Juni 2010
Noch ein Film, auf den ich mich sehr freue: THE SOCIAL NETWORK von David Fincher, über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und die Entstehung dieser Seite, die eigentlich nur als eine Art "Kartei" für Harvard-Studenten gedacht war und plötzlich viele Millionen Dollar schwer wurde - es könnte die modernste Geschichte über das älteste Thema Gier und Geld werden. Mit dem detailbesessenen Perfektionisten Fincher als Regisseur, einem Drehbuch von Aaron Sorkin (der zusammen mit Kevin Spacey ausführender Produzent ist), und Jesse Eisenberg in der Hauptrolle könnte der Film ein grandioses Schwergewicht werden. Übrigens ist auch Rashida Jones dabei, die Tochter von Quincy Jones, die in dem wunderbaren I LOVE YOU MAN nicht minder wunderbar war.

Der erste Teaser ist jetzt im Netz:





Nun, der nette Mann von Ain't It Cool News will den Teaser gleich zum besten des Jahres küren, aber ich bin weniger begeistert. Das Konzept ist super, aber die herumschwirrenden Sätze sind zu plump und zeigen keine Cleverness oder einen interessanten Standpunkt (im Gegensatz zu der großartigen Tagline, "You can't make 500 million friends without making a few enemies"), und die Musik dröhnt bedrohlich darüber, als ging's um einen Monsterfilm.

Was soll's. Ich bin nach wie vor heiß auf den Film. Start in Deutschland: 14. Oktober 2010.

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Der Trailer zu Sofia Coppolas neuem Film SOMEWHERE ist im Netz! Premiere ist im September 2010 (am Filmfestival in Venedig), der US-Kinostart dann aber erst im Dezember 2010. Hoffentlich dauert's nicht allzu lang, bis er bei uns landet.





Ein wunderschöner Trailer. Die Bilder von Harris Savides (der u.a. Kameramann bei FINDING FORRESTER, GERRY, ELEPHANT und AMERICAN GANGSTER war) wirken unglaublich warm, vor allem auch in Verbindung mit der Musik. Aber diese Kombination hat Sofia Coppola ja schon in ihren vorigen Filmen so gekonnt eingesetzt - vor allem LOST IN TRANSLATION sieht man ja nicht nur, den fühlt man. Hier gibt's offenbar tatsächlich eine vernünftige Rolle für Stephen Dorff - und auch dabei: Elle Fanning (die jüngere Schwester von Dakota), Michelle Monaghan und Benicio Del Toro.

Im Film geht es um einen draufgängerischen Hollywood-Schauspieler, der überraschend auf seine 11-jährige Tochter aufpassen muß. Der Trailer und Sofias bisherige Filme versichern mir, daß dabei kein Wir-werden-bessere-Menschen-Kitsch dabei herauskommt, wie das bei einer Mainstream-Produktion vermutlich der Fall wäre.

Bei diesem Bild alleine will ich den Film sofort sehen:


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Heute fand wieder der alljährliche HAUS-Flohmarkt in Salzburg statt - HAUS steht für "Humanitäre Aktionen der Universität Salzburg". Da komme ich eigentlich jedes Jahr mit einem Stapel Bücher und ein wenig neuer Musik heim, die ich dort für kleinstes Geld gekriegt habe (das dann für gute Zwecke verwendet wird).

Gerade in Sachen Schallplatten hat sich das diesjährige Stöbern gelohnt. Folgendes habe ich zu Tage gefördert:


Stephen Duffy war Sänger und Bassist von Duran Duran, bevor die Gruppe bekannt wurde - er stieg schon 1979 aus der nur ein Jahr zuvor gegründeten Gruppe aus. THE UPS AND DOWNS ist sein Debutalbum von 1985 und wird im All-Music Guide als "brilliant" und "stunning" bezeichnet. Vier der Synthpop-Songs wurden von Booker T. Jones produziert, der auf einem Track auch Piano spielt, Stephen Street hat einige Songs co-produziert und abgemischt, und Toni Childs ist auf Duffys erster Hitsingle "Kiss Me" Gastsängerin.


Der Tenorsaxophonist Tommy Smith war mir bislang völlig unbekannt und das Cover der Platte ist eher abschreckend, aber die Besetzung von STEP BY STEP, einer Blue-Note-Veröffentlichung von 1989, klingt gut: Unter anderem spielen John Scofield und Jack DeJohnette (neben Eddie Gomez und Mitch Forman). Gary Burton hat produziert.


Das Duo Annie Lennox & Dave Stewart hat mir auf meiner momentanen Synthpop-Forschungsreise noch gefehlt. SAVAGE ist das sechste Album der Eurythmics, Jahrgang 1987. Offenbar keine Hitsingles darauf, aber daß muß ja gar nichts heißen.


Ein sehr schöner Fund: Dieses Randy-Newman-Album von 1988 wollte ich schon länger haben. Sieben Songs auf LAND OF DREAMS wurden von Mark Knopfler produziert, der auch Gitarre spielt und seinen Haus-und-Hof-Keyboarder Guy Fletcher mitgebracht hat. Auf vier weiteren Songs - produziert von James Newton Howard und Tommy LiPuma - sind namhafte Sessionleute versammelt: Michael Boddicker, Steve Lukather, Nathan East, Jeff Porcaro, Jerry Hey, und andere. Und ein Song wurde von Jeff Lynne produziert, der als Gitarristen noch Tom Petty dazugeholt hat. Randy Newman selbst gehört zu den wenigen Singer/Songwritern, die weniger über sich selbst schreiben (obwohl die ersten drei Songs hier wohl sehr persönlich sein dürften), sondern ihre Geschichten mit imaginaren Figuren bevölkern und erzählen. Ich bin sehr gespannt auf das Album.


Bewegen wir uns ein wenig zurück in der Zeit: NANCY & LEE war das erste Album, bei dem Nancy Sinatra und Lee Hazlewood als Duo auftreten. 1968 war das. (Natürlich hatte Hazlewood schon vorher jede Menge Songs für Nancy geschrieben und produziert.) Das Review des All-Music Guides klingt schmackhaft: "[...] a classic of '60s pop. He plays the leering, deep-throated, trail-worn cowboy to her bright-eyed girl-child, and the match on songs like 'Summer Wine,' 'Sand,' 'Jackson,' and 'Some Velvet Morning' is a smart, sexy, lip-smacking bowl of mind candy." Die schönen Sechziger!


Die Musik von Mikis Theodorakis ist weltberühmt; der Film mit Anthony Quinn natürlich auch. Beides zu recht: ALEXIS ZORBAS bzw. ZORBA THE GREEK ist ein wunderbarer Film über einen kauzigen Lebenskünstler mit einem fantastischen, lebensbejahenden Score. Für mich der schönste Fund heute!

Zwei CDs habe ich auch noch entdeckt:


Eigentlich bin ich gar kein Tom-Waits-Fan - was ich bislang kenne, ist mir zu aufgesetzt verschroben und fasziniert mich dabei mit wenigen Ausnahmen so gar nicht - aber ich respektiere Waits für die ganz eigene künstlerische Stimme, die er entwickelt hat, und seine musikalische Neugier. Außerdem ist BLUE VALENTINE von 1978 - ein Jahr, für das ich eine Schwäche habe - und hat ein starkes Photo als Cover. Darf also in die Sammlung.


Peter Gabriel ist ein interessanter Musiker, mit dem ich mich bislang noch gar nicht richtig auseinandergesetzt habe: Der Mann wird ja üblicherweise auf ein paar Pophits und seine Zeit bei Genesis reduziert, dabei hat er so viel verschiedene Sachen gemacht, darunter auch sehr viel Experimentelles. SO von 1986 beinhaltet natürlich einen seiner größten Hits, "Sledgehammer" - und die Liste der Musiker verspricht für das ganze Album spannende Klänge: Tony Levin, Stewart Copeland, Daniel Lanois, Manu Katche, Richard Tee, Kate Bush, L. Shankar, Youssou N'Dour, Bill Laswell, Nile Rodgers, Laurie Anderson, und andere.


Und drei Bücher aus der alten RoRoRo-Reihe "Grundlagen des populären Films" von Roloff und Seeßlen habe ich noch gefunden: DER ABENTEURER (über den Abenteuerfilm), MORD IM KINO (über den Detektivfilm), und DER ASPHALT-DSCHUNGEL (über den Gangsterfilm). Schade eigentlich, daß mir das schönste Buch jemand weggeschnappt hat: MOVIE-MADE AMERICA: A CULTURAL HISTORY OF AMERICAN MOVIES von Robert Sklar. Eigentlich habe ich das beiseite legen lassen, um es mir zu reservieren, aber dann hat es doch jemand irgendwie mitgenommen. Hoffentlich geht dem Schurken heute noch der BluRay-Player ein.

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Derzeit hüpft Jake Gyllenhaal ja als Prinz von Persien durch ein Bruckheimer-produziertes Kinospektakel, das ich bislang leider noch nicht sehen konnte. Machen wir doch einfach das Nächstbeste und kramen die beiden Originalspiele PRINCE OF PERSIA und PRINCE OF PERSIA 2: THE SHADOW & THE FLAME hervor, die Jordan Mechner 1990 bzw. 1993 für Broderbund designte: Vor allem der Erstling legte den Grundstein für diese erfolgreiche Spielserie (1999 folgte ein dritter Teil im 3D-Gewand; in den 2000er-Jahren kamen diverse Konsolennachfolger heraus, auf deren Stories dann auch letztlich die Filmversion basiert. Natürlich habe ich bislang keinen davon auch nur gesehen). Die geschmeidige Animation und das knifflige Design des Plattform-Jump'n'runs sorgten letzten Endes dafür, daß sich der Original-PRINCE über 2 Million Mal verkaufte.



Unser namenloser Held will also zu Beginn des Spiels die Prinzessin von Persien heiraten, was aber dem sinistren Großvizier Jaffar nicht gefällt: Er läßt den armen Thronanwärter ins Verlies werfen und gibt der Prinzessin ein einstündiges Ultimatum - entweder heiratet sie Jaffar, oder sie stirbt. (Wie Jaffar an den Thron kommen will, wenn er die Prinzessin umbringt, ist mir persönlich unklar, aber höchstwahrscheinlich hat der Herr auch für diesen Fall einen wasserdichten Plan.) Der Noch-Nicht-Prinz muß also innerhalb von 60 Minuten aus dem Verlies fliehen und, nunja, Einspruch gegenüber dem Großvizier erheben.


Das funktioniert als Plattform-Abenteuer, bei dem die einzelnen Verliesräume seitlich gezeigt werden. Der Held muß also durch die ausufernden Kerkerlabyrinthe rennen, springen und klettern, um sich nach und nach in den Palast hochzuarbeiten und Jaffar zu finden. Die 12 Levels, in die das Ganze unterteilt ist, sind dabei vollgepropft mit allen möglichen Fallen und Schikanen: Lockere Bodenplatten fallen einem unter den Füßen weg oder krachen dem Held auf den Kopf; aus dem Boden und aus den Wänden schießen scharfe Spieße hervor; überall sind Fallgitter, die mit Bodenplatten geöffnet werden können, aber ebenso auch mit selbigen vielleicht rasant zudonnern; und ständig gilt es, über Abgründe zu springen und sich im letzten Moment an einem Vorsprung festzuhalten und wieder hochzuziehen. Im ganzen Verlies sind auch Wachen postiert, die in Säbelkämpfen bezwungen werden müssen.


Ganz klar: PRINCE OF PERSIA ist *schwer*. Es gibt Dutzende von Fallen, in die man hineintappt, und die müssen oft nach Trial-and-Error-Prinzip erforscht werden - ebenso wie die Wege durch die teils sehr großen Levels. Mechner kennt wenig Gnade bei den Herausforderungen: Überall muß man in perfektem Timing springen, und allzuoft öffnen die Bodenplatten die Verliesgitter nur gerade so lange, daß man in halsbrecherischem Tempo durchlaufen kann - und dabei entweder gleich dahinter in eine Falle läuft, oder auf dem Weg zum Gitter diverse Abgründe und andere Widrigkeiten schnellstmöglich überwinden muß. Die Wachen sind mit ein wenig Übung nicht allzu problematisch, stehen aber gerne mal so, daß sie einen mit einem gezielten Schwerthieb von der Plattform in den Tod stürzen oder in eine Falle drängen. Sobald man stirbt, steht man wieder am Levelanfang - aber die Uhr tickt weiter, womit sichergestellt ist, daß man das Spiel eigentlich nur dann lösen kann, wenn man zu Levelbeginn brav abspeichert (man kann mitten im Level natürlich nicht speichern) und bei jedem Tod das Savegame wieder lädt.


Und was habe ich mich seinerzeit in dieses Spiel festgebissen! Die Spielästhetik übt ganz klar eine große Anfangsmotivation aus: Die Bewegungen der Spielfigur beim Laufen, Springen, Klettern, Ducken und Kämpfen sind wunderschön. Das ist kein starres Sprite mit comichaft animierten Beinchen wie Mario oder Giana und kein abstraktes Männchen wie Jumpman: Dieser Held wirkt (bzw. wirkte damals - heute sind wir ja auf einem ganz anderen technischen Stand, obwohl die Ästhetik selbst ja die Zeit überdauert und eine gelungene Animation auch eine gelungene Animation bleibt) unglaublich realistisch in seinen Bewegungen, was auch bedeutet, daß man bei den stets knappen Sprüngen und tödlichen Fallen selbst unglaublich mitgeht. Es gibt in PRINCE Momente, wo die Figur einen extremen Sprung ausführen und sich an einem kleinen Mauervorsprung festhalten muß, und ich habe dabei mitunter ein Zittern im Knie, als würde ich selbst in einen gähnenden Abgrund blicken.


Es gibt viel zu entdecken im Spiel - es gibt Wege, die Wachen auszutricksen; es gibt geheime Räume mit Heiltränken; und es gibt auch immer mal wieder Überraschungen: beispielsweise ein Zaubertrank, der den Bildschirm auf den Kopf stellt, oder ein Kampf gegen den eigenen Schatten. Leider verhindert das Zeitlimit eigentlich, daß man die Levels zu gründlich durchforstet, und ich bevorzuge ja eigentlich mehr das Entdecken als das Durchhetzen. Aber wenn man mit den Savegames arbeitet, bleibt einem durchaus ein wenig Luft, die Grafik zu bewundern und die Sackgassen der Labyrinthe abzuklappern.

20 Jahre hat dieser Klassiker mittlerweile auf dem Buckel. Ich habe ihn seinerzeit mehrfach durchgespielt und jetzt vor ein paar Tagen wieder - und Spaß macht das Verlies immer noch. Wie aufgeregt war ich also damals, als ein zweiter Teil erschien: PRINCE OF PERSIA 2: THE SHADOW & THE FLAME. Natürlich habe ich mir den gleich bei Erscheinen gekauft - und mir die Zähne dran ausgebissen.


Das Prinzip des Spiels bleibt dasselbe: Laufen, Klettern, Springen durch verschiedene Levels voller Tücken und Fallen. Zu Beginn taucht der finstere Jaffar wieder auf (dabei habe ich den doch im Erstling in einen Abgrund gedrängt!) und raubt einem die Identität: Er selbst wird also zum Prinz, und unser Held wird als unbekannter Emporkömmling aus dem Palast gejagt. Der Weg zurück zum Palast und zum Showdown mit Jaffar hat diesmal mehrere Stationen: Man kämpft sich durch die Stadt zu einem Boot, landet auf einer Insel, kämpft sich durch eine Höhle, klettert durch eine verlassene Ruinenstadt, läuft durch den schwer bewachten Palast und landet schließlich in einer surrealen Dimension, in der Jaffar besiegt werden muß.

Und Himmel, Gesäß und Nähgarn, ist dieses verdammte Spiel schwer. Es ist wahrhaftig eine Fortsetzung für Menschen, die den ersten Teil schon als Spaziergang ansehen. Jordan Mechner scheint sich gedacht zu haben, daß alle Fallen und Feinde im ersten Teil viel zu banal und offensichtlich seien, und läßt den armen Helden hier in jedem Level tausend Tode sterben. Da gibt es Momente am Ende eines Levels, wo ein falscher Schritt eine Falltür zusausen läßt und man sich nur noch in den Selbstmord stürzen kann, weil man den Ausgang nicht mehr erreicht - woraufhin man natürlich den kompletten Level nochmal von vorne spielen darf, denn auch hier ist Abspeichern nur am Levelanfang möglich (es gibt in manchen Leveln zwischendrin eine Art Savepoint, was nur wenig daran ändert, daß man dieselben fiesen Fallen wieder und wieder und wieder angehen muß). Ständig kracht einem der Boden unter den Füßen weg, teilweise kann man nur mit einer richtigen Kombination aus gedrückten und übersprungenen Bodenplatten weiterkommen, und für die meisten Sprünge hat man nur eine einzige Chance - weil man ansonsten in den Abgrund fällt oder die für den Anlauf benötigten Bodenplatten schon längst weggebröselt sind.


Aber das alles kann man sich ja noch gefallen lassen. Netterweise wurden aber auch die Gegner härter gemacht: Schon in der Höhle laufen nur untote Skelette herum, die wenige Sekunden, nachdem man sie besiegt hat, wieder aufstehen und weiterkämpfen - freilich gerne an Stellen, wo sie einen dann von einer Plattform schubsen oder in einen Lavapool drängen können. Extremst unangenehm sind die Medusaköpfe in der Ruinenstadt, die sich rasant schnell auf einen stürzen und dabei meistens 3-4 Lebenspunkte auf einmal abziehen. Später kommen dann noch adlerköpfige Palastwachen, die nicht gar so tragisch im Kampf sind, aber einen dafür mit ihrer schieren Menge beständig in die Knie zwingen: Da laufen schon mal vier von denen in einem Raum herum und kommen dann auch freundlich aus der entgegengesetzten Richtung, damit man gleichzeitig von vorne und von hinten angegriffen wird.


Ich habe das Spiel damals entnervt in der Ruinenstadt aufgegeben, wo mir die Medusaköpfe schlichtweg das letzte bißchen Nerv geraubt haben. Es hilft freilich wenig, daß man andauernd von Levelanfang an wieder alles neu spielen muß; aber selbst bei einem Continue im selben Raum dürften diese fliegenden Schädel für die eine oder andere wutentbrannt zum Fenster hinausgeworfene Tastatur verantwortlich sein. Es dauert Stunden, bis man den Viechern irgendwie beikommt, und die Taktik funktioniert dann auch nur, wenn man gerade ins Bild hineinlaufen und ihnen dann gegenüberstehen kann - aber freilich tauchen die Mistdinger auch zum Beispiel da auf, wo man sich in einen Raum hineinfallen lassen muß und dann gegen die Wand gedrückt dasteht, wo einen die nervigen Biester dann mit zwei gezielten Attacken erledigen, ohne daß man überhaupt dazu kommt, sich wehren zu können.

Und da ist der Knackpunkt: Das Spiel ist nicht nur mörderschwer (denn das ist vertretbar, vor allem, wo heute so viele Spiele so casual geworden sind, daß man sie in kürzester Zeit mit unendlichen Continues und Respawns und Abspeichern durchgespielt hat) - es ist stellenweise schlichtweg komplett unfair. Es gibt ein paar Situationen zu viel, in denen man sich der Gegner nicht richtig erwehren kann und wo man einfach nur Glück braucht, um etwas zu überleben. Nichts frustriert so sehr, wie wenn man das Gefühl kriegt, daß man das Überleben der Spielfigur gar nicht in der Hand hat, weil man eben nur auf Glück hoffen muß - es bedeutet nämlich, daß man sich völlig umsonst abstrampelt, und daß man die ständige Neuanläufe als Strafe für etwas kriegt, woran man sich gar nicht schuldig fühlt. Es kommt dazu, daß die Steuerung unpräziser ist als im Erstling: Wo man im PRINCE OF PERSIA die genauen Sprünge mit Übung auch so genau plazieren kann, passiert es hier immer wieder, daß die Figur entweder zu früh losspringt oder zu träge reagiert und in den Abgrund fällt. Man kriegt hier regelmäßig die große Krise und fühlt sich betrogen. Das sind die Momente, in denen das Spiel schlichtweg aufhört, Spaß zu machen.


Das ist eigentlich schade, weil das Spiel doch viel zu bieten hat: Durch die verschiedenen Schauplätze fühlt sich die Story wirklich nach einer epischen Abenteuergeschichte an, zumal die Grafik auch hier sehr schön geraten ist. Diesmal gibt es auch Musik während des Spiels, die bei Kämpfen dramatisch an Tempo gewinnt oder beim Erspähen eines riesigen Abgrundes auch schon mal ein finsteres Dröhnen hören läßt. Die Sequenzen zwischen den Levels warten nicht nur mit liebevoll gezeichneten Bildern auf, sondern auch mit Sprachausgabe (das mag natürlich heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorholen, wo doch die Zwischensequenzen mittlerweile wie Film- oder Animationsproduktionen gehandhabt werden, aber 1993 war so eine gelungene Erzählstimme schon ein atmosphärisches Plus.) Und wenn man die Nerven für die Tausenden von Fallen mitbringt, bieten die Levels viele raffinierte Puzzles und spannende Momente.

Damals landete das Spiel also gnadenlos in der Ecke, weil meine Nerven am Ende waren - und das, obwohl ich seinerzeit wirklich viel gespielt habe und Herausforderungen gewöhnt war. Jetzt, 17 Jahre später, habe ich mich aus irgendeinem Grund also festgebissen und das Spiel doch noch durchgespielt - mit viel Fluchen und ein wenig Geschrei und einem kurzen Blick in ein Walkthrough für zwei Puzzles im vorletzten und letzten Level, wo ich sonst wieder irgendwann komplett aufgegeben hätte. Und somit kann ich auch dieses Werk auf die Liste meiner Verdienste setzen, die bestenfalls Spieleveteranen beeindrucken werden: Ich habe Jaffar zweimal besiegt, und was hast du so geleistet im Leben?

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"I can honestly say that PIRANHA II is the best flying piranha movie ever made", sagt James Cameron über sein Regiedebüt. Natürlich hat er Recht, obwohl man darauf hinweisen muß, daß mittlerweile im Remake von REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE auch fliegende Killerfische aufgetaucht sind, die ihm vielleicht diese ruhmreiche Position streitig machen wollen. Noch ein schönes Zitat: "Super-Action und brodelnde Spannung, die sich festbeißt. [...] Ein Muss für Genre-Fans!" So steht's hinten auf der DVD drauf, die mit kessem Wortwitz und Camerons Namen sicherstellen will, daß niemand diesen weltbesten Flugfischfilm in der Grabbelkiste liegenläßt.

Sagen wir es einmal so: Cameron kann nichts für den Film. Der gute Mann fing als Effektbastler an, der bei einigen Roger-Corman-Produktionen für ganz geringes Geld Erstaunliches leistete und dafür vom italienischen Produzenten Ovidio G. Assonitis als Regisseur für PIRANHA II angeheuert wurde, der freilich mit Joe Dantes PIRANHA rein gar nichts zu tun hat. Cameron nutzte die Chance, einen ersten Spielfilm machen zu können, in vollem Bewußtsein, daß der Film billiger Blödsinn werden würde - Hauptsache, der Schritt zum Regisseur wäre mal getan. Er reiste nach Jamaika und mußte dort feststellen, daß die italienische Crew mit der Vorproduktion schon angefangen und hunderte von Storyboards und Produktionsskizzen angefertigt hatte, die mindestens ebenso schlimm waren wie das Drehbuch selbst. Cameron bemühte sich also, das Skript in kürzester Zeit umzuschreiben, um ein wenig Kohärenz in die Geschichte zu bringen, und machte sich an den Dreh - von dem er nach nur 12 Tagen gefeuert wurde, weil Assonitis behauptete, daß das von ihm gedrehte Material nicht geschnitten werden konnte, sich aber gleichzeitig weigerte, ihn das Material überhaupt ansehen zu lassen, um gegebenenfalls Einstellungen nachdrehen zu können. Später stellte sich heraus, daß Assonitis offenbar Cameron nur aus vertraglicher Verpflichtung angeheuert hatte und fest geplant hatte, den Regisseur zu feuern.

Nicht gar so tragisch, wenn nicht der fertige Film trotzdem Camerons Namen tragen sollte! Cameron bot Assonitis an, ihm beim Schnitt zu helfen, was dieser ablehnte - woraufhin Cameron eine Zeitlang nachts in den Schneideraum einbrach, um dort den Film halbwegs zu retten. Assonitis kam ihm allerdings auf die Schliche und machte die Änderungen wieder rückgängig. Letztlich schaffte es Cameron, einen Deal mit dem US-Verleiher einzugehen, der es ihm erlaubte, das Material nochmal nach seinen Vorstellungen zu bearbeiten: Somit mag das Resultat zwar nur zum Teil von ihm stammen, aber immerhin konnte er eine nachvollziehbare Story aus dem trashigen Spektakel schustern.



Da tauchen also plötzlich vor der Küste eines jamaikanischen Touristenidylls gemeine Piranhas auf, die unschuldige Taucher wegknabbern und sogar mit Flügeln ausgestattet sind, mit denen sie über das Land fliegen und auch Nichtschwimmer verputzen können. Schuld daran, wie sich herausstellt, ist das Militär, das dort im Meer vier Kanister mit irgendeiner Gen-Soße (vermutlich Flugpiranhas aus dem YPS-Heft) verloren hat, aber nur drei davon wieder bergen konnte. Während also die hübsche Tauchlehrerin Anne mit dem feschen Kerl vom Militärexperiment anbandelt und vergeblich versucht, den Strand sperren zu lassen (natürlich sitzt in solchen Filmen immer ein geldgieriger Kapitalist, der alle Warnungen in den Wind schlägt und den normalen Ferienbetrieb aufrechterhält), versucht ihr Ex-Ehemann Steve, Polizist des Ortes, herauszufinden, woher auf einmal die vielen angebissenen Leichen kommen. Weil Steve von Lance Henriksen gespielt wird, lacht der auch nie, sobald jemand von den fliegenden Piranhas erzählt.

Thematisch fühlt man sich also doch gleich wie in einem richtigen Cameron-Film: Große Teile spielen auf dem Wasser, es gibt Tauchgänge zu einem versunkenen Schiffswrack, und es gibt Hauptfiguren mit Eheproblemen wie in THE ABYSS oder TRUE LIES. Qualitativ fügt sich der Film dann doch eher in das Gros der italienischen Rip-Off-Streifen ein: Da rödelt ein Synthesizer bei jedem Fischangriff, alle Szenen sind sehr holprig aneinandergestöpselt, und die meisten Schauspieler - nun, "they couldn't act their way out of a paper bag", würde der Amerikaner da sagen, und ich frage mich dann immer, was diese Schauspieler überhaupt in der Papiertüte tun und wie die da hineingekommen sind.

Cameron bemüht sich, die blöden Fische einfach möglichst wenig zu zeigen, aber das ist natürlich nicht so einfach, wenn die Handlung einfach sonst nichts hergibt als Fischattacken. Ein wenig Blut gibt es auch, und hier und dort sind auch nackte Frauen zu sehen, die von Assonitis abgefilmt wurden - der sich wohl gedacht hat: Das einzige, was besser ist als ein Film mit fliegenden Piranhas, ist ein Film mit fliegenden Piranhas und nackten Frauen. Von Corman hat Assonitis dann wohl auch gelernt, daß sich jeder Film mit einer Hubschrauberexplosion verbessern läßt (die Corman dann, wenn der Film gar keine Hubschrauber aufwies, zumindest in den Trailer schnitt), und wertet die fliegenden Fischstäbchen dann mit einer Hubschrauberexplosion *und* einer Schiffswrackexplosion auf. Hoppla, haben wir jetzt das Ende verraten?

Aber hat nicht jeder Cinephile insgeheim eine kleine Schwäche für Filme, in denen sich Menschen Gummitiere an den Hals halten und dann wild herumzappeln müssen, um zu zeigen, wie sehr sie gegen die mordlüsternen Biester ankämpfen?





Piranha II - Fliegende Killer (Italien/USA 1981)
Originaltitel: Piranha II: The Spawning
Regie: James Cameron
Drehbuch: H.A. Milton
Kamera: Roberto D'Ettorre Piazzoli
Musik: Steve Powder (=Stelvio Cipriani)
Darsteller: Tricia O'Neil, Steve Marachuk, Lance Henriksen, Ted Richert, Ricky G. Paull, Leslie Graves
Länge: 91 Minuten
FSK: 16


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1964 war das Ende der Sandalenfilm-Welle schon nah: Es kamen immer noch unzählige Historienabenteuer in die Kinos, aber das Genre war schon längst ausgereizt. Noch im selben Jahr erschien Sergio Leones FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, und kurz darauf begann, neben einer recht kurzlebigen Welle von Agententhrillern im Fahrwasser von James Bond, die Ära des Spaghettiwesterns - die nächste italienische Massenproduktion.

Von Genremüdigkeit ist in Alberto De Martinos DER STÄRKSTE MANN DER WELT (bzw. jetzt in der DVD-Fassung: HERKULES, DER STÄRKSTE MANN DER WELT) wenig zu spüren - sieht man einmal davon ab, daß zum Zeitpunkt der Produktion sicherlich schon jeder Pappmachéfels gestemmt, jede exotische Prinzessin gerettet, jeder Gladiator niedergeknüppelt, jedes Pferd geritten und jeder muskelgepackte Körper abgefilmt war. Aber erzählt wird trotzdem, als wäre alles neu: Im Gegensatz zum Spaghettiwestern oder zum Kung-Fu-Film kam der Sandalenfilm nie bis zur Selbstparodie. Hier wird noch alles fast naiv für bare Münze genommen - sieht man einmal von einigen durchaus willkommenen witzigen Sequenzen ab - obwohl die Flut an muskulösen Heldenkörpern im Kino geradezu nach einer Persiflage geschrien hat.


Gleich zu Beginn sehen wir, wie der finstere Tyrann Milo das Volk von Mykene knechtet und dann erbost seinen Onkel, den König selbst, umbringen läßt, weil der mit seinen Methoden nicht einverstanden ist und ihn verbannen will. Milo schiebt den Mord Euristeo in die Schuhe, aber das Volk selbst bleibt skeptisch und schickt Euristeos Freund Reto los, um Herkules zu Hilfe zu holen, um Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Milo ist aber derweil mit der Hexe Pasiphae im Bunde (Kunststück, wie sich herausstellt, weil das seine liebe Mama ist), die zum Aufwärmen gleich dem wackeren Reto einen großen Sumpf unter die Füße zaubert, in dem er flott sinkt.

Glücklicherweise eilt Herkules Reto flugs zu Hilfe, und praktischerweise hat er auch gleich ein Seil dabei. Nun überlegen wir uns mal kurz, wie wir jemandem aus einem Sumpf helfen, wenn wir ein Seil dabei haben. Einfach ein Ende zuwerfen und den Kerl dann rausziehen? Seid ihr wahnsinnig? Wie unsportlich schaut das denn aus? Herkules wirft das Seil über einen Ast, der sich über dem Sumpf befindet, schwingt sich dann über den Sumpf, wickelt sich dann in der Luft das Seil um den Fuß, um sich nach unten baumeln lassen zu können, und versucht Reto dann zu packen und zum Sumpfufer zu werfen. Also, mir persönlich fallen bei dieser Technik diverse Probleme ein, die auftauchen könnten - z.B. daß der Ast bricht, oder daß der Schwung verlorengeht und ich einfach nur blöd über dem Sumpf hänge, oder daß meine Fußschlaufe nicht hält - aber natürlich bin ich ja auch kein Held und Halbgott wie Herkules, und der muß ja wissen, was er tut.


Nun gut. Reto unterrichtet also Herkules über die Geschehnisse, und unterdessen sehen wir, wie Milo in Mykene seine neue Wunderwaffe ausprobiert - auch ein Geschenk von seiner Mutti: Es ist ein goldener Dolch, der, sobald er ihn aus der Scheide zieht, sieben unbesiegbare goldene Kämpfer erscheinen läßt, die sich unverzüglich daran machen, jeden herumstehenden Mann niederzuknüppeln. Sobald man den Dolch wieder in die Scheide steckt, verschwinden die Goldjungs. Wie praktisch! So ein Aufräumkommando wäre ja auch ungemein hilfreich, wenn man noch Weihnachtsgeschenke kaufen muß und im Einkaufszentrum zuviele Leute die Gänge blockieren, oder wenn man sich mal in einer wissenschaftlichen Huhn-und-Ei-Diskussion auf dem Verliererposten sieht.

Nun hat Milo zwar den König beseitigt, aber der Thron fällt nicht an den Schurken Milo, sondern an die Tochter des Königs, Ate, beziehungsweise an den Mann, der einen anstehenden Gladiatorenwettkampf gewinnt und sie heiraten darf. Milo faßt also einen finsteren Plan: Er schafft seiner rechten Hand, Gordio (der schon auf Milos Geheiß den König mit einem Speer bewarf), einfach an, den Wettkampf zu gewinnen und erklärt ihm, daß er dann über ihn Mykene beherrschen wird. In Wahrheit hat Milo aber eine Falle gebaut, die das frischvermählte Paar dann mit einem "Unfall" beseitigen soll, damit der Thron dann doch an Milo geht. Hier zeigt sich mir einmal mehr, daß ich wohl nicht zum Herrscher geboren bin: Wieso kann Milo eigentlich nicht diese Falle verwenden, wenn irgendwer anderes den Wettkampf gewinnt? Warum muß er seine treue rechte Hand für diesen Plan opfern? Und wie kann man jemandem befehlen, einen Wettkampf zu gewinnen? Es ist wohl gut, daß wichtige Staatsentscheidungen immer noch den Politikern vorbehalten sind und nicht von mir getroffen werden müssen.



Gordio zeigt sich aber als braver Untergebener und gewinnt den Wettkampf: Das macht er, indem er selbst einen Streitwagen mit rotierenden Klingen an den Rädern als Waffe wählt, während der andere Trottel zu Fuß unterwegs ist und einen dreisternigen Morgenzack schwingt. Wenn ich jetzt nun wiederum dieser Kämpfer wäre, würde ich ganz einfach immer hinter dem Streitwagen herlaufen und Gordio von hinten eins auf die Mütze geben - die Arena ist nämlich viel zu klein, als daß Gordio mit seinem Wagen schnell fahren könnte - aber irgendwie läuft der Herausforderer doch immer seitlich ran und wird dann in absehbarer Zeit auch von den Klingen umgebracht. Während Gordio sich aber schon als Sieger wähnt, tritt Herkules als Herausforderer in die Arena und wählt als Waffe einfach mal gar nichts: Ein echt cooler Hund. Und nur wenige Minuten später liegt Gordio besiegt am Boden. Zack.

Milo scheint nun mittlerweile selbst auf den Trichter gekommen zu sein, daß er seine Falle auch an einem anderen Sieger ausprobieren kann. Während Herkules und Ate also in einem kleinen Streitwagen durch das Tor der Arena fahren, saust plötzlich eine mit unzähligen Dolchen präparierte Decke auf die beiden herunter. Herkules kann den großen Klotz aber oben festhalten, damit Ate weglaufen kann, und dann müht er sich selbst auch noch unbeschadet zur Seite weg. Tipp an Milo: Nächstes Mal richtige Dolche nehmen und nicht diese soften Pappexemplare, die so sichtbar hin- und herwackeln. Ich frage mich gerade noch, wie man eine solche Falle der Öffentlichkeit als überraschenden Unfall verkaufen will, aber sicherlich hätte Milo da schon eine sehr einleuchtende Erklärung gehabt.

Es folgt die schönste Sequenz des Films: Ein Kampf Herkules gegen die goldenen Krieger. Die sind diesmal aber gar nicht von Milo heraufbeschworen worden, sondern von einem kleinen Affen, der zu zwei Dieben gehört, die gerade den Palast plündern wollen. Der Affe zieht also den Dolch aus der Scheide, und Herkules muß sich mit den goldenen Sieben prügeln. Der Kampf ist strikt komisch ausgerichtet: Da ertönt das Geräusch einer hohlen Vase, wenn Herkules einem Goldkrieger mit der Faust auf den Kopf hämmert; da packt Herkules zwei der Jungs und läßt ihre Köpfe aneinanderknallen; da verschwindet Herkules hinter einer Säule, und der unterbelichtete Goldmann schaut rätselnd langsam um die Säule herum und kriegt auch schon von Herkules von hinten eins auf die Goldrübe. Irgendwann nimmt sich Herkules eine große Säule, die er einhändig durch den Raum schwingt, und dabei klopft er die Jungs im Akkord nieder, die in einer Einstellung auch brav zu viert aufgereiht sind und boing-boing-boing-boing die Säule seitlich an den Nüschel kriegen.


Die weitere Handlung ist dann leider wieder ernst, beziehungsweise: ernst gemeint. Milo läßt Prinzessin Ate entführen und Reto umbringen und schiebt die Schuld dann Euristeo in die Schuhe, woraufhin Herkules zum Hulk wird und diverse Hütten niederwalzt, bevor er Euristeo dann umbringt (das eher aus Versehen, weil er Euristeo herumschubst und der dann mit dem Kopf auf einen Stein knallt). Plötzlich ist ein aufgemalter Blitz am Himmel zu sehen, und die Stimme von Zeus donnert herab: Herkules hat seine Macht mißbraucht und wird jetzt seine übermenschlichen Kräfte verlieren. Sapperlot, hat Zeus denn nicht aufgepaßt? Hat er denn nicht mitgekriegt, daß Herkules hereingelegt wurde? Nun, wahrscheinlich ist Zeus gleichzeitig auch noch in drei Dutzend anderen Sandalenfilmen tätig und kann die Handlung hier nur ausschnittweise verfolgen.

Herkules erkennt aber durch diese Strafe zumindest, daß er sich auf dem Holzweg befand, und eilt zum Palast, um Ate zu retten. Da er jetzt leider keine Säulen mehr stemmen kann, wird er festgenommen, und nur kurze Zeit später steht er an einer diabolischen Konstruktion, die Milo sicherlich später Arbeit als Jigsaw-Fallenbastler beschert hätte: Es ist eine Art Wippe, an deren einem Ende die Prinzessin festgebunden ist. Über ihr spitze Dolche. Am anderen Ende der Wippe steht Herkules unter einem großen Behälter, in den Steine geworfen werden. Herkules muß also den immer schwerer werdenden Behälter stemmen, damit die Prinzessin am anderen Ende nicht nach oben in die Dolche gekippt wird. Raffiniert! Milos Rechtfertigung dabei ist es, daß Herkules ein Betrüger und Ate eine Verräterin sei und er die beiden damit testet - aber sind wir uns mal ehrlich, wenn er die beiden heimlich in seinem Verlies hätte umbringen lassen, hätte das vielleicht ein noch geschickterer Plan zur Sicherung seines Herrschaftsanspruches sein können.

Nachdem sich Herkules also minutenlang mit den Felsbrocken abgemüht hat und die Prinzessin schon sehr nahe an den Klingen ist, schaltet Zeus wieder auf das laufende Programm um und gibt Herkules seine Kraft zurück. Herkules wirft den Steinbehälter auf die herumstehenden Wachen, kippt die Wippkonstruktion kurzerhand um und macht sich dann daran, alles und jeden zu verkloppen. Der Sieg des Guten ist eben nicht aufzuhalten.


Nun ja, fast. Milo entführt nämlich Ate und flieht mit ihr zur Höhle, in der seine Mama lebt. Herkules folgt ihm und kämpft gegen Milo, den er in den Abgrund wirft. Draussen an der Klippe sieht er Ate, die sich am Fels festhält und abzustürzen droht. An einer anderen Stelle sieht er aber noch eine andere Ate, die ebenso abzustürzen droht: Eine von beiden ist offensichtlich die Hexe Pasiphae, die Herkules täuschen will, damit er die echte Prinzessin nicht mehr retten kann. Herkules aber schaut der einen Prinzessin in die Augen und muß feststellen: "Du bist nicht Ate. Ihre Augen sind rein und unschuldig." Zack, die Hexe stürzt nach unten, und Herkules kann die richtige Frau retten. Happy End am Isthmus von Korinth. Warum hat Pasiphae die liebe Ate eigentlich nicht einfach nach unten geschubst? Oder sich von hinten an Herkules angeschlichen und ihn nach unten geschubst? Warum beinhaltet ihre List eine Situation, in der sie selbst ebenso von der Klippe fallen kann - wenn sie sich oben auf den Hügel heraufgestellt hätte und Herkules gerufen hätte, wäre der Plan doch nicht minder super gewesen? Ach, ich glaube, ich habe einfach keine Ahnung von der griechischen Sagenwelt.





Der stärkste Mann der Welt (Frankreich-Italien 1964)
Regie: Alberto de Martino
Darsteller: Dan Vadis, Marilù Tolo, Pierre Cressoy, Piero Lulli, Enzo Fiermonte, Renato Rossini, Moira Orfei
Länge: 75 Minuten
FSK: 16



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Die erste Minute lang macht sich eine wunderbare Vorfreude breit. Der Vorspann beginnt, und darüber läuft John Carpenters klassisches HALLOWEEN-Thema, dieses so simple und nervenaufreibende Pianomotiv, neu arrangiert von Danny Lux, mit düsterem Ambientbackground und klingenscharfem Sounddesign. Vielleicht ist es eine Art Konditionierung, daß man bei dem Thema Großartiges erwartet, auch wenn das ganz streng genommen nur ein einziges Mal wirklich eingelöst wurde.

Aber, was soll man sagen - dann beginnt der Film. Und das gleich auf dem ganz falschen Fuß. Nun hatte ja HALLOWEEN H20, der Vorläufer und siebte Teil der Serie, die Geschichte mit einem gelungenen Schlag eigentlich beendet: Jamie Lee Curtis, Heldin der ersten beiden Filme und natürlich der größte emotionale Bezugspunkt zur Serie, ist fertig mit Flüchten und Fürchten vor ihrem psychopathischen Bruder Michael Myers, greift mit Mordlust zur Axt und schlägt dem Kerl den Kopf ab. Schnitt und Abspann. Das saß als adrenalinreicher Schlußpunkt ihrer Figur ebenso wie als logische Konsequenz der bislang gescheiterten Versuche, Myers zur Strecke zu bringen: Was macht man sonst noch mit einem Stehaufmännchen, das schon erschossen und in die Luft gejagt und auch sonst vielfach erledigt wurde und doch wie der Coyote in der nächsten Episode wieder aufs Neue angeschlichen kommt?

Laurie Strodes (Jamie Lee Curtis) letzte Begegnung mit Michael Myers.

Zum Zwecke der Fortsetzung muß also HALLOWEEN: RESURRECTION das Ende negieren: Es war gar nicht Myers, der da geköpft wurde, sondern ein armer Sanitäter, der die Maske übergestülpt bekam und sich dank zertrümmertem Adamsapfel nicht zu erkennen geben konnte (hätte er die Maske nicht einfach abnehmen können? Oder die Arme nach oben strecken können?). So vegetiert Jamie nun also in der Nervenheilanstalt dahin und wartet darauf, daß Myers sie wieder heimsucht. Natürlich macht er das auch prompt, bringt einige Wärter um, und wird dann von Jamie in eine Falle gelockt - aber weil sie nicht noch einmal denselben Fehler machen will, versucht sie, seine Maske abzunehmen. Dabei kann er sie packen und umbringen. Was für ein unwürdiges Ende für die vielleicht ikonischste Slasherfilm-Heldin.

Dann erst beginnt die eigentliche Geschichte, und die ist von vorne bis hinten eine Demonstration völlig verpaßter Chancen. Eine Gruppe von Teenagern soll die Halloween-Nacht im alten Haus von Michael Myers verbringen - Haus wie Personen sind dabei mit kleinen Kameras ausgestattet, um die Nacht als Internet-Stream für die Website "Dangertainment" zeigen zu können. Was die Produktionsfirma allerdings nicht geplant hat, ist die Tatsache, daß Myers selbst im Keller des Hauses lebt und die Eindringlinge der Reihe nach ermordet - vor den Augen der Internet-Zuschauerschaft.

Produzent Freddie (Busta Rhymes, mit Tyra Banks) stößt auf den Erfolg seines Reality-Horrorprojekts an.

Wo fangen wir an? Die Idee des Internet-Streams verleiht dem Film eine gewisse BLAIR-WITCH-Ästhetik, wobei die Kameraperspektiven der Protagonisten nur kurz zu sehen sind und ansonsten in eine herkömmliche filmische Erzähl- und Inszenierungsweise eingebunden sind - vermutlich besser so angesichts der unscharfen und verwackelten Clips, in denen dank des geringen Lichts ohnehin meist kaum etwas zu erkennen ist. Nur leider wird die Big-Brother-Horroridee nie wirklich behandelt: Es sitzen eben in der zweiten Filmhälfte einige Teenager auf einer Party vor dem Schirm und kommentieren das Geschehen, was die Prise Ironie in den Film bringt, den sich die Post-Slasher freilich allesamt von SCREAM abschauen mußten. Da werden Special Effects in Mordszenen kritisiert und das gute Spiel der Hauptdarstellerin gelobt, die angstschreiend vor Myers davonläuft. (Der Handlungsstrang hat letztlich den Zweck, daß einer der Zuseher der Hauptfigur per Handy-Textnachrichten Informationen über den Aufenthaltsort von Myers geben kann.)

Aber warum wird die Idee nicht in irgendeiner Form thematisiert, wo doch soviel Vorlage vorhanden wäre? Was gäbe es zum Thema "inszenierte Angst" zum Zwecke der Unterhaltung zu sagen? Was gäbe es zur geschmacklosen Sensationsgier eines Produzenten (und somit: eines Medienapparats) zu sagen, der einen tatsächlichen Tatort für seine Show ausnutzt und dafür noch mit einschlägigen Requisiten präpariert? Was kann man aus der öffentlichen Faszination für Mörder und Serientäter herauslesen? Und was könnte man über den Voyeurismus der Zuseher sagen, die mit der Zeit merken, daß die gezeigte Angst echt ist? Gerade in letzterem Punkt würde sich beispielsweise die Vorlage für einen ganz realen und zynischen Horror bieten: Wie wäre es denn gewesen, wenn mehr Zuseher dazukommen, sobald klar wird, daß die Show echt ist, und die sich dann in sicherer Distanz zum Geschehen am grausamen Spektakel weiden? Und in Fortführung des Gedankens: Würde die Produktionsfirma das Geschehen dann manipulieren, um die Show noch erfolgreicher zu machen?

Studentin Donna (Daisy McCrackin) durchsucht das Myers-Haus.

Klar, wir sehen, wie der Produzent (Busta Rhymes) geisterbahnähnliche Schreckmomente ins Haus gebaut hat und dann mit Myers-Maske durch das Geschehen stapft, um die Teenager zu erschrecken. Aber das tut er natürlich in völliger Naivität. Auch die Dopplung der Myers-Figur wird kaum ausgereizt: Da gibt es eine absurde Szene, wo der Produzent mit Myers-Maske den echten Killer anbrüllt, weil er glaubt, daß es ein Produktionsassistent ist, der ebenfalls als Myers im Haus umgeht. Myers hört sich das Beleidigungsgewitter des Produzenten eine halbe Minute lang an und geht dann aus nicht nachvollziehbaren Gründen einfach wieder weg. Und natürlich kämpfen die Teenager später mit dem falschen Myers, aber der kann sich rechtzeitig zu erkennen geben, bevor etwas Schlimmes passiert.

Für den echten Horror fehlt der Film schlichtweg der Nerv - es werden nur die bekannten Slasher-Situationen von A bis Z durchexerziert, natürlich stets mit plötzlicher lautstarker Musik, sobald etwas passiert. Aber nirgendwo wird etwas wirklich Schreckliches gezeigt, nie werden wirklich Abgründe ausgelotet. Selbst in der Inszenierung der Morde hat Regisseur Rick Rosenthal (der bereits HALLOWEEN II drehte, obwohl dort dann Carpenter selbst einige Szenen nachdrehte und änderte) nie den Mut, den Zuschauer wirklich nervlich zu belasten oder irgendwie emotional zu involvieren: Überall herrscht nur das müde "Kleine-Negerlein"-Abhaken der Figuren, die uns dank völlig fehlender Charakterisierung nie vertraut und somit herzlich egal sind. Noch zu Beginn wird eine Figur von Myers mit einer Art Harpune gegen die Wand gedrückt und umgebracht, aber der Film schneidet immer wieder zu einer Angestellten der Produktionsfirma, die freilich nicht auf den Monitor schaut und somit dem armen Jungen nicht helfen kann. Ich denke da im Vergleich unwillkürlich an eine Sequenz mit einem Bohrer aus Lucio Fulcis CITY OF THE LIVING DEAD - wie beharrlich Fulci sich geweigert hat, wegzuschneiden und uns als Zuseher in Sicherheit zu bringen, und wie lange er suggeriert hat, daß die Rettung noch kommt, indem er einfach gar nichts hat passieren lassen. Wieviel effektiver die Sequenz doch inszeniert ist, und wie sehr sie den Zuseher doch mitnimmt.

Michael Myers wartet schon auf Sara (Bianca Kajlich).

Natürlich ist das alles viel zu viel verlangt für ein Sequel von der Stange, das dem Publikum exakt das nochmal serviert, was es ohnehin schon so oft gesehen hat. In der Horrorfortsetzung wird nun mal das ewig Gleiche wieder und wieder abgefeiert, und erwartet wird von so einem Film auch gemeinhin eher die Vertrautheit als die Herausforderung. Am Schluß von HALLOWEEN: RESURRECTION wird Myers per Stromschlag getötet und abgefackelt, aber natürlich reißt er im Leichenschauhaus das Auge wieder auf. Statt einem neunten Teil kam aber ein Remake des ersten, was effektiv auf dasselbe hinausläuft - Myers fordert neue Opfer. Und momentan wird an HALLOWEEN III gearbeitet, dem zweiten Sequel des Remakes, aber kein Remake vom zweiten Sequel des Originals. Da war nämlich Myers gar nicht drin, weil John Carpenter etwas Originelleres produzieren wollte. Was für eine anachronistische Idee.


Mehr HALLOWEEN auf Wilsons Dachboden:
Das Böse lebt im Remake fort: Rob Zombies HALLOWEEN
Der Soundtrack zu HALLOWEEN: Nervenaufreibender Minimalismus
Lichtspielplatz #3 - Die HALLOWEEN-Sequels (Podcast)




Halloween: Resurrection (USA 2002)
Regie: Rick Rosenthal
Drehbuch: Larry Brand & Sean Hood
Kamera: David Geddes
Musik: Danny Lux
Darsteller: Busta Rhymes, Bianca Kajlich, Thomas Ian Nicholas, Sean Patrick Thomas, Tyra Banks, Jamie Lee Curtis, Katee Sackhoff, Daisy McCrackin
Länge: 86 Minuten
FSK: 18

Die Screenshots stammen von der DVD (C) Highlight Communications AG.


Vor langer Zeit wurde hier einmal die These aufgestellt, daß Filme, die am Wörthersee spielen, um runde 15% lustiger sind als Filme, die an irgendwelchen anderen Seen gedreht wurden (siehe: hier). Welch ein Glück, daß der Dinosaurier des österreichischen Films, der große Franz Antel, schon 1966 bewiesen hat, daß auch weniger populäre Gewässer mit der humoristischen Güteklasse des Kärntner Teichs mithalten können! Und zwar mit der Komödie HAPPY END AM WOLFGANGSEE, die ursprünglich mal 00-SEX AM WOLFGANGSEE hieß - vermutlich, damit man nicht schon im Titel erfährt, wie der Film ausgeht.

Da sind also mal alle bewährten Muster des deutschsprachigen Unterhaltungskinos versammelt: Ein Hotel, viel Liebe, ein paar dufte Schlager, debiles Gehampel von sogenannten Volksschauspielern (der Begriff dient sicherlich der Abgrenzung vom richtigen Schauspieler - wäre das dann der Staatsschauspieler?), sehr flache Witze, bei denen sich die Sechsjährigen mitunter schon die Hand auf die Stirn klatschen, und natürlich: eine lange Kette an Verwechslungen. Schließlich wurden in Deutschland ja schon vor dem Krieg Menschen verwechselt: DREI MÄNNER IM SCHNEE. Und weil so ein österreichisches Lustspiel ja auch immer mit diversen Bergen, Wiesen und Lokalkolorit die Touristen anzulocken versucht, können die Erzählmuster beider Länder getrost als Einheit verstanden werden.

In diesem schönen Hotel am Wolfgangsee spielen sich nun also verschiedene - nennen wir es mal: - Episoden ab. Da ist der schwerreiche Hotelbesitzer, der als Playboy ein gutes Dutzend fescher Damen an der Hand hat. Der kriegt Besuch von Steuerprüferin Waltraut Haas, die sofort an der Frisur zu erkennen ist: Eine Mischung aus Bienenstock und Eierwärmer. Die gute Frau ist schwer verliebt in den Hotelbesitzer, was sie aber unter diversen strengen Ermahnungen zu verstecken weiß: Der Herr möge doch endlich einmal seine Steuern ernst nehmen! Der wiederum kommt nicht darauf, daß Frau Haas ihn gerne heiraten möchte, obwohl sie ihm stets eine Eheschließung zur Einordnung in eine günstigere Steuerklasse empfiehlt. Außerdem trägt sie eine Brille, und wir wissen ja, daß bebrillte Frauen im Film immer unattraktiv sind, bis sie dann endlich mal auf Kontaktlinsen umsteigen (oder halbblind durch die Gegend stolpern) und sofort zum Sterben schön aussehen. Wir sehen: Den beiden steht viel Arbeit bevor.

Mindestens ebenso aufregend ist die Verwicklung um die Band, die im Hotel zur Belästigung der Gäste angeheuert wurde: "Die Gentlemen spielen einen knallharten Beat", weiß uns der Portier (Raoul Retzer!) zu berichten, aber in der Tat spielen die Gentlemen zumeist eine knallharte Schlagersoße, bei der im wirklichen Leben das Hotel alsbald dank flüchtender Gäste Konkurs anmelden dürfte. Nur manchmal wachen sie in ihren Käsekuchenuniformen auf und spielen einen englischsprachigen Song, der den Beatles-Sound in präzisem Mimikry nachstellt. Jedenfalls wartet die Band, die von Eiskunstläufer Hans-Jürgen Bäumler geleitet wird, zu Beginn des Films noch auf die Ankunft ihres Drummers, einem Peter Werner, und dann taucht eine kleine Frau auf, die sich als Peter ausgibt. Auch hier wieder ein bekanntes Muster des deutschen Heiterkeitsreigens: Egal, wie sehr man doch das Geschlecht einer Person deutlich erkennt - im Film lassen sich eine große Anzahl von Menschen lange hinters Licht führen. Aber vielleicht sind die Gentlemen mit dem knallharten Beat ja auch Drummer mit rosa Lipgloss schon gewohnt und können als Prä-Glamrock-Kapelle verstanden werden.

Aber man muß der Band ja zugute halten, daß die Herren Verdacht schöpfen und der Sache auf den Grund gehen wollen. Sie erkennen dann recht bald, daß sich unter der schwarzhaarigen Verkleidung ihres Drummers eine sehr schöne Frau verbirgt (deren blondes Haupthaar in etwa viermal soviel Volumen einnimmt, wie man es mit der kleinen schwarzen Perücke verbergen könnte). Also probieren die Herren beständig, ihren Drummer zu "outen", zum Beispiel, indem sie mit ihm/ihr Segeln und dann Nacktbaden gehen. Weil der guten Frau ständig neue Ausreden einfallen und die Herren Musiker wohl viel zu höflich sind, sie einfach auf ihre offensichtliche Scharade anzusprechen, trägt dieser Handlungsfaden auch brav den kompletten Film - und führt selbstverfreilich dazu, daß sich der Bäumler in die Beatprüglerin verliebt und beide dann sofort heiraten wollen.

Bei all diesen lebensnahen Verwicklungen wollen wir aber mal nicht den schönsten Handlungsstrang ignorieren, der sich um zwei Hotelangestellte dreht, und zwar: Paul Löwinger und Franz Muxeneder. Oh ja, die Volksschauspieler. Löwinger ist hier nämlich großer James-Bond-Fan und vermutet ständige Geheimaktionen im Hotel, wovon er dann seinen unterbelichteten Kollegen Muxeneder überzeugen will. Weil Löwinger diverse Gespräche des Chefs von Waltraut Haas abhört und mißversteht (der Mann redet vom "Umlegen" und meint aber keinen Mordanschlag, sondern eine Buchhaltungstätigkeit: wo ist so ein am Boden rollender Smiley, wenn man ihn mal braucht?), glaubt er also, daß sich eine Bombe im Hotel befindet. Also zieht er seinen guten Freund, den brillanten Erfinden Dr. Gunter Philipp, zu Rate, der ihm auch schon ein Gerät zur Prüfung des Eisengehalts in Gepäckstücken gebastelt hat: Man unterscheidet zwischen Leichteisen, Schwereisen und Schießeisen. Tusch! Der hilfreiche Herr Philipp schlußfolgert also beim Streifzug durch das Hotel: "Es ist naheliegend, daß sich die Bombe in diesem Raum befinden muß", woraufhin der arme Löwinger erschrickt: "Was denn, die Bombe ist schon naheliegend?" Jawoll, noch'n Tusch!

Gegebenenfalls ist dieser Handlungsstrang am ehesten der Grund dafür, daß der ganze Film im Lexikon des Internationalen Films mit den kurzen Worten "Klamaukhafte Franz-Antel-Unterhaltung" abgefrühstückt wird. Freilich gibt es keinen Schmäh, der den drei Grenzdebilen nicht zu plump und zu sparsam wäre, als daß er nicht doch mit aufgerissenen Augen und viel Gefuchtel serviert werden könnte. Da demonstriert Gunther Philipp seine neue Autowaschanlage, die so gründlich funktioniert, daß ein rotes Auto mitsamt einem schwarzen Pudel in strahlendem Weiß wieder herauskommen. Tusch! Beim zweiten Anlauf schrumpft der gewaschene Wagen leider auf Tretautogröße, aber Herr Philipp klemmt sich das Gefährt flugs unter den Arm und stellt es dem verblüfften Kunden zufrieden vor die Füße. Doppeltusch! Beim Basteln einer Abhöranlage weist der Philipp den Löwinger an, mal die Stromkontakte anzufassen - nichts passiert. "Gut", konstatiert der Erfinder zufrieden, "dann laufen die 5000 Volt doch durch den Generator". Tusch! Und dann kommt noch Muxeneder dazu, dessen Schreibtischlampe nicht funktioniert, und natürlich hängen sie dann alle drei am Gerät und kriegen den großen Stromschlag, während die Lampe strahlt. Tusch, Tusch! Und ganz hinten gibt sich Philipp auf Agentenjagd als Filmemacher aus. "Da mußt du aber doch was vom Film verstehen", gibt Löwinger zu bedenken. Philipp kontert: "Aber als Regisseur doch nicht!" Dreifachtusch!

Erwähnten wir schon, daß der Film fast schmerzhaft beknackt ist?





Happy End am Wolfgangsee (Österreich 1966)
Originaltitel: 00-Sex am Wolfgangsee
Regie: Franz Antel
Drehbuch: Kurt Nachmann, Walter Breuer
Kamera: Siegfried Hold
Musik: Johannes Fehring
Darsteller: Waltraut Haas, Gunther Philipp, Hans-Jürgen Bäumler, Helga Anders, Erwin Stahl, Raoul Retzer, Paul Löwinger, Franz Muxeneder
Länge: 85 Minuten
FSK: 6


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Da schreibe ich gestern noch darüber, daß die sparsamen italienischen Monumentalschinken heutzutage einfach nicht mehr allzu aufregend sind - und kehre heute mit der "Cinema Colossal"-Box No. 2 nach Hause zurück, in der sich glatt drei weitere der Historienabenteuer befinden! Die Firma e-m-s hat ja schon vor einiger Zeit eine ganze Schippe von Sandalenfilmen aufgelegt; jetzt haben sie die einzelnen Filme auf 5 Boxen verteilt, die, wenn man sie sich alle ins Regal stellt, ein großes Bild aus DIE LETZTEN STUNDEN VON POMPEII ergeben. Und ein kleines Booklet mit einem interessanten kurzen Text zum "neomythologischen" Film ist auch dabei.

Und, mal ehrlich: Wie kann ein Cinephiler diese Filme nicht sehen wollen?


Auch wenn auf dem Plakat "Herkules" steht - auf deutsch heißt der Film SAMSON, BEFREIER DER VERSKLAVTEN. Und neben Muskelmann Brad Harris spielt tatsächlich Serge Gainsbourg!


In HERKULES, DER STÄRKSTE MANN DER WELT spielt der nicht minder muskulöse Dan Vadis. Den habe ich vor langer Zeit schon einmal im Fernsehen gesehen, weil er von Alberto De Martino inszeniert wurde (erinnern wir uns an De Martinos anderen Sandalenfilm: BLUTGERICHT).


ATTILA, DIE GEISSEL GOTTES scheint nochmal eine andere Güteklasse zu sein: Da spielen Anthony Quinn, Sophia Loren und Irene Papas mit!

Ganz großes Kino. Ich fühle es.

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Seinen Status hat Umberto Lenzi hauptsächlich mit zwei groben Kannibalenreißern zementiert, den blutigen Magenumdrehern MANGIATI VIVI und CANNIBAL FEROX. Dabei ist dieser Status - Regisseur harter Geschmacklosigkeiten in enger Verwandschaft zu Lucio Fulci, Joe D'Amato und Ruggero Deodato - weder besonders akkurat noch von ihm selbst wirklich gewünscht. Vielmehr ist Lenzi ein Vielfilmer, ein Handwerker, der sich den populären Trivialstoffen der Zeit widmet und dort seine Geschichten erzählt.

Am Anfang seiner Karriere hat er - wie so viele italienische Regisseure, die in Auftragsarbeiten beliebter Genres ihre ersten Chancen wahrnahmen - Historien-Abenteuerschinken inszeniert; später dann folgten Agentenfilme, Krimis, Thriller, Komödien, Horrorfilme, Kriegsdramen und Actionspektakel. Darunter sind einige absolut gelungene Werke (ich mag z.B. den Giallo LABYRINTH DES SCHRECKENS), einige ganz und gar nicht gelungene Filmchen (schon in den Frühtagen dieses Blogs wurde hier über KOMMANDO SCHWARZER PANTHER und BRIDGE TO HELL hergezogen), und sehr viel handwerklich solides B-Kino, das für die Dauer der Lauflänge klar in Ordnung geht.

Wenn es also nicht die erwähnten beiden fiesen Kannibalenstreifen gäbe, wäre IM TEMPEL DES WEISSEN ELEFANTEN wohl kaum der Rede wert: Es wäre schlichtweg einer unter Dutzenden, wenn nicht Hunderten von historischen Abenteuerfilmen, die vor allem in der ersten Hälfte der Sechziger aus Italien kamen. Die Crews waren versiert und eingespielt; die Produktionen ratterten die Stoffe am Fließband herab; wenig Chance also für einen jungen Regisseur, viel verkehrt zu machen - aber auch ebensowenig Raum, eine eigene Handschrift einzubringen. Herkules, Samson, Robin Hood, Sandokan, Zorro und jeder andere halbwegs historisch zu verortende Held wurde durch Kämpfe und Schlachten geführt, die sich selten mit geschichtlicher Genauigkeit aufhielten und mit ihrem kleinen Budget stets dieselben Schauwerte lieferten: Farbenfrohe Kostüme in Pappkulissen, ein paar Kämpfe, ein bißchen Liebesdrama, muskulöse Heldenfiguren und schöne Frauen, die gerettet und edelst geliebt werden wollen.


IM TEMPEL DES WEISSEN ELEFANTEN ist in Indien angesiedelt, wo eine Sekte das Land unsicher macht und die britischen Eindringlinge vertreiben will. Gleich zu Beginn werden ein britischer Offizier und seine Geliebte, die Tochter eines Diplomaten, entführt, und es liegt am Soldaten Richard Ramsey, beide wieder zu befreien und die Sekte zu zerschlagen. Weil die sich aber in einem Geheimversteck verschanzen, muß Ramsey selber zum Outlaw werden, um Zugang zur Sekte und Eintritt in ihren Tempel zu kriegen - wozu er eine indische Prinzessin und ihren Wächter an die Sekte verrät, die auch den Bruder der Prinzessin gefangenhalten.

Viel Platz also für Drama, exotische Locations und erbitterte Kämpfe. Lenzi liefert alles handwerklich geschickt ab, weshalb der Film ungefähr so solide ist wie zehn Dutzend andere dieser Spektakel: Es gibt keine Holprigkeiten, aber dafür eben auch wenig Highlights. Wobei es heutzutage ohnehin schwer ist, bei den alten Kostümabenteuern noch mitzufiebern: Zu hölzern stehen die Darsteller steife Reden schwingend in den offensichtlichen Kulissen, zu wenig involvierend sind die immer gleichen Geschichten, und zu abgeklärt sind wir heute, als daß bemaltes Pappmaché und ein wenig dekorative Flora uns ein atemberaubendes Bild von Indien (respektive, in den anderen Filmen, dem historischen Griechenland, Italien, England, usw.) bescheren könnten.

Es bleibt der unbestreitbare Charme der etwas angestaubten Streifen, der 85 Minuten lang durchaus trägt. Und als Randnotiz sei fairerweise noch erwähnt, daß das Drehbuch Ramseys Plan, sich als Outlaw beim Tempel einzuschleusen, nicht vorher schon im Detail diskutiert: Es bleibt dem Zuseher überlassen, Ramseys Ziele und Motivationen herauszufinden. Nicht, daß es wahnsinnig schwer wäre, den Auftrag des Helden in einem solchen Film zu erkennen - aber es ist doch schön, wenn ein Film uns nicht gleich alles im Vorfeld per Bedienungsanleitung erklärt.

In diesem Sinne noch drei Anmerkungen:


Der vielleicht einzige herausstechende inszenatorische Einfall in diesem Film: Während der anfänglichen Kampfsequenz sehen wir Soldaten und Sektenmitglieder im erbitterten Gefecht. Nach einer Nahkampfrangelei kommt hier plötzlich ein Gewehr ins Bild, direkt bei der Kamera, und schießt auf den Überlebenden: Der Effekt involviert in das Geschehen und nimmt den Egoshooter ein paar Jahrzehnte vorweg. (Jetzt muß man freilich abgleichen, inwieweit der Effekt vor 1964 schon im Western eingeführt wurde.)


Ich bewundere das gelungene Versteck des Herren auf der linken Seite. Da sind wir inszenatorisch schon bald beim Theater.


Und zum Abschluß: Der Junge, der so sehr nach Dawson Leary aussieht, ist der Held der Geschichte und wird von Sean Flynn gespielt, dem Sohnemann von Errol Flynn. Sean Flynn hat nur einige B-Filme auf dem Kerbholz, reiste dann als Kriegsberichterstatter nach Vietnam und verschwand dort. Man geht davon aus, daß er nahe der Grenze zu Kambodscha gefangengenomen und getötet wurde, aber vollständig geklärt wurde der Fall nie. Ich will mehr über diese Sache wissen.


Im Tempel des weissen Elefanten (Frankreich/Italien 1964, Regie: Umberto Lenzi)
Originaltitel: Sandokan il Maciste della guingla
Darsteller: Sean Flynn, Alessandra Panaro, Marie Versini, Mimmo Palmara
Länge: 85 Minuten
FSK: 12


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