Eigentlich wollte ich ja noch ganz lange von KEN PARK schwafeln, den ich mir gestern zu Gemüte geführt habe, aber weil in weniger als 25 Minuten der gute Ef vor meiner Tür steht, um sich endlich Verhoevens FLESH+BLOOD ansehen zu können, fasse ich mich doch kurz. Natürlich ist's mal wieder ein Skandalfilm, weil ja Larry Clark draufsteht, und natürlich ist der Inhalt trübe und zermürbend. Und wie schon bei Clarks Erstling KIDS gilt: Er zeigt Dinge, die anderswo nicht gezeigt werden, und bietet einen erschütternden, aber gleichsam faszinierenden Einblick in eine Welt hinter den idyllischen Kulissen. Bei KEN PARK haben manche ja wieder "Pornographie" geschrien - und dabei völlig übersehen, daß die expliziteste Szene des Films eigentlich die unschuldigste ist, weil überall anders Sex dazu dient, jemanden auszubeuten. Und wie der Film Figuren zeichnet, die ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse nur durch die Ausbeutung anderer befriedigen können, ist packend. Auch die Struktur um den Selbstmord des Teenagers Ken Park ist interessant - weil der Film sich schlichtweg weigert, der Erwartungshaltung des Zuschauers entgegenzukommen, der in den einzelnen Geschichten eine Erklärung suchen wird. Erfreulich: Der DVD-Anbieter "Kino Kontrovers" hat einige sehr interessante Interviews zum Film dazugepackt und ein dickes Booklet mit tiefschürfendem Essay zum Film beigelegt.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele, und dreht eine Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX, den All-Music Guide, das 35-Millimeter-Filmmagazin und Film & TV Kameramann. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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