Januar 2008

Das fünfte Album der Hanseaten: Besser und trotzdem nicht gut.

Die werden ja echt nicht müde. 4Lyn haben schon seit ihrer Entstehung immer die große Zäsur zwischen Ansehen und Erfolg erbracht: von den Kritikern ungeliebt, quer durch die Foren verspottet, und doch immer mit dicken Verkaufszahlen und vollen Hallen gesegnet. Die Hamburger Gruppe tauchte Anfang des neuen Millenniums auf, als NuMetal gerade weltweite Erfolge feierte, und sie klangen sicherheitshalber genau wie Papa Roach, Korn und Limp Bizkit zusammen. Mittlerweile liegt NuMetal ja weit in der Vergangenheit, die Hundertscharen von Bands haben sich größtenteils aufgelöst oder anderen Gefilden zugewendet. Papa Roach machen mittlerweile punkigen Hardrock, und es gibt keine Preise für diejenigen Leser, die jetzt schon wissen, was 4Lyn mittlerweile machen.

HELLO ist das mittlerweile fünfte Album der Band. Fürwahr, es ist besser als die vorangegangenen, aber es ist gleichzeitig auch nicht wirklich gut. Die Band brettert durch eine Reihe von fett produzierten Rockern mit punkigem Einfluss und hymnischen Stadionrefrains, hier und da bleibt mal ein Hook hängen, aber dann hört man auch leider immer wieder hin und bekommt die Texte mit: "Love starts with a smile / And grows with a kiss / It always ends up in tears / And someone to miss", erläutert uns die Band im Titeltrack, und wir wissen gar nicht, wohin mit soviel Weisheit.

Doch doch, die Band ist durchaus professionell. Sie ist leider auch durchaus austauschbar und gesichtslos. Herausstechen, aber nicht zwangsläufig im positiven Sinne, tut wie gehabt nur der Sänger, der seine beste Jacoby-Shaddix-Impression zum Besten gibt und dabei immer mit der etwas weinerlichen Stimme kämpft. Weiter hinten sind zwei bessere Songs, das flotte "Lovemaker/Soulshaker" und das intensivere "The Jumpoff", aber dann hört man die bemüht balladesken Songs "Nostalgia" und "This Heart", und hernach ist man eigentlich sehr froh, daß die Gruppe für den letzten Track ein paar Jahre zurückdenkt und im straighten NuMetal-Stil das Western-angehauchte "Cowboys" spielt. Das macht wenigstens Spaß.

"Das ist eine Band, die man ruhig ignorieren kann und nicht unbedingt rezensieren muß", schreibt ein Musikfreund in einem Forum. Wie wahr. 4Lyn sind nicht grausam, nur überflüssig. Und HELLO ist vielleicht nicht wahnsinnig gut, aber dafür auch nicht sehr lange schlecht: Nach 35 Minuten ist das Album auch schon wieder aus. Hello, goodbye.





Dieser Text erschien zuerst am 30.1.2008 bei Fritz!/Salzburger Nachrichten.

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At the beginning of the 2000s, when nu-metal was all the rage, a German band called 4Lyn entered the scene sounding exactly like big-time sellers Papa Roach and their ilk. Several years later, nu-metal is dead, and Papa Roach has moved on toward a streamlined hard rock sound with a punk edge -- which means, of course, 4Lyn released an album of streamlined hard rock with a punk edge. HELLO, the group's fifth album, is slightly better than its predecessors, but that doesn't necessarily mean it's good. As usual, the band is professional but undistinctive, and the singer struggles with his slightly whiny voice. Most of the tracks are anthemic rock songs with lots of buzzing guitars and a singalong chorus. The fast-paced "Lovemaker/Soulshaker" is better than the first half of the album, as is its follow-up, the more intense "The Jumpoff." But every time you think the album is okay after all, you'll immediately cringe a few seconds later at the lyrics (on the title track, the singer lets you know, "Love starts with a smile/And grows with a kiss/It always ends up in tears/And someone to miss"). And after the overblown balladry of "Nostalgia" and "This Heart," you're actually happy the band returns to its nu-metal roots with the energetic final song, "Cowboys," which at least has a propulsive riff and a sense of fun with its Western movie feel. HELLO may not be very good, but at least it isn't bad for very long: the album ends after 35 minutes and ten songs. Hello, goodbye.





This review was written for the All-Music Guide on January 30, 2008.

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Das Lexikon des Internationalen Films tut sich da leicht: "Schundprodukt" steht da. Punkt. Nur ein Wort. Also, natürlich lungern da noch zwei vornanstehende neutrale Sätze auf den Seiten herum, die die Handlung zusammenfassen. Aber danach dann ganz einfach: "Schundprodukt". Nur wir müssen uns hier wieder wortreicher mit dem - wenn wir das Wort jetzt übernehmen, verraten wir dann schon, wie das Review ausgehen wird? - Schundprodukt auseinandersetzen. Dabei wär' es doch mal eine echte Herausforderung, Filmkritiken in ein einzelnes Wort zu packen. Man klickt FRAUEN OHNE UNSCHULD an, und dann steht da einfach "nein", oder vielleicht "huch!", oder ganz eloquent "nackter Blödsinn" - aber halt, da haben wir uns ja unter Verwendung von 200% der gefragten Reviewlänge selber disqualifiziert.

Aber gut, wie sagt der freundliche Therapeut immer mit angespitztem Füllfederhalter? Reden wir doch mal drüber. FRAUEN OHNE UNSCHULD spielt in diesem einen Sanatorium, in dem exklusiv weibliche Patientinnen größtenteils unbekleidet den lieben langen Tag damit verbringen, von anderen Insassinnen (Gendering so früh am Morgen!) und dem gemischtgeschlechtlichen Personal samt Oberarzt ausführlichst untersucht zu werden. Ein kurzes Rückgespräch mit unserem Experten, em. Prof. Dr. Dr. hon. causa Schwarz von Sauerbruch, dem Zweiten, bestätigt mich in der Annahme, daß es sich hierbei um eine sehr progressive Form der Therapie handeln muß, die in konservativeren Anstalten durchaus kontrovers aufgefaßt wird.


Jetzt könnte man ja durchaus meinen, daß der Klappentext in seiner beinahe rührend besorgten Aufschrift "Warning! This film contains scenes of shocking horror" ein wenig am Inhalt des Films vorbeischießt - und, verehrte Vreunde vantastischer Vilmspektakel, der Gedanke mag nicht abwegig erscheinen, aber wahr ist er doch. Trotzdem gibt es eine Art Krimihandlung: In einer Villa werden zwei (nackte) Leichen aufgefunden, angeblich ein (nacktes) Diamantenschmugglerpärchen, und nun muß eine (nackte) Überlebende in eine Nervenheilanstalt eingeliefert werden, weil sie nackt und verstört ist. Die zuständige (öfter mal nackte) Ärzteschaft dort ist allerdings weniger daran interessiert, der guten (nackten) Frau zu helfen - stattdessen wollen sie aus ihr herausbekommen, wo sich irgendwelche Diamanten befinden, die die (nackten) Schmuggler vor ihrem Ableben noch irgendwo versteckt haben. Der (nackte) Wahnsinn macht sich breit.

Ein zaghafter Blick auf die Credits verrät uns, daß der Film vom Vollzeit-Erotomanen Jess Franco inszeniert wurde, dessen hoher Anteil von indizierten Frauengefängnisfilmen in der Filmographie uns ahnen läßt, welchem Part der Handlung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Nun haben wir ja prinzipiell einmal gar nichts gegen weich abgefilmtes Softsex-Gerangel, nur gegen fades weich abgefilmtes Softsex-Gerangel (die Frage, ob weich abgefilmtes Softsex-Gerangel eventuell immer fad ist, wird in einem gesonderten Essay unter dem Titel "Wie weich abgefilmtes Softsex-Gerangel die Umwelt retten kann" näher erörtert). Ehrlich, die räkeln sich da den Wolf, und dauernd wird ein bißchen gestöht und ganz wenig geschwitzt, und die Kamera steht immer davor herum wie bestellt und nicht abgeholt. Manchmal kommt ein maskierter Mann herein, der dann jemanden umbringt, aber das hält die fröhliche Partie natürlich nie allzulange auf.


Wenn wenigstens nur jede Szene so unterhaltsam wäre wie die, die an dieser Stelle nun zitiert werden soll! Da redet der Chefarzt nämlich auf die Oberschwester ein, wie er die Traumatisierte, die immer nur "unnnngh" sagt und geschreckt guckt, zu heilen gedenkt:


ARZT
Die Patientin befindet sich seit Tagen in einer akuten Phase ihrer Zwangsneurose. Wir wollen versuchen, sie ohne schädliche Medikamente über die Krise hinwegzubringen. Und Sie sollen uns dabei helfen. Sie mögen Gabi doch? Also wollen Sie ihr auch helfen.

SCHWESTER
Ja gern, aber sie hat eigentlich keinen Kontakt zu mir.

ARZT
Das ist ja eben ihre Krankheit. Sie hat ihre Ursache in einem ganz natürlichen Zärtlichkeitsbedürfnis, das nie durch andere erfüllt worden ist. Und wir wollen durch Ihre tätige Mithilfe ...

SCHWESTER
Ach so. Ja, so ist das gemeint.

ARZT
Ja, wir möchten erreichen, daß sie durch Partnerschaft zur Erfüllung ihrer erotischen Wünsche kommt. Ich hoffe, sie verstehen mich.


Der Rest des Films bietet leider weniger psychologische Substanz, und dann taucht auch noch ein Inspektor auf, aber weil der nicht von Horst Tappert gespielt wird, kann das den Unfug auch nicht mehr retten. Ja nun, was soll man sagen? Schundprodukt. Ätsch.





Frauen ohne Unschuld (Schweiz 1977)
Alternativtitel: Wicked Women
Regie: Jess Franco
Drehbuch: Manfred Gregor (= Erwin C. Dietrich)
Musik: Walter Baumgartner
Produktion: Elite Film / Cinemec
Darsteller: Lina Romay, Monica Swinn, Nanda Van Bergen, Michael Maien
Länge: 77 Minuten
FSK: 18


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MARE NOSTRUM's biggest surprise isn't its instrumentation -- a trio of accordion, trumpet and piano -- but how natural the combination sounds in its execution. Of course, Italian trumpeter Paolo Fresu, French accordion player Richard Galliano (who is of Italian offspring), and Swedish pianist Jan Lundgren are well-known, critically praised jazz musicians who have all been known to eschew musical boundaries and defy genre limitations, so the music on MARE NOSTRUM -- an album co-led by all three -- shouldn't come as a surprise, nor should its quality, and yet not everybody would have expected such marvelous results. The 15 compositions on the album include originals by all three musicians and several covers, touching upon jazz, tango, classical music, and folk, reinterpreting Charles Trénet ("Que Reste-T-Il de Nos Amours?"), encompassing Antonio Carlos Jobim ("Eu Nao Existo Sem Voce"), and Maurice Ravel ("Ma Mère L'Oye"). There is an almost delightful sense of trust and ease among the three performers, who never take away their bandmates' spotlights, and who find a balance between playfulness and restraint throughout the album. The music is evocative, as if it was the soundtrack to a missing Louis Malle movie, and much of it creates a warm feeling of gentle nostalgia, even on the more up-tempo tracks. Let's hope these musicians meet again to record more music -- MARE NOSTRUM is a precious gem.





This review was written for the All-Music Guide on January 23, 2008.

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Seit ROCKY BALBOA, seinem absolut persönlichsten Film, ist Sylvester Stallone ja bei mir in den Heldenpantheon aufgestiegen. Ich mochte Stallone schon davor immer und hab' ihn stets verteidigt, weil er ja überall unterschätzt wurde - da hab' ich auf COPLAND hingewiesen, auf die Tatsache, daß er oft seine eigenen Drehbücher schreibt und Regie führt, oder daß FIRST BLOOD noch eine ganz andere, durchaus kritische Reaktion auf Vietnam war als die nachfolgenden RAMBO-Filme. Aber mit ROCKY BALBOA hat der Mann ein Comeback hingelegt, wie es ihm keiner zugetraut hätte, und er war wirklich nie besser.

Wie wir wissen, steht JOHN RAMBO ins Haus und wird bald im Kino zu sehen sein, und wie wir auch schon wissen, ist der erste Trailer in seiner Härte mittlerweile im Internet schon legendär. "When you're pushed, killing's as easy as breathing", murmelt Stallone da mit einem Gesicht, in dem sich ein ganzes Leben mit vielen Niederlagen abgezeichnet hat. Für die Website Ain't It Cool News hat Stallone jetzt Fan-Fragen beantwortet, und es sind einige schlaue und auch selbstkritische Worte darunter. Bester Moment? Über STOP! OR MY MOM WILL SHOOT schreibt er: "God…if I could take every print of that movie and airdrop it across Iraq, the war would be over! People would run screaming into the streets begging to surrender saying 'No more, no more, this is too inhumane!!'".
Nachzulesen hier (Teil 1) und hier (Teil 2).

Der Stimmung halber habe ich diese Q&A-Sessions übrigens zu den lauschigen Klängen des FIRST-BLOOD-Soundtracks von Jerry Goldsmith durchgelesen. Es paßt: Stallone bleibt ein Kämpfer.

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Liebe Zielgruppe!

Es muß gefeiert werden. Es ist dies das einhunderste Review, das ich für diese Website schreibe, und weil der Gedanke an Gehaltserhöhungen und sonstige Gratifikationen in der Chefredaktion nur demonstratives Herumtippen auf einem Taschenrechner unter reflexartig auftretendem Schaum vor dem Mund hervorruft, muß das Ereignis eben auf andere Art und Weise zelebriert werden. Was liegt näher, als einen Film herauszusuchen, dessen Titel alleine kopfschüttelnde Heiterkeit in Verbindung mit diesem ganz besonderen "Uff"-Gesicht hervorruft, das uninformierte Menschen gerne kurz vor der Äußerung des Wortes "Zeitverschwendung" aufsetzen? Na schön: Es lägen wohl einige Sachen näher, als sich GRAF PORNO BLÄST ZUM ZAPFENSTREICH anzusehen. Aber mit Schampus feiern kann ja jeder.

Der ehemalige bayrische Spediteur und Kinobesitzer Alois Brummer fing Ende der 60er - wie so viele andere - an, auf der Aufklärungswelle heitere Filme zu produzieren, in denen hartnäckig unbekleidete Menschen auf ihren Fortpflanzungstrieb reduziert wurden, und weil es mitunter schwer fiel, den konservativen Geist der vorigen Generation abzustreifen, wurden die neuen Lebensformen auf den Matratzen entweder in das Gewand der Dokumentation ("Report") gekleidet (ich bitte an dieser Stelle kurz innezuhalten und die ironische Komplexität der gewählten Metapher zu genießen) oder aber in infantilem Klamauk als spielfilmlanger Herrenwitz verstanden: Völlig unverklemmt geschah weder die erste noch die zweite Variante. Brummer, der anfangs nur produzierte, dann später auch selber inszenierte und dann sogar seine eigenen Drehbücher schrieb - Seminararbeiten, in denen Brummers künstlerische Autarkie beleuchtet wird, bitte an die Redaktion schicken - verdiente sich mit jedem der billigst abgedrehten Streifen eine goldene Nase, und das nicht nur, weil er die Nackedeiparaden selber vertrieb.

GRAF PORNO BLÄST ZUM ZAPFENSTREICH ist nun also Brummers erste Regiearbeit, und wie in den zwei vorangegangenen Graf-Porno-Geschichten blödelt sich auch hier ein beinahe komplett unerträglicher Rinaldo Talamonti an Legionen von naturbelassenen Frauenkörpern vorbei. Schon zu Beginn des Films wird Talamonti von seinen fünf Mitbewohnerinnen unsanft auf die Straße gesetzt, weil er irgendein fremdes Mädchen mit nach Hause gebracht hat und sie nackt im Wohnzimmer hat tanzen lassen. Wobei: Daß das Mädchen nackt war, kann die WG-Genossinnen nicht gestört haben, weil sie das nämlich größtenteils selber auch sind. Rinaldo heuert also als Koch in diesem einen Münchner Lokal an, wo alle Frauen komplett unbekleidet servieren und auf einer im Raum aufgestellten Bühne ebenso augapfelfreundlich musizieren. Das Panoptikum an blanken Geschlechtsteilen nimmt Rinaldo freilich derart mit, daß er darüber seine Aufgaben als Koch vernachlässigt.

Pausieren wir kurz die mitreißende Handlung, um über ein merkwürdiges Phänomen nachzudenken. Seine Zuneigung äußert Rinaldo hauptsächlich damit, daß er den Frauen die nackten Brüste kurz mit einer Handbewegung quetscht, als würde er einen Tacker bedienen oder vielleicht eine Fahrradhupe. Konsequenterweise ertönt dann auch zumeist tatsächlich eine Fahrradhupe, was im Film niemandem aufzufallen scheint, mich aber um so mehr ins Grübeln bringt. Nun habe ich ja schon durchaus an verschiedenen Brustexemplaren Studien durchgeführt, aber dabei ist noch nie eine Fahrradhupe ertönt. Da stehen wir nun vor einem wissenschaftlichen Problem: Der induktive Schluß, daß ich bislang keine Hupe gehört habe und deshalb nun behaupte, daß Brüste überhaupt keine Hupgeräusche von sich geben, ist natürlich unzulässig. Möglicherweise sind bestimmte Bedingungen notwendig, um Brüste hupen zu lassen, und die hinreichenden Faktoren müssen unter strengen Laborbedingungen ermittelt werden.

Aber lassen wir das. Rinaldo, mittlerweile entlassen, hat sich nun mit einem geschleckt aussehenden Mann zusammengetan, der sich als Graf ausgibt und von Kofferkönig Michael Cromer gespielt wird. Der Graf kriegt öfter mal Besuch von einem Gerichtsvollzieher, weil er seine Schulden nicht bezahlen kann, und betreibt nebenher einen Gebrauchtwagenverkauf, bei dem pausenlos junge willige Frauen vorbeikommen, um sich anstelle eines Automobils lieber den gräflichen Kolben anzusehen (man beachte, wie sich das Niveau des Textes behutsam dem des begutachteten Films annähert). Und weil wir oben von Metaphern gesprochen haben, sei folgender Dialog zitiert, der schön verdeutlicht, daß man durchaus so lange in Bildern sprechen kann, bis niemand mehr weiß, worum es eigentlich geht:



GRAF (nackt)
Du willst doch den Wagen, oder?

KUNDIN (ebenso nackt)
Oh, du bist eine echte Verkaufskanone. Aber mit dem Unterschreiben warten wir noch. Weißt du, ich muß erst mit meinem Verlobten sprechen.

GRAF
Immer Gratis-Probefahrten! Die schaffen einen doch auf die Dauer.

KUNDIN
Oh, ich bin also nicht die einzige hier!

GRAF
Wieso?

KUNDIN
Dein Kundendienst ist nicht zu verachten, wenn auch deine Autos nicht taugen. Außerdem bin ich mit einer Probefahrt überhaupt nicht zufriedenzustellen. Wann sehen wir uns wieder?

GRAF
Die nächsten zwei Jahre bitte nicht. So lange laufen sowieso die Raten von deinem alten Wagen.


Nicht erst ab hier wird die fortlaufende Handlung ein wenig undurchsichtig, weil ohne Unterlaß neue nackte Frauen auftauchen und man sich beständig fragt, ob man die vielleicht vorher in der Handlung schon mal gesehen hat. Da redet also Talamonti mit irgendwem, dann kommt ein Schnitt, und dann rennt er auf einmal mit einer Frau durch den Wald und vergnügt sich im Gras. Natürlich kann man das durchaus als realistische Komponente betrachten: Im Leben so eines Aufreißers kommen und gehen die Frauen ja tatsächlich so durch die Drehtür, und wie die dann heißen oder wie die in den Wald gekommen sind, geht in dem Streß ohnehin unter. Zugegebenermaßen ertönt im Leben dieses realen Aufreißers wahrscheinlich nicht bajuwarisch-heimatliche Marschmusik in Dauerrotation, und wenn sie es tut, dann ist sie vermutlich abwechslungsreicher als in diesem Film.

So geht das Spektakel denn nun voran, irgendwann landen Graf und Rinaldo auf einem Bauernhof, wo Rinaldo eine Magd beglückt und dann nackt auf einem Schwein reitet (und weil ich nun nicht erklären werde, wie es dazu kommt, ist jeder Leser dazu verdammt, sich den Film selber ansehen zu müssen). Und später läuft Rinaldo dann übers Oktoberfest und hat mit einer tatsächlich sehr ansehnlichen Dame Spaß, die dann aber in die Straßenbahn steigt und sich mit den Worten "bis zum nächsten Jahr" verabschiedet. Rinaldo, der in Dutzenden von einschlägigen Jodelfilmen spielte, hampelt dabei hartnäckig zu jeder Gelegenheit und stammelt unzusammenhängende, schlecht synchronisierte Satzbrocken. Mal ehrlich: Neben Talamonti wirkt selbst Alvaro Vitali sehr lustig.

So. Ende Gelände. Vergleichweise waren AUF DER ALM DA GIBT'S KOA SÜND und GEH, ZIEH DEIN DIRNDL AUS übrigens viel unterhaltsamer, weil alberner. Aber dafür sind hier die Darstellerinnen, so es denn überhaupt möglich erscheint, noch penetranter nackt als anderswo. Daraus schlußfolgern wir jetzt, daß man keinen deutschen Nackedeifilm gesehen hat, solange man nicht alle gesehen hat. Wir (und wenn ich "wir" sage, meine ich selbstverständlich mich) freuen uns auf weitere Ausgrabungen aus dem Archiv. Auf die nächsten 100 Reviews!

Und warum heißt der Schmonses nun GRAF PORNO BLÄST ZUM ZAPFENSTREICH? Ganz einfach: Weil Talamonti zwischendurch immer wieder eine Blasmusikkapelle leitet, die nur aus nackten Frauen besteht. Das hättet ihr euch aber nun wirklich auch selber denken können.





Graf Porno bläst zum Zapfenstreich (Deutschland 1970)
Regie: Alois Brummer
Darsteller: Rinaldo Talamonti, Michael Cromer, Doris Arden, Annemarie Wendl, Johannes Buzalski, Karin Götz
Länge: 81 Minuten
FSK: 16

Dieses Review erschien zuerst bei mannbeisstfilm.de. Das "100. Review" bezieht sich also auf diese Seite.


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STADTSTREICHER (which translates to something along the lines of "city hobo"), Klaus Lage's third album, shows him to be a more confident musician than on his previous two releases: his blues-based pub rock is louder and rockier this time around, the songs are more serious, and the political and social commentary has moved more into the foreground. Working again with his band Druck, Lage performs a number of songs that tell stories of people who feel disconnected -- with the city, their surroundings, or themselves. In the title track, the protagonist is disillusioned with the city he lives in; the balladesque "Mamas Liebling" (Mommy's Darling) is about a young man living on his own, away from the orderly lifestyle provided by his parents; in the intense "Fang neu an" (Start from Scratch), a man arrives in a new city, separated from his wife and daughter (halfway into the song, the lyrics reveal the man to be a musician named Klaus -- but of course, it remains unclear just how personal the song really is). Even "Mit meinen Augen" (With My Eyes) is an upbeat pop song which became a hit single; it deals with a relationship people disapprove of.

Vergeßt Nolan, Burton und auch den heiteren Herrn Schumacher: Das hier ist der wahre Batman. Weder Keaton, Kilmer, Clooney, noch Bale haben den maskierten Rächer so nachhaltig geprägt wie Adam West, der stocksteif im lilafarbenen Strampelanzug durch diesen Film und die dazugehörige Fernsehserie rannte, stets in treuer Begleitung des pfadfinderähnlichen Teenagers Robin, der in knackig kurzen Shorts neben der Verbrechensbekämpfung wichtige Lebenslektionen lernen durfte.

Gewissermaßen ist diese quietschbunte Parade das exakte Gegenstück zu Nolans Film: Wo letzterer Batman so ernst erzählt, wie man eine Geschichte über einen Mann, der sich ein Fledermauskostüm anzieht, nur erzählen kann und ihn dabei grandios als von Rachegefühlen zerfressenen Einzelkämpfer inszeniert, zeichnet BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM die Geschichte exakt so albern, wie die Prämisse tatsächlich ist. Die beiden Filme sind quasi zwei Seiten ein und derselben Münze, und man kann Nolans epische Neukonfiguration nicht vollständig verstehen, wenn man nicht zuvor dieses grell-infantile Theater des Absurden gesehen hat, das am anderen Ende des Spektrums mit ebensolcher Kreativität operiert.


Batmans Welt ist ein durchexerzierter Fetisch, dabei angefangen, daß sich da zwei eigentlich erwachsene Menschen in hautenge Kostüme quetschen und mit diesen in der Öffentlichkeit spazieren gehen. Nur Schumacher hat den sexuell aufgeladenen Charakter dieses Universums erkannt und wieder aufgegriffen – in seinen Filmen hat das Fledermauskostüm sogar extra angebrachte Leder-Nippel. Aber nur in BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM steht Batman ein junger Knabe mit Gesichtsmaske und nackten Beinen zur Seite, nur hier räkelt sich die frühere Miss America Lee Meriwether vor lauter Bosheit in ihrem latexähnlichen Katzenkostüm mit dünner Taille und spitzen Brüsten unter permanentem Kreisen ihrer Hüften, und nur hier tauschen Batman und Catwoman verhüllte sexuelle Anspielungen aus ("Marry me, Batman!" – "But what about Robin?").


Natürlich ist die Geschichte ebenso hanebüchen wie sinnfrei. Vier von Batmans stärksten Gegnern – der Pinguin, der Riddler, der Joker und eben Catwoman – tun sich zusammen, um mittels einer Dehydriermaschine (die einen Menschen so sehr dehydriert, daß nur ein paar Brösel übrig bleiben) eine Reihe von Delegierten einer den Vereinten Nationen nicht unähnlichen Organisation zu kidnappen. Batman – tagsüber der reiche Millionär Bruce Wayne, zur restlichen Zeit maskierter Verbrechensbekämpfer – und sein treuer Gehilfe Robin stolpern eigentlich rein zufällig in die Geschichte, weil die Superbösewichter so davon überzeugt sind, Batman beseitigen zu müssen, damit ihr Plan aufgehen kann, daß sie ihn mit ihrer Beharrlichkeit direkt auf ihr sinistres Vorhaben stoßen. Freilich funktioniert Batmans Universum auch unter der stetigen Annahme, daß man einen Menschen unmöglich erkennen kann, auch nicht an der Stimme, sobald auch nur ein Teil seines Gesichts bedeckt ist (eine Tradition, die sich beispielsweise in ROBOCOP fortgesetzt sieht).

Der Film funktioniert dabei exakt so wie die Fernsehserie: Als bunter Pop-Comic mit überdreht chargierenden Verbrechern, dessen Optik von tatsächlichen Comicstrips, farbenfroher Sechziger-Ästhetik und den berühmten, eingeblendeten Geräusch-Wörtern (Pow! Kapoff! Splash!) bestimmt wird. Der Film nimmt sich an keiner Stelle ernst – Batman und Robin stehen regungslos in der Gegend herum und erklären sich gegenseitig im Nachhinein, wie sie gefährliche Situationen bestehen konnten; saudumme Wortwitze führen zu keinesfalls nachvollziehbaren logischen Schlussfolgerungen; es gibt für jede auch noch so haarsträubende Gelegenheit ein eigenes Gerät, das die Bezeichnung auch auf einem Schild daran trägt (das berühmte Anti-Bat-Haifisch-Spray, eine passend im Bat-Labor herumstehende Rehydrierungsmaschine); und es bleibt auch in der dringendsten Verbrecherjagd stets Zeit, eine Lektion anzubringen (auch wenn hier nie die Brillanz einer der Fernsehfolgen erreicht wird, wo Batman inmitten der Verfolgung eines Schurken Geld in die Parkuhr wirft). Die größte schauspielerische Leistung von Adam West und Burt Ward ist dabei, daß sie ihr Gesicht bei all dem Unfug nie bewegen.

Mitunter erreicht der kindische Klamauk ungeahnte Höhen – zum Beispiel in einer Szene, in der Batman eine Bombe (ein kugelrunder grauer Ball, der oben wie eine Sylvesterrakete brennt) gefahrlos entsorgen will und überall auf Hindernisse stößt: Nonnen, Kinderwägen, eine Drei-Mann-Blaskapelle, küssende Pärchen in Booten und sogar eine kleine Entenfamilie. Wer einmal gesehen hat, wie ein Mann im veilchenfarbenen Pyjama – mit der Unterhose über dem Anzug getragen! – verzweifelt durch ein Dock rennt, während er mit beiden Armen eine Bombe wie aus einem Bugs-Bunny-Cartoon vor sich herträgt, sieht alle nachfolgenden Batman-Interpretationen – vor allem die von Schumacher! – gewiß mit anderen Augen.





Batman hält die Welt in Atem (USA 1966)
Originaltitel: Batman
Regie: Leslie H. Martinson
Drehbuch: Lorenzo Semple Jr.
Produktion: 20th Century Fox / William Dozier Productions / Greenlawn Productions
Musik: Nelson Riddle
Darsteller: Adam West, Burt Ward, Burgess Meredith, Lee Meriwether, Cesar Romero, Frank Gorshin
Länge: 103 Minuten
FSK: 6


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Wie denn, schon wieder kulturell angehauchtes Celluloid mit Strandthema, obwohl ja schon zuletzt der – seien wir großzügig: - Spielfilm BEACH HOUSE die These bestätigt hat, daß es schlichtweg keine guten Filme gibt, die den Strand im Titel tragen? Natürlich! Einer muß sich den Schwachfug ja ansehen und hinterher kühlen Kopfes darüber berichten. Widmen wir uns also frohen Mutes einem Strandstreifen namens BEACH GIRLS – STRANDHASEN, der dankenswerterweise um einiges beknackter ist als der zuletzt begutachtete Sandfilm.

Schon der Beginn macht klar: Jetzt wird es voll lustisch. Leicht bis gar nicht bekleidete Frauen laufen dekorativ den Strand auf und ab, ein staunender Mann quetscht beim Anblick der vorbeispazierenden Brüste ejakulatorisch den Senf aus der Tube, und ein speziell abgerichteter Hund stibitzt den sich sonnenden Mädels den Bikini. Letzteren Trick darf man sich frohen Mutes aneignen, wenn die „Hallo, ich bin Eoj vom Planeten Krolvenien“-Anmache (vgl. hier) gar nicht zünden will.


Freundlicherweise ist die Handlung nicht schwer zu durchschauen: Drei Mädels machen Urlaub in einem Strandhaus. Zwei davon sind sehr lustig und stets vergnügungssüchtig, was sich mitunter darin äußert, daß sie sich sehr oft ausziehen. Die dritte im Bunde ist die Verantwortungsbewußte, die nicht will, daß die Hütte ihres Onkels, in der die drei ihre Ferien verbringen, für zerstörerische Parties mißbraucht wird. Wer an dieser Stelle erahnen kann, was als nächstes passiert, muß vor versammelter Mannschaft zugeben, daß er den Film schon mal gesehen hat.

Dummerweise erinnern wir uns schon an dieser Stelle nicht mehr an die Namen der beiden partyhungrigen Mädels. Eine könnte Cindy geheißen haben, die andere aber dann sicher nicht Bert, aber vielleicht hießen sie auch Candy und Schnuckiwutzi. Wer merkt sich das denn schon so genau, wenn gleichzeitig finstere Drogendealer über den Ozean schippern und von der Küstenwache verfolgt werden, die aus einem hochschwulen Haufen unter Leitung des verzweifelten Captain Blye besteht, der vor lauter homoerotischen Schwingungen an Bord nur die Hälfte seiner Befehle tatsächlich effektiv äußern kann. Derweil laden Minni und Mopsi zum Start der Party diverse Dienstleistungsboten ein – Pizzalieferanten, Klempner, Elektriker, usw. – und schaffen es freilich schnell, die gute Hütte in ein ausschweifendes Fest zu stürzen, das die von sexuellen Repressionen frustrierten Nachbarn schnell auf die Barrikaden bringt.


Während nun das Fest so nach und nach vonstatten geht und jede einzelne Sekunde des Geschehens gnadenlos und urkomisch vom Bildschirm purzelt, werfen die Drogendealer sicherheitshalber ihre Ware ins Meer, wo sie dann an den Strand gespült wird und von Babsi und Mullemausi gefunden wird. Wie schön, mehrere Kilo Gras! Was könnte man damit wohl auf einer ausgelassenen Party anstellen? Doch, oh weh, es droht Dramatik: Der gestrenge Onkel taucht auf und ist mit den Vorgängen gar nicht einverstanden – jedenfalls so lange nicht, bis sich Honey und Bunny mit vollem Körpereinsatz um den Onkel in der Sauna kümmern.

Aber was macht das brave Mädchen während all dieser Ausschweifungen? Sie bandelt mit einem herumreisenden Musiker an, der ursensibel von Arne Elsholtz synchronisiert wurde und sie beständig so sanftmütig-frohlockend anlächelt, daß der in mir aufkeimende Protest "Puh, Schleimer" nur von den sofort anschwillenden Streichern unterdrückt wird.


Die gemächlich vor sich hintrabende Anarcho-Comedy atmet ein wenig von der selben Luft wie der etwas später erschienene BACHELOR PARTY und ist wenigstens albern genug, um nicht langweilig zu werden. Die Männer werden bei jedem Anblick von hübschen Blondinen mit tiefem Ausschnitt zu sabbernden, tolpatschigen Idioten – was natürlich völlig an der Realität vorbeierzählt ist, weil im richtigen Leben die Haarfarbe gar keine Rolle dabei spielt, wann Männer zu sabbernden Idioten werden. Irgendwo zwischen all den feiernden halbnackten Frauen und den anzüglichen Witzen entbrennen dann auch immer wieder gelungen absurde Momente – wie zum Beispiel der wundervoll behämmerte Kampf zwischen einem mexikanischen Gärtner und einem asiatischen Chauffeur, der ersteren mit den bösen Worten "dleckigel Ausländel" beschimpft.

Am lustigsten ist letzten Endes natürlich die Tatsache, daß Autor Patrick Sheane Duncan später MR. HOLLAND'S OPUS verfaßt hat. Der war eigentlich gar nicht albern, sondern ganz ernst, und er hat auch nicht am Strand gespielt. Ist das jetzt irgendwie relevant? Nein, und da sind wir dann auch schon wieder bei BEACH GIRLS. Immerhin: Der Film hält, was der Titel verspricht.
 




Beach Girls - Strandhasen (USA 1982)
Originaltitel: The Beach Girls
Regie: Pat Townsend (= Bud Townsend)
Drehbuch: Patrick Duncan
Produktion: Crown International Marimark
Darsteller: Debra Blee, Val Kline, Jeanna Tomasina, James Daughton, Adam Roarke
Länge: 88 Minuten
FSK: 16

 
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The title of Germany's biggest nu-metal export 4LYN's third album seems to be an advance reaction to whatever the critics were going to say next: TAKE IT AS A COMPLIMENT. After all, the Hamburg-based band found success with their first two albums and their relentless touring, but little acceptance. Reviewers and consumers alike were quite unflattering in their comparisons to the popular nu-metal bands the group was clearly -- to put it nicely -- inspired by. So what, the group seemed to say with their new album: If people think we sound exactly like Papa Roach or Korn, we'll just take it as a compliment. Obviously, this attitude isn't helpful when it comes to the originality of 4LYN's latest bunch of songs: the group simply decided to stick to their guns and record yet another album that dives headlong into every nu-metal cliché defined by their American forerunners. The guitars riff in that Korn-ish buzz, there are synth sounds for contemporary sheen, and the singer yells psychotically and croons singalong melodies, sounding like Fred Durst and Jacoby Shaddix at the same time. It all sounds utterly familiar and hasn't dated well, even though some of the songs can be enjoyable once you accept that they are utterly generic -- the first single "Kisses of a Strobelight" is solid power pop/rock, and "Drama Queen" stands out as an odd, but interesting track. The production is thoroughly solid, and of course, nothing on the record is entirely terrible -- otherwise, the band could have never found the level of success it did. The craftsmanship is there, as is the willingness to entertain -- exactly the type of band you'd want to perform at a party where nobody is paying attention to the music anyway.





This review was written for the All-Music Guide on January 5, 2008.

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In late 1981 and early 1982, Klaus Lage recorded POSITIV (Positive), the follow-up to his promising but ultimately uneven self-titled debut. Working with a steady band called Druck (which translates to either "Pressure" or "Print"), Lage's mixture of singer/songwriter pop and earthy rock is more homogenous this time around; especially evident in the title track and "Der Mann ohne Komma," which could easily be part of Huey Lewis' bar band repertoire. Most of the songs are driven by guitar and piano, but on some occasions, keyboards give the compositions a more definite early-'80s feel. As on the debut album, the majority of the songs are humorous on the surface, but often enough, they tell stories of melancholy and frustration underneath, and they're populated by losers and by everyday people struggling with life. This is most obvious on the more balladesque "Nie wieder 13 sein" (Never Be 13 Again), a portrayal of an unexciting teenage life at an age where you feel alone even when there are so many people around you ("Der Fernseher war sein bester Freund/Doch dem kann man nichts von sich erzähl'n" -- "TV was his best friend/ But you can't tell it anything about yourself"). It's also present in the opening track, "Dann kamst du" (Then You Came), where the protagonist is rescued from a life of hanging out alone in bars by a woman, but he isn't as much joyous as he is thankful to be eating health food and going to bed before midnight for her. On "Unterwegs" (On the Road), about a musician's life on tour, Lage sings about all the cities and places he's played in, and almost off-handedly, there's a verse about a girl who doesn't stay in his life for very long ("Ich sprach von Liebe/Du hast gelacht" -- "I spoke of love/You laughed"). Even the funny literary homage "Bukowski" features a bunch of sad characters. And then there's "Komm halt mich fest" (Come and Hold Me Tight), Lage's first substantial hit, about a lover's reunion after a period of separation. The song is Lage at his best: a perfect pop song with a chorus that's catchy in a way that's never annoying, this subtly melancholy mid-tempo ballad shows Lage's gift for writing lyrics that tell everyday life stories in simple words that always find a way around cheap sentimentalism -- when the ex-lover returns to the protagonist's apartment, he advises her: "Trink nicht den Kaffee, der ist schon zu alt" -- "Don't drink the coffee, it's too old," which, in a completely unsentimental way, gives you a perfect idea of how the guy's life fell apart. All in all, POSITIV is a more consistent effort than Lage's debut, and it shows a songwriter who's becoming more confident of his craft, and even though it's not a brilliant album and not all of the songs are essential, it's a solid record for Lage aficionados and newcomers alike.




This review was written for the All-Music Guide on January 5, 2008.

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Am 22.5. diesen Jahres ist es soweit: Der neue Indiana-Jones-Film kommt in die Kinos. Noch vor kurzem hat keiner mehr geglaubt, daß der Streifen tatsächlich einmal gedreht werden würde, nachdem so viele Anläufe im Sand verlaufen sind und Harrison Ford ja nun auch nicht jünger wurde. Aber jetzt haben sie sich alle zusammengerissen, und vielleicht auch im Zuge von alternden Actionhelden wie Stallone und Willis eine Rückkehr des promovierten Archäologen ermöglicht. Die ersten Bilder verraten wenig, aber irgendwie ist die Vorfreude doch schon gigantisch. Vanity Fair hat jetzt einen längeren Artikel über INDIANA JONES AND THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL veröffentlicht, der einige interessante Erzählungen von Spielberg und Lucas beinhaltet, viel Hintergrundinfos gibt und trotz ganz wenig Infos über die tatsächliche Handlung doch einen überraschenden Spoiler liefert: Hier lesen.

Nachdem nun auch die Bond-Macher überlegen, ihren nächsten Film einfach 007 zu nennen (die Website Moviehole schlug vor, daß Stallone für die Idee Tantiemen kriegt), könnten wir doch auch den hier einfach INDIANA JONES taufen?

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Das erste Soloalbum des System-of-a-Down-Frontmanns ist solide, aber zu nah am Bandoutput dran.

Eigentlich ist Serj Tankian ja einer der Guten. Als Frontmann bei System of a Down ist er wie ein Derwisch durch ausgefallenen, mit psychedelischem Folk und armenischen Einflüssen angereicherten Comic-Metal gefegt - schreiend, lachend, wie ein Opernsänger in der einen Sekunde und wie ein Dämon in der nächsten. Daneben war er politisch tätig, hat musikalische Experimente verfolgt, und ist auch sonst ein interessanter Mensch, der den Rock-Zirkus nicht allzu ernst zu nehmen scheint. Nach dem weltmusikalischen Projekt SerArt erscheint nun mit ELECT THE DEAD Tankians erstes wirkliches Soloalbum, während sich seine Band einer Schaffenspause hingibt.

Warum es für diese Songs ein Soloprojekt benötigte, wird allerdings auch nach mehrmaligem Anhören nicht ganz klar. Die Songs sind etwas opulenter instrumentiert, es ist mehr Piano im Einsatz (Tankian komponiert am Klavier), obwohl die Tasten auch oft nur als Einleitung zum Song verwendet werden, der dann mit den bekannten lauten Gitarren durchs Geschehen brettert. Generell ist das Album so nah am zappeligen Output der Hauptband dran, daß es auch durchaus als Überbrückungsalbum bis zur nächsten System-of-a-Down-CD hätte veröffentlicht werden können.

Das ist natürlich prinzipiell nichts Schlechtes, denn musikalisch befindet sich Tankian auf gutem Niveau, und auch textlich greift er durchaus ernste Themen an, die er dann immer wieder - ganz im Stil der Band - mit Albernheiten und Nonsens bricht. Die wirklich starken Tracks befinden sich ganz vorne auf der CD, danach klingt dann alles immer wieder recht vertraut - das freut jeden, der gern mehr von System/Tankian hören möchte, und enttäuscht all jene, die sich von einem Soloprojekt etwas gewünscht hätten, was nicht so fest im Bandkosmos verankert ist und uns an den vielseitigen Interessen des Mannes hätte teilhaben lassen können.

Eigentlich sollte der letzte Absatz die Kurve zum Lob kriegen, aber geschafft haben wir es nicht ganz. Das liegt einfach daran, daß sich das Album zu sehr nach "been there, done that" anfühlt. Alles schön, alles fein, aber wirkliche künstlerische Dringlichkeit vermittelt die CD nicht. Das ist natürlich schade: Denn eigentlich ist Serj Tankian ja einer der Guten.





Dieser Text erschien zuerst am 1. Januar 2008 bei Fritz/Salzburger Nachrichten.

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Ex-Trio frontman Stephan Remmler had two major single hits in 1986 -- "Keine Sterne in Athen" and "Alles hat ein Ende (Nur die Wurst hat zwei)" -- which didn't sound much like his former band's songs, but whose popularity still somewhat disguised the fact that the accompanying album flirted with all the genres -- schlager, sentimental ballads, marching music, and more -- that are avoided and dismissed altogether by rock and pop music listeners. His second solo album, LOTTO, released in 1988, continues in the same direction. But where Remmler's first album -- at least half of the time -- kept an ironic distance to the genres it appropriated, many songs on the follow-up simply embrace them without any kind of irony or wink to the audience. "Drei weisse Birrrken," featuring a guest appearance by Status Quo, doesn't toy with the schlager conventions the way the beer-drenched "Lass mich einmal noch wieder bei dir sein" did, it simply is a schlager song -- and a rather cringe-worthy one at that. Same goes for the simplistic "Eine kleine Weile nur" (Just a Short While). "Oben aufm Berg" (Up on the Mountain), about making love on a mountain (!), drowns in kitschy strings and wordless female backing vocals and is saved only by the fact that Remmler doesn't sing the lyrics, but recites them in his laconic trademark delivery. While the first album often bordered on the painful, it remained interesting because the listener was unsure whether Remmler was actually serious. This time around, it becomes clear that he was, and that knowledge makes the less humorous songs largely unappealing. Still, some of the songs work just fine (if you enjoyed the first album, that is): the Brazilian flavor of the first album is revisited here, with the samba "Dass das nicht die grosse Liebe war war klar" (That That Wasn't Big Love Was Clear) and the party song "Bahia," recorded together with Angela Smecca (who had been featured on the duet single "Feuerwerk" [Fireworks] with Remmler back in 1984, under the name "Stephan & Nina"). "Keine Angst hat der Papa mir gesagt" (Don't Be Afraid, Papa Told Me) was Remmler's last hit single of notice, and it's catchy, even though its accordion-driven sound kept it from staying in the pop charts for very long. The comical "Einer ist immer der Loser" (Someone's Always the Loser) is funny, and even though it didn't catch on as a single, it still remains one of the songs Remmler is well known for. However, LOTTO sold much worse than its predecessor, and Remmler had to cancel several tour dates because ticket sales were abysmal. The album is more listenable than its sales would suggest -- again, provided that you weren't turned off by his solo debut -- but it doesn't feature any essential songs and is therefore only recommended for those who want to delve deeper into Remmler's world after digesting his first effort.





This review was written for the All-Music Guide on January 1, 2008.

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Das so vielseits beliebte StudiVZ - eine der amerikanischen Social-Networking-Seite Facebook nachempfundene Seite - hat ja keinen besonders guten Ruf. Vor ungefähr zwei Monaten habe ich mal spaßeshalber nach Artikeln zum StudiVZ gegoogelt und wurde auch prompt fündig: Da gibt es Hinweise auf den eiskalt vom Vorbild übernommenen Source-Code (kein Wunder, sehen sich die Seiten doch frappierend ähnlich); Hinweise auf Gruppen, die Mißbrauch mit persönlichen Daten betreiben (in einer "Männerrunde" wird z.B. die Wohnheimadresse einer Studentin zwecks sexueller Abenteuer preisgegeben); und obendrein Gründungsmitglied Ehssan Dariani, der Newsletter im Layout von nationalsozialistischen Schriften herausgibt und Videos ins Netz stellt, in denen er fremde Frauen in der Berliner U-Bahn anbaggert (= Verletzung des Persönlichkeitsrechts PLUS ganz tiefes Niveau). Irgendwann im letzten Jahr fand auch ein Hackerangriff statt, bei dem tausende von persönlichen Daten ausgelesen wurden - die Sicherheitsmaßnahmen der Plattform waren einfach nicht gut genug; kurz darauf wurden alle User aufgefordert, ihr Paßwort zu ändern.

Seit kurzem wurden bei StudiVZ neue AGB eingeführt, denen der Benutzer zustimmen muß, weil er ansonsten gesperrt wird. Hintergrund der neuen Nutzungsbedingungen ist die Tatsache, daß sich ein großer Konzern (Holtzbrinck) für einen Millionenbetrag die Plattform gekauft hat. In den neuen AGB war bis vor kurzem unter anderem vorgesehen, daß das StudiVZ die persönlichen Daten (also nicht nur die Angabe musikalischer oder politischer Präferenzen, sondern auch Handynummern, Instant-Messager-Daten, usw.) zu personalisierter Werbung nutzen darf (angeblich wurde das jetzt wieder herausgenommen). Interessant z.B. auch dieser Punkt: "Der Betreiber behält sich vor, im Datenbanksystem von studiVZ Programme zu verwenden, welche Rückschlüsse auf das Kommunikationsverhalten der Nutzer ermöglichen." Netterweise stützt sich das AGB unter anderem auf das Teledienstedatenschutzgesetz (TDDSG), das es schon seit März 2007 nicht mehr gibt. Weiters sind Vertragsstrafen für User vorgesehen, die falsche Angaben machen (gilt das beispielsweise auch für den Beziehungsstatus? Oder für die Lieblingsbücher?), gar keine Studenten sind, oder in sonstiger Weise in einem der Fallstricke des AGB hängenbleiben.

Ich erspare mir das Verlinken sämtlicher relevanter Web-Artikel - hier sind haufenweise Links zu finden, und eine Google-Suche nach "studivz probleme" oder "studivz agb" führt zu Dutzenden von weiteren Hinweisen. Einen nüchterneren Bericht gibt es hier, inklusive weiterer Texte.

An vielen Stellen wird zum Boykott der Plattform aufgerufen; einige User haben sich schon abgemeldet. Vielleicht sollten wir uns auch mal Gedanken darüber machen, ob wir bei dem Verein bleiben - wenn es denn eine schöne Alternative gäbe! Denn das wirklich praktische an der Plattform ist ja wirklich die Tatsache, daß man leicht seine Kontakte organisieren kann, die mitunter sonst nie präsent wären. Was also tun?

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