Februar 2007

Zack! Zaponk! Ka-pow! Daß KARATE TIGER 3 überhaupt nichts mit den ersten beiden KARATE-TIGER-Streifen zu tun hat, haben wir unlängst schon in einem penibelst recherchierten, den Zwangsneurotiker in mir zufriedenstellenden Traktat zu Teil 2 aufgedeckt (Review hier). Nur der deutsche Verleih glaubt also, daß der Film mit dem Originaltitel KICKBOXER - in welchem es um eine Kampfsportart geht, die mit wachem Verstand aus dem Namen deduziert werden kann - in eine nicht-existente Reihe mit dem Logo KARATE TIGER paßt. Macht fast nichts, wenigstens springt das Niveau nicht etwa unerwarteterweise nach oben, sondern bleibt auf überschaubarem Terrain.

Allein die Credits sorgen für frohsinnige Unterhaltung, sobald man sieht, daß Hauptdarsteller Jean Claude Van Damme - die Muskeln aus Bruskeln, wie der Anglist so schön sagt - einen Story-Credit erhalten hat. Man stellt sich das ja immer so vor, daß er gutgelaunt beim Kraftfrühstück auf die Steroiden-Packung die Worte "Harter Bursche kloppt fiese Typen zu Brei" kritzelt. Und - Überraschungen sind heute aus - um genau das geht's auch bei KICKBOXER.


Jean Claude ist nämlich der kleine Bruder vom Schwergewichts-Weltmeister im Kickboxen, der nach ganz hochfrequentem Achtziger-Jahre-Haarmetall aussieht. Weil der Weltklasse-Kämpfer keine richtigen Gegner mehr hat, steigt er gegen den 60jährigen Rocky ... halt, das war ein anderer Film, den ich dieses Wochenende gesehen habe. So fliegt er eben nach Thailand und wird dort vom finsteren Tung Po so böse im Ring zusammengeschlagen, daß er fortan querschnittsgelähmt ist und endlich Jean Claude das Spotlight geben kann, der zähneknirschend Rache schwört und sofort bei einem Mister-Miyagi-ohne-Zaun-Meister anheuert, um zu trainieren und Tong Po zu zeigen, wo der Belgier die Kraftnahrung anbaut.

Wir sehen es gleich zu Beginn: Tong Po ist ein Tier. Ein eiskalter Terminator. Mit irrem Blick trainiert er, indem er mit dem blanken Schienbein gegen die Betonpfeiler kickt - die auch prompt zu wackeln anfangen. Natürlich ist auch Jean Claude nach schwungvoll zusammenmontierten Trainingssequenzen richtig fit: Er tritt eine Palme um, übt brutale Schläge unter Wasser und macht diese sehr gemeine Blutgrätsche, die zum Van-Damme-Film gehört wie die Harfe zu Harpo Marx.


Dazwischen gibt's ein wenig Handlung, aber die hält uns zum Glück nur sehr wenig auf. Der große Meister hat eine fesche Nichte namens Mylee, die mit einer dieser Einstellungen eingeführt wird, die uns klarmacht, daß sie mit dem netten Kickboxer anbandeln wird. Tong Po ist aber ein echter Psycho-Finsterling und vergewaltigt Mylee (oder läßt sie vergewaltigen, wer will das schon so genau wissen). Der querschnittsgelähmte Bruder rollt ein wenig im Rollstuhl herum, wird entführt und von einem Van-Damme-Kumpel zusammen mit dem weisen Meister befreit. Da wird dann auch ein bißchen geschossen und wahrscheinlich auch gestorben, aber eigentlich sehen wir ja wegen dem Training und den Kämpfen zu.

Da offenbart sich jetzt auch die unglaubliche 3-Sterne-Wertung für diesen Film, der das, was man sich darin erwartet - Muskelmann kabbelt sich mit anderem Muskelmann - auch ausreichend und ausreichend flott darbietet. Das Training bietet vielleicht keine sagenhaft verschrobenen Techniken - Auftragen/Polieren! - ist aber unterhaltsam und optisch ansprechend in die thailändische Kulisse gepackt. Und - das müssen wir dem Kerl ja dann doch zugestehen - wenn Van Damme schon sonst nichts kann: Kämpfen kann er. Im Finale gegen Tong Po kommt der Kampfsport-Fan voll auf seine Kosten.


Einen Absatz schreibe ich noch, und die thematische Auswahl steht zwischen der schlichten, quasi alttestamentarischen Auge-um-Auge-Thematik der Geschichte - wie peinlich! - und der wohl grandiosesten Szene, die Van Damme je gedreht hat. Na gut, lassen wir das mit der Rache, freuen wir uns lieber über letzteres: Als Trainingstest geht der Meister mit Van Damme in eine Bar, wo der sich fünf bis zwölf Bier hinter die Binde kippt. "Kannst du tanzen?", fragt der Meister und wirft eine Münze in den ollen Wurlitzer, und dann schwoft Van Damme mit funky-beseeltem Zappeln mit zwei Frauen über die Tanzfläche. Jesus, der Kerl hat Soul! Es ist ein (nicht unbedingt gewollt komischer) Moment für die Ewigkeit, und wir gehen jetzt mit der Frage ins Bett, warum Van Damme diesen Karrierepfad nie weiterverfolgt hat. Gute Nacht!





Karate Tiger 3 - Der Kickboxer (USA 1989)
Originaltitel: Kickboxer
Regie: Mark DiSalle, David Worth
Drehbuch: Glenn Bruce
Produktion: Kings Road Entertainment
Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Dennis Alexio, Dennis Chan, Michel Qissi, Haskell Anderson, Rochelle Ashana
Länge: 94 Minuten
FSK: 18

Dieser Text erschien zuerst am 26.02.2007 bei mannbeisstfilm.de, wo er 3 von 6 möglichen Sternen erhielt (worauf sich die im Text angesprochene Wertung bezieht).

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Michelangelo Antonionis erster internationaler Film – und gleichzeitig wohl sein berühmtester – BLOWUP ist eine Krimigeschichte ohne den Krimi, ein Puzzle ohne Lösung, eine Erkenntnis zum Nichtwissen. Im London der Swinging Sixties – BLOWUP erschien 1966 – glaubt der Photograph Thomas, zufällig mit seiner Kamera einen Mord beobachtet zu haben, aber die näheren Umstände der Geschehnisse bleiben rätselhaft. Antonioni geht es auch gar nicht um die Auflösung des Todesfalls, oder darum, den Suspense-Mechanismen zu folgen.

Der Film braucht eine ganze Zeit, bis er überhaupt zu dem mysteriösen Mord kommt. Vorher begleiten wir Thomas durch seine Welt: Die Photosessions mit diversen Models, die zwischen überdrüssiger Langeweile und Ersatzerotik pendeln. Demonstranten auf der Straße. Groupies, die unbedingt vor Thomas' Kamera wollen. Stöbern durch einen Antiquitätenladen, wo Thomas völlig sinnlos einen alten Propeller kauft. Und dann photographiert Thomas in einem Park ein Pärchen – eine junge Frau und einen etwas älteren Mann. Die Frau bemerkt Thomas und fordert den Film von ihm zurück, aber er gibt ihn ihr nicht und fährt nach Hause ins Studio.

Dort besucht ihn die Frau nach kurzer Zeit – offenbar ist sie ihm gefolgt – und bittet erneut um den Film. Sie bietet ihm dafür sogar Sex an. Er gibt ihr schlußendlich den falschen Film und läßt sie gehen. Dann entwickelt er neugierig die Photos aus dem Park und hängt sich die Vergrößerungen an die Wände. Hier beginnt die perfekt geschnittene Sequenz, die das Herzstück des Films ausmacht: Thomas' langsame Entdeckung, daß die Dinge offenbar nicht so sind, wie sie scheinen. In der Vergrößerung zeigt sich, daß sich der Mann und die Frau gar nicht umarmen, sondern, daß er sie festhält. Sie schaut zur Seite – in die Büsche? Was ist in den Büschen? Und was könnte der Fleck sein, der hinter einem Busch versteckt auf dem Boden zu sehen ist? Mit all den Vergrößerungen und Ausschnitten, mit denen sich Thomas seine Wohnung dekoriert, ergibt sich plötzlich ein ganz eigener Handlungsablauf, der in einem Moment durch die bildfüllenden Photographien wie als Diashow erzählt wird.

Von der weiteren Aufklärung des Falls läßt sich Thomas ein wenig ablenken. Zwei Groupies, die sich unbedingt von ihm photographieren lassen wollen, kommen in sein Studio, und er wälzt sich mit den beiden nackten Mädchen in einem grotesken Gerangel am Boden. Dann fährt er nachts hinaus zum Park und findet tatsächlich eine Leiche in den Büschen. Er fährt zurück zum Studio, um seine Kamera zu holen, aber vorher will er seinem Freund von dem Fund erzählen. Auf einem Konzert findet er den Freund, zu stoned, um sich für Thomas' Geschichte zu interessieren. Thomas läßt sich von der Party mitreißen und kehrt erst am nächsten Tag in den Park zurück – wo keine Leiche mehr zu sehen ist. Seine Photos sind aus seinem Atelier verschwunden, es bleibt ihm nur eine Vergrößerung des hellen Fleckes, die so abstrakt ist, daß sie nichts beweist.

Dann sieht Thomas einer Gruppe Pantomimen zu, die Tennis spielen – ohne Schläger und ohne Ball, versteht sich. Eine Gruppe Menschen sieht dem "Spiel" zu, bis der nicht reale Ball über den Platz hinweg zu Thomas ins Gras fällt. Die Kamera folgt dem unsichtbaren Tennisball durch die Luft; wir sehen ihn förmlich auf dem Gras ausrollen. Thomas tut so, als würde er den Ball aufheben und den Pantomimen zuwerfen. Dann sieht er dem "Spiel" zu – und während die Kamera auf seinem Gesicht bleibt, hört er die Geräusche eines echten Tennisspiels. Den Aufprall des Balles auf dem Schläger, das Abfedern des Balles vom Boden. Er lächelt.


Die letzte Sequenz verdeutlicht, worum es Antonioni eigentlich geht: Um die Wahrnehmung. Um unsere Interpretation der Wirklichkeit. So wie Thomas aus einzelnen Bildern einen Handlungsablauf konstruiert und "gesehen" hat, sieht er dem unwirklichen Tennisspiel zu. Gab es tatsächlich einen Mord? Für Thomas ja. Die Interpretation der Photographien macht Sinn. Aber ob sie stimmt, wissen wir nicht. Immerhin hatte im wirklichen Leben der Profumo-Skandal 1963 für Aufregung gesorgt: In diesem Kontext können die Bilder und die Rollen der beteiligten Personen völlig anders gedeutet werden.

Die Verschiebung der individuellen Wahrnehmung zieht sich durch den gesamten Film. Auf dem erwähnten Konzert zertrümmert der Gitarrist (Jeff Beck!) seine Gitarre und wirft ein Bruchstück davon in das Publikum, das sich darauf stürzt. Thomas greift das Stück und rennt auf die Straße, wo er es wegwirft. Auf dem Gehsteig ist das Objekt nurmehr ein Stück Müll, das keinen mehr interessiert. Plötzlich verschieben andere Szenen: Warum hören wir die beiden Groupies in Thomas' Studio lachen, obwohl sie in manchen Einstellungen eindeutig ängstlich aussehen? Warum sind die Mädchen so plötzlich wieder angezogen? Ein Gefühl der Illusion webt sich langsam durch den Film: So wie Thomas der myseriösen Frau einen falschen Film gibt, schreibt sie ihm eine falsche Telefonnummer auf. Nichts ist echt.

Thomas' Welt ist ein Leben voller Zurückweisung und Ennui, und er bleibt meist der außenstehende Beobachter. Die schönen Models in seinem Studio langweilen ihn zunehmend, und er behandelt sie wie Dreck. Die Dinge sind an der Oberfläche interessant – der gekaufte Propeller ist intuitiv "cool", aber natürlich völlig sinnfrei. Thomas ist an der Freundin seines besten Freundes interessiert, aber es bleibt eine Sehnsucht aus der Ferne: In einer Sequenz beobachtet Thomas die beiden beim Sex, und seine Augen treffen sich mit ihren. Lädt sie ihn ein, zuzusehen? Im wirklichen Leben wie mit seiner Kamera ist Thomas ein oberflächlicher Voyeur, der die Geschehnisse nur interpretieren kann, aber immer außen vor bleibt.

Antonionis Film ist zunächst frustrierend anzusehen – die Versprechung einer Krimihandlung wird selbstverständlich nie eingelöst, und die Sinnhaftigkeit vieler Szenen offenbart sich erst später. Oder beim zweiten Ansehen. In den Sechzigern war Thomas' Leben für viele Zuseher erstrebenswert – schöne Frauen, schnelle Autos, sorglose Arbeit – aber in Wirklichkeit ist der Photograph ein hoffnungsloser, im wahrsten Sinne des Wortes "lebensmüder" Hedonist. Sobald man aber Antonionis Themen aufgegriffen hat, ziehen sie sich subtil durch die Geschichte und bieten ständige neue Ansatzpunkte, einzelne Sequenzen neu zu betrachten.

Faszinierend ist Antonionis Bildkompositionen, die oftmals – wenig überraschend – Photographien ähneln. Thomas ist meistens im Bild angeschnitten – er steht hinter einem Dachbalken, wird durch die Kante einer Glasscheibe "gebrochen": Wir können ihn nur aus einer gewissen Distanz heraus beobachten, und er wird uns nicht klar. Die Musik – komponiert von Jazzmeister Herbie Hancock! – fängt die Zeit perfekt ein, tönt aber immer aus Radios und Stereoanlagen – eine Textur, deren Beat-Färbung das Lebensgefühl, "im Moment zu sein", ausdrückt, aber gleichzeitig eine absolute Nebensächlichkeit bleibt.

BLOWUP ist ein Meisterwerk, dem man sich nur langsam nähern kann. Wie der Todesfall in der Geschichte ist der Film ein Puzzle, zu dem es wahrscheinlich keine konkrete Lösung gibt. Die Reise lohnt sich, weil der Film nach dem Ansehen im Kopf wächst und weiter wächst. Und weil jedes Ansehen neue Facetten offenbart. Antonioni mag sich gegen gängige Erzählkonventionen sperren, aber letzten Endes ist BLOWUP auch ein Film über uns als Kinogänger: Wir sehen, was wir sehen wollen.





Blow-Up (England/Italien 1966)
Originaltitel: Blowup
Regie: Michelangelo Antonioni
Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra
Darsteller: David Hemmings, Vanessa Redgrave, Jane Birkin, Verushka, Sarah Miles
FSK: 16


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Mein erster richtiger Mord war an einer neunzigjährigen Frau. Eine Nonne noch dazu. Nachdem ich die Szene geschrieben hatte, haben meine Hände gezittert, und ich mußte erst wieder zu Atem kommen. Es ist nicht leicht, jemanden sterben zu lassen. Schon in einem früheren Skript habe ich einen Mann sich erhängen lassen, aber der zählt nicht – weil ich mir nie die Mühe gemacht habe, ihn als Figur kennenzulernen. SCHRÄGER ALS FIKTION (im Original STRANGER THAN FICTION) weiß, wie schwer es ist, eine Figur, die man selber erschaffen hat, über die Klinge springen zu lassen.

In der Geschichte lebt der Steuerprüfer Harold Crick ein langweiliges, eintöniges Leben – bis er eines Tages eine Erzählstimme wahrnimmt, die seine Aktionen berichtet, seine Gedanken preisgibt und seine Wünsche kennt. Nur er kann sie hören – und von ihr erfährt er, daß er sterben soll.


Der Gedanke an ein plötzliches Ableben weckt Harold auf. Er konsultiert einen Psychiater: "Es ist nicht Schizophrenie, es ist nur eine Stimme, die zu mir spricht", erklärt er dort. Dann spricht er mit einem Literaturwissenschaftler, der sich mit ihm zusammen auf die Suche nach seiner Geschichte macht: Ist es eine Komödie oder eine Tragödie? Wer mag der Autor sein? "Sie sind jedenfalls nicht König Hamlet oder der Golem", erklärt der Professor nach einigen kritischen Fragen.

Zeitgleich zu Harolds Geschichte sehen wir die Schriftstellerin Kay Eiffel, die nach zehnjähriger Schreibblockade ihr neues Buch vollenden will – das wie jedes andere zuvor auch mit dem Tod des Helden enden soll. Sie weiß nur noch nicht, wie sie ihn umbringen kann. Ein Sturz von einem Hochhausdach? Eine Schußverletzung? Auf ihrer Suche nach Inspiration durchlebt sie verzweifelte Todesphantasien, die ihrer vom Verlag zur Seite gestellten Assistentin keinerlei Beruhigung hinsichtlich des Abgabetermins verschaffen.

Harold ist derweil daran, sich zu verändern: Er fängt an zu leben, um nicht zu sterben. Er hört auf, seinen Alltag in Zahlenkolonnen und Strukturen zu ordnen. Er erfüllt sich einen langgehegten Traum und kauft sich eine E-Gitarre, auf der er unbeholfen einige Akkorde übt. Und er läßt sich zaghaft auf eine vorsichtige Romanze mit einer Bäckerin ein, bei der er eine Steuerprüfung vornehmen muß – und die ihm seit ihrer ersten, wenig freundlichen Begegnung nicht mehr aus dem Kopf geht.


SCHRÄGER ALS FIKTION funktioniert auf mehrere Arten. In seinem Kern ist der Film eine klassische Läuterungsgeschichte – eine Fabel über einen Menschen, der nach übernatürlicher Intervention beginnt, sein Leben zu überdenken und zu ändern. Er ist eine Komödie, die mit perfektem Timing die ganz normalen Alltagsneurosen vorkehrt. Er ist eine Romanze, in der zwei Menschen sich über viele Ungeschicklichkeiten zu der Einsicht herantasten, daß sie die Gegenwart des anderen glücklich macht. Und er ist eine Auseinandersetzung mit dem Schaffensprozeß, eine Reflektion über Kunst und die Verantwortung, die sowohl die Kunstschaffenden als auch ihre Rezipienten ihr gegenüber haben. "Sie müssen sterben. Es ist ihr Meisterwerk", erklärt der Literaturwissenschaftler dem ungläubigen Harold.

Daß der Film auf all diesen Ebenen funktioniert, liegt an dem perfekten Zusammenspiel seiner einzelnen Parts. Zach Helms Skript ist clever und wirklich durchdacht, steht sich in seiner Cleverness aber nicht selber im Wege dabei, eine komische und emotionale Geschichte zu erzählen. Marc Forsters Regie wandelt mit sicherem Gespür durch die verschiedenen Tangenten der Geschichte – leichtfüßig in der Komik, intim in seiner Romanze, und intelligent in seiner Reflektion. Will Ferrell – ein Mensch, der sich bislang so furchtlos zum Affen gemacht hat wie kein zweiter Komiker – ist überraschend gut und ernst, und sein gehemmter und teilweise tragischer Held wird zu einer realen Figur. Emma Thompson verleiht der Schriftstellerin fahrige Züge, abwesende Blicke, völlig gefangen im Prozeß des Schreibens. Als Literaturprofessor traumwandelt Dustin Hoffman mit sichtlichem Vergnügen durch eine Rolle, deren trockener Humor mit grandioser Beiläufigkeit ausgekostet wird. Und dann ist da noch Maggie Gyllenhaal, die Bäckerin, in die sich Will Ferrell verliebt – und die uns auch als Zuseher fasziniert mit der Intelligenz, die in ihren Augen funkelt, den amüsierten Seitenhieben, und der Wärme, die sie ausstrahlt.

Der Schluß des Films mag auf Anhieb inkonsequent erscheinen, aber was die Schriftstellerin dazu erklärt, macht ihre Entscheidung völlig plausibel – in der Geschichte und für die Geschichte. Es ist eben schwer, seine Figuren umzubringen, wenn man sie erst einmal kennengelernt hat.





Schräger als Fiktion (USA 2006)
Originaltitel: Stranger than Fiction
Regie: Marc Forster
Drehbuch: Zach Helm
Darsteller: Will Ferrell, Maggie Gyllenhaal, Dustin Hoffman, Emma Thompson, Queen Latifah
Länge: 113 Minuten
FSK: 6


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Es ist schön zu sehen, daß weder der Söldnerfilm noch Mariel Hemingway ausgestorben sind. Söldnerfilme hatten in den Achtziger Jahren Hochkonjunktur, und jeden Monat wieder saßen finstermienige Söldner in einem Dschungel ihrer Wahl, trainierten vor sich hin und warteten darauf, daß Chuck Norris oder Michael Dudikoff vorbeischauen würde, um das Camp dem Erdboden gleichzumachen. Nun sind wir ja davon ausgegangen, daß die Söldnerscharen zusammen mit den obengenannten Helden schon längst in Pension gegangen wären, aber da landet ein Film im Briefkasten, der neben dem Verbleib der harten Kerle auch gleich die Frage klärt, was zur Hölle Mariel Hemingway, einst Woody-Allen-Muse (MANHATTAN, 1979), eigentlich heute macht.

Allein der Titel ist eine besondere Erwähnung wert, tauchte er doch zuletzt in heiterer Runde bei der Suche nach bislang fortsetzungslosen Filmen auf: AIR FORCE TWO. Freilich handelt es sich beim vorliegenden Streifen um kein Sequel zu Wolfgang Petersens STIRB-LANGSAM-im-Präsidentenflugzeug-Kracher AIR FORCE ONE - im Original trägt die Nummer Zwei den ebenso unglaublichen Titel IN HER LINE OF FIRE, zu dem uns bei angestrengtem Nachdenken vielleicht auch ein Petersen-Film als Vorbild einfällt.


Haken wir die Story kurz ebensoschnell ab, wie der Film selbst das tut: Vizepräsident Walker ist mit der Air Force Two (aha!) irgendwo im Südpazifik unterwegs, als die Maschine in einem Unwetter beschädigt wird und abstürzt. Walker kann sich zusammen mit seiner Secret-Service-Leibwache (aha!) Delaney - Mariel Hemingway hat sich zum Rollenstudium wahrscheinlich DIE AKTE JANE angesehen - und zwei Reportern auf eine nahegelegene Insel retten. Einer der Reporter ist ein fülliger Pulitzer-Preisträger, die andere eine viel ansehnlichere Schwarzhaarige mit schöner Haut, und freilich bleibt es bis zuletzt spannend, wer von den beiden von den heranlaufenden Söldnern umgeschossen werden wird. Besagte Söldner sind durch den Absturz nämlich aus ihrem Videotheken-Schlaf erwacht und wollen nun gerne den Vizepräsidenten kidnappen, um ein stattliches Lösegeld zu erpressen.

Der genauere Handlungsablauf orientiert sich natürlich an den beliebten Pfeilern der Söldnerfilme: Es wird viel geschossen, viel gestorben, hier und da fliegt etwas in die Luft, ein hundsgemeiner Anführer darf mit leichter mentaler Instabilität finstere Drohungen aussprechen, und dazwischen laufen alle gebückt durch den Dschungel. Weil es mittlerweile modern ist, daß toughe Frauen die ganze Männerarbeit machen, darf Mariel Hemingway im beinahigen Alleingang ganze Heerscharen an feindlichen Söldnern unschädlich machen - eine Rollenumkehrung, die schon an so mancher Stelle als Emanzipationsbeitrag mißverstanden wurde, obwohl ja die Frauen hier nur als optische Aufwertung eines männerorientierten Genres dienen. Die Zielgruppe sieht zwischen großen Gewehren und schwitzenden Söldnern eben auch gerne fesche Frauen, und wie in einem Für-jeden-Geschmack-eine-andere-Porno darf Mann sich hier entweder für die maskuline, blonde, waffenschwingende Mariel Hemingway oder für die schutzbedürftigere Schneewitchen-mit-dem-roten-Top-Frau Jill Bennett begeistern.


Nach gründlichster Recherche nach Studentenmethode (d.h. fünf Minuten Google) offenbart sich ein interessanter Aspekt des Films, der uns Europäern leider vorenthalten wird: Die Romanze zwischen den beiden Frauen. Sowohl die harte Marine-Frau als auch die softe Reporterin sind lesbisch, und küssen sich im Verlauf der Handlung zweimal. Um den Streifen auch in "konservativeren Ländern" verkaufen zu können, hat sich die Produktion entschieden, für den internationalen Markt die Kußszenen herauszuschneiden - pah, als würde es das männliche Vergnügen stören, zwischen dem ganzen Bleigewitter noch ein wenig den hübschen Mädels beim Küssen zuzusehen. Natürlich könnte man argumentieren, daß nichts, aber auch gar nichts in dem Film eine solche Kußszene (oder eine wie auch immer sonst geartete Romanze) rechtfertigen würde, weder dramaturgisch noch als Vertiefung der Figuren - aber wir wollen ja mal nicht kleinlich sein. Interessierte Parteien dürfen nun aus der Szene, in der Hemingway Bennetts Füße verarztet, homoerotischen Subtext herausdeuten - und wenn man einmal damit angefangen hat, findet man sicherlich auch in John-Wayne-Western entsprechendes Material.


Regisseur Brian Trenchard-Smith (verantwortlich für die Teile 3 und 4 der Warwick-Davis-braucht-dringend-Arbeit-Serie LEPRECHAUN) inszeniert flott und schnörkellos, und alles bewegt sich mit gutem Tempo voran. David Millbern, den man für die Rolle des brutalen Söldneranführers sicherlich aus einem Bruce-Willis-Lookalike-Contest heraus gecastet hat, hat sichtlich Spaß an der Sache, die abgesehen von ein paar ganz billigen CGI-Explosionen auch ganz proper aussieht. Es geht zwar um nichts, aber das muß es ja auch nicht immer.

Für AIR FORCE THREE wünschen wir uns übrigens mehr Frauen und einen Gastauftritt von Chuck Norris. Ansonsten bewerten wir nicht mehr so gnädig.






Air Force 2 (USA 2006)
Originaltitel: In Her Line of Fire / Air Force Two
Regie: Brian Trenchard-Smith
Buch: Anna Lorenzo
Produktion: ApolloProMovie
Darsteller: Mariel Hemingway, David Keith, Jill Bennett, David Millbern
Länge: 84 Minuten
FSK: 16



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Wir ahnen's ja schon: Wenn auf der Billigsdorfer-DVD, erhältlich zum Bitte-nehmt-den-Ladenhüter-aus-dem-Regal-Preis in den Ramschkisten der Nation, ein "actiongeladenes Sci-Fi-Abenteuer [...] im Stile der Klassiker PREDATOR und ROBOCOP" versprochen wird und besagtes "Abenteuer" von Bruno Mattei (unter dem Namen "Vincent Dawn") inszeniert wurde, dann ist man grundsätzlich selber schuld und darf das gehirnzersetzende Seherlebnis zur Strafe seinen Freunden bei frohsinnsgetränkten Videoabenden angedeihen lassen. Denn: Schrott gucken und für sich behalten ist unsexy.

Schon in Matteis unlängst hier sezierten Endzeit-Schmumpf CONTAMINATOR hat Italiens wohl unfähigster Herumfilmer eine Liebe zu erfolgreichen Stoffen bewiesen und ein gar schamloses Gebräu aus ALIENS und TERMINATOR serviert. Für ROBOMAN, um den es hier ja eigentlich gehen soll, hat sich Mattei PREDATOR angesehen und den selben Spaß zum Preis einer Trambahnfahrkarte gleich nochmal inszeniert. So wütet nun ein losgelassener Cyborg in einem dieser Dschungel herum und zerschießt noch während der Anfangscredits wahllos Hütten und Hubschrauber. Ein Top-Spezialkommando wird losgeschickt, im Prinzip ohne tatsächlichen Auftrag, aber zuviel Wissen macht ja nur Kopfschmerzen und über den Cyborg werden sie sicher ohnehin stolpern.


Kaum erspäht der Arbeitslose-Schauspieler-Trupp den Kampfroboter, gruseln sie sich auch schon: So etwas haben sie noch nicht gesehen. Omega-1, wie der Cyborg ganz offiziell heißt, ist hochgradig gefährlich, absolut unkaputtbar, total perfekt - und sieht aus wie ein in schwarz gekleideter Motorradfahrer mit Helm. Beständig wird darauf hingewiesen, wie fantastisch überlegen Omega-1 doch nicht sei, aber der kritische Zuseher vermutet eher, daß ein früher Testroboter ins Feld geschickt wurde: Der Cyborg sieht alles in fürchterlich pixeligem Rot und plappert permament seine primitive BASIC-Programmierung vor sich hin ("Feind ausfindig machen! Zu Befehl! Feind vernichten! Zu Befehl! Feind verloren! Was nun? Was nun? Ölwechsel und Reifendruck prüfen"). Dazu stapft er schön langsam durch den philippinischen Dschungel und mäht alles nieder, was sich freiwillig zum Dreh gemeldet hat.


Zum Glück gibt es ja unseren Spezialplatoon. Sieht man mal davon ab, daß der eine von denen mit dem Fuß in eine herumliegende Bärenfalle tappt, und daß der Fährtensucher statt mit dem Gewehr lieber mit einer Machete auf den Roboter losgeht, und daß der Anführer der Truppe den sich am Boden herumschlägelnden Cyborgarm mit einem verwunderten "Was ist denn das an deinem Bein?" kommentiert, sind die Jungs wirklich schwer auf Zack. Nach stundenlangem Herumlaufen im Dschungel - nur PHANTOM RAIDERS hat ein höheres Aufgebot an Einstellungen, in denen Söldner ereignislos durch den Wald spazieren - finden sie ein kleines Dorf, wo finstere Männer (die sich verdächtigerweise auch in irgendwelchem ausländischen Kauderwelsch verständigen) herumstreunern. Es ist zwar nicht ihre Mission, aber da unser Spezialtrupp ja schon mal da ist, machen die Jungs doch auch gleich den Räuberhorst dem Erdboden gleich. Vielleicht ist der Auftrag der Truppe aber auch eine Abwandlung von "Expedition Österreich", und das Dorf der Rabauken befand sich eben im Weg.

Irgendwann schließt sich eine blonde Frau namens Virgin - da hat jemand beim Schreiben bestimmt Tränen gelacht - dem Trupp an, hat aber nichts zu tun. Die Kampfspezialisten sind auch damit beschäftigt, am unverwüstlichen Cyborg zu verzweifeln - es käme zwar keiner auf den Gedanken, einfach mal auf den bewegungsschwachen Omega-1 zu schießen, aber ansonsten probieren sie ja wirklich alles aus, vom Davonschleichen bis zum In-die-andere-Richtung-laufen. Eines der Platoon-Mitglieder entpuppt sich als Erfinder des Cyborgs, und praktischerweise hat er auch eine Fernbedienung dabei, mit der man den Krawallbot einfach sprengen könnte, aber blöderweise geht das nur, wenn man direkt davor steht und "die Frequenz den Roboter direkt zwischen die Augen trifft". Die Fernbedienung meines Receivers macht ähnliche Zicken.


Irgendwann ist Schwarzenegg--, äh, Reb Browns Platoon ausgelöscht, und nur er und Virgin laufen noch durch den Dschungel. Sie finden eine verlassene Mission, Virgin ist auf einmal Chemiestudentin und will Napalm zusammenmischen. Dann - schockschwerenot! - die Enthüllung: Omega-1 ist halb Mensch, halb Maschine, zusammengebaut aus einem früheren Freund des Platoonleaders. "Ein menschliches Gehirn gibt einem Roboter Befehle", wird hilfreich erklärt. Infolge des unglaublichen Twists verzichtet Omega-1 darauf, mit seiner Laserkanone herumzuballern, und würgt den Platoonleader lieber mit seinem Roboterarm. Der stößt ihn unsanft in die Ecke, woraufhin beim unkaputtbaren Cyborg schon Garantieansprüche geltend gemacht werden können: Er stottert nur noch und bewegt sich ganz ruckelig. Virgin kippt irgendwelche Säure drüber, Omega-1 hat einen Kurzschluß, und die Hütte explodiert. Freilich folgt noch ein zweiter Showdown, aber der ist quasi nicht in Worte zu packen.

Sprechen wir die Wahrheit ruhig aus: ROBOMAN ist nicht wirklich gut.





Roboman (Italien 1988)
Originaltitel: Robowar - Robot da guerra
Regie: Bruno Mattei
Drehbuch: Rossella Drudi
Produktion: Flora Film
Darsteller: Reb Brown, Catherine Hickland
Länge: 69 (geschnitten)
FSK: 16 (geschnitten)


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Man blickt ja gern in andere Länder und stellt fest, daß dort so richtig bescheuerte, völlig grenzwertige Komödien gemacht werden. Die Amerikaner produzieren einen beschränkten ACADEMY-PIE-Film nach dem anderen, die Italiener haben Alvaro Vitali, dem zuzusehen beinahe physisch schmerzhaft ist, und die Franzosen machen gänzlich heiterkeitsarme Filme, in deren Titeln die Worte "Pflaumen" und "Kompanie" in stochastisch variierenden Kombinationen verwendet werden. Aber, und da darf unser Nationalstolz auch ohne Fußball-WM durchaus aufblühen, im Produzieren behämmerten Klamauks lassen wir uns gar nichts vormachen. Beweisstück A, liebe Jury: SUNSHINE REGGAE AUF IBIZA, von der niveauunverdächtigen Lisa Film mit dem Knetgesicht Karl Dall in der Hauptrolle produziert.

Wo fängt man als kritischer Autor überhaupt an bei einem solchen Werk? Am besten von vorne: Karl Dall lebt als armer, trostlos vor sich hinkalauernder Bauer in Ostfriesland und hat bereits 58 Fanbriefe an den Schlagerstar Linda Lu geschrieben, die allesamt unbeantwortet blieben. Eines Tages - der Anstoß zur Heldenreise! - kriegt er eine Autogrammkarte mit Widmung zugeschickt und fährt ohne weiteres Zögern mit dem Fahrrad nach Ibiza, um seine Singschnulle ausfindig zu machen.


Die weitere Handlung gestaltet sich eher, hm, sparsam arrangiert, und wir sehen primär irgendwelchen Menschen auf Ibiza dabei zu, wie sie miteinander anbandeln. Da wäre der freche Freddy, gespielt vom Sohnemann von Udo Jürgens, der immer so aussieht, als müßte er dringend mal wieder essen, und der schmeißt sich an sehr viele Frauen auf einmal heran, von denen dann ein pubertierendes Mädchen quasi hängenbleibt. Erzählt wird auch die herzzerreißende Geschichte von Onkel Bernie, der herumgrantelnd außerhalb der Stadt wohnt und vor seinem Haus ein dreisprachiges Schild mit der Anweisung "Weiber verboten" aufgestellt hat. Weil Onkel Bernie aber von einem vollbärtigen Chris Roberts gespielt wird, ahnen wir schon, daß da etwas passieren muß, und zum Glück hat Olivia Pascal sonst im Film nichts zu tun und bringt Roberts dazu, sich endlich mal zu rasieren. Immerhin ist der so verbittert, daß er den ganzen Film über nicht singt.

Ein bißchen lustig (in einer weit gedehnten Bedeutung des Begriffes) wird es natürlich auch zwischendurch, weil der Leiter des Hotels (das den schönen Namen "Blankenese" trägt, welch pfiffiger Schmäh) von Gottlieb Wendehals gespielt wird, der als eifersüchtiger Ehemann den gesamten Film über hampelnd herumrennt und dabei immer ein Gesicht aufsetzt, als würde er gerade ein Huhn erwürgen. Die Frau wird glücklicherweise von Bea Fiedler gespielt, die vor vielen Jahren mal deutsches Playmate war und dementsprechend selten vor den Dreharbeiten in die Kostümabteilung geschickt wurde. Weil es der Aufregung nicht genug ist, finden wir noch heraus, daß dem trotteligen Karl, der immer noch seiner Linda hinterherläuft, ein Scheich wie ein Ei dem nächsten ähnlich sieht, was freilich als Auftakt zu einer ganzen Reihe von Verwechslungsscherzen dient. Als Höhepunkt darf sich der eine Karl mit der Scheichsfrau (Helga Feddersen!) herumschlagen, während der andere Karl von Hotelchef Wendehals verfolgt wird, der im Otto-Buch gelesen hat, daß man Halluzinationen mit dem kleinen Hammer auf den kleinen Zeh schlagen muß. Liest noch jemand zu?


Das liest sich ja alles schön albern, und einem dem gepflegten Blödsinn nicht abgeneigten Rezensenten schien der SUNSHINE REGGAE entsprechend idiotische Kurzweil zu bieten. Aber ach! Was wird viel Zeit aufgewandt, schönen und weniger schönen Menschen beim Herumstehen in der Kulisse zuzusehen! Irgendwo verliebt sich jemand, irgendwo wird jemand enttäuscht, und wenn nicht alle Frauen den gesamten Film über gerade aufdringlich nackt mit wippenden Brüsten mit ihren Dialogen kämpfen würden, käme man sich vor wie in einer Fotolovestory der Bravo. Für den Chris-Roberts-Subplot wird ein Synth-Kitsch in ewiger Wiederholung auf die Tonspur gepappt, und man ist jedesmal dankbar, wenn der völlig grenzdebile Karl Dall wieder auftaucht und einen schmerzhaften - nennen wir es mal: - Witz vom Stapel läßt.

TICKETVERKÄUFER: Was ist los mit Ihnen? Sie kaufen jetzt schon die dritte Eintrittskarte!
KARL DALL: Ja, der Typ am Eingang macht mir die dauernd kaputt.


SUNSHINE REGGAE AUF IBIZA war übrigens die letzte Regiearbeit von Franz Marischka, der hier unter Namen "Francois Petit" (ja, ohne den Accent "ç") operiert und die deutschen Filmfreunde schon mit Kulturgütern wie LIEBESGRÜSSE AUS DER LEDERHOSE, ZUM GASTHOF DER SPRITZIGEN MÄDCHEN oder DER MANN MIT DEM GOLDENEN PINSEL beglückte - Filme, die man nicht extra ansehen muß, bevor man weiß, ob sie gut sind. Karl Dall hat tapfer noch ein paar Filme lang probiert, seine Kinokarriere am Leben zu erhalten - wir kennen das Ende dieser Geschichte.

Schade eigentlich. Was hätte die Kombination "Karl Dall", "infantiler Klamauk" und "nackte Frauen" doch für ein Potential gehabt.





Sunshine Reggae auf Ibiza (Deutschland 1983)
Regie: "Francois Petit" (= Franz Marischka)
Drehbuch: Florian Burg
Produktion: Lisa Film
Darsteller Karl Dall, Olivia Pascal, Chris Roberts, Bea Fiedler, Gottlieb Wendehals, Helga Feddersen
Länge: 86 Minuten
FSK: 12

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Beim gestrigen philosophischen Stammtisch wurde hieß diskutiert: Der Affe oder der Roboter? Otto Neumaier, seines Zeichens führender Ästhetiker an einem Institut, dessen Anzahl von Ästhetikern geradezu kapazitätsfüllend scheint, denkt, der Roboter würde auf jeden Fall gewinnen, weil er evolutionär höhergestellt ist als der Affe - und weil der Roboter vom Menschen geschaffen wurde, der ebenfalls auf einer höheren Stufe als der Affe steht (diese Interpretation läßt freilich die Tatsache außen vor, daß der Affe ja quasi sinnbildlich für den unterdrückten Menschen steht). Schwarz, seines Zeichens humanistischer Songwriter auf der Seite der Schwachen, glaubt dagegen, daß der Affe gewinnen wird, weil sich die Natur immer gegen die Technik durchsetzt.

Dabei entsteht natürlich die Frage, wer bei dem Duell Schwarz gegen Otto gewinnen wird. Otto ist mit seinen akademischen Weihen freilich universitär gesehen im schweren Vorteil, aber dafür weiß Schwarz, wo sein Instrument ist. Laßt die Spiele beginnen!

Derweil sorgte die Nachricht, daß ich gestern 1½ Seiten an meiner Diss. weitergeschrieben habe, so sehr für Aufregung, daß ich heute beinahe gezwungen bin, diese Tätigkeit weiterzuverfolgen. Der Kaffee ist gerade fertig, das Dokument schon geöffnet, der Finger ansatzbereit auf der Tastatur. Wir werden berichten. Schönen Tag einstweilen.

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