Februar 2010

Früher – also: vor vielen, vielen Monden – hegte ich einen gewissen Stolz darin, den ironiegestählten Besuchern des Genzelschen Trashlabors den wirklich fürchterlichsten Quatsch zu zeigen, der da so durch die Filmwelt geisterte. "Bei dir sieht man wirklich die schlechtesten Filme", sprach Kollege Thomas U. bei der Vorführung von HOT SPLASH, einer fast völlig unbekannten Surfer-Comedy ohne Witz, aber dafür mit haarsträubend sprachbeugender Synchronisation, und er schaffte es, die Worte so sehr nach Kompliment klingen zu lassen wie nur menschenmöglich. Aber Zeit geht ins Land, man wird älter, und plötzlich passiert es immer häufiger, daß die wirklich üblen Machwerke von Freunden geliefert werden, die beim Ausgraben von cineastischer Inkompetenz viel größeren Enthusiasmus an den Tag legen als man selbst. So geschehen auch gestern wieder, als der junge Eleve Peter L. einen Film präsentierte, der seinem Fund DIE RACHE DER BRONZEKÄMPFER in Fragen der Qualitätsuntiefen in nichts nachsteht.

Wir erinnern uns: BRONZEKÄMPFER war der wirklich und wahrhaftig konfuseste Film, der je unseren Bildschirm geziert hat – aber natürlich hatten wir da THE LONE NINJA WARRIOR noch nicht gesehen, der nüchtern betrachtet vielleicht mehr Sinn machen würde, wenn man das Geschehen auch nur annähernd verstehen könnte. Im Vorfeld sei noch erwähnt, daß der Film hierzulande auch schon als NINJA SAMURAI – DAS SCHWERT DER RACHE veröffentlicht wurde (und im Vorspann als "Ninja Samaurai" bezeichnet wird) und auch schon schöne Titel wie BLADE OF DOOM, AN EVERLASTING DUEL, LIQUID SWORD 2, THIRTEEN MOON SWORD und FLYING SWALLOW'S SWORDS OF DEATH trug. Immerhin scheinen die Alternativtitel der Handlung eher auf der Spur zu sein als die deutschen Veröffentlichungen: oh ja, es gibt Schwerter, es gibt auch ein Duell, und gestorben wird auch; Ninjas oder Samurais dagegen sind gar keine zu verorten – was vielleicht daran liegt, daß die eigentlich in Japan beheimatet sind und dieser Film aus Taiwan stammt. Aber die fast nackte Frau, die das DVD-Cover ziert, ist ja auch nicht im Film zu finden.

Ganz grob zusammengefaßt geht es also um den Kämpfer Snowy White (der freundlicherweise immer leicht zu erkennen ist, weil er ein weißes Gewand trägt), der dem Kollegen Eagle einst im Duell den Arm abhackte. Die beiden sind nun also sowohl befreundet als auch verfeindet – na klar!, möchte man fast rufen – und Eagle beschützt jetzt also Snowy White, weil irgendwann ein Duell ansteht, wo er sich rächen möchte, und Eagle deshalb betrübt wäre, wenn jemand anderer vor ihm Snowy White umbringen würde. Klar soweit? Gut. Snowy White ist also im Besitz des Schwertes der dreizehn Monde, das dem besten Kämpfer im Lande zusteht, weswegen dem Träger des Schwertes auch beständig Rabauken über den Weg laufen, die ihn kleinschneiden möchten. Eigentlich interessiert Snowy White der Titel "bester Kämpfer des Landes" gar nicht so sehr, aber abgeben will er das Schwert nun auch wieder nicht – vielleicht geht es ihm da wie mir mit den DVDs von ganz miesen Filmen, die ich eigentlich eh nicht noch einmal sehen will und trotzdem im Regal horte.

Nun gibt es also verschiedene Menschen, die Snowy White ermorden möchten, und die daher versuchen, Eagle dafür einzuspannen, der das aber irgendwann später in Eigenregie machen möchte und sich daher mit Snowy White und einigen anderen Kämpfern verbündet, um die mordlüsternen Gesellen zu verprügeln. Plötzlich taucht auch eine Art Geheimbund auf, dessen Mitglieder stets nur als "Die Verrückten" bezeichnet werden – sollten es etwa gut organisierte Autoren dieser Website sein? – und die … ja, hm. Also, auf jeden Fall wollen sie mal Snowy White ermorden, und vielleicht auch das Schwert kriegen, aber eigentlich verbünden die sich ja mit einigen Schwestern, von denen nicht immer ganz klar ist, ob sie wirklich alle miteinander verwandt sind oder immer nur einzelne Schwesternpaare abgeben; der Vater einer dieser Schwestern hofft, daß Snowy White seine Tochter heiratet (diesen Wunsch unterstreicht er mit den Worten: "Wenn du sie nicht nimmst, will sie auch kein anderer mehr"), und kümmert sich nebenher in einer Höhle um eine weitere Tochter, von der die anderen nichts wissen, und die so krank ist, daß sie Blut trinken muß. Die Bißwunden am Hals könnten natürlich auf einen Zustand hindeuten, der uns wohlbekannt ist, aber lieber werden da Attentäter herausgeschickt, die Menschen Bambusrohre in den Rücken stecken und dann ihr Blut in einer Schale auffangen.

Aber soweit ist ja noch alles klar! Leider tauchen stets neue Menschen auf, von denen absolut nicht klar ist, wer sie sind, und warum sie jetzt gerade gegen irgendwen anders kämpfen oder intrigieren, und dann wird doch wieder von einer weiteren Schwester geredet oder von einem Verräter; es gibt eine Rückblende, in der irgendeine Frau von irgendeinem Mann angegriffen wird, und diese Frau wird von einem Buckligen mit übergroßem Gebiss beschützt, der dann auch immer wieder auftaucht und doch nicht ganz zugeordnet werden kann. Auch die Schwestern intrigieren gegeneinander, Menschen werden vergiftet, ein Mann mit einem in Alufolie eingepackten Kopf hüpft durchs Bild, und irgendwie ist man jedesmal froh, wenn einer stirbt, weil man stets hofft, daß die Verwirrungen der Story jetzt überschaubarer werden. Gelegentlich taucht auch ein Mann auf, der sich wegzaubern oder die Wand hochlaufen kann, und jeder seiner Auftritte wird mit unglaublich kosmischem Weltraumgeblubbere untermalt.

Freilich hilft es auch nicht, daß der DVD-Transfer ein Vollbild präsentiert, bei dem mitunter so viel links und rechts vom Bild fehlt, daß man die handelnden Personen gar nicht sieht – was mitunter gar nicht stört, weil das Bild eh viel zu dunkel ist, als daß man irgendwas erkennen könnte. Was natürlich nicht heißen soll, daß der Film mit ordentlichem Transfer ein großer Wurf wäre: In den wirr zusammengeschnittenen und unpräzise choreographierten Kampfsequenzen ist mitunter nicht ersichtlich, wer gerade gegen wen kämpft oder wer gewinnt; beständig geben Charaktere Sätze von sich, die eigentlich erläuternd funktionieren sollten, aber die Verwirrung nur steigern, weil natürlich die Information "ihre Schwester steckt hinter allem" wenig Klarheit verschafft, wenn es doch so viele Schwestern gibt, von denen wir ja nicht mal wissen, mit wem die nun eigentlich verwandt sind oder warum sie überhaupt hinter irgendetwas stecken sollten. Peter, der bei DIE RACHE DER BRONZEKÄMPFER noch eifrig dabei war, die Handlung zu entpuzzeln, gibt hier schon nach einer halben Stunde auf und wird sehr still, während die erstmalig im Trashlabor anwesende Kollegin Anna (die im Schnittfeld der Mengen "Frauen" und "Trash-Aficionados" so alleinstehend sein dürfte, daß man sofort ein Gehege um sie herumbauen und einen Artenschutzantrag stellen möchte) bis zuletzt noch die optimistische Hoffnung hegt, daß am Ende alles sinnvoll erläutert wird.

Zum Schluß kämpfen dann endlich Eagle und Snowy White gegeneinander, und Snowy überläßt Eagle dann das Schwert der dreizehn Monde. Nach reiflicher Feldforschung ist er sicher zu der Überzeugung gelagt, daß Eagle unbestritten der beste einarmige Schwertkämpfer im ganzen Film ist. Wir gratulieren!





The Lone Ninja Warrior (Taiwan 1982)
Originaltitel: Shui Yue Shi San Dao
Regie: Chang Peng-I
Drehbuch: Lung Ku
Kamera: Shintaro Nakajo
Musik: Mou Shan Huang
Produktion: Dragon Group
Darsteller: Tien Peng, Tin Hok, Chen Sing
Länge: 93 Minuten
FSK: 16


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Man gewöhnt sich ja schon bald daran, daß in letzter Zeit in Hollywood alles ge-remake-t, ge-reboot-et, ge-prequel-t, ge-neuerdacht und ge-aufwärmen-t wird, was nicht bis drei auf dem Baum ist. Ungefähr so gelungen wie die letzten paar Verbbeugungen im vorigen Satz geraten denn auch die meisten dieser Neuverfilmungen. Unlängst erwischt hat es THE STEPFATHER, 1987 ein fieser kleiner Angriff auf die von Reagan propagierten "Familienwerte", in dem Terry O'Quinn (der viel später mit der Fernsehserie LOST zu Ruhm kommen sollte) einen unscheinbaren netten Mann von nebenan spielt, der an das Ideal der perfekten Familie glaubt und, wenn sich seine derzeitige diesem Ideal nicht anpassen will, Kind und Kegel ermordet und sich unter neuer Identität einfach die nächste alleinerziehende Mutter sucht. Unter der Regie von Joseph Ruben war die '87er-Variante ein schwarzer, spannender Thriller, in dem unter der Fassade der Normalität eine der Grundinstitutionen Amerikas seziert wurde.

Soviel Glück haben wir bei der Neuauflage natürlich nicht: 2009 haben die Remake-Verantwortlichen hauptsächlich Angst, daß man vielleicht etwas verpassen könnte. Jede Kameraeinstellung ist ominös, jeder Moment vermeintlich unheimlich, jeder Blick und jede Geste des netten Stiefvaters wird so inszeniert, daß es beunruhigt. Wo Terry O'Quinn die perfekt freundliche Oberfläche gespielt hat, darf nun Dylan Walsh derart offensichtlich sein Psychopathentum vorankündigen, daß man sich um die Intelligenz der Frau Sorgen macht, die er gleich zu Beginn aufgabelt. Nichts an der Figur wirkt glaubwürdig "normal" – und sollte der Zuseher die visuellen Hinweise auf ihre Bedrohlichkeit vielleicht doch nicht raffen, hilft höchstwahrscheinlich der permanent unheimliche Score, der so hoffnungslos vorahnungsvoll überzeichnet, daß der gute Stiefvater nicht mal ins Telefonbuch schauen kann, ohne dabei immens böse zu wirken.


Weil im Jahr 2009 Kino gerne unter dem Zeichen des Aufmerksamkeitsdefizits steht, beeilt sich auch der STEPFATHER so sehr, zum Kern der Story zu kommen, daß es fast absichtlich ironisch wirkt: In der ersten Sequenz rasiert sich unsere Hauptfigur, trinkt eine Tasse Kaffee, dann rückt die Kamera seine abgeschlachtete Familie ins Bild. Über dem Vorspann erklärt uns eine atemlose Reporterin, daß man einen Mann sucht, der sich unter falschem Namen in Familien einheiratet und diese dann ermordet. Nächste Sequenz: Der Verbrecher im Supermarkt, eine Frau kommt mit zwei Kindern vorbei, der Verbrecher gibt den Kindern ein paar Weisheiten ab und flirtet mit der Frau. Dann: Der Parkplatz vor dem Supermarkt, wo die Frau den Mann nochmal sieht und ihn zum Pizzaessen einlädt. Es folgt eine Einblendung – sechs Monate später! – und schon lebt der Psychopath als Stiefvater mit der Frau und den Kindern zusammen. Wenn schon die Prämisse mit derartiger "Bringen wir's hinter uns"-Haltung abgefrühstückt wird, wie glaubwürdig kann dann wohl die Normalität der Situation sein, die dann vom Psychopathen nach und nach zerstört wird?

Natürlich rennen alle Figuren immer nur im Laufrad des Plots – keiner der Charaktere scheint außerhalb des Frames auch nur eine Spur Leben zu haben. Weil also der älteste Sohn von der Militärakademie zurückkommt und den Stiefvater eher suspekt findet – vielleicht ist er der einzige, der die ständige bedrohliche Musik hört? – darf sich Verdachtsmoment an Verdachtsmoment reihen, während wir halt nur darauf warten, daß der Psychopath endlich ausrastet. Fast unnötig zu erwähnen, daß für die Erzeugung von "Spannung" (beziehungsweise dem, was die Filmemacher dafür halten) jedes Klischee im Buch ausgereizt wird: Eine Katze, die plötzlich ins Bild springt; lautstarkes Rumpeln auf dem Soundtrack, sobald einen etwas erschrecken soll; der Psychopath kann plötzlich aus dem Nichts auftauchen und hinter einem stehen; und, jawoll, wenn man vor einem Killer flüchtet, ist die Treppe nach oben auf den Dachboden wirklich fast immer die allerbeste Wahl – wenn man sicherstellen will, daß man irgendwann nicht mehr weglaufen kann.


Erwähnen wir noch kurz, daß Amber Heard im Film mitspielt – sie ist die Freundin des ältesten Sohnes und glaubt ihm natürlich kein Wort darüber, daß das Suchbild bei "America's Most Wanted" dem Stiefvater sehr ähnlich sieht. Weil sich ihr Aufgabenbereich also hauptsächlich auf das Abweisen von Informationen beschränkt, hat sich der Regisseur einen Kniff ausgedacht, um ihr Relevanz zu verleihen: Sie verbringt den Großteil des Films nur spärlichst bekleidet. Mal räkelt sie sich in rosa Unterwäsche auf dem Bett herum, dann liegt sie nur mit einem Bikini bekleidet im Garten, dann springt sie in den Pool und rennt dann naß durchs Haus, und in mindestens einer Szene ist die Kamera so positioniert, daß sie exakt da stehenbleibt, wo wir ihren (spärlich bekleideten) Hintern ausführlich begutachten können. Ganz nach Neigung und Interesse darf man Amber Heard vielleicht als das einzig Aufregende in diesem abgehangenen Spektakel betrachten.

Über den Abspann schreit Filter-Sänger Richard Patrick dann noch eine schreckliche Fassung von "Happy Together". Vermutlich, damit man dann auch wirklich froh sein kann, daß der Horror vorbei ist.





Stepfather (USA 2009)
Originaltitel: The Stepfather
Regie: Nelson McCormick
Drehbuch: J.S. Cardone
Kamera: Patrick Cady
Musik: Charlie Clouser
Produktion: Screen Gems / Maverick Films / Imprint Entertainment / Granada
Darsteller: Dylan Walsh, Sela Ward, Penn Badgley, Amber Heard

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STEPFATHER (2009) - "Man gewöhnt sich ja schon bald daran, daß in letzter Zeit in Hollywood alles ge-remake-t, ge-reboot-et, ge-prequel-t, ge-neuerdacht und ge-aufwärmen-t wird, was nicht bis drei auf dem Baum ist. Ungefähr so gelungen wie die letzten paar Verbbeugungen im vorigen Satz geraten denn auch die meisten dieser Neuverfilmungen."


THE TRUTH ABOUT LOVE (2004) - "Ach herrje, was für ein müdes Filmchen. Mit so einem Einleitungssatz hat man sich natürlich eigentlich schon um den Effekt gebracht, daß die folgenden Zeilen neugierig auf den Befund des Kritikers machen könnten - aber warum soll man sich eigentlich mehr anstrengen als der Film selbst? Aber wenn wir schon gleich zu Beginn ein Fazit ziehen, dann räumen wir doch noch gleich väterlich nickend ein: THE TRUTH ABOUT LOVE ist nicht nur schrecklich müde, sondern auch richtig gut gemeint und eventuell für Menschen, die noch nie einen Film gesehen haben, auch halbwegs vergnüglich. Jaja, genau so klingt das, wenn ich wohlwollend werde."

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Die Zeit streicht vorbei, der Blog liegt brach, und dabei ist es doch eigentlich schon längst angebrochen - 2010 natürlich, das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen. Nachdem jetzt Kollege H. seinen Blog nach einer Abstinenz von 3 Jahren und 4 Monaten wieder reaktiviert hat, darf ich selbst natürlich nicht hinten anstehen.



Nutzen wir die Gelegenheit doch gleich, um mit den spielerischen Verdiensten der vergangenen Zeit zu protzen: Einen Tag vor Weihnachten habe ich DOOM II auf Ultra-Violence durchgespielt - mal wieder, muß man sagen. Genaugenommen zum dritten Mal (das erste Mal kurz nach Erscheinen, das zweite Mal ist in den Archiven dieses Blogs dokumentiert: hier). Und diesmal auch wieder den Endmotz ohne Cheat fresh gemacht. Inspiriert wurde das erneute Spielen übrigens nicht nur dadurch, daß es einer meiner Favoriten ist, sondern auch dadurch, daß der junge Eleve Peter sich kurz davor ebenso daran gemacht hat, es zu spielen - und zwar zum ersten Mal (allerdings nicht auf Ultra-Violence, dafür ist er noch zu jung).



Der Streß hat gegenüber den ersten zwei Malen übrigens abgenommen - es hilft, wenn man eh schon weiß, daß immer etwas total Fieses passieren und man gleich überrannt wird - aber der Spaß dran bleibt nach wie vor. Und weil im oben verlinkten Blogeintrag sehr unwissenschaftlich aus einer alten Computerzeitschrift paraphrasiert wurde, sollen hier noch ein paar Originalzitate aus den damaligen Rezensionen das Gemüt erheitern:



"Außerdem sorgt der unverschämt hohe Schwierigkeitsgrad dafür, daß man ohne den entsprechenden Cheat schon nach wenigen Schritten in der eigenen Blutlache ertrinkt." - Petra Maueröder, PC Games 12/94

"... [D]ie Monsterdichte [wurde] auf kaum mehr bewältigbare Werte erhöht." - Winnie Forster, PC Player 11/94

"Wer die 32 Levels überstehen will, hat ohne Cheat eigentlich nur im 'I'm too young to die'-Modus Chancen." - ASM 11/94

"[F]ür einen durchschnittlichen (und ehrlichen!) Spieler dürfte es schon bei mittlerer Schwierigkeitsstufe nahezu unmöglich sein, den letzten Level zu sehen." - Rainer Rosshirt, Play Time 12/94

Zack!

Die wirklichen Aufgaben des Lebens sind ja aber doch die, die man noch nicht bewältigt hat. Eine davon (auf einer Liste, die freilich ganz, ganz kurz ist) war es immer, FIST II durchzuspielen - die Fortsetzung des C64-Klassikers THE WAY OF THE EXPLODING FIST, einem sehr schönen Karate-Sportspiel von Melbourne House.



FIST II: THE LEGEND CONTINUES hat das Kampfsystem dann in ein Action-Abenteuer gepackt, bei dem man durch Dschungel, Häuser und Höhlen läuft, um die bösen Henchmen des gar finsteren Warlords zu verprügeln, der mit eiserner Hand (oder sonstigem Körperteil) das Land unterdrückt. Dabei sucht man nach Schriftrollen, die man in Tempeln studieren muß, um spezielle Fähigkeiten zu erlernen - die erste Schriftrolle beispielsweise gibt einen Stärkebonus, der es einem erlaubt, im Weg herumstehende Steinhaufen wegzubröseln. Das Ganze ist nicht so puzzlelastig, wie es klingen mag - die Herausforderung liegt einerseits im labyrinthischen Aufbau des Spiels, bei dem stets ein Dschungelsegment dem anderen gleicht (jetzt, wo ich das tippe, fällt mir auf, daß das gar nicht so unrealistisch ist!) und man endlose Strecken zurücklegen muß, um die Schriftrollen in die dafür vorgesehenen Tempel zu bringen - ohne Plan oder guten Orientierungssinn verläuft man sich gnadenlos. Das wäre aber natürlich auch gar nicht so tragisch, wenn nicht die Gegner knüppelhart wären - man geht vom Startschirm gleich nach links und wird auch gerne schon mal vom ersten Prügelknaben weichgekloppt. Nach rechts wartet auch einer, der etwas einfacher ist, aber den ungeübten Spieler trotzdem freundlich innerhalb von ein paar Sekunden in den Staub zwingt.



Ich habe das Spiel damals als Kind bei meinem Kumpel Frank gesehen (auf seinem schönen Monochrom-Bildschirm - alles grün und mit diesen netten Schlieren, die jede Bewegung nach sich zog) und bin dann trotz vieler Versuche nie wirklich weit gekommen - vierter oder fünfter Gegner, irgendwo auf den Berg rauf, und dann trafen sich schon wieder des Feindes Füße fatal mit meinem Gesicht. Vor einigen Jahren habe ich dann mal mit Fellow Retrospieler Ef über das Spiel geredet, das auch er in guter Erinnerung hatte, und wir haben uns vorgenommen, es jetzt endlich mal durchzuspielen (das Vorhaben hatte einen ironischen Beigeschmack, weil sich jeder bei FIST II nur daran erinnert, wie hammerhart das Spiel war - und wie toll und atmosphärisch die Musik war). Nun, ich bin bis zum zweiten oder dritten Gegner gekommen, Herr Ef wurde gleich vom ersten weggeputzt - Vorhaben gestorben.

Bis jetzt natürlich - an zwei Tagen des Januars 2010 mußte der fiese Möpp dran glauben. Sobald man das Kampfsystem mal heraus hat und sich ein paar Kniffe angeeignet hat, mit denen den Gegnern gut beizukommen ist, wird alles weniger stressig, und dann darf man sozusagen ungestört herumirren. Ich bin am zweiten Tag (der erste war zum Training) dann ungefähr sechs Stunden drangesessen - wenn man gezielt weiß, wohin man gehen muß, und sich nicht aufhält, dürfte eine komplette Runde um die zwei Stunden dauern.



Die Endsequenz ist übrigens selbst für damalige Verhältnisse enttäuschend - man haut also dem Warlord mit dem flimmernden Gesicht eins auf die Omme, verschwindet dann aus seinem geheimen Vulkan und sieht dann einen Schirm, in dem keine Spielfigur mehr zu finden ist. Im Hintergrund explodiert in einer ganz einfachen Animation der Vulkan. Zunächst wundert man sich mal, wohin die Spielfigur verschwunden ist, und rödelt eine Zeitlang am Joystick herum, ob sich denn noch irgendwas tut. Dann wartet man einfach und schaut sich die Animation an (die nie aufhört), ob noch irgendwas kommt. Und dann wartet man noch ein bißchen. Und dann hab' ich im Netz nachgesehen (während im Nebenzimmer der Vulkan weiterexplodierte) und mußte feststellen, daß dies in der Tat die ganze Endsequenz ist. Ende Gelände.

Aber nun ja, das soll uns mal nicht das Gefühl vermiesen, ein superhartes Spiel geknackt zu haben - nach nur ungefähr 23 Jahren! - und ab sofort von Herrn Ef nur noch mit "Meister der explodierenden Faust" angeredet werden zu dürfen.

Und weil die Musik wirklich verdammt cool ist, hier der Link zu einem guten Remix: Fist II Song 3 (Elektro Mix), Remix von DNL.

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