Juli 2008
Ein neues Interview mit George Lucas: hier lesen.

Eine interessante Information daraus ist, daß ein Teil des Grundes dafür, daß er sich seit den Achtzigern auf's Produzieren konzentriert hat, der ist, daß er sich 1983 von seiner Frau getrennt hat und seine Tochter fortan als alleinerziehender Vater großgezogen hat - und sich bewußt mehr um seine Familie kümmern wollte.

Aber natürlich wäre auch kein Lucas-Interview vollständig, wenn er nicht irgendwas sagen würde, bei dem man sich mit der Hand an die Stirn klatscht. Also redet er über INDY 5 und sagt: "I’m in the future; Steven’s in the past. He’s trying to drag it back to the way they were, I’m trying to push it to a whole different place." Der folgende Absatz macht ihn mal wieder nicht sympathischer:

"Indiana Jones only becomes complicated when you have another two people saying ‘I want it this way’ and ‘I want it that way’, whereas, when I first did Jones, I just said, ‘We’ll do it this way’ — and that was much easier. But now I have to accommodate everybody, because they are all big, successful guys, too, so it’s a little hard on a practical level."

Man merkt ihm ja durchaus an, daß er gerne mehr Anerkennung bekommen würde für das, was er tut, aber das kann man sicherlich auch machen, ohne sich als den großen Macher darzustellen.

Gleich der zweite Kommentar unter dem Artikel zeigt, wieviel Vertrauen Lucas als Filmemacher noch genießt: "As long as Lucas completely stays out of the Script, production and directing of the 5th Indiana Movie it should be fine."

(By the way, schon länger online, aber immer noch schön: Mein Review zum vierten Indy-Film. Hier.)

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An irgendeiner Stelle in seiner Entstehung war D-TOX (oder EYE SEE YOU, wie er für den US-Verleih umbetitelt wurde) wohl ein interessanter, ambitionierter Film. Ein wenig später war er dann wohl zumindest ein atmosphärischer, spannender, funktionierender Genrefilm. Das, was dann in den Kinos und auf der DVD gelandet ist, ist leider weder das eine noch das andere, aber wer sich dafür interessiert, wie Fehlentscheidungen und Eingriffe in der Post-Production einen Film sichtbar auseinanderfallen lassen können, mag sich D-TOX und seinen 92 Minuten Laufzeit widmen.

Jim Gillespie, Regisseur des vielleicht dümmsten Slashers der Filmgeschichte (ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST – ebenso ein Film, der vielleicht an irgendeiner Stelle einmal ein besseres Projekt war), drehte D-TOX 1999, aber dann blieb der Film 2 Jahre lang im Regal liegen und fand nach dem Europa-Release 2001 auch erst wieder ein Jahr später überhaupt einen US-Vertrieb. Und vielleicht war es schon ein Fehler, Gillespie die Regie zu übergeben, weil die düstere Verquickung aus Serienkiller-Geschichte und Slasher-Motiven um einen Cop, der nach der Ermordung seiner Frau durch einen wahnsinnigen Serienmörder zur Flasche greift und dann einige Monate später in einer Entzugsklinik sich nicht nur dem Killer, sondern auch seinen eigenen Dämonen stellen muß, unter Gillespies Hand zur einfachen Formel reduziert wird: Ich weiss, was du in der letzten Reha gemacht hast.


Dabei hat der Film neben seines ungewöhnlichen Settings (und des damit verbundenen, aber hier völlig ungenutzten Potentials allegorischer Qualitäten, oder der ebenso verschenkten Möglichkeit auf Einblicke in die menschliche Natur) anfänglich durchaus Pluspunkte zu verbuchen: Allen voran die Tatsache, daß der immer noch so unterschätzte Sylvester Stallone den gebrochenen Cop absolut glaubwürdig spielt und ihn die Herausforderung der schwierigen Rolle anzuspornen scheint – bis er dann ab der Hälfte des Films nichts mehr zu tun hat. In den Nebenrollen finden sich Charaktergesichter und –darsteller wie Tom Berenger, Kris Kristofferson, Stephen Lang, Robert Patrick, Charles Dutton, Jeffrey Wright und Robert Prosky, aber ihre Fähigkeiten bleiben größtenteils komplett ungenutzt – wie auch ihre Figuren kaum im Gedächtnis haften bleiben. Nicht zuletzt mag Gillespies Beitrag noch so problematisch sein – aber die Atmosphäre, die er in der verschneiten Berglocation und dem finsteren Bunker, der als Entzugsklinik dient, mit heulendem Wind und engen Frames schafft, ist beklemmend dicht.

Die Probleme des Films wiegen leider schwerer. Vergessen wir mal für einen Moment, daß der trübe Bunker vielleicht unter psychologischen Aspekten eher nicht als Reha-Zentrum geeignet sein könnte und wohl eher nur als Schauplatz gewählt wurde, weil er bedrohlich wirkt – geschenkt, schließlich schlucken wir in beinahe jeder Minute der meisten Genrefilme so viel Unfug, der das Filmvergnügen selten nachhaltig stört. Sobald die Handlung aber dann im Bunker angesiedelt ist und Gillespie die dort befindlichen Personen einführt, schmiert der Film ab: Die meisten Nebenfiguren werden so fahrig vorgestellt – zu viele Gesichter, zu wenig Infos, zu wenig Licht, zu viel Bedürfnis, schnell wieder zum Killer zurückzukommen – dass es völlig unmöglich ist, den Großteil von ihnen zu unterscheiden. (Wer Kritik an John Carpenters THE THING – an dessen Antarktis-Isolations-Paranoia D-TOX nicht nur leicht angelehnt ist – übt, weil angeblich die Teammitglieder nicht auseinanderzuhalten sind, wird nach der Auseinandersetzung mit D-TOX höchstwahrscheinlich Carpenters Ökonomie und seine sichere Hand erkennen.)


Nun hilft es ja nicht gerade, wenn in einem Slasher-Film – und auf nichts anderes läuft der Plot hinaus: der Serienkiller meuchelt sich durch die Insassen der Entzugsklinik hindurch – Leute der Gruppe sterben, und als Zuseher weiß man nicht einmal, wer das jetzt eigentlich war. Noch weniger hilft, daß zu keinem Zeitpunkt klar ist, wer gerade warum etwas macht: Irgendwann geht Robert Prosky allein in den Keller, wo er dann vom Mörder niedergestreckt wird – aber wir wissen nicht einmal, was Prosky dort überhaupt wollte. Ständig laufen alle möglichen Figuren durch den Komplex oder draußen durch den Schnee, und alle suchen irgendwen oder irgendwas, aber weil sie nicht zu unterscheiden sind (und das geringe Licht und die Outdoor-Schneeschutz-Outfits nicht gerade helfen), fällt es nicht nur schwer, dem Fortgang der Handlung zu folgen oder Übersicht über Opfer und Überlebende zu behalten – es wird auch mit jeder fortschreitender Minute uninteressanter. Man versucht sich ein wenig die Zeit zu vertreiben, indem man probiert, den Täter zu erraten, aber das kann man nur aufgrund ihrer Typen – natürlich ist der am auffälligsten aggresive Patient nicht der Killer! – und keinesfalls nach irgendwelchen logischen Deduktionen, wer vielleicht gerade allein gewesen sein könnte.


Das Problem läßt sich nicht allein Gillespie in die Schuhe schieben – obwohl er durchaus seinen Großteil dazu beiträgt – denn Cutter Steve Mirkovich schneidet die einzelnen Szenen so inkompetent aneinander, daß es mitunter auch gar nicht klar ist, wo wir uns gerade befinden, oder wo gewisse Orte angesiedelt sind. Und weil (tippen wir doch einfach mal) das Studio den Film zu lang fand, flogen diverse Szenen heraus, die zum Beispiel erklärt hätten, warum Stallone in einer Szene noch mit einer Gruppe Patienten redet und dann nach einem Schnitt in einem Zimmer eingesperrt ist: Wenn schon Konfusion, dann wenigstens richtig. Einige dieser erklärenden Szenen sind übrigens als Deleted Scenes auf der DVD enthalten, falls jemand die Handlung zumindest teilweise rekonstruieren möchte.

Natürlich könnte man sich stattdessen auch einfach MINDHUNTERS ansehen.





D-Tox - Im Auge der Angst (USA 2001)
Regie: Jim Gillespie
Drehbuch: Ron L. Brinkerhoff´
Kamera: Dean Semler
Musik: John Powell
Produktion: Universal Pictures / KC Medien / Capella
Darsteller: Sylvester Stallone, Tom Berenger, Charles S. Dutton, Sean Patrick Flanery, Dina Meyer, Robert Patrick, Robert Prosky, Courtney B. Vance, Polly Walker, Jeffrey Wright, Kris Kristofferson, Stephen Lang
Länge: 92 Minuten
FSK: 16


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Okay, das offizielle Video zur ersten Single des neuen Slipknot-Albums ist da: Psychosocial. Hier anzusehen.

What can I say, I'm underwhelmed. Der Anfang der Videos ist stark, aber dann läuft's doch wieder auf ein normales Performance-Video hinaus, das es nicht schafft, die Energie und das Extreme dieser Band adäquat einzufangen. Wann lassen die mich mal ran? Und der Song ist auf's erste Hören auch enttäuschend: Er fängt schön heavy an, aber er bleibt in seinem Korsett, und der Refrain ist dann sehr poppig und aalglatt. Hallo, Mainstream-Rock-Radio.
Bleibt noch die Hoffnung, daß das ein "Radio Edit" ist (auch von früheren Singles gab's glattere Radio-Versionen) und auf dem Album vielleicht doch öfter mal *ausgebrochen* wird.

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Die New York Times hat einen Artikel über den bevorstehenden Release des neuen Slipknot-Albums am 26. August - das vierte Album der Band, wobei ihr Indie-Release MATE. FEED. KILL. REPEAT nie mitgerechnet wird: hier lesen.

"We have to constantly remind people that if Slipknot was a metal band, they would've sold 100,00 records and not 5 million", sagt Labelchef Jonas Nachsin.

Mich beunruhigt nur ein Absatz in dem Artikel, in dem Frontmann Corey Taylor über das neue Album sagt: "The songwriting is stronger. It's not a million miles a minute with a bunch of screaming and all that crap. The chaos is there, but it's done in a more constrained way." Will ich, daß sich Slipknot mit dem Chaos zurückhalten? Will ich, daß sie, grusel, Songs spielen? Schon seit längerem ist's ja ganz groß in Mode, überall "Songwriter" draufzuschreiben, weil das irgendwie als "Inhalt" mißverstanden wird, und um die Musik auch ja schön auf ein gängiges Schema zu pressen. Himmel hilf, selbst die Disco-Rindertreiberin Kate Ryan schimpft sich eine Songwriterin! Wollen mal hoffen, daß die Burschen sich nicht das Explosive & Überraschende haben austreiben lassen ...

Und weil's so unterhaltsam ist (und ich Herrn Schwarz versprochen habe, den Artikel auszubuddeln), hier ein Interview mit dem Slipknot-Percussionisten Shawn Crahan ("Clown") zum neuen Album: hier. "It's a bunch of bands opening for Slipknot", erklärt er über das Festival Rockstar Energy Mayhem, mit dem sie touren werden. "[W]e didn't want them, they wanted us." Wenigstens er verspricht, daß das Album komplett wahnsinnig und heavy sein wird: "I could give a shit about hard. Hard means nothing to the Clown. [...] Listen, we are the hardest ever. We blow all bands away. I don't give a fuck who your band is. I've probably played with your band, and you don't show me shit." So müssen Interviews mit Metalbands aussehen!

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Heute abend standen zur Abwechslung mal zwei Audiokommentare auf dem Programm.

OCEAN'S ELEVEN, mit Steven Soderbergh und Ted Griffin. Der Kommentar ist recht trocken, und beide wirken ein wenig kühl. Hin und wieder witzeln sie ein wenig, aber das wirkt mitunter auch etwas bemüht. Dennoch ein interessanter Track, weil er ein bißchen Einblick darin gibt, wie Soderbergh arbeitet: Er mag keine Storyboards - er hat für OCEAN'S ELEVEN angefangen, welche zu zeichnen, aber dann bald wieder aufgehört. Ebenso mag er es nicht, zu bestimmen, wo die Schauspieler stehen und gehen sollen. Er läßt sie das gern selber machen und reagiert dann entsprechend darauf (er ist ja auch sein eigener Kameramann, unter dem Namen "Peter Andrews"). Er gibt zu, daß diese Technik bei SEX, LIES AND VIDEOTAPE noch einfacher anzuwenden war als bei einem Streifen von der Größe von OCEAN'S ELEVEN. Noch etwas: Während des Drehs liest er einmal in der Woche das komplette Drehbuch von vorne bis hinten, um nicht aus den Augen zu verlieren, worum es eigentlich geht. Und während des Schnitts sieht er sich den kompletten Film zwei- bis dreimal die Woche an, um zu sehen, wo er noch etwas verbessern kann.

Autor Griffin steuert weniger interessante Infos bei - obwohl an manchen Stellen anklingt, daß er Szenen anders geschrieben hat, als sie Soderbergh dann inszeniert hat. Soderbergh erklärt bei einer ganzen Reihe von Sequenzen, daß ihm die Ausleuchtung nicht gefällt oder seine Auflösung nicht gut ist, aber daß er die Szene trotzdem nicht nochmal gedreht hat, weil die Performance der Schauspieler perfekt war.

THE NAKED GUN 33 1/3, mit Produzent/Autor David Zucker, Produzent Robert K. Weiss, Regisseur Peter Segal und einem Moderator. Die Audiokommentare zu den vorangegangenen NACKTE-KANONE-Filmen mit Weiss und Zucker waren ja schon sehr witzig: "Not many people realize that this movie is based on Shakespeare's The Tempest", wird da zum Erstling erklärt, und Zucker erzählt, wie er seinem Bruder Jerry davon abgeraten hat, GHOST zu machen: "Whatever you do, you'll always have a dead guy in the end", hat er seinen mangelnden Glauben an das Potential der Geschichte erklärt. Die Burschen machen sich mit Vorliebe über sich selbst lustig. Der Kommentar zum dritten Film ist dank Peter Segal noch um einiges alberner: So mancher Moment geht in aufgeregtem Durcheinanderreden und unkontrolliertem Gelächter unter. Wenn Fred Ward auftaucht, erklären sie, daß sie ja pro Film einen "legitimate actor" anheuern. Zucker erklärt, daß sie Peter Segal angeheuert haben, weil er lesen kann. Schönster Moment? Einer der Burschen sagt, wie toll er eine der Nebendarstellerinnen findet, woraufhin er erinnert wird: "You were married at the time, weren't you?". Antwort: "Even the fat man gets to look at the menu."

Nebengedanke: Eigentlich muß man Peter Segal ja bewundern. Erster Film die dritte Nackte Kanone, danach Blödsinn mit Chris Farley, DER VERRÜCKTE PROFESSOR II und zwei Adam-Sandler-Filme. Klamauk von vorn bis hinten, und jetzt gerade mit dem fetten Blockbuster GET SMART mit Steve Carrell und Anne Hathaway im Kino. Auch mit Krawallhumor kann man zum gefragten Regisseur werden. Wenn man ihn auf dem Audiokommentar so hört, ist sein Geheimnis schnell klar: Der Bursche ist einfach total gerne albern. Ich finde das sympathisch.

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What's surprising with many of the albums by popular casting show candidates is that at first listen, they sound much better than expected. It shouldn't be too big a surprise, though: nobody would doubt the singers' technical qualifications, and with adequate production and songwriting power behind them, they should sound professional. But once you subtract the slick production and the expert one-blueprint-fits-all songwriting, there's little left in terms of personality or originality. Lisa Bund, a 19-year-old girl who was the second runner up of Germany's DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR in 2007, has a strong but rather undistinctive voice, and the songs are pleasant, radio-friendly pop/rock material dealing with the typical beginning- and end-of-relationship themes. It's thoroughly listenable, and there's a certain bland appeal to some of the songs -- but of course, there's nothing here that hundreds of other pop singers couldn't and wouldn't do exactly the same. In other words, Bund doesn't offer anything which feels like it's particularly personal in terms of style or content (always difficult when an army of songwriters and producers create the music for you). Yes, 19-year-old pop singers rarely bring a thoroughly individual voice to the table right away. No, that fact doesn't make the criticism irrelevant. BORN AGAIN is nice and nothing else.




This review was written for the All-Music Guide.

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Soeben brachte der junge Shaolin Peter L. einen bislang unbekannten Eastern ins Genzelsche Trashlabor, der von uns unter streng wissenschaftlichen Bedingungen geprüft wurde. Er trägt den eher nüchternen Titel DIE RACHE DER BRONZEKÄMPFER, und schon die Tatsache, daß hinten auf der DVD der Titel als "Bonzekämpfer" und in den Credits des Films als "Broncekämpfer" geschrieben steht, läßt uns ahnen, daß die Untersuchung kein reines Vergnügen sein wird. In der Tat können wir selbst nach fokussierter Begutachtung die Handlung nicht einmal erahnen.

DIE RACHE DER BRONZEKÄMPFER steht auf der DVD, obwohl im Film keine Bronzekämpfer zu erspähen waren. 18 SHAOLIN RIDERS heisst er auf Englisch, obwohl nachweislich keine Shaolin involviert waren. KUNG FU – DIE RACHE DER GEFÜRCHTETEN hiess er bei uns mal im Kino, und es kommen tatsächlich Leute im Film vor, die sich die Gefürchteten Reiter nennen, obwohl zu keinem Zeitpunkt im Film auch nur einer von ihnen je auf einem Pferd zu sehen ist, weswegen auch der englische Alternativtitel 18 SWIRLING RIDERS eher unzutreffend erscheint. Laut der Inhaltsangabe auf der DVD geht es um die Bande der Gefürchteten (wir nehmen der Einfachheit halber an, daß diese Bande mit den im Film genannten Gefürchteten Reitern gleichzusetzen ist), die von den Reichen stiehlt und es an die Hehler ... nein, halt, an die Armen weitergibt. Dann tauchen angeblich 36 Bronzekämpfer auf, und alle wollen ein Papierschwert, mit dem irgendwer irgendwas zeichnet. Sollten tatsächlich Bonze- oder Bronzekämpfer im Film auftauchen, haben sie sich gut versteckt. Eine hilfreiche Handlungszusammenfassung der OFDB ist sich unsicher, ob es sich um 18 oder 36 solche Kämpfer handelt, das Lexikon des Internationalen Films spricht nur vage von "verschiedenen Gegnern", aber tatsächlich gibt sich niemand auch nur im Entferntesten als Bonzekämpfer zu erkennen.

Na gut, lassen wir die Broncekämpfer einmal beiseite und kümmern uns um die pferdlosen Reiter, die hinter dem Papierschwert her sind. In der ersten Szene sehen wir das kleine Schwert, von dem behauptet wird, daß es aus purem Gold sei. Später ist es dann aus Papier. Unsere Tests haben gezeigt, daß man weder mit kleinen Goldschwertern noch mit Papierschwertern wirklich gut zeichnen kann – aber lassen wir doch das Schwert einfach mal beiseite. In Wirklichkeit geht es nämlich um den dritten Bruder der Schwester von den nicht reitenden Reitern, der sich mit einem vierten, aber offenkundig nicht verwandten Bruder zusammentut, um herauszufinden, warum Wing-Lo umgebracht wurde, und warum Wing-Lo dann doch wieder lebt, nachdem er bei Schuh-Lutsch ein Goldschwert gesehen hat, und warum dann Bruder Luh-Schuh-Watz die Masern gekriegt hat. Der Ehefrau von Hung-Fung-Zung hat der ominöse Doktor Doppelschuh nämlich gesagt, daß sie ihn einbuddeln soll, und damit war dieser weißbärtige Opa, dessen Namen wir nicht ganz mitgekriegt haben, nicht hundertprozentig einverstanden, weswegen er sich mit einem Bruder (vielleicht nicht ein Bruder des dritten Bruders, sondern ein entfernter Cousin) über den Transport einer Kiste einigt, in der eine tapfere Kriegerin einige Tage lang eingesperrt ist, um endlich die Gefürchteten Reiter kennenzulernen. Wichtig in der Handlung sind außerdem ein Gemälde mit acht Karpfen, und komische fliegende Armreifen, die dem Geräusch nach willkürlich Weltrauminterferenzen empfangen können. Wenn der dritte Bruder die acht Karpfen findet, dann wären das also acht Karpfen durch drei Brüder, macht dann also ... 36 Bonzekämpfer, vermutlich.

Kann natürlich auch sein, daß wir die Handlung in manchen Details mißverstanden haben.

DIE RACHE DER BRONZEKÄMPFER ist der – Achtung: emphatische Ausdrucksweise! – verdammt noch mal konfuseste Streifen, den ein Mensch je zu Gesicht bekommen kann. In keiner Sekunde ist auch nur annähernd klar, wer was will oder warum wer wen umbringt, oder wer zur Hölle die ganzen Leute überhaupt sind. Der Streifen wirkt so, als wären schon bei der Entstehung die Drehbuchseiten leider nie durchnummeriert worden, und dann wurden die einzelnen Szenen in komplett willkürlicher Reihenfolge aneinandergeschnipselt, nur um dann beim Erstellen der Kinokopie nochmals durcheinanderzugeraten – und dann wurde für die deutsche Synchronfassung alles nochmal ein bisschen neu arrangiert. Nicht nur die Story ist völlig undurchsichtig, auch die wenigen Kampfszenen sind derart wirr zusammengeschnitten, daß mitunter nicht einmal klar ist, wieviele Menschen sich überhaupt auf dem Bildschirm tummeln – sind das jetzt drei Maskierte, oder doch nur zwei? War das nicht vorher nur einer? Warum sind die auf einmal in einer Schlucht? Ist der alte Mann jetzt derselbe alte Mann, der vorher mit dem anderen Bruder geredet hat? (Um die Verwirrung noch ein wenig zu steigern, haben manche Figuren die Fähigkeit, perfekte Gesichtsmasken ähnlich wie in MISSION: IMPOSSIBLE 2 zu tragen, mit denen sie dann einfach jemand anderes sind. Bestimmt ließ sich John Woo von diesem übersehenen Meisterwerk inspirieren.)

Die beiden anderen fernöstlichen Kulturfilme, die der junge Eleve Peter im Gepäck hatte, haben wir aus eventuell nachvollziehbaren Gründen heute nicht mehr angesehen.

Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, daß die DVD des Films um 20 Cent im Amazon-Marketplace angeboten wird.





Die Rache der Bronzekämpfer (Taiwan 1980)
Originaltitel: Xuan feng shi ba qi / 18 Shaolin Riders / 18 Swirling Riders / Kung Fu - Die Rache der Gefürchteten / 18 Riders for Justice / Shaolin Eighteen Brave Men
Regie: Fu Di Lin
Darsteller: Chan Wai Lau
Länge: 86 Minuten
FSK: 16

Dieser Text erschien zuerst bei mannbeisstfilm.de.

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John Kelly was a member of the Kelly Family for 25 years, and that fact alone will be a warning to most listeners. His first solo album is a collaboration with his wife, Spanish singer Maite Itoiz, and TALES FROM THE SECRET FOREST is a medieval fantasy-themed collection of mostly ballads, featuring, among others, Itoiz's operatic vocals, a few rock and folk elements, classical and Spanish guitars, Celtic harp, medieval percussion, Galician pipes, whistles, cello solos, and a full-blown orchestra, with songs written in English, Spanish, Italian, German, and, oh yes, Latin. You guessed it: the whole album is so overblown and bombastic, the arrangements are so desperately epic, and the lyrics are so ridiculously kitschy that the record makes Celine Dion look like a subtle, low-key singer/songwriter in comparison. Early on, there's the love song "Hey Little Girl" (fortunately, it's not the Icehouse tune), where Kelly asks, "Hey little girl/Where do you come from?," and Itoiz sings, "I come from the valley, where flowers always grow," to which Kelly replies, "I come from the city/Where flowers never grow." It makes you wonder how these two people's relationship is going to develop once they outgrow their fascination with flowers. A few songs later, they attempt to tackle the evils of the real world (on "Scandals," one of the very few faster-paced songs on the album), and in the face of starvation and drugs, they come up with the lines "Sometimes it's better not to think but this is reality/Build a wall around you and pray for your soul." Well, we thought that's what most people did anyway. Throughout the record, the two artists are almost laughably sincere about lyrics such as "Tears are the diamonds of soul/Please don't be ashamed of crying," and you might end up feeling a little sorry for them, meaning so well and achieving so little. But what would you expect from a guy who thanks, apart from his several family members and friends, the "dear public," his dog, and life itself in the liner notes?




This review was written for the All-Music Guide.

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