Soeben hat die ohnehin schon seit langer Zeit in der eisernen Lunge vor sich dahinvegetierende Aktionsgemeinschaft vollends das Zeitliche gesegnet. Zumindest die Salzburger Zweigstelle, die dank einer Verkettung von unglücklichen Umständen und mannschwacher Organisation heuer nicht einmal mehr bei den ÖH-Wahlen kandidieren darf. Liebe AG - auch wenn wir schon seit geraumer Zeit getrennte Wege gehen und uns neuen Lebenspartnern zugewandt haben, werde ich ein paar Blumen kaufen und bei Gelegenheit auf dein Grab legen.

Es waren übrigens lausige 2 Stimmen, die gefehlt haben. Zur Erklärung: Um bei den ÖH-Wahlen überhaupt antreten zu dürfen, muß man eine Unterstützungserklärung mit 50 Unterschriften vorlegen. Deswegen sieht man auch gelegentlich vor den Wahlen enthusiasmierte Studentenvertreter mit Zetteln durch die Institute laufen, im oftmals verzweifelten Versuch, den lieben Kindern beizubringen, daß man mit dieser Unterschrift niemanden wählt, sondern nur eine Kandidatur unterstützt. Aus Prinzip habe ich ja immer bei allen unterschrieben, um die Demokratie zu schützen (es ertönen nun sehr patriotische Klänge im Hintergrund) - egal, ob das nun die Ein-Mann-gegen-alle-Fraktion RFS war oder der komplett sinnfreie Ü(ber)BIS von Rainer, den immer noch alle für den Pedell halten.

Nun wurden am Freitag freudig 60 Stimmen vorgelegt - von denen sich dann 12 als ungültig entpuppten. Es hat wohl auch noch ein paar weitere Zettel mit anderen Unterschriften gegeben, aber deren Besitzer befanden sich gerade im (nicht-sozialistischen, freundlich gesinnten) Ausland. Dumm gelaufen irgendwie.

Offenbar sind die ÖH-Wahlen ja schon diesen Monat, auch wenn ich fast nichts davon mitkriege. Irgendwo hängt ein einsames VSSTÖ-Plakat, das sicherlich aus Wien übernommen wurde und lautstark Anmeldelotto und überfüllte Hörsäle anprangert (Publizisten fühlen sich davon vielleicht sogar in Salzburg angesprochen, unter der Voraussetzung, daß sie lesen können). Aber nirgendwo sind Tische mit Grabbelware, nirgendwo geben strahlende Spitzenkanditaten Kugelschreiber oder Kondome mit dem Fraktionslogo her. Die Wahlbeteiligung wird wohl 2005 irgendwo unter 10% liegen, und dann weint wieder irgendjemand, weil es fast danach aussieht, als hätte sich Studentenpolitik überholt.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele, und dreht eine Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX, den All-Music Guide, das 35-Millimeter-Filmmagazin und Film & TV Kameramann. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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