Das folgende Interview mitsamt Konzertbericht wurde vom Kollegen Erhard Furtner ursprünglich für FRITZ/Salzburger Nachrichten geführt bzw. niedergeschrieben. Vielen Dank an Erhard für den Text.



Fett wia a Christkindl '06

15. Dezember 2006, Rockhouse Salzburg: Alkbottle spielen zünftig auf bei ihrer Christkindltournee. FRITZ ist mit dabei und nützt die Gelegenheit für ein Interview mit den 'Lokal'-Helden.

Weihnachtsstimmung in Salzburg – Christkindlmarkt, Glühwein, Sonnenschein. Je näher der heilige Abend kommt, desto besinnlicher wird die Stimmung in der Stadt. Passend dazu kehren Alkbottle im Rockhouse ein und verbreiten beim Singen ihrer fröhlichen Lieder eine entspannte Weihnachtsatmosphäre.

Groß geworden sind Alkbottle mit solidem Rock- und Heavy-Sound, der mal entspannter und mal härter klingt. Das eigentliche Markenzeichen der Band sind aber die wienerisch gehaltenen, gehaltvollen Texte, welche einfühlsam Situationen und Gedanken behandeln, die wohl jedem von uns schonmal durch dem Kopf gegangen sind. Kein Wunder, daß gleich beim 2. Album BLADER, FETTER, LAUTER & A BISSL MEHR der österreichweite Durchbruch gelang. Nach 5 Alben löste sich die Band 1998 auf. 2006 kam es wieder zur Reunion, die zugegebenermaßen nicht völlig überraschend aus dem Nichts kam.

Mit der "Fett wia a Christkindl '06"-Tour feiert Alkbottle zusammen mit den Fans ihre Reunion stilvoll und fulminant ab. Die beiden anderen Acts (Maniac Saint, Krautschädl) habe ich zu meinem Leidwesen verpasst ... Jaja, manchmal wartet man schon lang auf ein Interview.

Erhard Furtner: Wie ist das so mit dem Thema Alkohol ... Alkbottle – Alkohol; da stellen euch andere Interviewpartner ja sicher andauernd alberne Fragen?
Roman Gregory: Also, du bist jetzt der Erste, der uns überhaupt auf Alkohol anspricht. Für uns ist das Thema komplett neu und wir haben eigentlich nie damit gerechnet, auch bei der Namensfindung nicht, daß wir jemals mit dem Thema konfrontiert werden. Aber jetzt, wo du das ansprichst – muß ich eigentlich das Konzept wieder überdenken und neu überlegen, damit sich die Leute im Klaren sind, was wir da machen mit Alkbottle.
EF: Ihr habt ja auch Songs wie "Fanta Light", wo ihr den exzessiven Konsum von alkoholfreien Getränken propagiert.
RG: Dementsprechend ist das ja soweit in den Nummern auch dargelegt. Im gleichen Atemzug sagen wir: "Nein, Alkohol ist eigentlich böse".
EF: Ihr habt ja generell Themen, die auch viele Österreicher ansprechen, wie "Fliesenlegen", "120 Schilling Stempelmarken", romantische Songs wie "Weine nicht, kleine Hausmeisterin" ... Erklärt ihr euch euren Erfolg auch mit diesen Texten, weil sich die Leute damit identifizieren können?

RG: Klar, das war auch schon die Prämisse von Anfang an. Wir wollten immer eine Band haben und Musik machen, so wie wir uns das vorstellen, daß es richtig gehört. Also, Musik, die ich auch selber gern hören würde. Ich bin ja genauso ein Konsument, der das eine ablehnt und dem das andere gefällt. Ich schätze einfach ironische Texte und schätze auch sehr viel Zweideutigkeit in Texten. Und so wie meine Persönlichkeit gelagert ist, sind es auch die Texte. Da kann man sich Gedanken darüber machen oder auch nicht. Und da es auch eine gewisse Breitenwirksamkeit hatte, gibt uns der Erfolg in einer gewissen Weise recht.
EF: Am Anfang hat euch ja kein Schwein gekannt und ein großes Problem war, erst einmal einen preisgünstigen Tourbus zu organisieren.
RG: Ja, so ist das immer am Anfang.
EF: Stimmt. Aber konntet ihr auch gleich nach der Reunion voll loslegen, und hattet ihr dann den ganzen Support wie früher?
RG: Ja klar. Uns gibt es ja schon 15 Jahre – da kommt schon was zusammen. Wir sind den Leuten ein Begriff, und in den '90ern war Alkbottle in dem Land ja groß. Viele Leute sind damit aufgewachsen, viele Leute sind damit groß geworden. Und die verbinden auch ihre Jugendzeit mit der Musik, die sie damals gehört haben. Das kann man nicht von dem einen auf den anderen Tag wegwischen. Die Leute bleiben ja, und pflanzen sich dann auch fort. Bestenfalls kommen sie dann mit ihren Gschroppen [Kindern] zum Alkbottle-Konzert – die dann hoffentlich auch gleichermaßen begeistert sind.

EF: Auf eurer Homepage habt ihr auch ziemlich viele private Fotos. Euch scheint das also weniger zu stören, daß ihr öffentliche Personen seid und auch auf der Straße oder beim Einkaufen erkannt werdet?

RG: Nein, das ist nicht so arg. Um einen Vergleich anzustellen – mit dem Bekanntheitsgrad von Reinhard Fendrich würd ich nicht tauschen wollen. Es war ja auch immer so, daß wir auf unseren CD-Covern in erster Linie Zeichnungen oder Grafiken hatten, und die Leute diese Symbole mit der Band verbinden. Die Gesichter dahinter waren immer mehr oder weniger egal. Außer, wenn man uns live gesehen hat, dann hat man die Band mit den Gesichtern verbunden. Aber das stört nicht, du stehst ja deswegen auf der Bühne, daß die Leute ein Gesicht sehen.
Hmm, wir könnten uns ja auf die Bühne stellen und kein Licht aufdrehen ... Aber so häßlich sind wir ja nicht, also können wir uns auch ein bissl herzeigen. Der Bekanntheitsgrad ist ja auch nicht in dem Sinn überproportional groß. Es ist ja nicht so, daß ich nicht zum Billa gehen kann, ohne mir die Finger bei Autogrammen wund zu schreiben. Wenn mich alle 2-3 Tage irgendwann jemand auf der Straße erkennt, bin ich schon in der Lage, mich darüber zu freuen, wenn's nicht überhand nimmt.

EF: Obwohl, auf der BLADER, FETTER, LAUTER & A BISSL MEHR seid ihr ja in eurem, mehr oder weniger, "Alltagsoutfit" abgelichtet.
RG: Klar gibt es Bandfotos. Die Leute brauchen natürlich Bezugspersonen zur Musik. Aber wir haben nicht extra immer darauf bestanden, daß unsere Gesichter im Vordergrund stehen. Insgesamt steht ja die Band an sich im Vordergrund – die Musik steht im Vordergrund. Starkult alleine – das wär dann ja sowas wie Starmania oder Popstars. Die wollen nur berühmt werden, aber wissen nicht, für was...
EF: Ja, das stimmt.
RG: Wir haben eben erst einmal die Musik in den Vordergrund gestellt und sind dadurch berühmt – eher wohl berüchtigt geworden. Aber trotzdem; wir haben einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Ich finde, das ist insgesamt immer noch der gesündere und bessere Weg.
EF: Wollt ihr nicht mal für Österreich den Song Contest bestreiten, wie beispielsweise Alf Poier?
RG: Jederzeit, jederzeit. Dafür wenden wir eigentlich unsere gesamte freie Energie auf, um da wirklich ein halbwegs passendes Songmaterial zusammenzustellen – und das schon seit 15 Jahren. Aber es ist uns einfach noch nicht gelungen. Wir probieren natürlich jedes Jahr einzureichen, haben aber die Frist immer ganz knapp verpaßt. Aber wir sind ganz sicher – irgendwann wird's passen.
EF: Tja, da habt ihr auch harte Konkurrenz wie Tony Vegas, die Global Oberkryner und Alf Poier. Da kommt man nicht so leicht dagegen an ...
RG: Nein, an das Niveau kommen wir wirklich schwer ran. Aber ich bin davon überzeugt, daß das was wird! Und wenn wir uns dazwischen noch einmal auflösen müssen ... Aber egal, irgendwann sind wir beim Song Contest. Und dann werden wir Österreich wirklich würdig vertreten.
EF: Nächstes Jahr würd's eh gut passen. Nachdem Lordi gewonnen haben, wäre die Zeit reif für Alkbottle.
RG: Ja, das glaub ich auch. Wir sind ja auch international und haben unseren Song "Geh scheissn!" in alle möglichen Sprachen Europas übersetzt. Und das würden wir jederzeit gern auch in einer anderen Form und Art und Weise darbringen. Da bringen wir halt 10 Keyboarder mit, und die sprengen wir alle gleichzeitig in die Luft. Die Live-Performance muss schon genau überlegt werden beim Song Contest.
EF: In Wien habt ihr ja schon eine riesige Hausmannschaft an Fans. Ist da irgendwann auch mal ein Politiker auf die Idee gekommen, euch für einen Wahlkampf zu engagieren und eure lokale Popularität zu nutzen?

RG: Ja, eine Partei – eine relative kleine und unbekannte, und zwar die A.L.K. - was soviel bedeutet wie 'Die Alternative Liste Kalksburg'. Die wollte uns damals für die Wahlwerbung haben. Aber wir haben abgelehnt, weil wir ja ein Vorbild für die Jugend sind und mit Alkohol nichts zu tun haben wollen. Und wenn die Leute schon alkoholkrank sind, dann wär' das ja keine gute Message.

Aber was anderes ... Ich habe mal den H.C. Strache kennengelernt, und der hat mir erzählt, daß er in seiner Jugendzeit Albottle gehört hat. Und ich habe darauf gesagt, das ist wirklich das erste Mal, daß mir das peinlich ist.

EF: Hmm, bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob du mich da auf den Arm nehmen willst ... Ist das wirklich so passiert?
RG: Mit dem Strache? Ja, tatsächlich. Der ist zu mir hergekommen, hat mich auf einen Vodka eingeladen oder was auch immer das war. Damals war er noch nicht Parteiobmann – ich hab ihn auch nicht wirklich erkannt. Er redet mich dann auf meine Musik an – was ich im Prinzip ja auch gewohnt bin; und dann auch Leuten zu antworten, die ich nicht kenne. Also plaudern wir halt. Nachher ist mir das dann gedämmert, als mich jemand anderer angerempelt hat und mich gefragt hat: "No, waaßt du net, wer des is?" Aahja ... Er ist wahrscheinlich davon ausgegangen, daß ich weiß, wer er ist – dem war aber nicht so. Wie ich dann draufgekommen bin, habe ich ihm gesagt, daß mir das aber jetzt wirklich peinlich ist. Was er aber dann recht lustig gefunden hat.
EF: Also, ich kann dir versichern, daß es dir noch viel peinlicher ist, wenn du erst mal den H.C. Strache-Rap gehört hast.
RG: Natürlich haben wir den schon gehört. Den haben wir in unserem Studio recht laut laufen lassen. Wir haben auch versucht, den H.C. Strache-Song zu covern. Er ist im Prinzip – man kann so sagen – der Eminem von Österreich.
EF: Tja, wohl auch eher, weil er in dem Bereich hier nicht viel Konkurrenz hat. Aber der Song, naja ... wird schon nach einer Minute ziemlich öde und wiederholt sich nurmehr.
RG: Ja, songwritermäßig kann man noch daran arbeiten. Aber er ist sicher ein ausbaufähiges Talent. Gemacht hat das ja der Biedermann, der auch den DJ Ötzi macht. Das sagt eigentlich eh schon alles. Der produziert DJ Ötzi – na klar kann er dann H.C. Strache auch produzieren; dann ist es schon wurscht.

EF: Einen annehmbaren Unterhaltungswert hat H.C. Strache auf jeden Fall.

RG: So ist es. Die ganze Kabarettlandschaft Österreichs wäre ausgestorben ohne die Freiheitlichen. Und jetzt, wo sie sich noch einmal geteilt haben, ist es eigentlich noch besser. Da ist noch mehr Fläche für Spott und Hohn, als vorher schon war.
EF: Seht ihr euch eigentlich insgesamt als österreichische Band oder doch eher international?
RG: Also, wir sehen uns absolut als österreichische Band; in keinster Weise irgendwie international kompatibel. Wir haben uns ja von Anfang an sprachlich festgelegt, Dialekt zu singen. In Deutschland könnte man es sicher noch verstehen, aber es hat sich bis jetzt noch nicht im breiten Spektrum ergeben, und das ist uns jetzt auch nicht wirklich so wichtig. Wir sind ein Local Act, wie der Name schon sagt: "Lokal"-Heroes. Wir sitzen beim Wirtn und bedienen da die Gäste. Ob es jetzt in England oder in Finnland wem gefallen könnte, darüber machen wir uns keine Gedanken.

Ich denke, in jedem Land gibt es so etwas wie Alkbottle. Jedes Land hat seinen Local Act, der dem Volk auf's Maul schaut und ihm den Spiegel vorhält. Und wenn es das nicht gibt, dann werden wir uns Franchisenehmer suchen und werden für jedes Land die Texte umtexten. Jedes Land wird dann quasi eine Franchise-Albottle-Band bekommen. Sollten wir eigentlich machen – besonders jetzt, wo Europa zusammenrückt, ist das eine gute Idee.

EF: Ich habe euch ja vor 10 Jahren schon mal bei einem kleineren Open Air im Sauwald in Oberösterreich gesehen. Bin dort schon um 15 Uhr nachmittag angekommen; vor euch waren vier andere Bands. Bei denen waren jeweils so 5-10 Leute Publikum. Bei eurem Auftritt um 20 Uhr waren es doch auf Anhieb gleich über 100.
RG: Hört sich so an, als ob das ein richtig erfolgreiches Konzert war.

FRITZ: Nun ja, mich hat es beeindruckt, daß ihr dann doch das volle Programm mit vollem Enthusiasmus durchgezogen habt. Hätte ja sein können, daß bei euch angesichts des nicht so zahlreichen Publikums die Motivation nicht arg groß ist.

RG: Nein, das hat gar nichts zu sagen. Was können diejenigen Leute dafür, die trotzdem da sind und ihre Eintrittskarten bezahlt haben. Warum sollen die dann eine weniger gute Show kriegen? Das sehe ich nicht so.
EF: Sonst, wos gibt's (musikmäßig) Neichs?
RG: Gute Musik natürlich; so probieren wir das zumindest. Wir werden auch heute zwei neue Nummern spielen. Da kannst du dir am besten selbst davon ein Bild machen. Unser neues Album wird ein Alkbottle-Album – es wird nicht irgendeine musikalische Selbstfindungstour. Es wird aber natürlich nicht mehr so klingen wie das erste Album. Wir sind ja auch keine 20 mehr. Unsere Musik, unser Können, all das hat sich natürlich weiterentwickelt, und das wird auch zum Ausdruck kommen.

Aber das heißt auch nicht, daß es ein völlig anderer Stil ist oder wir völlig andere Leute damit erreichen wollen. Wir sind hoch zufrieden mit den Leuten, die wir erreichen. Und die sind uns bei weitem lieber als der Rest, der so an Musikkonsumenten herumläuft. Wir versuchen da nicht, in fremdem Terrain zu fischen, sondern wir müssen unsere Leute bedienen. Die brauchen ein neues Album – das wissen wir, das sehen wir, das spüren wir und das werden wir machen.

Und so haben sie es dann auch gemacht beim nachfolgenden Auftritt. Die Bandmitglieder waren überzeugend weihnachtlich als Christkindl verkleidet, und bei der ersten kurzen Pause wurde das Publikum sogar mit kleinen Geschenken bedacht. Überflüssig zu sagen, daß das Rockhouse randvoll und ausverkauft war. Das Getose der Fans war groß – als Auftakt gab es gleich, wie erwartet, "Fucking Christkind" und "100.000 Engel" zu hören.

Man merkt, daß Alkbottlle mit vollem Enthusiasmus dahinterstehen und sichtlich das Konzert genießen. Von den Songs her gab's reichlich Auswahl, und die Alkbottle-Historie wurde rauf und runter gespielt. Gespannt war ich auch auf neue Songs wie z.B. die mir bisher unbekannten "Alkochrist" und "Nirvana". Wie Roman Gregory bereits im Interview angedeutet hatte, waren beide sofort als Alkbottle-like zu identifizieren.


Zum Abschluß gab es als kleine Effekthascherei eine Kettensägenperformance in Verbindung mit einem Weihnachtsbaum. Alles in Allem ein trauter Abend mit Albottle und glückseligen Fans in fröhlicher Runde. Alright.

-----------------
4 8 15 16 23 42
Share To:

Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

Post A Comment: