Juli 2004

Altes Herz

Auch das Herz der Band Heart schlägt noch: eine Dekade nach ihrem letzten Studioalbum legen die Wilson-Schwestern mit JUPITERS DARLING nach.

"Wie, Heart?", fragt mein guter Freund C2 bei der Erwähnung meiner neuen Rezension. "DIE Heart?" schiebt er mit hochgezogener Augenbraue hinterher, und als ich mit einem knappen "Nancy Wilson" nicke, sehe ich hinter seinem jetzt hellwachen Auge Cameron-Crowe-Filme ablaufen. Schließlich hat Wilson, die Ehefrau von Crowe, die Soundtracks zu dessen Filmen beigesteuert (darunter die wunderbarste Liebeserklärung an die Musik, ALMOST FAMOUS). Hauptberuflich aber spielt Nancy schon seit den 70ern zusammen mit ihrer Schwester Ann in der Band Heart, die besonders in den (musikalisch gern belächelten) 80ern mehr Alben verkauft haben als ich Fanpost kriege.

In den letzten Jahren hat man wenig von Heart gehört, das letzte Studioalbum liegt schon elf Jahre zurück. So richtig weg waren die Wilson-Schwestern natürlich nie, aber jetzt, wo sie uns wieder einmal Musik präsentieren, macht sich sofort der schale Geschmack des Achtziger-Jahre-Rückblicks im Mund bemerkbar, der uns ja auch ein Wiedersehen mit Blondie (gut) und den Bangles (gut gemeint) beschert hat. Völlig zu Unrecht, wie der wohlwollende Rezensent schnell feststellt: Die Wilson-Schwestern verstehen es nach wie vor, feine Soft-Rock-Songs zu schreiben, die sich schnell im Ohr festhaken.

Dabei wird durchaus experimentiert: Mandolinen dominieren "I Need the Rain", ein Dulcimer ("Hackbrett" sagt der Oberförster dazu) erklingt auf "Enough", während "Things" schwer mit Country flirtet. Das alles ist aber eingebettet in einen gefälligen Pop-Sound, den auch die Grunge-Gäste Mike McCready und Jerry Cantrell nicht zum sägenden Schrammelspektakel hinbiegen. Meist singt Ann, hin und wieder aber ist auch Nancy zu hören, und diese Songs sind die heimlichen Höhepunkte des Albums. Aber auch die radiokompatiblen Rocker sind erfreulich: "The Oldest Story in the World" etwa, oder der Ohrwurm "The Perfect Goodbye".

Was missfällt also? Das Album ist schlichtweg zu lang. 16 Songs, dazu zwei Bonustracks, und schon sitzt man 70 Minuten bei einer Songkollektion, die die Aufmerksamkeit nur für eine Dreiviertelstunde fesselt. Auch hinten finden sich feine Stücke – etwa die Akusikversion von "Fallen Ones" – aber als geballte Ladung beißt man sich doch eher durch. Und – wir sind heute mal wieder besonders mäkelig – daß das Booklet superdick ist, freut das Liebhaberherz natürlich, aber warum darin viel Platz für computergenerierte Mandelbrotmengen vergeudet wird, wissen wohl nur die Götter. So gesehen befinden wir uns dann doch wieder in den 80ern, als Apfelmännchen am C64 "in" waren.

"Und, was ist das Résumé des Ganzen?", fragt C2 nach kurzem Durchskippen des Albums. "Fein," sage ich. "Gute Songs." Er nickt, wartet ein paar Sekunden, ob noch etwas hinterherkommt. Dann zuckt er mit den Schultern, dreht den CD-Player etwas leiser, und wir reden wieder über ALMOST FAMOUS. Da ist auch Nancy Wilson gut aufgehoben.





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Das folgende Interview mit Destruction-Gitarrist Mike (Michael Sifringer) wurde vom Kollegen Erhard Furtner für Fritz/Salzburger Nachrichten geführt.



Zerstörungs-Wut

Die Zerstörung macht auch nach 20 Jahren nicht Halt. Ein Exklusiv-Interview mit Mike, dem Gitarrist der deutschen Thrash-Ikone Destruction.

Die Fanbasis von Destruction ist recht aktiv, und so konnte man vor kurzem Destructions "Desecrators of the New Age"-Video vom aktuellen Album METAL DISCHARGE auf Vivaplus bewundern, wo sie bei einem Publikumsvoting mit dem ersten Platz auftrumpfen konnten. Was beim brutalen Sound von Destruction und dem guten Old-School-Video doch überrascht.

Man kann sagen, daß Destruction eine der wenigen Bands ist, die es geschafft hat, den dröhnenden 80er-Jahre-Thrash-Metal authentisch ins 21 Jhdt. zu transportieren. Seit SENTENCE OF DEATH, dem ersten Album 1984 haben die Jungs aus Deutschland die internationale Schwermetallszene mit exzellenten Songs wie "Mad Butcher", "Bestial Invasion" und "Release from Agony" bereichert. Seit Bestehen gab's natürlich die obligatorischen Umbesetzungen, eine Auflösung und die dazugehörige Reunion ...

I wrote the following review of Jean-Luc Julien's short film THE KISS (2000) as an IMDB user comment back in 2004. The film has been made available online since then and can be watched below. Also, check out the interview with Jean-Luc at alexfotografiert.de (here) and Jean-Luc's video commentary for the film (here).

A small, but powerful film.

This little-seen short film is a small gem. Shot in black & white, completely without dialogue, it tells the story of a man (Henry Lide) sitting on a beach, desperately drinking gallons of whiskey to prepare himself for his suicide. A few moments before he pulls the trigger of his gun, however, an angel emerges from the ocean and rescues him.

Julien's images are powerful, and he skillfully shows how the man's world spins out of control: the first few frames are calm and peaceful, but then, as we begin to sense the man's desperation, the film becomes quite unsettling - perfectly accompanied by Mark Williams' score, which introduces dissonant guitars to underline the man's emotions. When the man is saved by the angel, everything becomes calm again, and the film ends with a beautiful shot of Lide watching the ocean, seemingly disappearing in its vastness.

The beauty lies in the details: The story suggests enough to intrigue the viewer, but it never spells out why the man wants to commit suicide. We see him burying a photograph of a woman in the sand - is it the same woman who emerges from the sea? Also notice how Lide's face is never seen in its entirety until the very end, when the angel takes off his cap and kisses him.

Julien has created a powerful, intriguing film - 8½ memorable minutes of storytelling. If you get a chance to see it, do so by all means.




The Kiss

Kurzfilm "Rundweltmaedchen Gesucht!" | Myspace Video


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