Dezember 2007
In weniger als zwei Stunden ist das Jahr vorüber, und weil der letzte Blog-"Eintrag" vom November ist, sollte vor Mitternacht noch etwas gepostet werden, damit der Dezember nicht leer bleibt. Ganz zu schweigen natürlich davon, daß hier schon seit Monaten eigentlich Funkstille herrscht und wenig erzählt wird. Das hat zweierlei Gründe: Erstens kam es in der Vergangenheit schon des Öfteren zu Mißverständnissen und Streitigkeiten, was manche Inhalte dieses Blogs anging - da wurden Einträge gegen mich verwendet, die eigentlich humorig und gutmütig geschrieben waren; persönliche Inhalte haben teils für Aufregung gesorgt, und haben auch teils gezeigt, wie manche Menschen in vermeintlicher moralischer Überlegenheit ihr Wissen um die persönlichen Erzählungen gleichermaßen verspottet wie verurteilt haben. Das ist alles eigentlich schon lange her, aber ich habe seitdem trotzdem wenig über mich selbst geschrieben. Zugegebenermaßen hat hier drin auch manches nichts verloren.

Der andere Grund ist der, daß das Schreiben in vielerlei Variationen zu einem großen Grad das Bloggen abgelöst hat - nicht nur, daß sehr viel Schreibenergie dieses Jahr auf Drehbücher und Treatments verwendet wurde; auch die zahlreichen Film- und Musikkritiken, die ich für Mann beißt Film, Fritz! und den All-Music Guide geschrieben habe, haben viel der Schreibkraft in Anspruch genommen und dienten mitunter gleichermaßen als Plattform für diverse Befindlichkeiten und Ansichten.

Dabei hätte es dieses Jahr genug zu berichten gegeben. Ein zehnjähriges Klassentreffen meines Abiturjahrgangs fand statt, und es war spannend, wie für einen Abend lang eigentlich alles wie in der Zeit stehengeblieben war - abgesehen davon, daß das große Kinderkriegen eingesetzt hat, sind die Leute dann doch so gleichgeblieben. Es gab mal wieder einen Umzug: Meine Mama ist von München zurück nach Wasserburg gezogen, und hat dort eine sehr gemütliche Wohnung in der Altstadt - die über 2000 Bücher wurden diesmal von einer Spedition getragen, aber natürlich doch wieder vom Nachwuchs eingepackt, dem bei jedem der dreihundertfünfundzwanzig letzten Umzüge versprochen wurde, es handle sich jetzt um den definitiv letzten. Mein Film SCHLAFLOS wurde hier und dort aufgeführt; die Reaktionen waren sehr positiv, was mich immer wieder freut, auch wenn teilweise nur sehr wenige Leute tatsächlich zu den Aufführungen kamen. Immerhin gewann der Film beim diesjährigen film:riss den Publikumspreis, was mich natürlich sehr freut. Ebenso habe ich es dieses Jahr dank Drehbuchförderung für mein Spielfilmskript DIE MUSE endlich geschafft, einen wichtigen Schritt in die Zukunft zu unternehmen. Das nächste Jahr dürfte spannend werden.

Schon im letzten Jahr habe ich keinen Jahresrückblick mehr über Film, Musik & Bücher gemacht, und ich werde ihn auch dieses Mal weglassen. Ich kriege nicht mehr zusammen, was ich dieses Jahr gesehen und gehört habe, und es war wieder so viel Tolles dabei und so viel, was mir etwas bedeutet, aber ich habe - nicht zuletzt durch ständige Schreiberei über Film & Musik - an dieser Stelle wenig zu sagen über all die CDs und DVDs und Kinobesuche und umgeblätterten Seiten, die mich auch dieses Jahr wieder auf Trab gehalten haben. Eine Ausnahme sei gestattet: Ralf Westhoffs erster Spielfilm SHOPPEN, dem ich natürlich als Teammitglied unmöglich objektiv gegenüberstehen kann, und der aber auch ganz nüchtern betrachtet ein fantastisch geschriebener, lebendig gespielter und frisch erzählter Film über genau das ist, was mich im Kino schon seit langem am meisten interessiert - Menschen und ihre großen und kleinen Probleme. Ralf hat eine unglaubliche Leistung hingelegt, sowohl was den Film selbst, als auch was seine Erfolgskurve angeht, und ich gönne ihm all den Erfolg von ganzem Herzen.

Ich glaube, das reicht als neuer Eintrag. Ich muß den Blog ja nicht gleich wieder schließen.

Frohes neues Jahr und alles Gute für 2008. Ich freue mich auf's kommende Jahr und werde, sofern keine höheren Mächte eingreifen, mich endlich an die Arbeit zu meinem ersten Spielfilm machen können. Es wird aufregend.

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Man muß Ziele im Leben haben. Große Ziele, kleine Ziele, unwichtige Ziele und phantastische Ziele: Völlig egal. Man könnte sich vornehmen, noch in diesem Leben mit den Stieren in Pamplona um die Wette zu rennen, oder vielleicht auch eine Zeitmaschine zu bauen (die bodenständig gewordene Verena R. arbeitet laut ihrem StudiVZ-Profil längst daran), oder man strebt an, sämtliche Teenie-Filme der Achtziger Jahre zu sehen. Zu letzterem Zwecke – natürlich nicht die einzige Herausforderung, der ich mich in diesem einen Dasein, das ich habe, stelle – muß man freilich auch den eher obskuren BEACH HOUSE mindestens zweimal sehen, und das vielleicht auch nur, weil es ja sonst keiner tut. Ein Obolus für den Spendenfond "vergessene, unbeachtet in der Ecke herumliegende Filme, die gelegentlich weinen" ist natürlich stets gerne gesehen und kann nach Anfrage auf ein Bankkonto überwiesen werden, das sich mit meinem privaten nur aus universellem Zufall heraus deckt.

Die IMDB verzeichnet immerhin fünf Nutzerkommentare für diesen schönen Film, und einer davon stammt vom Sohn des Autors und Produzenten Marino Amoruso, der mit nüchterner Feder verkündet, welch stolze Arbeit sein Papa da geleistet hat. Warum schreiben meine Kinder nie so etwas? Ach ja: Ich habe ja gar keine. Aber nehmen wir mal an, dass ich welche hätte, und dann nehmen wir in Fortführung des Gedankens ebenso an, dass ich einen Film wie BEACH HOUSE als Produzent und Autor geschaffen hätte: Ich würde es vor den Kindern geheim halten. Die würden sonst nur am Gymnasium von halbstarken Brauereihauserben verspottet werden.

Der Titel BEACH HOUSE fasst übrigens beinahe ausschöpfend zusammen, worum es in dem Film geht – wenn noch die zwei Gruppen von Teenagern, die in diesem Strandhaus wohnen, namentlich integriert wären, könnte man sich das Ansehen des Films glatt schenken (beinahe so wie bei diesem Brad-Pitt-Neowestern, bei dem ja schon auf der Eintrittskarte steht, wie der Film ausgeht!). Ja, also, tralala, das war’s dann nämlich auch eigentlich schon. Die hängen da die ganze Zeit herum, trinken viel, reden nur Blech und prügeln sich dann auch manchmal ein wenig. Also genau die Art von Film, die von Klappentextern entweder mit Worten wie „endloser Spaß“ und „Lachen bis zum Umfallen“ belegt wird, oder aber als Sozialstudie in filmisch unerschlossenen Milieus verkauft wird. Wahr ist von beiden Behauptungen natürlich nichts, aber das überrascht den erfahrenen Klappentextleser ja ohnehin nicht. Da übersetzt man „weglachen“ mit der Souveränität eines jahrelangen Profis schon im Kopf mit „wegsehen“.

Die Cast des ereignislosen Teenie-Schmonses besteht übrigens größtenteils aus Amateuren, die abgesehen von BEACH HOUSE nie andere Filme gemacht haben. Wer über mögliche Gründe dafür spekulieren möchte, sei herzlich eingeladen, sich den Film vor der Aburteilung genauestens anzusehen. Genaugenommen ist es schwer, die einzelnen Figuren auseinanderzuhalten, weil sie alle nichts Besonderes reden oder tun und eigentlich auch keine nennenswerten Probleme haben, aber irgendwo walzt dauernd ein Mensch mit Sonnenbrille durch, der wie der grobschlächtige Zwillingsbruder von Philip Seymour Hoffman aussieht (und mit seinem zurückwandernden Haaransatz Zweifel daran aufkommen lässt, ob er wirklich erst 18 ist). Dauernd spielt eine Anfänger-Punkband Ramones-ähnliche Songs, die, um den – hüstel – Spaß dann auch auf ganz knappe Spielfilmlänge zu hieven, mitunter in voller Länge ausgespielt werden. Die Frauen im Ensemble laufen gerne im Bikini herum, was wir natürlich keinesfalls als Kritikpunkt verstanden haben möchten – außer natürlich bei Filmen, bei denen das Interessanteste, was irgendjemand zu irgendeinem Zeitpunkt tut, das Tragen eines Bikinis ist.

Um meinen Worten ein wenig Nachdruck zu verleihen – manchmal glauben mir die Leute das alles ja nicht! – darf ich noch einmal darauf hinweisen, dass wirklich rein gar nichts passiert in diesem Film. Und so sehr mich der Plot und die vermeintliche Notwendigkeit eines solchen bei so vielen Filmen immer mehr langweilt, so stark drängt sich doch hier der Wunsch nach wenigstens einer zarten Spur von einem itze-bitze-winzigkleinen Quentchen von einem Hauch von Handlung auf. Ganz unmotiviert kommt ganz zum Schluß ein schleimiger Mensch mit merkwürdiger Sonnenbrille auf die Bühne, der dann die ansehnlichste Frau aus der Gruppe – im wirklichen Leben die spätere Ehefrau und dann Ex-Ehefrau von George Romero! – vergewaltigen möchte, aber dann von ein paar Buschen zusammengeschlagen wird. Huch, wie dramatisch. Danach wird wieder gesoffen und gerockt.

Und so sind wir unserem Ziel, sämtliche Teenie-Filme der Achtziger Jahre zu sehen, wieder ein Stückchen näher gekommen. Der Abend war sozusagen ein voller Erfolg. Rein spaßeshalber könnte ich jetzt eine Petition ins Leben rufen, damit dieser Film endlich auf DVD veröffentlicht wird. Am besten mit Audiokommentar von Philip Seymour Hoffman.
 




Beach House (USA 1981)
Regie: John Gallagher
Drehbuch: Marino Amoruso, John Gallagher
Darsteller: Ileana Seidel, John Cosola, Kathy McNeil, Richard Duggan, Paul Anderson, Spence Waugh, Adam Roth, Dana Nathan
Länge: 76 Minuten
 
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Das vierte Album von Avenged Sevenfold fällt ein wenig auseinander.

Ihr letztes Album - CITY OF EVIL aus dem Jahre 2005 - resultierte für Avenged Sevenfold in Preisen, Ruhm und Umsätzen. Einige Fans der ersten Stunde waren seinerzeit gar nicht glücklich, wo sich das ambitionierte Metalepos doch klanglich sehr von den härteren und aggressiveren Vorgängern unterschied - aber umso mehr sprang die übrige Hörerschaft auf das energiegeladene Werk an, das irgendwo (bedeutet: Autor ist zu bequem, die korrekte Quelle zu recherchieren) als "das beste Iron-Maiden-Album seit PIECE OF MIND" bezeichnet wurde. Mit so viel Aufmerksamkeit liegt natürlich ein gewisser Druck auf der Band, einen entsprechend großen Nachfolger zu produzieren, und die Band reagierte, indem sie sich ohne Produzenten im Studio einfand und so viel mit verschiedenen Ideen und Stilen herumspielte, daß das Ergebnis - ein selbstbetiteltes, also quasi die Band definierendes Album! - mit fortlaufender Spielzeit immer zerfahrener klingt.

Dabei beginnt ja alles sehr ansprechend. Die ersten drei Songs schnurren mit blitzschnellen Gitarrenläufen und feinen Hooks aus den Boxen; Frontmann M. Shadows, dem zuletzt die Stimmbänder operiert werden mußten, merkt man das Training unter einem Vocal Coach deutlich an: Seine schnarrende Stimme sitzt, klingt müheloser als auf dem Vorgänger, beweglicher. Und dann zeigt sich nach und nach das, was man gemeinhin als Studiokoller bezeichnet: Die Band setzt in jedem Song ein neues Gimmick ein und packt einfach alles in die Tracks, was ihnen eingefallen ist. Vier der Songs haben ein Streichorchester, bei "Gunslinger" ertönen Westerngitarren, auf "Unbound" singt tatsächlich ein Kinderchor, und über den Refrain von "Lost" haben die Jungs einen Cher-ähnlichen Vocoder geklebt. Es gibt epische Balladen ("Dear God") und eine Tom-Waits-inspirierte (bzw., im größeren Bild gesehen, Kurt-Weill-angelehnte), mit Bläsersätzen instrumentierte Nummer ("A Little Piece of Heaven").

Je länger man also zuhört, desto mehr Ideen werden in den Topf geworfen - prinzipiell ja eine lobenswerte Angelegenheit, wenn eine Band experimentiert und versucht, ihr musikalisches Vokabular zu erweitern. Aber irgendwann wird dann klar, daß der rote Faden einfach nicht mehr kommen wird, daß sich die einzelnen Teile nicht mehr zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen werden. Dazu wäre eben auch ein Produzent hilfreich gewesen, der die ganzen Ansätze bündelt und mit nüchternem Blick dafür hätte sorgen können, daß nicht jeder Gedanke auch gleich untergebracht werden mußte.

Natürlich liest sich das problematischer, als das Album in Wirklichkeit ist - für sich genommen sind die Songs fein. Gelegentlich ein wenig zu sehr gewollt episch, zu wenig ausgeführt packend vielleicht, aber insgesamt durchaus ansprechend. Es passiert genug auf dem Album, daß man es mehrfach hören und immer wieder interessante Aspekte dabei entdecken kann. Nur als Gesamtwerk genommen fällt die Angelegenheit etwas zu kunterbunt aus. Das ist nicht unbedingt tragisch: Manchmal kann ein Album ja auch einfach nur Spaß machen.




Dieser Text erschien zuerst am 20.12.07 bei Fritz!/Salzburger Nachrichten.

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Gelegentlich stellt sich jeder Filmemacher wohl Fragen vom Typ "Warum eigentlich nicht". So ging es wohl auch Jonathan Hensleigh, Autor und Regisseur der Comicverfilmung THE PUNISHER, und Gale Anne Hurd, die als Produzentin immerhin THE TERMINATOR neben allerlei Unfug auf dem CV stehen hat: Warum eigentlich nicht mal einen total billigen, schnellen Low-Budget-Film drehen? Warum eigentlich nicht mal wieder einen Kannibalenfilm wie damals machen? Warum eigentlich nicht auch mal ohne durchdachtes Drehbuch, erfahrene Schauspieler und kreative Inspiration arbeiten? Warum eigentlich nicht mal ein völlig banales Rip-Off von CANNIBAL HOLOCAUST und THE BLAIR WITCH PROJECT drehen (wo letzterer ja ohnehin den Ansatz des ersteren weiterspinnt)? Ja, warum eigentlich nicht? Hensleigh und Hurd scheinen keine einleuchtenden Gründe eingefallen zu sein, weshalb jetzt ein reichlich müdes Exemplar des hier schon des öfteren ausgeweideten (Bonuspunkte für subtilen Sprachwitz!) Themas vorliegt: CANNIBALS, oder im Original WELCOME TO THE JUNGLE.

Nun waren die beiden genannten Vorbilder ja durchaus ambitionierte Vorhaben: CANNIBAL HOLOCAUST entstand als empörte Reaktion auf das von der Roten Brigade und den politischen Unruhen gezeichnete Italien und die drastische mediale Aufarbeitung des Geschehens; die zweite Filmhälfte dieses wohl einzig intelligenten Beitrags zum Kannibalenfilmsubgenre bestand aus in der ersten Handlungshälfte gefundenem Dokumentarfilmmaterial, das das weitere Geschehen aus Sicht eines Filmteams wiedergab. THE BLAIR WITCH PROJECT war weniger politisch motiviert, spann aber den Gedanken des pseudodokumentarischen Ansatzes so weit, daß der komplette Film nicht nur in diesem Stil inszeniert war, sondern auch als tatsächliche "Dokumentation" verkauft wurde und – was rückblickend betrachtet eher merkwürdig anmutet – mancherorts auch tatsächlich als solche aufgefaßt wurde (immerhin listete die IMDB die mitwirkenden Schauspieler seinerzeit als verstorben!).

CANNIBALS marschiert nun dieses Terrain ohne weitere Besonderheiten ab: Eine Gruppe von vier Leuten – zwei Frauen, zwei Männer – stolpert in Neu Guinea über die Legende des 1961 verschwundenen Michael Rockefeller, der angeblich immer wieder irgendwo gesichtet wird, und für dessen Auffinden eine hohe Belohnung ausgeschrieben wurde. Der komplette Film ist aus Sicht zweier mitgebrachter Kameras erzählt, mit denen die Gruppe ihre Reise festhält. Irgendwann landen die vier im Dschungel, und dann fallen sie den Kannibalen in die Hände (und Mägen). Wenn ich die Story detaillierter wiedergeben würde, wäre sie dadurch nicht spannender und nicht inspirierter.

Die erste Stunde ist dabei ein recht freudloses Unterfangen, und die Banalität des gezeigten Materials läßt viel Raum für eigene Überlegungen über die Plausibilität der Handlung. Da hocken also ein paar Leute herum, die sich tatsächlich einbilden, daß sie zu viert ohne Karte den seit Jahrzehnten verschwundenen Rockefeller aufstöbern können, was 46 Jahre lang in großangelegten Suchaktionen bislang ohne Erfolg blieb. Es hilft ja nicht gerade, daß die vier Protagonisten sich kaum kennen – nur die beiden Frauen kennen sich von früher, haben einander aber seit 7 Jahren nicht gesehen – und die Landessprache nicht sprechen: Schlechte Voraussetzungen für eine lebensgefährliche Expedition in das Gebiet von Menschenfressern.

Zwei der vier entpuppen sich unterwegs als Spaßtouristen, für die das Abenteuer im Dschungel größtenteils Anlaß zu Alkoholkonsum und Herumblödelei darstellt. Als sie eine Grabstätte des im Dschungel lebenden Kannibalenstamms finden, nimmt einer der Burschen auch prompt einen Totenschädel mit, um ihn später auf eBay verkaufen zu können. Weil sich die anderen beiden Mitglieder der Truppe als moralisierende Spaßbremsen zeigen, trennen sich ihre Wege, und nachdem dann der Grabräuber ein wenig zur "Selbstverteidigung" in einen aufgebrachten Eingeborenenstamm geschossen hat, wundert er sich, warum er und seine Freundin urplötzlich zur Hauptmahlzeit auserkoren werden. Die beiden Zurückgelassenen versuchen, sich bis zum Ozean durchzuschlagen und in Sicherheit zu bringen – Merke: Flüsse in Dschungeln führen meistens in Richtung Ozean, Trampelpfade im Dickicht mitunter nicht – und stehen dann irgendwann auf einer Anhöhe, von der aus sie den Ozean sehen. Was sie leider nicht sehen, ist das Kannibalendorf, das direkt zwischen ihnen und dem Meer liegt – falls die Kannibalen gerne Hirn essen, dürften sie bei diesen vier Gesellen eher hungrig bleiben.

Nun waren ja auch die zahlreichen Kannibalenklassiker von Lenzi und seinen Brüdern im Geiste mitunter schwer dämlich – das hat man nur immer erst hinterher gemerkt, weil davor Blut, Gedärme und Grausamkeiten in drastischen Mengen über die Leinwand kippten. Will heißen: Möglicherweise ist das Hauptverkaufsargument für Kannibalenfilme weniger die stringente Handlung, sondern eher die Anhäufung von detailliert dargestellten Grobheiten. Da CANNIBALS allerdings auch in dieser Hinsicht recht sparsam ausfällt – bitte jetzt im Lexikon das Wort "Euphemismus" nachschlagen – bleibt die Frage, was nun der eigentliche "Zieher" der Films sein soll, unbeantwortet. Ach so, es gibt überhaupt keinen? Naja, warum eigentlich nicht auch mal einen Film machen, den sich kein Mensch anzuschauen braucht.





Cannibals - Welcome to the Jungle (USA 2007)
Originaltitel: Welcome to the Jungle
Regie: Jonathan Hensleigh
Produktion: Bauer Martinez / Valhalla Entertainment
Darsteller: Sandi Gardiner, Callard Harris, Nickolas Richey, Veronica Sywak
Länge: 88 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe


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Da sind wir nun schon wieder am Ende angelangt. Mit einer Planänderung, versteht sich: Der für diesen Teil der Ingrid-Steeger-Retrospektive angekündigte Gastauftritt der Kollegin Mikolajek, die sich - ihre Reputation laut lachend auf's Spiel setzenderweise! - mit DIE SEX-ABENTEUER DER DREI MUSKETIERE auseinandergesetzt hat, wird kurzerhand nach hinten verschoben, da sich die Worte dort noch nicht zu vollständig veröffentlichungswürdigen Sätzen geformt haben. So oder so ist es damit dann Schluß mit der vergnüglichen Filmbeschau, und wir nehmen leise Abschied. Wir sollten uns dabei, so schön es auch war, vor allem davor hüten, allzu sentimental zu werden.

Nun denn: Betrachten wir also nüchternen Auges den Streifen DIE BETT-HOSTESSEN, der mit beinahe jedem beliebigen Absatz aus den vorangegangenen Steeger-Rezensionen gleichermaßen treffend beschrieben werden könnte. Diesmal geht es um einen Schweitzerdeutsch trällernden Fensterputzer, der bei der Firma Elite-Film ins Büro klettert und sich dort als Inspirationsquelle für neue Drehbücher anheuern läßt: Er hat nämlich sehr viele Sexgeschichten auf Lager, die der eifrige Produktionschef geradezu salivierend in eine Kladde notiert.

Und so sehen wir wieder mal diverse Episödchen munter aneinandergereiht: In einer schaut der Fensterputzer einer dunkelhäutigen Frau beim Baden zu, bis sie ihn am Fenster bemerkt. Dann tut sie exakt das, was jede Frau in dieser Lage machen würde: Sie winkt ihn herein und legt sich wartend auf's Bett. Dummerweise kommt in diesem Moment ein Herr vom Pfändungsamt vorbei, der sich etwaige Wertgegenstände unter den Nagel reißen will, aber die nette Frau macht eine für ihren Beruf typische Handbewegung - Herr Lemke, ist sie vielleicht Go-Go-Tänzerin? - und dann zieht sich der Beamte auch schon aus. Wie schön: Neben der nackten Frau steht jetzt noch ein nackter älterer Herr mit viel Übergewicht.

Bevor wir uns jetzt schwungvoll wieder den einzelnen - räusper - Handlungssträngen widmen, betrachten wir den Spaß doch einmal kurz als Ganzes und greifen die Anregung eines Kollegen auf, der bei den bisherigen Steeger-Begutachtungen stets genaue Beschreibungen der einzelnen Positionen vermißt hat, in denen sich die penetrant unbekleideten Darsteller abmühen. Eine grobe Fahrlässigkeit meinerseits! Es sei nun also festgehalten, daß beinahe alle Begegnungen in DIE BETT-HOSTESSEN in der Missionarsstellung stattfinden, was zur Folge hat, daß man meistens den haarigen Hintern des Mannes in Richtung Kamera glänzen sieht.

Das heißt natürlich nicht, daß zu wenig nackte Frauen zu sehen sind. Das komplette Gegenteil ist der Fall: Die sind einfach dauernd nackt! Die ziehen sich überhaupt gar nie an! Die verlieren ihre Klamotten schneller als Britney ihre Unterwäsche! Ganz ehrlich: Nach acht Teilen Steeger-Retrospektive kann man keine nackten Frauen mehr sehen.

Nun mühen wir uns also geschmeidige 76 Minuten lang mit den kleinen Geschichtchen ab, die freilich an Banalität selten zu überbieten sind. Da freuen wir uns doch über den Anflug von Ehrlichkeit, mit dem der Fensterputzer zu Beginn erklärt: "Der Weg vom Depp zum Filmautor ist gar nicht so weit, wie Sie glauben". Wissenschaftliche Abhandlungen über Metaebenen in Ingrid-Steeger-Filmen bitte durch die Nachtklappe einreichen.

Da sehen wir nun also eine blonde Frau eine halbe Fußballmannschaft in einer Waldhüttenorgie bei Laune halten - samt schwer metaphorischem Einsatz einer Schlange. Selbige Frau nimmt sich dann noch einen älteren Herren auf einer Jacht zur Brust; der setzt sie aus Dankbarkeit dann auf einer Insel aus. Eine Hostesse kümmert sich rührend um einen Radfahrer beim Sechs-Tage-Rennen. Zwei Frauen machen es sich auf einer Matratze ein wenig gemütlich, und die Sequenz wäre tatsächlich richtig erotisch, wenn nicht ein daneben sitzender Kerl in regelmäßigen Abständen Dümmlichkeiten von sich geben würde. Und dann ist da noch die Frau, die bei einer Agentur hereinspaziert und Model-Bindestrich-Schauspielerin werden will. "Aber ich will's mit dem Talent schaffen!", erklärt sie, und der nette Agent sagt: "Das haben Sie nicht nötig".

So, und jetzt ist Schluß mit lustig. Man soll ja dann aufhören, wenn's am schönsten ist - oder, wenn der Zeitpunkt schon vorbei ist, dann einfach acht Steeger-Rezensionen später. Zücken wir also in einem kurzen Anflug von Ergriffenheit ein Taschentuch, mit dem wir in diesem emotionalen Moment durch die Luft winken. Eine Träne wird im Knopfloch sichtbar, und irgendwo auf der Welt fallen sich zwei Menschen tröstenderweise in die Arme. Und natürlich ist jedes Ende, auch ein so trauriges wie das dieser Textreihe, gleichzeitig auch ein neuer Anfang: Die nächste Retrospektive kommt bestimmt. Steeger und Genzel danken für die Aufmerksamkeit und verabschieden sich. Und nicht vergessen: Abschalten!






Die Bett-Hostessen (Schweiz 1973)
Regie: "Michael Thomas" (= Erwin C. Dietrich)
Drehbuch: "Manfred Gregor" (= Erwin C. Dietrich)
Musik: Walter Baumgartner
Darsteller: Ingrid Steeger, Christa Free, Karin Hoffmann, Rena Bergen
Länge: 76 Minuten
FSK: 16



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Weihnachten, wie Alfred Dorfer einmal so schön erklärt hat, ist die Zeit, in der völlig normale und intelligente Menschen urplötzlich in den Irrsinn abdriften. Aufgebrachte Menschenmassen schieben sich durch die mit Abermillionen Lämpchen behangenen und mit George Michael dauerbeschallten Einkaufszentren, um unnützen Schwachsinn für Menschen zu kaufen, denen sie zu anderen Jahreszeiten die Haustür nur von außen zeigen. Sämtliche Medien der Welt verfallen in den Irrglauben, daß es ab Anfang November kein dringlicheres Thema mehr gibt als Geschenktips für Mann, Frau, Kind und Hamster, und selbst auf sparsam frequentierten Webseiten versuchen gebremst intellektuelle Zyniker mit ihrem schönsten Doktor-Best-Lächeln, Feststimmung unter das gestreßte Volk zu streuen. Auch dieses Jahr fällt Weihnachten wieder auf den 24. Dezember - was praktisch ist, weil die Tage zum Fest somit akkurat auf die Anzahl von Türchen in einem Adventskalender passen - und wenn dann endlich der Geburtstag des Weihnachtsmannes gefeiert werden konnte, ist die hernach eintretende Entspannung bis zum nächsten Septemberanfang und der damit verbundenen Mahnmalaufstellung per Supermarktlebkuchen wahrhaftig verdient.

Nach diesen schönen einleitenden Worten wollen wir nun - denn damit beschäftigen wir uns ja primär auf dieser Website: An erster Stelle stehen die Filmkritiken und erst an zweiter Stelle die Beschwörung des Weihnachtsgeistes! - auf einen Weihnachtsfilm hinleiten, der Titel und Verpackung nach zu urteilen hervorragend zum Fest der Liebe paßt: DIE TOCHTER VOM WEIHNACHTSMANN. Sind Weihnachtspornos eigentlich schon ein von den Videotheken anerkanntes Subgenre? Stehen in der "Nur ab 18 und mit im Mantel verstecktem Gesicht zu betreten"-Abteilung vielleicht mit Lametta behangene, ähem, Ständer mit einschlägigem Material? Eine schöne Vorstellung eigentlich, wie der Manager der Videothek den jungen Praktikanten mit den Worten "Wir brauchen noch einen Weihnachtsständer" in die Pornoecke schickt. Aber wir schweifen ab.

Fassen wir doch die Handlung kurz zusammen: Die schöne Freundin von Maurizio stirbt bei einem Autounfall, er wird zum Alkoholiker und landet in der Gosse. Dann erscheint ihm ein Engel im Weihnachtskostüm, der exakt so aussieht wie seine Freundin, und zeigt ihm irgendwelche festlichen Besteigungen von wildfremden Menschen, um in ihm wieder die Lust auf das Leben zu wecken (beziehungsweise auf sexuelle Aktivitäten, die ja aber freilich eng mit dem Leben verknüpft sind und in Genrefilmen unbesorgt mit dem Leben gleichgesetzt werden können). Meine Rekapitulation in diesem Absatz fällt übrigens geringfügig detaillierter aus als die tatsächliche Handlung im Film, die mit der erzählerischen Ausführlichkeit einer Kleinanzeige abgehakt wird.

Es drängt sich schon zu Beginn der Verdacht auf, daß das Weihnachtsthema eine eher untergeordnete Rolle spielt: Maurizio liegt an seinem Pool und erfreut sich im Voice-Over des Lebens, während seine Freundin durch den Pool paddelt und auf Kommando mit ihm im Schlafzimmer verschwindet, wo sie - zu unweihnachtlicher Musik irgendwo zwischen Chill-Out-Club und Super-Mario-Bonusrunde - immerhin einen Teilaspekt des Festes der Liebe beleuchten. Ich persönlich liege ja zu Weihnachten eher selten am Pool, aber eventuell spielt der Film ja in einer dieser Gegenden, wo es auch im Dezember warm ist: Los Angeles zum Beispiel, oder im Kongo.

Na gut. Direkt nach dem Abtröpfeln informiert uns Maurizio im Voice-Over über den oben erläuterten Fortlauf der Geschichte, und dann liegt er alkoholisiert in irgendeiner Gosse und der Weihnachtsengel erscheint ihm. "Du darfst dich nicht so gehen lassen, du brauchst wieder andere Frauen", ermuntert ihn der Engel und führt ihn von Tür zu Tür, wo Maurizio dann verschiedene Sexszenen mitansehen darf. Daß sich die erste dieser Sequenzen in Schwarzweiß abspielt, ist höchstwahrscheinlich als künstlerische Entscheidung seitens der Filmemacher zu werten: Die Begegnung zweier Frauen unter Zuhilfenahme von Früchten, Joghurt und einem Schuh offenbart hier Details, die in den anderen großen Schwarzweiß-Filmen der vergangenen Jahrzehnte (MANHATTAN, GOOD NIGHT AND GOOD LUCK und natürlich SCHINDLERS LISTE) unbehandelt blieben.

Sehr schön ist auch die Sequenz, in der sich ein zerknittert aussehender älterer Herr mit drei jungen Damen vergnügt - hier werden nämlich die Schwierigkeiten der Reizüberflutung thematisiert. Der Mann zeigt sich hierbei höflich: Er reiht die drei Damen nebeneinander auf, springt von einer zur anderen und erspart ihnen allen somit den Streß, sich beständig aktiv dem darwinistischen Kampf um eine Stellung an der Pole Position (je später der Abend, desto komplexer die Kalauer) zu unterwerfen. Weil die thematische Tiefe des Vorgangs in dieser Sequenz noch nicht hinreichend ausgelotet wurde, folgt sogleich ein weiterer Part mit demselben Herren und zwei weiteren seiner Lieblingsfreundinnen. Es folgt ein Twist zum Schluß, den ich in meiner Rezensentenehre natürlich nie verraten könnte - wie da ein Happy End mit ominöser Vorahnung kombiniert eingesetzt wird! Raffiniert!

Mehrfach wurde ich bereits von einem Kollegen darauf angesprochen, daß in meinen Kritiken zu einschlägigen Naturfilmen eher selten auf die zu begutachtenden Stellungen eingegangen wird (zur Verteidigung darf ich meine auch in dieser Hinsicht ausführliche Auseinandersetzung mit PORNO HOLOCAUST anführen). Daß ich auch hier auf eine detailliertere Beschreibung der Vorgänge verzichte, liegt natürlich daran, daß hier auch anständige Damen anwesend sind und zulesen: Denen gegenüber sollte man die entsprechenden Aktivitäten nur dann anschaulich nachskizzieren, wenn sie selber schon an einer gemeinsamen Ausführung interessiert sind. Begnügen wir uns mit der Feststellung, daß der Film minimal weniger akrobatisch-sportlich orientiert ausfällt wie vergleichbare Produkte.

Aber vergessen wir doch über den ganzen nüchternen Betrachtungen nicht das Wesentliche: Den Weihnachtsgehalt des Films. Schon oben wurde erläutert, daß das Festthema eine eher sekundäre Rolle spielt - genaugenommen weist außer dem roten Weihnachtskostüm des erscheinenden Engels rein gar nichts auf eine Verbindung mit dem Fest der Liebe hin. Nicht einmal der Weihnachtsmann selber tritt auf! Trotz bislang fehlender Vergleichsmöglichkeiten ist DIE TOCHTER VOM WEIHNACHTSMANN (man beachte übrigens die Umschiffung des ohnehin aussterbenden Genitivs) ein sehr enttäuschendes Exemplar der Kategorie "Weihnachtsporno". Was wäre da nicht alles möglich gewesen! Lauter lustige Elfen, die sich frohlockend mit Geschenkbändern einschnüren! Und mitten drin die Tochter von Santa Claus, die sich guten Herzens der unartigen Jungs annimmt, während im Hintergrund friedlich die Rentiere äsen! Unterm Weihnachtsbaum packen neugierige Menschen interessantes Spielzeug aus! Und der olle Weihnachtsmann selber könnte vor dem Kaminfeuer freche Mädchen über 18 auf seinem Schoß sitzen lassen. Die Möglichkeiten sind quasi unbegrenzt und werden doch nicht ausgelotet! Thesenansätze zur Erörterung der Frage "Warum haben Pornoautoren so wenig Phantasie?" bitte an die Redaktion der Brigitte senden.

Wir sehen: Auch Pornoproduzenten feiern Weihnachten. Fast so wie wir, nur nicht so schön. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!



Die Tochter vom Weihnachtsmann (Frankreich 2003)
Originaltitel: Une pute pour Noël
Regie: Nicky Ranieri
Drehbuch: Nicky Ranieri
Produktion: Marc Dorcel Production
Darsteller: Bambola, Katsumi

Dieser Text erschien zuerst am 17.12.2007 bei mannbeisstfilm.de.


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TURTLES, released in 2007 by German jazz label Enja, was actually recorded live in 1968, at The Domicile, a jazz club in Munich. The band, led by German saxophonist Olaf Kübler, features pianist Jan Hammer, bassist George Mraz, and drummer Cees See -- Hammer and Mraz had just fled from Czechoslovakia and lived at the Domicile, becoming part of the club's house band together with Kübler and See for three months, during which time they played almost every night. What makes this archival release interesting is that it was recorded before the musicians went on to do what they became famous for: the performance took place before Kübler became the manager of underground band Amon Düül and played with the Police, Udo Lindenberg, and Eberhard Schoener; it took place before Jan Hammer became the keyboard wizard in John McLaughlin's Mahavishnu Orchestra and composed the MIAMI VICE theme; and it took place before Mraz played with Oscar Petersen and became one of the most highly regarded jazz bassists. In 1968, this band simply consisted of four newcomers who performed an entertaining jazz set. The group's musicianship is excellent: Hammer is an empathetic accompanist and delivers an intense solo on "Blues for Jiri," Mraz gets several fine solo spots, and Kübler swings effortlessly with his Turrentine-influenced tenor sound. The set mostly sticks to an earthy hard bop style, with several compositions by the group members (Mraz's title tune is especially catchy) mixed with covers (the standard "Stella by Starlight," Turrentine's "Let It Go"), but there are also excursions into bossa nova (Hammer's "Solamente") and free jazz (Kübler's "Cork Screw") -- both popular currents in late-'60s jazz. On two soul-jazz numbers, Hammer switches to Hammond organ, and Michael Dennert replaces See. To make this set even better, the sound quality is excellent -- not only for an almost 40-year-old archival recording. There is nothing earth-shatteringly original to be heard here, and the musicians were still forming their own distinctive voices, but this album is both an interesting look at an early stage in these musicians' careers, and a thoroughly enjoyable recording with excellent performances. It makes you wonder what other gems Kübler's and The Domicile's archives might hold.




This review was written for the All-Music Guide on December 4, 2007.

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Dave Wyndorf meldet sich nach Tablettenüberdosis zurück.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn ich in der Presseinfo lese, die Songs auf diesem Album repräsentieren "einen glücklichen und gesunden Wyndorf, der bereit ist zu rocken", dann stelle ich mir so ein kleines, halbmetergroßes Haustier vor, das dann mit dicker Duracell-Batterie auf Knopfdruck headbangt. Wie niedlich! Guck mal, wie glücklich er dabei ist! Ja schon, aber hauptsache gesund.

Ich weiß: Die meinen eigentlich etwas anderes. Dave Wyndorf, von Marilyn Manson zum Rockgott erträumter Frontmann der Spacerock-Band Monster Magnet und mittlerweile ihr einziges Gründungsmitglied, erlitt 2006 auf Tournee eine Überdosis Tabletten und stürzte damit gewaltig ab. Nach geraumer Zeit des Kräftesammelns meldet sich Wyndorf - jawohl, glücklich und gesund - wieder zurück und erzählt in Interviews, daß sich jetzt viel geändert hat und er auch sein kreatives Schaffen in andere Bahnen lenken will. Sicherlich meint er damit die Zeit nach seinem neuen Album: Denn das klingt exakt so, wie man das von den Monstermagneten kennt.

Sicher, der Sound ist wieder etwas dreckiger - die Gitarren knistern wie beim Garagenrock, Wyndorfs Stimme ist verzerrt, die meisten Songs scheppern aus den Boxen. Aber drumherum muß man sich an keine neue Tapete gewöhnen: Da wird schnörkellos aufs Gaspedal gedrückt ("You're Alive", "Wall of Fire"), die psychedelische Intensität wird wieder geschürt ("Cyclone", das obskure Rolling-Stones-Cover "2000 Lightyears from Home"), und Wyndorf croont sich durch fette Rocksongs, die nach ordentlichem Schweiß klingen ("Slap in the Face").

Die Band ist dabei in durchweg guter Form, Wyndorf selbst merkt man seine 50 Kerzen auf der Geburtstagstorte auch nicht an. Richtig Tiefgang ist nirgendwo zu verzeichnen, auch wenn sich der Schlußsong "Little Bag of Gloom" introspektiv darum bemüht - 4-WAY DIABLO rockt einfach nur nach vorn, dröhnt seine Energie raus, macht Spaß. Die Monster-Magnet-Liebhaber sind sicher gern wieder mit dabei. Für alle anderen gilt: Hauptsache gesund.





Dieser Text erschien zuerst am 3.12.07 bei Fritz!/Salzburger Nachrichten.

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Mick Harris' Scorn project has come a long way. From its first incarnation in 1992 as an industrial noise metal band on VAE SOLIS, recorded with the original Napalm Death lineup, to its more trance-inspired dub rock of COLOSSUS and EVANESCENCE, to the illbient aesthetic of the albums that followed Nick Bullen's exit from the group, Harris -- now the sole member of this "group" -- has been continually striving to move closer towards the core of Scorn's sound. Over the course of all these releases, he has distilled his music further and further, arriving at a style that is entirely his own: no one else crafts such minimalistic, menacing, claustrophobia-ridden soundscapes as Mick Harris, but the sparse precision and carefully crafted perfection of his music is also a thing of still and absolute beauty. Of course, there are traces of all different kinds of electronica -- the mechanical coldness of industrial, the deep, monolithic bass of dub, the ghostly synth washes of ambient, and the percussive focus of drum'n'bass -- but as a whole, Scorn is a category of its own.

STEALTH, Harris' first Scorn album after several years of hiatus, is a seamless continuation of its predecessors -- be it the nightmarish "Stripped Back Hinge," the subdued crawl of "Running Rig," or the stumbling terror of "Snag," the album is another fascinating, relentless display of Harris' artistry. There isn't much happening on the individual tracks once their basic elements have been introduced, but Harris lets the music breathe and gives its ambiance time to unfold. In a way, Harris may have painted himself into a corner with Scorn's evolution towards this stripped-down style of composition, as it is difficult to imagine where the music will lead to, except for even darker and even more unforgiving tracks, but as long as he can produce sounds that are so impressively unique, there will always be room for a new Scorn record.




This review was written for the All-Music Guide on December 3, 2007.

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