Juli 2006
Mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit klickt meine gesammelte Leserschaft (ja, alle drei) gelengtlich auf diesen meinen Blog, um die volle, ungeschminkte Wahrheit über den Filmdreh in der Steiermark zu erfahren. Vor einigen Tagen hätten diverse Gefühlswallungen beinahe zu einem Schreibausbruch geführt, aber dann konnte ich mich doch noch beherrschen.

Wieviel erzähle ich jetzt von diesem Filmdreh, ohne Gefahr zu laufen, daß ein eifriges google-usendes Teammitglied mir am nächsten Tag eine schallert? Ich muß euch wohl damit vertrösten, daß the dirt erst im September, und dann nicht in Schriftform, gehandelt werden wird. Im Bestfall wird uns das Making-of, das René anfertigen wird, ohnehin genug erzählen.

Montag ist übrigens der erste Drehtag, und trotz genauer Vorbereitung und zig-facher Kontrolle der Organisation habe ich natürlich das Gefühl, etwas Wesentliches übersehen zu haben. Das ist wohl so eine Aufnahmeleiter-Krankheit. Wer die Regieassistenz persönlich kennt, dürfte sich allerdings nicht wundern, daß dort noch viel mehr gestreßt wird. Heute abend gibt's noch eine kleine Warm-Up-Feier, ab morgen schnallen sich dann erwachsene Menschen Dildos mit Leuchtkondomen an. Ich erwarte im Produktionsbüro jede Sekunde den Anruf von Blake Edwards.

Gestern abend war unser Salzburger Triumvirat übrigens im hiesigen Diesel-Kino, um nachzusehen, was die Konkurrenz so macht. Und die schläft nicht: FLUCH DER KARABIK 2 ist wunderbar bunt, beknackt, mystisch, überdreht, mitreißend, effektgeladen und voll von Bruckheimer-Angebershots. Und der Film schafft es wahrlich, sein durchgeknalltes Universum zu vollem Leben zu erwecken - insbesondere den Untoten Davy Johns, für dessen Kreation nächstes Jahr ein sympathischer Computergeek einen Oscar in die Höhe halten dürfen wird.

Nun denn, liebe Freunde des sonntäglichen Frühstücks, ich widme mich wieder dem anstehenden Film ... damit ihr das nicht tun müßt.

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Filme nach Fußbekleidung

Anfang der Woche die Cronenberg-Burroughsche Hirnverbiegung NAKED LUNCH, kurze Zeit darauf Scorseses Gangsterepos GOODFELLAS - das konnte heute nurmehr durch einen völlig austauschbaren und immens angestaubten Sandalenfilm namens DIE REVOLTE DER SIEBEN konterkariert werden.

"Schon in Sparta gab's Spaß, Spannung und Unterhaltung wie in den schönsten Italo-Western," verrät uns die Box der Kaufkassette. Tatsächlich ist der Film, Baujahr 1964, weder spaßig noch spannend noch sonstwie unterhaltsam, aber das schreckt ja nur Kleingeister davon ab, sich das Spektakel in voller Länge anzusehen. Die gewohnt komplexe Handlung läßt zwei Brüder, Leslio und den eher ungriechisch getauften Axel, zusammen mit fünf wackeren angekauften Recken gegen den Diktator von Sparta kämpfen, der da nicht nur das Volk unterjocht, das Vieh schändet und die Frauen über die Wiesen treibt, sondern auch noch die Frechheit besitzt, die Mama der beiden Brüder brandschatzen zu lassen.

Weil ja nun der Plot eher überschaubar gehalten war und permanent muskulöse Männer mit ihren Sandalen rasselten, blieb mir ein wenig Zeit, über den typischen Tagesablauf des Diktators von Sparta nachzudenken. Er mag für einen durchschnittlichen Tag im Leben eines jeden beliebigen antiken Diktators herhalten:

09.00h - 10.00h: Finster im Thronsaal herumstapfen, um den neuen Tag zu begrüßen.
10.00h - 10.05h: Willkürlich anonyme Soldaten beschimpfen.
10.05h - 11.30h: Das Volk ausbeuten.
11.30h - 12.30h: Finster im Garten des Palastes herumstapfen.
12.30h - 12.45h: Irgendeinem General einen Angriffsplan erklären und dabei sinister lachen.
12.45h - 15.00h: Sinnloses Herumstehen in der Kulisse unter Aufbietung finsterster Gesichtsmimik.
15.00h - 16.10h: Todesurteile für Gefangene aussprechen und dabei den Geist der Nation bemühen.
16.10h - 16.15h: Aufkeimender Verdachtsmoment anläßlich der geplanten Palastrevolte.
16.15h - 17.00h: Beschimpfung anonymer Soldaten, Ausbeutung des Volkes, finsteres Herumstapfen in diversen Räumen und weitere Todesurteile, um die erahnte Palastrevolte niederzuschmettern.
17.00h - 21.30h: Der einzigen Frau im Film die Heirat versprechen und sie dann nach Abblende vernaschen.
21.30h - 00.00h: Sichtung neuer Drehbücher.

Woher kommt eigentlich die Bezeichnung "Sandalenfilm"? Wikipedia klärt auf: "Als Sandalenfilm werden Spielfilme bezeichnet, die in der Zeit der Antike spielen und mit einem mehr oder weniger großen Aufgebot sandalentragender Komparsen arbeiten." Sapperlot! Weil aber das Leben nicht nur aus Sandalentragen bestehen kann, wird weiterhin gekämpft, und ein glatzköpfiger Krieger für das Gute erfindet im Minutentakt das Katapult, den Bumerang an der Schnur sowie das Maschinengewehr für Holzpfeile. Irgendwo brennt's ganz kurz, und viele Pferde gab's auch noch, aber die Anzahl der Pferde überstieg wohl doch nicht die der Sandalen. Was denn, schon aus, der Film?





Die Revolte der 7 (Italien/Spanien 1964)
Originaltitel: Los Invencibles
Regie: Alberto De Martino
Darsteller: Tony Russel, Helga Liné, Massimo Serato, Gérard Tichy, Renato Baldini, Livio Lorenzon, Barta Barri, José Marco
Länge: 78 Minuten
FSK: 16



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Endlich auf DVD!

Großes Kino: Hart auf Sendung / Pump Up the Volume
Christian Slater und Samantha Mathis in einem der besten Teenagerdramen aller Zeiten. Ab 14. Juli!



Weniger großes Kino: Die Lümmel von der ersten Bank
Alle sieben Teile dieses völlig beknackten deutschen Kulturerbes - frisch, fromm, fröhlich, frei, mit allem, was seinerzeit Rang und Namen hatte. Die DVD-Box wartet sogar mit einem Audiokommentar von Oberförster Hansi Kraus zum ersten Teil auf. Ab 27. Juli!



Und wo bleiben eigentlich die DVDs von ...

Doctor Detroit - Literaturprofessor Dan Aykroyd spielt sich als Gangsterboß auf?
Vibes - Cyndi Lauper und Jeff Goldblum suchen mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet in den Anden eine goldene Pyramide (ganz im Fahrwasser von Indiana Jones)?
The Sunchaser - Michael Ciminos bislang letzter Spielfilm, ein völlig übersehenes Roadmovie mit Woody Harrelson?
Peng! Du bist tot! - Ingolf Lück als sprücheklopfender Hacker am C64 mit Bier-hol-Roboter?

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no image
Damon Lindelof, fürhin ein Mensch, der sich gerne und oft an die Medien wendet, um in selbigen halbgare Statements zu einem informativen Nullsummenspiel hinzuzufügen, ließ letztens verlautbaren, daß er sein geliebtes Inseldrama LOST nach vier oder fünf Staffeln beenden möchte, um dann einen Film fürs Kino zu produzieren.

Seht ihr, Kinder ... nichts ist mit Auflösung am Schluß der Serie! Keine Antworten! Wir lassen die Typen einfach noch zwei Stunden auf der blöden Insel versauern! Und in der Fortsetzung hocken sie dann noch ein bißchen mehr am Strand herum!

Mal abgesehen davon, daß die Show in der zweiten Staffel schwer an Glanz verloren hat, nachdem der modus operandi des Erzählens mittlerweile sein Blaupausen-Schema offenbart hat (sämtliche Figuren geben auf gerade Fragen stets völlig kryptische Antworten; sämtliche Geschehnisse bleiben krampfhaft mysteriös, weil sie entgegen jeder Vernunft einfach stets unkommentiert bleiben; die immer bedeutungsloser werdenden Rückblenden werden jetzt durch immer haarsträubendere, vermeintlich relevante Verbindungen am Leben erhalten), kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie die Serie im Kino funktionieren soll. Was könnte schon in den zwei Stunden passieren, nachdem die Serie offenbar die Geschichte ohnehin nicht fertig erzählen will?

Season 3 - ab September - muß schon einen schwer genialen Einstieg haben, um mich und das Ruder wieder herumzureißen.

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In der IMDB gibt's ja Filmempfehlungen, und deshalb steht unter meinem frühen Gehversuch I AM:

"If you like this title, we also recommend MASTURBATION: PUTTING THE FUN INTO SELF-LOVING".

Das haben die Manager der Datenbank schon richtig erkannt: Filmemachen ist ja eigentlich Selbstbefriedigung fürs Ego, und wie das die Selbstbefriedigung so an sich hat, macht es meistens auch Spaß. Aber was genau sagt die Empfehlung nun über den konkreten Film aus? Daß I AM cineastische Onanie ist? (Da hat Michael Bay sicher noch ein Wörtchen mitzureden.) Daß I AM eine perfekte Vorlage zur eigenhändigen Liebeserklärung ist? Sachdienliche Hinweise werden gerne in den Kommentaren angenommen.

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