Februar 2009
Herzlich willkommen zum schlechtesten Zombiefilm der Welt! Jaja, solche Superlative werden ja sehr gerne in den Raum geworfen, wenn ein Film einfach von vorn bis hinten in seiner minderen Qualität die Grenze zum Unglaublichen überschreitet. Der hier vorliegende heißt HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN, ist eine italienisch-spanische Co-Produktion von 1980 und hat seinen Platz unter den schrecklichsten Zombiefilmen noch auf die altmodische Art und Weise gesichert: Er hat ihn sich verdient. Eigentlich braucht man ja bloß darauf hinzuweisen, daß der Streifen von Bruno Mattei inszeniert wurde, um sämtliche Zweifel zu zerstreuen - immerhin hat Mattei ja auch den sagenhaft inkompetenten Rip-Off-Schund ROBOMAN und CONTAMINATOR auf dem Kerbholz.

Wir erinnern uns: Weil Roger Corman sein JURASSIC-PARK-Billig-Rip-Off CARNOSAURUS noch vor dem Kinostart des Vorbilds in den Videotheken stehen hatte, geriet die Chose erfolgreich genug, um Fortsetzungen zu garantieren. Genauer gesagt: Dinosaurier-Filme, in denen eine Zahl im Titel vorkommt. Denn wie schon CARNOSAURUS 2 außer den Gummimonstern wenig mit Teil 1 zu tun hatte, so kümmert sich auch Nummero 3 nicht sonderlich um das Vorgeschehen: Hauptsache, die knuffigen Viecher dürfen wieder schlechte Schauspieler verknuspern.

CARNOSAURUS 3: PRIMAL SPECIES (auch einfach als PRIMAL CREATURES erschienen) beginnt also mit einer Gruppe terroristischer Rabauken, die einen schwer bewachten Transportlaster mopsen, weil sie darin Uran wähnen. Stattdessen befinden sich aber eingefrorene Dinosaurier darin, die sich in einem abgelegenen Lagerhaus (sprich: an einer preiswerten Location) sämtliche Schurken einverleiben. Die Regierung ruft das A-Team auf den Plan - jaja, diese Gruppe von Söldnern nennt sich echt so - um den schlimmen Fingern auf dieselbigen zu hauen und die geklaute Ware zurückzubeschaffen.

Leider weigert sich der Auftraggeber, dem Spezialteam zu verraten, was genau sie da eigentlich zurückbeschaffen sollen, weil die Information darüber nur dem Präsidenten höchstselbst und einigen hochrangigen Verteidigungsschlümpfen bekannt ist. Ich persönlich stelle es mir schwer vor, etwas zurückzubeschaffen, von dem ich nicht mal weiß, was es ist - außer, es steht vielleicht in großen Lettern "streng geheime Regierungssache" drauf. Ansonsten würde ich vermutlich einfach irgendwelche herumliegenden Gegenstände aufklauben und hoffen, daß der von meinen Auftraggebern gesuchte irgendwie dabei ist. Ach, es ging gar nicht um den Colaautomaten, den wir im Terroristenhauptquartier sicherstellen konnten?

Die Spezialeinheit ist, und das sehen wir schon bei ihrer Trainings-Einführungssequenz, die verdammt noch mal schlechteste Spezialeinheit in der Geschichte von schlechten Spezialeinheiten. Nicht nur, daß keiner der Jungs (und auch nicht das Mädel) überzeugend tough ist oder aussieht, als wüßte er eine Waffe handzuhaben - die Spezialspacken sind zudem noch hemmungslos doof, rennen dauernd in jeden Hinterhalt, lassen sich von Dinosauriern verspachteln, und verkennen trotzdem den Ernst der Lage völlig: Wenn die nur halb so viel blöde Witze reißen würden und über die Befehle ihres Vorgesetzten motzen würden, hätten sie die albernen Dinos wahrscheinlich in einer Viertelstunde erledigt.



Freilich hilft es nicht, daß dem Team eine blonde Frau Dinoexpertin zur Verfügung gestellt wird, die eine Brille trägt, um zu zeigen, daß sie sich auskennt. Leider bringt Frau Saurier keinen einzigen brauchbaren Hinweis zur Bekämpfung der Dinosaurier - sie erklärt nur in einem kleinen Diavortrag, daß Dinosaurier sehr gefährlich sind. Ansonsten besteht sie stets darauf, daß die Viecher lebendig eingefangen werden müssen, damit sie ihre Forschungsarbeit fortsetzen kann. Mal sehen, wie könnte man wildgewordene Tiere einfangen? Ah ja: Man schickt ein schwer bewaffnetes Söldnerteam in die Lagerhalle, die sich dann sicherlich was ausknobeln werden.

Irgendwann legt der T-Rex, der - wie Frau Doktor erklärt, ein Zwitter ist und sich somit selbst vermehren kann - ein Haufen Eier, und das Budget hat wohl bloß für ein paar Dutzend Hühnereier vom Spar um die Ecke gereicht. Dann locken die mittlerweile dezimierten, aber von einer Marines-Einheit verstärkten Spezialisten die Viecher auf ein Schiff, wo sie die armen Tiere dann in den Kühlräumen einfrieren wollen. Auf einer Übersichtskarte sieht man, wie das Schiff endlos weit ins Meer fährt - wollen die mit den Viechern nach Japan? Da kennt man sich wenigstens mit Eidechsenbekämpfung aus.

Es kommt, wie es kommen muß: Die Saurier wollen sich gar nicht einfrieren lassen. Stattdessen jagen sie die wenig spezialisierte Spezialeinheit durch die engen Gänge und Hallen des Schiffs - genau, ALIENS - und frühstücken ordentlich ab. Zum Schluß sind dann nur noch der ständig grimassierende Leiter der Einheit und Frau Doktor über, die sich jetzt entschließen, das Schiff mitsamt Dinos und der Forschungsarbeit in die Luft zu jagen. Das machen sie nicht etwa, indem sie einfach im Rettungsboot von Bord gehen und dann gemütlich einen Luftangriff anordnen - nein, sie klettern quer durchs Schiff, bringen überall C4-Päckchen an, starten einen automatischen Timer und können in letzter Sekunde ins Wasser springen - ohne Boot freilich, irgendwo im Pazifik, aber trotzdem sehen beide sehr glücklich aus, wie sie da so paddeln. Im Hintergrund brennt eine auf dem Wasser treibende Planke.

Mir dämmert mittlerweile, warum es nie einen vierten Teil gab.





Carnosaurus 3 - Primal Species (USA 1996)
Originaltitel: Carnosaur 3: Primal Species
Regie: Jonathan Winfrey
Drehbuch: Rob Kerchner
Kamera: Andrea V. Rossotto
Musik: Kevin Kiner
Produktion: New Horizons
Darsteller: Scott Valentine, Janet Gunn, Rick Dean
Länge: 78 (ungeschnitten)
FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnitten) / 16 (gekürzt)

Dieser Text erschien zuerst bei mannbeisstfilm.de.


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In der IMDB schneidet der Film mit einer Durchschnittswertung von 1,9 ab (wobei 10 die höchst- und 1 das niedrigstmögliche wäre). In den wenigen Kritiken, die im Netz dazu verstreut sind, tut man sich schwer, auch nur ein einziges positives Wort zu lesen, und liest mitunter auch die Worte "Der schlechteste Film aller Zeiten" - eine Phrase, die gerne weniger komparatistisch als einfach nur emphatisch verwendet wird, wenn sich ein Zuseher quasi persönlich beleidigt fühlt von der Qualität eines Films. Auf dem Cover prangt groß Paris Hilton, was freilich auch nur als Caveat verstanden werden kann, weil ihre Präsenz ja bislang noch nie auf einen sehenswerten Film schließen ließ, sondern vielmehr eine impulsartige Abwehrreaktion in sofortige, indiskutable Ablehnung münden läßt. Bei so wenig Liebe für einen Film regt sich in mir doch tatsächlich ein kleiner Beschützerinstinkt.

Aber mal langsam. In BOTTOMS UP geht es um den jungen Owen, der nach Los Angeles reist, um dort bei einem Barkeeper-Wettbewerb einen Geldpreis abzustauben, um die Schulden seines Vaters bezahlen zu können, der mit seiner kleinen Bar in Minnesota rote Zahlen schreibt. Den Wettbewerb verliert er leider, aber zusammen mit seinem Onkel Earl heckt er einen Plan aus, die Freundin eines jungen Hollywood-Superstars zu erpressen, um in dessen engeren Kreis aufgenommen zu werden und dort nach Material für einen Enthüllungsreport suchen zu können - den die beiden dann teuer ans Fernsehen verkaufen würden. Freilich bandeln Owen und Lisa, besagte Freundin, irgendwann miteinander an.

Die größte Überraschung von BOTTOMS UP ist vermutlich, daß Paris Hilton bei weitem nicht die schlechteste Darstellerin im Ensemble ist. Was jetzt freilich nicht dahingehend mißverstanden werden darf, daß sie hier gute Arbeit abliefert: Paris spielt mit der vollen Energie eines Sacks Kartoffeln und spricht ihren Text, als hätte man sie gerade nach dem Verzehr einer ganzen Packung Valium um 4 Uhr morgens aus dem Bett geworfen. Aber naja, sie bemüht sich. Viel schlimmer agiert ihr Gegenüber, Hauptdarsteller Jason Mewes - oh ja, Jay aus den Kevin-Smith-Filmen. Mewes hat offenbar keinerlei Ahnung, was die Worte, die da so aus seinem Mund fliegen, überhaupt bedeuten, und deswegen reiht er die Sätze so flach aneinander, als würde er das Alphabet aufsagen. Dabei hat er die meiste Zeit über einen einzigen Gesichtsausdruck - eine finstere, angestrengte Miene, mit der er schlichtweg ständig so wirkt, als hätte er grad gar keine Lust, überhaupt irgendetwas zu machen oder zu sagen. Mewes und Hilton zusammen generieren dann ungefähr den Effekt eines schwarzen Lochs, in das die Energie unnachgiebig hineingesogen wird.

Ebenso fürchterlich ist David Keith als Onkel Earl, der glaubt, es wüßte noch niemand, daß er überhaupt schwul ist. Keith gibt dem Affen so viel Zucker, daß Hiltons Spiel dagegen nuanciert und erfrischend natürlich wirkt. (Begeben wir uns kurz auf das dünne Kritikereis und stellen mal in den Raum, daß Paris in anderen Rollen schon besser war; DIE PARTY ANIMALS SIND ZURÜCK mag ein durch und durch grauenhafter Film sein, aber Paris ist dort wenigstens mit Spaß und Schwung bei der Sache.)

Natürlich versenken die drei sämtlichen guten Ansätze und witzigen Momente, die der Film eventuell haben könnte. Ein paar Lacher überleben: Ganz zu Beginn erklärt Kevin Smith in einem Cameo, was schwule Aliens tatsächlich mit den Menschen machen, die sie entführen. An einer Stelle werfen sich Owen und Earl in Seemannskostüme, um auf eine Party zu kommen, und ihre Namen auf den angebrachten Schildern bringen den Kalauerfreund in mir durchaus zum Kichern. Und wenn Mewes nicht reden würde wie bei der Trockenübung, wäre die eine oder andere Zeile nicht nur in der Theorie lustig.

Eigentlich schade, denn abgesehen vom Einstieg und einem kurzen, wiederum schwer kalauernden Austausch über einen Hollywood-"Fäkaltherapeuten" ("You must be shitting me!") fällt der Film nie in die Bad-Taste-Falle, wie es vergleichbare Komödien gerne tun. Schön eigentlich auch, daß der Hollywood-Superstar gar nicht überdreht persifliert wird (wie es die leichte, offensichtliche Entscheidung hätte sein können), sondern sich als sympathischer, bodenständiger Mensch entpuppt, oder daß die nach außen hin affektierte High-Society-Freundin eigentlich von der Oberflächlichkeit Hollywoods genervt ist und sich lieber um ein eigenfinanziertes Obdachlosenheim kümmert.

Aber aller guter Willen hilft halt nicht, wenn die Darsteller den Kahn so sehr versenken und die hilflose Regie noch wie ein Betonklotz dranhängt. BOTTOMS UP ist nicht der schlechteste Film aller Zeiten, aber - und da hilft auch der Beschützerinstinkt nichts - schlecht ist er trotzdem.





Bottoms Up (USA 2006)
Regie: Erik MacArthur
Drehbuch: Nick Ballo, Erik MacArthur
Kamera: Massimo Zeri
Produktion: Cameo FJ Entertainment / Synergy Movies
Darsteller: Jason Mewes, Paris Hilton, David Keith, Tim Thomerson, Kevin Smith, Desmond Harrington
Länge: 85 Minuten
FSK: 16


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Man könnte fast meinen, daß der vorliegende Film den Titel "Oh Gott!" trägt - genau das äußert nämlich jeder, der die DVD in Händen hält. Stattdessen heißt der Film aber DIE NEUEN ABENTEUER DES SANITÄTSGEFREITEN NEUMANN, und auf der DVD prangen noch die Slogans "Da glühen die Alpen", "Sex der Seventies" und - oh Gott! - "Peter Steiners Sex-Stadl". Herr Steiner und sein Schnauzbart sind auf dem Cover auch schon dabei zu beobachten, wie sie selig lächelnd eine blanke Brust kneten. Das kann ja heiter werden!

Der Film spielt Anfang 1945 - also kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges - in einer abgelegenen Kaserne irgendwo in den bayrischen Alpen. Es zeigt sich schon während der Titelsequenz, daß die kleine Kompanie, die hier stationiert ist, für das Kriegsgeschehen völlig unbrauchbar ist - die schlappen Mannen sind schon mit Befehlen wie "20 Kniebeugen!" oder "Rechts um!" heillos überfordert. Weil es nun also so rein gar nichts zu tun gibt außer dem gelegentlichen Exerzieren, haben die Männer viel Zeit, sich ihrer Libido zu widmen. Derweil ist nur eine Frau auf dem Stützpunkt stationiert - die Frau des Oberkommandanten Peter Steiner - und die fühlt sich von ihrem Mann schwerst vernachlässigt, weil der immer nur an den Krieg denkt. "Glaubst du denn, dein Führer rammelt nicht?", fragt sie ihn herausfordernd. Zum Glück stößt der Sanitätsgefreite Neumann zur Kompanie, und der schmuggelt geschickt ein paar weitere Frauen in die Kaserne, um einen Militärpuff zu eröffnen. Den Fortlauf der Handlung können wir eigentlich nur vom Klappentext der DVD zitieren: "In Reih und Glied wartet der Stoßtrupp auf neue Abenteuer". Übrigens hat der Plot in diesem Text schon mehr Platz eingenommen als im Film selbst.

Eine Großzahl der zwischenmenschlichen Begegnungen, die im Film gezeigt werden, finden übrigens in der Missionarsstellung statt, was den Effekt hat, daß es ständig bleiche und behaarte Männerhintern zu begutachten gibt. Auch Steiner selbst darf mitsamt behaartem Rücken und ebensolchem Hinterteil ausgiebig betrachtet werden. Daß das, räusper, Vergnügen in züchtigen Softsex-Einstellungen gezeigt wird, liegt übrigens weniger an der Zurückhaltung der Filmemacher, sondern eher darin, daß in der DVD-Fassung die Hardcore-Szenen herausgeschnitten wurden (die Nahaufnahmen von Steiners Szene wurden seinerzeit offenbar mit einem Double gedreht). Aber ehrlich, so richtig detailliert würde ich den naturbelassenen Körpern dann eh nicht zusehen wollen.

Wenn das Gebalze schon nicht erotisch ist, so ist der Streifen wenigstens hemmungslos albern: Steiner pulvert und poltert als überforderter Kommandant in derbstem Bayrisch umher, und bei einem kurzen Bombardement bleibt der einzige Schaden seine heruntergerutschte Hose. Die Rekruten krachen beim "Theorieunterricht" von den Stühlen, als sie aufgerufen werden, und rennen spastisch ineinander, wenn sie auf dem Kasernenhof marschieren sollen (besagter Hof ist übrigens weniger Kasernen- als Bauern-, aber wer nimmt das schon so genau). Ständig werden bescheuerte Zoten gerissen, und wenn dann die beiden eingeschmuggelten Frauen sich als Ornithologinnen ausgeben, muß man auch nicht lange auf den sehr offensichtlichen Witz warten (immerhin gönnt sich der Film dann auch noch einen zweiten Witz, wenn Steiner die beiden als "Pornithologinnen" beschimpft). Gleich zu Beginn kommt eine Frau in die Kaserne, die sich dann, während sie darauf wartet, daß irgendjemand erscheint, ein wenig selber befingert. Zwei gelangweilte Soldaten helfen ihr dann ein wenig, werden aber noch abkommandiert, bevor sie zum Zuge kommen, woraufhin die Frau seufzt: "Dann warte ich halt auf den Feind". Eben: Wenn schon beknackt, dann wenigstens richtig.

Daß das Setting der letzten Kriegstage so richtig geschmacklos ist, darf getrost als Zeitgeist gewertet werden: 1978 lagen die Studentenunruhen zwar schon einige Jährchen zurück, aber die jüngere Generation versuchte immer noch, sich vom Nazimief der Vergangenheit freizusprechen. Entsprechend dürfen dann auch hier unfähige Soldaten vom Endsieg brabbeln, Hitlerbilder poltern von der Wand, und eine blonde Frau keucht beim Orgasmus ein "Heil Hitler". Da das Niveau ohnehin schon ganz unten angesiedelt ist, kann dem infantilen Tabubruch freien Lauf gelassen werden.

Und nur 69 Minuten später sind Krieg und Film zu Ende. Nach kurzem Kontrollblick aus dem Fenster muß ich aber feststellen, daß die Alpen gar nicht glühen. Puh.
 




Die neuen Abenteuer des Sanitätsgefreiten Neumann (Deutschland 1978)
Regie: Jürgen Enz
Kamera: James Jacobs, Eduard Schmidt
Produktion: Rebecca Filmproduktion / Sandrasynchron
Darsteller: Peter Steiner, Peter Hinrichsen, Teddy Kever, Anderl Bäuerl, Siggi Buchner, Ginny Noack
Länge: 69 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe


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