Mai 2006
Heute morgen aufgewacht und - wie schon an einigen Tagen zuvor - die allererste EP von Betty's Apartment gehört. Weil die CD auf meinem eigenen Label erschienen ist, das jetzt wieder angefeuert wird, wird jegliche Schwärmerei sicherlich mit Skepsis betrachtet, aber die vier Songs sind so oder so kleine Juwelen, die ich mir privat ebensooft anhören würde, wenn sie jemand anders herausgebracht hätte. Ich weiß gar nicht genau, warum ich immer das Gefühl hatte, daß diese EP keinen optimalen ersten Eindruck von Betty's Apartment vermitteln würde - möglicherweise aus dem Grund, daß die brandneuen, noch im Entstehen begriffenen Songs (darunter die Songs vom Schlaflos-Soundtrack und die tollen Nummern, die Christoph jetzt mit seiner Band eingespielt hat) immer aufregender erscheinen als die, die schon abgeschlossen sind. Egal! Als wir nämlich konzentrierten Ohres das Master angehört haben für diese EP, ist mir völlig aufgegangen, daß die 4 Songs hier allesamt kleine Juwelen sind, deren Imperfektionen wesentlich zu ihrem Charakter beitragen, und die in der jetzigen Zusammenstellung in sich geschlossen sind und dabei gleichzeitig einen schönen Teaser auf coming attractions darstellen.

Bald bringen wir das Live-Album heraus, auf das ich mich jetzt schon so freue, als würde es regulär im Handel erscheinen, und weil ich so begeistert bin von der Musik, will ich mich dann gerne mit Christoph zusammensetzen und einen Finanzierungsplan für weitere Aufnahmen aufstellen und dafür Gelder auftreiben und die CDs dann in alle möglichen und unmöglichen Richtungen promoten und pushen. Und weil Christoph manchmal am Überlegen ist, ob er die etwas unsichere künstlerische Karriere voll einschlagen sollte oder nicht, möchte ich noch folgendes sagen: Lieber Christoph, dear Blackie-O, du hast da ein unglaublich großes Talent, was dir mitgegeben wurde, und du kannst etwas, was wirklich deins ist, und was sonst kein anderer kann. Unterschätze das nicht.

Sollte ich Leser haben, die eigentlich gar keine Ahnung haben, worum es gerade geht, empfehle ich den Surf zu www.bettysapartment.at, um die Musik probezuhorchen, und anschließend ein herzliches eMail entweder an mich oder an Christoph, um die EP für heiße 6 Euro zu ordern. Danke und auf Wiederschnitzel!

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Gutes Karma

NuGothic und trotzdem gut: Die Italiener Lacuna Coil überzeugen mit KARMACODE sogar ganz mißtrauische Rezensenten.

Akutes Problem: Man nimmt sich vor, anläßlich der neuen CD von Lacuna Coil sehr herablassende Absätze über die durch die unappetitlichen Evanescence hervorgerufene NuGothic-Präsenz zu schreiben, die seit den obszön großen Verkaufszahlen letzterer Gruppe die Läden mit alteingesessenem und neu zusammengekochtem Düstermetall füllt. Schließlich muß ja nicht jede Combo, die ihr Waldschratdasein durch das Vorschieben einer mehr oder minder feschen Schwarzhaarigen zu verbergen sucht, in all ihrem üblicherweise prätentiösen Unglanz auf Silberscheiben gepreßt werden.

Das Problem, das sich gerade offenbart, ist aber die Tatsache, daß KARMACODE, eben jenes neueste Erzeugnis aus der Musikschmiede der Italiener Lacuna Coil, sich so geschickt den gängigen Klischees der übrigen Sirenengesang-im-steifen-Todeskorsett-Metalgruppen entgegenstellt, daß die CD nicht mal dann schlecht klingt, wenn man sie fürchterlich finden möchte. Das ist schade für misanthrope Rezensenten, die eigentlich lieber granteln möchten, aber durchaus angenehm für jeden anderen Hörer.

Natürlich werden gewisse Regeln des Goth-Genres eingehalten: Damit die Frauenstimme den düster intendierten Sound nicht zu lieblich klingen läßt, krächzt ja stets ein entbehrlicher Kerl als Kontrast mit. Auch Lacuna Coil haben eine Männerstimme, die sich aber freundlicherweise nicht im grunzenden Krümelmonster-Rachentod ergeht, sondern tatsächlich auch mitunter singend zu hören ist und eher die klangliche Palette erweitert, als einfach nur an einen HNO-Arztbesuch denken zu lassen.

Menschen, die sich weitaus zeitaufwendiger mit den Feinheiten der gesamten Goth-Szene auskennen, wurden schon im Internet dabei gesichtet, wie ihnen ob der Korn-Elemente auf KARMACODE die Halsschlagader anschwillt, weil ein solcher Einfluss keineswegs "true" sein könnte und überhaupt an den Ausverkauf denken läßt. Möglicherweise handelt es sich aber auch um noch schlechter gelaunte Möchtegernkritiker, denen der Gedanke nicht behagt, daß die vorliegende CD anderen Hörern aufgrund ihrer feinen Melodien und der treibenden, basslastigen Rhythmik eventuell sogar gefallen könnte. "Zugänglich" bedeutet eben nicht "Ausverkauf", und "anhörbar" auch nicht "Korn-Einfluß". Sprache kann manchmal sehr verwirrend sein.

Produziert wurde das flott ins Ohr gehende und erfreulich unprätentiöse Werk übrigens von Grip, Inc.-Gitarrero Waldemar Sorychta (der findige Chefredakteur wird sicherlich HIER den passenden Link zum Interview parat haben). Und während die Band prägnante Songs schreibt und mit – ein schönes Wort kommt jetzt – Verve spielt, sorgt Sorychta dafür, daß die Ideen auch gebündelt und mit Wohlklang zu Band gebracht wurden.

Bleibt uns nur noch, eine Empfehlung auszusprechen – selbst, wenn man mit Nightwish, Within Temptation, The Sins of Thy Beloved und den ganzen anderen Goth-Gruppen eigentlich gar nichts anfangen kann. Aber – wer lästert jetzt über Evanescence?




Dieser Text wurde am 9. Mai 2006 für Fritz/Salzburger Nachrichten geschrieben, blieb aber wegen einer Umstrukturierung der Website unveröffentlicht.

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"I feel it welling up inside and Robert Smith lied
Boys do cry and with blood tears in my eyes
I'm an Anne Rice novel come to life."
--- aus: "The Crimson"

"I understand now what I Love You means -
it's doing the right thing no matter of the consequence."
--- aus: "Corseting"

"Love kills, romance is dead and I don't even trust myself,
but I love you and you can pull my wings apart
and pin me down under glass until the end of days
if it can help you discover that we share the same pain."
--- aus: "Demonology and Heartache"

Auf heavy rotation: THE CURSE von Atreyu. Schaudrig-schöne Romantik.

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