Dezember 2008
Video ist tot. Dem Gefühl nach ist das VHS-Format ja schon vor geraumer Zeit gestorben - niemand hat mehr Videorekorder, keiner will mehr VHS-Bänder. Jetzt hat JVC, die immer noch Videorekorder hergestellt haben, angekündigt, keine mehr produzieren zu wollen. Und der letzte Händler für VHS-Bänder in Amerika (einer von diesen Kleinhändlern, die superbillig einkaufen und dann immer noch superbillig verkaufen) hat diesen Geschäftszweig nun auch aufgegeben.

Ein interessanter Artikel darüber und über den Formatwechsel ist in der LA Times zu lesen.

Mit der kompletten Verfügbarkeit so vieler Filme heutzutage - DVD, Internet, hunderte von Fernsehkanälen - ist es vielleicht schwer vorstellbar, wie revolutionär das Videoband damals war. Vorher konnte man keine Filme für den Hausgebrauch aufnehmen. Man konnte vielleicht Filmspulen kaufen - 16mm, Super-8, oder sogar 35mm - aber das war nur eine Option für Leute mit viel Geld und viel Platz. Aber ansonsten gab es keine privaten Archivierungsmöglichkeiten; keine Chance, einen Filmklassiker zu sehen, wenn er nicht gerade in einem Retrokino oder im Fernsehen lief. Die VHS war der erste Schritt zur eigenen heimischen Mediathek, die mittlerweile jeder in irgendeiner Form hat.

Ich erinnere mich, wie ich als vielleicht 6-jähriger den Videoschrank meiner Eltern durchwühlt habe und mir einen Film nach dem anderen reingezogen habe. Damals hat mein Vater noch so einiges aufgenommen, was ihn interessiert hat. Die James-Bond-Filme mit Connery waren darunter, und dank VHS konnte ich sie mir so oft ansehen, bis ich sie auswendig konnte. EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR war auch darunter, ebenso wie ERDBEBEN und DIE FEUERZANGENBOWLE. Es hat gar nicht lange gedauert, bis ich selber aufnehmen konnte und mir aus dem Fernsehprogramm alles herausgepickt habe, was mich interessiert hat. Als Teenager habe ich teilweise 4 oder 5 Filme pro Tag aufgenommen; teilweise habe ich Aufträge an Familie und Bekannte ausgelagert, weil man mit nur 2 Videorekordern im Haus ja auch nur 2 Filme gleichzeitig aufnehmen kann - was an Feiertagen zu oft zu Überschneidungen führte. Und wer will sich schon entscheiden, wenn ROBIN HOOD, DIE NACKTE KANONE 2½ und AMERICAN FIGHTER 5 zeitgleich laufen?

Im Laufe der Jahre haben sich bei mir über 1000 Videobänder angeeignet. Da ist vieles dabei, was es immer noch nicht auf DVD gibt. Und vielleicht nie geben wird, auch wenn ich ja immer behaupte, daß über kurz oder lang alles digital verfügbar sein wird (immerhin ist vor kurzem sogar WENN FRAUEN DING DONG SPIELEN auf DVD herausgekommen!). Grund genug, an so manchem Tape festzuhalten.

Interessant - und auch im obigen Artikel erwähnt - ist die Tatsache, daß kaum jemand aus nostalgischen Gründen an den VHS-Tapes festhält, im Gegensatz zu Vinyl-Schallplatten. Aber eigentlich leuchtet das schon ein: Vinyl ist bei korrekter Behandlung qualitativ absolut hochwertig und bietet z.B. ein großformatiges Artwork sowie, im Falle von alten Singles und Alben, ein Gefühl der Authentizität (genau so wurde diese Musik damals veröffentlicht und bekannt). VHS bietet nichts dergleichen: Das Bild ist oft verwaschen und wird über die Jahre nicht besser, der Ton wird mit zunehmendem Alter immer dumpfer, die Kassetten sind klobig und vergleichsweise umständlich zu bedienen, und echt ist daran nicht viel, weil die Filme ja eigentlich für's Kino gemacht wurden und das VHS-Format nur ein Kompromiß für den Heimkonsum war.

Wenn man sich einmal einen Film, den man auf DVD hat, wieder auf Band ansieht, wird man nur in Notfällen wieder das VHS-Tape zum Ansehen verwenden (so wie Mama Genzel und ich uns letzten BLUES BROTHERS auf Band angesehen haben, weil halt keine DVD vorhanden war). Irgendwann werden meine 1000+ Bänder auch verschwinden - wenn ich die Filme auf DVD (oder BluRay, oder einem Flash-Medium der Zukunft) habe oder mir halt doch irgendwann einen Digitalrekorder zugelegt habe. Die Kauftapes von damals behalte ich aus nostalgischen Gründen (wie geil und bekennend war es doch, alle drei INDIANA JONES-Filme als Kauftape im Regal stehen zu haben!), auch wenn die Bänder darin schon erloschen sind.

Was noch mehr erloschen ist, ist die Arbeit hinter dieser Bändersammlung: Über Jahre hinweg sich Filme aus dem Fernsehen zu sammeln und zu archivieren ist doch heutzutage völlig überholt. Man wirft den Torrent-Tracker an und lädt sich die paar Tausend Filme halt einfach in ein paar Wochen runter. Zack. Die Mühe hinter der Sammlung ist heutzutage ebenso schwer zu erklären wie vergriffene Japan-Pressungen in der Plattensammlung, die man zu Zeiten gefunden hat, in denen man sie noch nicht über Google und Amazon in fünf Sekunden ausfindig machen konnte.

Kein Schlußwort heute. Ich muß noch einen ganzen Stoß Videokassetten beschriften und einsortieren.

-----------------
4 8 15 16 23 42

MBF-Wertung: *** (3 von 6)

Mal flott der Plot: Karen reist nach dem Tod ihrer Großmutter zu deren Haus zurück, um es zu verkaufen. Nacht um Nacht wird sie von Alpträumen geplagt, die sich offenbar um ihre Kindheit drehen, die sie in besagtem Haus verbracht hat. Bald trifft auch Karens Schwester Wendy (Jenny Mollen) ein, die ihr beim Ausräumen des Hauses helfen will. Allerdings gibt es noch einen undurchsichtigen Mann namens Pierce (Tom Sizemore), der sich um das Haus kümmert, und der Karen trotz seiner Hilfsbereitschaft eher einschüchtert als beruhigt.

Vor der nun folgenden Information müsste man eigentlich mit dem Wort "Spoiler" warnen, wenn die Entwicklung nicht so arg offensichtlich wäre: Tom Sizemore knallt durch und bedroht die beiden Frauen. Was soll er denn auch sonst machen? Also, erstens einmal gibt es in diesem Film ja sonst niemanden, der durchknallen könnte. Zweitens greifen undurchsichtige Hausmeister in Horrorfilmen ja gerne mal zur Axt. Und drittens heuert man nicht Tom Sizemore an, um ihn dann einen netten Kerl spielen zu lassen. Das wäre in etwa so, als würde man Jackie Chan casten und den Typ dann die ganze Zeit im Rollstuhl sitzen lassen.

Nachdem er sich also die ersten fünfzig Minuten darauf beschränkt hat, hin und wieder mal mit finsterem Blick Holz zu hacken, brennen bei Sizemore die Sicherungen durch. Vermutlich hat er auf die Uhr gesehen und gemerkt, daß der Film ja schon bald aus ist – und sich dann auch völlig richtig gedacht, daß er ja hier nicht für's Pferdestriegeln bezahlt wird. Plötzlich erzählt er von dem netten Dr. Mengele, und dann hält er mit Wahnsinn im Auge und Messer in der Hand (umgekehrt wäre das ja auch doof) Wendy einen Monolog, der ihm für die nächsten 10 Jahre auch einschlägige Rollen sichern dürfte. Wendy flüchtet vor ihm, und die Tatsache, daß Jenny Mollen dabei in der Unterwäsche herumläuft, hat ganz ehrlich nur eher marginal etwas mit der großzügigen Wertung von 3 Sternen zu tun.

Sieht man mal davon ab, daß der Spaß recht vorhersehbar ist und der Streifen über weite Strecken recht bemüht ist, ominös zu wirken, gibt es durchaus schlechtere Beschäftigungsmöglichkeiten als DARK MEMORIES. Die Stimmung sitzt ganz gut, der Spannungsaufbau funktioniert, und der Film hechtet nicht immer nach dem nächstbesten, vorhersehbaren Schockmoment. So mag also das Konzept nicht ausufernd Enthusiasmus verbreiten, aber die Ausführung ist durchaus gelungen. Das gibt also streng mathematisch gesehen 3 Sterne in meinem integren Bewertungsschema, wenn man Jenny und die Unterwäsche dazurechnet. Jaja, ich geb's zu: Ich hab' gelogen.

Und ja, ein Kalauer über Regisseur Rubi Zack hätte sich angeboten, aber nein, ich hab' keine Stelle gefunden, wo ich den elegant hätte einbauen können. Entschuldigung.





Dark Memories (USA 2005)
Originaltitel: Ring Around the Rosie / Fear Itself: Dark Memories
Regie: Rubi Zack
Drehbuch: Jeff McArthur, Michael Tabb, Rubi Zack, Jim Suthers, Alex Barder
Kamera: Mark Woods
Musik: John Massari
Produktion: Run Entertainment / Poligon Films / Hollywood Media Bridge / Strategic Film Partners
Darsteller: Gina Philips, Tom Sizemore, Jenny Mollen
Länge: 85 Minuten
FSK: 16

Dieser Text erschien zuerst am 29.12.2008 bei mannbeisstfilm.de.


-----------------
4 8 15 16 23 42
Zu Weihnachten wühlt man gerne einmal auf dem Dachboden herum (na schön, zu anderen Zeiten mache ich das auch gerne) und fördert heitere Fundstücke aus der eigenen Vergangenheit zu Tage. Wie zum Beispiel diesen Vertrag zwischen mir und Leo B., der mit März 1993 datiert ist und zeigt, daß ich schon damals ein knallharter Geschäftsmann war:



Die juristisch schwammigen Formulierungen ("so oft er will" ist doppelt problematisch) möge man mir ob meiner damals jungen Jahre und der Tatsache, daß der Vertrag offenbar unter Zeitdruck aufgesetzt wurde (handschriftlich; herausgerissenes Blatt aus einem karierten A5-Heft), verzeihen. Ob ich Leo morgen mal anrufen und mir sein Geodreieck ausleihen soll?

Ein noch bemerkenswerterer Deal ging im September gleichen Jahres vonstatten:

Erstaunlich ist weniger das Objekt des Vertrages, sondern zunächst einmal der Vertragspartner. Ich kann mich leider auch gar nicht erinnern, ihn je persönlich getroffen zu haben - aber dafür sind ja schriftliche Verträge da, damit ich mich dann nicht etwa später herausreden kann. Ebenso beachtlich ist die Tatsache, daß ich offenbar dem Weihnachtsmann etwas mitbringe, und nicht etwa umgekehrt, und das auch noch im September! Möglicherweise ist der Vertrag aber rechtlich gesehen ungültig, weil der Vertragspartner gar nicht unterschrieben hat. Aber andererseits ... wie will man den Weihnachtsmann auch rechtlich belangen? Und wo wäre dann überhaupt der Gerichtssitz?

Völlig unerklärlich ist dieses Zettelchen, das beidseitig beschrieben wurde:




Man beachte bitte, daß nur die eine Seite (links) meine Handschrift trägt. Die andere ist für mich leider nicht zu identifizieren (und, im Falle des letzten und des drittletzten Eintrages, auch nicht zu entziffern). Das Fundstück kann leider nicht datiert werden, dürfte aber aus dem gleichen Zeitraum wie die anderen beiden Zettel stammen. Nur: Was zur Hölle haben die genannten Musiker miteinander zu tun? Warum schreibe ich einen "DJ Jacky" auf, den ich nicht einmal kenne und von dem ich nie gehört habe? Sachdienliche Hinweise bitte per Kommentarfunktion hinterlassen.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

-----------------
4 8 15 16 23 42


Viel Sex und wenig Aufregung auf Nickelbacks sechstem Studioalbum.

Wenn eine Nummer-Sicher-Rockband mit siebentausend Trillarden verkauften Alben im Rücken ihr sechstes Album veröffentlicht, kann man davon ausgehen, daß das Resultat eine entschieden unambitionierte Angelegenheit sein wird: Man gibt den Leuten halt einfach nochmal das, was sie eh schon ein bis fünfmal gekauft haben. Bei Nickelback wurde es nach drei Jahren nun auch einmal wieder Zeit für Nachschub; für DARK HORSE haben die kreuzbraven Post-Grunger als Produzenten Mutt Lange angeheuert, dessen Arena-Rock-Vita inklusive AC/DC, Def Leppard und (schluck) Foreigner nun auch nicht gerade frischen Wind im bandeigenen Klangkosmos erwarten läßt.

Natürlich schreitet DARK HORSE rein musikalisch das hinlänglich bekannte Terrain ab: Schweineriffs, immer auf's Gaspedal, einfache Rhythmen zum Kopfnicken, sehr offensichtliche Refrains, und dazwischen Halbballaden fürs Radio. Freilich rockt die Scheibe - kein Mensch könnte aus solch altbewährten Elementen etwas zusammenbasteln, das nicht rockt - und rein funktional gesehen macht die Musik natürlich genau das, was sie soll: Stimmung. Man darf Frontmann Chad Kroeger durchaus handwerkliches Können attestieren - wenn denn die Bandbreite seines Schaffens nicht so arg eng gestrickt wäre.

Aber ach, Chad! Die Texte! Das wäre doch nicht nötig gewesen. Diverse Tracks lang wird Sex besungen, mitunter käuflicher, und freilich schafft es nur Chad Kroeger, selbst bei diesem Thema aggressiv und völlig freudlos zu klingen. "Far too pretty to be givin' it cheap / That's why she's makin' 6 figures workin' 3 days a week", textet er hier, "You look so much cuter / With something in your mouth", gröhlt er da, die Stimme immer voll auf Anschlag. "I want you naked with your favorite heels on / Slap John Deere across my ass / And ride me up and down the lawn", fantasiert er im Dauersexgestampfe "Next Go Round", und weiter hinten ist das Viagra immer noch nicht abgeklungen: "Yes, sex is always the answer / It's never a question / 'Cause the answer's yes". Aber vielleicht hat Chad keine Freunde, die auf Kid Rock stehen, sonst hätten die ihm schon längst einmal vorgespielt, wie man so über das Thema texten kann, daß man dabei auch aussieht, als würde es einem Spaß machen.

Wenn's in den Songs nicht um Sex geht, dann geht's auf ein paar Erhöre-mich-Balladen um die Liebe ("There's gotta be somebody for me out there", aus der ersten Single "Gotta Be Somebody") - vermutlich, damit man dann auch jemanden hat, mit dem man das vorige überhaupt machen kann. In einem Song ("Just to Get High") geht es um einen drogenabhängigen Freund, aber die Warnung verliert natürlich minimal an Glaubwürdigkeit, wenn der letzte Track auf dem Album eine Ode ans Kiffen und Saufen ist. Anderswo gibt es noch ein paar Platitüden, die Glückskeksherstellern vermutlich zu banal wären (Die Zeit vergeht! Jeder Tag ist ein Geschenk! Jede Sekunde zählt!). Alles simpel genug gestrickt, daß man sich nie wundern muß, worum es in den einzelnen Songs geht.

Natürlich wird sich das Album wie geschnitten Brot verkaufen. Und natürlich wird das siebte Album ganz genauso klingen. Ach Gottchen, diese Aufregung.






Dieser Text erschien zuerst am 16.12.2008 bei meinSalzburg/Salzburger Nachrichten.


-----------------
4 8 15 16 23 42

1993 war das Jahr, in dem Dinosaurier plötzlich sehr kommerziell waren: Da kam dieser eine Film heraus, dessen Name mit gerade nicht einfällt, von diesem einen Regisseur, der auch diesen anderen Film mit dem netten Außerirdischen gemacht hat. Genau. Man hätte schon vor der Fertigstellung dieses Streifens jeden Quatsch verkaufen können, solange man nur einen Dinosaurier vorne draufklebt (ich selbst besitze ein Dinokopfkissen und eine Dinokrawatte, oh ja!) - was Produzent Roger Corman, schon seit jeher ein gerissener Geschäftsmann, auf die Idee brachte, ganz schnell einen billigen Dinosaurierfilm namens CARNOSAURUS abzudrehen und den noch vor dem Erscheinen des großen Vorbilds in die Videothek zu stellen. Und weil dann eine ganze Menge Leute den niedlich animierten Gummisaurier ausliehen und den Plot um die verrückte Wissenschaftlerin, die mit mutierten Hühnergenen Saurier züchtet, um die Menschheit auszulöschen, offenbar richtig gelungen fanden, schob Corman gleich zwei Fortsetzungen hinterher.

CARNOSAURUS 2 hat mit Teil 1 freilich gar nichts zu tun, mal abgesehen davon, daß es Dinosaurier gibt. Die wüten in einer geheimen Militärbasis irgendwo in der Wüste, und gleich zu Beginn verspachtelt die Reptilienmenge das komplette Team der Basis (also: zwei bis drei unbekannte Schauspieler) in der Cafeteria. Dann wird ein Rettungsteam eingeflogen, die einen Teenager als einzigen Überlebenden finden und fortan in der Militärbasis eingesperrt sind, wo sie durch finstere Kellergänge hetzen und sich von den Sauriern fressen lassen. Das letzte Mal, als ich diesen Film gesehen habe, hieß er noch ALIENS und war sehr spektakulär.


Der genaue Plot ist ein wenig undurchsichtig, was umso tragischer ist, weil es nur wenige Figuren gibt und die ja nicht gleich alle sterben können. Zunächst ist unklar, wer die Leute in diesem Rettungsteam eigentlich sind: Ist es überhaupt ein Rettungsteam? Ist es vielleicht ein Reparaturteam, das die ausgefallene Elektrik (sprich, die drei kaputten Drähte, die wir zu Beginn gesehen haben) der Anlage wiederherstellen soll? Sind es gar Söldner? Höchstwahrscheinlich handelt es sich um Mehrklassencharaktere - also Elektriker/Abenteurer/Söldner/Computerhacker - was sich natürlich schnell rächt, weil die Erfahrungspunkte immer durch vier geteilt werden und die guten Leute einfach inkompetente Luschen auf allen Gebieten sind. An einer Stelle des Films habe ich eine Figur an einer Wand herumschweißen sehen, und ich will ja mal gar nicht wissen, wie kaputt die Anlage wäre, wenn dieser Eingriff ungeschehen geblieben wäre.

Schnell kommt der nette Haufen also in Kontakt mit den Sauriern, die mal ganz unten im Keller hocken, dann den Computerprofi oben in der Kommandozentrale verknuspern (also, eigentlich schallert der Dino ihm erst mal ein paar links und rechts). Nach ein wenig Gestreite versuchen alle zu flüchten, rennen nach draußen, wo eine der Frauen schon den Helikopter startet. Doch, oh weh, es hat sich ein Dinosaurier auf dem Rücksitz versteckt! Der Heli hebt kurz ab, fällt zu Boden, das Blech verbiegt sich, und dann explodiert er auch noch. Eine Diskussion entbrennt: Sollten wir draußen bleiben oder wieder reingehen? Argument gegen draußen: Die Wüste wird uns umbringen (eventuell beginnt die Wüste auch erst hinter den im Hintergrund sichtbaren Bäumen und Grünflächen). Argument für drinnen: Außenaufnahmen sind zu teuer, der Keller ist am billigsten.


Jetzt bringt das Team ein paar erschreckende Tatsachen über die Anlage in Erfahrung: Das Militär züchtet dort absichtlich die Dinosaurier aus irgendwelchen Eiern, die sie gefunden haben. Das Militär nützt außerdem den vierten und fünften Stock des Kellers als Endlagerungsstätte für Atommüll. "Jeder redet von Abrüstung, aber keiner fragt sich, wohin das alles verschwinden soll", zetert ein Experte. Ich frage mich, ob ich das US-Militär kurz schriftlich über die Existenz von Salzstöcken aufklären soll. Aber dann lenkt mich der Gedanke an eine Information ab, die der Film zu Beginn bereitgestellt hat: Der "radioaktive Betrieb" in der Anlage wurde "abgestellt". Wie macht man das eigentlich? Und was passiert da genau? Und, äh, wenn doch nur gelagert wird, was wird dann betrieben oder abgestellt? Hat radioaktives Material vielleicht einfach nur einen gut versteckten Aus-Schalter?

Egal. Dummerweise bollern die Dinos Löcher in die Betonwände, womit die Radioaktivität sich ausbreitet. Ein Mann im Team warnt davor, daß die Anlage bald in die Luft geht, seine Kollegin nickt und sagt: "Aber hier sind wir sicher" ("hier" bezeichnet, wenn ich mich nicht täusche, das Erdgeschoß). Es wird überlegt, ob es eventuell einen Hinterausgang gibt (beim Vorderausgang war ja die Wüste, ne?). Die Truppe faßt den Plan, Dynamit zu legen, um die Dinos mitsamt der Anlage in die Luft zu jagen, bevor ... äh ... also, bevor die halt von selbst hochgehen, oder wasweißdennichzumkuckuckdasmußjaauchalles-garkeinensinnmachenhierderquatschaberecht.


Leider faßt der Dynamitplan nicht so recht, weil die Dinos entweder zu schlau oder in der Überzahl sind, weshalb die Teamschaft nun wieder durch die Kellergänge flitzen muß und sich langsam dezimiert sieht. Immerhin schafft es der Teenager, ein "Atomnotsignal" oder so etwas ähnliches herauszufunken. Einer der Söldner/Elektriker/Experten fällt über ein Geländer fünf bis sechs Stockwerke nach unten auf den Rücken, und unten beklagt er sich dann, daß er sich die Rippen gebrochen hat. Zum Glück kann er herumhumpelnderweise trotzdem entkommen und hält sich dabei demonstrativ die Hand an den Bauch. Draußen warten auch schon die Rettungsleute, die sofort wieder wegfliegen möchten, obwohl Junior nochmal reinwill, um seinen Freund zu retten. Was er denn auch macht. Und dann will die Rettungsmannschaft wieder weg, aber Junior muß noch die Fernsteuerung holen (sollte sich der geneigte Leser an dieser Stelle wundern, daß bislang keinerlei Fernsteuerung erwähnt wurde, so sei ihm versichert, daß dies das Geschehen auf dem Bildschirm perfekt widerspiegelt). Was er denn auch macht. Und dann greift noch ein Tyrannosaurus Rex an, und Junior hüpft in einen Bagger und liefert sich einen Showdown, wie er so wirklich bislang nur in CARNOSAURUS 1 zu sehen war (aber hier schöner animiert). Nachdem der Saurier mühselig in die Knie gezwungen wurde, hebt der Rettungsheli ab, weil die Anlage ja gleich in die Luft fliegt und sie nicht mehr länger auf Junior warten können, aber zum Glück nehmen sie den Jungen dann doch noch mit. Puh.

Eine Tonbandansage spricht einen Zerstörungscountdown durch die Anlage, und bei "Null" drückt Junior auf den Knopf seiner Fernsteuerung, um ... hm ... vermutlich, um die automatische Selbstzerstörung manuell zu aktivieren. Jedenfalls fliegt alles in die Luft. Schicht im Schacht.

Bis zu Teil 3 natürlich. Aber ob der diesen schwerst unterhaltsamen Schmumpf nochmal toppen kann? Oder wurde da der radioaktive Betrieb gleich ganz eingestellt?





Carnosaurus 2 - Attack of the Raptors (USA 1994)
Originaltitel: Carnosaur 2
Regie: Louis Morneau
Darsteller: John Savage, Cliff De Young, Don Stroud
Länge: 82 (FSK 18), 78 (FSK 16)


-----------------
4 8 15 16 23 42
Aus unserer begeistert aufgenommenen neuen Reihe "Die schönsten Anzeigen aller Zeiten" (die nur solange so heißt, bis uns ein besserer Titel eingefallen ist) heute ein weiteres Fundstück, diesmal im O-Ton aus der stets ergiebigen ÖH-Jobbörse:

Interkulturellen Frauentreff
Musik, Singen od. Tanzen

Ich bin auf der Suche nach ausländischen Stdenten, die bei einem interkulturellen Frauenfrühstück in St. Johann im Pongau Tanz oder Musik als Unterhaltung oder mit Mitarbeit der Frühstücksbesucher bieten können. Bezahlung möglich.


Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß ich als Mann durchaus ein Recht habe, an interkulturellen Frauenfrühstücken (Frauenfrühstücks?) teilzunehmen. Alles andere wäre gendervorurteilsbehaftet und ausgrenzend. Zweitens: Frühstücken Frauen anders als Männer? Drittens: Verstehe ich das vielleicht falsch, und da treffen sich Kannibalen (= interkulturell), um Frauen zu frühstücken?

Weiters: Warum müssen die tanzenden und musizierenden Unterhalter Ausländer sein? Warum müssen es Studenten sein? Wollen die die frühstückenden Frauen vielleicht mit Bauchtänzerinnen unterhalten? Und nicht zuletzt: Ist der Satz eigentlich deutsch? Spätestens bei "mit Mitarbeit" bin ich leider ausgestiegen.

Ach ja, und daß eine Bezahlung möglich ist, beruhigt natürlich. Auch wenn nie die Rede davon war, daß sie dann auch tatsächlich erfolgt.

-----------------
4 8 15 16 23 42