April 2009
Kraftwerk fand ich schon immer sehr spannend. Als ich noch ganz klein war, spielte mir Mama Genzel schon oft das Album AUTOBAHN vor, und ich habe dann immer, wenn wir tatsächlich auf einer Autobahn unterwegs waren, geschaut, ob die Gegend auch so aussieht wie auf dem Plattencover. Ich habe mir die vier Jungs auf dem Rücksitz eingeprägt und jeden einzelnen Ton auf der A-Seite der Platte (die B-Seite mit den beiden "Kometenmelodien", "Mitternacht" und dem "Morgenspaziergang" habe ich dann erst viel später wirklich gehört). Auch die anderen Kraftwerk-Alben habe ich später zugelegt und ins Herz geschlossen.

Live gesehen habe ich die Truppe noch nie - aber immerhin konnte ich mir gerade ein 38-minütiges Video einer Live-Performance der Band ansehen, und das allein hat sich durchaus gelohnt (obwohl es - absichtlich natürlich - völlig unklar bleibt, was an der Musik überhaupt live gespielt ist). Die vier Bandmitglieder (Gründer Ralf Hütter und drei weitere Gesellen; Mitgründer Florian Schneider ist ja vor kurzem ausgestiegen) stehen fast regungslos hinter ihren Tischen mit den Laptops und verziehen keine Miene; im Hintergrund flimmern Videos, Lichter und Schriftzüge über einen großen Schirm. Später haben die Burschen Anzüge an, auf denen Gitternetze neongrün leuchten, und für "Die Roboter" verlassen sie gleich ganz die Bühne und lassen sich von vier beweglichen Robotern mit Metallarmen "vertreten". Die einfache visuelle Äshtetik paßt hervorragend zum Sound der Band, mit ihren glasklaren Klängen, den fast symmetrischen Rhythmus- und Melodiestrukturen, der maschinengenauen Präzision und dem futuristischen Stil.

Zu finden ist das Video (ein Mitschnitt aus dem brasilianischen Fernsehen, aufgenommen im März 2009) auf Dimeadozen.org. Lohnt sich!

Über den Ausstieg von Schneider schrieb übrigens die Zeitschrift The Independent: "There is something brilliantly Kraftwerkian about the news that Florian Schneider, a founder member of the German electronic pioneers, is leaving the band to pursue a solo career. Many successful bands break up after just a few years. It has apparently taken Schneider and his musical partner, Ralf Hütter, four decades to discover musical differences."

Abschließend hier noch ein Interview mit Ralf Hütter ... sozusagen ...



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Wie bei den meisten Besuchen in der deutschen Niederlassung des Genzel HQ durfte ich auch diesmal viel Post in Empfang nehmen, weil ich mir ja alle eBay-Einkäufe portosparenderweise nach Deutschland schicken lasse. Zwei der neuen CDs habe ich gerade gehört:



Das wäre zum einen die CD "Niels & the New York Street Percussionists", das 1990 auf dem deutschen ITM-Label erschienen ist. Bei besagtem Niels handelt es sich um einen schwedischen Sänger namens Niels Jensen, der hier zusammen mit Jonas Hellborg ein Treffen von programmierten Beats, Industrial-Flair, geraunten Texten und den metallenen Klängen eines New Yorker Straßentrommlers, der mit "buckets and metals" arbeitet, inszeniert. Spannende Mixtur, nteressantes Flair. Zu den Mitmusikern zählen Bernie Worrell am Keyboard, Nicky Skopelitis am Fairlight, Bill Laswell am Bass und Peter Brötzmann am Sax. Hellborg preist Jensen in den Liner Notes als "one of the rare really innovative singers in Europe today" an, was ich (noch?) nicht so ganz höre, weil Niels eben meistens zwei Textzeilen wiederholt raunzt und eher wenig singt. Macht nichts: Spannendes Album!


Die andere CD ist ein Album von Foetus, Jim Thirlwells Industrial-Projekt, und zwar GASH aus dem Jahre 1995. Thirlwell ist mir schon hier und da untergekommen - zum Beispiel mit einem sehr gelungenen Remix eines Pop-Will-Eat-Itself-Tracks - aber sein eigenes Material hatte ich bislang noch nicht gehört. Und wow, was für ein Radau: Die Maschinenbeats hämmern lautstark, Gitarren und Synths pfeifen und schreddern darüber, Thirlwell krakeelt mit verzerrter Stimme dazu, und in diesen Industrial-Thrash-Metal-Mix werden kunterbunt Elemente aus völlig fremden Genres geworfen: Da ist eine Blues-Harmonika zu hören, da wird ein Song zum elfminütigen Swing-Tanz, eine Trompete oder gar eine ganze Bläsersektion begleitet manche Tracks, und ein Song klingt wie Weillsches Kabaret aus der Hölle. Definitiv nichts zum Nebenbeihören!

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Schon kurz vor Weihnachten habe ich mir ja ein Laufwerk zugelegt, mit dem ich sowohl HD-DVDs als auch Blu-Rays schauen kann. Seit kurzem habe ich nun auch den neuen Rechner dazu, der die Datenmenge überhaupt packt (mein alter Rechenknecht war ja nun schon 5 Jahre alt und zeigte sich auch ohne Blu-Ray schon schwer überfordert; der neue Geselle ist nun per Quad-Core-Hamsterrad angetrieben und bringt viel Freude in Genzels Haushalt). Und nach nochmaliger kurzer Zeit habe ich es auch geschafft, die Blu-Rays zum Laufen zu bringen (wer ahnt denn schon, daß die dem Laufwerk beigelegte Software erst ein Update braucht, um überhaupt Blu-Ray-Filme abspielen zu können).

Und somit ist nun die Blu-Ray-Ära auch im Genzel HQ angebrochen. Beim Laufwerk lag ja eine SPIDERMAN 3-Blu-Ray dabei, die aber vermutlich noch längere Zeit herumliegen wird - dazu müßte ich mir wohl erstmal die ersten beiden Teile ansehen. Die erste gekaufte Blu-Ray war INDIANA JONES 4, kurz vor Weihnachten, aber weil ich da schon zwei Mal im Kino war, muß ich sie nicht dringend sofort schauen (aber freue ich nichtsdestowenigerzumtrotz wieder auf das Spektakel). Jetzt habe ich mir FEUERBALL zugelegt, einen meiner liebsten Bond-Filme, und es war eine reine Freude, ihn wiederzusehen, obwohl ja bei den meisten älteren Filmen der Stauneffekt, was Bildschärfe und -detail angeht, nicht ganz so zum Tragen kommt wie bei neueren Streifen. Egal: Der Film schaut super aus, und macht natürlich immer noch ebensoviel Spaß wie früher - vielleicht ist es das ungewöhnliche, intensive Unterwasser-Setting, das ich so spannend finde, oder der bombastische, unheimliche Score von John Barry, oder vielleicht die Tatsache, daß FEUERBALL einer der wenigen Bond-Filme ist, die zwar von der Größenskala her sehr üppig ausfallen, aber noch nicht so in die Selbstparodie oder ins Comichafte abdriften.

Nun muß wohl eine Menge Geld her ... so billig sind die Blu-Rays ja noch nicht, aber ich habe schon diverse Filme ins Auge gefaßt, die hermüssen - und darunter sind nicht nur Streifen, die ich bislang nur auf Band (oder gar nicht) habe, sondern auch ein paar Filme, die ich so liebe, daß ein Upgrade von DVD auf Blu-Ray durchaus Sinn machen würde. Aber erstmal kommt jetzt der auf eBay erstandene DARK KNIGHT ins Haus, der auf Blu-Ray sicherlich beeindruckt. Und dann ... hmmm ....

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In letzter Zeit beschäftige ich mich ja sozusagen eingehendst mit verschiedenen Themen unter dem Überbegriff "Geheimwissen" (über die ich mich freilich über recht öffentliche Quellen wie dem Internet oder bei eBay erstandenen Büchern, ähem, informiere). Diesbezüglich empfehle ich meinen Text zu einer unglaublichen, räusper, Dokumentation über Nazi-UFOs: hier. Ich wußte bislang nicht, daß im Januar 1946 eine deutsch/japanische Besetzung auf dem Mars gelandet ist - ihr etwa?


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Fox Mulder hätte seine wahre Freude daran: Angeblich bauten während des zweiten Weltkrieges deutsche Techniker sogenannte Flugscheiben, die mittels einer geheimen Energiequelle namens Vril die Schwerkraft überwinden konnten und in den letzten Kriegstagen dann als "Geheimgeschwader" genutzt wurden, um Deutsche zu einem geheimen Nazistützpunkt in der Antarktis zu evakuieren – dem sogenannten Neuschwabenland. Diese Flugscheiben, die mitunter auch unter der Bezeichnung "Hanebu" auftauchen, sind der Ursprung sämtlicher UFO-Sichtungen; die Informationen zum Bau dieser Geräte wurden aber entweder seinerzeit teilweise vernichtet oder aber von den Allierten geheimgehalten.

Señor Negro (sprich: Herr Schwarz) hat ja sein Wochenende unter anderem damit verbracht, säckeweise VHS-Kassetten zu entsorgen. Über den Wertverlust einer Videosammlung wurde ja an dieser Stelle schon vor kurzem gebloggt (kurz ist natürlich hinsichtlich der Updatefrequenz dieses Blogs ein dehnbar zu verstehender Begriff); die traurige Wahrheit ist natürlich, daß kein Mensch mehr die ollen Tapes haben will, nicht mal für 10 Cent oder nachgeschmissen.

Passend dazu (aber eigentlich ganz unabhängig davon) habe ich das Osterwochenende zum großen Teil damit verbracht, mir alte Filme auf VHS anzusehen, die bislang (zumindest bei uns) nicht auf DVD erschienen sind (wobei ich alle dieser Filme vor langer Zeit schon mindestens einmal gesehen habe, aber mich ja nach einiger Zeit den meisten Filmen gerne wieder widme). So sehr die digitale Revolution schon um sich gegriffen hat - es gibt nach wie vor eine Menge Filme, die leider bislang nicht (oder nicht vernünftig) auf DVD erschienen sind. Was haben wir also geschaut?


JULIA HAT ZWEI LIEBHABER. Daphna Kastner und David Duchovny, ungefähr zwei Jahre vor dieser einen Serie, wo er von Außerirdischen geredet hat und die ein paar Leute mehr gesehen haben als diesen Streifen hier, den die Hauptdarstellerin zusammen mit Regisseur Bashar Shbib geschrieben hat (zu diesem Nachnamen könnte man so eine Doo-Wop-Nummer schreiben: Shhh-bib, shh-bum / Was blieb / vom Rum). Den Film habe ich zu Schulzeiten schon ein paar Mal gesehen, und er hat damals nachhaltigen Eindruck hinterlassen: Die erste Hälfte des Films besteht nämlich nur aus einem Telefongespräch zwischen den beiden Hauptdarstellern. Duchovny ruft Kastner an, die er nicht kennt, und die er in ein Gespräch verwickelt. Die beiden sind sich schnell sympathisch und tauschen alle möglichen persönlichen und intimen Gedanken aus - und Duchovny überredet sie dann, daß er sie besucht und verführt sie dann. Und natürlich stellt sich heraus, daß er so etwas ständig macht - die Telefonnummer ist seine Aufreiß-Masche.

So ein Film ist natürlich schon alleine deswegen mein cup of tea, weil es fast ein reiner Dialogfilm ist: Die reden halt am Telefon. Es gibt keine welterschütternden Erkenntnisse und keine krassen Wendungen, es wird einfach eine charmante Geschichte von einem Schwindler erzählt. Damals fand ich die Nähe, die in dem Telefongespräch entsteht, so faszinierend, daß ich selbst probiert habe, an ein Mädchen in meiner Klasse über lange Telefongespräche heranzukommen. Und auch wenn ich schon weit vor dem Film durchaus ewig am Hörer kleben konnte, ist der Film hier vielleicht mit dafür verantwortlich, daß ich es auch heute noch aufregend und romantisch finde, wenn man mit jemand die ganze Nacht hindurch bis zum Morgengrauen telefoniert und diese eigentümliche Mischung aus Distanz und Nähe durch die ganze Wohnung trägt: Küche, Balkon, Couch, Bett.

Die zweite Hälfte ist nicht ganz so aufregend und der Schluß etwas unbefriedigend: Trotzdem würde ich die DVD sofort kaufen. Auf seiner eigenen Website verkauft Shbib eine DVD (nur mit englischer Tonspur) für schlappe $65 - ob das was mit den Außerirdischen zu tun hat?


EINE LIEBE FÜR LANA. Noch ein Film mit Daphna Kastner (die übrigens später dann Harvey Keitel geheiratet und mit ihm ein Kind hat) und von Shbib. Auch der hier ist eine ganz einfache Beziehungsgeschichte: Kastner gibt eine Kennenlernanzeige auf, und dann hält sie einen Klempner (Clark Gregg), der sich im Haus geirrt hat, für ihr Date, und es dauert dann irgendwie den ganzen Film, bis die beiden sich darauf einigen können, daß sie gerne zusammen wären. Daß dem Film ein wenig Pep fehlt, mag an der lahmen deutschen Synchro liegen, und so bleibt eine recht nette, aber nicht wirklich aufregende Romantic Comedy über. Sie ist ein wenig zu neurotisch, er hat ein paar Mal zu oft eine Bierflasche in der Hand, als daß man die beiden endlich zusammen sehen will, aber hey - ich würde ihn trotzdem haben wollen. Weil Duchovny nicht dabei ist, will Shbib auch nur $35 für die englischsprachige DVD ...


FRENCH EXIT - DU SCHON WIEDER! Den hier hat Kastner geschrieben und selbst inszeniert, aber dafür spielt sie nicht mit. Der Film ist eine extrem charmante Romantic Comedy über zwei Drehbuchautoren, einer männlich (Jonathan Silverman aus IMMER ÄRGER MIT BERNIE) und eine weiblich (die wunderbare Mädchen Amick aus TWIN PEAKS), die sich dauernd in die Wolle kriegen und beide um einen Auftrag kämpfen (ein Remake von MEUTEREI AUF DER BOUNTY) und natürlich vollkommen füreinander geschaffen sind. Nun sind RomComs ja immer formelhaft, und so weiß man auch hier, was passiert, aber es ändert nichts dran, daß der Film ein witziges Feel-Good-Movie ist, das leider völlig unbekannt und somit auch DVD-los geblieben ist. (In einer Sequenz wird auf einer Hollywoodparty übrigens geredet: "Coppola wird Regie führen!" - "Oh, ich liebe Francis!" - "Nein, Sofia". 1995 war das noch ein Witz.)


EATING. Na schön, den gibt es auf DVD: Es gibt nämlich keine deutsche Fassung, nur eine untertitelte, und in Amerika ist der Film mit Audiokommentar von Regisseur Henry Jaglom erschienen. Der Film ist eine ganz lose inszenierte Abfolge von teils improvisierten Szenen auf einer Geburtstagsparty, wo sich diverse Frauen über das Thema Essen unterhalten (eine der Frauen ist übrigens Daphna Kastner, und ich könnte nicht mal sagen, daß mich die Frau wahnsinnig umhaut). Das ist teils witzig, teils eher nervig - zumal das Thema wirklich, wirklich ausgetreten wird. Es gibt leider zu viele Figuren - alle paar Minuten kommen neue Gäste auf die Party, und wir können nur ein paar wirklich auseinanderhalten - und der Streifen ist noch mehr Dialogfilm als JULIA HAT ZWEI LIEBHABER, aber letzteres stört mich kaum: Ich mag sowas ja. Der Film ist durchaus interessant als Reflektion über Körperwahn und als Einblick in den Druck, unter den sich viele Frauen hinsichtlich ihrer Ernährung stellen; die ganz gewichtige Erkenntnis bleibt aber aus. Weniger Figuren wären wohl mehr gewesen.


WEISS SIE, WIE MAN KUCHEN BACKT? Und nochmal Henry Jaglom, und auch den hier gibt es als US-DVD, aber nicht bei uns (obwohl es diesmal eine synchronisierte Fassung gibt). Auch in diesem Film wird hauptsächlich viel geredet - es geht um die Beziehung zwischen zwei recht neurotischen Leuten (Michael Emil, Jagloms Bruder, der in dem großartigen INSIGNIFICANCE Einstein gespielt hat, und Karen Black), die immer wieder ihre Unterschiede ausdiskutieren müssen und Kommunikationsprobleme haben. Da sind viele skurille Einfälle drin: Er klemmt sich zum Beispiel beim Sex einen Pulsmesser ans Ohrläppchen, weil er wissenschaftlich beweisen will, daß er sie mehr liebt als die Frauen vor ihr (weil sein Herz für sie schneller schlägt!). Der Film ist ganz einfach inszeniert, aber eine durchaus reizvolle Skizze über die Komplikationen zwischen Verstand und Gefühl.

Vielleicht wäre es doch mal an der Zeit, sich so ein Video-/DVD-Rekorder-Kombigerät zu kaufen und einige dieser Filme zu überspielen. Die Kassetten werden nicht besser (obwohl sich die teils schon 15 Jahre alten Aufzeichnungen durchaus gut gehalten haben!) und vieles wird vielleicht nie auf DVD kommen ...

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Der neue Jarmusch ist fertig! THE LIMITS OF CONTROL: "The story of a mysterious loner, a stranger in the process of completing a criminal job." Mit Isaach de Bankolé, John Hurt, Tilda Swinton und Bill Murray. Spielt in Spanien.

Deutschlandstart: 28. Mai 2009.

Screenshots hier.

Can't wait!

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