April 2006
"Nach einem Stromausfall startet die Maschine automatisch wieder an der Stelle im Programm, an der sie gestoppt hatte, und setzt dann den Waschvorgang fort." So lautet eine Passage des Romans, die der britische Kinderbuchautor John Howard unter dem Titel THE TIN DRUM an diverse Verlagshäuser geschickt hat. Tatsächlich handelt es sich um die Bedienungsanleitung seiner Waschmaschine, mit der er die Lektoren beglückt hat. Die Ablehnungsschreiben waren freundlich und beteuerten, daß das Lesen viel Freude bereitet habe, das Buch aber nicht ins derzeitige Verlagsprogramm paßt. Artikel hier!

Ähnliches Phänomen: Vor einiger Zeit beschickte ein Redakteur einer Musikzeitschrift mehrere Plattenlabels mit einem Demotape seiner Gruppe Empty Rooms - besagtes Tape war allerdings leer. Die Reaktion war erstaunlich: Die meisten Rückschreiben versicherten der Gruppe enormes Potential, auch wenn die Labels leider derzeit keine Kapazitäten mehr frei hätten. Nur ein amüsierter A&R-Mann schrieb zurück, man sollte die Band doch eher in "Empty Cassettes" umbenennen. Selbst bei telefonischen Rückfragen versicherten die A&Rs immer, daß ihnen die Musik wirklich gefallen habe, doch leider ...

Was lernen wir daraus? Ablehnungsschreiben nicht allzu ernst nehmen ...

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1) J.J. Abrams ist der Produzent von STAR TREK 11 und hat auch die Option, dabei Regie zu führen, aber im Internet herumschwirrende Gerüchte, daß der Film von den jungen Tagen von Kirk und Spock handelt, scheinen haltlos zu sein. Offenbar wird aber Philip Seymour Hoffman an Bord sein, und Abrams denkt darüber nach, doch die eine oder andere Figur der Original-Enterprise auftauchen zu lassen: "Those characters are so spectacular. I just think that… you know, they could live again."

2) Ich bin echt nicht dran schuld, weil ich warte, bis das dumme Ding billiger wird, aber offenbar haben eine ganze Busladung voll Menschen die DVD von AMERICAN PIE 4 gekauft, weshalb Universal jetzt freudestrahlend AMERICAN PIE 5 ankündigt (THE NAKED MILE), wo es um einen Cousin von Stifler gehen soll, der nicht zu verwechseln ist mit seinem jüngeren Bruder (um den es in Teil 4 ging). Ich sollte doch noch mal über ein Dutzend SCHLAFLOS-Fortsetzungen nachdenken. Zur Not tauschen wir alle Charaktere aus, erzählen die gleiche Geschichte mit den Schwippschwagern der Menschen aus dem ersten Teil, und um die Kontinuität der Serie zu wahren, übernimmt Otto Neumaier wieder seinen Part.

3) 24, Folge 5.19 - Wow. GRAVITAS!

4) Live-Videos von Head Automatica zu "Brooklyn Is Burning" und "Please Please Please (Young Hollywood)". Die neue CD, POPAGANDA, kommt am 6. Juni.

5) Erste Single der von Josh Abraham produzierten Egypt Central: "Over and Under". Album erscheint bei Bieler Bros. im Sommer.

6) Der Titelsong vom Silent-Civilian-Album (neue Band des Ex-Spineshank-Frontmanns Jonny Santos) ist hier zu hören. REBIRTH OF THE TEMPLE kommt am 2. Mai.

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"Writing is different," Salinger insists. "Other people get into occupations by accident or design; but writers are born. We have to write. I have to write. I could work at selling motels, or slopping hogs, for fifty years, but if someone asked my occupation, I'd say writer, even if I'd never sold a word. Writers write. Other people talk."

aus: W.P. Kinsella, SHOELESS JOE

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Der dritte Teil der Dachbodenexpedition fördert Bilddokumente zu Tage, die meiner treuen Leserschaft nicht vorenthalten werden sollen.


In der Mitte: Meine kleine Schwester, schätzungsweise im Alter von 16 oder 17 Jahren. Liegend: Ihr großer Bruder, ungefähr 6 Jahre alt und fest entschlossen, Conny, das Mädchen links auf dem Bild, zu heiraten. (Ich habe ihr das auch mehrmals gesagt, aber aus irgendeinem Grund hat sie mich nicht ernstgenommen.) Wer die blonde Frau rechts auf dem Bild ist, ist mir entfallen (hieß sie vielleicht Annette?), aber vielleicht fühlt sich meine Schwester ja einmal dazu berufen, per Kommentarfunktion die Wissenslücke zu schließen.

U-Boot-Kommandant Thorsten Konradi (rechts) und sein Erster Offizier bei Routinekontrollen. Das Unterseeboot - genannt SILENT SERVICE - wird durch einen hochmodernen Zentralrechner namens Commodore 64 gesteuert, dessen Eingabegerät lässig in der Hand des Kapitäns ruhend zu sehen ist. Das Photo muß ca. 1988 entstanden sein.

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1) Einem amüsanten Dossier wie "Die 50 besten Debütalben" müssen selbstverfreilich weitaus weniger amüsante Leserbriefe folgen, in denen das Fehlen von 150 genauso besten Debütalben bemängelt wird. Wo bleibt das Debütalbum von Fisch zum Frühstück, oder das von Obsessed With Nadja? Das nächste Dossier: "Die 50 besten Debütalben, denen nie ein Zweitling folgte".

2) Elvis Costello. Schon seit Jahren lese ich mit großem Vergnügen Interviews mit und Artikel über diesen intelligenten und interessanten Menschen, der gerne tiefstapelt und stets bescheiden bleibt. Genaugenommen lese ich diese Interviews so gerne, daß ich mir noch nie auch nur ein einziges Musikstück von Costello angehört habe, weil ich viel zu viel Angst habe, daß ich das einfach nur sterbenslangweilig finde. (Das ist äquivalent dazu, gutaussehende Frauen in der U-Bahn nicht anzusprechen, weil man höchstwahrscheinlich herausfindet, daß sie fürchterliche Stimmen haben oder nur Unsinn von sich geben.)

3) Auch interessant: Ein völlig uninteressanter Bandkollege von The Vines redet über den plötzlich entdeckten Autismus des Frontmanns. Früher haben sie ja immer nur geglaubt, der Kerl ist einfach nur so gestört, aber daß es jetzt auch schon Fachausdrücke für sowas gibt!

4) Der Musikexpress ist ja wahrscheinlich das einzige Magazin, das mehr Kolumnen als Redakteure hat. ("Alles, was ich jetzt noch brauche, ist ein toter Kolumnist," sagt Robert Duvall in THE PAPER.) Nachdem jetzt eine ebensolche Spalte eines belanglosen Schreiberlings gestrichen wurde, sticht immer noch die bemühte Lässigkeit von Sarah Kuttner ins Auge, die so gerne witzig wäre, aber deren vermeintlicher Humor so konstruiert wirkt, daß man den Kasten gleich mit hätte entsorgen sollen.

5) Die Musik der Red Hot Chili Peppers ist mir ja in etwa so wichtig wie die Bürgermeisterwahlen in Bad Hersfeld - nämlich gar nicht - aber interessante Gesprächspartner sind sie zumindest. Ich habe zwei CDs der Gruppe, und habe mich bei keiner der beiden je dazu durchringen können, sie ein zweites Mal zu hören.

6) Wenn man sich meine gesammelten Musikzeitschriften so ansieht, wird man feststellen, daß in den meisten die CD immer noch enthalten ist, weil ich mir die Beilagen eh nie anhöre. In beispielloser Todesverachtung habe ich den diesmaligen Sampler aber sogar einmal in den CD-Player eingelegt und die Play-Taste betätigt. Schon beim dritten Indie-Schrammel-Gitarrenpop-mit-dem-gleichen-Sänger-Track flog der Silberling aber auch schon wieder heraus. Wenn ich noch drei weitere Stücke durchgehalten hätte, hätte ich zum ersten Mal in meinem Leben Elvis Costello hören können - wer weiß, wozu es gut ist.

7) Verschont mich mit diesen ganzen deutschen Bands! (Ein Statement wie dieses muß übrigens nicht begründet werden.)

8) Gut gemeint, aber wie Kraut und Rüben geschrieben: Der Massive-Attack-Rückblick ins Jahr 1990. Neneh Cherry, hier als "coolste Frau der späten 80er" bezeichnet, schmort übrigens mittlerweile in meiner Kiste der aussortierten CDs.

9) Im Fotodossier werden wenigstens meine niederen Instinkte angesprochen. Zumindest theoretisch - wenn ich auf Frauenschlammcatchen stehen würde.

10) Es steht zwar nicht in der Rezension, aber auf dem neuen Pink-Album wurden Tracks von Josh Abraham produziert. Vermutlich sind's nur ein oder zwei, und kaufen werd ich mir das grelle Teil trotzdem nicht - jeder hat so seine Grenzen. Pink gibt mir ja noch wesentlich weniger als die Red Hot Chili Peppers, die mir zumindest egal sind. Hallo, Bad Hersfeld?

11) Ein neues Tool-Album! Das wird gekauft. Nicht heute, eher morgen oder übermorgen oder nächstes Weihnachten. So wild nach denen bin ich ja dann auch wieder nicht.

12) Der sonst so nüchterne Musikexpress schafft es, den Rolling Stone an Pathos noch zu überbieten, wenn es um das Springsteen-Livealbum geht. "Ein Mythos, eine Sternstunde des Rock'n'Roll" ... kill your idols.

13) Warum kaufe ich mir den Musikexpress? Richtig, weil er eigentlich die entspannteste Musikzeitung mit der größten Bandbreite ist. Warum lese ich seit Monaten eigentlich kaum mehr Artikel im Musikexpress? Genau, weil mich die ganzen faden Schnarchnasen und die netten Normalos überhaupt nicht interessieren. Das bringt mich dann wieder zur ersten Frage zurück.

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Auch gerade ausgegraben: Die Anfänge einer absurden Privatdetektiv-Komödie namens D. STONE, ausgeknobelt von Sir Nose und einem Autor, der sich heute noch schämt, anläßlich der Bundesjugendspiele 1994, zu denen beide Autoren sich morgends brav anwesend zeigten, um dann den Tag über im Biotop des Gymnasiums Deckung suchend an ihrem neuesten Kassenknüller zu feilen. Die Einführung der Figuren muß im O-Ton wiedergegeben werden:













Richtig spannend wird die Angelegenheit dann natürlich, als die beiden aufstrebenden Privatdetektive ihren neuen Auftraggeber gvb treffen, dessen Enthüllung ihnen Kopfzerbrechen bereitet:

gvb: "My friends, I am worried"
cg: "Äh, könnten Sie das noch mal ... ich hab' das Englische nicht ganz verstanden ..."

Die Geschichte hört kurz darauf leider auch schon wieder auf, und zu den Bundesjugendspielen im darauffolgenden Jahr haben es die Autoren leider nicht mehr geschafft, ihre Kollaboration weiterzuführen. Welch Juwelen der Filmwelt hier vorenthalten wurden!

Und weil wir gerade dabei sind, uns selber bloßzustellen und die grausam-peinlichen Anfänge dieses Filmemachers zu dokumentieren, sei noch flott die Erstfassung des schwer überambitionierten Horrorfilms CREATURE OF DARKNESS beleuchtet, der 1995 gedieh und 1996 dann zum intellektuell angehauchten SPHERICAL DARKNESS mutierte. Während in der Zweitauflage immerhin Studenten verschiedener Fachrichtungen und Interessensgebiete (Physik! Astronomie! Relativitätstheorie! Philosophie! Schach!) zusammentrafen, um ein Spukhaus zu erforschen, kamen in der Erstversion noch unbedarfte Teenager zum Videoglotzen zusammen. Die einführende Szene sei hier ungeschnitten zum Besten (?) gegeben (es darf noch vorweggeschickt werden, daß die Hauptfigur natürlich nur sehr zufällig Chris hieß und in der Neufassung dann den fantastischen Namen "Chris Scott" erhielt, mit dem sich gemeinhin jeder Bayer am Telefon meldet):

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Chris sitzt im Büro am Schreibtisch
Telefon klingelt
Chris nimmt ab (den Hörer natürlich)
[Chris spricht müde]

CHRIS
Ja?

SERGE
Hi, ich bin's, der Serge. Wie geht's?

CHRIS
Mmh, paßt schon.

SERGE
Stör' ich?

CHRIS
(schaut zu Carrie, die grad ins Zimmer kommt)
Mehr oder weniger.

SERGE
Ich wollte eigentlich nur fragen, ob du morgen zu unserer Videosession kommen willst.

CHRIS
Wann?

SERGE
7 Uhr abends. Bei mir.

CHRIS
Wer bringt die Filme mit?

SERGE
Danny. Ich hab grad bei ihm angerufen.

CHRIS
Mmh, gut, ich komm dann morgen. Ich bring Carrie mit.

SERGE
Is gut. Tschau.

CHRIS
Jaja, tschau.
(legt auf)

Carrie setzt sich neben Chris.

CARRIE
Wohin bringst du mich mit?

CHRIS
Videosession beim Serge.

CARRIE
Da weiß ich aber noch was viel besseres ...

CHRIS
Ich hoffe doch sehr, daß du nicht denkst, was ich denke, daß du denkst ...

CARRIE:
Mhmhmh.
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Die Spannung erhöht sich schon wenige Seiten später dramatisch, weil nicht nur sofort irgendwelche Nebenfiguren anfangen, zu sterben, sondern weil auch der sehr talentierte Co-Autor Mö seine Spuren im Skript hinterließ:

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SERGE
(geht zu Jodi, grinst)
Jodi, soll ich dir mal meine Videosammlung, meinen Fernseher, mein Zimmer und den Schraubenzieher zeigen, hm?

JODI
(lasziv)
Aber gern.
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Bemerkenswert übrigens, daß trotz nie vollendetem Skript die Besetzung des Films schon stand (und sich aus unerfindlichen Gründen aus Klassenkameraden der beiden Skriptverbrecher zusammensetzte), darunter der legendäre Kaptain Olonais (a.k.a. der Brauereiimperiumserbe Alois Unertl, bekannt aus Klassikern wie SPRINGLBACH MELTDOWN). Auch die Crew steht schon fix auf dem Drehbuchentwurf notiert, auch wenn zur Position des Produzenten nur eine Reihe von Fragezeichen zu sehen sind. Wie sich das Skript weiterentwickelt hat und warum dann doch nie gedreht wurde, erfahrt ihr vielleicht in Teil 3 unserer beliebten Reihe "Jugendsünden".

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Beim Stöbern auf dem Dachboden wurde soeben das (unfertig gebliebene) Skript zu SPRINGLBACH MELTDOWN 2 gefunden, das ich seinerzeit im Jahre 1999 in Anlehnung an die Multimedia Leserbriefe verfaßt habe. Moderiert vom kleinen Blubber (bedeutet: der jüngere Bruder von Blubber) und meiner Wenigkeit, beinhaltet das Skript immerhin eine Vorführung der weltersten Teesimulation auf Softwarebasis (die die Frage aufrief, ob man die Teetasse an den USB-Port anschließen sollte) - leider nie gefilmt - sowie ein Einblick in die Dreharbeiten eines neuen Actionkrachers unter Leitung von Dreimaldürftihrraten, bei dem sich die beiden Hauptdarsteller höchst uneinig sind, wer denn nun der Böse sei ("Du bist der Cop"). Letzteres wurde übrigens gefilmt und wird eventuell irgendwann einmal als Bonusfeature irgendwo landen, damit sich die Welt scheckig über mich lachen kann. Ebenso gefilmt wurden die Anmoderationen - in malerischer Kulisse, nämlich in unserem Wohnzimmer sowie auf der Bank vor unserem Haus - die aber bislang verschollen geblieben sind. Eine Erwähnung wert ist schließlich die Beantwortung der Leserbriefe zur ersten Sendung (selbstverfreilich alles rein fiktiv, bis auf den tatsächlich fertiggestellten SPRINGLBACH MELTDOWN 1, der fest unter Verschluß gehalten wird), zu der das Skript folgende Szene parat hat (eine Rückschrift auf unser Filmquiz des ersten Teils):

Irgendwo auf dem Dachboden muß auch noch die quasi legendäre Golfszene ("Man nennt mich Mr. Zapp") herumliegen ...

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1) Im Editorial wird angekündigt, daß die Ausgaben für Mai und Juni ganz im Zeichen des 65. Geburtstages von Krähklampfist Bob Dylan stehen werden. Aus tiefer Freundschaft und Respekt halte ich mich ja üblicherweise zurück, wenn es um den gnadenlosesten aller sogenannten Singer/Songwriter geht, aber der Gedanke, mir zwei Monate lang auf Dutzenden von Seiten eine Laudatio nach der anderen auf diesen schmumpfigen Nuschelkopp ansehen zu müssen (ich würde ja nie soweit gehen, die Gottesanbetung tatsächlich zu lesen), ziehen sich mir misanthrop die Mundwinkel nach unten. Verschont mich! Gebt mir lieber zwanzig falsche Plastikpop-Kasperl statt dieses authentische Geseiere!

2) Kid Rock hat ein Live-Album herausgebracht. Ein Blick auf die Tracklist verrät uns, daß es quasi auch als Greatest-Hits-Kollektion dienen soll, aber weil bisherige Liveaufnahmen des Kleinen Rockers aus Detroit manch Überraschendes aus dem Material zu Tage gefördert haben ("I Am the Bullgod"), sehen wir mal gnädigerweise darüber hinweg, daß die Live-CD sicherlich nur darüber hinwegtäuschen soll, daß Kid seit 2003 nichts mehr von sich hat hören lassen.

3) Ein sehr sehr faszinierender Artikel über die irrwitzige Mars-Mission. Nachdem unsere Generation nicht vor dem Fernseher sitzen konnte, als seinerzeit der erste Mensch den Mond betrat, könnten wir eventuell im höheren Alter dafür die Marslandung mitverfolgen. Der Irrwitz des Unterfangens und die Milliarden Problemchen, die vorher noch gelöst werden müssen, scheinen mir Inspiration genug für die Menschen zu sein, die stets nach mehr streben. Spannend.

4) Ein 16-Seiten-Special über The Flaming Lips, die ich nicht kenne und eigentlich auch nicht kennen will. Schluß mit dem ganzen Das-könnte-ja-irgendwie-interessant-sein: Das Leben ist zu kurz, um sich jeden dahergelaufenen Musiker anzuhören.

5) Es gibt eine Doku über Leonard Cohen, zu der Wim Wenders aktenkundlich geweint hat. Schön. Weniger schön, daß die Doku offenbar vielen Menschen Platz bietet, aus dem Werk Cohens Kitsch zu machen. Und Bono ist auch dabei, obwohl es gar keinen gemeinnützigen Zweck gibt. Wozu braucht man diese Menschen, wenn es eigentlich um Cohen geht? Und warum belästigen uns schon wieder irgendwelche gerührten Musikmacher mit völlig unnötigen Coverversionen von den großen Cohen-Songs?

6) Ein neues Mark-Knopfler-Album, aufgenommen mit Emmylou Harris. Die Bandbreite der Möglichkeiten liegt irgendwo zwischen leisen, weisen, und unaufdringlich-entspannten Songs auf der einen Seite und klebrigem Country-Kitsch auf der anderen. Will ich's wirklich wissen, oder hab ich nicht eigentlich schon genug Platten von Knopfler?

7) Lesley Gore hat auch ein neues Album aufgenommen ... und zwar das erste seit 1976. Nach eigenem Bekunden hat sie in den 30 Jahren dazwischen zwar gesungen, aber eher ohne Ambitionen, und es scheint eine CD herausgekommen zu sein, die laut Rolling Stone "sehr erwachsen, sehr nachdenklich" ist. Eigentlich interessiert die mich mehr als der ganze andere Krempel, der da seitenlang angepriesen wird.

8) Ich träume von einer Welt, in der nicht jeder Huster und jede Erscheinung von Bruce Springsteen mit den Worten "legendär", "Magie", "Katholizismus", und "die explosivste, sentimentalste, pompöseste, schärfste, verspielteste, überdrehteste, komischste, anrührendste und leidenschaftlichste Musik, die der Rock'n'Roll je hervorbrachte" bedacht wird. Kill your idols.

9) Irgendwie will ich das Miles-Davis-Boxset mit den "Cellar Door Sessions 1970" dringend haben, aber andererseits weiß ich nicht genau, wann ich die 6 CDs denn je hören soll.

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Kiefer Sutherland
Coolness +2

Artikel hier.

Übrigens hat Kiefer für 3 weitere Staffeln 24 unterschrieben - im Gegenzug kriegt er eine eigene Produktionsabteilung beim Fernsehsender, wo er eigene Formate entwickeln kann. Jack Bauer wird also bis mindestens 2009 "right now" sagen.

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Heute vor genau einem Jahr eröffneten Wilsons Dachboden und Bettys Apartment die Pforten, um ein krudes, kunterbuntes Sammelsurium zusammenzutragen an Erlebnissen, Gedanken, Träumen, Meinungen, Frustrationen, Spinnereien, und Einblicken in diese Welt, die wir mit den anderen teilen und doch offenbar so anders sehen. Grund genug, die Renovierungsarbeiten im Dachboden - klanglich optimal begleitet von den mikrotonalen Bau-Klang-Installationen meines neuen Nachbarn - für diese kurze Geburtstagsmeldung zu unterbrechen.

Übrigens hatte der weise Wahn, die Zeichen der Zeit völlig verkennend, nur zwei Tage später selber einen Blog eröffnet - die theologische Actionsoup Die Offenbarung - und das Gefüge so zu einem Triumvirat werden lassen. Weitere fünf Tage später reichten ihm die selbstauferlegten Limitierungen der Geschehnisse rund um Pugnus Dei nicht mehr, und er eröffnete Obi-Wans Obstgarten, um uns seitdem mit satirischen Kolumnen und (beinahe völlig) konsequenter Ausklammerung des Ichs (gewissermaßen die Entfremdung des Künstlers vom Werk) den Alltag in anderem Licht sehen zu lassen. The guy knows a trend when he sees one, und er wird in den nächten Tagen verdientermaßen zwei Geburtstage feiern können.

Genug gegafft, liebes Volk, die Tür zum Dachboden schließt sich vorerst wieder. It's not over but it's over now.

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