Dezember 2005
Kennt hier jemand Vince Murdocco? Nicht? Das ist natürlich sehr schade, weil Vince nämlich die Titelrolle in dem Panoptikum des schlechten Geschmacks schlechthin gespielt hat: FLESH GORDON MEETS THE COSMIC CHEERLEADERS. Vince war natürlich Flesh Gordon, der standhafteste Weltraumheld, der von den Cheerleadern Babs, Candy Love und Sushi gekidnappt wird, weil auf deren Planeten alle Männer durch die Impotenzstrahlen des böse Emperor Wang the Perverted unfähig gemacht wurden. Zum Glück wird Flesh von seinem guten Freund Dr. Flexi Jerkoff gerettet und kann dann gegen Wang in den Kampf ziehen, der Fleshs Organ gerne transplantieren will, um so die Galaxis zu unterjochen: "Your penis and my brain will be a marriage made in hell!" (Wie üblich stimmt natürlich jedes Wort in diesem Blog aufs I-Tüpfelchen - ich denke mir doch so etwas nicht aus!)

Warum ich das erzähle? Nun, Vincens Karriere hat nach seinem Debüt nicht gerade raketenhafte Züge angenommen, und so hat sich der wackere Held durch Videothekenfutter wie KICKBOXER 2, KARATE TIGER 7 und BLOODFIST FIGHTER 4 geeumelt. Und weil er noch nie eine Nummer 3 in seiner Filmographie hatte, spielt Vince als nächstes in ... X - M E N 3 ! ! !

Und dieser Fund in der IMDB war mir einen ganzen Blogeintrag wert. Gott, geht's mir gut.

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Es ist hochoffiziell: Christian Bale ist der verdammt noch mal brillanteste junge Schauspieler, den wir haben. Und wahrscheinlich auch der extremste. Daß Bale unglaublich gut ist, haben wir ja schon in AMERICAN PSYCHO gesehen - dieses leere Gesicht, die gleichförmige Stimme, die perfekte Abwesenheit einer menschlichen Regung und die Verkörperung des kalten Wahnsinnigen, unter dessen kalkulierter Oberfläche grausame Gewaltphantasien brodeln. Auch in BATMAN BEGINS war Bale magnetisierend, ein von Rachegefühlen zerfressener düsterer Einzelgänger, und wieder passiert bei ihm das Spannende unter der Oberfläche. Wir sehen einen Menschen, in dessen Inneren Tragisches und Schreckliches weggesperrt wurde.

Heute abend habe ich THE MACHINIST gesehen, und ich bin völlig ausgelaugt. Für diesen düsteren, alptraumhaften Psychotrip hat Bale 30 Kilo abgenommen, und man kann ihn fast nicht ansehen. Er ist ein wandelndes Skelett. Aus dem Rücken ragt die Wirbelsäule hervor, der Brustkorb besteht nur noch aus Knochen. Das Gesicht ist völlig eingefallen. Und wieder schleppt Bale Dämonen mit sich herum, die sich quälend langsam zeigen. Es mag nach außen hin aussehen wie ein Horrorthriller, wie eine Mischung aus FIGHT CLUB und I AM, aber eigentlich ist es nur eine tragische Geschichte über Schuld. "Ich habe seit einem Jahr nicht mehr geschlafen," erzählt Bale Jennifer Jason Leigh, und so wirkt er auch: halb tot. Und doch so präsent und fesselnd auf der Leinwand wie kein anderer. Ein Wahnsinnsfilm, ein wahnsinnig guter (und wahnsinniger) Schauspieler.

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Sonntag fand des Hasleckers Filmpremiere statt, und man kann mit Faust und Recht behaupten, daß der Film jetzt stimmiger wirkt. Ein paar ganz kleine Änderungen, aber irgendwie geht der Schluß viel besser auf. Es ändert freilich nichts daran, daß die Fragestellungen des Films immer schwammiger werden, je mehr man darüber nachdenkt, aber ich würde sagen, der Filmschaffende kann zufrieden sein.

Was jetzt ansteht, hat leider gar nichts mit dem Filmemachen zu tun: Weihnachtsgeschenke müssen noch gekauft werden. Da heute erst der 20. ist, bin ich einigermaßen entspannt, werde aber dennoch heute nachmittag schon mal nach Freilassing fahren, um eventuelle Gaben zu lokalisieren und gegebenenfalls gleich zu erwerben. Unschön ist es natürlich, daß mittlerweile alles so schweineteuer ist und ich wirklich überhaupt keine Ahnung habe, was ich denn überhaupt herschenken soll. Es ist so viel leichter, sich was schenken zu lassen: Zettel schreiben und beglücken lassen. Seufz.

Eigentlich wollte ich ja noch davon erzählen, daß ich DOOM II durchgespielt habe, aber ich hab's eben nur fast durchgespielt, weil ich beim Endgegner einen Cheat verwendet habe. Da hab' ich eben gedacht, daß die Burschen mir mal den Schuh aufblasen können. Gespielt habe ich natürlich auf Ultra-Violence, der schwierigste Level (es gibt noch einen schwierigeren - Nightmare - aber da stehen die Monster nach ein paar Sekunden einfach wieder auf, was mir viel zu stressig ist, und außerdem sind auf der ganzen Welt nur acht Leute bekannt, die DOOM II auf "Nightmare" durchgespielt haben). PC-Player schrieb ja damals, daß man DOOM II auf Ultra-Violence nicht schaffen kann, aber ich hatt's seinerzeit geschafft, und jetzt eben auch (fast) wieder.

In den meisten Leveln - insbesondere den letzten 10 - kann man ja dann eigentlich nur noch hysterisch lachen, was die Programmierer da auf einen loslassen: Hundertscharen von Monstern, noch und nöcher, von allen Seiten auf einmal, mit Fallen und allen Schikanen. Dann rennen diese fiesen Archfiends herum, die tote Monster zum Leben erwecken können und mit Flammen schießen, denen man nicht ausweichen kann (und die einem dafür dann gleich die halbe Lebensenergie entziehen). Dabei lachen die dann auch noch so gruselig. Ganz besonders heiter (Standardspruch beim Betreten eines neuen Raums: "Ja, sicher ...") wurd's dann in einem der letzten Level, wo gleich zwei Archfiends herumliefen, und der eine den anderen wieder hat aufstehen lassen, und dann marschierten da auch noch zwei Spiderdemons herum, die im ersten DOOM immerhin noch als Top-Endgegner herhalten durften und hier geradezu inflationär hineingeworfen werden. Irrsinn!

Und jetzt? Jetzt muß FINAL DOOM her, das von id Software noch hinterherschoben wurde - schlappe 64 neue Level für DOOM II, gegen die die Originallevels dann wie ein Spaziergang im Park wirken dürften. Die werden wir ja wohl auch noch klein kriegen!

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So, verehrte Festgemeinde: Ich darf freudig verkünden, daß der allseits beliebte MYSTERY PROJECT jetzt auch zum Download bereitsteht, und zwar unter www.ghostlightproductions.de/mp.html. Das ist nur für diejenigen unter euch ratsam, die eine schnelle Verbindung haben, weil das File immerhin 31 MB groß ist. Einfach rechts auf "download" klicken, dann "Ziel speichern unter ...".

Feedback ist stets willkommen!

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Wenig Lob für Magna Cum Laude

Vorsicht: Wer eine Aversion gegen schlechte Kritiken hat, sollte den Bericht zum achten Teil von LEISURE SUIT LARRY (namens MAGNA CUM LAUDE) eher vermeiden.

So demontiert man eine Legende. Die freudige Aufregung, von einem geplanten neuen LEISURE-SUIT-LARRY-Spiel zu hören, hat schnell Misstrauen Platz gemacht: Der achte Teil der Adventure-Kultserie um den Möchtegern-Frauenhelden Larry Laffer hat wenig mit den vorigen Spielen zu tun. Nicht Larry Laffer, sondern sein (ihm nachempfundener) Neffe steht im Mittelpunkt des Geschehens. Erste Sichtung des Spielsystems hat Stirnrunzeln verursacht: Larry 8 (das unter dem Namen LEISURE SUIT LARRY: MAGNA CUM LAUDE unter das Volk kommen sollte) wird im TOMB-RAIDER-Stil programmiert, wo die Spielfigur durch 3D-Landschaften gesteuert wird, die Interaktion mit der Umgebung aber auf ein simples "Benutzen auf Tastendruck" reduziert wird. Und dann der gröbste Schnitzer: Designer Al Lowe, dessen unverkennbarer Humor die vorigen Teile prägte, wird (trotz flugs ins Leben gerufener Online-Petition) gar nicht mit an Bord sein. Dennoch: Wir haben gehofft.

Zeit für eine kleine computergeschichtliche Exkursion: Die LEISURE-SUIT-LARRY-Reihe wurde seinerzeit – Ende der 80er bis Mitte der 90er – von der Firma Sierra produziert, die auch andere beliebte Adventure-Reihen wie KING'S QUEST und SPACE QUEST im Programm hatten. 1996 verkaufte Firmeneigner Ken Williams die Firma (über ein paar Umwege) an Vivendi, und die neue Firmenleitung hatte nichts Besseres zu tun, als alle alten Mitarbeiter zu entlassen (allen voran die Designer, die den Spielreihen ihre eigene Identität gegeben haben) und die erfolgreichen Reihen brachliegen zu lassen. Weil in dem Heckmeck um den Verkauf seinerzeit einige nicht ganz blütenreine Machenschaften im Spiel waren, stehen auch immer noch diverse Juristen vor der Tür, die den Drahtziehern einige Jährchen aufbrummen möchten, die etwas Verschlossenes an sich haben. Ken Williams dagegen befindet sich mittlerweile in Pension und kommuniziert mit den Fans per Website: www.sierragamers.com - ein guter Ort, um ein wenig tiefer in die lohnenswerte Sierra-Geschichte einzudringen.


Umso aufregender, daß Vivendi jetzt die LEISURE-SUIT-LARRY-Reihe reaktivieren möchte. Und umso enttäuschender, daß das Spiel, das jetzt endlich in den Läden steht, sich zu den alten Klassikern verhält wie EPISODE I zum originalen KRIEG DER STERNE. Polemisch formuliert: Die Legende Larry Laffer wird derart demontiert, daß eine Anzeige wegen Vandalismus angebracht erscheint.

Natürlich geht es auch in MAGNA CUM LAUDE darum, möglichst viele Frauen anzubaggern. Larrys Neffe, Larry Lovage, zieht durch ein typisches Studentenleben und ist hoffnungsfroher Kandidat für eine Single-Show, die ihm endlich Tür und Tor zum weiblichen Geschlecht öffnen soll. Wo aber die früheren Spiele eine pfiffige Rahmenhandlung mit teils banalen, teils hammerschweren Puzzles boten, herrscht hier gähnende Langeweile: Larry läuft unmotiviert durch Studentenwohnheim, Campus und Stadt, quasselt Frauen an und vertreibt sich (bzw. dem Spieler) die Zeit mit selten dämlichen Mini-Spielen, deren Gehalt knapp unter dem von Tic-Tac-Toe liegt.

Das Ganze sieht dann also so aus: Man läuft auf eine Frau zu, drückt die "Benutzen"-Taste, um mit ihr zu reden, und steuert dann in einem kleinen Geschicklichkeitsspiel ein kleines Spermium um Hindernisse herum, um die Konversation zu lenken. Das geht mit zwei Tasten – oben und unten – und beinhaltet grüne Symbole, die man aufsammeln sollte, und rote Symbole, die man vermeidet. Und wenn dann die Spannung einen ihrer vielen siedenden Höhepunkte erreicht, kommt eine Tanzsequenz, in der man vorgegebene Tastenkombination im richtigen Rhythmus duplizieren soll: rauf-rauf-runter-links.


Ehrlich: Das ganze Spiel besteht aus solch niveaulosen Beschäftigungstherapien. Ob man am Automaten Tischtennis spielt oder in Super-Mario-Manier Schlägertypen am Campus entkommen soll - es passiert rein gar nichts, was den Spieler auch nur annährend herausfordert. Oder interessiert. Oder gar unterhält. Wer mag, darf auch zwischendurch zum Beispiel Photos schießen, die man dann herumstreunenden Studenten andreht. Aber ganz ehrlich: Man kann's auch lassen.

Und der Humor? Hält sich konsequent auf Zoten-Niveau. Ganz verkrampft verrucht werden da in schrägen Kameraperspektiven große Brüste durchs Bild geschoben, anzügliche Formen sind en masse zu finden, und ein Sexwitz jagt den anderen. Jaja: Die frühen Spiele waren auch frech, aber wesentlich verschrobener, und lange nicht so peinlich wie das, was hier aufgefahren wird. Die deutsche Synchro ist technisch gut gemacht, quält aber den Spieler damit, daß auf einmal über Wolfgang Petry und PUR geredet wird.

Was bleibt uns also? Die feine 3D-Graphik? Okay. Und dann noch der Wunsch, daß Vivendi die anderen Sierra-Reihen in Ruhe läßt. Wenn die Neuauflage eines Klassikers so aussieht wie MAGNA CUM LAUDE, dann möchten wir eigentlich lieber gar nichts spielen. Ehrlich.




Hinweis: Dieser Text erschien zuerst am 6. Dezember 2005 bei Fritz!/Salzburger Nachrichten.

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Die Abstände werden immer länger, je kürzer die Tage werden: In Genzels Blog, respektive Wilsons Dachboden, stauben ja schon seit längerem die Buchstaben quasi ein, bis neuer Krempel in alten Kisten dazugestellt wird. Wie immer darf ich euch crazy fans versichern, daß sich alles bessern wird und der Sieg des Guten nicht aufzuhalten ist! Schon bald kann Genzel von zu Hause aus ins Internet und kann dann nicht nur öfter bloggen (weil ja die Blog-Schreib-Stimmung eher abends anklopft als tagsüber), sondern auch öfter arbeiten, weil er nicht mehr für jeden e-Huster auf die Anglistik muß.

Soeben geordert: Total rares und beinahe privat verkauftes Material von Primer 55. Bobby Burns, ehemaliger Schrammler bei den lautstarken Rüpeln (mittlerweile ist er bei den noch lautstärkeren Rüpeln von Soulfly untergekommen), verkauft über seine Website bzw. sein "Label" ollen Krempel. Da gibt's ein Akustik-Bootleg von Primer 55 - das ist schon alleine deshalb interessant, weil sich Akustik-Versionen der Primer-Songs ungefähr so aufdrängen wie Unplugged-Sessions von Mr. Oizo - sowie eine Single, die die letzten 3 Songs enthält, die von der Band aufgenommen wurden. Das alles bestelle ich natürlich aus lauter Arbeitseifer, und nicht etwa, weil ich ein Fan von den Typen bin. Jaja!

Die Runde macht derzeit der Rohschlaf von SCHNITTLOS, oder so, und er stößt durchaus auf Resonanz. Daß letztere auch noch positiv ausfällt, freut mich natürlich ungemein, auch wenn es immer noch viel zu tun gibt. Ich hoffe, daß die Soundtrack-Produktion bald vorangehen kann, damit wir schön langsam Richtung Feinschnitt marschieren können. Jedenfalls weiß ich mittlerweile genau, wie der Schnitt verbessert werden kann, und hoffe auch, daß Alex mittlerweile den Ton vernünftig angelegt hat, damit wir den 2006-Termin denn auch einhalten können ...

Da machen wir doch auch gleich Werbung für unseren Lieblingshasi: Am Sonntag, den 18.12., findet um 11h früh die richtige Premiere seines neuen Krachers FAUSTRECHT statt - im Das Kino. Auch gezeigt werden Kurzfilme von Dominique Baudet und Anita Egenberger, die man halt mitguckt, wenn sie sich schon soviel Mühe gegeben haben. Die gewalt(ät)ige Story von Hasleckers neuem Opus dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, aber diesmal wird's - dank neuer Soundeffekte - noch mehr krachen und knacken! Als PR-Gag könnte Hasi ja vor dem Kino grobe Schlägereien inszenieren, oder nach Vorführung des Films kämpfende Sträflinge ins Kino lassen. Zack!

Oh, und was noch unbedingt mitgeteilt werden muß: Das Mockumentary TUTMOSIS, verzapft von Haslecker & myself, findet bei den Organisatoren des Anti-Kulturstadt-Films großen Anklang und wird also eventuell wirklich das Licht der Welt erblicken. Jetzt brauchen wir einen geeigneten Schauspieler, der den aufrechten Künstler mimt, welcher sich mit Gezielter Konsumstörung, Spontantanz, Klangcollagen mit Fahrradhupen, Schüttbildern zur Entfremdung des Künstlers vom Werk sowie einem (Luft holen!) unvollständigen Roman zwischen Liebesgeschichte und den Erfahrungen der Aufarbeitung des Vietnamkrieges im östereichischen Schulunterricht (puh!) in Salzburgs Kunstszene (k)einen Namen macht. Dürfte ein großer Spaß werden! Und natürlich ist auch Otto Neumaier wieder mit von der Partie, diesmal als gestrenger Vater, der unserem Protagonisten rät, doch endlich mal was Gescheites zu arbeiten.

Ofen und aus!

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