagen, daß er sich hier völlig treu bleibt.


Aber unterhalten wir uns doch mal ein wenig über die agierenden Charaktere. Sagen wir es mal freundlich: Die nette Truppe hätte frühmorgens wohl schon ihre Schwierigkeiten damit, eine Packung Frühstücksflocken zu öffnen und die Milch dann nicht direkt in die Schachtel zu gießen. Die geistige Herausforderung beginnt schon gleich beim ersten Zombieangriff, wo ein einzelner Untoter angewankt kommt, während zwei Personen hilflos herumstehen und ein Dritter versucht, der modernden Gestalt mit ein paar Karatetritten beizukommen. "Wir müssen ihm helfen", beschließt die Frau, und dann rennen sie weg und lassen ihre Kumpel alleine mit dem Zombie, anstatt den irgendwie zu dritt anzugreifen. Irgendwo im Wald hören sie dann einen Schrei, bleiben stehen und diskutieren: "Wir müssen zurück und ihm helfen!", sagt die Frau; "Nein, er hat sein Leben für uns gegeben und wir müssen die Chance nutzen", spricht der Bursche, und während ihrer Ausdiskussion kommen im Hintergrund schon diverse Zombies angestolpert. Nur wenig später wird der Junge, der alleine auf dem Schiff versucht, die Maschinen zu reparieren, von Zombies angegriffen, und drückt einfach sicherheitshalber auf einen roten Knopf, woraufhin sich das Schiff in riesiger Explosion verabschiedet. Ich sag's ja immer: Auf solchen Knöpfen sollte zumindest die Aufschrift "Vorsicht" gut lesbar angebracht sein.

Nachdem sich die Besatzung vor den Untoten in die Festung in vermeintliche Sicherheit gebracht hat, verbringen die einzelnen Leute sehr viel Zeit damit, alleine durch die Gänge zu schleichen und sich stets aufs Neue überrascht zu zeigen, wenn sich irgendwo wankende Gestalten verstecken. Der Schwarze aus der Truppe, der gerade eine Art Zombiegeistererscheinung beobachten konnte, berichtet seinen Kollegen davon, die auch prompt an seinem Geisteszustand zweifeln: Übernatürliche Geschehnisse? Hier? Auf dieser kleinen Zombieinsel?? Unterdessen findet einer der Burschen unten im Keller diverse große Weinfässer und beginnt sofort, sich mit dem guten Tropfen vollaufen zu lassen (günstige Gelegenheit übrigens, die Madenszene aus GHOST SHIP aufzuwärmen). Irgendwann findet die Truppe einen wertvollen Déjà-Vu-Goldschatz und faßt den Plan, ein Floß zu bauen, um die Insel zu verlassen. Diverse aus einem bereits erwähnten Film entliehene Komplikationen sorgen aber dafür, daß der Kapitän ausflippt und dann eingesperrt wird. War das jetzt bevor oder nachdem eine der Figuren verkündet hat, er muß mal raus und ein wenig frische Luft schnappen? Ach, das ist ja alles so komplex.


Im einleitenden Absatz versteckten sich ja bereits zwei Wörter, die auf die technische Qualität des Films schließen lassen: "billig" und "Digitalkamera". In der Tat bietet ISLAND OF THE LIVING DEAD einen wunderbar studentischen Videokamera-Look, der freilich durch die preiswerten Sets (wir verwenden das Wort im großzügigsten Sinne) und die nicht minder weltspartagsinspirierte Ausstattung eine adäquate Entsprechung findet. Dabei ist Kameramann Luigi Ciccarese noch der unbestrittene Held des Tages: Immerhin schafft er es, die Bilder stimmungsvoll auszuleuchten. Richtig anstrengen tun sich allerdings auch die Darsteller, die viel grimassieren und gestikulieren und dabei wirklich nur ein ganz klein bißchen zurückgeblieben wirken. Hauptdarstellerin Yvette Yzon füllt ihren Lebenslauf übrigens neben einer kleinen Handvoll phillippinischer Produktionen hauptsächlich mit dem Spätwerk von Bruno Mattei aus, was man wahrlich nur als tapfer bezeichnen kann.

Wer übrigens noch nicht mitbekommen hat, daß ISLAND OF THE LIVING DEAD ein wunderbares, tränenreiches Vergnügen ist, dem ist wahrlich nicht zu helfen. Rest in Peace, Bruno. Wir vermissen dich.







Island of the Living Dead (Italien 2006)
Originaltitel: L'isola dei morti viventi
Regie: "Vincent Dawn" (= Bruno Mattei)
Buch: Antonio Tentori
Kamera: Luigi Ciccarese
Darsteller: Yvette Yzon, Alvin Anson, "Ronald Russo" (= Gaetano Russo), Ydalia Suarez, James L. Gaines Sr., Miguel Franco, Thomas Wallwort
Länge: 94 Minuten
FSK: 16


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