November 2005
Heute im Aldi steht neben uns in der Schlange ein hagerer, unrasierter Kerl, den wir von daaaaamals kennen: Der Typ hatte mal ein Computergeschäft namens Control Computer, die zunächst in Pfaffing zu finden waren, dann nach Wasserburg umgezogen sind und seitdem verschwunden sind. Sollte es den Laden noch geben, ist das spurlos an uns vorübergezogen. Jedenfalls war dieser Typ, dessen Name mir nicht einfällt, immer ein wenig seltsam, und hat einen bei Computerproblemen immer ungefähr so angesehen, als hätte man ihn nach den Tonrillen auf einer DVD gefragt. Und es war ja nicht nur, daß man sich richtig blöd vorgekommen ist, wenn man ihm einen Rechner zur Reparatur gebracht hat - sein Gesichtsausdruck hatte da auch immer etwas Genervtes, so einen Werfen-Sie-zwei-Aspirin-ein-und-kommen-Sie-Montag-wieder-Blick. Egal.

Jedenfalls waren mein Dad und ich noch am Überlegen, ob wir ihn ansprechen sollen, da winkt mir eine Frau mit Brille hinter der Kasse zu, und nach zweimaligem Hinsehen erst erkenne ich Sabine, die mit mir in die Klasse gegangen ist und von der ich seinerzeit sehr geschwärmt habe. Das ist ja nun eine Zeitlang her, genaugenommen acht Jahre, aber irgendwie scheint sich gerade die Vergangenheit im Aldi herumzutreiben und mir sogar zuzuwinken. Ein kurzer Austausch - klar, mir geht's gut, wie geht's dir, geht's dir auch so gut wie mir? - und schon weiß man, daß das blonde Mädel aus der Klasse, das immer aussah wie Kelly Bundy, jetzt schon ein zweites Kind hat, und daß sicherlich im Dezember wieder ein Klassentreffen ansteht. Nachdem unser werter Wahn (Obi-, natürlich) ja schon letztens genüßlich vom Klassentreffen berichtete, als sei es ein literarisches Rezensionsexemplar (die Rede war mitunter von "zentralen Figuren"), kann ich dann vielleicht auch Geistreiches und Gruseliges vom Treff der K20 aus Gars zu Blogge bringen.

Aber offenbar sind die wenigsten meiner Klasse so völlig losgelöst vom damaligen Umfeld: Die Menschen, mit denen man in die Schule ging, sind jetzt Studienkollegen oder Stammtischfreunde, und so mancher geht offenbar sogar zu den vorweinerlichen Abenden unserer alten Schule. Und ich? Renne höchstens mal nach acht Jahren jemandem von damals im Aldi über den Weg, und find's jetzt schon schade, daß ich nicht eine Welle angegeben habe, welch großartiger Filmemacher ich nicht schon sei, damit die Kunde in die Welt hinausgetragen werden möge. Ihr wundert euch jetzt sicherlich, was eigentlich der Punkt bzw. der tiefere Sinn dieses Geschreibsels ist, und ich darf euch versichern: Es gibt eigentlich keinen. Aber vielleicht schält sich ja beim Klassentreffen einer heraus?

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Gestern nacht im Salon Genzel: Das unglaubliche, immerrollende und elefantastische Quatro-Feature mit den Critters. Jawollja, ich habe gestern alle vier CRITTERS-Filme am Stück gesehen und es sogar geschafft, danach nicht von kuscheligen kleinen Tribbels mit vielen Zähnen zu träumen.

Das klingt natürlich schlimmer, als es sich anhört: Drei der vier Filme sind knapp über 80 Minuten lang, der vierte läßt sich immerhin mit 91 Minuten Zeit. Zusammengerechnet könnte man also auch 8 Folgen 24 schauen, oder die Indy-Trilogie, oder alle BACK TO THE FUTURE-Filme am Stück. Alles schon dagewesen. Natürlich war's beim vierten dann schon ein wenig zach, aber ich habe natürlich tapfer durchgehalten, bis alle Fuzzelfellbälle vernichtet waren.

In jedem Teil kann der geneigte (in welche Richtung auch immer) Cineast übrigens coole Darsteller - bekannte und unbekannte - erspähen. In Teil 1 wird Billy Zane beim Poppen im Heu (also, eher davor oder danach - er ist vollständig bekleidet) von den Nagern verspachtelt, und der geniale M. Emmet Walsh blickt als breit mauschelnder Sheriff den ganzen Film überhaupt nicht durch. In Teil 3 rennt Leo DiCaprio mit, und während er rein rechnerisch 16 oder 17 beim Dreh gewesen sein muß, ginge er auch glatt als 13 durch. Auch in der Nummer Drei: William Dennis Hunt, der echte Emperor Wang The Perverted, der schon in der Granate FLESH GORDON MEETS THE COSMIC CHEERLEADERS zu misanthropem (gell, Tinchen) Geschau sprach: "Your penis and my brain will be a marriage made in hell!"

In Nummer vier spazieren Angela Bassett und Brad Dourif durchs All, weil ja der vierte Teil einer Horrorfilm-Reihe immer im All spielen muß (vgl. HELLRAISER 4, LEPRECHAUN 4). Naja, Brad hatte da seine richtig anspruchsvollen Zeiten schon wieder hinter sich und schaut halt die ganze Zeit so, wie er immer guckt, wenn er gerade an Brathuhn denkt und die Welt glaubt, er hecke gerade Axtmördereien aus. Angela dagegen darf duschen (auch wenn der gezeigte Hintern sicher einem Double gehört) und sich prügeln, wobei ihr letzteres sicher den Weg zum Tina-Turner-Biopic gesichert hat.

Nummer zwei hat keine Oscargewinner drin, aber immerhin haben wir Barry Corbin (jawollja, aus AUSGERECHNET ALASKA), den Ubergeek Eddie Deezen, und zwei blanke Möpse, weil sich einer der Bounty Hunters - der dazu neigt, sich stets in die Person zu verwandeln, die er gerade sieht - zu sehr mit dem Playmate des Monats identifiziert. Die Verwandlung findet übrigens inklusive Heftklammer statt. Und gestern habe ich auch zum ersten Mal geschnallt, daß dieser Bounty Hunter den Namen "Lee" trägt, womit er sich wunderbar mit seinem Chef "Ug" ergänzt.

Irgendwo habe ich ja mal gehört, daß über CRITTERS 5 nachgedacht wird - Zeit wird's ja, schließlich ist Teil 4 1991 gedreht worden. Aber dann bitte wieder mit Don Opper, der in allen vier Teilen den superschrägen, nervösen und nicht so ganz hellen Critterjäger Charlie gibt. Vielleicht sollte ich New Line Cinema einfach ein Drehbuch schicken? "Dear Bob Shaye, I want to make CRITTERS sequel. How many want?"

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Rohschlaf schnittlos. Nein - Schnittschlaf rohlos. Schlafschlaf schnittschnitt. Naja, wie auch immer: Das Wochenende im MPR-Studio in München hat sich als sehr produktiv entpuppt, und Alex Rogge und ich sind mit dem Rohschnitt von SCHLAFLOS fertiggeworden. Dieser wird jetzt genauestens beäugelt, mit Musik versehen, ton- und bildmäßig aufgepeppt, und wird dann abgepackt und originalverkorkst zum Feinschnitt. Es muß also noch viel getan werden, aber immerhin ist ein ganz großer Schritt jetzt einmal getan. Bis zur Weltherrschaft dauert es also gar nicht mehr lange.

Pferdejazz. Das große Fun-Records-Paket ist also eingetrudelt, mit unzähligen CDs, CD-Singles, LPs, Maxis und anderen Tonträgern, darunter auch die Elton-John-Gedenksammlung für das Wohnheimtinchen sowie teutonische Klänge für die Schwarzwaldklinik. Was ja leider nicht mehr auf Lager war, ist das Album KISSES von der Gruppe Das Pferd, und um die Enttäuschung zu mildern, habe ich das Tape hervorgekramt, auf das mir mein Kumpel Steven Wilson (es handelt sich hierbei nicht um den Menschen, nach dem dieser Dachboden benannt wurde) seinerzeit fünf Tracks der sozusagen legendären Langrille gepackt hat. Frau Bebop in Rosenheim, deren Plattenladen nach ihr selbst benannt wurde, schüttelt immer nur den Kopf, wenn sie Das Pferd immer noch auf meiner Suchliste stehen sieht - after all these years. Jedenfalls ist es quasi Pflicht, ein Album zu besitzen, auf dem ein Track namens "Die Sirenen erwachen wenn die Vernunft schlafen geht" zu finden ist, und wenn dann Peter Brötzmann, dessen Saxophonspiel die häufigen Plosivlaute seines Namens widerspiegelt, ein wenig Sax vor dem Kampf beisteuert, führt ja eh kein Weg mehr drumherum.

Mein lieber Herr Kerkermeister! Nach nur wenigen Tagen ist THE DUNGEON MASTER von William Dear ausgelesen, und es bleibt ein mitreißender Bericht über das merkwürdige Verschwinden eines noch merkwürdigeren Jungen. James Dallas Egbert III, so heißt der 16jährige mit vollständigem Namen, hatte mit 13 die Highschool abgeschlossen und ging mit 14 aufs College - kein Problem mit einem IQ von über 180. Und plötzlich verschwand er spurlos - angeblich beim D&D-Spielen in den Heizungstunneln unter dem College. William Dear, der Privatdetektiv, der für die Suche nach ihm angeheuert wurde, schreibt hier seine Spurensuche nieder, seine rätselhaften Funde und die gesamte Tragödie, die sich abgespielt hat. Das liest sich spannend wie ein Krimi, ist aber psychologisch sehr stimmig und sehr interessant, und man vergißt doch nie, daß es sich um die Wirklichkeit handelt, um etwas, das real geschehen ist. Dringende Leseempfehlung.

Mordsmusik. Das neue Album von Professional Murder Music, DE PROFUNDIS, ist auch schon da, und es hat mit Bonus-DVD und Porto aus Amerika schlappe €15 gekostet - wieso ist es eigentlich so viel teurer, nach nebenan zum Media Markt zu gehen? Jedenfalls unterteilt sich die CD in zwei Parts: Im ersten finden sich Akustik-Versionen von Songs des Vorgängeralbums LOOKING THROUGH, die extrem fein sind und zeigen, daß hinter dem ganzen Krach viel Songschreibekunst steckt. Insbesondere "Clear", auf dem letzten Album schon ein großartiger Song, hat hier Gänsehautqualitäten. Im zweiten Teil sind Coverversionen zu hören - die Band eignet sich quasi Songs von Radiohead, U2, PJ Harvey, den Stone Temple Pilots und David Bowie an und läßt sie wie Eigenkompositionen klingen. Gute Arbeit, die Herren. Und weitermachen!

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MYSTERY PROJECT. Gestern auf der Leinwand im Das Kino. Sah natürlich ein bißchen verwaschen aus, weil sich Mini-DV eben nicht so fantastisch gut auf den big screen aufblasen läßt, aber ich glaube, der Film ist ganz gut angekommen. Ich habe diverse Lacher gehört und hatte selber auch meinen Spaß. Natürlich kam hinterher ein Mensch von der Jury, der mich aufgeklärt hat, was an dem Streifen anders hätte sein müssen - die Perspektive! die Struktur! - aber dieses kleine, unschuldige Filmchen ist eben, was es ist. Manche nehmen es zu ernst, andere verstehen gar nicht, worum es geht. Aber hey, zumindest wurde bei mir nicht bemängelt, daß der Film "keine Philosophie" habe, wie besagtes Jurymitglied dann einem anderen (putzifeinen) Film vorwarf.

Interessant immer wieder, wie ich den Film sehen kann, ohne mich über Georg zu ärgern. Das ist, als wäre er ein ganz anderer Mensch da oben - nein, eigentlich ist es einfach nur so abstrakt, daß ich eben im MYSTERY PROJECT eine Filmfigur sehe, den grenzgenialen Oberchaoten, und nicht den realen Menschen, der mir soviel Kopfschmerzen bereitet. Tröbi ist immer noch wunderbar. Und Jean-Luc auch. Ich mag den Film, und wenn's sonst nur ein paar Leute tun, dann sei's drum. Aber wie gesagt: Viele haben gestern gelacht. Da können wir doch gar nicht so weit am Ziel vorbeigeschossen sein, oder?

FAUSTRECHT. Hasis neuestes Opus, dessen Entstehung ich auch beiwohnen durfte. Fantastischer Look. Brutal, roh, ungeschliffen. Sehr gewalttätig. Nur hinterläßt der Film dann hinterher einfach nur Fragezeichen, und vielleicht könnte man hier das Philosophie-Kriterium von oben zu rate ziehen. Was will uns der Film sagen? Wenn es um Rechte geht, warum geht es dann in einer Situation darum, in der gar nicht anders reagiert werden kann? Wenn es um den Gefangenenalltag geht, warum werden die Wärter dann als solch autoritäre Sadisten dargestellt? Egal. Es geht um den Moment, das Aussehen, und wie es sich anfühlt. Ich mag das Resultat.

CREEP. Franka P. in einem britischen Horrorschocker, der sich eben nicht gewaschen hat, aber dies bei all dem Blut, Schleim und Siff dringend tun sollte. Da ist ein Regisseur mit den bizarrsten Horrorfilmen aufgewachsen und wirft uns als Zuseher in eine Geschichte, bei der wir gar nicht wissen, was uns der Film zumuten wird, wie weit er gehen wird. Das Monster und seine Existenz sind so dermaßen bizarr, die Welt, die sich dort zeigt, und seine Maschinismen so kaputt, daß wir dem Geschehen hilflos ausgeliefert sind. Der Vergleich mit THE HILLS HAVE EYES drängt sich auf, oder an die anderen verrückten Horrorfilme, die nicht den geordneten Weltbildern der Slasher folgen, eben weil hier nicht das Böse in die normale Welt einbricht, sondern uns der Film suggeriert, daß die Welt eigentlich immer so ist. Creepy. Regisseur Christopher Smith sollte man im Auge behalten, und Method Actor Sean Harris, der sich als - ja, als was? Als Kreatur? - die Kante gibt, ebenso. Nur Franka, die hören wir lieber deutsch sprechen.

WILLARD. Im Moment scheint sich bei mir wieder der Sinn fürs Makabre, für das Schwarze und Bizarre abzuzeichnen. Willard, ein Remake eines Films von 1971, ist die liebliche Geschichte eines sehr in sich gefangenen Menschen, dessen einziger Freund eine Ratte ist, und der sich bald als Herr - oder doch Spielzeug? - einer Tausendschar Ratten sieht. Crispin Glover (George McFly!) spielt einmal mehr verrückt, schräg, geradezu neu-gothisch, aber hinter seiner Exzentrik steckt viel Können und auch Emotion. Es mag kein guter Horrorfilm sein, weil er nicht unheimlich ist, und es mag keine Charakterstudie sein, weil er dazu viel zu wenig von dieser Welt ist, aber es ist ein fantastisch gespielter, gut gemachter Trip in eine Welt, in der das id und die Neurose in einer Horde Nager manifestiert immer wieder den Weg zu dir finden, auch wenn du die Mauselöcher mit Klebeband verschließt.

FILMSTUBE KÖLN, NOVEMBER 2005. Döner für 2 Euro! Das Interview mit Jörg ist so aufschlußreich und doch so nichtssagend. Gehemmt und schüchtern wie gehabt spricht der Kölner über das, was er gerne macht, und wenn er mit Ehrfurcht in der Stimme "Regie führen!" sagt, ist er das kleine Kind, das gerne Astronaut sein will. Irgendwie wußten wir es doch schon, aber hier sehen wir es nochmal genau: Jörg ist einfach ein ganz simpler Kerl, der den großen Traum vom kleinen Film lebt. Und mittlerweile bin ich am überlegen, ob er wirklich so arm ist, weil er irgendwie in seiner eigenen kleinen Welt lebt, in der Lagerchef-Selbstfilme eine tolle Errungenschaft sind und in der leuchtende Augen sich der Magie der bewegten Bilder gegenüber noch nicht müde zeigen.

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Wer in letzter Zeit die erhitzten Diskussionen im Regie.de-Forum verfolgt hat, ist vielleicht wie ich selbst Zeuge einer erstaunlichen Erkenntnis geworden. Jörg ist nicht etwa einfach nur der verschrobene Schmalfilmregisseur, für den er weithin gehalten wird. Nein, er ist der tumbe Held, der durch wu wei das oppressive System untergräbt, der naive Idealist, dessen unbedarfte Beharrlichkeit beinahe Züge der Deutschen Romantik aufweist und das Establishment durch eben jenes Chaos aufrüttelt, vor dem es sich durch Überheblichkeit schützen will. Jörg ist quasi der Donald Duck der Kurzfilmszene, der im ständigen Konflikt mit den Dagoberts, MacMoneysacs und Gustav-Gans-Figuren der etablierten Filmschaffenden steht, aber mit seiner Kurzfilmtrilogie Tick-Trick-Track (kaum zu unterscheiden, aber nur im Trio stark) und dem Handbuch der Filmstube Fieselschweif jenen Menschen im Forum als Spiegel für ihre eigenen Bedürfnisse dient: Jörg ist einer wie wir, einer von unten, für den - wie für die anderen Forenmitglieder auch - Aufmerksamkeit und Anerkennung gleichzusetzen sind.

Wie Clemens Brentano glaubt auch Jörg an die magische Kraft des Wortes: Auf überlange Belehrungen darüber, wie indiskutabel schlecht sein Ruf in der Branche und speziell im Forum nicht sei, reagiert er mit dem romantischen Zauberstab, dessen Verwendung eben das wahr werden läßt, was gesprochen wird: "In Regie ist mein Ruf sehr gut." Gegen die humorlosen, sich selbst allzu wichtig nehmenden Eingeschnappten, die in ihrem erzieherischen Auftrag, wie andere Menschen sich zu verhalten hätten, mitunter gerne von sich selbst in der dritten Person sprechen, ist Jörg wie ein Schild, an dem alles abprallt, und funktioniert als Wunderwaffe, die das wahre Gesicht seiner Widersacher erkennen läßt.

Jörg, wir sind auf deiner Seite. Wenn du es baust, wird er kommen.

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Die Fun-Records-Bestelllawine rollt schön langsam an! Eigentlich warte ich nur noch auf Meldung des sich derzeit auf einer "Tagung" befindlichen hellen Obi-Wahns, ob er auch Tonträger braucht. Dann wird flugs die Bestellung abgeschickt, und ich erhalte, wenn alles gut geht, bald ganz viele Singles & Alben von Klaus Lage, Sheila E., den Dolphin Brothers, Crazy Town, Herbie Hancock, Das Pferd, Soul Asylum, Toshinori Kondo, den 21st Century Girls, UKW, den Grapes of Wrath, Udo Lindenberg, Stephan Remmler, Madder Rose und noch ein paar anderen. Martina hat sich zur Vorbereitung auf die Elton-John-Themenparty einen ganzen Schwung LPs des Brillenträgers bestellt, während C2 auf Musik von Justin Warfield, den Golden Palominos, ebenfalls Klaus Lage und Ideal hofft.

Apropos Ideal: Was man nicht alles lernen kann über die Neue Deutsche Welle, wenn man bei Wikipedia herumsurft. So gibt es zwei Humpe-Schwestern, Inga und Annette, und beide waren früher mal in der Band DÖF - und das steht nicht für "Deutsch-österreichische Freundschaft", wie ich immer geglaubt habe, sondern für "Deutsch-österreichisches Feingefühl". Yessir! Überhaupt gibt es ganz viele Einträge zur NDW dort, und ich nehme mir jetzt schon vor, viel von dem Krempel zusammenzukaufen.

Genauso wie ich über eine Frank-Farian-Retrospektive nachdenke. Mal ehrlich: Die Boney-M.-Geschichten sind ja wirklich gut. Klar ist das Käse, klar ist das Evil Disco, aber eben gut. Macht Spaß. Bei Boney M. hat ja genau eine der Frauen selber gesungen, die anderen zwei und der Kerl waren nur zur Deko da. Farian selbst hat die männlichen Vocals gesungen. Und mit seinem Produktionsstall, zu dem auch Enigma-Ehemann und Sandra-Kopf Michael Cretu gehörte, hat er eine Band nach der nächsten auf die Bühnen geschickt. Eruption mit Precious Wilson, der er dann auch eine Solokarriere gestrickt hat. Später dann Milli Vanilli, wo die Bombe hochging. Aber, Kinder, die Hits: "I Can't Stand the Rain" von Eruption. "We Are On The Race Track" von Precious Wilson. "Ma Baker" von Boney M. Da sind sicher noch mehr zu finden!

Heute kam übrigens das originale WOLFENSTEIN 3-D an. Eigentlich wär's ja gestern schon dagewesen, aber ich war's halt nicht, und drum bin ich heute mit gelbem Zettel bewaffnet bei der Post einsammeln gewesen. Und schon befinde ich mich auf dem Fluchtweg aus Schloß Hollehammer (was übrigens, wie ich jetzt herausgefunden habe, Höllenhammer heißen sollte) und finde alle Schätze, töte alle Geheimgänge und sammle alle Nazis ein. 100%, baby, da bleibt nichts mehr über, und das Ende des zwölfjährigen Reiches ist nahe!

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Momentan scheint irgendwie die Luft raus zu sein aus unserem Blök-, Verzeihung, Blog-Gefüge. Woran mag es wohl liegen? Manche von uns haben viel zu tun, anderen passiert nichts erwähnenswertes. Und mir ist es viel zu anstrengend, nach jedem Trashfilm diverse Absätze wohlfeiler Kurzprosa in die Tastatur zu klopfen.

Apropos Trashfilm: Die Welle hat ihren Zenith schon wieder überschritten und ebbt nun ab. Der letzte Bruce-Lei-Film, der den Weg in meinen VHS-Rekorder gefunden hat, steht nach wie vor bei 30 Minuten Spielzeit (ich ahne zu wissen, was in den restlichen 60 Minuten passieren wird). Ein Tomas-Milian-Superbullen-Streifen wurde aus den undankbaren Klauen des unglaublichen Herrn Prohaska errettet, lungert aber nun bewegungslos auf meinem Schrank. Die von Obi-Wahn geliehenen Kung-Fu-DVDs, die immerhin auf der Rückseite ehrlich genug sind, darauf hinzuweisen, daß die Story vielleicht gar nicht so aufregend ist, dürften schon Mahngebühren en masse sammeln.

Nun, das kommt und geht. Wissen wir ja alle. Vielleicht sitze ich schon morgen wieder bei der REVOLTE DER 7, die mir etwas verspätet von eBay aus noch ins Haus flattern wird. Eventuell auch nicht. Derzeit ist wieder schwererer Stoff angesagt: MILLION DOLLAR BABY am Samstag, GANGS OF NEW YORK am Montag, SOLO FÜR KLARINETTE am Dienstag. Dazwischen leichte Zerstreuung mit dem Bonusmaterial zu BATMAN BEGINS, in dem Katie Holmes ganze zwei erkenntnisreiche Sätze beisteuern darf: "I finally understand men's fascination with cars" sowie "This is the best batmobile ever". Word, sista.

Es wird natürlich weiterhin fleissig gelesen. MASTERS OF DOOM, in 4 Tagen ausgelesen (der Besuch meiner Mama hat mich da ein wenig aufgehalten), zeichnet ein faszinierendes Bild von John Carmack und John Romero, den beiden Irren, die mit WOLFENSTEIN 3D, DOOM und dann QUAKE für Furore sorgten. Spannender Stoff, viel Computergeschichte. Dagegen kann FEUER, der Wolfgang-Hohlbein-Schocker der Woche, nicht so wirklich mithalten: Ich weile gerade ungefähr auf Seite 550, vor mir liegen noch ungefähr 150 Seiten, aber in der Geschichte ist einfach keine Musik mehr drin. OK, Wolfi, nächste Woche schreibst du wieder ein spannenderes Buch.

Zum Glück ist schon für Nachschub gesorgt, und DUNGEON MASTER: THE DISAPPEARANCE OF JAMES DALLAS EGBERT III ist auf dem Weg. Wie ja jedes Kind weiß, wurde das Ur-Rollenspiel Dungeons & Dragons seinerzeit von Gary Gygax und noch so einem Menschen erfunden, und erfreute sich ab den frühen 70ern besonders auf College-Campussen (-Campi?) größter Beliebtheit. In Michigan ist seinerzeit der hochintelligente James Dallas Egbert III beim D&D-Spielen in den Kanälen unter dem College verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Das Buch nimmt seine Spur auf. Natürlich gab's einen Skandal, und es war - wie es ja regelmäßig der Fall ist - bewiesen: Spiele sind gefährlich, und Jugendliche sollte man prinzipiell von allem Realitätsfremden fernhalten.

Apropos fernhalten: Wie einige von euch jetzt schon wissen, ist meine "Support Jörg"-Kampagne angelaufen. Sinn der Sache ist es, Jörg Zimmermann zu unterstützen, durch Interesse, nette Briefe, aufbauende Worte. Möglichst ohne sich über ihn lustig zu machen, und ohne ihn anzulügen (das fällt freilich auch in die erste Kategorie). Nachdem einigem Mail-Austausch mit Jörg habe ich gestern in kürzester Zeit ein kurzes Drehbuch geschrieben, in dem zwei Menschen miteinander reden, und Jörg freut sich jetzt sehr und hat schon die Storyboards gezeichnet. "Ist Genzel jetzt wahnsinnig geworden?", wollt ihr vielleicht wissen. Nun, ich darf den Zweiflern das Video vom Treff der Kölner Filmstube empfehlen, bei dem der arme Jörg völlig alleine vergebens darauf wartet, daß irgendjemand erscheint. Ich hab' eben doch ein Herz (eine Erkenntnis, die auch mich einigermaßen überrascht) und möchte dem armen Kerl eben eine kleine Freude machen. Vielleicht schreiben ihn ja noch mehr Leute (ernstgemeint) an, schicken ihm kleine Dialoge, oder Tips, oder sonstirgendetwas, worüber er sich freut.

Righty-right, verehrte Droogs, ich mach' jetzt die Rolle heimwärts und werfe dort ein paar ultrabrutale Fischstäbchen Plus in die Pfanne. Macht mir keinen Kummer. Und good night, Mrs. Spinler. Whereever you are.

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