August 2010
Manchmal findet man ja bei Wikipedia etwas richtig Tolles. Da schaut man zum Beispiel flott mal in den Eintrag zu MC Hammer (oh ja!) und findet im Abschnitt "Einfluß auf die Popkultur" folgendes schönes Photo, das eigentlich den kompletten Text überflüssig macht:


Übrigens - es soll nicht verschwiegen werden - kommt demnächst das elfte Studioalbum von Hammer heraus, unter dem Titel DANCEJAMTHEMUSIC. Elf? Jaja, der Mann ist fleißig ... und irgendwie scheinen wir einige Releases seit PLEASE HAMMER DON'T HURT 'EM verpaßt zu haben. Stop!

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Hier der Trailer zu Charles Fergusons Doku zur Finanzkrise, INSIDE JOB, die auf den großen Festivals ordentlich abgeräumt und schon viel Kritikerlob eingeheimst hat:




Am schönsten ist ja die Aussage von Kritiker Wesley Morris: "Scarier than anything Wes Craven or John Carpenter have ever made". In der Grundaussage scheint uns INSIDE JOB nichts erzählen zu können, was wir nicht schon wußten - die grenzenlose Gier regiert die Welt - aber Ferguson scheint spannende Informationen, interessante Aussagen und grandiose Momente eingefangen zu haben.


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Das ist doch mal eine wirklich schöne Erklärung, warum einer wie ein Uhrwerk jedes Jahr einen neuen Film schreibt und inszeniert:
tz: Was treibt Sie denn dazu an, einen Film nach dem anderen zu drehen?

Woody Allen: Ich wüsste nicht, was ich sonst tun sollte. Wissen Sie, ich bin nicht der Typ, der gern spazieren geht. Wenn ich einen Film beendet habe, sitze ich also ein paar Tage zu Hause rum und starre aus dem Fenster. Das wird mir aber bald zu langweilig. Dann fange ich an zu schreiben, habe irgendwann ein neues Drehbuch fertig und verwandle es wieder in einen Film. Das geht bestimmt so weiter, bis ich eines Tages tot umfalle. Und dann mache ich keine Filme mehr.
(Woody Allen im Interview mit tz plus, Ausgabe vom 4.12.08, Seite 5).

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"Hoch das Bein, die Liebe winkt", frohlockt das Plakat zum TANZSTUNDEN-REPORT, der uns endlich darüber aufklären wird, was hinter den Kulissen einer typischen Tanzschule wirklich passiert. Und so ein Aufklärungsschock ist ja bitter von Nöten, glauben doch viele Unwissende heute noch, daß dort hauptsächlich getanzt wird. Von wegen! Im Zuge des Report-Wahns und des Kolle-Kollers der Siebziger entstanden in Deutschland ja reihenweise enthüllende Beiträge, die - inspiriert von der Herangehensweise und viel mehr noch von der kommerziellen Auswertbarkeit des nimmermüden SCHULMÄDCHEN-REPORTs - der Welt gezeigt haben, was in Deutschland tatsächlich vor sich geht. So auch der TANZSTUNDEN-REPORT, der uns prinzipiell genau dasselbe wissen läßt wie all die anderen Aufklärungsparaden: Menschen haben Sex! Alarmiert die Presse!


Und noch ein interessanter neuer Film: BURIED. Ein im Irak stationierter amerikanischer Lastwagenfahrer wird angegriffen und wacht in einem Sarg eingegraben auf. Sein Telefon funktioniert, aber er hat nur wenig Zeit, um seinen Entführern eine große Geldsumme zukommen zu lassen - und daraus scheint sich nicht nur ein klaustrophobischer Horror, sondern auch ein Politthriller zu entspinnen. Neben Ryan Reynolds spielen Stephen Tobolowsky und Samantha Mathis! (Bedeutet das, daß nicht der komplette Film im Sarg spielen wird? Oder hören wir nur ihre Stimmen?)

Das Poster finde ich brillant. Hier ist der Trailer:




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Auf shocktillyoudrop.com gibt's das Poster zum Sci-Fi-Kracher SKYLINE. Ich mag fetzige Poster. Und ich mag großangelegte extraterrestrische Angriffe. Könnte also ein spannender Genrefilm werden. Hier der Trailer:




Jawoll, der kickt. Der gar nicht mal so teure Streifen ist von den Strause Brothers, deren bislang einziger Spielfilm ALIEN VS. PREDATOR 2 ist (den ich nicht gesehen habe, aber von dem man ja nicht viel Gutes hört) - die aber auch schon in den Effektteams von bescheiden budgetierten Filmen wie TITANIC, THE DAY AFTER TOMORROW, MISSION: IMPOSSIBLE III, 300, 2012 und AVATAR gearbeitet haben. Und jede Menge schicke Musikvideos inszeniert haben, unter anderem das extreme coole "Bombshell" von Powerman 5000, das nicht nur zu meinen liebsten Musikvideos zählt, sondern mich auch hinsichtlich SKYLINE optimistisch stimmt: Wenn die den Streifen so krachen lassen können wie dieses Video, dann ist alles wunderbar.




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Schon der Beginn des dritten Teils war ja ein wenig großspurig. Part 4 poltert noch lauter los: Ein Sprecher steht vor einer riesigen Wand, die mit Plakaten der Vorgänger tapeziert ist, und lächelt uns an. "Tja, meine Damen und Herren, da sind wir wieder. Sie werden sich sicher an uns erinnern, wenn Sie zu den 30 Millionen gehören, die die ersten drei Schulmädchen-Report-Filme in 28 Ländern zu einem Welterfolg machten." In der Tat hatte sich Produzent Wolf C. Hartwig schon mit den Vorgängern dumm und dämlich verdient (die Adjektive erscheinen mir im Hinblick auf die Filme richtig gewählt); díe Auszeichnung der deutschen Kinobranche, die Goldene Leinwand (die für einen Film mit mindestens 3 Millionen Zusehern verliehen wird), wollte man Hartwig zunächst verweigern - vielleicht, weil man sich schämte, daß der größte Geldregen im deutschen Kino ausgerechnet von Sexfilmen herrührte. Hartwig setzte seinen Anspruch dann durch und kassierte in einem Aufwasch gleich drei der Auszeichnungen - für jeden Teil der Serie.

Auch ein Film, auf den ich sehr neugierig bin: JUD SÜSS - FILM OHNE GEWISSEN von Oskar Roehler, rund um die Entstehung von Veit Harlans Propagandafilm JUD SÜSS (1940), der bis heute in Deutschland unter Verschluß steht und nur in einem "betreuten" Rahmen vorgeführt werden darf, und für den sich Harlan und Hauptdarsteller Ferdinand Marian nach dem Krieg vor Gericht verantworten mußten, unter anterem für Beihilfe an Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Harlan wurde freigesprochen, aber Marian erhielt Berufsverbot und starb 1946 bei einem Autounfall, der mitunter als Suizid interpretiert wird).




2003 gab es ein Fernsehdrama über den Prozeß rund um JUD SÜSS mit Axel Milberg (JUD SÜSS - EIN FILM ALS VERBRECHEN?); Roehler beschäftigt sich mit der Entstehung des Films. Bei der Premiere bei der Berlinale erntete der Film Buhrufe aus dem Publikum und teils vernichtende Kritik - zum Beispiel für die Tatsache, daß Roehler bei der Zeichnung von Marian einige historische Tatsachen außer Acht läßt, und für Moritz Bleibtreu, der Propagandaminister Joseph Goebbels offenbar sehr grell spielt.

In der aktuellen Ausgabe der Celluloid finden sich ein Text über den Film sowie Interviews mit Roehler, Moretti und Bleibtreu. Ich habe den Film ja noch nicht gesehen, aber dennoch fallen in den Aussagen zum Film schon Diskrepanzen auf:
Celluloid: Wie begegnen Sie den Vorwürfen [...] die Geschichte des Marian so abzuändern, dass er plötzlich eine jüdische Frau hat und einem Juden Versteck gewährt, was nicht den Tatsachen entspricht? [...]

Roehler: [...] Bei der Ehegeschichte mit dem Marian hatten wir die Wahl, entweder, so wie im Buch [die Biographie ICH WAR JUD SÜSS von Friedrich Knilli], einen intellektuellen Blaustrumpf zu haben, also eine unsympathische Frauenrolle, die einfach eine Deutsche ist und ständig ihren Mann kritisiert und dem Publikum damit auf die Nerven geht. Oder man macht eine Halbjüdin daraus, was zugegebenermaßen ein Klischee ist, bei dem die Amerikaner wahrscheinlich auch gleich zugegriffen hätten. Aber ich finde das völlig legitim, weil das die Marian-Figur noch zwiespältiger macht und sie auf eine andere Ebene hebt. Außerdem ist es so, das muss ich zu meiner Rechtfertigung auch noch sagen, dass es gerade in Künstlerkreisen zu 90 Prozent solche Ehen gab, weil einfach wahnsinnig viele Kulturschaffende damals Juden waren. Das ist also eine exemplarische Situation jener Zeit.
Schön und gut und absolut legitim, weil Film ja keine Verpflichtung gegenüber historischen Tatsachen haben muß und immer Kunstgriffe verwenden kann, um eine tieferliegende Wahrheit zu erzählen. Nur sagt Roehler später im Interview:
Ich habe ganz klar versucht, mich beim historisch belegbaren und weit vom Trash entfernten Film zu bewegen.
Nun also doch historisch orientiert? Ebenso nachdenklich stimmt folgende Aussage:
Wir wollten [...] einen spannenden Film fürs Publikum machen und handelten nach dramaturgischen Gesichtspunkten, immer mit dem Ziel der größtmöglichen Wirkung. Trotzdem sind wir auf die Ereignisse absolut eingegangen. Nur kann man sie trocken und spröde darstellen, oder eben spannend.
Natürlich kann man das, aber ob es im Umgang mit einem Film, der ebenso mit dem "Ziel der größtmöglichen Wirkung" Hetzjagd betreibt ("Es war ein unglaublich gut gemachter Film, das war ja das Fatale", sagt Moretti über JUD SÜSS), der beste Ansatz ist, immer auf "Wirkung" zu inszenieren? Der Trailer jedenfalls wirkt wie ein Sequel zu OPERATION WALKÜRE, der nicht minder "effektiv" eine Geschichte erzählt hat und damit die wirklich interessanten Fragen und Probleme begrub.

Noch eine mögliche Bruchstelle zeigt sich im Interview mit Hauptdarsteller Tobias Moretti:
Celluloid: Roehler hat selbst gesagt, dass Marian am Ende als Opfer dasteht.

Moretti: Das ist völliger Quatsch! Das habe ich nicht gespielt, diese Rolle habe ich nicht gespielt!
Man sieht: Viel Angriffsfläche, viel Diskussionsmöglichkeit. Aber warten wir doch erstmal den fertigen Film ab und sehen dann weiter ...

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Da steht er wieder, der gute Friedrich von Thun, vor einem gigantisch aufgepusteten Plakat von SCHULMÄDCHEN-REPORT, 2. TEIL, und schaut unglaublich seriös in die Kamera. "Meine Damen und Herren, Sie werden mich vielleicht kennen, wenn Sie zu den 10 Millionen Zuschauern gehören, die die ersten beiden Teile des Schulmädchen-Reports gesehen haben." Report without a cause, I'm going platinum! Und weil im zweiten Teil ja auch so schön gerechtfertigt wurde, warum es eine Fortsetzung geben mußte, wird auch diesmal erläutert, warum die Leute für denselben Schmonses schon wieder Geld ausgeben mußten: "Sie werden sich zu Recht fragen: Was können die uns in einem dritten Teil noch bieten? Nun, Sie werden sehen, daß die gezeigten Tatsachen neu und noch schockierender sind. Bitte urteilen Sie selbst." Na hallo, die fahren ja das ganz große Programm auf.

Also: Es gibt ja durchaus ein paar Löcher in INCEPTION. Was nicht heißt, daß der Film dadurch seine Qualitäten verliert. Omer M. Mozaffar beispielsweise weist in einem guten Essay - in dem er z.B. diskutiert, wie INCEPTION auch mit den leicht verzerrten Erinnerungen unserer früheren Filmerfahrungen arbeitet - auf ein durchaus vorhandenes Problem hin:
The central characters are geniuses who set up a whole process of inhabiting dreams. The one character depicted as essentially illiterate - Tom Hardy - seems to have the ability to choose to "dream up" a huge gun to fight off opponents, yet none of the geniuses or dimwits seems to have the sense to "dream up" a bulletproof vest. Still, speaking as a part-time academic, I often find myself in the company of profound thinkers who lack some basic common sense.
Nun ja, da legt Mozaffar durchaus einen Finger auf einen wunden Punkt - zu keiner Situation verändern die Figuren die Träume, sondern verhalten sich stets "wirklichkeitsverhaftet". Nachdem ja nun Ellen Page dahingehend eingeführt wird, daß sie alles im Traum vorhandene ummodeln kann und auch Gegenstände einführen kann (die Spiegel in der Paris-Sequenz), stellt sich doch die Frage, warum - vor allen in den gefährlichen Situationen - nie Hilfsmittel erträumt werden, oder die Traumarchitektur verändert wird, um neue Möglichkeiten zu eröffnen. Es wird zwar erläutert, daß ein solcher Eingriff schnell dazu führen kann, daß der Träumende aufwacht, aber da muß Page in Paris schon mal die ganze Stadt zusammenfalten und eine Brücke errichten, bevor sie "aus dem Traum geworfen" wird - da wäre eine kugelsichere Weste oder eine plötzlich erscheinende Tür sicherlich kein derart gravierender Eingriff.

Momentan geistert ein wunderbares Bild durchs Netz, das noch eine berechtigte Frage stellt - und über das ich lange und laut gelacht habe. Gefunden auf screencrave.com:



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Fred Durst himself hat einen weiteren Song des neuen Limp-Bizkit-Albums GOLD COBRA online gestellt (vor ein paar Monaten gab's "Why Try"). Der ursprüngliche Server, auf dem der Track gelandet ist, ist schnell unter dem Traffic zusammengebrochen, dafür gibt's das Stück Musik jetzt bei YouTube (mit Standphoto):




Klingt ja zunächst mal nach RESULTS MAY VARY: Stadion-Powerballade, Fred schmettert, alles nicht gar so aufregend. Aber - und da kommt wieder Wes Borland ins Spiel - irgendwann werden die Gitarren intensiver, spannender, und zum Schluß explodiert der Song in einen totalen Energieausbruch.

Das Album ist immer noch ohne VÖ-Datum, soll aber irgendwann im Herbst kommen.

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So schön hat noch kein Sequel seine Existenz gerechtfertigt: Im Eingangsmonolog der Fortsetzung zum SCHULMÄDCHEN-REPORT, der das Intro des Erstlings recyclet und darüber erneute schlaue Worte über die angebliche Jugend von "heute" verliert, wird im Hinblick auf den Vorgänger verkündet: "Mit einer Fülle von sensationeller Information hat dieser Film so vielen Eltern die Augen geöffnet, daß wir uns gezwungen sahen, erneute Untersuchungen anzustellen, neues Material zusammenzutragen, so daß wir Ihnen heute Tatsachen aufzeigen können, über die selbst die Jugend nur ungern spricht." Gezwungen! Wahrlich gezwungen sahen sich die Filmemacher, und weil sich der aufklärerische Drang ja hier höchst kassenträchtig manifestiert, taucht nur wenige Sekunden später Friedrich von Thun auf, der sich brav als der Reporter vorstellt, der in Teil 1 die Befragungen durchführte. "Damals war noch kein zweiter Teil geplant. Doch die Flut der Zuschriften, die uns erreicht hat, veranlaßte uns, eine Fortsetzung zu drehen." Wenn doch nur einmal zu Filmbeginn die Rückkehr von Jason derart dringlich erläutert werden würde!


Ein Auszug aus einem neuen Interview mit Al Lowe, Programmierer der LEISURE SUIT LARRY-Reihe: hier. Al redet hauptsächlich darüber, unter welchen technischen Einschränkungen die Sierra-Spiele damals entstanden sind.
Many of the games we did were done before Photoshop. You tell that to graphics people today and they say, “What, there was a time before Photoshop? What was there?!” Nothing! Sierra created a program that used vector-based graphics like Illustrator does now. To draw an object, you clicked on a start point, moved to another point, click again, and it would draw a straight line to that point. It would take you dozens of lines to, say, create the shape of an apple. Eventually you could fill it with color. To create a tree was, like, a day’s work!
Das komplette Interview findet sich in einem neuen Buch, das Artikel rund um die klassischen Adventures von Lucasfilm Games, Sierra und anderen Firmen versammelt: GRAPHIC ADVENTURES. Die Artikel in dem Buch basieren auf Wikipedia-Artikeln, die vom Herausgeber Philipp Lenssen überarbeitet und ergänzt wurden; dazu gibt es noch einige Interviews, z.B. mit Boris Schneider (der über die deutschen Übersetzungen der Lucasfilm-Spiele redet) und mit Scott Murphy (dem Co-Autor der SPACE-QUEST-Reihe). Das Buch ist über Lulu selbstpubliziert; hier findet sich eine Webseite mit mehr Informationen, wo das gesamte Buch auch als Datei heruntergeladen werden kann.

Während die Vorstellung versammelter Wikipedia-Artikel nicht unglaublich aufregend ist und sich viele der Wiki-Einträge ja eher trocken lesen, ist hier dennoch eine spannende Anzahl an Hintergrundinformationen und Anekdoten versammelt und schön aufbereitet - inklusive zahlreicher Screenshots und Bilder der Originalverpackungen, die sofort Lust machen, die Spiele wieder zu spielen. Sieht also nach einem netten Nachschlagewerk aus; eine detaillierte und journalistisch aufbereitete Geschichte der klassischen Adventures bleibt aber ein Desiderat.




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Es geistern ja mittlerweile hunderte von Fake-Trailern und Trailer-Mashups durchs Netz - manche davon bemüht, andere sehr witzig. Aber eine Umdichtung von THE TEN COMMANDMENTS als Teeniekomödie verdient doch einen eigenen Hinweis:





Hier hatte ich vor einem Jahr noch drei andere Fake-Trailer gepostet.

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Eigentlich passend, daß es im Internet-Zeitalter Filmparodien schon gibt, bevor die Filme überhaupt erschienen sind: Die erste Parodie zu Finchers THE SOCIAL NETWORK ist aufgetaucht - streng genommen natürlich eine Parodie des Trailers (hier sehen) - und modelt das Ganze zu einem Drama über die Erfindung von YouTube um:





Natürlich muß man den Originaltrailer kennen, um die Parodie THE VIDEO WEBSITE ganz mitkriegen zu können. Erstaunlich ist bei diesem Clip aber nicht, wie mühelos er Finchers schwerfällig dramatischen Trailer auf die Schippe nimmt, sondern wie nah dran an einem tatsächlichen Filmtrailer zu einem tatsächlichen Film das Ganze trotzdem bleibt. Wenn THE SOCIAL NETWORK zündet, ist ein Film über die Entstehung von YouTube ja nur eine Frage der Zeit ...

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DEVIL, der Shyamalan-produzierte Horrorthriller über eine Gruppe von Menschen, die im Fahrstuhl steckenbleiben und feststellen müssen, daß einer unter ihnen womöglich der Leibhaftige ist (Trailer gab's vor kurzem hier), hat jetzt auch ein schickes Poster:


Ich find's großartig. Aber ich liebe überhaupt so einfache, stimmungsvolle Poster.

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Arme Lindsay Lohan. Ihren Absturz kann man jetzt schon seit ein paar Jahren mitverfolgen, und es wird und wird nicht besser: Trunkenheit am Steuer, Gefängnisstrafen, und immer kleinere und belanglosere Filmrollen. Dabei hat das Mädel eigentlich so viel Talent anzubieten: Zur Bestätigung braucht man sich nur einmal FREAKY FRIDAY ansehen, wo sie ihrer Filmmutter Jamie Lee Curtis schauspielerisch das Wasser reichen kann. Aber trotz kleinerer ernsthafter Rollen in Robert Altmans LAST RADIO SHOW und Emilio Estevez' BOBBY muten Lindsays jüngere Gigs hauptsächlich enttäuschend an - und wenn man sich den Trailer zu dem traurigen Spektakel UNDERGROUND COMEDY 2010 ansieht, in dem sie mitspielt, dann ist der Fall noch längst nicht zuende.

Die erste Hälfte der reichlich egalen Komödie ZUM GLÜCK GEKÜSST fühlt sich dabei fast so an, als ginge es um Lindsay selbst: Sie spielt die junge Ashley, die so sehr vom Glück geküsst wurde, daß es aufhört zu regnen, sobald sie vor die Tür geht, sie durch eine Verkettung von Umständen nebenbei eine Traum-Beförderung in ihrem Medienjob kriegt, und es für sie völlig unmöglich ist, Lotterielose zu kaufen, mit denen man nichts gewinnt. Dann küsst sie auf einem Maskenball den erfolglosen Bandmanager Jake, der stets vom Pech verfolgt wird - und ihr Glück überträgt sich auf ihn: Er bringt es mit der von ihm betreuten Gruppe zu Reichtum und einem dicken Plattenvertrag, während sie verhaftet wird, ihren Job und ihr Apartment verliert und generell das Unglück nur mehr anzieht.

Oh ja, das klingt ganz nach Lindsays eigener Geschichte: Eine Zeitlang von der Sonne angelacht, bis sich irgendwann das Glück wendet und alles schiefläuft, was nur schiefgehen kann. Man muß nicht zweimal hinsehen, um beim Ansehen an Lohans tatsächlichen Fall erinnert zu werden: Wenn Ashley zweifach im Gefängnis sitzt, ihr die Welt plötzlich nicht mehr zu Füßen liegt und sie sich verzweifelt daran macht, sämtliche auf dem Maskenball gebuchten Tänzer aufzusuchen und abzuküssen, um ihr Glück wiederzufinden (Jake hatte sich im Tänzerkostüm Zugang zur Party verschafft), dann denkt man Schritt für Schritt daran, wie auch Lindsay schon lange von Fortuna die kalte Schulter gezeigt kriegt.


Leider ist diese völlig nebensächliche Beobachtung so ziemlich das Interessanteste, was man aus dem Film mitnehmen kann: Der Streifen ist nämlich komplett belanglos. Den Plot dichtet man sich aus der Prämisse selbst in fünf Minuten zusammen, und wie die Geschichte dann von A nach B kommt, ist nur wenig aufregend gefüllt. Lindsay trägt manches mit ihrem Charme und ihrem Einsatz, aber sie ist schon zu Beginn so schwer geschminkt auf erwachsene Frau getrimmt, daß man sich wünscht, irgendetwas an dem Film wäre auch erwachsen geschrieben. Fehlanzeige: ZUM GLÜCK GEKÜSST ist ein Stück Fluff für junge Mädchen, und dabei leider weder besonders frisch und witzig, noch letztlich die richtige Rollenwahl für eine ehemalige Kinderdarstellerin, die zeigen möchte, daß sie auch anspruchsvollere Rollen hieven kann.

Erwähnen wir noch kurz die Band, die den kompletten Film über schamlos promotet wird: Eine englische Band namens McFly, die sich am Beatles-Look orientiert und kreuzbiederen Teenierock von sich gibt. Abgesehen davon, daß in den späteren Konzertsequenzen mit den Jungs, die wie 14½ aussehen, die feine Linie zwischen Product Placement und penetranter Dauerwerbesendung weit überschritten wird - hätte es denn nicht eine minimal weniger austauschbare Gruppe sein dürfen? Aber schön: Der geschmacksneutrale Sound der Gruppe paßt dann eigentlich wieder perfekt zum professionell inszenierten und leidlich unterhaltsamen Film. Nett und egal.

Lindsay wünschen wir derweil, daß sie es auch im richtigen Leben schafft, den Burschen zu finden, der ihr das Glück abgeknöpft hat, und daß sie wieder einen Fuß auf den Boden kriegt. Vielleicht kann sie sich ja mit dem geplanten Linda-Lovelace-Biopic schauspielerisch zurückmelden und einige Jahre aus ihrer Vita streichen.





Zum Glück geküsst (USA 2006)
Originaltitel: Just My Luck
Regie: Donald Petrie
Story: Jonathan Bernstein, Mark Blackwell, James Greer, I. Marlene King
Drehbuch: I. Marlene King, Amy B. Harris
Kamera: Dean Semler
Musik: Teddy Castellucci
Darsteller: Lindsay Lohan, Chris Pine, Faizon Love, Missi Pyle, Bree Turner
Länge: 98 Minuten
FSK: 6


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Ich erinnere mich, wie INCEPTION beschrieben wurde, als ich das erste Mal davon gelesen hatte: Als kleines Zwischenprojekt für Nolan nach seinem Comicepos THE DARK KNIGHT, ähnlich wie er THE PRESTIGE als kleineres Projekt nach BATMAN BEGINS anging. Nun war THE PRESTIGE budgetär wirklich nur nach Hollywood-Studio-Maßstäben klein, aber man merkte, daß da nicht in so großem Rahmen wie bei Batman erzählt wurde, ohne die leinwandsprengenden Orte, Bilder und Effekte. Was nichts daran ändert, daß Nolan im großen wie im kleinen Setting viel zu sagen hat: All der Aufwand auf der einen und all die Beschränkungen auf der anderen Seite stehen bei ihm stets schlüssig im Dienste einer packenden Darstellung menschlicher Schattenseiten - Rache, Betrug, Obsession, Schuld, alles eingepackt in die stetige Frage um die eigene Identität. Weil Nolans Figurenzeichnungen immer mit entsprechendem Gravitas versehen sind, wirken selbst seine Low-Budget-Filme groß.