Juni 2007

Manchmal meldet sich ein merkwürdiges Rumoren in der Magengegend. Liegt es daran, dass ich zu wenig gefrühstückt habe? Habe ich vielleicht beim Dauerfilmkonsum das Essen mal wieder komplett vergessen? Falsch: Es ist die Rezensentenpflicht, die sich lautstark zu Wort meldet. Das ist dieses komische Gefühl, das einen beschleicht, wenn man etwas ganz Absonderliches gesehen hat und einem dann ein Stimmchen zuflüstert, man sollte doch darüber schreiben. Nachdem ich mich nun gestern abend in den tiefsten Keller des schlechten Geschmacks hinabbegeben habe und dort den klebrigsten Bodensatz mit staunendem Unglauben begutachtet habe, rumort nun die Pflicht. Obwohl man eigentlich nur den Titel des Films hinschreiben müsste, um eine Ahnung der filmischen Abgründe zu vermitteln, die sich da aufgetan haben: SS CAMP 5: WOMEN’S HELL heißt der miefige Streifen, den Sergio Garrone 1977 zusammen mit einem ähnlich konzipierten Film namens SS EXPERIMENT LOVE CAMP inszenierte. Fröhlich hereinspaziert, es gibt Nazis, Konzentrationslager, Menschenexperimente, nackte Frauen und Folter. Wer würde das verpassen wollen? "Oje", meint der aufrechte Kollege Schwarz auf meinen Hinweis, dass ich mir den Film angesehen habe, gefolgt von einem weiteren Wort: "Rezension?" Wie schön: Meine Rezensentenpflicht ermahnt mich sogar schon extern.

Wir sind Helden und ihr drittes Album: Eine durchweg belanglose Angelegenheit.

"Endlich ein Grund zur Panik!" ruft uns die erste Single des dritten Wir-sind-Helden-Albums entgegen, aber ganz ehrlich: Die CD ist nicht mal Grund zur leisen Aufregung. Schon das zweite Werk der einstigen Neuen Deutschen Hoffnungsträger watete abseits von einer Handvoll Highlights schon meterweit in die Belanglosigkeit hinein. "Es ist überraschend, wie schnell etwas verfliegen kann, was mal richtig gut war", schrieb ich seinerzeit in meiner Rezension, und der Eindruck kann stehenbleiben: "Soundso" ist fast durchweg banal.

Das ist umso enttäuschender, da die Helden ja prinzipiell sehr sympathische, talentierte und hochintelligente Menschen sind. Was haben sie sich nicht alles überlegt zu ihren Songs! In Interviews geben sie scharfsinnige Beobachtungen zu Protokoll, hinterfragen vieles und sind spannende Gesprächspartner. Wie schade, daß nichts davon in der Musik gelandet ist - einer musikalisch belanglosen, inhaltlich flachen Melange, neben der man wunderbar staubsaugen oder an die Ostsee fahren kann. Irgendwann werden die Helden zu Campino: Clevere Talkshowgäste, deren Ansichten man gespannt zuhört - und deren Musik komplett verzichtbar ist.

Der Horror! Der Horror!! Was hätten der Ehrenwerte Ef und meine Wenigkeit nicht gestern alles schauen können: den vielversprechenden CANNIBAL WOMEN IN THE AVOCADO JUNGLE OF DEATH zum Beispiel. Oder den mexikanischen Krawallfilm THE CURIOUS DR. HUMPP. Aber zu unserem Unglück lag auch noch SUMPF DER LEBENDEN TOTEN herum, der im Englischen schlichtweg ZOMBIES' LAKE heißt, und bei dem es um Nazizombies geht.

"Nazizombies"! Allein das Wort ließ alle Alternativen verblassen! Welch unglaublich abgründige Auseinandersetzung mit dem nicht zur Ruhe kommenden Nationalsozialismus versprach uns dieser Film, beziehungsweise meine Zusammenfassung: "Da geht es um Nazisoldaten, die aus einem See wieder aufstehen". Wir haben sie uns tollkühn angesehen, und ich habe zuvor sicherheitshalber die Fenster geschlossen, um bei meinen Nachbarn nicht den Verdacht der etwaigen Wiederbetätigung aufkeimen zu lassen.


Sehr geehrte Jury der Academy Awards!

Wir sind alle nur Menschen. Wir machen alle Fehler. Ich schreibe also unbekannterweise an Sie, um Sie auf einen ebensolchen hinzuweisen. Mir ist bewußt, daß sich die Oscar-Jury aus vielen verschiedenen (und vor allem anonymen) Mitgliedern zusammensetzt, und ich möchte Sie bitten, diesen Brief an Ihre Kollegen weiterzuleiten, um mein Anliegen weiterzuverbreiten. Kurz formuliert: Ich möchte Sie darauf hinweisen, daß POLICE ACADEMY 5 seinerzeit bei der Oscar-Verleihung übersehen wurde.

Die Besetzung wechselt beständig weiter, aber trotzdem haben Megadeth mit "United Abominations" ihren Kurs wiedergefunden.

Eine Zeitlang standen die Dinge ja gar nicht gut für Dave Mustaine, der einst bei Metallica hinausgeworfen wurde und dann seine eigene große Thrash-Metal-Band gründete: Megadeth. Durch die Achtziger und die erste Hälfte der Neunziger hindurch stieg die Band beständig auf und gewann immer mehr Popularität, aber dann fing sie an zu schlingern. Die Besetzung wechselte ständig, Mustaine schien musikalisch unsicher zu werden, und mit dem Versuch, 1999 den Sound der Gruppe grundlegend zu ändern, scheiterte er völlig. 2002 sah es dann eine Zeitlang so aus, als könne er wegen einer Verletzung am Arm nie wieder Gitarre spielen, und so löste er die Band auf. Ein paar Jahre später tauchten Megadeth überraschenderweise wieder auf, und ihr Comeback-Album THE SYSTEM HAS FAILED war gut genug, der Gruppe danach einen Vertrag mit dem Label Roadrunner zu sichern. Dort erschien nun ihr zweites Album nach der Zäsur - UNITED ABOMINATIONS.

Das folgende Interview mit Tobias Regner wurde vom Kollegen Erhard Furtner beim Metallic Arts Sommerfest 2007 in der Salzburger ARGE am 9. Juni 2007 geführt. Regner trag dort mit seiner Metallica-Coverband Sacarium auf. Das Interview wurde ursprünglich für FRITZ!/Salzburger Nachrichten geführt.



Erhard Furtner: Wie ist das Gefühl, wieder mit einer echten Band vor seriösem Publikum zu spielen? Ich mein', im Vergleich dazu – vor kreischenden Teenies & vor einer Jury zu spielen, die offensichtlich nicht den blassesten Schimmer von guter Musik haben?

Tobias Regner: Es ist ein geiles Feeling! Vor allem auch besonders heute. Sag mal ... kriegst du die Fragen eigentlich vorgelegt, oder hast du dir die selber ausgedacht?