Der Theaterreport, Teil 3: Was Schauspieler gar nicht mögen. Heute morgen hatten wir eine Matineevorstellung für einen großen Haufen Schüler, und die waren ganz zach. Es ist jedes Jahr eine Aufführung dabei, wo das Publikum irgendwie gar nicht reagiert und selbst bei den größten Brüllern eher ruhig bleibt. Wir vermuten mittlerweile, daß einfach jedes Jahr die gleiche Schulklasse vorbeikommt, und die ist voll mit Schülern, die wegen Englisch sitzengeblieben sind. Nun, zu ihrer Verteidigung muß man sagen, daß sie im 2. Akt ein wenig aufgetaut sind, und daß ihnen die schmuddeligen Witze natürlich ganz enorm getaugt haben. Wie's halt so ist. Inmitten der Schüler saß meine Mama, die am Montag wegen der Sintflut nicht kommen konnte, und der hat's sehr gut gefallen, aber sie hat sich nicht getraut, laut zu klatschen, weil man ihr ja Befangenheit unterstellen könnte. Die beste Performance heute morgen stammte aber von unserer Regieassistentin Lizzie, die beständig als slow clapper versucht hat, das Publikum anzuheizen. Mein Vorschlag: Lacher vom Band. Die heutige Jugendgeneration weiß ja dank Sitcom-Lacheinspielungen nur beim Erklingen konservierten Gekichers, daß etwas komisch ist.

Naja, heute Abend wird das sicher wieder schmissiger. Ab irgendeinem Punkt kommen einem die Aufführungen freilich wie der Murmeltiertag vor, aber nach den 2 Aufführungen morgen sind wir ja auch schon wieder fertig. Und morgen abend wird eh noch mal der Bringer, und anwesende Prominenz unter den Gästen (darunter Doktor Vokal, mein Dad und Obi-Wahn) verleiht der letzten Performance natürlich eine spezielle Note.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele, und dreht eine Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX, den All-Music Guide, das 35-Millimeter-Filmmagazin und Film & TV Kameramann. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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