Januar 2009

Was ist eigentlich Niveau? Richtig - nichts, was man auch nur im Entferntesten erwarten würde, wenn ein Film THE AMERICAN POOP MOVIE heißt. Streng phänomenologisch gesehen ist der Titel durchaus korrekt gewählt: Es ist ein Film, es kommt aus Amerika, und es wird ausgiebig gepupst. Neu war mir bislang, daß man mit diesen drei Informationen schon Menschen dazu bringen kann, sich etwas anzusehen oder gar zu kaufen. Aber natürlich sollte mich das nicht verwundern, wo ich doch höchstselbst bereits einen der angeblich besten Furzfilme der Filmgeschichte rezensieren durfte (vgl. hier).

Im vorliegenden US-Pupsfilm geht es um eine Gruppe von Freunden, die gerade das College abgeschlossen haben und sich jetzt neu im Leben orientieren müssen. Weil ihre Traumjobs in weiter Ferne liegen, müssen sie sich mit Arbeiten wie Putzkraft oder Parkwächter über Wasser halten. Unser Protagonist Russ will gern bei einem Fernsehsender arbeiten und eine eigene Show entwickeln, aber die Amateur-Show "I Did Your Mother", die er auf dem College produzierte, macht sich überraschenderweise gar nicht so gut auf dem Lebenslauf. Neben den Arbeitsfindungsschwierigkeiten versucht Russ, mit seiner Ex-High-School-Freundin Tara neu anzubandeln, aber die ist mit Russ' fiesem Rivalen Mitch zusammen.

Der Arbeitstitel des Skripts deutet an, worum es vielleicht im Film eigentlich gehen sollte: WHAT NOW? Autor und Regisseur Joe Kingsley mag also ein Streifen über die Zeit nach dem Abschluß vorgeschwebt sein, der die kurze Phase dieser völligen Neuorientierung einfängt, in der man der Uni entwächst und aber noch nicht seinen richtigen Platz im Leben gefunden hat. Wenn man sich richtig anstrengt, sieht man auch noch Spuren dieser Geschichte im fertigen Film - freilich eher gut gemeint als profund festgehalten.

Aber der Film heißt ja nicht umsonst THE AMERICAN POOP MOVIE (oder im Original THE CONNECTICUT POOP MOVIE, womit die Essenz ja immer noch klar sein dürfte): Der Film wird von vorne bis hinten unter Fäkalhumor begraben. Nicht, daß man intellektuelle Höhenflüge erwartet hätte - Bad Taste kann schon durchaus komisch sein - aber an Ausscheidungen und Blähungen ist wenig inhärent Lustiges festzustellen. Joe Kingsley ist vom glatten Gegenteil überzeugt: Russ wird beim Reinigen einer verdreckten Kloschüssel von oben bis unten mit brauner Soße vollbespritzt - das ist leider nur ekelhaft, nicht lustig. Einer seiner bescheuerten Kumpels verrichtet seine Notdurft auf dem Schreibtisch einer Schuldirektorin - und ehrlich, ich hätte weitergelebt, wenn ich dabei nicht hätte zusehen müssen. Gefurzt wird freilich auch, oft und ausgiebig - zum Beispiel pupst Russ einem Kunden nochmal in den Wagen, bevor er ihn ihm übergibt. Daß ich nicht schenkelklopfend vor dem Fernseher gesessen bin, liegt vielleicht nur daran, daß ich meine anale Phase schon lange hinter mir habe.

Der Streifen ist mehr oder weniger als Amateurproduktion anzusehen - kaum einer der Schauspieler ist tatsächlich einer, die meisten sind das erste Mal tätig. Entsprechend überzeugend stolpern die Darsteller denn auch durch ihre Szenen. Einzig Amelia Morck (Tara) hat einen gewissen Charme, aber pausenlos klingeln dürfte ihr Telefon nach diesem Streifen auch nicht gerade. Kingsley hält auf alles stumpf die Kamera drauf, schneidet holprig zusammen und packt überall heiteren College-Rock oder nachdenkliche Indie-Musik drüber. Weil Fürze allein wohl nicht kommerziell genug sind, gibt es von Zeit zu Zeit auch blanke Brüste, aber ganz ehrlich sehe ich mir die dann doch lieber in Filmen an, wo keine braungefärbten Toiletten drin vorkommen.

Schon klar: THE AMERICAN POOP MOVIE ist nicht für die kritische Rezeption gedacht, sondern nur für die sinnlose (und weitesgehend geschmackfreie) Unterhaltung. Und wie gern ich mich hätte unterhalten lassen! Aber ganz ehrlich: Solche Filme stimmen mich eigentlich nur sehr traurig. Bitte keine Fortsetzung.





The American Poop Movie (USA 2006)
Originaltitel: The Connecticut Poop Movie
Regie: Joe Kingsley
Drehbuch: Joe Kingsley
Kamera: Scott Zarzycki
Darsteller: Ross Kidder, Amelia Morck, Elizabeth Shapiro, Jason Sarayba, Joe Kingsley
Länge: 95 Minuten
FSK: 16


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Es gibt Filme, bei denen man genau weiß, daß es einfach nicht sehr nett wäre, Kritik zu üben. Alle haben sich so bemüht! Alle sind sicher mit soviel Herzblut dabeigewesen! Und alles ist so verdammt gut gemeint! Da läuft er nun also, der Film, und man kommt sich vor wie ein richtig schlechter Mensch, weil man so gar nicht ergriffen ist. Glücklicherweise ist es ja nicht Aufgabe der Filmkritikers, nett zu sein - genaugenommen sollte das das allerletzte sein, was ihn in seiner Arbeit auszeichnet. Und deshalb mag jetzt jemand empört sein darüber, daß der gutgemeinte Indie-Streifen BIGGER THAN THE SKY hier mit häßlichen Worten bedacht wird - aber so gern es uns leid tut, das Gegenteil von "gut gemacht" ist immer noch "gut gemeint".

In BIGGER THAN THE SKY geht es um Peter Rooker, ein Mensch mit langweiligem Leben und langweiliger Arbeit, der keine Freunde außer seiner Schwester hat und gerade von seiner Freundin verlassen wurde (die jetzt vermutlich eine viel aufregendere Beziehung mit einem Verwaltungsinspektor anfängt). Zufällig sieht Peter einen Casting-Aufruf, wo sich Darsteller bei einer Laien-Produktion von "Cyrano de Bergerac" bewerben können. Er geht hin, spricht vor - und wird aus Gründen, die niemandem so recht einleuchten (ihm selbst am allerwenigsten), für die Hauptrolle ausgewählt. Natürlich lernt er in der Theatergruppe eine nette junge Schauspielerin kennen (Amy Smart), findet neue Freunde (John Corbett) und kann sein Leben verbessern, auch wenn eine Beziehung zwischen Corbett und Smart seinem eigenen Glück im Wege steht.

Das Kernproblem des Films liegt bei Peter selbst, sowohl in seiner Konzeption wie auch in der schauspielerischen Ausführung. Peter ist wirklich und tatsächlich furchtbar langweilig. Er hat keine Interessen. Er hat auch keine Hobbies. Er sagt nichts Spannendes. Er ist so nett, aufrichtig, ehrlich, schüchtern, zurückhaltend, treuherzig und sterbenslangweilig, daß die Möbel um ihn herum meist interessanter anzusehen sind. (Der Autor schenkt ihm eine persönliche Eigenheit: Ein Sofa auf dem Rasen vor seinem Haus, auf das er sich gelegentlich zum Nachdenken setzt. Worüber auch immer. Es liegt sicherlich nicht an den gefühlten 364 Tagen Regenwetter in Salzburg, daß ich ein Sofa im Freien für eine eher unpraktikable Angelegenheit halte.) Marcus Thomas spielt Peter völlig adäquat: Wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Er steht einfach die ganze Zeit ein wenig hilflos herum, schaut nett und sieht ein wenig überfordert aus. Ehrlich: Die Figur und der Darsteller sind tödlich für den Film. Wir fühlen nicht mit Peter, wir haben Mitleid mit ihm. Hätte der gute Junge nicht wenigstens irgendeine positive Eigenschaft kriegen können, die er einbringen kann?

Schon klar: Es soll um die transformative Kraft des Theaters gehen. Aber auch introvertierte Figuren dürfen mit ein wenig Präsenz gespielt und mit ein paar Eigenschaften ausgestattet werden. Um Peter herum sind denn auch alle Figuren als bunte Vögel gezeichnet: Der unzuverlässige Corbett, der schwule ältere Star des Theaters, der egozentrische Pfau in der Truppe (Sean Astin). Und, ja, Amy Smart, deren Figur ein reiner männlicher Autorentraum ist: Sie ist hübsch und niedlich und mit unglaublich charmanten Eigenheiten ausgestattet, sie kann immer passend zur Lage mit sensiblen Einsichten oder mit kessem Witz aufwarten, lächelt stets aufmunternd, und sie verliebt sich flott in die hilflose Flasche Peter. Und sollten wir ihr Interesse an Peter tatsächlich schlucken, dann ist der Schluß, egal wie schön er für uns verpackt wird, eine reichlich unbefriedigende Angelegenheit, weil Peter als bloßer Katalysator fungiert.

Autor Rodney Vaccaro, der auch EIN DATE ZU DRITT mit Neve Campbell und Matthew Perry geschrieben hat (ein nicht minder schlechter Film, der aber wenigstens unterhaltsam-beknackt als lange Sitcom funktioniert), liebt die Welt des Theaters so sehr, daß er ständig von seiner eigenen Rührung übermannt wird. Alles ist so gut und magisch und gefühlvoll, daß es selbst ohne das Dialogpathos ("Diejenigen unter uns, die im Theater leben, haben jeden Tag mit dem Tod zu tun") schon schwer süßlich zuginge. Und natürlich werden - wie in jedem schlechten Drehbuch über die Bühnenwelt - ständig lange Monologe aus Bühnenstücken zitiert, weil der Autor hofft, mit den entliehenen Worten seine eigene triviale Geschichte mit Tiefgang versehen zu können. (Einzige Ausnahme: Peter, der mit einem Monolog aus Cyrano bei seinem Chef kündigt. Die Szene funktioniert, weil es das erste Mal ist, daß sich Peter die Worte mit Bedeutung aneignet.)

Das Theater ist in der Tat eine sehr eigene, faszinierende Welt. Es besitzt tatsächlich eine transformative Kraft, es kann uns etwas über die menschliche Natur erzählen, es kann Menschen verbinden. Das Theater zieht interessante Leute an, existiert mitunter fernab der tristen Wirklichkeit. Menschen staunen, lachen und weinen im Theater. Wir sind vom Theater fasziniert, weil wir nach den kurzen, flüchtigen Momenten suchen, die etwas bedeuten und die wir mitnehmen können. Vermutlich wissen das die Beteiligten an BIGGER THAN THE SKY. Umso enttäuschender, daß sie nichts Bedeutsames darüber erzählen können.





Bigger than the Sky (USA 2005)
Regie: Al Corley
Drehbuch: Rodney Vaccaro
Kamera: Carl Nilsson
Musik: Rob Cairns
Produktion: Neverland Films / Coquette Productions
Darsteller: Marcus Thomas, John Corbett, Amy Smart, Sean Astin, Clare Higgins, Patty Duke
Länge: 102 Minuten
FSK: 6

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Was machen eigentlich Studenten, wenn sie nicht gerade ihre zwei Stunden Vorlesungszeit in der Woche absitzen? Na, wissen wir doch schon: feiern, saufen, Unsinn treiben. Wer selbst nicht studiert hat, kann sich diese Erkenntnis in einer Art Reality-Movie holen, das da bei uns BEACH PARTY ANIMALS heißt und mit dem Titel wohl Verwandtschaft zu diversen College-Komödien der letzten Jahre suggerieren soll. Im Englischen heißt das, hüstel, Dokudrama schlichtweg THE QUEST, weil es um eine Gruppe von Collegestudenten geht, denen ein Dokuteam mit Kameras nach Mexiko folgt, wo sie ihren Spring Break feiern, und wo die zentrale Figur aus der Gruppe endlich einen Treffer beim anderen Geschlecht landen soll - der gute Junge ist mit seinen 21 Jahren nämlich noch Jungfrau. Alarmiert die Presse!

Im Vorspann sehen wir dann den ursprünglichen Originaltitel: DRUNKEN JACKASSES: THE QUEST, und das läßt uns ja nicht nur auf das Niveau schließen, sondern auch auf den Inhalt - "youthful shenanigans", wie der Amerikaner vielleicht sagen würde. Die Kumpels reisen also nach Mexiko und stürzen sich dort von einer Party zur nächsten, saufen sich ins Koma, werden von blanken Busen nur so erschlagen, und verbringen ein wenig Zeit mit bewährten Schenkelklopfern wie einer Ein-Dollar-Wette, bei der sich einer der Freunde selber in den Turnschuh pinkeln und den dann wieder anziehen muß. Der studiert bestimmt Publizistik.

Eddie, unser noch unberührter Protagonist, probiert derweil alles Mögliche aus, um sich eine begattungswillige Frau aufzureißen. Das klappt auch zunächst ganz gut, aber dann scheitert es halt immer an den üblichen Problemen: Die WG-Mitbewohnerin taucht auf und dann gibt's statt einer interfakultären Menage-à-trois doch nur eine Beschwerde wegen Ruhestörung. Eine andere schnell angelachte Entjungferungsassistentin verschwindet leider spurlos, während Eddie ein Kondom besorgt - vielleicht hat sie sich flott uminskribiert. Im Voice-Over läßt uns Eddie glücklicherweise stets an all seinen ausgeklügtelten Plänen und tiefsinnigen Gedanken teilhaben: "Jetzt war es doch an der Zeit, sich mal richtig vollaufen zu lassen."

Eine blonde Frau, die ich vielleicht dem Fachbereich Psychologie zuordnen würde, hat es Eddie besonders angetan, und deswegen lädt er sie zum Abendessen ein und geht dann mit ihr am nächsten Tag auf einen romantischen Segeltrip. Dabei ist er dauernd total frustriert, weil es noch keinen Sex gibt, und deswegen hält er sich mit Smalltalk über Wasser. "Hörst du viel Musik?", fragt sie. "Nein, ich schau mehr fern", sagt er. "Was studierst du?", will sie wissen. "Elektrotechnik", führt er aus. "Wo willst du mal arbeiten?", hakt sie nach. "Beim Radio", nuschelt er. Vielleicht sollten sich die beiden studierenden Kleinhirne doch lieber auf schnellen Sex als auf komplexes Beziehungsgedöns konzentrieren.

Derweil verfolgen wir auch mit, was andere Figuren machen: Zwei Liliputaner laufen herum und graben mit schwerst beifallhemmenden Langer-Schwanz-Sprüchen diverse Frauen an, die sich dabei auch noch hochgradig amüsieren. Einer der beiden erklärt uns dann auch, daß er noch nie Sex mit einer großen Frau hatte, und da fühlen wir natürlich mit ihm. Zum Glück ist er am richtigen Ort gelandet, weil Frauen und Kleidung in Mexiko offenbar ein eher flüchtiges Verhältnis führen. Der stämmige Hans, ein Freund von Erik, wird derweil in besoffenem Zustand mitsamt seinem Bett auf den Parkplatz des Hotels gebracht, was beinahe so komisch ist wie das Kondom, das die Truppe dem niedergemähten Eddie in den Allerwertesten steckt. Mir waren diese RTL2-Ballermann-Sendungen ja auch schon immer viel zu intellektuell.

Dem geschulten Auge wird freilich schnell auffallen, daß das Prozedere eventuell nicht ganz so Reality-getreu abläuft, wie es impliziert wird. Erstaunlicherweise laufen stets mindestens drei Kameras bei jeder wichtigen Aktion, und auch wenn einer der Kumpels seine jammernde Freundin zuhause anruft, stehen bei ihr Kameras herum. Aber sicherlich bin ich da nur übermäßig mißtrauisch, und der Film fängt den typischen Alltag eines Studenten in dokumentarischer Schärfe wahrheitsgetreu ein.

In der Fortsetzung sehen wir dann sicher, was Uniprofessoren tun, wenn sie nicht gerade ihre zwei Stunden Vorlesungszeit in der Woche abhalten müssen.





Beach Party Animals (USA 2003)
Originaltitel: The Quest
Regie: Mike Fleiss
Kamera: Randall Einhorn
Produktion: Next Entertainment


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Ich sag's ja immer wieder, liebe Filmfanaten: Es darf kein Äußerstes geben, zu dem wir nicht entschlossen wären. Das beinhaltet natürlich auch, sich ausführlichst dem gesammelten Werk der Produktionsfirma LISA-Film zu widmen, in dem nicht selten beliebte Gesichter unter Vortäuschung einer Handlung an den Wörthersee reisen, um dort - so erklärt man das, wenn man den Schmumpf auf eBay loswerden will: - ein Feuerwerk der guten Laune abzufackeln. Widmen wir uns also mit schwungvollem Anlauf dem Film DAS HAUT DEN STÄRKSTEN ZWILLING UM, der eine der wichtigsten Konstanten der LISA-Film-Produktionen sofort bricht: Der komplette Streifen spielt in München, wo der filmisch strapazierte Wörthersee nicht einmal erwähnt wird.


Die Hauptrolle in DHDSZU (um den Titel kurzerhand als griffiges Akronym zu gestalten) spielt Peter Weck, der schon 1971 eine gelungene Wahl war, wenn einem der selige Horst Tappert immer viel zu aufregend war. Weck spielt den Vater von Zwillingstöchtern, von denen eine zu Beginn des Films aus England mitsamt der von Weck geschiedenen Frau Mama (Gerlinde Locker) anreist. Und schon wird's lustig! Naja, okay, noch wird gar nichts lustig, aber die Zwillinge beginnen, ein lustiges Verwechslungsspiel mit ihren jeweiligen Verehrern zu spielen, von denen keiner weiß, daß es zwei von der Sorte gibt. So wird's dann auch schon bald komisch! Nun gut, so richtig komisch wird es noch nicht, aber derweil kriegt Peter Weck ein Kündigungsschreiben zugestellt, daß eigentlich für einen Kollegen bestimmt war, und er schreibt in Rage (und Suff) einen Rachebrief an den Chef, den er nach Aufklärung der Verwechslung wieder zurückbekommen will - zum Glück versuchen gerade drei Ganoven, in das Postamt einzubrechen, so daß Peter ebenso dort einsteigen kann und ... jaja, okay, ich hör' ja schon auf.

Wir merken also: Die Handlung ist eher lose arrangiert. Dafür wurden bei der Besetzung weder Kosten noch Mühen gescheut und eine Reihe von Knallcharg---, äh, Darstellern engagiert, die für höchste Klasse stehen. Der Anführer der drei Ganoven ist Herbert Fux, der sich seine Miete hier sehr sportlich unter anderem dadurch verdient, daß er in eine Baugrube eumelt und sich Farbeimer auf den Kopf fallen läßt. Ebenso Mitglied des Gaunertrios ist Hans Terofal, der in allen sieben Filmen der Reihe DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK den albern herumkasperlnden Hausmeister gespielt hat und diesmal zeigt, daß er auch albern herumkasperlnde Bankräuber in seinem Repertoire hat. Als Lehrer an der Schule taucht nicht nur Ralf Wolter auf, dem die Schüler ein Klavier ansägen, mit Sprungfedern ausstatten, mit weißen Mäusen beladen und mit Sprengkörpern präparieren, sondern auch Herr Dr. Gunther Philipp, der hier erneut beweist, zu was man es im Leben mit einem Doktortitel in Psychologie bringen kann: Er kracht am Barren ein, brettert durch einen Sprungturm, wird auf dem Trampolin mit Elektroschocks bedacht und rast kopfüber von der Kletterstange herab in den Boden.

Ebenso mit von der Partie sind Alexander Grill (der in AUF DER ALM DA GIBT'S KOA SÜND notgeil über die grünen Alpen hopste), Beppo Brem (der hier unter ständigem Alkoholkonsum ein wenig bayrisch herumpulvern darf), die junge Michaela May, Ilja Richter und - oh Schreck - Christian Anders. Letzterer spielt den Verehrer einer der beiden Zwillingstöchter, und bis zum Schluß des Films hofft man noch, daß er nicht singen wird - aber freilich presst sich Herr Anders zum Finale gleich zwei ölig tropfende Schnulzen aus den Lungen und marschiert dabei mit seiner Angebeteten vor Münchner Bauwerken auf und ab. Ich stelle mir so eine Beziehung ja sehr schwierig vor, in der einer der Partner ständig singt - aber man heiratet ja auch nicht einfach so aus Spaß, gell.

Weil das noch nicht genug Schauwert ist, taucht auch die Wienerin Marianne Mendt auf, die einen ihrer schönsten Erfolge singt (vielleicht ist deshalb auch die Wirtschaft, in der die Szene spielt, so leer). Auch Peggy March singt ein wenig, und sie zieht sich später im Film sogar noch bis auf die Unterwäsche aus. Viel spannender noch der Gastauftritt von Peter Maffay (!), der in einer Bar mit schmusigem Blick herumläuft und die Gäste mit lautstarkem Geträller belästigt - aber getoppt wird das freilich vom spanischen Sänger Miguel Ríos, der in selbiger Bar eine englischsprachige Version von "Freude schöner Götterfunken" als orchestral aufgeblähten Balladentrief schmettert und dabei ständig ein Gesicht macht, als hätte er gerade gemerkt, daß er keine Hosen mehr anhat. Mein lieber Herr Gesangsverein, erhöh' doch schnell den Mitgliedsbeitrag.


"Das ist schon ein sehr plumper Witz", bemerkt Papa Genzel schon nach 5 Minuten, als Peter Weck gerade ein Spiegel auf den Kopf fällt, weil er mit dem nach hinten rollenden Bürostuhl gegen die Wand gekracht ist. "Das ist hart", faßt er den Film dann zusammen, und zwar exakt 3 Minuten später (als Weck durch die Glasscheibe seiner Bürotür stolpert) - ein Resumée, das man auch die restlichen 82 Minuten getrost so stehen lassen kann. Nächstes Mal bitte wieder die Handlung an den Wörthersee verlagern.




Das haut den stärksten Zwilling um (Deutschland 1971)
Regie: F. J. Gottlieb
Drehbuch: Erich Tomek
Kamera: Klaus Werner
Produktion: LISA-Film
Darsteller: Peter Weck, Ulli König, Gaby König, Ilja Richter, Christian Anders, Peggy March, Herbert Fux, Gunther Philipp, Gerlinde Locker, Michaela May, Ralf Wolter, Alexander Grill
Länge: 90 Minuten
FSK: 6



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Gerade gefunden: Aus einem Interview mit Arnold Schwarzenegger (erschienen im M-Magazin, Juli/August 2003):

M: Du willst als Gouverneur von Kalifornien in die Politik einsteigen?

Schwarzenegger: Der Presse ist das ernster als mir. Ich selbst habe nie gesagt, dass ich kandidieren möchte. Es genügt laut darüber nachzudenken, dass man sich für Politik interessiert, und schon schreiben alle, man will kandidieren. Vor kurzem habe ich gelesen: "Schwarzenegger ist aus dem Rennen um den Gouverneursposten." Das ist funny, denn ich war nie in diesem Rennen. Man fragte mich, warum ich nicht kandidieren will, und ich sagte: Weil ich jetzt Terminator 3 mache und dafür einen Vertrag unterschrieben habe. [...]

M: In Österreich wird nächstes Jahr der Posten des Bundespräsidenten frei. Wäre das auch was für dich?

Schwarzenegger: (lacht) ... Ja, das wäre ein Job für mich. Aber noch besser wäre beides: Gouverneur von Kalifornien und Bundespräsident von Österreich!

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Klopperfilme müssen offenbar einen primordialen Urinstinkt in uns ansprechen: Tief in uns drin sitzt wahrscheinlich noch immer ein steinzeitlicher Höhlenmensch, der sich mit Keule in der Hand freut, wenn er harten Kerlen dabei zusehen kann, wie sie sich gegenseitig die Birne weichprügeln. Das würde zumindest die Popularität der BLOODSPORT-Reihe erklären, in der man sich nun schon vier Filme lang ansehen konnte, wie sich Muskelpakete – nun ja – zu Brei schlagen.

Zum Glück versichern uns DVD-Cover und Abspann des Films nachdrücklich, daß der Film, mit dem Jean Claude Van Damme sich ins Gedächtnis der Kinogänger kämpfte, "eine wahre Geschichte" sei. Wie? Echt? Da haben sich echt schon mal Leute im wahren Leben geprügelt? Und dann hat einer gewonnen? Ein Wunder eigentlich, daß das nicht schon früher verfilmt wurde. Na schön: Van Damme spielt in BLOODSPORT den Kumite-Weltmeister Frank Dux, der von 1975 bis 1980 in diesem Vollkontakt-Kampfwettbewerb ordentlich abgefrühstückt hat. Heißt also auf den Film bezogen: Frank Dux geht nach Hong Kong zum Kumite und haut dort die Konkurrenz zu Mus. Eine wahre Geschichte! Und diese Betrunkenen, die sich den Salzburger Rudolfskai auf- und abkloppen, haben sicherlich diverse quasi-dokumentarische Schwarzenegger-Filme inspiriert.



In der Tat besteht die Handlung von BLOODSPORT hauptsächlich daraus, daß gekämpft wird. Um nun also den Spaß auf 88 Minuten aufzupimpen, haben drei Drehbuchautoren ihr Möglichstes getan: Es werden gleich zu Beginn ein paar Animositäten gestreut, Van Damme freundet sich mit einem kulleräugigen amerikanischen Kämpfer an, ein paar Polizisten versuchen Frank vom Kämpfen abzuhalten, und eine blonde Reporterin möchte sehr gerne beim Kumite zuschauen, um dann eine Story darüber zu schreiben. Entsprechend folgt auf die Hiebe ein wenig Liebe, bis dann Blondchen tatsächlich die Kämpfe ansieht, total entsetzt ist und Frank dann eine große Szene macht, daß er da nicht mehr hingehen und sein Leben riskieren soll. Gleich danach läuft sie zur Polizei, die den Wettkampf stoppen soll. Da sieht man's mal wieder: Frauen und Actionfilme, das geht einfach nicht zusammen.

Amtierender Weltmeister beim Kumite ist ein gewisser Chong Li, der von Bolo Yeung gespielt wird und beim Kämpfen auch mal gerne Knochen und Genicke bricht. (Beim Kumite ist sowas offenbar durchaus erlaubt, was in mir die Frage hervorruft, für was dann Schiedsrichter gebraucht werden.) Yeung schaut dabei immer recht angespannt, und man ahnt schon, was für ein böser Bube er ist, als er sich völlig unbeeindruckt davon zeigt, daß Van Damme einen Ziegelstein mit der Handkante zerbröseln kann, und mit stechenden Augen knurrt: "Brick don't hit back".


Wie steht es nun also mit dem Urinstinkt? Eher gemischt. Freilich sind einige spektakuläre Kämpfe dabei, und selbstverständlich ist die Körperbeherrschung der Akteure recht beeindruckend (solange man nicht auf das Gesicht schaut). Der Endkampf ist adäquat solide choreographiert; dazwischen sieht man viele Montagen zu schrecklichem Synth-Pop, in denen anonyme Kämpfer sich dreschen. Aufregend ist das Vergnügen aber nicht gerade, was vielleicht auch daran liegt, daß viel Zeit mit banalem Drumherum vergeudet wird und diese Sequenzen ohnehin kaltlassen, wenn Van Damme alle Dialoge mit der emotionalen Tiefe eines IKEA-Prospekts vorträgt.

Vielleicht bin ich aber auch nur gerade nicht so im Einklang mit meinen Urinstinkten. Viel lieber würde ich gerade etwas Anspruchsvolles sehen. AMERICAN FIGHTER 4 zum Beispiel.





Bloodsport (USA 1988)
Regie: Newt Arnold
Drehbuch: Sheldon Lettich, Christopher Crosby, Mel Friedman
Kamera: David Worth
Musik: Paul Hertzog
Produktion: Cannon International
Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Donald Gibb, Leah Ayres, Norman Burton, Forest Whitaker, Bolo Yeung
Länge: 88 Minuten
FSK: 18


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Das neue Jahr ist gerade mal einen halben Tag lang, und schon lese ich die traurige Nachricht, daß schon wieder einer der ganz Großen gestorben ist. Jazz-Trompeter Freddie Hubbard ist am Montag im Alter von 70 Jahren verstorben, nachdem er kurz vor Thanksgiving einen Herzanfall erlitt.

Hubbard war einer der bemerkenswertesten Trompeter. Es ist eigentlich egal, welche seiner vielen Dutzend Aufnahmen man aus den Sechzigern heranzieht - sie sind allesamt gleich beeindruckend und zeigen die einzigartige Stimme, die er auf seinem Instrument hatte. Obwohl Hubbard zu den wilden Spielern gehörte - schnell, hart, hoch, fast akrobatisch - scheint bei ihm doch immer eine gewisse Erdung durch. Er war einfallsreich und nicht nur ein sehr feuriger, sondern auch ein - komisches Wort, aber: - sehr klarer Spieler.

Neben zahlreichen eigenen Alben, davon viele auf Blue Note, spielte Hubbard mit vielen Jazzgrößen und tauchte als Sideman auf einigen klassischen Jazzalben auf, denen er eine eigene Note verlieh. Hubbard spielte mit John Coltrane, Herbie Hancock, Eric Dolphy, Ornette Coleman, Wayne Shorter, Quincy Jones und so vielen anderen. Meine erste Begegnung mit ihm war auf Hancocks erstem Album, TAKIN' OFF von 1961 (das ich jetzt gerade höre). Er spielte auch auf Hancocks Klassikern EMPYREAN ISLED (1964) und MAIDEN VOYAGE (1965). In kürzester Zeit hatte ich jede Menge Hubbard.

In den Siebzigern landete er auf Creed Taylors CTI-Label und bekam für das Album FIRST LIGHT einen Grammy. Dieses Album, RED CLAY, oder die Konzerte mit Stanley Turrentine: Allesamt Höhepunkte.

Dann begann Hubbard, sich selbst zu demontieren. Er unterschrieb bei Columbia und nahm fade Discofunk-Platten auf, auf denen er selbst fast nichts zu tun hatte. Er spielte seichte Schmuseballaden. Es war nicht so, daß er kein Feuer mehr hatte: In Hancocks VSOP-Projekt Ende der Siebziger hört man ihn mit dem zweiten klassischen Miles-Davis-Quintett (Hancock, Ron Carter, Wayne Shorter und Tony Williams), und er fackelt mit jedem Solo die Bühne ab. Aber das waren Ausnahmen, und mit den meisten seiner eigenen Aufnahmen hörten die Leute langsam auf, ihn ernst zu nehmen. Er fiel unangenehm auf, weil er Konzerte platzen ließ und sich daneben benahm, und später, Anfang der Neunziger, platzte ihm dann die Lippe auf, so daß er kaum mehr spielen konnte. Erst 2001 wagte er sich an ein Comeback, das auch gut aufgenommen wurde. Zu der Zeit waren schon viele Trompeter etabliert, die mit seinen Platten aufgewachsen waren und ihn zu seinen Vorbildern zählten. Einige seiner Kompositionen sind mittlerweile Standards.

Jetzt hat er, um das abgegriffene Bild zu bemühen, die Bühne verlassen. Auch wenn die meisten seiner Glanztaten in den Sechzigern und in der ersten Hälfte der Siebziger lagen, ist es doch sehr schade. Selbst der gemäßigte Hubbard der Neuzeit hatte immer noch den charakteristischen Klang, den Ideenreichtum des jungen Stürmers. Es wäre noch einiges an Musik in ihm gewesen.

Aber jedesmal, wenn ein Musiker stirbt, denke ich mir, daß sie uns ja etwas mitgegeben haben, was nicht verschwinden wird. Wir können ihre Musik noch hören und neu entdecken, und wir können in fünfzig Jahren immer noch ein altes Stück wie "Alone and I" vom ersten Hancock-Album hören und uns von Hubbards Spiel berühren lassen.

Lesenswerte Links: Nachrufe bei All About Jazz, bei MSN Music News, und auf PopMatters.

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