Glitzernder Pop-Rock ohne Widerhaken: Macht Spaß, erfüllt aber sein Potential nicht.

Sie nennen sich "The Higher", ihr Album heisst ON FIRE, und im Booklet danken sie "Mary Jane" (= Marihuana) für die Inspiration. Klingen sie dann wenigstens auch high, feurig, zugekifft? Gar nicht: The Higher bewegen sich vielmehr auf dem gleichen Territorium wie Head Automatica und machen in der Theorie ein Emo-Pop-R&B-Gebräu (so schubladisiert es die Plattenfirma), in der Praxis ganz einfach tanzbaren Pop-Rock.

Beim ersten Anlauf ist das nicht irrwitzig spannend: Alles klingt proper, schön formatiert und strukturiert, überall sind Melodien, aber nirgendwo Haken, und der versprochene R&B-Gehalt äußert sich zumeist darin, daß irgendwo ein leiser Beat zu hören ist oder ein paar flirrende Synths im Mix versteckt sind. Seth Trotter singt mit Hingabe, aber das leider andauernd, und so klingt er mit seiner Teen-Pop-Stimme auch bei ruhigeren Stellen immer wie jemand, der sich zu sehr anstrengt. Es hilft auch nicht sonderlich, daß die Produktion beziehungsweise die Abmischung alles auf Anschlag nach vorn schieben: Die Dynamik ist minimal, und selbst die luftiger arrangierten Parts drücken mit Stress aus den Boxen.

Der zweite Durchlauf bereitet wesentlich mehr Vergnügen. Plötzlich geht die Rhythmik auf, das neonbunte Glitzern der Songs entwickelt seinen Reiz. Trotter schmettert noch immer, aber man spürt noch eine andere Eigenschaft in seiner Stimme: eine fast naive Aufrichtigkeit, mit der er seine Geschichten von Romanzen und Parties zum Besten gibt. Zwei der Songs stechen heraus: "Weapons Wired", das bei allem Tempo von leiser Wehmut durchzogen ist, und das balladeske "Can Anyone Really Love Young".

Und so wächst das Album mit weiterem Anhören. Man findet hier Nuancen, dort feine Melodien, und irgendwann bleibt das Album im Kopf - weniger die einzelnen Songs an sich, sondern eher der Klang, die Stimmung. Vielleicht ist The Higher mit ON FIRE kein großer Wurf gelungen, aber zumindest ein kleiner, der andeutet, daß die Band noch wachsen kann, und zu dem man als Hörer gerne wieder zurückkehrt.





Dieser Text erschien zuerst am 2.7.2007 bei Fritz!/Salzburger Nachrichten.

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Christian Genzel

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