2008
Video ist tot. Dem Gefühl nach ist das VHS-Format ja schon vor geraumer Zeit gestorben - niemand hat mehr Videorekorder, keiner will mehr VHS-Bänder. Jetzt hat JVC, die immer noch Videorekorder hergestellt haben, angekündigt, keine mehr produzieren zu wollen. Und der letzte Händler für VHS-Bänder in Amerika (einer von diesen Kleinhändlern, die superbillig einkaufen und dann immer noch superbillig verkaufen) hat diesen Geschäftszweig nun auch aufgegeben.

Ein interessanter Artikel darüber und über den Formatwechsel ist in der LA Times zu lesen.

Mit der kompletten Verfügbarkeit so vieler Filme heutzutage - DVD, Internet, hunderte von Fernsehkanälen - ist es vielleicht schwer vorstellbar, wie revolutionär das Videoband damals war. Vorher konnte man keine Filme für den Hausgebrauch aufnehmen. Man konnte vielleicht Filmspulen kaufen - 16mm, Super-8, oder sogar 35mm - aber das war nur eine Option für Leute mit viel Geld und viel Platz. Aber ansonsten gab es keine privaten Archivierungsmöglichkeiten; keine Chance, einen Filmklassiker zu sehen, wenn er nicht gerade in einem Retrokino oder im Fernsehen lief. Die VHS war der erste Schritt zur eigenen heimischen Mediathek, die mittlerweile jeder in irgendeiner Form hat.

Ich erinnere mich, wie ich als vielleicht 6-jähriger den Videoschrank meiner Eltern durchwühlt habe und mir einen Film nach dem anderen reingezogen habe. Damals hat mein Vater noch so einiges aufgenommen, was ihn interessiert hat. Die James-Bond-Filme mit Connery waren darunter, und dank VHS konnte ich sie mir so oft ansehen, bis ich sie auswendig konnte. EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR war auch darunter, ebenso wie ERDBEBEN und DIE FEUERZANGENBOWLE. Es hat gar nicht lange gedauert, bis ich selber aufnehmen konnte und mir aus dem Fernsehprogramm alles herausgepickt habe, was mich interessiert hat. Als Teenager habe ich teilweise 4 oder 5 Filme pro Tag aufgenommen; teilweise habe ich Aufträge an Familie und Bekannte ausgelagert, weil man mit nur 2 Videorekordern im Haus ja auch nur 2 Filme gleichzeitig aufnehmen kann - was an Feiertagen zu oft zu Überschneidungen führte. Und wer will sich schon entscheiden, wenn ROBIN HOOD, DIE NACKTE KANONE 2½ und AMERICAN FIGHTER 5 zeitgleich laufen?

Im Laufe der Jahre haben sich bei mir über 1000 Videobänder angeeignet. Da ist vieles dabei, was es immer noch nicht auf DVD gibt. Und vielleicht nie geben wird, auch wenn ich ja immer behaupte, daß über kurz oder lang alles digital verfügbar sein wird (immerhin ist vor kurzem sogar WENN FRAUEN DING DONG SPIELEN auf DVD herausgekommen!). Grund genug, an so manchem Tape festzuhalten.

Interessant - und auch im obigen Artikel erwähnt - ist die Tatsache, daß kaum jemand aus nostalgischen Gründen an den VHS-Tapes festhält, im Gegensatz zu Vinyl-Schallplatten. Aber eigentlich leuchtet das schon ein: Vinyl ist bei korrekter Behandlung qualitativ absolut hochwertig und bietet z.B. ein großformatiges Artwork sowie, im Falle von alten Singles und Alben, ein Gefühl der Authentizität (genau so wurde diese Musik damals veröffentlicht und bekannt). VHS bietet nichts dergleichen: Das Bild ist oft verwaschen und wird über die Jahre nicht besser, der Ton wird mit zunehmendem Alter immer dumpfer, die Kassetten sind klobig und vergleichsweise umständlich zu bedienen, und echt ist daran nicht viel, weil die Filme ja eigentlich für's Kino gemacht wurden und das VHS-Format nur ein Kompromiß für den Heimkonsum war.

Wenn man sich einmal einen Film, den man auf DVD hat, wieder auf Band ansieht, wird man nur in Notfällen wieder das VHS-Tape zum Ansehen verwenden (so wie Mama Genzel und ich uns letzten BLUES BROTHERS auf Band angesehen haben, weil halt keine DVD vorhanden war). Irgendwann werden meine 1000+ Bänder auch verschwinden - wenn ich die Filme auf DVD (oder BluRay, oder einem Flash-Medium der Zukunft) habe oder mir halt doch irgendwann einen Digitalrekorder zugelegt habe. Die Kauftapes von damals behalte ich aus nostalgischen Gründen (wie geil und bekennend war es doch, alle drei INDIANA JONES-Filme als Kauftape im Regal stehen zu haben!), auch wenn die Bänder darin schon erloschen sind.

Was noch mehr erloschen ist, ist die Arbeit hinter dieser Bändersammlung: Über Jahre hinweg sich Filme aus dem Fernsehen zu sammeln und zu archivieren ist doch heutzutage völlig überholt. Man wirft den Torrent-Tracker an und lädt sich die paar Tausend Filme halt einfach in ein paar Wochen runter. Zack. Die Mühe hinter der Sammlung ist heutzutage ebenso schwer zu erklären wie vergriffene Japan-Pressungen in der Plattensammlung, die man zu Zeiten gefunden hat, in denen man sie noch nicht über Google und Amazon in fünf Sekunden ausfindig machen konnte.

Kein Schlußwort heute. Ich muß noch einen ganzen Stoß Videokassetten beschriften und einsortieren.

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MBF-Wertung: *** (3 von 6)

Mal flott der Plot: Karen reist nach dem Tod ihrer Großmutter zu deren Haus zurück, um es zu verkaufen. Nacht um Nacht wird sie von Alpträumen geplagt, die sich offenbar um ihre Kindheit drehen, die sie in besagtem Haus verbracht hat. Bald trifft auch Karens Schwester Wendy (Jenny Mollen) ein, die ihr beim Ausräumen des Hauses helfen will. Allerdings gibt es noch einen undurchsichtigen Mann namens Pierce (Tom Sizemore), der sich um das Haus kümmert, und der Karen trotz seiner Hilfsbereitschaft eher einschüchtert als beruhigt.

Vor der nun folgenden Information müsste man eigentlich mit dem Wort "Spoiler" warnen, wenn die Entwicklung nicht so arg offensichtlich wäre: Tom Sizemore knallt durch und bedroht die beiden Frauen. Was soll er denn auch sonst machen? Also, erstens einmal gibt es in diesem Film ja sonst niemanden, der durchknallen könnte. Zweitens greifen undurchsichtige Hausmeister in Horrorfilmen ja gerne mal zur Axt. Und drittens heuert man nicht Tom Sizemore an, um ihn dann einen netten Kerl spielen zu lassen. Das wäre in etwa so, als würde man Jackie Chan casten und den Typ dann die ganze Zeit im Rollstuhl sitzen lassen.

Nachdem er sich also die ersten fünfzig Minuten darauf beschränkt hat, hin und wieder mal mit finsterem Blick Holz zu hacken, brennen bei Sizemore die Sicherungen durch. Vermutlich hat er auf die Uhr gesehen und gemerkt, daß der Film ja schon bald aus ist – und sich dann auch völlig richtig gedacht, daß er ja hier nicht für's Pferdestriegeln bezahlt wird. Plötzlich erzählt er von dem netten Dr. Mengele, und dann hält er mit Wahnsinn im Auge und Messer in der Hand (umgekehrt wäre das ja auch doof) Wendy einen Monolog, der ihm für die nächsten 10 Jahre auch einschlägige Rollen sichern dürfte. Wendy flüchtet vor ihm, und die Tatsache, daß Jenny Mollen dabei in der Unterwäsche herumläuft, hat ganz ehrlich nur eher marginal etwas mit der großzügigen Wertung von 3 Sternen zu tun.

Sieht man mal davon ab, daß der Spaß recht vorhersehbar ist und der Streifen über weite Strecken recht bemüht ist, ominös zu wirken, gibt es durchaus schlechtere Beschäftigungsmöglichkeiten als DARK MEMORIES. Die Stimmung sitzt ganz gut, der Spannungsaufbau funktioniert, und der Film hechtet nicht immer nach dem nächstbesten, vorhersehbaren Schockmoment. So mag also das Konzept nicht ausufernd Enthusiasmus verbreiten, aber die Ausführung ist durchaus gelungen. Das gibt also streng mathematisch gesehen 3 Sterne in meinem integren Bewertungsschema, wenn man Jenny und die Unterwäsche dazurechnet. Jaja, ich geb's zu: Ich hab' gelogen.

Und ja, ein Kalauer über Regisseur Rubi Zack hätte sich angeboten, aber nein, ich hab' keine Stelle gefunden, wo ich den elegant hätte einbauen können. Entschuldigung.





Dark Memories (USA 2005)
Originaltitel: Ring Around the Rosie / Fear Itself: Dark Memories
Regie: Rubi Zack
Drehbuch: Jeff McArthur, Michael Tabb, Rubi Zack, Jim Suthers, Alex Barder
Kamera: Mark Woods
Musik: John Massari
Produktion: Run Entertainment / Poligon Films / Hollywood Media Bridge / Strategic Film Partners
Darsteller: Gina Philips, Tom Sizemore, Jenny Mollen
Länge: 85 Minuten
FSK: 16

Dieser Text erschien zuerst am 29.12.2008 bei mannbeisstfilm.de.


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Zu Weihnachten wühlt man gerne einmal auf dem Dachboden herum (na schön, zu anderen Zeiten mache ich das auch gerne) und fördert heitere Fundstücke aus der eigenen Vergangenheit zu Tage. Wie zum Beispiel diesen Vertrag zwischen mir und Leo B., der mit März 1993 datiert ist und zeigt, daß ich schon damals ein knallharter Geschäftsmann war:



Die juristisch schwammigen Formulierungen ("so oft er will" ist doppelt problematisch) möge man mir ob meiner damals jungen Jahre und der Tatsache, daß der Vertrag offenbar unter Zeitdruck aufgesetzt wurde (handschriftlich; herausgerissenes Blatt aus einem karierten A5-Heft), verzeihen. Ob ich Leo morgen mal anrufen und mir sein Geodreieck ausleihen soll?

Ein noch bemerkenswerterer Deal ging im September gleichen Jahres vonstatten:

Erstaunlich ist weniger das Objekt des Vertrages, sondern zunächst einmal der Vertragspartner. Ich kann mich leider auch gar nicht erinnern, ihn je persönlich getroffen zu haben - aber dafür sind ja schriftliche Verträge da, damit ich mich dann nicht etwa später herausreden kann. Ebenso beachtlich ist die Tatsache, daß ich offenbar dem Weihnachtsmann etwas mitbringe, und nicht etwa umgekehrt, und das auch noch im September! Möglicherweise ist der Vertrag aber rechtlich gesehen ungültig, weil der Vertragspartner gar nicht unterschrieben hat. Aber andererseits ... wie will man den Weihnachtsmann auch rechtlich belangen? Und wo wäre dann überhaupt der Gerichtssitz?

Völlig unerklärlich ist dieses Zettelchen, das beidseitig beschrieben wurde:




Man beachte bitte, daß nur die eine Seite (links) meine Handschrift trägt. Die andere ist für mich leider nicht zu identifizieren (und, im Falle des letzten und des drittletzten Eintrages, auch nicht zu entziffern). Das Fundstück kann leider nicht datiert werden, dürfte aber aus dem gleichen Zeitraum wie die anderen beiden Zettel stammen. Nur: Was zur Hölle haben die genannten Musiker miteinander zu tun? Warum schreibe ich einen "DJ Jacky" auf, den ich nicht einmal kenne und von dem ich nie gehört habe? Sachdienliche Hinweise bitte per Kommentarfunktion hinterlassen.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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Viel Sex und wenig Aufregung auf Nickelbacks sechstem Studioalbum.

Wenn eine Nummer-Sicher-Rockband mit siebentausend Trillarden verkauften Alben im Rücken ihr sechstes Album veröffentlicht, kann man davon ausgehen, daß das Resultat eine entschieden unambitionierte Angelegenheit sein wird: Man gibt den Leuten halt einfach nochmal das, was sie eh schon ein bis fünfmal gekauft haben. Bei Nickelback wurde es nach drei Jahren nun auch einmal wieder Zeit für Nachschub; für DARK HORSE haben die kreuzbraven Post-Grunger als Produzenten Mutt Lange angeheuert, dessen Arena-Rock-Vita inklusive AC/DC, Def Leppard und (schluck) Foreigner nun auch nicht gerade frischen Wind im bandeigenen Klangkosmos erwarten läßt.

Natürlich schreitet DARK HORSE rein musikalisch das hinlänglich bekannte Terrain ab: Schweineriffs, immer auf's Gaspedal, einfache Rhythmen zum Kopfnicken, sehr offensichtliche Refrains, und dazwischen Halbballaden fürs Radio. Freilich rockt die Scheibe - kein Mensch könnte aus solch altbewährten Elementen etwas zusammenbasteln, das nicht rockt - und rein funktional gesehen macht die Musik natürlich genau das, was sie soll: Stimmung. Man darf Frontmann Chad Kroeger durchaus handwerkliches Können attestieren - wenn denn die Bandbreite seines Schaffens nicht so arg eng gestrickt wäre.

Aber ach, Chad! Die Texte! Das wäre doch nicht nötig gewesen. Diverse Tracks lang wird Sex besungen, mitunter käuflicher, und freilich schafft es nur Chad Kroeger, selbst bei diesem Thema aggressiv und völlig freudlos zu klingen. "Far too pretty to be givin' it cheap / That's why she's makin' 6 figures workin' 3 days a week", textet er hier, "You look so much cuter / With something in your mouth", gröhlt er da, die Stimme immer voll auf Anschlag. "I want you naked with your favorite heels on / Slap John Deere across my ass / And ride me up and down the lawn", fantasiert er im Dauersexgestampfe "Next Go Round", und weiter hinten ist das Viagra immer noch nicht abgeklungen: "Yes, sex is always the answer / It's never a question / 'Cause the answer's yes". Aber vielleicht hat Chad keine Freunde, die auf Kid Rock stehen, sonst hätten die ihm schon längst einmal vorgespielt, wie man so über das Thema texten kann, daß man dabei auch aussieht, als würde es einem Spaß machen.

Wenn's in den Songs nicht um Sex geht, dann geht's auf ein paar Erhöre-mich-Balladen um die Liebe ("There's gotta be somebody for me out there", aus der ersten Single "Gotta Be Somebody") - vermutlich, damit man dann auch jemanden hat, mit dem man das vorige überhaupt machen kann. In einem Song ("Just to Get High") geht es um einen drogenabhängigen Freund, aber die Warnung verliert natürlich minimal an Glaubwürdigkeit, wenn der letzte Track auf dem Album eine Ode ans Kiffen und Saufen ist. Anderswo gibt es noch ein paar Platitüden, die Glückskeksherstellern vermutlich zu banal wären (Die Zeit vergeht! Jeder Tag ist ein Geschenk! Jede Sekunde zählt!). Alles simpel genug gestrickt, daß man sich nie wundern muß, worum es in den einzelnen Songs geht.

Natürlich wird sich das Album wie geschnitten Brot verkaufen. Und natürlich wird das siebte Album ganz genauso klingen. Ach Gottchen, diese Aufregung.






Dieser Text erschien zuerst am 16.12.2008 bei meinSalzburg/Salzburger Nachrichten.


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1993 war das Jahr, in dem Dinosaurier plötzlich sehr kommerziell waren: Da kam dieser eine Film heraus, dessen Name mit gerade nicht einfällt, von diesem einen Regisseur, der auch diesen anderen Film mit dem netten Außerirdischen gemacht hat. Genau. Man hätte schon vor der Fertigstellung dieses Streifens jeden Quatsch verkaufen können, solange man nur einen Dinosaurier vorne draufklebt (ich selbst besitze ein Dinokopfkissen und eine Dinokrawatte, oh ja!) - was Produzent Roger Corman, schon seit jeher ein gerissener Geschäftsmann, auf die Idee brachte, ganz schnell einen billigen Dinosaurierfilm namens CARNOSAURUS abzudrehen und den noch vor dem Erscheinen des großen Vorbilds in die Videothek zu stellen. Und weil dann eine ganze Menge Leute den niedlich animierten Gummisaurier ausliehen und den Plot um die verrückte Wissenschaftlerin, die mit mutierten Hühnergenen Saurier züchtet, um die Menschheit auszulöschen, offenbar richtig gelungen fanden, schob Corman gleich zwei Fortsetzungen hinterher.

CARNOSAURUS 2 hat mit Teil 1 freilich gar nichts zu tun, mal abgesehen davon, daß es Dinosaurier gibt. Die wüten in einer geheimen Militärbasis irgendwo in der Wüste, und gleich zu Beginn verspachtelt die Reptilienmenge das komplette Team der Basis (also: zwei bis drei unbekannte Schauspieler) in der Cafeteria. Dann wird ein Rettungsteam eingeflogen, die einen Teenager als einzigen Überlebenden finden und fortan in der Militärbasis eingesperrt sind, wo sie durch finstere Kellergänge hetzen und sich von den Sauriern fressen lassen. Das letzte Mal, als ich diesen Film gesehen habe, hieß er noch ALIENS und war sehr spektakulär.


Der genaue Plot ist ein wenig undurchsichtig, was umso tragischer ist, weil es nur wenige Figuren gibt und die ja nicht gleich alle sterben können. Zunächst ist unklar, wer die Leute in diesem Rettungsteam eigentlich sind: Ist es überhaupt ein Rettungsteam? Ist es vielleicht ein Reparaturteam, das die ausgefallene Elektrik (sprich, die drei kaputten Drähte, die wir zu Beginn gesehen haben) der Anlage wiederherstellen soll? Sind es gar Söldner? Höchstwahrscheinlich handelt es sich um Mehrklassencharaktere - also Elektriker/Abenteurer/Söldner/Computerhacker - was sich natürlich schnell rächt, weil die Erfahrungspunkte immer durch vier geteilt werden und die guten Leute einfach inkompetente Luschen auf allen Gebieten sind. An einer Stelle des Films habe ich eine Figur an einer Wand herumschweißen sehen, und ich will ja mal gar nicht wissen, wie kaputt die Anlage wäre, wenn dieser Eingriff ungeschehen geblieben wäre.

Schnell kommt der nette Haufen also in Kontakt mit den Sauriern, die mal ganz unten im Keller hocken, dann den Computerprofi oben in der Kommandozentrale verknuspern (also, eigentlich schallert der Dino ihm erst mal ein paar links und rechts). Nach ein wenig Gestreite versuchen alle zu flüchten, rennen nach draußen, wo eine der Frauen schon den Helikopter startet. Doch, oh weh, es hat sich ein Dinosaurier auf dem Rücksitz versteckt! Der Heli hebt kurz ab, fällt zu Boden, das Blech verbiegt sich, und dann explodiert er auch noch. Eine Diskussion entbrennt: Sollten wir draußen bleiben oder wieder reingehen? Argument gegen draußen: Die Wüste wird uns umbringen (eventuell beginnt die Wüste auch erst hinter den im Hintergrund sichtbaren Bäumen und Grünflächen). Argument für drinnen: Außenaufnahmen sind zu teuer, der Keller ist am billigsten.


Jetzt bringt das Team ein paar erschreckende Tatsachen über die Anlage in Erfahrung: Das Militär züchtet dort absichtlich die Dinosaurier aus irgendwelchen Eiern, die sie gefunden haben. Das Militär nützt außerdem den vierten und fünften Stock des Kellers als Endlagerungsstätte für Atommüll. "Jeder redet von Abrüstung, aber keiner fragt sich, wohin das alles verschwinden soll", zetert ein Experte. Ich frage mich, ob ich das US-Militär kurz schriftlich über die Existenz von Salzstöcken aufklären soll. Aber dann lenkt mich der Gedanke an eine Information ab, die der Film zu Beginn bereitgestellt hat: Der "radioaktive Betrieb" in der Anlage wurde "abgestellt". Wie macht man das eigentlich? Und was passiert da genau? Und, äh, wenn doch nur gelagert wird, was wird dann betrieben oder abgestellt? Hat radioaktives Material vielleicht einfach nur einen gut versteckten Aus-Schalter?

Egal. Dummerweise bollern die Dinos Löcher in die Betonwände, womit die Radioaktivität sich ausbreitet. Ein Mann im Team warnt davor, daß die Anlage bald in die Luft geht, seine Kollegin nickt und sagt: "Aber hier sind wir sicher" ("hier" bezeichnet, wenn ich mich nicht täusche, das Erdgeschoß). Es wird überlegt, ob es eventuell einen Hinterausgang gibt (beim Vorderausgang war ja die Wüste, ne?). Die Truppe faßt den Plan, Dynamit zu legen, um die Dinos mitsamt der Anlage in die Luft zu jagen, bevor ... äh ... also, bevor die halt von selbst hochgehen, oder wasweißdennichzumkuckuckdasmußjaauchalles-garkeinensinnmachenhierderquatschaberecht.


Leider faßt der Dynamitplan nicht so recht, weil die Dinos entweder zu schlau oder in der Überzahl sind, weshalb die Teamschaft nun wieder durch die Kellergänge flitzen muß und sich langsam dezimiert sieht. Immerhin schafft es der Teenager, ein "Atomnotsignal" oder so etwas ähnliches herauszufunken. Einer der Söldner/Elektriker/Experten fällt über ein Geländer fünf bis sechs Stockwerke nach unten auf den Rücken, und unten beklagt er sich dann, daß er sich die Rippen gebrochen hat. Zum Glück kann er herumhumpelnderweise trotzdem entkommen und hält sich dabei demonstrativ die Hand an den Bauch. Draußen warten auch schon die Rettungsleute, die sofort wieder wegfliegen möchten, obwohl Junior nochmal reinwill, um seinen Freund zu retten. Was er denn auch macht. Und dann will die Rettungsmannschaft wieder weg, aber Junior muß noch die Fernsteuerung holen (sollte sich der geneigte Leser an dieser Stelle wundern, daß bislang keinerlei Fernsteuerung erwähnt wurde, so sei ihm versichert, daß dies das Geschehen auf dem Bildschirm perfekt widerspiegelt). Was er denn auch macht. Und dann greift noch ein Tyrannosaurus Rex an, und Junior hüpft in einen Bagger und liefert sich einen Showdown, wie er so wirklich bislang nur in CARNOSAURUS 1 zu sehen war (aber hier schöner animiert). Nachdem der Saurier mühselig in die Knie gezwungen wurde, hebt der Rettungsheli ab, weil die Anlage ja gleich in die Luft fliegt und sie nicht mehr länger auf Junior warten können, aber zum Glück nehmen sie den Jungen dann doch noch mit. Puh.

Eine Tonbandansage spricht einen Zerstörungscountdown durch die Anlage, und bei "Null" drückt Junior auf den Knopf seiner Fernsteuerung, um ... hm ... vermutlich, um die automatische Selbstzerstörung manuell zu aktivieren. Jedenfalls fliegt alles in die Luft. Schicht im Schacht.

Bis zu Teil 3 natürlich. Aber ob der diesen schwerst unterhaltsamen Schmumpf nochmal toppen kann? Oder wurde da der radioaktive Betrieb gleich ganz eingestellt?





Carnosaurus 2 - Attack of the Raptors (USA 1994)
Originaltitel: Carnosaur 2
Regie: Louis Morneau
Darsteller: John Savage, Cliff De Young, Don Stroud
Länge: 82 (FSK 18), 78 (FSK 16)


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Aus unserer begeistert aufgenommenen neuen Reihe "Die schönsten Anzeigen aller Zeiten" (die nur solange so heißt, bis uns ein besserer Titel eingefallen ist) heute ein weiteres Fundstück, diesmal im O-Ton aus der stets ergiebigen ÖH-Jobbörse:

Interkulturellen Frauentreff
Musik, Singen od. Tanzen

Ich bin auf der Suche nach ausländischen Stdenten, die bei einem interkulturellen Frauenfrühstück in St. Johann im Pongau Tanz oder Musik als Unterhaltung oder mit Mitarbeit der Frühstücksbesucher bieten können. Bezahlung möglich.


Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß ich als Mann durchaus ein Recht habe, an interkulturellen Frauenfrühstücken (Frauenfrühstücks?) teilzunehmen. Alles andere wäre gendervorurteilsbehaftet und ausgrenzend. Zweitens: Frühstücken Frauen anders als Männer? Drittens: Verstehe ich das vielleicht falsch, und da treffen sich Kannibalen (= interkulturell), um Frauen zu frühstücken?

Weiters: Warum müssen die tanzenden und musizierenden Unterhalter Ausländer sein? Warum müssen es Studenten sein? Wollen die die frühstückenden Frauen vielleicht mit Bauchtänzerinnen unterhalten? Und nicht zuletzt: Ist der Satz eigentlich deutsch? Spätestens bei "mit Mitarbeit" bin ich leider ausgestiegen.

Ach ja, und daß eine Bezahlung möglich ist, beruhigt natürlich. Auch wenn nie die Rede davon war, daß sie dann auch tatsächlich erfolgt.

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Und noch mehr Spaß aus dem Anzeigenmarkt:

Million Dollar Project
Biete Ideen fuer Film und Fernsehen.


Das ist auch schon der ganze Text. Mann, da schreibe ich sofort hin! Mögliche Antworten, die dann kommen könnten:

- Junge verliebt sich in Mädchen.
- Terroristen besetzen ein Hochhaus und werden von einem einsamen Cop zur Strecke gebracht.
- Mir schwebt da ein Showkonzept vor, in dem Kandidaten unmögliche Wetten anbieten ...
- Seien Sie erfolgreich!
- Imnmer in Farbe drehen!
- Wie wäre es mit einer Sendung im Weltall?
- Ich stelle mir da so ein tägliches Format vor, wo jeden Tag ein anderes brisantes Thema behandelt werden kann.
- Haben Sie schon mal Ihren Fernseher hochkant hingestellt?

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Aus dem Anzeigenmarkt von regie.de:

Suche für ein Theaterprojekt mit schwulem Inhalt einen möglichst schwulen Regisseur in München. [...]

Also, da fallen mir jetzt viele sinnvolle und noch mehr alberne Kommentare ein, aber eigentlich denke ich primär an die Sequenz in THE PRODUCERS, wo sich Gene Wilder & Zero Mostel für ihre Inszenierung den schlechtesten Broadway-Regisseur engagieren: "Der trägt ja ein Abendkleid." - "Und das am Nachmittag!"

Eine Bewerbung für diese Anzeige könnte ja fast einen witzigen Kurzfilm ergeben ... "Zeigen Sie uns doch bitte mal, wie schwul Sie sind." "Bewerbungsunterlagen mitsamt Aufstellung der 10 Lieblings-Streisand-Alben bitte im Produktionsbüro vorbeibringen." "Tut uns leid, so schwul wie Sie ist unser Theater dann doch nicht." ...

Wie hat Ang Lee eigentlich den Job bei BROKEBACK MOUNTAIN gekriegt?

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Gerade im Netz gefunden: Die zwanzig peinlichsten Interviewmomente der Musikgeschichte. Hier.

Meine Favoriten: #8, die Frage an die Corrs, wie sie sich getroffen haben (die vier sind Geschwister) ... #14, Reggae-Drummer Sly Dunbar, der während des Interviews einfach wegpennt ... und natürlich #2, wo The Fall-Frontmann Mark E. Smith wohl einen besonders guten Tag hatte.

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Und weiter geht's mit dem munteren Filmtagebuch, das hier zu führen ich mich zeitweilig entschlossen habe. (War das Deutsch?)

MURDER IN THE FIRST. Den habe ich bei der letzten Auflistung glatt vergessen! Ein Gerichtsdrama über einen Alcatraz-Insassen, der drei Jahre in Einzelhaft verbracht hat und dann einen Mithäftling ermordete. Kevin Bacon spielt den gebrochenen Sträfling, Christian Slater seinen jungen Verteidiger, Gary Oldman ist der sadistische Gefängniswärter. Der Film wirbt damit, daß er "auf historischen Tatsachen" beruht, aber abgesehen davon, daß mal ein Alcatraz-Sträfling gleichen Namens verteidigt wurde, hat die Story hier nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun. Ich verstehe durchaus, warum gewisse Freiheiten nötig sind, um eine fesselnde Geschichte zu erzählen (im Gegensatz zu einer Dokumentation über diese Ereignisse), aber warum die Fakten so durcheinandergewirbelt wurden, daß man auch gleich eine fiktive Story daraus hätte machen können, ist schade. Bacon spielt grandios, Slater ist noch der aufstrebende Jungstar (der Film ist von 1994), dem man mit viel Vergnügen zusehen kann, und in Nebenrollen sind Embeth Davidtz, Brad Dourif, William H. Macy und R. Lee Ermey zu sehen. Ein durchaus feines Gerichtsdrama (und ich liebe Gerichtsdramen!) und ein schöner Showcase für die beiden Hauptdarsteller, aber leider doch nicht ganz der große Wurf.



BURGLAR - DIE DIEBISCHE ELSTER. Jaja, eine von diesen enttäuschenden Klamotten, von denen Whoopi Goldberg so viele gemacht hat. Wieviel tolle Filme, in denen sie schauspielerisch glänzen konnte, hat sie gleich wieder gemacht? Genau, mir fällt außer DIE FARBE LILA und HOMER & EDDIE dann auch keiner mehr ein. GHOST vielleicht noch. Jedenfalls fand' ich BURGLAR seinerzeit beim ersten Ansehen schrecklich dumm, beim zweiten Ansehen ein paar Jahre später wenig bemerkswert, aber erträglich, und nun, wiederum viele Jahre später, immer noch eher müde. Es strengt sich ja bei dieser Story um eine Einbrecherin und der Mordfall, in den sie unschuldig verwickelt wird, eigentlich jeder an: Whoopi ist halt eine gute Schauspielerin, auch beim blödesten Skript. G.W. Bailey als korrupter Polizist macht auch Spaß, weil der Kerl (Captain Harris aus POLICE ACADEMY!) vermutlich mit Arschloch-Zertifikat von der Schauspielschule graduierte. Regisseur Hugh Wilson versucht, die fade Angelegenheit in schöne Bilder zu tauchen (die Anfangsszenen im morgendlichen, leicht nebligen Beverly Hills sind sehr stimmungsvoll). Und hey, Bobcat Goldthwait schreit sich gewohnt asozial durch die Gegend und hat dabei sogar ein paar Lacher. Aber es hilft halt alles nichts: Das Skript ist so müde zusammengepuzzelt, witzlos und bemüht, daß halt nur ein witzloser und bemühter Film dabei herauskommen kann.



I-SEE-YOU.COM: Das hier ist doch mal was: Eine Komödie, die in ihrer Witzlosigkeit fast schon als kritischer Beitrag eingestuft werden könnte. Ein Teenager installiert im Haus seiner Familie diverse Webcams, und die intimen Einblicke ins Familienleben geraten zum Hit im Internet. Nachdem die unwissentlich bei Sex, Toilettengang, Masturbation und langweiligem Frühstück gefilmten Familienmitglieder Wind von der Sache kriegen, führen sie den "Spaß" als Großinszenierung fort, um ordentlich Kohle zu verdienen. Ich schätze, irgendwo verstecken sich witzige Möglichkeiten in dieser Geschichte - nur nicht in diesem Film. So waren Beau Bridges, Rosanna Arquette und Shiri Appleby sicherlich auch eher vom Potential der Idee als von der tatsächlichen Ausführung begeistert genug, um hier mitzumachen. Der Anfang quält sich (oder uns) durch verschiedene Sexwitzchen (die da so ablaufen: Hihi, da hat wer Sex!), aber wenn dann der Familienpapa lachend die Website weiterführen will, auf der Millionen Menschen seine 18jährige Tochter nackt masturbieren gesehen haben, wird's richtig unangenehm. (Die Schauspielerin dazu heißt übrigens Baelyn Neff und ist, unerquickliche Handlung mal beiseite, durchaus ein, zwei Blicke wert.) Vielleicht will Autor & Regisseur Eric Steven Stahl etwas zum Verlust der Privatsphäre, zum Internet als nur vermeintlich privater, aber in Wahrheit vollständig öffentlicher Raum, oder zu Reality-Shows oder zum Zynismus unserer Zeit etwas sagen - aber wenn ja, dann was genau?



BLIND WEDDING. Ui, was für ein kunterbunter, abstruser, alberner, beknackter und dann doch eigentlich liebenswerter Klamauk! Jason Biggs, dessen Freundin bei seinem Heiratsantrag an Herzversagen stirbt, macht quasi spaßeshalber ein Jahr später einer völlig fremden Kellnerin (Isla Fisher, die durchgeknallte Schwester aus den WEDDING CRASHERS) einen Heiratsantrag - und die sagt ja. Biggs spielt ja den peinlich berührten Tolpatsch wie kein zweiter - das kennt man schon aus so ziemlich allen anderen Filmen, die er gemacht hat - aber Fisher hat einen unglaublich mitreißenden Charme, der viel rausreißt. Da macht's eigentlich nichts, daß das Verhalten der Figuren nicht immer ganz nachvollziehbar ist und im Laufe des Films auch immer abstruser wird - irgendwo inmitten des merkwürdigen Humors verbirgt sich eigentlich ein sehr knuffiger, süßer Film. Und außerdem ist dieser wunderbare Song auf dem Soundtrack, in den ich mich prompt verliebt habe:



"Inches & Falling" von The Format heißt der Song, und das Video ist ebenso knuffig wie der Song.



SCHLAGZEILEN. Schon zigfach gesehen, diesmal mit Herrn Schwarz - einer meiner absoluten Lieblingsfilme, würde ich sagen. Eine mit enorm vielen Details gefüllte Ensemblestory über einen Tag in der Redaktion einer Tageszeitung - mit Michael Keaton, Randy Quaid, Marisa Tomei, Robert Duvall, Glenn Close, und sogar Geoffrey Owens (Alvin aus der COSBY SHOW). Starkes Tempo, grandiose Mischung aus Komik und Drama, alles fühlt sich sehr echt an und bietet selbst beim x-ten Ansehen noch neue Aspekte. Vermutlich Keatons beste Rolle - man sieht ihm hier dauernd beim Denken unter Adrenalin zu - und auch Duvall ist in bester Form. Größter Lacher? "My doctor found nicotine in my urine", beschwert sich ein ständig sudernder Reporter beim zigarrequalmenden Chef Duvall - der erwidert: "Then leave your dick out of my ashtray".



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Technik ist den Menschen ja ganz selten geheuer. Ominöse Kästen arbeiten auf simplen Knopfdruck wie mit Hexenmagie und geben dabei verstörende Geräusche und manchmal sogar Worte von sich. Urplötzlich klingelt das Telefon und Computerstimmen betteln um Kontoinformationen. Das eigene Auto weiß auf einmal besser, wo man langfahren sollte, als man selbst. Wenn schon die Technik stets furchteinflößend ist, dann sind es deren Hersteller natürlich umso mehr: Wie umtriebige Schwarzmagier basteln die an Geräten, die uns vermeintlich helfen sollen, aber vielleicht wollen die ja etwas ganz anderes? Meine Dateien öffnen? Mein Haus leerfuttern? Die Katze per Fernsteuerung entführen und Lösegeld erpressen?

Das Mißtrauen gegenüber moderner Technik nährt seit längerer Zeit ein schönes cineastisches Subgenre: Den Techno-Thriller. Hier ist der futuristischen Technik nicht nur alles zuzutrauen, sie ist auch tatsächlich zu all diesen schlimmen Dingen fähig, und von Verschwörungsgedanken angefeuert entspinnen sich feine, paranoide Geschichten, in denen der Mensch ganz ohne Strom dann doch wieder am besten auf dem Planeten aufgehoben wäre. Manchmal resultiert ein solcher Techno-Thriller in einer meisterlichen und stets aktuell bleibenden Utopie der Machtlosigkeit (WARGAMES von 1983), manchmal greift ein solcher Film einfach die endlos scheinenden Möglichkeiten aktueller Entwicklungen auf (TRON von 1982). Mitunter kommt aber auch leidlich unterhaltsames Fastfood-Kino wie STARTUP (Original: ANTITRUST) heraus, bei dem man einfach möglichst wenig über den tatsächlichen Inhalt nachdenken sollte.


Von allen Momenten, die Handlung von STARTUP wiederzugeben, ist dieser hier wohl der geeignetste. Also: Der blitzgescheite Computerprofi Milo will mit ein paar Freunden eine kleine Firma gründen, wo sie Software für freie Verwendung (also: OpenSource) entwickeln und somit das Monopol des Microsoft nicht ganz unähnlichen Giganten NURV und dessen Chefs Gary Winston (Tim Robbins) bekämpfen wollen. Winston wirbt Milo (Ryan Phillippe) mitsamt seiner Freundin (Claire Forlani) aber per jovialer Demonstration seiner progressiven Firma ab, damit der an einem neuen Kommunikationssystem namens Synapse arbeitet, für das NURV zwar schon ein Release-Date, aber noch keinen rechten Plan hat. Dummerweise stolpert Milo recht flott über finstere Machenschaften bei NURV, mit denen deren Vormachtstellung am Markt gesichert wird: Die Firma überwacht Computerhacker, klaut dann deren Code und beseitigt die Hacker dann unauffällig. Also mal ganz knapp: Gute gegen böse Hacker. Jaja.

Gleich von Anfang an trüben ein paar Details die Glaubwürdigkeit des Films. Schwergeniale Computergeeks sehen selten aus, als wären sie Mitglieder der UCLA-Volleyballmannschaft. Schwergeniale Computergeeks haben auch keine Freundinnen. Und selbst wenn sie welche haben, sehen die nicht so aus wie Claire Forlani.


Vergessen wir einmal für einen Augenblick die Tatsache, daß es unsagbar schwer ist, Codebrocken von verschiedenen Programmierern einfach aneinanderzustückeln und zu einem lauffähigen Programm zu machen, oder daß der NURV-Mensch, der den Code klaut, so brillant sein muß, auf einen schnellen Blick einen genialen Code zu erkennen, der ein bislang ungelöstes technisches Problem überbrückt, aber gleichzeitig nicht in der Lage ist, diesen Code auch nur annähernd selber zu schreiben. Wenn die Programmierer, von denen NURV den Code klaut, an die Open-Source-Philosophie glauben, warum muß man ihnen den Code dann überhaupt klauen und diese Programmierer ermorden? Es wäre legal, den Code zu verwenden! Und warum werden diese Morde eigentlich in eigenen Videoclips irgendwo auf dem Server gespeichert? Schaut der Firmenchef sich die einmal im Jahr als Jahresretrospektive an?

Nicht ganz einsichtig auch das Synapse-System, an dem gearbeitet wird, und das angeblich alle Kommunikationsgeräte auf der Welt verbindet - PCs, Handys, Fernseher. Man kann dann Audio- und Videodaten über diese Geräte verschicken - na schön, vielleicht hat das 2000 noch aufregend geklungen, als noch nicht jedes Null-Euro-Handy eine eingebaute Videokamera hatte. Aber potzblitz: Synapse ermöglicht es tatsächlich, daß alle Geräte auch zu diesem Zwecke verwendet werden können - wer also noch so ein klobiges 90'er-Jahre-Handy hat, das keine mp3s abspielen kann und bei kleinen Pixelanimationen grausam scheppert, kriegt offenbar per Synapse das Hardwareupdate gleich mitgefunkt.


Nachdem Milo nun auf die Mordbeweise gestossen ist, heckt er einen Plan aus, wie er diese Videos der ganzen Welt auf einmal zugänglich machen kann. Total genial: Er stellt das Synapse-System fertig und schickt über den NURV-Satelliten das Video um die Welt. Er hätte das Video natürlich auch einfach ins Internet stellen können, aber dann hätten ihn die brutalen NURV-Schläger nicht so nervenaufreibend verfolgen können. Apropos nervenaufreibend: Die Inszenierung ist der festen Ansicht, daß Spannung deutlich gemacht werden muß, und so resultiert ein Schlüsselsatz von Winston, anhand dessen Milo erkennt, daß er in die Hackermorde verwickelt ist, in einer tripähnlichen Sequenz, in der Flashbacks und Farben und ein Vertigo-Effekt in Stakkatogeschwindigkeit zusammeneditiert werden. Man hätte das "aha"-Erlebnis der 10 Minuten auseinanderliegenden Sätze ja sonst vielleicht verpassen können.

Aber gut, seien wir mal nicht allzu miesepetrig. STARTUP kann schon durchaus Spaß machen (wenn man, wie man es bei allen Filmen tun sollte, sämtliche Computerkenntnisse mal einfach ignoriert). Es gibt ein paar hübsche Wendungen im Plot, der oberflächlich gesehen auch durchaus unterhaltsam und spannend ist. Ebenso angenehm ist es ja, daß die Computerwelt nur aus schönen, ansehnlichen Menschen besteht, und Tim Robbins hat sichtlich Spaß in seiner Bill-Gates-Rolle. Oh, schade, jetzt ist das Popcorn alle.





Startup (USA 2001)
Originaltitel: Antitrust
Regie: Peter Howitt
Drehbuch: Howard Franklin
Kamera: John Bailey
Filmmusik: Don Davis
Darsteller: Ryan Phillippe, Claire Forlani, Rachael Leigh Cook, Tim Robbins, Richard Roundtree
FSK: 12


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Ein paar kurze Gedanken zu den Filmen, die ich zuletzt gesehen habe ...


KRABAT. Den habe ich im Kino gesehen, und zwar während des wunderbaren, spannenden, wohltuenden Berlin-Wochenendes, um das es in diesem Eintrag überhaupt nicht gehen soll. KRABAT ist die Verfilmung eines sehr bekannten Ottfried-Preußler-Buches, das mir bisher völlig ungeläufig war (ich kenne nur die Preußlersche Dreifaltigkeit: Hexe, Räuber und Gespenst) und das ich mir nach Ansehen dieser Verfilmung nun auch nicht mehr durchlesen werde. Die Story spielt während des 30jährigen Krieges, aber der ist eigentlich völlig irrelevant - es geht um eine Gruppe von Gesellen in einer abgelegenen Mühle, die bei einem gruseligen alten Meister schwarze Magie lernen. Marco Kreuzpaintner (Regisseur von SOMMERSTURM, der mir ebensowenig gefiel) inszeniert alles in fantastischen Bildern - vor allem für eine deutsche Produktion schwer beeindruckend - aber völlig schwerfällig und aufgesetzt. Selbst Daniel Brühl, ansonsten ja mühelos einer unserer Besten, sieht man in jeder Szene nur beim ganz offensichtlichen Schauspielen zu. Irgendwo tauchen Soldaten auf, mit denen gekämpft wird, und dann glaubt Kreuzpaintner auf einmal, er sei Ridley Scott, und läßt die Bilder kantig ruckeln und schneidet wie Edward und läßt die bösen Menschen beim Herunterfallen vom Pferd kurz in Zeitlupe einfrieren, als wär's ein Werbespot. Und mal ehrlich: Wenn ich jemals einen Satz wie "Du also bist der Freund, den mir Tonda vorhergesagt hat" schreiben sollte und einen Erzähler dröge Überflüssigkeiten wie "Die Stille war gespenstisch" (als würde diese Erwähnung in einem Film die Stille tatsächlich gespenstisch machen!) von sich geben lasse, dann sagt mir bitte, daß die Finanzierung restlos gestrichen wurde.



QUANTUM OF SOLACE. Ebenso in Berlin gesehen, und ebenso mit Mike zusammen geschaut, der schon in den ersten paar Minuten - einer atemberaubenden, beeindruckenden Autoverfolgungsjagd - genauso wie ich mitgegangen ist. Viele Leute ärgern sich ja über den Film, weil die Bond-typischen Elemente fast völlig wegreduziert wurden, aber mich - der ich selbst den größten Bond-Unfug wie MOONRAKER noch mit Freude mehrfach sehen und vehement verteidigen kann - hat's gar nicht gestört: Der "neue Realismus" bringt frischen Wind in die Reihe, und Craig ist nach dem Herrenausstatter Pierce Brosnan endlich mal ein Darsteller, dem man sowohl den kaltblütigen Killer wie auch den weltmännischen Gentleman abnimmt. Es gibt mehrere große Actionsequenzen, die allesamt mitreißend inszeniert sind, und man hat wahrlich das Gefühl, daß Bond - der selbst 2002 noch wie ein Sechziger-Relikt wirkte, wo sich die Welt noch in Gut, Böse und Schön unterteilte - nun wahrlich im Hier und Jetzt plaziert ist; in einer Welt, wo Geheimdienste Mafia-ähnlichen Organisationen eher hilflos gegenüberstehen, wo sich private (= wirtschaftliche) und politische Interessen vermengen, und wo der Schurke kein megalomanischer Weltbeherrschungsfanat oder ideologisch motivierter Mensch ist, sondern ein eigentlich unscheinbarer blasser Großganove, der halt schlichtweg auf seinen eigenen finanziellen Vorteil bedacht ist. Ich bin wirklich gespannt, was als nächstes kommt!



DIE CASTING COUCH. Tja, Genzel guckt nicht nur großes Kino, sondern auch billiges Dodelzeugs. Thomas Ian Nicholas (der wird billig) gründet mitsamt zwei seiner Kumpels eine falsche Casting-Agentur, um fesche Frauen kennenzulernen. Hey, eine Konzeptkomödie! Sie läßt sich in einem Satz niederschreiben! Wenigstens waren auch ein paar Lacher drin - zum Beispiel der superspulige Glen, der das klingelnde Telefon einfach nur abhebt, aber nichts sagt, denn: "Did the phone stop ringing on your end? Then you can assume that somebody answered it." Aber hey, es klebt der "National Lampoon"-Sticker auf der Cheapo-Produktion, und das ist seit den Neunzigern ja eigentlich eher ein Warnsignal für Leute, die nicht gerade so einen ausgeprägten schlechten Geschmack (verbunden mit einem schnell erheiterten schlichten Gemüt) wie ich haben. Immerhin habe ich nicht nur gelernt, daß es "Brrrrronski" heißt, wenn man sein Gesicht zwischen den üppigen Brüsten einer Frau vergräbt und dann prustend den Kopf hin- und herschüttelt - ich weiß jetzt auch, daß Frauen sowas total mögen. Nicole Eggert ist auch drin, und ein paar Punkte gibt's für die supersympathische Jenny Mollen, die vielleicht Sandy in HOLD YOUR BREATH sein könnte ...


IT'S A BOY GIRL THING: Noch mehr ganz leichte Kost, aber diesmal fein gemachte - zumindest, wenn man wie ich Bodyswitch- und Gender-Bender-Komödien mag. Klar, daß der Highschool-Footballspieler und die benachbarte (eigentlich schnuckelige) Bücherwurm-Streberin Körper tauschen, ist wenig originell, und da sie sich überhaupt nicht ausstehen können, weiß man auch, wie die Geschichte ausgehen wird ... aber wie es halt so ist bei solchen Genrestreifen: Es kommt drauf an, ob die Blaupause mit Witz und Charme ausgefüllt wurde. Samaire Armstrong spielt den Jungen im Frauenkörper nicht unbedingt subtil, aber dafür liebenswert, und die Sache macht durchweg ganz einfach Spaß. Auch wenn's hinterher nicht viel dazu zu sagen gibt.



THE MOTHMAN PROPHECIES. Den habe ich ja eigentlich schon eine ganze Zeitlang im Auge, obwohl Richard Gere (grusel) mitspielt - aber dafür ist er von Mark Pellington, der auch den meisterlichen ARLINGTON ROAD inszeniert hat. Der Mottenmann basiert auf einem Buch, das über einen angeblich wahren Vorfall berichtet - eine Häufung von merkwürdigen Sichtungen einer mottenähnlichen Figur in einer Kleinstadt namens Point Pleasant in den Sechzigern, die der Legende nach Unheil verkündet. Nachdem mehrere Leute mehrfach dieses Wesen gesehen haben wollen, geschah dann auch ein tragisches Unglück in der Stadt, bei der viele Menschen ums Leben kamen. (Notiz an mich selbst: Buch beschaffen. Spannendes Thema!) Also ... uaaaah, war das unheimlich. Ehrlich. Die Musik von tomandandy (die auch den fiesen, effektiven Score für das THE HILLS HAVE EYES-Remake gemacht haben) allein ist eine unglaublich nervenzerrende Ambient-Untermalung, und die Bilder, die Pellington dazu schafft, tun ihr Übriges. Es passiert über weite Strecken nicht viel - es geht viel mehr um Suggestion und Stimmung als um einen zielstrebig voranschreitenden Plot - was auch der Grund dafür sein könnte, daß der Film im Kino und bei der Kritik nicht sehr gut ankam. Der Schluß ist dann ein wenig zu greifbar und eigentlich auch etwas unbefriedigend, aber zumindest holt er die bedrückende Stimmung wieder auf ein gesundes Maß herunter und funktioniert somit durchaus. Und Gere macht sich sogar richtig gut in der ganzen Sache (neben Laura Linney und Will Patton). Trotz Schwächen schwer empfehlenswert.




ZOOLANDER. Natürlich schon icksmal gesehen und jedesmal auf's Neue fröhlich gegluckst bei diesem wunderbar abgedrehten Anarcho-Schwachsinn. Aber diesmal war's ein historischer Tag: Kollege Schwarz, der sich seit ungefähr zwei Jahren standhaft weigert, den Film zu sehen, hat mitgeschaut und tatsächlich gelacht. "Der ist eh witzig", konstatierte er danach, als wolle er mich jetzt dazu überreden. Bestimmt arbeitet Herr Schwarz jetzt auch an einem neuen Look für seine Show und tritt gegen die schlimmen Songwriter-Konkurrenten in einem von zufällig anwesender Prominenz moderierten Duplicate-Elaborate-Duell an. Zack!


DER WOLFSMENSCH. Und weiter geht's mit den klassischen Universal-Monstern. Dieser Film mit Lon Chaney Jr. als Werwolf aus dem Jahre 1941 ist nicht der erste Werwolf-Film - diser Status gebührt WEREWOLF OF LONDON von 1935. Aber dieser hier ist für den Großteil des "Wissens" verantwortlich, das wir über Werwölfe haben: Die Verwandlung bei Mondschein, die Verwundbarkeit durch Silberkugeln, und so weiter. Interessante Erwähnung in der Doku: Da der Werwolf sein nächstes Opfer dadurch erkennen kann, daß er auf dessen Handfläche eine Art Pentagramm sieht, wird eine gedankliche Parallele zum Dritten Reich gesponnen, aus dem Drehbuchautor Curt Siodmak nach Hollywood geflüchtet war. Neben Chaney - der ein wenig steif spielt, aber einem dafür in seinem tragischen Schicksal auch wirklich leid tut - spielen Claude Rains (den ich immer mehr zu schätzen lerne) und Bela Lugosi (leider nur in einem kleinen Auftritt - und ich habe immer noch nicht herausgefunden, ob Lugosi ein guter Schauspieler ist oder nicht). Wunderbare Stimmung, interessante Bilder - der 67 Jahre alte Streifen vermag durchaus noch zu fesseln, auch wenn er natürlich nicht mehr gruselig ist und das Werwolf-Makeup eher knuffig aussieht.


 


KING KONG. Und zwar der aus dem Jahre 1976. Ich weiß, ich weiß: Der von 1933 ist der Klassiker (den ich unverzeihlicherweise noch nie gesehen habe), und der von Peter Jackson ist der hyperdrüberüberwahnsinnig tolle geniale bildgewaltige Brocken Superkino, den Jackson ja immer so abliefert, selbst wenn er nur mal die Kamera an seinem Handy antestet (nein, ich habe auch seine Version noch nie gesehen). Die hier ist meine: Die habe ich nämlich als Kind gesehen und geliebt. Damals hat es mir natürlich noch nichts bedeutet, daß Jeff Bridges die Hauptrolle spielt (dem man einfach bei allem mit Freude zusehen kann), oder daß in Nebenrollen Charles Grodin (der selbst als schmieriger Großkapitalist irgendwie zum Grinsen anregt) und René Auberjonois zu sehen sind. Immerhin habe ich mir schon damals Jessica Lange gemerkt - vermutlich, weil meine Eltern irgendwas zu ihr erzählt haben. Die Effekte dieser De Laurentiis-Produktion mögen heute ein wenig angestaubt sein (offensichtliche Bluescreen-Effekte, ein noch offensichtlicherer Mann im Gorillakostüm - der sich flott hinter einem Hochhaus versteckt, um den herumfliegenden Suchhelikoptern zu entgehen - und einige Probleme mit den Größenverhältnissen), aber hey, was kümmert's mich. Die Geschichte funktioniert immer noch fein, die "Beziehung" zwischen Jessica Lange und Kong ist ein schönes Element, und der tragische Aspekt dieses Monsters ist immer noch gut herausgearbeitet. Mein Kong! Uaaah!

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Ein solides, aber weitesgehend überraschungsfreies Unterfangen der christlichen Rocker.

Es ist wohl das Schicksal der meisten Rockbands, daß sie über die Jahre hinweg gefälliger und formatfreundlicher werden. Unter der Phrase "besseres Songwriting" verbirgt sich ja stets eine Konzentration auf konventionellere Strukturen, unter dem Wort "gereift" ist zu oft nur eine Mäßigung zu verstehen, mit der das Altbekannte ohne das frühere Feuer aufbereitet wird. WHEN ANGELS & SERPENTS DANCE, das fünfte Album der christlich angehauchten (ehemals Nu-, jetzt vielleicht Alternative)-Metal-Gruppe P.O.D. - oder das siebte, wenn man die frühen Independent-Releases hinzurechnet - ist trotz Wiederkehr des früheren Gitarristen Marcos Curiel und somit erstmals seit dem '01er-Album SATELLITE reformierter Originalbesetzung eine weitesgehend harmlose, professionell und sauber eingespielte Angelegenheit, die auf gröbere Aufregungen großteils verzichtet.

Nun ist die Mischung aus Heavy-Gitarren, donnerndem Rock und chilligem, melodischem Reggae ja eigentlich eine reizvolle Angelegenheit - und die Band schüttelt nach wie vor ohrenschmeichelnde Songs aus dem Ärmel, die sich schnell im Kopf festsetzen. Die Melodien sind catchy, wie man so schön sagt, und der Rhythmus großteils mid-tempo, aber durchaus mitreißend. Wo liegt also das Problem? Vielleicht darin, daß man schon beim ersten Song "Addicted" stets den Refrain zur 7 Jahre alten Single "Alive" mitsingen möchte. Oder darin, daß "Shine with Me" und "Condescending" perfekte Arbeiten sind, die völlig überraschungsfrei bleiben, sofern man seit 1999 auch nur eine Handvoll P.O.D-Songs gehört hat. Vielleicht auch darin, daß die Akustikgitarren-und-Streicher-Ballade "Tell Me Why" recht anbiedernd klingt und mit der, hüstel, Message ein wenig plump aufträgt ("Tell me why? / Why must we fight? / And why must we kill in the name of what we think is right? / No more! No war!"). Unvorhergesehenes (oder wäre das Unvorhergehörtes?) wird eher selten geboten: zum Beispiel in einer plötzlichen Hardcore-Attacke auf "Kaliforn-Eye-A" mit Suicidal-Tendencies-Frontmann Mike Muir, oder in dem kantig-harten "God Forbid" mit Page Hamilton von Helmet, oder auch in dem Gitarrensolo auf dem letzten Track, "Rise Against", wo plötzlich munter mit dem Effektgerät gespielt wird.

Aber gut, seien wir mal nicht ungnädig. P.O.D.-Fans werden mit WHEN ANGELS & SERPENTS DANCE sicherlich exakt das bekommen, was sie wollen - und alle anderen hören ein fein produziertes Album ohne Aussetzer, auf dem viele Songs durchaus gefallen können. Kann ja nicht immer jede CD gleich bahnbrechend sein.






Dieser Text erschien zuerst am 19.11.2008 bei meinSalzburg/Salzburger Nachrichten.

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Nonnen der Oper, Phantome auf der Flucht! Bei Amazon schmeißen sie schon seit einiger Zeit superbillige DVDs aus dem Lager, von denen die meisten auch aus sehr gutem Grunde nichts kosten. Ein paar schöne Schnäppchen kriegt man aber immer wieder, und drum konnte ich mich Donnerstag über DVDs zu NONNEN AUF DER FLUCHT (mit Eric Idle), DIE SIEGER (mit Kevin Costner) und der Grunge-Doku HYPE! freuen, allesamt um knapp drei Kronen. Zack!


NONNEN AUF DER FLUCHT ist einer von diesen Streifen, die ganz amüsant sind und recht unterhaltsam und letzten Endes völlig belanglos und unwichtig. Eric Idle und Robbie Coltrane befinden sich als Kleinganoven mit zwei großen Geldkoffern auf der Flucht vor ihrem ehemaligen Auftraggeber und der chinesischen Mafia und müssen sich als Nonnen verkleidet in einem Kloster verstecken. Jup, der Film ist ungefähr so grandios, wie es die Inhaltsangabe erahnen läßt (und die Erinnerung an die letzten beiden Male Ansehen bestätigt). Idle und Coltrane geben natürlich zu keiner Sekunde auch nur im Entferntesten glaubwürdige Frauen ab, die Witze sind teils amüsant, teils müde, die Handlung bietet halt sehr viel Obligatorisches - Flucht vor Gangstern! Verdachtsmomente! - aber offenbar hatten die Beiden Spaß an der Arbeit. Camille Coduri hat einige amüsante Momente als superkurzsichtige Freundin von Eric Idle, die restlichen Darsteller mühen sich halt mit den üblichen funktional gehaltenen Figuren ab. Was soll's, immerhin ist der Film von Jonathan Lynn, der einen meiner persönlichen Favoriten (SGT. BILKO) inszeniert hat und außerdem mit MEIN VETTER WINNIE einen weiteren urkomischen Film auf dem CV hat - also sagen wir doch einfach mal: Für 3 Euro ist er nett zu haben und kann in ungefähr 5 Jahren wieder mal begutachtet werden.


Eine der schönsten Anschaffungen der letzten Zeit ist die Universal Monster Legacy Collection, in der 18 Filme aus der ersten großen Ära des Horrorfilms (und danach) zu finden sind. Ein schmuckes Stück, das mit Büsten von Karloff (Frankenstein), Lugosi (Dracula) und Chaney (Wolfsmensch) aufwartet, massig Audiokommentare und Dokumentationen zu den wichtigsten Werken bietet, und außerdem diverse Fortsetzungen beinhaltet (DRACULAS TOCHTER usw.), die einzeln nicht erhältlich sind. Kurzum: Ein schönes Stück Filmgeschichte.

Als dritten Film aus der Box (nach DIE MUMIE und FRANKENSTEIN) habe ich mir also Donnerstag PHANTOM DER OPER mit Claude Rains angesehen, der mit Baujahr 1943 dem Großteil der anderen Filme schon recht modern gegenübersteht. In ganz bunten Technicolor-Farben (die wie gehabt stets unecht aussehen) huscht hier also Rains als verrückt gewordener Musiker durch das Opernhaus, um seine große Liebe, eine aufstrebende Sängerin, zu Ruhm und Ehren zu bringen. Das macht er natürlich nicht mit wohlfeil formulierter Pressearbeit, sondern mit Mord an der Konkurrenz. Es wird - welch Überraschung - extrem viel gesungen, und dies wie in vielen US-Operndarstellungen schwer bombastisch, aber Rains ist wunderbar in seinem Part; die Kabbeleien des Inspektors und des Opernsängers, die beide um besagte Sängerin buhlen, sind sehr unterhaltsam; das Finale ist aufwendig und aufregend inszeniert; und die Bilder der Katakomben unterhalb des Opernhauses sind beeindruckend. Alles in allem: Lohnenswert!

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Von der Website The Onion:

Black Man Given Nation's Worst Job
November 5, 2008 | Issue 44•45

WASHINGTON—African-American man Barack Obama, 47, was given the least-desirable job in the entire country Tuesday when he was elected president of the United States of America. In his new high-stress, low-reward position, Obama will be charged with such tasks as completely overhauling the nation's broken-down economy, repairing the crumbling infrastructure, and generally having to please more than 300 million Americans and cater to their every whim on a daily basis. As part of his duties, the black man will have to spend four to eight years cleaning up the messes other people left behind. The job comes with such intense scrutiny and so certain a guarantee of failure that only one other person even bothered applying for it. Said scholar and activist Mark L. Denton, "It just goes to show you that, in this country, a black man still can't catch a break."

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Genzel trinkt!
Ich schau' mir ja total gern Dodelcomedies an. Ach, das wußtet ihr schon? Na dann. So hab' ich mir also gestern BIERFEST gegeben, der von der fünfköpfigen amerikanischen Komikertruppe Broken Lizard ... inszeniert? verbrochen? geschaffen? ... wurde. Was erwartet man bei einem Titel wie BIERFEST (im Original ebenso BEERFEST)? Na klar: Schwerste intellektuelle Unterhaltung. Und das gibt's denn auch mal. Zwei amerikanische Brüder kommen nach München, um die Asche ihres Großvaters (Donald Sutherland!!) auf der Theresienwiese zu verstreuen, und geraten in die geheimen Keller unterhalb des Oktoberfests, wo fiese Deutsche bei einem FIGHT-CLUB-ähnlichen Bierfest die Teams anderer Nationen unter den Tisch saufen. Anführer der Deutschen ist übrigens Jürgen Prochnow, im Team der Deutschen trinkt Ralf Moeller mit. Und natürlich wird überall wundervolles, teils sinnfreies Denglisch gesprochen, alle Deutschland-Klischées werden genüßlich zelebriert, ein paar blanke Möpse hüpfen über den Schirm, ein Herr Schniedelwichsen wird wegen Verrats erschossen, und es wird gesoffen bis zum bitteren Ende, unter anderem aus einem Bierstiefel ("das boot", haha).

Nach der Niederlage ziehen sich die Amerikaner zurück und trainieren fürs nächste Jahr (ihr bester Mann ist ein alter College-Kumpel, der jetzt auf dem Straßenstrich Teile seiner Anatomie für einen Dollar herzeigt), während die Deutschen mit dem U-Boot in Colorado anrücken, um eine geheime Bierformel zu klauen. Eine Hauptfigur stirbt ganz unversehens, wird beerdigt, und dann kommt derselbe Schauspieler als Zwillingsbruder und bittet darum, mit demselben Namen angesprochen zu werden - genau, wenn schon absurd, dann mal so richtig. Der Humor ist größtenteils schwer bierselig, oft sehr tief, mitunter sehr witzig, Cloris Leachman (Frau Blücher!) läuft im Dirndl herum und erzählt Anzüglichkeiten, und zum Schluß gibt Willie Nelson dann noch beim Kiffen einen Witz zum Besten: Der Vater erwischt seinen Sohn beim Masturbieren und sagt: "Du weißt doch, daß man davon blind wird". Der Junge erwidert: "Papa, ich bin hier drüben". Prost!
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Außerdem witzig: Dieser Werbeclip mit Günther Brenner, der dank zahlreicher Besuche von Schlaflos-Aufführungen und sehr herzlichem Enthusiasmus quasi schon zur Ghost-Light-Familie gehört (obwohl er in noch keinem meiner Filme aufgetaucht ist - ein Umstand, den ich bei Gelegenheit zu beheben gedenke):



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Nachdem ich in letzter Zeit wieder verstärkt nachtaktiv bin, ist es eigentlich kein Wunder, daß die Anzahl von Vampirfilmen in meinem Filmkonsum ebenso steigt. Oder könnte vielleicht eine umgekehrte Kausalität vorliegen? Praktisch jedenfalls, daß da noch die DVD von DIE KÖNIGIN DER VERDAMMTEN im Regal lauert und nun mit blutunterlaufenen Augen daraufhin begutachtet werden kann, ob diese mild affektierte Blutsaugerstory mit dem lautstarken Rocksoundtrack über die Jahre vielleicht besser geworden ist.

QUEEN OF THE DAMNED, wie der Streifen im Original heißt, ist quasi eine Fortsetzung von INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR, wobei Stuart Townsend diesen couchhüpfenden Scientologen aus dem Vorfilm ablöst. Der Film komprimiert zwei Anne-Rice-Bücher zu einer Geschichte, und wie die Filmemacher auf dem Audiokommentar ausführlich diskutieren, gibt es zahllose Abwandlungen von der mir unbekannten Originalvorlage (für die die Verantwortlichen aber immerhin stets einleuchtende Gründe vorzuweisen haben). Aber eigentlich ist es ja egal, ob Anne Rice beim Ansehen selber lange Zähne wachsen, die sie gerne in Produzentenhälsen plazieren möchte – der Film sollte so oder so als eigenständiges Werk standhalten können.



Der Vampir Lestat wacht nach langem Schlaf in der Jetztzeit auf und beschließt, zum welterfolgreichsten Gothrocker zu werden. Weil er somit in der Öffentlichkeit lebt und das Geheimnis der Vampire (das vermutlich nur daraus besteht, daß es sie gibt – aber so genau vermag das der Film nicht erläutern) preisgibt, rotten sich also eine ganze Reihe von finsteren Gestalten zusammen, um ihn bei seinem allerersten Konzert auszulöschen. Ich stelle mir dazu ja eine sehr heitere Geschichte vor, in der Lestat gerne Rockstar werden will, aber dann auf irgendeinem Indie-Winzlabel landet, durchwachsene Kritiken erntet und dank Internetpiraterie mit einem großen Schuldenberg aussteigt. Sein erster Gig würde dann in irgendeiner Garage stattfinden, und die bösen Vampire verfahren sich in den Vororten von Los Angeles. Oder ein bißchen weniger albern gefragt: Wie wird Lestat eigentlich zum Megastar, wenn er bislang nur ein Album veröffentlicht hat (vermutlich mit nachtaktiver Plattenfirma und ebensolchem Manager) und noch nie irgendwo aufgetreten ist? Glauben die Autoren da nicht schon ein bißchen zu sehr an die gute Fee?

Aber egal. In längeren Rückblenden sehen wir, wie Lestat zum Vampir wurde, und wie er die Statue von Akasha entdeckt, der Königin der Verdammten. Akasha ist quasi ein schlechtgelaunter Urvampir und hat der Legende nach seinerzeit "halb Ägypten leergetrunken", vermutlich, weil man dort ja sonst recht wenig Flüssiges kriegt. Mit dem Rockkonzert wird auch die böse Schnalle wieder zum Leben erweckt - leider gibt es im Film keine Eltern, die zu ihrem Nachwuchs sagen: "Mit dem Krach kann man ja Tote aufwecken!" - und Lestat gerät ein wenig unter ihren Bann, weil Akashas Blut sehr lecker ist und die gute Frau mit ihm zusammen die Welt erobern möchte. Zum Glück gibt es noch ein paar mittelgute Vampire, die sich dann alle zusammenraufen und Akasha bekämpfen.


Also, wo fangen wir an? Vielleicht bei den guten Seiten: Visuell und atmosphärisch ist QUEEN OF THE DAMNED eine durchaus schöne und ästhetisch eigene Vampirgeschichte. Das leichte Augenzwinkern, mit dem Lestat in einer Gothwelt und in der Popkultur verankert wird (seine Musikvideos zum Beispiel sind wie deutsche expressionistische Klassiker inszeniert; auf seinem Konzert halten die Besucher den Kampf mit den gegnerischen Vampiren für pyrotechnische Showeinlagen), kann durchaus reizvoll sein. Und die Musik, die Richard Gibbs (in den Achtzigern Mitglied von Oingo Boingo, ebenso wie Danny Elfman) zusammen mit Korn-Frontmann Jonathan Davis schrieb, ist stimmungsvoll und hörenswert - insbesondere die Goth-Metal-Songs, die wie auch der Score mit interessanten Klangfärbungen (z.B. der Violine des indischen Musikers Shankar) aufwarten können. (Im Film singt Davis selbst die Songs; auf dem Soundtrack wird er aus vertraglichen Gründen von prominenten Kollegen wie Wayne Static, Marilyn Manson, Chester Bennington und Jay Gordon vertreten).


Schade nur, daß Film mehr sein muß als Klang und Bild: Die Geschichte stolpert sehr wirr durch die Gegend und bietet alle seine Absurditäten mit viel Pathos und Melodrama dar, als würde Unfug durch theatralische Ernsthaftigkeit irgendwann sinnvoller werden. Die Darsteller posieren alle wie für den nächsten Vampirkalender und hauchen gestelzte Dialoge, die größtenteils expositorisch sind. Man hat auch viel Zeit, sich ein wenig zu wundern: Warum wollen die bösen Vampire Lestat gleich wieder umbringen? Weil er ihre Geheimnisse verrät? Aber die hat er doch nun schon auf CD gepackt, und es nimmt sie doch eh keiner ernst ("another rockstar with a gimmick", heißt es an einer Stelle). Gleichsam mag uns noch so oft verklickert werden, daß Akasha sehr böse ist, aber wenn ihre schändlichste Tat das beiläufige Abfackeln von einigen düstermienigen Vampirpunks in einer kleinen Bar ist, dann sehen wir nicht gerade die Apokalypse über uns hereinbrechen.

Erwähnt werden darf noch, daß dies der zweite und auch letzte Film der R&B-Sängerin Aaliyah ist, die hier in der Titelrolle erst weit hinten im Film auftaucht und dann wenig mehr zu tun hat als die Zähne zu fletschen und sinister ihre Schauspielkollegen anzufauchen. Aaliyah kam kurz nach den Dreharbeiten bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben, weswegen ihrem Auftritt hier ein wenig morbides und trauriges Flair anhaftet (wie es eben so wirkt, wenn ein Film die Hinterlassenschaft eines Schauspielers darstellt) - aber ob sie eine gute Schauspielerin war, läßt sich anhand dieses Films leider nicht im Geringsten feststellen.

"Ich würde zustimmen, daß der Film keine perfekte Adaption der Anne-Rice-Bücher ist", sagt einer der Filmemacher auf dem Audiokommentar. Vielleicht können wir uns auch gleich darauf einigen, daß der Streifen auch ohne Anne Rice nicht so hundertprozentig gelungen ist?





Die Königin der Verdammten (USA 2002)
Originaltitel: Queen of the Damned
Regie: Michael Rymer
Drehbuch: Scott Abbott, Michael Petroni
Kamera: Ian Baker
Musik: Richard Gibbs, Jonathan Davis
Produktion: Village Roadshow Pictures / NPV Entertainment / Material
Darsteller: Stuart Townsend, Aaliyah, Marguerite Moreau, Vincent Perez, Lena Olin
Länge: 98 Minuten
FSK: 16


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Nachdem wir schwer schuftenden Computerraumtutoren (bitte alle drei Worte möglichst emphatisch lesen) ja nun per neuem Dienstvertrag fest angestellte Unibedienstete sind, klopft auch schon der Luxus an unsere Tür: Die aktuellen Salzburger Uni-Nachrichten liegen frisch auf unserem Schreibtisch, und jeder von uns kriegt sein eigenes Exemplar. So lob' ich mir das.

Aus lauter Freude mache ich mir doch gleich einmal ein paar Gedanken zum Inhalt der Broschüre.

Schmiedinger braucht Geld! Also, eigentlich nicht Schmiedinger, sondern die Uni. Aufhebung der Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen stürzen jetzt viele Uniprofs in tiefes Grübeln, wie es denn weitergehen kann mit der geliebten akademischen Einrichtung (auch im Stadtblatt beispielsweise wurde gejammert). Frage: Wie hat die Uni denn eigentlich vor der Einführung der Studiengebühren existiert, die ja eigentlich auch erst ein paar Jahre her ist? Was den Einfall von deutschen Studenten angeht, erinnere ich mich, daß ich eine Bescheinigung einer deutschen Universität vorlegen mußte, daß ich theoretisch einen Studienplatz bekäme, bevor ich mich hier inskribieren konnte. Die gesammelte Seufzerei der Uni-Hochoberen läßt in mir den Gedanken aufkeimen, daß Menschen einfach mit Änderungen ganz schwer umgehen können, selbst wenn besagte Änderungen vielleicht einfach nur die früheren Änderungen wieder rückgängig machen.

Everybody's a fucking producer! Zur alljährlichen Uni-Präsentation im Europark läßt uns die Postille folgendes wissen: "Mit Hilfe der Handy-Kamera können die Besucher die Eindrücke ihrer Shopping-Tour filmen und in de Computer einspielen. Damit werden sie zu Filmproduzenten und ihre Stories sind über 'ShoppingStories@Europark' abrufbar." Sagenhaft? Echt? Einfach so? Das ist technisch möglich? Und dann bin ich einfach mal Filmproduzent? Kostet das sonst nicht viel Geld? Hätte ich mir dieses kleine Buch "Filme drehen in 12 Schritten" dann also sparen können?

Passend dazu prangt oben auf der Seite übrigens ein Bild unserer Landeshauptfrau, die durch den Sucher einer Videokamera blickt. Vermutlich ist sie die leitende Film-A(ni)mateurin. Ich überlege gerade, ob ich mich zu Imagezwecken vielleicht einmal am Schlagzeug, im Cockpit und im Operationssaal photographieren lassen sollte.

Fesche Stars aus unserer Uni! Naja, eigentlich aus dem Mozarteum. Aber die haben wir ja auch lieb. "Pianistin Alice Sara Ott unterzeichnet Exklusivvetrag mit der Deutschen Grammophon. Sie ist erst 20, sie spielt hingebungsvoll Klavier, sie sieht blendend aus [...]". Hey, more power to her. Aber hat eigentlich schon mal jemand schlechtaussehende Mozarteumsstudentinnen gesehen? Hängen die Gene zur instrumentalen Begabung und zur fotogenen Erscheinung zusammen? Ehrlich, klickt euch mal durchs StudiVZ - das reinste Mozarteum 90210.

Althergebrachtes. Der Studentenmittwoch wird wieder angekündigt, und dazu gibt's ein Bild von einem alten Mann mit weißem Haar und Vollbart. Müßte ich den kennen? Steht der für irgendwas? Ist der noch Student? Oder wieder? Dem Photo nach hat er schon Studentenmittwoche erlebt, als es bei uns noch die Monarchie gab. Dabei kriegt man schon ab 30 doch eigentlich nirgendwo mehr Studentenrabatte!

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Offenbar kommt CHINESE DEMOCRACY, das Guns'n'Roses-Album, an dem Axl Rose schon seit 13 Jahren werkelt und von dem weithin angenommen wurde, daß es nie erscheinen wird, am 23. November über Best Buy heraus. Ein Song davon, "If the World", ist in Body of Lies gefeatured, dem neuen Leo DiCaprio/Russell Crowe-Streifen. (Quelle: Hier.)

Ich gehe - wie vermutlich der Rest der Welt - davon aus, daß das Album fürchterlich sein wird. Außer Axl Rose ist ja auch schon lange kein Originalmitglied der Band mehr dabei, und Axls Lebenszeichen auf dem END OF DAYS-Soundtrack vor 9 Jahren klang nach jemandem, der sich seit Jahren mit THE DOWNWARD SPIRAL von Nine Inch Nails im Zimmer eingeschlossen hat und verzweifelt probiert, genauso zu klingen.

Wenn es nicht um den Running Gag ginge, daß das Album schon seit den Neunziger Jahren angekündigt wird und Axl Rose dabei nicht so zum einsiedlerischen Spinner mutiert wäre, würde das Ding keinen mehr kratzen. Mich erst recht nicht. Irgendwo stand neulich, daß APPETITE FOR DESTRUCTION, das klassische G'n'R-Album, immer das war, von dem jeder wußte, aber das kaum einer tatsächlich selber, also privat, toll fand. Ich hab's damals gekauft und auch gehört und fand es ganz gut - aber ich hab's seit damals auch nicht mehr gehört, und wirklich aufregend toll fand' ich es damals schon nicht. Schon interessant, wie ein mittelmäßiges Glam-Metal-Album dank einer Gassenhauer-Single und einem Posterboy-Frontmann einen so legendären Status erreichen konnte und als generationsprägendes Artefakt gehandet wird - wo die Wahrheit doch einfach die ist, daß halt einfach auf jeder depperten Dorfdiscoparty "Paradise City" exakt so eingesetzt wurde, wie es anderswo mit dem knallroten Gummiboot gehandhabt wird.

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Warum eigentlich nicht auch mal einen älteren erfolgreichen Film mit attraktiven Teenagern, sexy-slickem Look und sehr kommerziellem Soundtrack neu erzählen? SWIMFAN verlagert Adrian Lynes EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE, in dem sich Familienvater Michael Douglas nach und nach von seinem eigentlich belanglosen Seitensprung Glenn Close das Leben demontieren lassen mußte, in die Highschool, wo sich nun Ben, Star des Schulschwimmteams, auf einen One-Night-Stand mit dem blonden Gift Madison einläßt, die ihm dann mit zerstörerischer Obsession das Leben zur Hölle macht.

Madison ist böse. So richtig. Schon ihre erste Unterhaltung mit Ben auf dem Schulkorridor - eine von vielen Gelegenheiten, wo in diesem Film Menschen an öffentlichen Plätzen ganz alleine reden können - wird mit einer Menge ROM (richtig ominöser Musik) untermalt. Als Ben ihr nach dem Seitensprung erklärt, daß es nur ein Ausrutscher war und er seine Freundin nicht verlassen will, schaut Madison gruselig ins Leere, schrille Geräusche ertönen auf dem Soundtrack, und harte Jumpcuts künden von ihrem Geisteszustand. Madison ist sogar so böse, daß ihr Gesicht immer mindestens halb im Schatten ist, egal, wo sie gerade steht. Sie könnte eigentlich wirklich nur dann offensichtlicher psychopathisch veranlagt sein, wenn sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Vorsicht Psychopath" und ein "Stay Away"-Tattoo auf der Stirn trüge.


So plantscht SWIMFAN also durchweg und von Beginn ab im Offensichtlichen. Wo immer Madison auftaucht oder etwas sagt, wird sie von ROM begleitet. Sie geht schneller die Psychowände hoch als Jack Torrence in THE SHINING. Alle Orte sind in Schatten getaucht; die Schwimmhalle sieht mit seinem blassen, kalt-blauen Licht zu jeder Zeit aus, als wäre sie schon lange geschlossen. Wo die Lyne-Vorlage ein durchaus beängstigendes psychologisches Duell zeichnete, in dem Glenn Close nur langsam und bis zu einem Punkt durchaus nachvollziehbar Besitzansprüche stellte, ist Madison hier von Anfang an ein Mädchen, bei dem die Sicherungen schon lange auf Nimmerwiedersehen herausgeflogen sind.

Da hilft es freilich auch nicht, daß die Geschichte mit Teenagern nicht einmal halb so gut funktioniert wie mit Erwachsenen: In der Vorlage wurde perfide das Familienglück des untreuen Mannes zerlegt, der wirklich alles zu verlieren hat - Frau, Familie, Besitz, Karriere. Hier bemühen sich die Autoren, daß Madison Bens sagenhaft wichtiges Wettschwimmen sabotiert und Drogen ins Spiel bringt - ganz so, als wäre mit 16 die letzte Chance auf die Zukunft verbaut.


Im Finale - wer unbedingt den Film sehen will, überspringt den kommenden Absatz lieber - sitzt dann auf einmal ein Polizist auf der Rückbank des Polizeiwagens, wo die festgenommene Madison seine Waffe klauen kann und wie alle Filmpsychopathen übernatürliche Kräfte entwickelt: Instant-Transport an jeden gewünschten Ort (egal, ob bewacht oder unbewacht), und ganz viele Muckis, um potentielle Opfer gleich mit an ebendiese Orte zu schleppen. Bevor sie Bens Freundin im Pool ertränkt, erklärt Madison ihm dann noch, er könnte das verhindern, wenn er ihr sagt, daß er sie liebt. Macht Ben natürlich nicht. Leute anlügen ist ja uncool. Tut man nicht. Selbst dann nicht, wenn sie gerade die eigene Freundin ertränken wollen.

Warum also nicht auch mal einen älteren erfolgreichen Film mit Teenagern und sexy Look und tollem Soundtrack neu erzählen? Man kann dadurch immer wieder sehen, wie gut doch die Originale waren.





Swimfan (USA 2002)
Regie: John Polson
Drehbuch: Charles Bohl, Phillip Schneider
Kamera: Giles Nuttgens
Musik: Louis Febre
Produktion: 20th Century Fox / Cobalt Media Group / Greenestreet Films / Furthur Films
Darsteller: Jesse Bradford, Erika Christensen, Shiri Appleby, Kate Burton, Dan Hedaya
Länge: 81 Minuten
FSK: 12


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Gleich zwei unterhaltsame Träume haben mir die letzte Nacht kurzweilig gestaltet. Im ersten davon war ich zu Besuch bei Mike, meinem Produzenten, und der hatte ein riesiges 4-Stockwerk-Landhaus, das angeblich "nur 5 Minuten von Berlin entfernt" war. Zum Haus gehörte auch ein riesiges Grundstück, mit Wald und allem drumherum. Mike hat mir dann erzählt, wie clever es war, eine Wohnung außerhalb von Berlin zu suchen, und hat mir dann außerdem von seiner Firmen-Grillparty berichtet, bei der das ganze Gelände randvoll mit Gästen war. Dann habe ich ihn gefragt, ob er den Soundtrack zu Die Muse hören will, den ich nämlich schon fix und fertig auf CD-R gebrannt im Auto hatte. Klar wollte er! Während dem Anhören hab' ich ihm erklärt, daß ich den Film auch schon komplett fertig im Kopf hätte, und er hat genickt und gesagt: "Super. Und was machen wir morgen?"

Der zweite Traum war um einiges bizarrer. Da saß ich nämlich in so einem siffigen Verliesraum umher und war Elisabeth Báthory. Also, ich hab' eigentlich gar nichts Schlimmes gemacht, aber ich wußte halt, daß ich sie bin. Jedenfalls war der ganze Raum blutbesudelt, was mich nicht so gekratzt hat. Ich hab' dann angefangen, Pizza zu essen. Dann hab' ich mir überlegt, daß ein Teller und Besteck praktisch wären, also bin ich rausgegangen und nach Hause zu meinem Dad geeilt, um das zu holen. Unterwegs ist mir dann aufgefallen, daß mich kein Mensch sehen kann - aber immer wieder ist Whoopi Goldberg als blinde Hellseherin aufgetaucht, die gemerkt hat, daß ich da war, und dann immer gesagt hat: "Diese Stimme kenne ich doch aus der Bibliothek". Obwohl ich ja gar nichts gesagt habe. Hm. Mit Teller und Besteck bewaffnet bin ich dann auf dem Rückweg an diesem fiesen Leprechaun vorbeigelaufen, und der hat auch was gemerkt, und ich hab' mich gefragt, ob ich jetzt überhaupt in Ruhe meine Pizza essen kann, wo mich doch jetzt sicher der fiese Zwerg suchen wird.

Can you dig it, Sigmund?

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Was ist eigentlich die Essenz eines Titels wie A NYMPHOID BARBARIAN IN DINOSAUR HELL, dem ich mich hier und heute auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen widmen möchte? Anders formuliert: Warum reizt uns ein solcher Film? Na gut, überlegen wir doch einmal: Würden wir lieber A NYMPHOID BARBARIAN IN BADEN-BADEN sehen oder A NORMAL PERSON IN DINOSAUR HELL? Aha! Das gibt uns ja vielleicht Aufschluß. Wie wäre es mit A STRONG BARBARIAN IN DINOSAUR HELL? Auch nicht? Okay, dann muß es wohl tatsächlich die Vorstellung sein, daß ausgerechnet eine nymphoide Barbarin durch die Dinosaurierhölle hetzt, und nicht etwa eine ganz alltägliche, wie sie uns ja auch tagtäglich an jeder Würstchenbude begegnet.

Nun haben wir ja schon des öfteren feststellen müssen, daß ein aufregender Titel gemeinhin über einen weitaus weniger aufregenden Film hinwegtäuschen soll (z.B. hier). A NYMPHOID BARBARIAN IN DINOSAUR HELL hieß ursprünglich einmal DARK FORTRESS, aber wer guckt sich denn sowas an? Zum Glück weiß man in der New Yorker Schmalfilmschmiede Troma, wie man auch noch den letzten Mist an den Mann bringt – man tut einfach so, als wäre es Kult.

In einer post-apokalyptischen Welt hetzt eine leichtbekleidete Frau durch die Gegend, lernt einen hübschen Mann kennen (der sie vor angreifenden, geifernden Vergewaltigerhorden rettet), und nachdem sich die beiden ein wenig unterm Baum geliebt haben, kommt ein fieser Endgegner-Knilch und entführt sie. Also muß der Herr ran und sie befreien. Entschuldigung, ich muß kurz pausieren, weil mich solch rührselige Geschichten immer sehr nah ans Wasser bringen.

Da sind wir nun auch schon beim ersten gröberen Problem des Streifens. Mehr passiert nämlich nicht, aber das dafür auf eineinhalb Stunden ausgewalzt. Da wird also viel gelaufen, gelegentlich gekämpft, dann wieder gelaufen, und mitunter auch ein bisschen gestorben. Geredet wird fast nichts, auch die Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren baut eher auf einem telepathischen Einverständnis als auf einer verbalen Annäherung auf. Man könnte glatt davon ausgehen, dass die Tonspur verloren gegangen ist, wenn Herr und Frau Barbar minutenlang im Unterholz hocken und einfach nur in die Gegend schauen. Wenigstens hält sich der fiese Oberwirsing dann auch nicht mit langen Reden auf, sondern knüppelt einfach gleich los. Ebenso wie seine Schergen, die irgendwelche Mutantenmasken tragen und auch nicht gerade mitteilsam sind.

Da könnte man nun also davon ausgehen, daß es den ganzen Film über nichts zu hören gibt. Von wegen! Unter dem Decknamen "The Astral Warriors" gibt sich ein Mensch am Casio-Alleinunterhalter-Keyboard die Kante, bis die Ohren bluten. Weil das Budget des Films irgendwo im Bereich einer Tüte Eis mit drei Kugeln gelegen haben muß, hat sich der Musiker dementsprechend wohl auch gedacht, daß alles beim ersten Take sitzen muß, und so spielt er einfach die ganze Zeit auf gar grausamen Synth-Streichen auf und ab. Manchmal gefällt ihm ein Motiv, weswegen er dann diese Noten einige Minuten lang endlos wiederholt. In der Mitte des Films hat er dann vermutlich seine gewerkschaftlich abgesicherte Pause, und ungefähr zwanzig Minuten lang ist er dann halt einfach weg. Zum Glück ist er rechtzeitig zum spannenden Finale wieder da und holt mit fliegendem Finger, fiii-tiii-riii-fiii-tiii-riii-ta-tam-ta-tam-ta-tam-quietsch, das Versäumnis nach. Wenn es den Soundtrack auf CD gäbe, wäre es der perfekte Rausschmeisser, wenn mal wieder gar niemand nach Hause gehen will.

Dem kritischen Leser dürfte bereits aufgefallen sein, daß bislang trotz des vielversprechenden Titels noch nicht über Sex geredet wurde. Das hat einen einfachen Grund, meine teuren Leser, an dem ich euch auch gerne teilhaben lasse: Es gibt nämlich keinen. Die nymphoide Barbarin hat keinen Sex, ihr Besteiger hat ebenso keinen, und der böse Schurke ist ohnehin eher damit beschäftigt, seine Mutantengang unter Kontrolle zu halten. Selbst Lustige Taschenbücher haben mehr Sex.

Es kann davon ausgegangen werden, daß die Jungs von Troma diesen billig herabgekurbelten Streifen aufgekauft haben und mit neuem Titel versehen haben. Daher gibt es auch einen kurzen Vorspann, in dem die Barbarin im Voice-Over erklärt, wie die Erde der nuklearen Apokalypse anheim gefallen ist und sie sich zur nymphoiden Barbarin verwandelt hat (unterlegt wird dies mit Bildern aus TROMA'S WAR und CLASS OF NUKE'EM HIGH, beides unterhaltsamere Exponate derselben Firma). Tja, also, ätsch. Reingefallen. Das würde natürlich auch erklären, warum die postapokalyptische Welt den ganzen Film über sehr grün und idyllisch aussieht und eher Fantasy-inspiriert ist (mit Burgruinen, oder eventuell nur einer Burgruine, die halt aus mehreren Richtungen gefilmt wurde).

Na schön, aber gibt es denn wenigstens Dinosaurier in dieser Filmhölle? Ja, die gibt es. Ein paar nette Monster walzen mit niedlichen Stop-Motion-Animationen durch das Bild, und diese Sequenzen haben auch durchaus Charme. Also, Charme für fünf Minuten. Jenseits davon zehrt die müde Suppe aus Schweigsamkeit, unmotivierter Klopperei, Waldbegehung und hypermotivierter Synthbegleitung schwer an der Geduld. Zeit für ein Remake.





A Nymphoid Barbarian in Dinosaur Hell (USA 1991)
Regie: Brett Piper
Drehbuch: Brett Piper
Musik: The Astral Warriors
Produktion: Chapter V Enterprises / R.A.P. / Troma
Darsteller: Paul Guzzi, Linda Corwin


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