November 2010

Leslie Nielsen ist im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Ich schlage vor, heute abend entweder DIE NACKTE KANONE oder DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN FLUGZEUG anzusehen und dabei ein Gläschen auf Leslie zu trinken. Kaum ein anderer hat uns so oft dazu gebracht, unkontrolliert Tränen zu lachen.
Dabei war er eigentlich jahrzehntelang als ernsthafter Schauspieler unterwegs: Als Kommandant in ALARM IM WELTALL, als Kapitän in DIE HÖLLENFAHRT DER POSEIDON, in zig amerikanischen Fernsehserien. Und fairerweise muß man sagen, daß es genau die Tatsache war, daß er nicht wahnsinnig gut war in diesen ernsthaften Rollen, die den Grundstein für seine späte Karriere als Komiker gelegt hat: Das ZAZ-Team erklärt auf dem Audiokommentar zu DIE UNGLAUBLICHE REISE etc., daß sie Nielsen (und auch Peter Graves) genau deswegen besetzt haben, weil er stocksteif und mit größtem Ernst den letzten Unsinn von sich geben kann. So war es denn auch immer erheiternd, ihn in alten Filmen zu erspähen: Fast reflexartig muß man schmunzeln, weil exakt dieses Spiel später in den Komödien so brillant eingesetzt wurde - keine Miene verziehen, ein bedeutungsvoller Blick, den Körper schnurgerade und ernst den Text vortragen, ob es nun B-Movie-Blödsinn oder dramatisches Gold ist. All das bedeutet natürlich keinesfalls, daß wir Leslie nicht immer gerne gesehen haben.


Aber seine Hinterlassenschaft ist seine zweite Karriere, wo die Welt rund um Leslie im Chaos versank, Filmkonventionen bloßgestellt und Kalauer gerissen wurden, und wo die zentrale Figur dabei nicht merkte, daß sie selbst das ganze Unheil anrichtete, und dabei auch nicht den Hauch einer Ahnung hatte, daß irgendetwas davon komisch sein könnte. Die Brillanz von DIE UNGLAUBLICHE REISE und der NACKTE-KANONE-Trilogie (inklusive der vorangegangenen, damals noch gefloppten Fernsehserie POLICE SQUAD!) erreichte keiner der späteren Filme, die sich gerne an diese Erfolge anhängten und nie die Klasse dieser Streifen erreichten - das schaffte nicht einmal KANONE-Regisseur David Zucker selber mit seinen späteren Filmen SCARY MOVIE 3 & 4. Aber Leslie selbst war immer wunderbar anzusehen, wie er den letzten Unfug spricht und sich wahrlich für nichts zu blöd ist - ob nun im größtenteils müden AGENT 00, im bemühten MR. MAGOO, oder im durchaus amüsanten SEHR VERDÄCHTIG, wo eine Dame ihn darauf hinweist, daß er gerade zum Hinterteil ihres langhaarigen Hundes spricht, und er mit patentiertem Nielsen-Nullausdruck erwidert: "Dann wird er das Leckerchen wohl gar nicht mögen, das ich ihm grad gegeben habe."
Wenn man genau hinsieht, merkt man, wie exakt sein Timing dabei immer ist - da sitzt jeder Witz mit Präzision. Es ist also kein absoluter Zufall, daß er so komisch wirkt, und auch kein Vergnügen am Unvermögen: Der Effekt mag etwas mit einer gewissen Hölzernheit beim Spiel zu tun haben, aber den Einsatz des Effektes hatte Leslie souverän in der Hand. Und wenn man liest, daß er vor ein paar Jahren auf der Bühne mit dem dramatischen Einpersonenstück CLARENCE DARROW viel Lob und Applaus erntete, kann man durchaus ahnen, daß er mehr konnte, als man größtenteils gesehen hat. Vielleicht ist Nielsen da am ehesten mit Shatner zu vergleichen, dessen frühe dramatische Rollen auch gerne mal steif wirkten, und der jetzt in seinen späteren Jahren mit Selbstironie punktet und dann doch schauspielerisch noch Erstaunliches zeigt.
Egal. Wir ziehen den Hut vor Leslie und lachen immer wieder gerne mit ihm und seinen wunderbaren Figuren.
Ich darf noch auf den schönen Nachruf von Craig Mazin verweisen, der an drei von Leslies späten Projekten gearbeitet hat - als Co-Autor von SCARY MOVIE 3 & 4 und als Autor & Regisseur von SUPERHERO MOVIE. Craig schreibt:
He was a gentleman, a man’s man from an era that’s sadly bygone. Even in his old age, he was tall, broad and strong. He treated everyone with kindness. It didn’t matter that I was the new guy. It didn’t matter that I was the four thousandth director that had come and gone for him. It didn’t matter that he had achieved more in his career than I could ever hope to in ten lifetimes.
It didn’t matter that I asked him to do and say things no octagenarian should do or say.
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Vor wenigen Tagen ist auf der Website "Unfilmable" ein neues Interview mit Richard Stanley online gegangen: hier lesen.

Die Stanley-News in Kurzfassung: Er hat gerade in den Pyrenäen mit Catriona MacColl (aus den Fulci-Klassikern L'ALDILA, DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER und EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL!) einen Kurzfilm namens THE MOTHER OF TOADS gedreht. Der Film wird ein Teil des Episodenfilms THE THEATRE BIZARRE, für den auch Buddy Giovinazzo (Regisseur von COMBAT SHOCK), Tom Savini, Karim Hussain (Regisseur von SUBCONSCIOUS CRUELTY, der uns in der Doku IN THE BELLY OF THE BEAST begegnet ist), und die mir unbekannten Regisseure Douglas Buck und David Gregory Segmente inszenieren.

THE VIY, die Adaption des Romans von Nikolai Gogol, scheint nicht zustandezukommen ("I suspect that my take on the vampire myth, that it has its basis in an ancient blood libel dating back to a genocidal medieval conflict between Christianity and Islam, was perhaps a little too close to the bone for the backers"), aber dafür schreibt er ein Drehbuch für Regisseur Nacho Cerda (der mit seinem Film AFTERMATH ebenso in der obengenannten Doku vertreten war).

Für Vincenzo Natali (CUBE) adaptiert Stanley gerade den Roman HIGH RISE von J.G. Ballard.

VACATION, Stanleys neuer Spielfilm, der immer wieder verschoben wird, soll im Februar 2011 gedreht werden. ("With luck and the grace of God, Inshallah, I hope to be back behind the camera as a fully fledged writer-director hyphenate before too very long.")

Und Werbung für seine Esoterikforschungen "Terra Umbra" macht Stanley auch in gewohnter Manier:
In the summer of 2007 an event took place that shattered my former view of the world and my position in it, propelling me into a series of adventures so bizarre and unlikely that I realized I would never be able to place the facts before the public without first presenting the necessary evidence to support and contextualize my claims. The ongoing project known as 'Terra Umbra – Empire of Shadows' is an attempt to collate and organize the vast and unruly body of data gathered in over two decades of research into the ongoing events in the area we know as the 'Zone' and the physical reality of the so-called 'otherworld'.
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Heute sehe ich auf einem dieser schönen Schnellnews-Bildschirme, die sich an öffentlichen Plätzen gerne finden, eine bemerkenswerte Schlagzeile:

David Hasselhoff platzte auf der Autobahn nach Salzburg ein Reifen.

Ja, das ist auch schon das Ende der Nachricht. Hasselhoff ist nämlich gerade in Österreich, um Vorbereitungen für Konzerte im nächsten Februar zu treffen. Und da hatte er auf der Autobahn halt eine Reifenpanne. (Wie Die Presse berichtet bzw. von Ö3 wiedergibt, ist er nicht selber gefahren.)

Schwer zu sagen, was witziger ist - die Tatsache, daß da der Mann, den wir alle als den coolen Fahrer des Superautos aus den 80'ern kennen, hier bei uns eine Reifenpanne hat, oder die Tatsache, daß das tatsächlich für eine Newsmeldung ausreicht.

Natürlich habe ich die Nachricht sogleich an meinen Bekanntenkreis weitergeleitet, wobei ich euch die schönsten Rückmeldungen nicht vorenthalten möchte:
Fuck!
-- Peter L., für den offenbar ein Jugendidol demontiert wurde.

Ups.
-- Mama Genzel, die die Lage nüchtern auf den Punkt bringt.

:-D!
-- Thomas N., dem man nur zustimmen kann.

Da hat er es mit dem Turboboost wohl ein wenig übertrieben.
-- Kollege Schwarz, immer noch in den Achtzigern zuhause.

Tja, da sieht man mal, welch großen Stellenwert The Hoff in Ö hat! Beim Landeshauptmann hätten's das net erwähnt.
-- Der ehrenwerte Ef, der die österreichischen Medien absolut durchschaut hat.
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"Help me! There's an egg in here!!"

Ahh, italienisches Genreschaffen: Stets am Puls der Zeit, sozusagen. Nachdem Ridley Scotts ALIEN 1979 die Kinos stürmte, rumpelte im mediterranen Klima sofort die kreative Maschinerie, die sich an den SF-Erfolg anhängen wollte. So wurde Luigi Cozzis Horrorstreifen rund um grüne explodierende Alieneier nicht nur unter dem ursprünglichen Titel CONTAMINATION, sondern auch als ALIEN ARRIVA SULLA TERRA oder als ALIEN CONTAMINATION ausgewertet - freilich nichts davon so klangvoll wie der deutsche Titel: ASTARON - BRUT DES SCHRECKENS. Grusel.

Fairerweise darf zugegeben werden, daß der Film jenseits von außerirdischen Eiern und aufplatzenden Menschen nichts von Scotts Film entlehnt. Die Geschichte beginnt im New Yorker Hafen, wo ein Geisterschiff einläuft (die sind das ja gewöhnt, wo doch nur ein Jahr zuvor Lucio Fulcis ZOMBIE schon dort ein Geisterschiff einlaufen ließ). An Bord befinden sich ein paar Leichen, die aussehen, als seien sie von innen explodiert, und diverse Paletten mit Kisten eines Kaffeefabrikanten. In den Kisten allerdings liegen grüne Eier, die ein bißchen wie Avocados aussehen, wenn sie nicht gerade von innen leuchten und mit merkwürdigem Geräusch pulsieren. "Plopp", sagt auch schon das erste Ei, als es ein Mitglied des Quarantäne-Teams hochhebt, und spritzt giftigen Schleim auf alle herumstehenden Personen, deren Körper sofort geräuschvoll und hochblutig von innen heraus explodieren. Na wäh.

Nur ein Polizist überlebt, und der wird sogleich in ein flott eingerichtetes Geheimlabor verfrachtet, wo ein weiblicher Colonel (wie gendert man da? Colonelin? Coloneliese? Colonella?) namens Stella Holmes die Untersuchungen leitet. Ein Wissenschaftler entnimmt zu Demonstrationszwecken einem Ei ein wenig Flüssigkeit und spritzt diese in eine Laborratte, die nur wenige Sekunden später ebenso "plopp" sagt. Das Spezialteam steht dazu ein wenig herum wie bestellt und nicht abgeholt, bis dann der nette Polizist zusammen mit der Colonelulu auf den zündenden Gedanken kommt, sich einmal das Warenhaus anzusehen, wo die Schiffsladung hingeliefert hätte werden sollen. Da liegen nicht nur viele weitere Eier herum, es tummeln sich dort auch drei finstere Gesellen, die erst ein wenig auf die Polizei schießen und dann Selbstmord begehen (indem sie auf die herumliegenden Eier schießen, deren Schleim dann auf sie spritzt). Frau Holmes ordnet mit besorgtem Gesicht an, sämtliche Eier mit dem Flammenwerfer abzufackeln.

Plötzlich hat die Coloneleuse einen weiteren Einfall. Sie erinnert sich nämlich nun daran, wie einer der beiden Astronauten der letzten Marsmission etwas von Eiern gefaselt hat (woraufhin sie sich dafür eingesetzt hat, den Mann wegen Unzurechnungsfähigkeit feuern zu lassen). Äh, Marsmission? Aber hallo! Der Mann, Commander Hubbard, lebt nun zurückgezogen und gibt sich seinem Alkoholproblem hin, aber Frau Colonel spürt ihn auf und zeigt ihm Photos der Eier. Sofortige Flashbacks einer grell leuchtenden Höhle stürzen auf den Astronauten herein. "Ja, die Eier, die ich gesehen habe, waren grün, genau wie auf Ihren Photos", bestätigt er, und Colonel Holmes ist entweder zu aufgeregt oder zu höflich, um ihn darauf hinzuweisen, daß die gezeigten Photos schwarz-weiß sind.

Nachdem Stella kurz die Männlichkeit des Astronauten in Frage stellt und dafür von ihm eine geschallert kriegt ("Nur, damit wir uns verstehen!", sagt er, woraufhin sie ihn zufrieden anlächelt: "Ja, wir verstehen uns"), reisen die beiden mitsamt dem Polizisten nach Südamerika, wo die Kaffeefabrik ansässig ist, die die Kisten verschickt hat. Kaum angekommen, wird auch sogleich ein fieser Mordanschlag auf Colonel Holmes verübt: Während sie duscht, plaziert jemand heimlich ein Alienei in ihrem Badezimmer und schließt dann von außen die Tür ab. Deswegen poltert sie dann auch an die Tür und ruft, "Helft mir, hier drin ist ein Ei!", und zum Glück kommt der nette Astronaut gerade vorbei und bricht die Tür auf, bevor das Ei explodiert.

Wir sehen auch die Drahtzieher der Aktion: Astronaut Hamilton (Siegfried Rauch!), der seinerzeit mit Hubbard in der Marshöhle war, später dann aussagte, daß darin keine Eier waren, und seitdem als verstorben gilt (meine Zusammenfassung täuscht die Kausalität nur vor), und seine Gehilfin Perla de la Cruz (Gisela Hahn!). Hamilton kriegt Kopfschmerzen, weil er telepathisch mit dem explodierenden Ei verbunden ist, und informiert Perla darüber, daß sie umsonst ein Opfer gebracht haben. Tipp für heranwachsende Bösewichter: Pistolen funktionieren schneller und direkter als Alieneier.

Holmes und der Polizist besuchen nun die Kaffeefabrik und lassen sich herumführen, während Astronaut Hubbard sich mit einem Sportflieger die Gegend anschaut und leider abstürzt. Glücklicherweise landet er in dem Feld, wo die Alieneier angebaut werden, und kann einen der Männer überwältigen, die gerade beim Pflücken sind (in exakt solchen Schutzanzügen, wie sie dem Quarantäneteam in New York auch nicht geholfen haben). Derweil - es wird dramatisch! - wurden Holmes und der Cop in der Fabrik gefangengenommen. Die beiden werden aber nicht etwa umgebracht, sondern werden von Hamilton persönlich abgeholt.

Hamilton: It's time for you to come.
Holmes: Where?
Hamilton: To the cyclops.
Holmes: The cyclops?
Hamilton: Yes. The cyclops.

Oh ja, im Inneren der Fabrik lebt ein Alienzyklop, der mit seinem gelb leuchtenden Auge Gedankenkontrolle über alle ausübt, die vor ihn treten. Den Cop zermalmt er auch gleich mit einem Tentakel und saugt ihn anschließend - schlupp! - ein. Dann will er auch Colonelly abfrühstücken, aber da erscheint Hubbard mit Perla als Geisel. Hamilton erschießt Perla, und Hubbard schießt dafür dem Zyklop eine Leuchtrakete mitten ins Auge, woraufhin dem Kaffeeexport ein schnelles Ende bereitet wird - freilich nicht, bevor nicht Hamilton in sehr langsamer Zeitlupe explodiert.

In der Aufregung haben wir ganz vergessen, den Plan des Aliens zu erwähnen: Wie jedes Lebewesen will es sich bzw. seine Spezies um jeden Preis ausbreiten. Womit die komplette Operation mitsamt mehrerer Dutzend schwerbewaffneter Henchmen bezahlt wurde, wissen wir leider nicht - oder wurde in der Fabrik vielleicht doch nebenher noch Kaffee hergestellt?

"Not a good movie but still hard to resist", schreibt mein treues Lexikon SCI-FI ON TAPE. Dem ist nichts hinzuzufügen.





Astraron - Brut des Schreckens (Italien/Deutschland 1980)
Originaltitel: Contamination
Regie: "Lewis Coates" (= Luigi Cozzi)
Drehbuch: "Lewis Coates" (= Luigi Cozzi) & Erich Tomek
Darsteller: Ian McCulloch, Louise Marleau, Marino Masé, Siegfried Rauch, Gisela Hahn


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I, ROBOT (2004). Ich mag Alex Proyas, auch wenn nicht alle seine Filme gleich stark sind - aber mir gefällt die Ambition, in großangelegten Genre-Blockbustern philosophische Konzepte zu thematisieren und das mit der großen Skala zu verknüpfen. I, ROBOT basiert auf Isaac Asimov und stellt die Frage, was einen Menschen ausmacht: Im Jahr 2035 verrichten menschenähnliche Roboter für uns alle niederen Aufgaben - bis sie durch Evolution eine Bewußtseinsstufe erreichen, bei der sie sich über unsere Befehle hinwegsetzen können.

Nein, perfekt ist der Film bei weitem nicht. Hauptproblem sind die CGI-Animationen, die alles nach Trickfilm aussehen lassen: Keine der Roboterbewegungen und keine der Actionsequenzen vermittelt irgendein Gefühl für Physikalität, für Gewicht und Körperlichkeit, für Aktionen und Reaktionen. Alles springt heiter umher, ohne dabei im geringsten Sinne glaubwürdig zu wirken. Das unterminiert natürlich die Effektivität der Geschichte, deren Schauwerte ja eigentlich mehr mitreißen sollen, als sie es letzten Endes tun. Und obwohl ich Will Smith mag, ist er kaum die richtige Besetzung für den anachronistischen Maschinenhasser, der lieber noch selber Auto fährt und keinem Gerät traut, das mit ihm redet - da hätte es einen kantigeren und weniger strahlenden Darsteller gebraucht als Will Smith, der immer ein wenig zu lässig wirkt und einfach nicht der Typ ist, dem man unbedingt abkauft, daß etwas an ihm nagt oder ihm etwas an die Nieren geht.

Trotzdem ist I, ROBOT nicht uninteressant. Die Gegenüberstellungen von Künstlicher Schaffung und Evolution, von kalter Logik und der Sinnhaftigkeit der Unvernunft, von politischen und religiösen Motiven werfen durchaus einige spannende Ideen auf. Der schönste Austausch im Film ist der, als Will Smith mit einem Roboter über dessen Beschränkungen diskutiert. "Können Roboter eine Sinfonie komponieren, oder eine Leinwand in ein großes Meisterwerk verwandeln?", will er wissen. Der Roboter schaut ihn neugierig an: "Können Sie das denn?"



DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982). John Carpenters vermutlich bester Film. Vielleicht wäre das auch ASSAULT ON PRECINCT 13, aber wahrscheinlich ist es der hier. Perfekter Terror. Was braucht man noch dazu zu sagen?

Außer vielleicht: Wie großartig und fantastisch schaut der Film doch jetzt auf BluRay aus. Die weiten Bilder strahlen absolut sauber und scharf. Die Bildqualität ist besser als bei BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA auf BluRay, der ja auch schon richtig schön aussah. Aber der hier, der ist in Blu nochmal ein ganz anderes Biest: Er wirkt.

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Unlängst habe ich hier die Single "One Night Stand" von alCREWholic feat. Nash vorgestellt und dazu Thomas Nash interviewt (hier). Mittlerweile gibt's das Video auch auf GoTV zu sehen. Jetzt verlose ich zwei Exemplare der Single, die immerhin mit 6 Versionen des Songs aufwarten kann - darunter der exotische "Kamasutra Mix" von Nash selbst, der aus dem lässigen Reggae-Groove einen hypnotischen, dichten Trance werden läßt. Lohnt sich!

Was müßt ihr tun, um die Single zu gewinnen? Ganz einfach: Ihr schreibt ein eMail an christian PUNKT genzel AT ghostlightproductions PUNKT de (ohne Leerzeichen, richtige Zeichen einfügen! Richtig, ich mag keine Spambots) mit der Betreffzeile "One Nash Stand", eurem Namen und eurer Postadresse, und einer kurzen Info, welchen Film ihr gerne mal in meiner Sparte "Stranger than Cinema" von mir begutachtet sehen wollen würdet. Aus den Einsendungen wähle ich dann zwei Gewinner aus, die sich auf die alCREWholic-Single freuen dürfen. (Eure Daten werden übrigens in keiner Form weitergegeben oder von mir anderweitig verwendet.)

Einsendeschluß ist der 15. November 2010.





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TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG (2009). Wir erinnern uns: Der war schon im Kino eine fürchterliche Enttäuschung (hier mein Review). Und jetzt, mit etwas Abstand, wenig Erwartung und auf schnuckeliger BluRay? Kaum einen Funken besser. An diesem Film ist immer noch so viel im Argen: Ständige Action mit minimalstem Plot und noch weniger Figurenentwicklung; die unreflektierte Zeichnung des gesamten Widerstandes als komplett militärische Organisation (wieviel interessanter wäre es doch gewesen, völlig normalen Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich aus der Auswegslosigkeit herauskämpfen und lernen, mit der veränderten Welt und ihren Gegnern fertigzuwerden); Ton- und Stilbruch mit den Vorgängern (hier regiert der emotionslose Krieg); Endzeit- und Kriegsfilmsituationen von der Stange (Streit mit dem Vorgesetzten! Herumstreunernde Gangs greifen unsere Helden an!); und obendrauf jede Menge Logik- und Glaubwürdigkeitsbrüche. Nochmal ein paar Punkte zum Nachhaken:
  • Woher weiß Skynet, daß Kyle Reese wichtig ist? Woher weiß Skynet, daß John Connor wichtig ist, wenn er ja noch gar nicht Anführer des Widerstandes ist?
  • Wenn Skynet weiß, daß Kyle Reese wichtig ist, warum bringen sie ihn dann nicht einfach um, anstatt ihn nur als Köder für John Connor zu verwenden?
  • Wenn Skynet unbedingt John Connor vernichten will, warum schickt es dann einen einsamen Terminator gegen ihn ins Feld, sobald er im Skynet-HQ gesichtet wird, anstatt der Angelegenheit einfach mit zwei Dutzend Robotern ein flottes Ende zu bereiten?
  • Warum werfen die Terminatoren ihre Gegner beständig durch die Luft, anstatt ihnen einfach die Waffen wegzunehmen und sie damit dann zu erledigen?
  • Wenn Skynet einen so menschlich erscheinenden Cyborg wie Marcus basteln kann, warum müht es sich dann noch mit der Konstruktion eines sperrigen T-800 ab?
Und so weiter und so fort. Klar, schreit da jetzt irgendwer, da darf man eben nicht nachdenken und muß die Action genießen! Aber sorry: Die vorigen Parts waren so gut, eben weil sie sich dem Gehirn nicht verweigert haben.

Natürlich schaut die BluRay fantastisch aus, und somit bleiben 2 Stunden technisch perfekter Dauerkrawall.


DER SOLDAT JAMES RYAN (1998). Ich habe ihn damals im Kino gesehen und seitdem nicht wieder, aber er ist mir stark im Kopf geblieben. Und jetzt auf BluRay: Was für ein großartiger, aufregender Transfer. Das Bild ist nicht nur gestochen scharf und behält trotzdem das ganze Korn drin, daß in Janusz Kaminskis grandiosen Bildern so gekonnt eingesetzt wird, sondern wirkt mitunter absolut echt. Plastisch, zum Anfassen. Man spürt fast die Oberfläche der Dinge, die man sieht.

Und natürlich ist mit einem so brillanten Transfer die Filmerfahrung umso packender und nahegehender. Die berühmte erste knappe halbe Stunde, in der Spielberg die Landung in der Normandie als unüberschaubares Chaos aus Gewalt und Rauch nachstellt, geht gewaltig an die Nieren. Was den blanken Irrsinn des Krieges angeht, hat wohl kein Filmemacher eine greifbarere Annäherung daran geschaffen - weder Kubrick (der die Unmenschlichkeit des Krieges messerscharf eingefangen hat) noch Cimino (der seine zerstörerische Kraft auch außerhalb des Schlachtfeldes spürbar werden ließ) noch Coppola (der so fiebrig in seine sinnlose Absurdität eingetaucht ist) und all die anderen Filmemacher, die mitunter so großartige Filme darüber gemacht haben. In Spielbergs D-Day ist der mörderische Wahnsinn physisch spürbar und der Hohn eines etwaigen "taktischen Vorgehens" völlig bloßgestellt. Diese Schlacht, mit allen filmischen Kunstgriffen ins Leben gerufen, ist der blanke Horror und gleichzeitig so unendlich traurig.

Danach gibt es natürlich dennoch einen narrativen Faden, der uns den Krieg über eine Gruppe von Figuren und ihre Mission erzählt: Die Truppe von Tom Hanks wird losgeschickt, James Ryan zu finden und nach Hause zu bringen, weil seine drei Brüder schon gefallen sind und die obere Befehlsriege findet, daß es schlecht aussähe, wenn es den vierten auch noch träfe. So aufregend und packend der Film auch inszeniert war, so nagend war damals doch ein wenig die Enttäuschung darüber, daß der Streifen hier doch in die eher altmodische Struktur einer "Einheit auf besonderer Mission"-Geschichte zurückfällt. Beim jetzigen Ansehen wird aber klar, wie spannend die Diskrepanz zwischen dem klassischen narrativen Faden und der taktischen bzw. mathematischen Sinnlosigkeit des Unterfangens ist: Wieso setzt man das Leben von acht Soldaten aufs Spiel, um einen zu retten? Und was macht James Ryan so besonders? Anhand dieser beständigen Reibung schafft es Spielberg, über die Rolle des Individuums in einem vernichtenden System zu reflektieren, und er feiert letzten Endes die Wichtigkeit jeder einzelnen Person mit einem Gedanken, der auch in STAR TREK II & III einer ganz anderen Geschichte angeschnitten wurde: Das Wohl eines Einzelnen wiegt manchmal schwerer als das Wohl von Vielen. Nach der unmenschlichen Massenvernichtung der Anfangssequenz will uns der Film erinnern, daß die Opfer des Krieges nicht Zahlen und Einheiten sind, sondern Individuen.

So betrachtet sehe ich dem Film mittlerweile auch eher den Schluß nach, wo ein alter James Ryan in der Jetztzeit auf dem Arlington-Friedhof vor wehender US-Flagge am Grab des Captains salutiert. Sicher, die Sequenz übernimmt den militärischen Gestus völlig unkritisch in die Jetztzeit - als würde das Militär keine Rolle im Horror des Krieges spielen - aber gemeint ist es freilich als Ehrerbietung auf persönlicher Ebene, wo ein alter Mann in einer Geste seinen Dank zeigt und sich gleichzeitig fragt, ob sein Leben es denn wert gewesen ist, gerettet zu werden, beziehungsweise, ob er diesem Geschenk gerecht wurde. "Earn it", hatte ihm Tom Hanks noch aufgetragen, und Ryans Familie im Hintergrund läßt erahnen, daß er das ihm gegebene Leben genutzt hat.

Ohne Zweifel einer von Spielbergs Besten - in einer Filmographie, die nicht gerade wenig Großtaten aufweist.

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Moviehole berichtet, daß Carpenter als nächstes einen Film namens DARKCHYLDE drehen wird. Es handelt sich dabei um die Verfilmung eines Comics - Verzeihung, natürlich ein Graphic Novel! - das von einem jungen Mädchen handelt, dessen Alpträume in die Wirklichkeit einfallen und die selbst zu einer der Kreaturen ihrer Träume werden muß, um diese zu bekämpfen.

Auf darkchylde.com gibt's auch ein Poster:


Und so sieht der Comic - Verzeihung, das Graphic Novel! - aus:


Sehr schön, da freuen wir uns doch drauf. Carpenters neuer Film THE WARD, in dem Amber Heard als Insassin einer Nervenheilanstalt von einem bösen Geist heimgesucht wird, ist ja mittlerweile abgedreht und hatte schon auf dem Filmfest in Toronto Premiere. Es ist Carpenters erster Kinofilm seit GHOSTS OF MARS von 2001 (dessen Fans sich wohl an einer Hand abzählen lassen können, wobei ich vielleicht für zwei Finger zähle), dazwischen hat er nur zwei Episoden für die TV-Anthologie MASTERS OF HORROR gedreht. Höchste Zeit, daß der Meister wieder die Leinwand heimsucht!

In der Zwischenzeit läutet die Writer's Guild of America ihre Interviewreihe "The Masters" mit einem kleinen Gespräch mit Carpenter ein: Hier. Auszug:
So when you look back at your movies –

Oh God, I don’t want to see them. I hate them all. I look at them again and I say, “What was I thinking? Why is this so slow? Why didn’t I do this? Why didn’t I shoot coverage on that scene and make it go quicker?” I can’t watch.

And do you feel the same way about your old scripts?

The opposite! I read a script and I think, “Wow, that was pretty good.” Much better than how I remember it.
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