Das folgende Interview mit Tobias Regner wurde vom Kollegen Erhard Furtner beim Metallic Arts Sommerfest 2007 in der Salzburger ARGE am 9. Juni 2007 geführt. Regner trag dort mit seiner Metallica-Coverband Sacarium auf. Das Interview wurde ursprünglich für FRITZ!/Salzburger Nachrichten geführt.



Erhard Furtner: Wie ist das Gefühl, wieder mit einer echten Band vor seriösem Publikum zu spielen? Ich mein', im Vergleich dazu – vor kreischenden Teenies & vor einer Jury zu spielen, die offensichtlich nicht den blassesten Schimmer von guter Musik haben?

Tobias Regner: Es ist ein geiles Feeling! Vor allem auch besonders heute. Sag mal ... kriegst du die Fragen eigentlich vorgelegt, oder hast du dir die selber ausgedacht?

Nee, die hab ich mir schon selber ausgedacht.

Ach so. Aber wenn du schon DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR (DSDS) ansprichst – ich hatte da wegen dem Auftritt heute schon Bedenken. Man wird durch DSDS doch recht schnell vorverurteilt. Ich mein', vielleicht hast du die Geschichte von Martin Kesici mitbekommen, bei seinem Auftritt in Wacken? Wo er dann von Tausenden Zuschauern ausgebuht wurde – das ist schon hart. Und wirklich verdient hat er das nicht.

Klar, ich kenn' die Geschichte. Aber bei dir heute waren die Festivalbesucher ja wesentlich höflicher & entgegenkommender. Ich persönlich hab's ja sehr gut gefunden, daß du explizit gesagt hast: Heute gibt's ausschließlich Metallica-Songs, wie es sich für eine Metallica-Coverband gehört.

Ja, ich war angenehm überrascht vom Publikum! Wie gesagt hätt' ich mir Schlimmeres erwartet. Es gab zwar vereinzelte Buhrufe, aber nur kurz am Anfang. Ich glaub' schon, daß wir die dann durch unsere Live-Performance überzeugen konnten. Und ja – natürlich wär's heut völlig falsch und unpassend gewesen, wenn ich alte, eigene Songs oder gar etwas von DSDS bringe. Und da die Frage kurz aus dem Publikum aufgetaucht ist, hab' ich sie eben gleich beantwortet.

Derzeit haben wir auch nicht so oft Live-Auftritte, wie man meinen würde. Und da wir live nicht so oft spielen, genießen wir die Auftritte umso mehr und hängen uns dann entsprechend rein. Und Metallica ist ja auch gute Live-Mucke!

Auf jeden Fall! Mir hat euer Auftritt ja auch sehr gut gefallen. War recht energiegeladen, wie das Original auch. Aber warum jetzt nur eine Cover-Band? Du hattest ja auch vorher schon eigene Bands, mit eigenen Songs.

Stimmt, ich hab' da schon einiges gemacht, wie z.B. NuMetal und auch Big Band. Aber auch andere Rock-Cover-Nummern.

Und sonst, wos gibt's Neichs?

Momentan bin ich, bzw. sind wir dabei, eine eigene Band aufzustellen, mit komplett neuen Leuten, neuem Set, usw. Es wird natürlich härter sein als meine DSDS-Nummern, insgesamt sehr rockig, aber auch eingängiger und dann und wann dezent poppig – und mit deutschen Texten. Wir sind gerade dabei, unser erstes Album zu vervollständigen. In ein paar Songs kann man schon reinhören – am einfachsten zu finden auf meiner Myspace-Seite (mittlerweile offline, Anm.d.Red.).

Danke für die Info. Ohne Myspace-Seite scheint man wohl nicht mehr auszukommen ... Was sind eigentlich deine musikalischen Vorbilder?

Der Ausdruck "musikalische Vorbilder" paßt vielleicht schlecht. Aber es gibt einige Bands, die ich besonders gern höre – vor allem Stone Sour, Soilwork, Sevendust, Slipknot.

Und Metallica ist nicht dabei?

Klar doch, auf jeden Fall. Bei Metallica hat's bei mir mit der RELOAD angefangen.

Puuh, die ist ja ziemlich übel ... ziemlich lasch und einfach nur langweilig.

Tja, ich kannte sie erst mal nur von der RELOAD. Wie ich den Sound der anderen Metallica-Alben gehört habe, war ich eher irritiert – die haben mir erstmal nicht gefallen. Irgendwann hat's dann mal "Klick" gemacht, und ich war mehr von den "eigentlichen" Metallica-Alben fasziniert. Ist mir schon klar, daß die RELOAD nicht der übliche Weg ist, Metallica-Fan zu werden (grinst).

Wenn du sagst, der Sound wird deutlich härter werden und in eine andere Richtung gehen als die DSDS-Sachen, werden da nicht viele bestehende Fans abspringen?

Das ist ohnehin schon passiert. Die stürzen sich natürlich wieder auf die neue Staffel von DSDS. Aber das war mir auch von Anfang an klar.


Konntest du dann den Drop von DSDS risikofrei gestalten, und das Niveau und den Speed halten?

Hmm, bin mir jetzt zwar nicht sicher, was genau du da meinst ... aber wir werden auf jeden Fall weitermachen. Ich mein', "der Drop" von DSDS war ja vorhersehbar. Da geht's im Prinzip musikalisch um nichts, das ist halt eine Fernsehshow, die viele Leute gern schauen. Und wenn die neue Staffel anfängt, ist die alte gelaufen ... Ich hatte in dem Zeitraum einen Haufen mediale Aufmerksamkeit und einen Haufen DSDS-Fans. Die sogenannten Fans, die eigentlich Fans von DSDS und nicht von mir sind, die sind jetzt halt wieder weg. Geblieben sind die Fans, die sich wirklich für meine Musik und für das interessieren, was ich mache.

Du bist selber also kein großer Fan von den kreischenden DSDS-Teenies?

Nein, nicht wirklich. Die können schon sehr nervig sein. Jeder Künstler ist doch um echte Fans froh, die sich für seinen musikalischen Output interessieren und sich damit beschäftigen. Wir haben auch einen harten Kern treuer Fans, die dann von Konzert zu Konzert mit uns mittouren. Die DSDS-Teenies interessieren sich mehr für die Show und das Drumherum und haben keine Ahnung, was ich eigentlich mache.

Es gab bei der Show auch andere äußerst unangenehme Sachen, z.B. die teilweise recht albernen Outfits, die wir da tragen mußten. Der Gipfel des schlechten Geschmacks war das Outfit, das ich bei meiner DSDS-Version von "Purple Rain" tragen durfte. Also, freiwillig würd' ich sowas ja nicht tragen ...

Hat Dieter Bohlen tatsächlich so viele Falten wie es im TV ausschaut?

Sogar noch mehr. Die tragen ja alle enorm viel Make-Up.

Und hast du jetzt noch Kontakt zu den Leuten?

Wenn du Dieter Bohlen meinst – nein, von dem hab' ich seit 18. Februar, also Ende unserer Staffel, nix mehr gehört. Und darüber bin ich auch nicht mal so unglücklich. So wie sich der jetzige DSDS-Star Mark Medlock von Dieter vereinnahmen läßt ... da beneide ich ihn sicher nicht drum.

Ja, wer weiß – vielleicht kommt ein neues Blue System dabei raus, oder er wird CC Catch 2? Ist doch toll, juhuu!

Puh, na, lieber nicht ... Mir reicht's ja schon, wenn sich Mark & Dieter im Partner-Look zeigen ...

Wie war denn sonst so das Verhältnis zu Didder?

Naja, wir haben uns immer nur kurz vor der Show gesehen. Viel mehr Konversation als "Hasde die Songs gut geübt?", "Was für 'nen Song bringste denn heude?" gab's da eigentlich nicht.

Was war eigentlich deine Motivation, damals bei DSDS mitzumachen?

Das war "just for fun". Also, einfach mal ausprobieren und es wissen wollen. Es war auch ein passender Zeitpunkt für Abwechslung – ich hatte in Salzburg gerade meine Ausbildung zum Kommunikationsdesigner (Schwerpunkt Print) fertig, mit der Freundin war auch grad Schluß. Bei einer Party war grad DSDS das Thema, und daß die neue Staffel bald anläuft. Und "just for fun" mal mitmachen, warum nicht? Ich hatte da keinerlei ernste Absichten und bin schon gar nicht mit der Erwartung reingegangen, daß ich das Ding gewinne. Das einzige Risiko, das du hast, ist halt, daß du dich vor Millionenpublikum zum Deppen machst. Man kommt halt dann Runde für Runde irgendwie durch. Ich war selber überrascht, daß das so gut gelaufen ist und ich dann irgendwann im Finale war.

Und was hat DSDS im Endeffekt gebracht für dich, bzw. hast du etwas anderes erwartet?

Ich hatte einen gewissen Zeitraum große mediale Aufmerksamkeit. Und die Erfahrung mit dem Medium Fernsehen an sich war neu. Insgesamt glaube ich schon, daß sich durch meinen DSDS-Auftritt nun mehr Leute für meine Musik interessieren, als es sonst der Fall wäre. Mal abgesehen von den DSDS-Fans an sich, die interessiert natürlich die neue Staffel mehr. Zumindest solange, bis die nächste kommt, usw.

Und natürlich hat's dir einen Plattenvertrag bei Sony gebracht. Was nicht gleich jede Band kriegt.

Ja, da hast du Recht. Ich beginne langsam zu begreifen, daß das ein ziemliches Privileg ist. Bands, die "normal" anfangen, müssen sich erst mal den Arsch aufreißen, damit sie überhaupt einen Plattenvertrag kriegen, bei einem kleineren Label. Erst mal mit vielen Live-Gigs eine Fangemeinde erspielen, selber Demos pressen und unters Volk bringen, und dann ein Label überzeugen, daß es überhaupt Leute gibt, die dein Zeug kaufen. Ich bin durch DSDS gleich bei Sony gelandet.

Und wie steht Sony dazu, daß deine neue Band sicher nicht DSDS-like klingen wird, also mal potentiell weniger interessant ist für die Leute, die dich nur von DSDS kennen – und auch weniger gekauft wird?

Sie gestehen mir die Chance zu, es mit einer komplett neuen Band zu versuchen. Dabei habe ich auch Rückendeckung und die nötige Zeit bekommen. Natürlich, wenn das neue Album dann überhaupt niemand kauft, wird's auch mit Sony vorbei sein.

Das heißt der Zenit deines Erfolgs wär' dann schon vorbei. Glaubst du, daß du dann überhaupt im Musikbusiness jemals noch Erfolg haben wirst?

Ich bin da realistisch. Es geht mir nicht darum, ein Superstar zu sein, ich will einfach nur meine Musik machen. Und wenn's mit Sony jetzt nicht funktioniert, werden wir trotzdem weiter machen. Uns live neue Fans erspielen und es bei kleineren Labels versuchen. So wie's halt bei allen anderen Bands normalerweise auch läuft. Das wird die nächsten Jahre Thema sein. Sollte auch das überhaupt nicht klappen, arbeite ich einfach in meinem gelernten Beruf als Kommunikationsdesigner. Auch kein Problem.

Alright. Da wünsch ich dir viel Erfolg bei deiner weiteren musikalischen Laufbahn! Hört sich so an, als ob die Sache Hand und Fuß hat. Vielen Dank für das Interview.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele, und dreht eine Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX, den All-Music Guide, das 35-Millimeter-Filmmagazin und Film & TV Kameramann. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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