Bis 24 und LOST wieder über den Äther gehen, dauert es ja noch ein Weilchen - erst im Jänner starten die neuen Staffeln (die siebte bei 24, die vierte bei LOST). Immerhin tröpfeln mittlerweile schon Infos über die nächsten Seasons ein, die ich beide interessant finde.

Die sechste Staffel von 24 war ja problematisch. Ich persönlich fand sie ja nur halb so schlimm wie die gesammelte Besucherschaft diverser Webseiten, die in bösartigen Kommentaren von der schlimmsten Staffel irgendeiner Fernsehserie überhaupt geschrieben haben - aber ganz nüchtern betrachtet rief die ganze Terroristenjagd mit Atombedrohung, CTU-Hickhack und gelegentlichen Foltereien schon ein schweres Déjà-Vu-Erlebnis hervor: Another day at the office. Zumal den Autoren diesmal kein wirklich stringenter Plot eingefallen ist und sie sich mehr denn je von Moment zu Moment gehangelt haben. Da war viel Spannendes dabei (Folge vier wartete mit einem Hammer auf, viele Folgen lang gab es eine interessante Geschichte über den Vizepräsidenten und seinen Berater), aber eben auch viel an den Haaren herbeigezogenes Gerenne und schnell verworfene Ideen. Staffel 6 war kein Totalausfall, kein Komplettnuke wie die vierte ALIAS-Season, aber halt auch kein Meisterstück. Solides Fernsehen halt.

Egal: Ich bin bei Staffel 7 natürlich wieder am Start - und die Produzenten, denen der Zusehereinbruch bei Staffel 6 sicherlich Kopfzerbrechen macht, versprechen eine Neukonzeption der Serie, weg vom mittlerweile altbekannten Schema. Die Autoren spielen mit diversen Ideen - Aufbruch des 24-Stunden-Schemas, Auslagerung der Handlung an andere Orte - aber verwerfen dabei auch ihre Pläne ständig aufs Neue. Will heißen: Sie sind sich offenbar der Tatsache bewußt, daß Staffel 7 wirklich zünden muß, damit die Show weitergehen kann. Neuester Plan: Zu Beginn der Staffel muß sich Jack Bauer vor dem Senat für verschiedene Gesetzesüberschreitungen rechtfertigen ... und dann? Chloe ist offiziell wieder mit dabei, über den Rest wird sich noch ausgeschwiegen. Interview mit Produzent Howard Gordon hier.

Richtig in die Höhe geschnellt ist ja LOST mit dem letzten Drittel der dritten Staffel. Irgendwo in der zweiten Staffel zerfiel den Autoren ja die Geschichte - zuviel Mystery nur um der Geheimniskrämerei willen, zuviel redundante Entwicklungen, neue Figuren, die mittlerweile allesamt wieder herausgenommen wurden, und ein Hauch der Planlosigkeit umwehte die Show seitdem. Seit der Hälfte der dritten Staffel ging es aber wieder bergauf, und mit den letzten paar Folgen hat LOST wieder so zugelegt, wie es wohl selten eine TV-Serie geschafft hat: Das Finale war ein Killer, öffnet extrem viele Möglichkeiten, und die Figuren sind einem (und den Autoren) mittlerweile auch wieder wichtig. Ein paar Vorhaben der Autoren für Staffel vier werden hier verraten - wie gehabt ist es nicht viel, aber da das Geschehen auf der Insel jetzt wieder aufregend ist, sind es auch die kleinen Hinweise auf kommende Ereignisse.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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