Nachdem wir schwer schuftenden Computerraumtutoren (bitte alle drei Worte möglichst emphatisch lesen) ja nun per neuem Dienstvertrag fest angestellte Unibedienstete sind, klopft auch schon der Luxus an unsere Tür: Die aktuellen Salzburger Uni-Nachrichten liegen frisch auf unserem Schreibtisch, und jeder von uns kriegt sein eigenes Exemplar. So lob' ich mir das.

Aus lauter Freude mache ich mir doch gleich einmal ein paar Gedanken zum Inhalt der Broschüre.

Schmiedinger braucht Geld! Also, eigentlich nicht Schmiedinger, sondern die Uni. Aufhebung der Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen stürzen jetzt viele Uniprofs in tiefes Grübeln, wie es denn weitergehen kann mit der geliebten akademischen Einrichtung (auch im Stadtblatt beispielsweise wurde gejammert). Frage: Wie hat die Uni denn eigentlich vor der Einführung der Studiengebühren existiert, die ja eigentlich auch erst ein paar Jahre her ist? Was den Einfall von deutschen Studenten angeht, erinnere ich mich, daß ich eine Bescheinigung einer deutschen Universität vorlegen mußte, daß ich theoretisch einen Studienplatz bekäme, bevor ich mich hier inskribieren konnte. Die gesammelte Seufzerei der Uni-Hochoberen läßt in mir den Gedanken aufkeimen, daß Menschen einfach mit Änderungen ganz schwer umgehen können, selbst wenn besagte Änderungen vielleicht einfach nur die früheren Änderungen wieder rückgängig machen.

Everybody's a fucking producer! Zur alljährlichen Uni-Präsentation im Europark läßt uns die Postille folgendes wissen: "Mit Hilfe der Handy-Kamera können die Besucher die Eindrücke ihrer Shopping-Tour filmen und in de Computer einspielen. Damit werden sie zu Filmproduzenten und ihre Stories sind über 'ShoppingStories@Europark' abrufbar." Sagenhaft? Echt? Einfach so? Das ist technisch möglich? Und dann bin ich einfach mal Filmproduzent? Kostet das sonst nicht viel Geld? Hätte ich mir dieses kleine Buch "Filme drehen in 12 Schritten" dann also sparen können?

Passend dazu prangt oben auf der Seite übrigens ein Bild unserer Landeshauptfrau, die durch den Sucher einer Videokamera blickt. Vermutlich ist sie die leitende Film-A(ni)mateurin. Ich überlege gerade, ob ich mich zu Imagezwecken vielleicht einmal am Schlagzeug, im Cockpit und im Operationssaal photographieren lassen sollte.

Fesche Stars aus unserer Uni! Naja, eigentlich aus dem Mozarteum. Aber die haben wir ja auch lieb. "Pianistin Alice Sara Ott unterzeichnet Exklusivvetrag mit der Deutschen Grammophon. Sie ist erst 20, sie spielt hingebungsvoll Klavier, sie sieht blendend aus [...]". Hey, more power to her. Aber hat eigentlich schon mal jemand schlechtaussehende Mozarteumsstudentinnen gesehen? Hängen die Gene zur instrumentalen Begabung und zur fotogenen Erscheinung zusammen? Ehrlich, klickt euch mal durchs StudiVZ - das reinste Mozarteum 90210.

Althergebrachtes. Der Studentenmittwoch wird wieder angekündigt, und dazu gibt's ein Bild von einem alten Mann mit weißem Haar und Vollbart. Müßte ich den kennen? Steht der für irgendwas? Ist der noch Student? Oder wieder? Dem Photo nach hat er schon Studentenmittwoche erlebt, als es bei uns noch die Monarchie gab. Dabei kriegt man schon ab 30 doch eigentlich nirgendwo mehr Studentenrabatte!

-----------------
4 8 15 16 23 42
Share To:

Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

Post A Comment:

2 comments so far,Add yours

  1. Das mit den Studentinnen aus dem Mozarteum muss ich mal prüfen ;-) Und wann drehen wir unseren ersten Handyfilm beim shoppen?

    AntwortenLöschen
  2. Kannst ja hier einfach mal vorbeischauen, ich glaube, die Zeit für die Pre-Production können wir relativ kurz ansetzen.

    AntwortenLöschen