Oktober 2008

Nachdem ich in letzter Zeit wieder verstärkt nachtaktiv bin, ist es eigentlich kein Wunder, daß die Anzahl von Vampirfilmen in meinem Filmkonsum ebenso steigt. Oder könnte vielleicht eine umgekehrte Kausalität vorliegen? Praktisch jedenfalls, daß da noch die DVD von DIE KÖNIGIN DER VERDAMMTEN im Regal lauert und nun mit blutunterlaufenen Augen daraufhin begutachtet werden kann, ob diese mild affektierte Blutsaugerstory mit dem lautstarken Rocksoundtrack über die Jahre vielleicht besser geworden ist.

QUEEN OF THE DAMNED, wie der Streifen im Original heißt, ist quasi eine Fortsetzung von INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR, wobei Stuart Townsend diesen couchhüpfenden Scientologen aus dem Vorfilm ablöst. Der Film komprimiert zwei Anne-Rice-Bücher zu einer Geschichte, und wie die Filmemacher auf dem Audiokommentar ausführlich diskutieren, gibt es zahllose Abwandlungen von der mir unbekannten Originalvorlage (für die die Verantwortlichen aber immerhin stets einleuchtende Gründe vorzuweisen haben). Aber eigentlich ist es ja egal, ob Anne Rice beim Ansehen selber lange Zähne wachsen, die sie gerne in Produzentenhälsen plazieren möchte – der Film sollte so oder so als eigenständiges Werk standhalten können.



Der Vampir Lestat wacht nach langem Schlaf in der Jetztzeit auf und beschließt, zum welterfolgreichsten Gothrocker zu werden. Weil er somit in der Öffentlichkeit lebt und das Geheimnis der Vampire (das vermutlich nur daraus besteht, daß es sie gibt – aber so genau vermag das der Film nicht erläutern) preisgibt, rotten sich also eine ganze Reihe von finsteren Gestalten zusammen, um ihn bei seinem allerersten Konzert auszulöschen. Ich stelle mir dazu ja eine sehr heitere Geschichte vor, in der Lestat gerne Rockstar werden will, aber dann auf irgendeinem Indie-Winzlabel landet, durchwachsene Kritiken erntet und dank Internetpiraterie mit einem großen Schuldenberg aussteigt. Sein erster Gig würde dann in irgendeiner Garage stattfinden, und die bösen Vampire verfahren sich in den Vororten von Los Angeles. Oder ein bißchen weniger albern gefragt: Wie wird Lestat eigentlich zum Megastar, wenn er bislang nur ein Album veröffentlicht hat (vermutlich mit nachtaktiver Plattenfirma und ebensolchem Manager) und noch nie irgendwo aufgetreten ist? Glauben die Autoren da nicht schon ein bißchen zu sehr an die gute Fee?

Aber egal. In längeren Rückblenden sehen wir, wie Lestat zum Vampir wurde, und wie er die Statue von Akasha entdeckt, der Königin der Verdammten. Akasha ist quasi ein schlechtgelaunter Urvampir und hat der Legende nach seinerzeit "halb Ägypten leergetrunken", vermutlich, weil man dort ja sonst recht wenig Flüssiges kriegt. Mit dem Rockkonzert wird auch die böse Schnalle wieder zum Leben erweckt - leider gibt es im Film keine Eltern, die zu ihrem Nachwuchs sagen: "Mit dem Krach kann man ja Tote aufwecken!" - und Lestat gerät ein wenig unter ihren Bann, weil Akashas Blut sehr lecker ist und die gute Frau mit ihm zusammen die Welt erobern möchte. Zum Glück gibt es noch ein paar mittelgute Vampire, die sich dann alle zusammenraufen und Akasha bekämpfen.


Also, wo fangen wir an? Vielleicht bei den guten Seiten: Visuell und atmosphärisch ist QUEEN OF THE DAMNED eine durchaus schöne und ästhetisch eigene Vampirgeschichte. Das leichte Augenzwinkern, mit dem Lestat in einer Gothwelt und in der Popkultur verankert wird (seine Musikvideos zum Beispiel sind wie deutsche expressionistische Klassiker inszeniert; auf seinem Konzert halten die Besucher den Kampf mit den gegnerischen Vampiren für pyrotechnische Showeinlagen), kann durchaus reizvoll sein. Und die Musik, die Richard Gibbs (in den Achtzigern Mitglied von Oingo Boingo, ebenso wie Danny Elfman) zusammen mit Korn-Frontmann Jonathan Davis schrieb, ist stimmungsvoll und hörenswert - insbesondere die Goth-Metal-Songs, die wie auch der Score mit interessanten Klangfärbungen (z.B. der Violine des indischen Musikers Shankar) aufwarten können. (Im Film singt Davis selbst die Songs; auf dem Soundtrack wird er aus vertraglichen Gründen von prominenten Kollegen wie Wayne Static, Marilyn Manson, Chester Bennington und Jay Gordon vertreten).


Schade nur, daß Film mehr sein muß als Klang und Bild: Die Geschichte stolpert sehr wirr durch die Gegend und bietet alle seine Absurditäten mit viel Pathos und Melodrama dar, als würde Unfug durch theatralische Ernsthaftigkeit irgendwann sinnvoller werden. Die Darsteller posieren alle wie für den nächsten Vampirkalender und hauchen gestelzte Dialoge, die größtenteils expositorisch sind. Man hat auch viel Zeit, sich ein wenig zu wundern: Warum wollen die bösen Vampire Lestat gleich wieder umbringen? Weil er ihre Geheimnisse verrät? Aber die hat er doch nun schon auf CD gepackt, und es nimmt sie doch eh keiner ernst ("another rockstar with a gimmick", heißt es an einer Stelle). Gleichsam mag uns noch so oft verklickert werden, daß Akasha sehr böse ist, aber wenn ihre schändlichste Tat das beiläufige Abfackeln von einigen düstermienigen Vampirpunks in einer kleinen Bar ist, dann sehen wir nicht gerade die Apokalypse über uns hereinbrechen.

Erwähnt werden darf noch, daß dies der zweite und auch letzte Film der R&B-Sängerin Aaliyah ist, die hier in der Titelrolle erst weit hinten im Film auftaucht und dann wenig mehr zu tun hat als die Zähne zu fletschen und sinister ihre Schauspielkollegen anzufauchen. Aaliyah kam kurz nach den Dreharbeiten bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben, weswegen ihrem Auftritt hier ein wenig morbides und trauriges Flair anhaftet (wie es eben so wirkt, wenn ein Film die Hinterlassenschaft eines Schauspielers darstellt) - aber ob sie eine gute Schauspielerin war, läßt sich anhand dieses Films leider nicht im Geringsten feststellen.

"Ich würde zustimmen, daß der Film keine perfekte Adaption der Anne-Rice-Bücher ist", sagt einer der Filmemacher auf dem Audiokommentar. Vielleicht können wir uns auch gleich darauf einigen, daß der Streifen auch ohne Anne Rice nicht so hundertprozentig gelungen ist?





Die Königin der Verdammten (USA 2002)
Originaltitel: Queen of the Damned
Regie: Michael Rymer
Drehbuch: Scott Abbott, Michael Petroni
Kamera: Ian Baker
Musik: Richard Gibbs, Jonathan Davis
Produktion: Village Roadshow Pictures / NPV Entertainment / Material
Darsteller: Stuart Townsend, Aaliyah, Marguerite Moreau, Vincent Perez, Lena Olin
Länge: 98 Minuten
FSK: 16


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Nachdem wir schwer schuftenden Computerraumtutoren (bitte alle drei Worte möglichst emphatisch lesen) ja nun per neuem Dienstvertrag fest angestellte Unibedienstete sind, klopft auch schon der Luxus an unsere Tür: Die aktuellen Salzburger Uni-Nachrichten liegen frisch auf unserem Schreibtisch, und jeder von uns kriegt sein eigenes Exemplar. So lob' ich mir das.

Aus lauter Freude mache ich mir doch gleich einmal ein paar Gedanken zum Inhalt der Broschüre.

Schmiedinger braucht Geld! Also, eigentlich nicht Schmiedinger, sondern die Uni. Aufhebung der Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen stürzen jetzt viele Uniprofs in tiefes Grübeln, wie es denn weitergehen kann mit der geliebten akademischen Einrichtung (auch im Stadtblatt beispielsweise wurde gejammert). Frage: Wie hat die Uni denn eigentlich vor der Einführung der Studiengebühren existiert, die ja eigentlich auch erst ein paar Jahre her ist? Was den Einfall von deutschen Studenten angeht, erinnere ich mich, daß ich eine Bescheinigung einer deutschen Universität vorlegen mußte, daß ich theoretisch einen Studienplatz bekäme, bevor ich mich hier inskribieren konnte. Die gesammelte Seufzerei der Uni-Hochoberen läßt in mir den Gedanken aufkeimen, daß Menschen einfach mit Änderungen ganz schwer umgehen können, selbst wenn besagte Änderungen vielleicht einfach nur die früheren Änderungen wieder rückgängig machen.

Everybody's a fucking producer! Zur alljährlichen Uni-Präsentation im Europark läßt uns die Postille folgendes wissen: "Mit Hilfe der Handy-Kamera können die Besucher die Eindrücke ihrer Shopping-Tour filmen und in de Computer einspielen. Damit werden sie zu Filmproduzenten und ihre Stories sind über 'ShoppingStories@Europark' abrufbar." Sagenhaft? Echt? Einfach so? Das ist technisch möglich? Und dann bin ich einfach mal Filmproduzent? Kostet das sonst nicht viel Geld? Hätte ich mir dieses kleine Buch "Filme drehen in 12 Schritten" dann also sparen können?

Passend dazu prangt oben auf der Seite übrigens ein Bild unserer Landeshauptfrau, die durch den Sucher einer Videokamera blickt. Vermutlich ist sie die leitende Film-A(ni)mateurin. Ich überlege gerade, ob ich mich zu Imagezwecken vielleicht einmal am Schlagzeug, im Cockpit und im Operationssaal photographieren lassen sollte.

Fesche Stars aus unserer Uni! Naja, eigentlich aus dem Mozarteum. Aber die haben wir ja auch lieb. "Pianistin Alice Sara Ott unterzeichnet Exklusivvetrag mit der Deutschen Grammophon. Sie ist erst 20, sie spielt hingebungsvoll Klavier, sie sieht blendend aus [...]". Hey, more power to her. Aber hat eigentlich schon mal jemand schlechtaussehende Mozarteumsstudentinnen gesehen? Hängen die Gene zur instrumentalen Begabung und zur fotogenen Erscheinung zusammen? Ehrlich, klickt euch mal durchs StudiVZ - das reinste Mozarteum 90210.

Althergebrachtes. Der Studentenmittwoch wird wieder angekündigt, und dazu gibt's ein Bild von einem alten Mann mit weißem Haar und Vollbart. Müßte ich den kennen? Steht der für irgendwas? Ist der noch Student? Oder wieder? Dem Photo nach hat er schon Studentenmittwoche erlebt, als es bei uns noch die Monarchie gab. Dabei kriegt man schon ab 30 doch eigentlich nirgendwo mehr Studentenrabatte!

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Offenbar kommt CHINESE DEMOCRACY, das Guns'n'Roses-Album, an dem Axl Rose schon seit 13 Jahren werkelt und von dem weithin angenommen wurde, daß es nie erscheinen wird, am 23. November über Best Buy heraus. Ein Song davon, "If the World", ist in Body of Lies gefeatured, dem neuen Leo DiCaprio/Russell Crowe-Streifen. (Quelle: Hier.)

Ich gehe - wie vermutlich der Rest der Welt - davon aus, daß das Album fürchterlich sein wird. Außer Axl Rose ist ja auch schon lange kein Originalmitglied der Band mehr dabei, und Axls Lebenszeichen auf dem END OF DAYS-Soundtrack vor 9 Jahren klang nach jemandem, der sich seit Jahren mit THE DOWNWARD SPIRAL von Nine Inch Nails im Zimmer eingeschlossen hat und verzweifelt probiert, genauso zu klingen.

Wenn es nicht um den Running Gag ginge, daß das Album schon seit den Neunziger Jahren angekündigt wird und Axl Rose dabei nicht so zum einsiedlerischen Spinner mutiert wäre, würde das Ding keinen mehr kratzen. Mich erst recht nicht. Irgendwo stand neulich, daß APPETITE FOR DESTRUCTION, das klassische G'n'R-Album, immer das war, von dem jeder wußte, aber das kaum einer tatsächlich selber, also privat, toll fand. Ich hab's damals gekauft und auch gehört und fand es ganz gut - aber ich hab's seit damals auch nicht mehr gehört, und wirklich aufregend toll fand' ich es damals schon nicht. Schon interessant, wie ein mittelmäßiges Glam-Metal-Album dank einer Gassenhauer-Single und einem Posterboy-Frontmann einen so legendären Status erreichen konnte und als generationsprägendes Artefakt gehandet wird - wo die Wahrheit doch einfach die ist, daß halt einfach auf jeder depperten Dorfdiscoparty "Paradise City" exakt so eingesetzt wurde, wie es anderswo mit dem knallroten Gummiboot gehandhabt wird.

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Warum eigentlich nicht auch mal einen älteren erfolgreichen Film mit attraktiven Teenagern, sexy-slickem Look und sehr kommerziellem Soundtrack neu erzählen? SWIMFAN verlagert Adrian Lynes EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE, in dem sich Familienvater Michael Douglas nach und nach von seinem eigentlich belanglosen Seitensprung Glenn Close das Leben demontieren lassen mußte, in die Highschool, wo sich nun Ben, Star des Schulschwimmteams, auf einen One-Night-Stand mit dem blonden Gift Madison einläßt, die ihm dann mit zerstörerischer Obsession das Leben zur Hölle macht.

Madison ist böse. So richtig. Schon ihre erste Unterhaltung mit Ben auf dem Schulkorridor - eine von vielen Gelegenheiten, wo in diesem Film Menschen an öffentlichen Plätzen ganz alleine reden können - wird mit einer Menge ROM (richtig ominöser Musik) untermalt. Als Ben ihr nach dem Seitensprung erklärt, daß es nur ein Ausrutscher war und er seine Freundin nicht verlassen will, schaut Madison gruselig ins Leere, schrille Geräusche ertönen auf dem Soundtrack, und harte Jumpcuts künden von ihrem Geisteszustand. Madison ist sogar so böse, daß ihr Gesicht immer mindestens halb im Schatten ist, egal, wo sie gerade steht. Sie könnte eigentlich wirklich nur dann offensichtlicher psychopathisch veranlagt sein, wenn sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Vorsicht Psychopath" und ein "Stay Away"-Tattoo auf der Stirn trüge.


So plantscht SWIMFAN also durchweg und von Beginn ab im Offensichtlichen. Wo immer Madison auftaucht oder etwas sagt, wird sie von ROM begleitet. Sie geht schneller die Psychowände hoch als Jack Torrence in THE SHINING. Alle Orte sind in Schatten getaucht; die Schwimmhalle sieht mit seinem blassen, kalt-blauen Licht zu jeder Zeit aus, als wäre sie schon lange geschlossen. Wo die Lyne-Vorlage ein durchaus beängstigendes psychologisches Duell zeichnete, in dem Glenn Close nur langsam und bis zu einem Punkt durchaus nachvollziehbar Besitzansprüche stellte, ist Madison hier von Anfang an ein Mädchen, bei dem die Sicherungen schon lange auf Nimmerwiedersehen herausgeflogen sind.

Da hilft es freilich auch nicht, daß die Geschichte mit Teenagern nicht einmal halb so gut funktioniert wie mit Erwachsenen: In der Vorlage wurde perfide das Familienglück des untreuen Mannes zerlegt, der wirklich alles zu verlieren hat - Frau, Familie, Besitz, Karriere. Hier bemühen sich die Autoren, daß Madison Bens sagenhaft wichtiges Wettschwimmen sabotiert und Drogen ins Spiel bringt - ganz so, als wäre mit 16 die letzte Chance auf die Zukunft verbaut.


Im Finale - wer unbedingt den Film sehen will, überspringt den kommenden Absatz lieber - sitzt dann auf einmal ein Polizist auf der Rückbank des Polizeiwagens, wo die festgenommene Madison seine Waffe klauen kann und wie alle Filmpsychopathen übernatürliche Kräfte entwickelt: Instant-Transport an jeden gewünschten Ort (egal, ob bewacht oder unbewacht), und ganz viele Muckis, um potentielle Opfer gleich mit an ebendiese Orte zu schleppen. Bevor sie Bens Freundin im Pool ertränkt, erklärt Madison ihm dann noch, er könnte das verhindern, wenn er ihr sagt, daß er sie liebt. Macht Ben natürlich nicht. Leute anlügen ist ja uncool. Tut man nicht. Selbst dann nicht, wenn sie gerade die eigene Freundin ertränken wollen.

Warum also nicht auch mal einen älteren erfolgreichen Film mit Teenagern und sexy Look und tollem Soundtrack neu erzählen? Man kann dadurch immer wieder sehen, wie gut doch die Originale waren.





Swimfan (USA 2002)
Regie: John Polson
Drehbuch: Charles Bohl, Phillip Schneider
Kamera: Giles Nuttgens
Musik: Louis Febre
Produktion: 20th Century Fox / Cobalt Media Group / Greenestreet Films / Furthur Films
Darsteller: Jesse Bradford, Erika Christensen, Shiri Appleby, Kate Burton, Dan Hedaya
Länge: 81 Minuten
FSK: 12


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Gleich zwei unterhaltsame Träume haben mir die letzte Nacht kurzweilig gestaltet. Im ersten davon war ich zu Besuch bei Mike, meinem Produzenten, und der hatte ein riesiges 4-Stockwerk-Landhaus, das angeblich "nur 5 Minuten von Berlin entfernt" war. Zum Haus gehörte auch ein riesiges Grundstück, mit Wald und allem drumherum. Mike hat mir dann erzählt, wie clever es war, eine Wohnung außerhalb von Berlin zu suchen, und hat mir dann außerdem von seiner Firmen-Grillparty berichtet, bei der das ganze Gelände randvoll mit Gästen war. Dann habe ich ihn gefragt, ob er den Soundtrack zu Die Muse hören will, den ich nämlich schon fix und fertig auf CD-R gebrannt im Auto hatte. Klar wollte er! Während dem Anhören hab' ich ihm erklärt, daß ich den Film auch schon komplett fertig im Kopf hätte, und er hat genickt und gesagt: "Super. Und was machen wir morgen?"

Der zweite Traum war um einiges bizarrer. Da saß ich nämlich in so einem siffigen Verliesraum umher und war Elisabeth Báthory. Also, ich hab' eigentlich gar nichts Schlimmes gemacht, aber ich wußte halt, daß ich sie bin. Jedenfalls war der ganze Raum blutbesudelt, was mich nicht so gekratzt hat. Ich hab' dann angefangen, Pizza zu essen. Dann hab' ich mir überlegt, daß ein Teller und Besteck praktisch wären, also bin ich rausgegangen und nach Hause zu meinem Dad geeilt, um das zu holen. Unterwegs ist mir dann aufgefallen, daß mich kein Mensch sehen kann - aber immer wieder ist Whoopi Goldberg als blinde Hellseherin aufgetaucht, die gemerkt hat, daß ich da war, und dann immer gesagt hat: "Diese Stimme kenne ich doch aus der Bibliothek". Obwohl ich ja gar nichts gesagt habe. Hm. Mit Teller und Besteck bewaffnet bin ich dann auf dem Rückweg an diesem fiesen Leprechaun vorbeigelaufen, und der hat auch was gemerkt, und ich hab' mich gefragt, ob ich jetzt überhaupt in Ruhe meine Pizza essen kann, wo mich doch jetzt sicher der fiese Zwerg suchen wird.

Can you dig it, Sigmund?

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Was ist eigentlich die Essenz eines Titels wie A NYMPHOID BARBARIAN IN DINOSAUR HELL, dem ich mich hier und heute auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen widmen möchte? Anders formuliert: Warum reizt uns ein solcher Film? Na gut, überlegen wir doch einmal: Würden wir lieber A NYMPHOID BARBARIAN IN BADEN-BADEN sehen oder A NORMAL PERSON IN DINOSAUR HELL? Aha! Das gibt uns ja vielleicht Aufschluß. Wie wäre es mit A STRONG BARBARIAN IN DINOSAUR HELL? Auch nicht? Okay, dann muß es wohl tatsächlich die Vorstellung sein, daß ausgerechnet eine nymphoide Barbarin durch die Dinosaurierhölle hetzt, und nicht etwa eine ganz alltägliche, wie sie uns ja auch tagtäglich an jeder Würstchenbude begegnet.

Nun haben wir ja schon des öfteren feststellen müssen, daß ein aufregender Titel gemeinhin über einen weitaus weniger aufregenden Film hinwegtäuschen soll (z.B. hier). A NYMPHOID BARBARIAN IN DINOSAUR HELL hieß ursprünglich einmal DARK FORTRESS, aber wer guckt sich denn sowas an? Zum Glück weiß man in der New Yorker Schmalfilmschmiede Troma, wie man auch noch den letzten Mist an den Mann bringt – man tut einfach so, als wäre es Kult.

In einer post-apokalyptischen Welt hetzt eine leichtbekleidete Frau durch die Gegend, lernt einen hübschen Mann kennen (der sie vor angreifenden, geifernden Vergewaltigerhorden rettet), und nachdem sich die beiden ein wenig unterm Baum geliebt haben, kommt ein fieser Endgegner-Knilch und entführt sie. Also muß der Herr ran und sie befreien. Entschuldigung, ich muß kurz pausieren, weil mich solch rührselige Geschichten immer sehr nah ans Wasser bringen.

Da sind wir nun auch schon beim ersten gröberen Problem des Streifens. Mehr passiert nämlich nicht, aber das dafür auf eineinhalb Stunden ausgewalzt. Da wird also viel gelaufen, gelegentlich gekämpft, dann wieder gelaufen, und mitunter auch ein bisschen gestorben. Geredet wird fast nichts, auch die Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren baut eher auf einem telepathischen Einverständnis als auf einer verbalen Annäherung auf. Man könnte glatt davon ausgehen, dass die Tonspur verloren gegangen ist, wenn Herr und Frau Barbar minutenlang im Unterholz hocken und einfach nur in die Gegend schauen. Wenigstens hält sich der fiese Oberwirsing dann auch nicht mit langen Reden auf, sondern knüppelt einfach gleich los. Ebenso wie seine Schergen, die irgendwelche Mutantenmasken tragen und auch nicht gerade mitteilsam sind.

Da könnte man nun also davon ausgehen, daß es den ganzen Film über nichts zu hören gibt. Von wegen! Unter dem Decknamen "The Astral Warriors" gibt sich ein Mensch am Casio-Alleinunterhalter-Keyboard die Kante, bis die Ohren bluten. Weil das Budget des Films irgendwo im Bereich einer Tüte Eis mit drei Kugeln gelegen haben muß, hat sich der Musiker dementsprechend wohl auch gedacht, daß alles beim ersten Take sitzen muß, und so spielt er einfach die ganze Zeit auf gar grausamen Synth-Streichen auf und ab. Manchmal gefällt ihm ein Motiv, weswegen er dann diese Noten einige Minuten lang endlos wiederholt. In der Mitte des Films hat er dann vermutlich seine gewerkschaftlich abgesicherte Pause, und ungefähr zwanzig Minuten lang ist er dann halt einfach weg. Zum Glück ist er rechtzeitig zum spannenden Finale wieder da und holt mit fliegendem Finger, fiii-tiii-riii-fiii-tiii-riii-ta-tam-ta-tam-ta-tam-quietsch, das Versäumnis nach. Wenn es den Soundtrack auf CD gäbe, wäre es der perfekte Rausschmeisser, wenn mal wieder gar niemand nach Hause gehen will.

Dem kritischen Leser dürfte bereits aufgefallen sein, daß bislang trotz des vielversprechenden Titels noch nicht über Sex geredet wurde. Das hat einen einfachen Grund, meine teuren Leser, an dem ich euch auch gerne teilhaben lasse: Es gibt nämlich keinen. Die nymphoide Barbarin hat keinen Sex, ihr Besteiger hat ebenso keinen, und der böse Schurke ist ohnehin eher damit beschäftigt, seine Mutantengang unter Kontrolle zu halten. Selbst Lustige Taschenbücher haben mehr Sex.

Es kann davon ausgegangen werden, daß die Jungs von Troma diesen billig herabgekurbelten Streifen aufgekauft haben und mit neuem Titel versehen haben. Daher gibt es auch einen kurzen Vorspann, in dem die Barbarin im Voice-Over erklärt, wie die Erde der nuklearen Apokalypse anheim gefallen ist und sie sich zur nymphoiden Barbarin verwandelt hat (unterlegt wird dies mit Bildern aus TROMA'S WAR und CLASS OF NUKE'EM HIGH, beides unterhaltsamere Exponate derselben Firma). Tja, also, ätsch. Reingefallen. Das würde natürlich auch erklären, warum die postapokalyptische Welt den ganzen Film über sehr grün und idyllisch aussieht und eher Fantasy-inspiriert ist (mit Burgruinen, oder eventuell nur einer Burgruine, die halt aus mehreren Richtungen gefilmt wurde).

Na schön, aber gibt es denn wenigstens Dinosaurier in dieser Filmhölle? Ja, die gibt es. Ein paar nette Monster walzen mit niedlichen Stop-Motion-Animationen durch das Bild, und diese Sequenzen haben auch durchaus Charme. Also, Charme für fünf Minuten. Jenseits davon zehrt die müde Suppe aus Schweigsamkeit, unmotivierter Klopperei, Waldbegehung und hypermotivierter Synthbegleitung schwer an der Geduld. Zeit für ein Remake.





A Nymphoid Barbarian in Dinosaur Hell (USA 1991)
Regie: Brett Piper
Drehbuch: Brett Piper
Musik: The Astral Warriors
Produktion: Chapter V Enterprises / R.A.P. / Troma
Darsteller: Paul Guzzi, Linda Corwin


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